Es war 1985, als sich die Zeitschrift Inprekorr zuletzt mit einer Bitte um Spenden an ihre Leserinnen und Leser gewandt hatte, als die Zeitschrift ihr Gesicht völlig veränderte und versuchte, sich an einen breiteren Lesekreis außerhalb der eigenen Reihen zu wenden. Wenn wir gezielt um 50 Spenden gebeten haben, dann zumeist, um Projekte der IV. Internationale im Ausland zu unterstützen: das war so mit der Spendensammlung für die chilenische Sektion, zuletzt mit der für die Amsterdamer Schule. Dennoch sind immer auch Spenden für die Zeitschrift selbst eingetroffen, die wir regelmäßig auf Seite 2 veröffentlicht haben. Inote
Diesmal wenden wir uns an unsere Leserinnen und Leser mit der Bitte, durch Spendenbeiträge sicherzustellen, daß Inprekorr auch künftig regelmäßig erscheinen kann. Inprekorr finanziert sich zur Zeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Abos. Dies ist nicht mehr kostendeckend. Wir haben in der letzten Zeit eine Reihe von Abonnent(inn)en und Wiederverkäufer(innen), die früher die Zeitschrift unterstützt haben, aus politischen Gründen verloren.
Früher gehörte diese Zeitschrift zu den wenigen Stimmen auf der Linken, die gegen das stalinistische Regime, gegen Terror und administrative TSCHES ESBAN
Kommandowirtschaft auftrat und sozialistische, oppositionelle Bewegun gen dagegen unterstützte und ihnen ein Sprachrohr verlieh. Heute sind solche Positionen in einem großen Teil der Linken Gemeingut geworden. Damit hat sich die Funktion von Inprekorr jedoch nicht erübrigt. Die sozialistische Gesellschaft, die wir anstreben, läßt sich im nationalen Rahmen allein nicht verwirklichen - das beweist die internationale Dimension der sogenannten Menschheitsfragen" ebenso wie die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterklasse über die Länder- und Systemgrenzen hinweg gegen den Imperialismus, aber auch gegen bürokratische Bevormundung und Ausbeutung. Ob sich eine solche Einheit herstellen läßt, hat etwas damit zu tun, ob in der Arbeiterklasse eine einheitliche Auffassung darüber hergestellt werden kann, wer der Gegner und was die Zielsetzung ist. In diesem Sinne kam es uns immer ebensosehr darauf an, in der BRD oder der Schweiz die sozialistische Opposition in Osteuropa zu unterstützen, wie es uns in Polen oder Ungarn darauf ankam, die Befreiungsbewegungen in vom Imperialismus abhängigen Ländern zu unterstützen. Dieser Erziehung im Geiste des proletarischen Internationalismus hat sich die Zeitschrift Inprekorr immer verschrieben — ihr Eintreten für eine revolutionäre Masseninternationale ist die organisatorische Konsequenz daraus. Wir behaupten nicht, daß wir dies Anliegen heute angemessen einlösen. Die Aufgaben übersteigen unsere Mittel bei weitem. Dennoch sind wir uns darüber im klaren, daß auch im Zeitungskonzept Veränderungen fällig sind, damit der gestellte Anspruch besser eingelöst werden kann: z.B. durch eine größere Zahl theoretischer Artikel, einen besser ausgebauten und aktuelleren Nachrichtenteil usw.
Wenn wir Euch heute um eine besondere finanzielle Unterstützung bitten, dann deswegen, weil wir anders zur Zeit die laufenden Kosten nicht decken können, andererseits aber Zeit brauchen, den Anforderungen besser gerecht zu werden und die Zeitschrift wieder auf eine solidere finanzielle Grundlage — einen breiteren Abonnentenstamm — zu stellen. Wir beginnen deshalb in dieser Ausgabe mit einer Spendenkampagne, die bis zum Frühjahr nächsten Jahres (dem Termin der nächsten Inprekorr-Versammlung) befristet sein soll.
d.Red.
Spenden bitte auf das Konto: isp-Verlag GmbH, Abt. INPREKORR, Postgiroamt ankfurt (BLZ 500 100 60) 365 84-604