zwischen „Tradition" und „Modernisgung in Griechenland eine allgemeine Perspektive auf. mus* Während der 60er Jahre gab es eine rasche kapitalistische Entwicklung und sich vertiefende wirtschaftliche und soziale Veränderungen, die eine Spannung zwischen der neuen Position der Frauen und der rückständigen Haltung zu ihnen hervorrief. Es wurde klar, daß wir diese Haltung und die Institutionen so zu ändern hatten, daß sie zu der neuen Situation paßten, die sich entwickelt hatte. Während der gesamten Zeit der Diktatur wurden diese gesellschaftlichen Trends nicht nur gehemmt, sondern die Regierung propagierte auch eine unglaublich rückständige und reaktionäre Ideologie für Frauen und ging in direkte Opposition zu diesen gesellschaftlichen Modernisierungstendenzen. Diese Blockierung der sozialen Entwicklung führte bei der ersten demokratischen Öffnung zu einer Explosion.
Tradition und Modernisierung
Von damals bis heute hat es bedeutende Veränderungen im Status der Frauen in der griechischen Gesellschaft gegeben, die sowohl durch die Bedürfnisse des Kapitalismus nach Institutionen, die den erfolgten Veränderungen besser entsprechen, als auch durch den Kampf der Frauenbewegung hervorgerufen wurden. Im Rahmen der „Europäisierung" Griechenlands gibt es in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens das Aufeinandertreffen von Tradition und Modernisierung. Seitdem sie an der Macht ist, hat die PASOK mit vollem Erfolg versucht, diese Widersprüche in den Rahmen parlamentarischer Reformen zu leiten, ohne wesentliche gesellschaftliche Unruhe hervorzu-
FRAUENBEWEGUNG rufen. Das gilt besonders für den Status der Frauen in einer Gesellschaft, die zumindest im Vergleich zu europäischen Verhältnissen - sehr stark männlich orientiert ist.
Junge Frauen, die die Vorteile der neuen rechtlichen Situation genießen, können die Grenzen dieser Gleichberechtigung, die nur eine formale ist, besser verstehen. In dieser Schicht können wir die Hoffnungsträger für eine Erneuerung der Frauenbewegung sehen.
In Griechenland gibt es große Frauenorganisationen, die mit den Parteien der Linken verbunden sind. Die Entwicklung und das Gewicht dieser Parteien hat in den großen entwickelten Ländern Europas, wo Massenmobilisierungen von Frauen vertraute Ereignisse sind, keine Entsprechung. Diese Organisationen entsprechen der Konzeption der traditionellen Kommunistischen Parteien, die um sich eine Reihe von scheinbar unabhängigen Formationen oder Fronten aufbauten, die aber in Wirklichkeit Transmissionsriemen für die Parteilinie auf spezifischen politischen Ebenen und zu bestimmten Fragen waren.
Solche Strukturen konnten jedoch keine politische Hauptrolle spielen, außer in Ländern mit begrenzten demokratischen Möglichkeiten oder in denen die Demokratie ständig bedroht war. Unter solchen Bedingungen haben Frauenmobilisierungen einen humanitären Charakter (Kampagnen gegen Repression, Solidarität mit Ersatz für direkte politische Aktivitäten, wenn diese illegal sind.
erartige Frauenorganisationen gibt es auptsächlich in den lateinamerıkanısche Ländern sowie im Nahen Osten - und auch im Griechenland der 50er Jahre. Der Wiederaufbau oder Aufbau von Frauenmassenorganisationen war nach 1974 das Werk der parlamentarischen Linksopposition.
Wir wollen uns zunächst die OGE (Frauenorganisation Griechenlands) anschen, die mit der [an der Kremlbürokratie orientierten] Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) verbunden ist. Ihr Hauptziel sind die Verteidigung der demokratischen Rechte der Frauen und die Beschäftigung mit Fragen der Gleichberechtigung und der materiellen Rechte am Arbeitsplatz.
Die OGE bekämpft nicht den Status der Frauen innerhalb der Familie oder die sexuelle Unterdrückung und ihre Auswirkungen wie z.B. Gewalt gegen Frauen. Ebensowenig richtet sie sich gegen die traditionellen Werte der Mutterschaft und all die rückständigen Ideen, die in der Bevölkerung verankert sind. Sie hat Initiativen zu solchen Fragen wie Abtreibung, Mißhandlung von Frauen oder Sexualkunde nie verstanden. In den verschiedenen sozialen Bereichen stellt sie nicht die Frage nach der Herstellung von Bedingungen für eine Beteiligung von Frauen an den Entscheidungszentren. Deshalb hat sie nie eine Strategie ausgearbeitet, die einen vollständigen Forderungskatalog mit einer entsprechenden Orientierung auf den Kampf innerhalb der Gewerkschaftsbewegung enthält, denn sie will auf keinen Fall mit den etablierten männlichen Konzeptionen und Strukturen in Konflikt geraten. Die Funktionsweise der OGE ist hierarchisch. Es gibt eine Reihe von Kadern, deren einzige Aufgabe es ist, Frauenprobleme, wie sie sie sehen, gegenüber den staatlichen Institutionen zu vertreten, aber nicht die Frauen für konkrete Forderungen zu mobilisieren. Wenn sie Massenmobilisierungen organisieren, haben diese Aktionen nur allgemeine Ziele und sollen die Arbeit der Parteifrauen vorantreiben. Im allgemeinen leisten sie keine Basisarbeit zur Entwicklung der Aktivitäten und des Bewußtseins der Frauen.
Der EGE (Frauenverband Griechenlands) wurde 1978 im Rahmen eines mehr allgemeinen Versuchs der PASOK gegründet, sich selbst als Massenbewegung aufzubauen und zu strukturieren. Er hat viel Ähnlichkeit mit der OGE. Aber er unterscheidet sich von ihr durch eine größere Sensibilität für spezifische Frauenfragen und auch durch einen stärkeren Massencharakter, größere Spontaneität und Basisarbeit, besonders in den Provinzen. Entwicklung des Feminismus
Das Schicksal des EGE wurde nicht nur durch den Grad der Entwicklung des Feminismus in Europa und Griechenland bestimmt, sondern auch in erheblichem Maße durch die Entwicklung der PASOK in anderen Arbeitsfeldern (Gewerkschaften, Bauern usw.). Der Vormarsch der PASOK in Richtung Regierungsgewalt Ende der 70er Jahre und ihre spätere Machtübernahme waren von einem Versuch begleitet, diese Bewegungen zu kooptieren, sie zu neutralisieren und sie zu Instrumenten der Regierungspolitik in diesen Bereichen umzuformen.
Auf diese Weise wurde der EGE innerhalb weniger Jahre von einer relativ starken, lebendigen Bewegung in eine verknöcherte Gruppe weiblicher Kader umgeformt, deren Hauptziel es war, die Regierungspolitik auf internationaler Ebene zu fördern.
Eine andere Form des „Staatsfeminismus"* ist der Rat für Gleichberechtigung, die staatliche Institution, die von der PASOK für die Förderung der Rechtsgleichheit der Geschlechter geschaffen wurde. In Wirklichkeit hat er keine Entscheidungsbefugnisse und dient als Mechanismus für die Verbreitung allgemeiner Ideen sowie als Beruhigungsmittel für Frauen, die nicht verstanden haben, daß Mutterschaft die Lösung aller weiblichen Probleme ist.
Die KDG (Bewegung Demokratischer Frauen) ist die dritte Massenorganisation, die mit einer linken Partei verbunden ist. Die Frage der autonomen Frauenbewegung — und die Frage des Platzes, den die [.,eurokommunistische"] KKE-Inland der Autonomie im allgemeinen einräumte — unterschied ihre Kader, sowohl hinsichtlich ihrer Ziele als auch ihrer Funktionsweise, von den oben genannten Organisationen. Sie übernahmen die Ziele der autonomen Frauenbewegung und nahmen an ihren gesamten Aktivitäten teil. Es war jedoch nur natürlich, daß die in diesen politischen Raum nicht integrierten Frauen nicht den ganzen Weg mit ihnen gehen konnten.
Die Autonomie der KDG war relativ, und all die Probleme und Wahlmöglichkeiten, die Schwächen, Aktionen und Spaltungen in ihrem Milieu beeinflußten auch die Bewegung. Die autonome Frauenbewegung begann in Griechenland Anfang 1975. Zur gleichen Zeit gab es natürlich den Wiederaufbau der Linken, die Neuformierung der großen parlamentarischen Parteien, die Vervielfachung der Organisationen der extremen Linken und den Wiederaufbau der Gewerkschaften. Die Frauen, die ursprünglich diese Bewegung bildeten, waren hauptsächlich Intellektuelle. Sie gehörten zur Linken und extremen Linken und hatten enge Verbindungen zu diesem politischen Milieu, aber auch viele Konflikte mit ihm. Abgesehen von ideologischen Nuancen stimmten diese Frauen in ihrer Einschätzung überein, daß die Unterdrückung der Frauen als eine soziale Kategorie eine systematische sei und nur durch den organisierten Kampf der Frauen selbst bekämpft
werden könne. Sie zogen sich die Feindschaft der parlamentarischen und außerparlamentarischen Linken zu. In dieser Anfangsperiode war ihnen das Wichtigste, den Vorwurf zu entkräften, daß sie eine „unpolitische Position" einnähmen. Sie versuchten durch prinzipielle Aussagen und Aktionen ihre antikapitalistische Position darzustellen. Sie versuchten aber nicht, eine revolutionäre Strategie für die Frauenbewegung zu erarbeiten.
Diese defensive Position verstärkte die Widersprüche, die durch das zweifache Engagement vieler Teilnehmerinnen entstanden waren. So orientierte sich die Bewegung an der Linken und nicht so sehr an den Frauen, die als unterdrückte Kategorie, fähig gewesen wären, die kollektive Basis des Feminismus zu bilden. Dennoch legte diese Bewegung die Grundlage für die Existenz der autonomen Frauenbewegung. Sie führte Kampagnen zu Verhütung und Abtreibung sowie gegen die Frauenwehrpflicht und gegen Schönheitswettbewerbe durch. Sie organisierte die Solidarität mit Frauen, die gegen Überausbeutung und gegen sexuelle Unterdrückung am Arbeitsplatz kämpften. Sie setzte sich für die Rechte der Studentinnen in Studentenheimen und gegen die Unterdrückung von Frauen im Iran und anderen Ländern ein.
1978 begann sich die Bewegung aufzulösen, und zur gleichen Zeit erschienen zahlreiche kleine feministische Gruppen in Athen sowie in mehreren Provinzstädten. Es gab Gruppen in den Wohnvierteln, an den Universitäten usw.
Folgen des Niedergangs der Massenbewegung
In derselben Periode hörte die explosive Bewegung auf, die beim Übergang zur parlamentarischen Demokratie existiert hatte, und wurde durch die offiziellen Partei- und Gewerkschaftsstrukturen in die Kanäle parlamentarischer Logik geleitet. Gleichzeitig begann die extreme Linke auseinanderzubrechen.
1978 keimte eine feministischen Bewegung auf, die Kampagnen wie z.B. gegen Vergéwaltigung organisierte. Aber diese Periode war nicht günstig, weil die Volksbewegung abgeebbt war. Diese Bedingungen stützten die Entwicklung und das Fortbestehen eines nach innen blickenden, apolitischen Feminismus, der der Linken mißtraute. Anstelle der Ausarbeitung einer revolutionären feministischen Strategie sahen wir das Bestreben, eine private feministische Sphäre herauszubilden. Bis heute ist dies die vorherrschende Tendenz der autonomen Frauenbewegung. was zu ihrer Marginalisierung geführt hat.
In Europa gibt es zwei getrennte, klar definierte Strömungen in der Frauenbewegung. Im Gegensatz dazu haben sich in Griechenland die vorhandenen Strömungen nicht herauskristallisiert. Vom Beginn FRAUENBEWEGUNG der autonomen Frauenbewegung an gab es latente Orientierungen — so wurde eine von den Sozialistinnen mit einer zweifachen Zugehörigkeit oder einer allgemeineren Beziehung zur Linken repräsentiert; andere betonten hauptsächlich die ideologische, politische und sexuelle Unterdrükkung, anstatt eine revolutionäre feministische Politik auszuarbeiten und eine Bewegung um konkrete Spannungspunkte zu bilden.
Notwendigkeit einer offenen Diskussion
Die erste Tendenz glaubt, daß es eine vielseitige Unterdrückung gibt, ökonomisch, sozial, ideologisch, politisch und sexuell. Alle Initiativen der autonomen Frauenbewegung, außer zur Vergewaltigung, wurden im wesentlichen von Sozialistinnen getragen. Aber auch sie haben keine systematischere Strategie vorgeschlagen. So hat es viel Vorsicht dabei gegeben, diese Unterschiede öffentlich zu machen. Das aber würde Diskussionen fördern, die Differenzen schärfer herausarbeiten und sie auf eine theoretische Ebene stellen. Diese Unterschiede wurden zugedeckt, weil befürchtet wurde, daß sie die Solidarität unter den Frauen zerstörten. Der Hauptgrund für dieses Verschweigen war die große Feindschaft der Gesellschaft gegenüber dem Feminismus. Daher versuchten die autonomen Feministinnen ihre gemeinsame Existenz durch die Verschleierung der Unterschiede zu schützen. Ihr Verstecken führte jedoch letzten Endes nicht zur Förderung der Einheit und Entwicklung der Frauenbewegung, sondern im Gegenteil zu ihrer Neutralisierung und Wirkungslosigkeit. Das ist eine historische Lehre, die heute in unserer Zusammenarbeit und unseren Aktivitäten berücksichtigt werden muß.
Wir wollen eine Bewegung, die fähig ist, zu allen Fragen der Frauenunterdrückung die Initiative zu ergreifen - Kampagnen für die Repräsentanz von Frauen, für Sexualaufklärung, für Häuser für geschlagene Frauen, für das Aufgreifen der frauenspezifischen Fragen durch die Gewerkschaften usw.
Wir müssen selbst verstehen, daß das Recht auf Kritik, auf die Bildung unterschiedlicher Strömungen ein elementares demokratisches Recht ist, und anfangen, auf der Basis dieser Konzeption, die in der Vergangenheit nicht existiert hat, zu arbeiten. Wir wollen einen lebendigen Feminismus, der auf Vernunft, Verantwortung. Kritik und Effektivität aufbaut. 9
FRAUENBEWEGUNG
Philippinen.
lich, um deutlich zu machen, daß es sich um legitime Fragen handelt. Dort sahen sie, daß dort genau die gleichen Fragen GABRIELA aufgeworfen wurden, wie sie auch auf den Philippinen auf Versammlungen diskuwurden. Die Notwendigkeit, eine