Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Rude Pravo

Inprekorr Nr. 209, November 1988 · S. 32-33 · 1.010 Wörter

Tschechoslowakei IV. Internationale Trotzki und Geschichte

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die Redaktion von Rude Pravo gesandt.

m Samstag, den 18.Juni veröffentlichte Ihre Zeitung einen Artikel von Jaroslav Kojzar mit dem Titel Unter der Maske pseudorevolutionärer Rhetorik". Der Artikel war eine weitere Fortsetzung in der Serie der Haßlektionen, zu der die tschechoslowakischen Zeitungen wiederholt in dem Versuch Zuflucht nehmen, um die unabhängig gesinnten Bürger dieses Landes einzuschüchtern. (...)

Mehrfach hat in den vergangenen fünfzig Jahren die Geschichte denen, die in dem als Mittel- oder Osteuropa bezeichneten Gebiet leben, gezeigt, daß es gefährlich ist, untätig zuzuschen, wenn anonyme Kräfte sich auf einen Pogrom gegen ihre ideologischen Gegner vorbereiten. Auch den Verbrechen des sogenannten .,Personenkultes" , die jetzt in der Sowjetunion mit einer derartigen Leidenschaft enthüllt und diskutiert werden, waren demagogische und verleumderische Zeitungsartikel ähnlich dem Jaroslav Kojzars vorausgegangen.

Dieses Mai war das Angriffsziel Petr Uhl, Vater von drei Kindern, Unterzeichner der Charta 77 und Aktivist des Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (VONS), ein Mann der neun der ver gangenen 18 Jahre wegen seiner Überzeugung im Gefängnis verbracht hat. So wie 1970, als er seine erste Haftstrafe erhielt - vier Jahre (Kojzar sagt beschönigend „einige Monate"') - sind Petr Uhls „Verbrechen" einfach seine unglaublich standhafte Haltung, seine hohe persönliche Integrität, sein Verantwortungsbewußtsein, seine Bereitschaft, anderen zu helfen, und sein Mut. Selbst diejenigen unter uns, die seine ideologischen Uberzeugungen nicht teilen - mit ungleich begründeteren Argumenten als Herr Kojzar -, hegen keine Zweifel an Petr Uhls

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sozialistischen Revolution innerhalb eines nationalen Rahmens undenkbar sei. Deshalb trat er für die Abschaffung der sozialistischen Macht ein, wo sie sich bereits durchgesetzt hatte. Zusammen mit einer Handvoll seiner Anhänger bildete er die sogenannte Internationale Kommunistische Liga, die er mit einigen anderen Gruppen im September 1938 zur sogenannten „Vierten Internationale" , der »Weltpartei der sozialistischen Revolution", vereinigte. (...)

Die einch Plan, De Trodekis mr dschiepitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale. Darin bezeichneten sie buchstäblich als eine ihrer ersten und dringendsten Aufgaben den Kampf gegen antifaschistische Kräfte entsprechend der eindeutig provokatorischen Idee, daß der Faschismus herrschen muß, weil sein späterer Sturz angeblich eine weltweite Revolution fördern wird. Diese abenteuerliche Plattform stellte die Basis für einen weiteren, bereits absurden Schritt dar: die Trotzkisten erklärten jede Regierung, die Kontakte zur Sowjetunion, diesem konsequentesten Kämpfer gegen den Faschismus, herstellte, zu ihrem Feind. Sie waren Gegner der französischen Kommunisten - „Pseudointernationalisten" , wie Trotzki sie selbst nannte —, weil sie an die Bevölkerung von Paris appelliert hatten, die Stadt zu einer undurchdringlichen Festung gegen die Nazis zu machen, als die Nazitruppen heranrückten. (...) ach dem Krieg handelten rotzkis pos ime Anhanger ahnlich. Sie bearußte die Kriegsvorbereitungen der Anhänger der sogenannten Kulturrevolution China und deren Kurs auf eine atomare Abrechnung mit ihren Feinden. Zu Beginn der 60er Jahre schrieben englische Trotzkisten sogar in ihrer Zeitung, daß eine kommunistische Gesellschaft auch auf Trümmern errichtet werden könnte. (...)

Auch in der Tschechoslowakei hatte die Vierte Internationale" ihre Anhänger. Einer davon war z.B. Sonneschein, der sogar den Weg der offenen Kollaboration mit den Nazis einschlug. Zavis Kalandra und andere gehörten ebenfalls zu ihren Reihen. Nach der Revolution im Februar 1948 bildeten einige Trotzkisten antinationale Organisationen, die sich mit subversiven Aktivitäten befaßten sowie mit dem Sammeln politischer, wirtschaftlicher und militärischer Informationen über die Tschechoslowakei.

Es gab nach dem XX. Parteitag der KPdSU eine gewisse Aktivierung der Trotzkisten sowie selbstverständlich (...) in den 60er Jahren in der CSSR. Damals gehörten zu den Reihen der Trotzkisten der Historiker Bartosek und die Dozenten der Prager juristischen Fakultät, Pithart und Samalik. Der besagte Lehrer Petr Uhl hat sich jedoch selbst als Kopf des Trotzkismus in unserem Lande hervorgetan. Der Tagtraum des Herrn Uhl (....) wird in dem Buch ,,Das Programm der Selbstverwaltung" , in der 1982 in Köln veröffentlichten vierzehntägigen Publikation der Vierten Internationale" , Inprecor (Nr.6 und 7, 1987'), (...) zum Ausdruck gcbracht.

In dem gesamten besagten Material ist er ein entschiedener Gegner des sozialistischen Systems und legt Methoden des Klassenkampfes dagegen dar. In seinem Programm schreibt er jedoch auch über seine Auffassung von einer zukünftigen Gesellschaft nach dem „Sieg". Er mißbraucht die Losung ,,einer selbstverwalteten Gesellschaft" in demagogischer Weise. (...)

Nach einem Treffen mit einem der Führer der IV.Internationale, Alain Krivine, begann Uhl, trotzkistische Zellen zu organisieren. Im September 1968 erschien ihr erstes Dokument - das politische Manifest einer revolutionären Jugendbewegung -, das behauptete, daß ,,wir den revolutionären Weg als einen Prozeß der permanenten Revolution verstehen" und daß der Kampf gegen die soziale Ordnung in der CSSR und anderen sozialistischen Ländern „alle Nationen befreien kann und eine neue Epoche beginnt — ein Aufbau des Sozialismus* , was zusammen mit dem Kampf des Proletariats des Westens ein Aufflackern der Weltrevolution hervorrufen wird. In einem Wort -reine Phantasterei.

(...) Im Februar 1969 zogen sie eine Art bewaffneten Staatsstreich in Betracht. Im September des gleichen Jahres (....) organisierten sie sich in der sogenannten Revolutionären Sozialistischen Partei und entschlossen sich, Decknamen zu benutzen. Petr Uhl war der Hauptorganisator. Er wußte sogar von der Vorbereitung ciniger Mitglieder zu Terrorakten. Er nahm an Diskussionen über Pläne teil, den tschechoslowakischen Rundfunk zu besetzen und eine regierungsfeindliche Stellungnahme zu senden. Sogar das Datum der Aktion war festgesetzt: der 31.Dezember 1969. (...)

1970 wurden die Führer der Organisation, einschließlich Petr Uhl, wegen ihrer subversiven Handlungen zu mehreren Mona- CSSR ten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung fuhr Petr Uhl mit seinen Aktivitäten fort. (....) Uhl (...) unterzeichnete ein regierungsfeindliches Dokument - die sogenannte Charta — und gründete das sogenannte Komitee für die Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten [VONS], dessen Ziel darin besteht, den bürgerlichen Massenmedien Informationen zu liefern und richterliche und andere Entscheidungen zu diskreditieren.

Er knüpfte Kontakte zu polnischen illegalen Gruppen und später auch mit den Führern der „Solidarität" , um von ihren Erfahrungen für die tschechoslowakischen Verhältnisse zu profitieren. Das mündete in das Auftauchen der sogenannten Initiative der gesellschaftlichen Verteidigung. die die tschechoslowakische „Solidarität" werden sollte. Er versuchte dorthin zu