Die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP - Socialistiese Arbeiderspartij), die niederländische Sektion der IV. Internationale, war von den Verhandlungen über die Bildung einer gemeinsamen linken Liste, die schließlich zur Gründung von Groen Links führten, ausgeschlossen worden.
Dieses Bündnis wurde im wesentlichen von der linksalternativen Politischen Partei der Radikalen (PPR), der linkssozialdemokratischen Pazifistisch-Sozialistischen Partei (PSP) und der eurokommunistischen Kommunistischen Partei der Niederlande (CPN) getragen. Als Groen Links sein Programm veröffentlichte, wurde klar, warum sich PPR und CPN geweigert hatten, die SAP zu den Verhandlungen eipzuladen: an diesem detaillierten Programm ist nichts sozialistisch, es stellt die Macht und die Reichtümer der herrschenden Klasse nicht in Frage und weist zahlreiche weitere Schwächen auf. Die SAP hätte ein solches Programm nicht ohne bedeutende Verbesserungen unterzeichnen können. Deshalb nahm die SAP mit eigenen Kandidaten an der Wahl teil. Von den 30 Kandidaten und Kandidatinnen ihrer Liste waren acht jünger als dreißig Jahre, wodurch dies die jüngste Liste war, die zur Wahl stand. Um die entscheidende Bedeutung der Kämpfe zu unterstreichen, waren die Kandidaten und Kandidatinnen alle Aktivisten der Bewegungen, Gewerkschaften oder laufenden Kampagnen.
Freund und Feind stimmten darin überein, daß die Hauptlosung der SAP in scharfem Kontrast zu denen der anderen Parteien stand und zumindest eindeutig war: ,Presenteer de rijken de rekening" — „Den Reichen die Rechnung präsentieren!" faßt in provokativer Weise zusammen, daß genug Geld für Löhne, Arbeitslosenunterstützung, soziale Sicherheit und für den Umweltschutz da ist.
Die SAP führte die Kampagne mit einer Plattform von dreizehn konkreten Forderungen und Vorschlägen, wozu unter anderem gehörten: • Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich; • kostenlose Kinderbetreuung auf Verlangen; • Schluß mit den militärischen Ausgaben; Austritt der Niederlande aus der NATO; NATO raus den Niederlanden; • Erhöhung der Löhne, des Arbeitslosengeldes, der Renten und der Sozialleistungen; • Stop dem Rassismus; Aufhebung der Einwanderungsbeschränkungen; • Wahlrecht für alle, die älter als 15 Jahre sind, auch für Immigranten und Immigrantinnen.
Während der Kampagne wurden über 250 000 Flugblätter, Broschüren, Plakate, Zeitungen (darunter spezielle Ausgaben für die Verbreitung unter Arbeitern und Jugendlichen) und Wahlprogramme verbreitet. Die Partei hatte die Möglichkeit, fünf Wahlspots im Fernsehen auszustrahlen (drei à drei und zwei à fünf Minuten). Hunderte von Leuten haben auf diese Sendungen reagiert und Kampagnenmaterial angefordert. Die SAP erhielt 4300 Stimmen, 700 mehr als 1986 und mehr als die meisten Genossen und Genossinnen erwartet hatten. Die Partei hat neue Abonnenten ihrer dreiwöchentlich erscheinenden Zeitung Klassenstrijd, neue Anhänger und Mitglieder und möglicherweise sogar zwei neue Ortsgruppen gewinnen können. Die Einschätzung der Parteileitung war einmütig positiv, als sie nach der Wahl die Kampagne bilanzierte.
DEUTSCHE
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