Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

El Salvador

Vor der Entscheidung?

Inprekorr Nr. 217/218, Juli/August 1989 · S. 33-38 · 3.367 Wörter

Mittelamerika USA und Kanada

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Das folgende Interview mit dem FMLN-Comandante Joaquín Villalobos führte Marta Harnecker, eine in Kuba lebende chilenische Journalistin, am 25. Februar 1989. Wir entnahmen es der Juni-Ausgabe der Bresche.

SUNTA 3,00 SALVADOR' * Warum ist heute ein entscheidender * Hat sich also das sogenannte Moment in El Salvador? Nähern wir „unstabile Kräfteverhältnis" auf militäuns der Stunde Null? rischer Ebene geändert, so daß von einer Krise der Counter insurgency ge- * Wir sagen, daß es ein entscheidender sprochen werden kann? Moment ist, wobei die Alternativen von der Machtergreifung bis zu einer neuen * Wer den salvadorianischen Konflikt Situation, nämlich die einer substantiellen nur aus militärischer Sicht betrachtet, irrt Verbesserung in unserer Akkumulation sich. Es hat eine grundsätzliche Ande der Kräfte, reichen. Wir führen eine ent- rung des Rahmens stattgefunden, in dem schlossene Offensive, auch wenn wir sich dieser Krieg abspielt. 1980 gab es nicht von einem bestimmten Datum spre- ein ähnliches Machtvakuum. Damals bechen. saß jedoch die FMLN weder die nötige Verschiedene Faktoren spielen zusam- Reife noch die nötige Einheit, um die men: Die Niederlage von Reagans Politik Macht zu ergreifen. Hingegen lancierte in der Region, in El Salvador selber das sie einen Aufstand, der sie zu einer mili- Auseinanderfallen des Machtblockes, tärischen Macht gestaltete, welche fähig was von Duartes Todeskampf symboli- war, während acht Jahren den Gegenaufsiert wird. Ein weiteres Element ist das stand zu blockieren und heute erneut vor Erstarken der Massenbewegung, die den einer Machtergreifung steht. Hauptfaktor für dieses Auseinanderfallen Die FMLN hat neue Massenkontindarstellt, sowie die militärische Stärkung gente gewonnen. Das Schlüsselmoment der FMLN, die versucht, dieses Ausein- des Sieges liegt darin, daß die FMLN die anderfallen des Machtblockes zu ver- Faktoren und die Explosivität der politischärfen und die Massen zu einem Auf- schen, wirtschaftlichen und sozialen stand zu bewegen. Krise des Feindes auszunutzen gewußt EL SALVADOR hat.

1984 und 1985 war es die Strategie der FMLN, sich in den von ihr kontrollierten Zonen zu konsolidieren. Gleichzeitig begann sie jedoch, sich auf andere Gebiete auszudehnen. Heute gibt es bewaffnete Guerillacinheiten in 13 von 14 Departements des Landes und eine starke Präsenz in der Hauptstadt sowie in mindestens fünf Departementhauptstädten.

Und dies alles zu einer Zeit, in der sich die strukturelle Krise des Systems verschärft.

* Erklärt sich so auch das verstärkte Auftreten Eurer Strukturen sowie das kürzliche Auftauchen von aufständischen Sondereinheiten?

* Wir sind flexibel genug, um auf die politischen Probleme einzugehen, was in einem revolutionären Krieg grundlegend ist.

Blicken wir ein wenig auf die Geschichte zurück: Mit dem Aufstand vom 10.Januar 1980 schlossen sich uns rund

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EL SALVADOR 70.000 Personen an. Daraus entstand die Untergrundguerilla, der Milizen, der auf- besondere in der Truppe eine ernsthafte Volksarmee. Gleichzeitig ergab sich auf ständischen Sondereinheiten, der logisti- physische und moralische Schwächung. der anderen Seite ein unausweichlicher schen Strukturen. So wurde auf verschie- Die Rekrutierung wird sehr schwierig. Rückfluß der Massenbewegung. denen Stufen und in verschiedenen For- Auch die Desertationen nchmen bedeu- Die FMLN konzentrierte sich in be- men ein Fächer geschaffen für die Inte- tend zu. Deshalb konnte sich die Armee stimmten Zonen des Landes. Doch auch gration der Massen in den Krieg. Rund bis heute nicht verstärken. Offiziell wird wenn wir dort herrschten, besaß die Ar- um das revolutionäre Heer verwandelte von 50.000 Soldaten gesprochen, doch mee ein viel größeres Gebiet und kontrol- sich die FMLN in eine sehr mächtige po- aufgrund unserer Informationen glauben lierte vor allem die städtischen Regionen, litisch-militärische Organisation, die fä- wir, daß es nur noch 40.000 sind. welche entscheidend sind für einen Aus- hig ist, den sozialen Aufstand zum Sieg Wenn die Armee noch zusammenhält, gang des Krieges. zu führen. so nur, weil sie die USA in ihrem Rücken Deshalb teilte die FMLN 1984 und hat. Doch die FMLN hat begonnen, auch 1985 ihre Kräfte auf verschiedene Ge- * Und die Armee? die strategischen Machtzentren anzugreibiete auf, was einen großen politischen fen, ebenso die Gefängnisse, und hat den Sprung nach vorne mit sich brachte. Aus * Infolge der vielen Toten und Verwun- Krieg in die Städte gebracht. Das könnte großen Kampfeinheiten wurden kleinere deten (30.000 in den letzten zwei Jahren) für die Armee den moralischen Zusampolitisch-militärische Einheiten geschaf- und des Zermürbungskrieges (keine menbruch bedeuten. fen, welche sowohl kämpften wie organi- Straße und kein Gefängnis ist heute mehr Auf politischer Ebene stellt die salvasierten. Das war der Keim der späteren vor unseren Angriffen sicher) gibt es ins- dorianische Armee wie in anderen Län- Amerikanische Militärpolitik In

Der Vorschlag der FMLN zu den Wahlen. kleinen Kriegen: Eine Herausforderung an die Aufstands- Der Fall El Salvador bekämpfungsstrategie. Interview mit Joaquín Villalobos, Köln: Ediciones Sistema Radio Eine US-Studle der John F. Kennedy Schule Venceremos, März 1989, für nationale Sicherheit. Broschüre, 34 Seiten, DM 3,00. 30 Selten, Preis 5,00 DM Bezug:

Sistema Radio Venceremos und Büro in der BRD

Scharnhorststr. 6 Interview mit dem FMLN - D-5000 Köln 60 Regionslkommandanten Cirilo ® 0221 - 76 58 52 am Vulkan von Santa Ana

März 1989 20 Selten, Preis 3,00 DM

EL SALVADOR LIBRE und aktualisiert:

SPENDENAKTION Dokumentation der Kampagne "Waffen für El Salvador"

Waffen für Et Salvador - die Diskussion in der taz um das waffenkont0 80-88 - die Reaktivierung durch die ES-Sollderttäts- Postgiroamt Berlin-West gruppen Sonderkonto - "Brief an die Linke in der BRD" von Paolo 28859-107 Martin

Bankleitzahl 10010010 - aktuelle Situation in E/ Salvador Freunde der atterativen 65 Selten, Prels 6,00 DM Tageszeitung e.V. herausgegeben und zu beziehen beim Verein 1000 Berlin 65 EL SALVADOR LIBRE e.V.

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AIB - Dritte Welt Zeitschrift, Arbeiterkampf, Cuba SI, Ides, lla-Info, Inprekorr, Konkret, Sparkasse Berlin West Radio Dreyeckland, Radio Z, Lateinamerika Kto.Nr. 640 016 707 Nachrichten, blätter des Iz3w BLZ 100 500 00 34 INPREKORR 217/218

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dern des Kontinents die stabilste und am besten organisierte Kraft dar. Doch wenn wie in El Salvador eine Situation des sozialen Aufbruchs entsteht, beginnen die Militärs zu diskutieren, wer ihn niederschlagen kann. Andererseits haben sie aber aus den Lehrbüchern der nordamerikanischen Counter insurgency gelernt, daß Töten schlecht sei, daß es darum gehe, den Geist und das Herz der Leute zu gewinnen. Deshalb entstehen innerhalb der Armee Diskussionen und Tendenzen, die sich verfassungstreu und patriotisch nennen. Diese Möglichkeit besteht auch heute und könnte einen Rettungsanker für die USA darstellen. * Stimmt es, daß das „sozialistische Lager" die FMLN bewaffnet?

* Erstens haben wir das Recht, unsere Waffen dort zu besorgen, wo sie herkommen, angesichts der Tatsache, daß die USA die Armee unterstützen. Das bedeutet aber nicht, daß man den salvadorianischen Konflikt mit einer Aufrüstung von außen erklären könnte. In Wirklichkeit hat sich die Volksbewaffnung als grundsätzliches Element erwiesen. Damit greifen wir Gefängnisse an, schießen wir auf Helikopter, führen wir Zusammenstöße durch. Wir hängen nicht von der konventionellen Bewaffnung ab.

* Die FMLN wird des Terrorismus beschuldigt wegen der Ermordung von Bürgermeistern...

* Um die Politik der Hinrichtungen zu verstehen, müssen wir daran erinnern, daß es in El Salvador 50.000 Tote gegeben hat, ohne die Kriegsopfer mitzuzählen. Das ist eine riesige Zahl. Andererseits ist es genau der Terror, der die Entfaltung der Massenkämpfe hemmt. Die Bürgermeister spielen eine Schlüsselrolle innerhalb des Repressionsapparates der Armee. Sie funktionieren nicht nur als Spitzel, sondern wählen auch die zu bombardierenden Objekte aus. Es ist eine offensichtliche zivile Macht, welche sich den Volksmassen nicht mit Argumenten stellt. Deshalb führt der FMLN eine Säuberungspolitik, damit die Leute sich wieder organisieren und frei handeln können, ohne Angst haben zu müssen. * Was bedeutet in diesem Zusammenhang Euer überraschender Vorschlag, die Wahlen zu verschieben, sowie die eigentliche Zusage der FMLN, unter gewissen Garantien daran teilzunehmen und zur Wahl der Convergencia Democrática aufzurufen?

the kräften davon aus, ab die eigen dic daß die eigentli Wahlen das Regime nicht legitimieren und sogar destabilisieren, und daß wir ihm diese Legitimation entreißen können, wenn wir selber auf dieses Terrain des Feindes eingehen. Wir haben einen klaren Friedensvorschlag auf den Tisch gelegt. Und wir haben dies ernsthaft gemacht, ohne im voraus einen politischen oder militärischen Wechsel zu verlangen. Im Gegenteil, wir verzichten sogar auf unsere bisherige Forderung nach einer Übergangsregierung, die die Wahlen vorbereiten würde.

Natürlich demobilisieren wir uns nicht. Wenn dieser Vorschlag angenommen würde, würde sich im September der Weg für eine Verhandlungslösung öffnen. Andererseits würde die Verschärfung der Krise früher oder später zu cinem sozialen Aufstand führen. * Das Regime geht davon aus, daß sich hinter Organisationen wie der UNTS (Unión Nacional de los Trabajadores Salvadoreños - Nationale Union der Salvadorianischen Werktätigen) die FMLN versteckt. Stimmt das?

* Die organisierte Volksbewegung entstand aus dem Elend und aufgrund der Repression und besitzt ihre eigenen Charakteristiken und Ausdrucksformen. Es gibt gleiche Vorschläge, Forderungen, aber auch nicht überall. Die PDC (Christdemokratische Partei) schuf die UNOC (Nationale Arbeiter- und Bauernunion), um ihre eigene soziale Basis aufzubauen. Doch als sie deren Forderungen nicht erfüllte, ging sie zur Gegenseite über. Wenn sich das Ganze in Richtung Gewalt entwickelt, ist das nicht unser Fehler, sondern liegt daran, daß auf die Krise keine Antwort gegeben wird.

Die nationale Diskussion, die mehr als hundert soziale Organisationen vereinte, EL SALVADOR kam zum Schluß, daß mit dem Krieg und seinen Ursachen aufgeräumt werden muß. Deshalb haben wir einen politischen Weg vorgeschlagen, der eine soziale Explosion umgeht.

* Bestehen reale Aussichten auf eine politische Verhandlungslösung des Konfliktes?

* Bis heute hat sich der Dialog auf einen taktischen Kampf beschränkt, in dem es darum ging, wer die Friedensfahne am besten schwenkt. Heute ist es aber notwendig, vom Dialog zu echten Verhandlungen zu schreiten, so wie wir sie schon seit einiger Zeit vorschlagen. Die USA blockieren aber jeden solchen Ausweg, und die Christdemokratie in El Salvador ist zu schwach und gespalten. So kann sich kein echtes Kräfteverhältnis herausbilden.

Man unterhält sich besser mit jenen, die in unserem Land die wirtschaftliche Macht innehaben. Nur so eröffnet sich eine Möglichkeit für eine Lösung unter Salvadorianern, in der die FMLN nicht ausgeschlossen werden kann. Genau das haben wir auf unserer letzten Reise in verschiedene lateinamerikanische Länder zu erklären versucht.

* Wie kann man soviel Blindheit auf seiten der salvadorianischen Oligarchie verstehen?

* Sie machen keine Zugeständnisse, weil sie ihr Land verlieren würden. Boden ist in unserem Land das einzige Produktionsmittel. Sie würden somit alles verlieren. Deshalb gibt es keinen Raum für Reformen. Die Christdemokratie hat nichts modernisiert, sondern nur die Oli-

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EL SALVADOR garchie provoziert. Diese ist sich bewußt, daß das US-Projekt nur zur Destabilisierung des Landes führt.

* Warum hat die ARENA Unterstützung im Volk?

* Vor allem weil die Diktatur in El Salvador 50 Jahre lang auf einen politischen Apparat zählen konnte, der sich insbesondere auf paramilitärische Organisationen stützt. Mit dem neuen US-Modell ging ein großer Teil zur ARENA.

* Ist die FMLN wirklich interessiert an einer politischen Lösung, oder denkt sie noch immer an einen Volksaufstand?

* Wir haben eine Strategie für den Sieg und stehen voll dahinter. Doch wenn sich auf diesem Weg eine Verhandlungsmöglichkeit anbietet, werden wir diese vorziehen. Wir selber unterstützen sie mit unserem Vorschlag. Dies deshalb, weil wir überzeugt sind, daß wir wegen unserer Volksverbundenheit auf sozialer Ebene nichts verlieren. Zudem wäre eine politische Lösung sowohl für die USA wie für die gemäßigten Sektoren, die wir in unserer Regierungsprojekt integrieren möchten, weniger traumatisch. * Die FMLN hat die Bevölkerung zur Vorbereitung des Aufstandes aufgerufen. Sind die Voraussetzungen reif dazu?

* Dieser Aufruf widerspricht keineswegs dem Versuch einer Verhandlungslösung, die sowieso nur dann Raum findet, wenn wir unsere Stärke zeigen. Was die Voraussetzungen anbelangt, ist bereits jetzt im ganzen Land ein Prozeß des Bauernaufstandes im Gang. In den Städten sind wir der Auffassung, daß die Massen eine führende Rolle für den Wechsel spielen. Es gibt bereits ein Aufstandtsklima. Gibt es keine Konzessionen, schlägt das Volk den Terror nieder und erreicht höhere Organisationsstufen. Auch ein anderer Ausgang wäre möglich. Es könnte ein neues Massaker, den totalen Krieg geben, oder die USA könnten intervenieren, um El Salvador nicht zu verlieren.

Ein Völkermord ist schwierig, weil sich das Kräfteverhältnis endgültig zuungunsten des Regimes verschieben würde. Wie könnten sie es kurz nach der Schlächterei, von 1980/82 wiederholen und zudem in einer für sie sehr ungünstigen Situation? Wir konstatieren allerdings einen Schritt von der selektiven Repression hin in Richtung einer allgemeinen Repression, damit sich die Leute wieder an die Zeit des offenen Terrors RA erinnern und um sie damit einzuschüchtern.

Zur Intervention: natürlich können wir sie nicht ausschließen. Doch wir glauben, daß sie wenig wahrscheinlich ist. Die internen und internationalen Bedingungen sind für die USA nicht die besten, um sich einen Krieg in einem kleinen Land auf die Gefahr hin zu leisten, daß sie sich festfahren. Das würde ihre Bemühungen beenden, den Konflikt auf die Region zu beschränken.

* Welche andere Option hat der neue US-Präsident Bush?

* Eigentlich keine. In El Salvador ist das nordamerikanische Pilotprojekt des „Konflikts mit niedriger Intensität" (low intensity conflict) gescheitert. Es geht hier nicht darum, die Macht der USA zu unterschätzen, aber man darf sie auch nicht überschätzen.

Selbst wenn die USA der Regierungsarmee mehr Militärhilfe gewähren würden, wäre diese nicht in der Lage, sie zu nutzen. In einem Land, in dem die Armee und die Guerilla sich auf dem gleichen Terrain, nämlich mitten in der Bevölkerung bewegen, ist es ausgeschlossen, daß sich konventionelle Waffen mit einer stärkeren Zerstörungskraft anwenden lassen.

Die Pentagon-Strategen sehen ein, daß die Tatsache, daß heute die Flugwaffe das Rückgrat der Armee darstellt, nur neue Abhängigkeiten geschaffen und die Armee von der Bevölkerung und von der Aufgabe, diese zu „gewinnen" , entfernt hat. Das einzige, was ihnen heute noch bleibt, sind Verhandlungen. Sonst riskieren sie, alles zu verlieren. Und unser Vorschlag, wir können ihn elektoral nennen, eröffnet ihnen einen ehrenvollen Abgang.

* Glaubt ihr, daß Esquipulas Il eine Lösung des salvadorianischen Konfliktes erleichtert?

* Die grundsätzliche politische Komponente von Esquipulas Il ist der Abzug der USA, und dies kann uns nur recht sein. Duarte täuscht sich, wenn er meint, er könne uns damit entlegitimieren. Die FDR hat sich im Land neu verankert, und das Volk hat Esquipulas Il auf sein Banner geschrieben.

* Die FMLN hat tragische Spaltungen hinter sich. Wie steht heute der Prozeß der Vereinheitlichung?

* Aus jeder Krise kommen auch Verbesserungen. Wir haben dogmatische und hegemonistische Tendenzen überwunden. Wir sind heute eine Organisation. So sehen uns auch die Leute. Nur unser Feind spricht noch von verschiedenen Organisationen.

Unsere Anstrengungen richten sich, ohne schematisch zu werden, daraut, die Zusammensetzung der sogenannten Avantgarde zu bestimmen. Wir sind heute mehrheitlich der Meinung, daß die FMLN nicht die einzige Protagonistin, auch nicht die einzige Führerin des Übergangs darstellt. In diese Richtung zielt auch unser kürzlicher Vorschlag, der eine qualitative Änderung bedeutet, indem er den politischen Körper des Übergangs aus allen Akteuren definiert, nämlich der FMLN, der FDR und den Massenorganisationen. Und das ist ein neuer Weg, der bisher von niemandem gegangen wurde. * Einige Historiker meinen, daß sich Sandino in den 30er Jahren von Farabundo Marti entfernt hat, weil er dessen kommunistischen Ideale nicht teilte. Findet sich hier eine Erklärung, warum die Revolution zuerst in Nicaragua und nicht in El Salvador siegreich war? Es ist ja bekannt, daß die Salvadorianer ein großes politisches Klassenbewußtsein haben. Doch könnte es nicht auch wegen der sektiererischen und dogmatischen Tendenzen innerhalb der alten salvadorianischen Linken sein, daß sich der Befreiungsprozeß in El Salvador verspätet hat? * Es geht hier um zwei sehr verschie- INUN 049/4

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dene konkrete Situationen. Doch um die Überlegung weiterzuführen, könnte man sagen, daß sich der bewaffnete Kampf in Nicaragua schneller entwickeln konnte, weil infolge der vielen US-Interventionen in diesem Land ein größeres antiimperialistisches Bewußtsein vorhanden war. In El Salvador hat es keine Interventionen gegeben. Mehr noch: bis heute haben sich die USA in unserem Land nicht als offener Feind gezeigt. Unsere gleiche ökonomische Abhängigkeit hat sich nie so offen dargestellt. Unsere wichtigsten Kaffeckäufer waren Deutschland und Frankreich und für Baumwolle Japan. Auf der anderen Seite haben die große Bevölkerungsdichte und die industrielle Entwicklung aus unserem Land eine integrale kapitalistische Einheit geschaffen, worin der Klassenkampf eine komplizierte Herausbildung der Avantgarde entstehen ließ. In Nicaragua hingegen ist aus dem Sandinismus ein politisches Phänomen entstanden, das sehr schnell mit dem antiimperialistischen Kampf zusammenfiel.

* Ihr seid sicher, auf die eine oder andere Weise zu gewinnen. Doch es gibt Leute, die behaupten, die Zeit sei nicht reif für neue Revolutionen. * Die Revolution in El Salvador findet im Rahmen einer tiefen Krise des Kapitalismus statt, jedoch auch im Rahmen ciner Krise des Sozialismus. Diese drückt sich aus in der Multipolarität der Bezichungen und in der Abwesenheit einer atomaren Drohung oder faschistischen Gefahr. Es gibt nicht nur eine Wahrheit, sondern verschiedene Wege, neue Arten von Revolutionen ohne Ein-Parteien-Gesellschaft. Wir salvadorianischen Revolutionäre mußten in einer ersten Phase ideologisch sehr streng sein, um überleben und uns entwickeln zu können. Doch unter später anderen Bedingungen hat sich ein eigenständiges politisches Denken entwickelt.

* Viele behaupten, die FMLN sei marxistisch-leninistisch und totalitär. Welches Projekt verteidigt ihr wirklich? * Wir wollen natürlich unsere ideologische Heimat nicht verschweigen. Doch daneben besitzt die FMLN ein pluralistisches, offenes Projekt, das pragmatisch auf die interne und geopolitsche Realität angewendet wird. Die ideologische Definition ist nicht entscheidend, sondern wie und ob die Probleme El Salvadors gelöst werden. In diesem Sinne liegt die Radikalität des Übergangs in ihrer Fähigkeit, sich der Realität anzupassen. Wir könnten von einem eigenständigen Sozialismus sprechen, der vor allem die Souverä- INDOCUADD 917/919 EL SALVADOR nität und die nationale Unabhängigkeit betont.

* Was bedeutet das konkret?

* Die Theorie des Arbeiter- und Bauernbündnisses ist zum Beispiel ungenügend. Unsere Gesellschaft ist viel komplexer. Wie könnten sich sonst acht Jahre Krieg und unser Bündnis mit der FDR anders erklären lassen als mit der breiten Beteiligung christlicher Kreise und einer bedeutenden Mittelschicht? Diese Schicht, die von der Oligarchie immer an den Rand gedrückt worden ist, ist zwar zahlenmä- Big klein, jedoch für den Aufbau einer neuen Gesellschaft und einer wirklich gemischten Wirtschaft fundamental. Grundsätzlich wollen wir die repräsentative mit der partizipativen Demokratie verbinden. Wir wollen ebenfalls einen Übergang gewährleisten, in dem sich das Volk seine eigenen Alternativen wählen EUSKADI und aufbauen kann.

SALVADORENO:

LA FUERZA ARMADA

ESTA PERDIDA

INFO

ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH Nº 17 JULI 89 F MIN Seit über rier Joken in ungebrochener Kontinuität, im hoffrungsollen Bestreben wenigstens einen Hach Cegmöffentlichleit herzustellen:

îer Situntion in Fuckadi, den Widerstand EL FMLN des beckischen Vollen, derzen Kompl on cetiomle und sociale Befreiung, ait den Instaften Versuch, Vertindungslinden ESTA EN OFENSIVA! zwischen den Kiepéen Ider und dort sdichtber zus anchen, von einender zu lernen. Mit nicht sehr, aber auch micht weniger Anspruch erscheint jetzt zur "Urlaube"zeit die Nr. 17 von BISKADI-INFO * In diese Richtung hat bereits Nicaragua einen Weg eröffnet. • Zur aktuellen Situntion Zum Abbruch der Verhandlungen * Nicht nur dies. Neun Jahre Aggres- Repreerdormelle, GN.-Terror sion und Blockade haben die Sandinisten • Gefange nicht dazu verleitet, eine Kriegswirt- Zur "Integration in Normal vollzug" schaft einzuführen oder die Opposition • ArbeiterInklepte in Eurodi oder die Meinungsfreiheit zu liquidieren. • Koepf der Bettinderten/ Dabei hätten sie Tausende von Rechtferti- • Fraundengung in Budedi gungsgründen gehabt. Das zeigt die totale zu Egizan und Aceneblons de Murjeres Bruchlandung der Reagan-Regierung, • Jede Menge Aktuelles jedoch ebenso die Lebensfähigkeit dieser neuen Art des Wechsels, selbst unter den ERSCHEINT ANENNC JULI 89 schlimmsten Bedingungen. Was Nicara- zu beziehen über. gua vielleicht erlebt hat, ist der Übergang Burkadi-Info, PostIngerrte Nr 0165% C von einem ideologischen und kriegeri- 6oco Prankfurt, Postgiro G. Schwab schen Imperialismus zu einem mehr prag- Sonderkonto Fin., 367941-604 matischen Imperialismus. * Preis 3.- de

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URUGUAY