PAKISTAN: BLUTIGE KÄMPFE DER ARBEITERKLASSE →1t++++ ++++ +++++ +++++.
(Bericht von Javed HUSSEIN aus Karatschi vom 6. November 1972)
In der letzten Oktoberwoche kamen alle bürgerlichen Parteien des Landes zusammen und einig ten sich auf einen Rahmenentwurf für die neue Verfassung des Landes. Während sie noch dabei waren, sich gegenseitig über diese grandiose Tat zu beglückwünschen, eröffnete in Karatschi, des Landes, die sich sowohl Bhutto als auch der bürgerlichen "National Awami Party' (die in zwei Provinzen die Regierung innehat) als Schwanz anhängt.
Während der letzten Monate sind über 200 Arbeiter und Bauern von der Polizei in den verschit denen Teilen Pakistans getötet worden, Hunderte sind verletzt worden und Tausende schmachten in Bhuttos Gefängnissen. Es ist zu einem Gemeinplatz über Pakistans erstes " ernsthafte" Experiment mit einer "bürgerlichen Demokratie" geworden, daß es dort heute mehr politische Gefangene gibt als in der Zeit der beiden vorhergehenden Militärdiktatoren. HARTNÄCKIGE KÄMPFE
Aber trotz der Unterdrückung weigert sich die Arbeiterklasse von Karatschi, eingeschüchtert zu werden, und sie führt den Kampf trotz des Fehlens einer politischen Führung weiter. Der jüngste Ausbruch erfolgte nach einer Anzahl von Fabrikbesetzungen, die erst aufgehoben wur den, als die Armee angriff und die Arbeiter aus den Fabriken vertrieb. Am darauffolgenden Tag demonstrierten Tausende von Arbeitern von den Fabriken heraus auf die Straße in Solidarität, und das industrielle Leben in Karatschi war praktisch gelähmt. Im letzten Juli hatte die Polizei fast 40 Arbeiter getötet und gehofft, damit die Kombativität zerschlagen zu haben Die Tatsache, daß heute fast eine halbe Million Arbeiter in Streik gegen "die Übel des kapi"
talistischen Systems, durch das wir ausgebeutet werden" stehen, beweist, daß trotz des Fohlens jeglicher umfassenden politischen Koordination die objektiven Bedingungen heute die Arbeiter dauernd zu militanten Aktionen zwingen.
Die jüngsten Zusammenstöße, die sieben Militanten das Leben kostete, fanden im Landhi - Industriekomplex statt, dem größten der Stadt. Die Arbeiter hielten gerade eine Massenvollversammlung ab, als eine über 300 Mann starke bewaffnete Polizeimacht anrückte. Sie kam in sieben Lastwagen. Die Polizisten versuchten, den Arbeitern einen Hinterhalt zu bereiten, aber diese teilten sich in kleine Kommandos auf und schlugen zurück. Botschafter wurden zu anderen Fabriken geschickt, und bals kamen immer mehr Arbeiter an. Karatschis führende Tageszeitung 'Dawn' berichtet den Fortgang:
'Die Arbeiter riefen Parolen gegen die Polizei und errichteten massive Barrikaden, um die Polizei daran zu hindern, sich nach vorne zu bewegen oder in die Stadt zurückzuziehen. Die Arbeiter nützten das hügelige Gelände voll aus, das ihnen natürlichen Schutz vor den Aktionen der Polizei bot. In kurzer Zeit hatten sie es geschafft, die Kutcha - Straße an vielen Stellen aufzugraben und Barrikaden mit großen Steinen, Telephonmasten und Holzklötzen zu errichten.
Mehrere Male wichen die Polizisten zu ihren Lastwagen zurück, um Schutz und Ruhepausen zu gewinnen. Aber sie mußten diese verlassen, als die Arbeiter, die mit Steinen warfen, ihren Ring um die Lastwagen enger zogen. Bei den Zusammenstößen wurde ein Arbeiter der Paris Textilfabrik, Salah Mohammad, getötet, als er durch eine Tränengasgranate direkt am Kopf getroffen wurde.
Die Schlacht 'obte mehrere Stunden lang, bis die Polizei schließlich gezwungen war, sich mit ihren schiimm mitgenommenen Lastwagen zurückzuziehen. Der einzige effektiv schwache Punkt der Arbeiter war der, daß sie nicht bewaffnet waren. Die Schaffung von Arbeitermilizen wird so zur ersten Priorität für die ganze Arbeiterklasse in Karatschi heute. DIE POLITISCHE FÜHRUNG FEHLT
Am darauffolgenden Tag wurde ein führender revolutionärer Gewerkschafter, Usman Baloch, der Präsident der Sind United Workers Federation, zusammen mit 500 anderen Militanten verhaftet. In der Zwischenzeit hatten elf Gewerkschaftsverbände zu unbegrenzten Solidaritätestreiks aufgerufen. Während diese Zeilen geschrieben werden, ist Karatschi von einer riesigen Streikwelle erfaßt. Die Militanz der Arbeiter ist bewundernswert, aber es gibt keine anerkannte revolutionäre Partei. Die revolutionären linken Kräfte, die es gibt, wur den vom Maoismus stark beeinflußt. Das Führte dazu, daß sie sich in den Städten unwohl und unsicher fühlen, unfähig, der Arbeiterklasse irgendeine ernsthafte politische Führung zu geben. Sie kennen die Traditionen des Proletariats in Rußland, Deutschland, Spanien, Frankreich usw. nicht und sind unfähig, die Notwendigkeit der Schaffung von Organen der Arbeiterklasse als Gegengewicht gegen die Institutionen eines geschwächten bürgersehen. lichen Staates, die sie mit den Methoden der Selbstverteidigung vertraut machen, einzu- Die Brutalität, mit der die regierende People's Party auf die Militanz der Arbeiterklasse antwortete, hat schließlich den maoistischen Minister in Bhuttos Kabinett, Mairaj Mohammad Khan, gezwungen, aus Protest von seinem Posten zurückzutreten, und eine Anzahl von Andersdenkenden Abgeordneten wurde aus der People's Party ausgeschlossen. Schon vorher war auch der Justizminister Mahmud Ali Kasuri zurückgetreten. Indessen - alles, was Mairaj und seine Freunde bisher den Arbeitern zu bieten in der Lage waren, sind Reden, Reden und noch mehr Reden. Das ist ganz klar unzureichend. Durch die wachsende Anzahl von Opfern, die das Proletariat auf sich nehmen muß, wird die bewaffnete Selbstverteidigung auf die Tagesordnung gesetzt. Streiks, Massenmobilisierungen und Demonstrationen sind einfach hen kann. nicht genug. Das sind die Lektionen, die man aus dem jüngsten Aufstand in Karatschi zie- ( Aus RED MOLE Nr. 55 vom 13. Nov. 1972)