Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Nicaragua: Nicaragua

Kein Friede für die Revolution

· Inprekorr Nr. 207, September 1988 · S. 4-9 · 3.604 Wörter

Mittelamerika USA und Kanada Sowjetunion BRD und DDR

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Kein Friede für die Revolution von ARIANE MERRI

Die Eile, mit der Reagan nach Moskau gereist ist und kurz vor Ende seiner Amtszeit mit Gorbatschow ein Abkommen über die Abrüstung unter Dach und Fach gebracht hat, ist kaum dazu angetan, die Bilanz der republikanischen Administration in Sachen Außenpolitik vergessen zu machen. Richtet man den Blick auf den Hinterhof mand hatte vorstellen können, bekommt der USA, auf Mittelamerika, zeigt sich. einen symbolischen Wert. daß sie geradezu gescheitert ist. Ein Fehlschlag ist in Panama angezeigt, wo es In Guatemala hat die neue demokratische Reagan trotz aller Bemühungen nicht ge- Fassade, deren Hauptvertreter der christlungen ist, den früheren Verbündeten, der demokratische Präsident Vinicio Cerezo ausgesprochen lästig geworden ist, Gene- war, mit dem Putschversuch, den ein Teil ral Noriega, zum Abtreten zu nötigen. der Armee im Mai angezettelt hat, schon wieder schmutzige Flecken bekommen. Einen Fehlschlag gibt es auch in El Salvador, wo das „zivile" christdemokratische Sogar Honduras, diese Karikatur einer Projekt mit dem Sieg der rechtsextremen Bananenrepublik, ist betroffen: Anfang ARENA bei den Parlamentswahlen am April hat sich das Nationalbewußtsein 20.März seinen Gnadenstoß" erhalten einer Bevölkerung, die es nicht länger erhat. Die Christdemokratische Partei wird trägt, lebendiges Anhängsel der USA (in von der Spaltung zerfressen, ganz wie Gestalt einer Basis für deren Militär oder Napoleón Duarte vom Krebs; sein bevor- für deren Söldner, die Contras) zu sein, stehender Tod, den sich 1984, als der mit gewaltsamen Unruhen Ausdruck veragile Präsident sein Amt übernahm, nie- schafft. Wenn es nun wenigstens zur Zeit über Costa Rica nichts Besonderes zu vermelden gibt', so ist das Abkommen, das am 23. März von der nicaraguanischen Regierung und den Contras unterschrieben worden ist, zweifellos ein Rückschlag für die Reagan-Administration. Mehr als alles andere steht es für den Fehlschlag der bewaffneten Option in der Region, für die sich die US-Strategen entschieden hatten. Obwohl diese Option nicht völlig aufgegeben worden ist, zeigt der einfache Umstand, daß Anforderungen militärischer Hilfe seitens der Contras vom US-Kongreß wiederholt abgelehnt worden sind, daß die USA nach anderen Wegen suchen müssen, um die sandinistische Revolution zu zerstören.

Abkommen von Sapoá

Die Gründe für diese Niederlage sind in der Innenpolitik der USA und den Beziehungen zu Lateinamerika zu suchen. Es sind vor allem innenpolitische Gründe, da schon seit langem bekannt ist, daß die Politiker in den USA, ob Republikaner oder Demokraten, Mittelamerika im allgemeinen und Nicaragua im besonderen als ein innenpolitisches Problem betrachten. Die Demokraten wollten sich auf keinen Fall über längere Zeit von Reagan abheben, aus Angst vor der Anschuldigung, „den Kommunisten" dort in die Hände zu spielen; diese Politik erreichte mit der Zustimmung zu den 100 Millionen Dollar für die Contras im Juni 1986 ihren Höhepunkt. Sie haben sich schließlich — nach Irangate" und der Entwicklung der Antikriegsbewegung - darüber verständigt, daß im „Krieg niederer Intensität" die Option des bewaffneten Kampfes nicht unbedingt die bessere ist, vor allem kurz vor Wahlen. Die Unannehmlichkeiten, die sie bislang mit sich gebracht hat, sind eindeutig größer als die Vorteile. Aber man sollte sich nicht täuschen: das bedeutet nicht, daß das letztendliche Ziel der Sturz der Sandinisten, aufgegeben worden ist. Es soll lediglich mit anderen Mitteln erreicht werden. Der militärische Chef der Contras, Enrique Bermúdez, erinnerte aus gegebenem Anlaß daran, daß das, worum es gehe, die direkte Verteidigung der Sicherheitsinteressen der USA" sei (El Pais, 29.Mai 1988). Die (vielfachen) Unannehmlichkeiten beziehen sich vor allem auf die Beziehungen der imperialistischen Metropole zu den lateinamerikanischen Staaten. Es sind zumeist Demokratien", die unter strik-

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kleines Land wie Nicaragua hat, wenn es 50% seines Haushalts für einen Krieg aufwenden und einen beträchtlichen Teil der vorhandenen Arbeitskräfte dafür abziehen muß- - jener Arbeitskräfte, die in den produktiven Sektoren so schmerzlich fehlen. Vom Frieden hängt im hohen Maß ein — selbst begrenzter - Erfolg der Wirtschaftsreformen ab, die im Februar eingeführt worden sind. Doch wird die Inflation, auch wenn sie sich relativ verlangsamt hat (im Vergleich zu den 1500% im Jahre 1987!), noch nicht so bald verschwunden sein. Den Beweis liefert die zweimalige Abwertung des Córdobas seit der Einführung der neuen Währung und die zunehmende Kluft zwischen offiziellem und schwarzem Wechselkurs. Während der offizielle Kurs bei 12,3 neuen Córdobas für einen Dollar liegt (gegenüber 10 im Februar), sind es bei Schwarzmarktkursen immerhin 110 Córdobas.3 Ebenso wenig Anzeichen gibt es dafür, daß der drastische Personalabbau in den Ministerien ein Abwandern in die produktiven Sektoren zur Folge hätte, was ja der Zweck gewesen war. Auch wenn die eine oder andere Maßnahme eine psychologische Wirkung zeigen mag, kann man solange nicht von einer Gesundung der nicaraguanischen Wirtschaft reden, wie es Krieg gibt.

Sergio Ramirez erklärte in einer Rede über die Folgen des Abkommens von Sapoá: Wir denken, es gibt Risiken, es wird in der Zukunft Spannungen geben. Aber jedes Risiko, jede Spannung, die nicht im Rahmen eines Krieges auftritt, ist der Fortsetzung des Krieges vorzuziehen, der das Land ausblutet." (Agencia Nueva Nicaragua (ANN). Nr.105, 29. März 1988.)

Obwohl es keine automatische Beziehung zwischen der Schärfe einer Wirtschaftskrise und der politischen Schwächung einer Regierung gibt, wird niemand behaupten wollen, diese Situation könne ewig andauern, ohne daß dies zu Konsequenzen führte. Die beträchtliche Mobilisierung der Bevölkerung gegen die Spekulanten, die es nach der Einführung der neuen Währung gegeben hat, hatte insofern cher politische als von ökonomische Bedeutung. Die Umstrukturierung der FSLN und die Aufmerksamkeit, die sie den Massenbewegungen widmet, vor allem den Sandinistischen Verteidigungskomitees (CDS), die sich seit mehreren Jahren in einer Krise befinden und deren Leitung vor kurzem der Comandante Omar Cabezas übernommen hat, sind Ausdruck der Notwendigkeit, die Politik in den Vordergrund zu rücken.

ESQUiPULAS 1lc'' Alles - nur nicht die Macht

Wer Verhandlungen sagi, muß zwangsläufig auch Zugeständnisse sagen. Was aber ist verhandelbar? Es ist kein Zynismus, hierauf zur Antwort zu geben: alles — nur nicht die Macht. Der stellvertretende Außenminister, Victor Tinoco, beantwortete eine der Forderungen der Contras und der internen ,zivilen Opposition" nach Trennung zwischen FSLN und staatlichen Institutionen folgendermaßen: .Ich glaube nicht, daß wir viel verlieren würden, wenn der Name der Armee geändert würde (durch Streichung des Adjektivs ,Sandinista,,, d.Übers.); ich frage mich aber, ob irgendjemand irgendetwas verliert wegen des Namens, den sie jetzt trägt. " (El Pais, 3.Juni 1988.) Die Sandinisten könnten in der Tat die Bezeichnung ihrer Streitkräfte ändern, ohne daß dies den Charakter der Armee um ein Jota ändern würde; etwas anderes wäre eine Verschmelzung der beiden Armeen, wie es die Contras wünschen.

Dies bedeutet jedoch nicht, die Zahl und der Umfang der Zugeständnisse und die Art und Weise, wie damit verfahren wird, seien unwichtig. Man muß die bemerkenswerte politische Intelligenz hervorheben, die die Leitung der FSLN in der gesamten Angelegenheit unter Beweis gestellt hat. Natürlich hat es dennoch Verwirrung über diese oder jene Entscheidung gegeben, die (weil es nicht anders NICARAGUA ging) auf die Schnelle getrotten wurde. Selbstverständlich hat sich vielen Mitgliedern der FSLN der Hals zugeschnürt, als sie den ehemaligen Oberst der Nationalgarde Enrique Bermúdez auf dem Flughafen von Managua landen sahen, als er zu den Verhandlungen eintraf, nachdem er seinen ehemaligen Freund Calero verdrängt hatte. Omar Cabezas antwortete auf die Fragen eines Journalisten zu dem Dialog mit den Contras: Hören Sie. Die 10638+ Garde hat meinen Vater und drei meiner Brüder getötet. Die Garde hat die halbe Familie umgebracht, und sie hätten auch den Rest, auch mich ausgerottet, wäre die Revolution zu spät gekommen. Humberto Ortega hat einen treffenden Ausdruck gebraucht, um die Situation zu beschreiben: Was in diesem Kelch ist, ist bitter." Aber wenn wir den Kelch leeren müssen oder sogar zwei, damit wir die Befreiung dieses Landes erreichen, so daß Frieden herrscht und das Leiden unseres Volkes ein Ende hat, dann bin ich bereit, drei Kelche zu leeren, wenn dadurch in Nicaragua das Glück wieder Einzug hält." (ANN, 11.April 1988.)

Selbstverständlich schen diejenigen, die in der Guerilla gekämpft haben, die Freilassung der bestias (Tiere), der seit 1979 gefangenen ehemaligen somozistischen Gardisten, nicht leichten Herzens. Dem ist so. selbst wenn der Innenminister Tomás Borge erklärte: „In jeder Verhandlung muß man flexibel sein, und uns Sandinisten erscheint es nicht zuviel, die Freilassung dieser 100 zuzugestehen, wenn all dies zum Frieden beitragen kann." (ANN, 29.März. 1988.)

Dies sind Punkte, die mehr als einen geschmerzt haben, vor allem in Anbetracht dessen, daß die Möglichkeit direkter Verhandlungen mit den Söldnern bislang von der Führung der FSLN stets energisch ausgeschlossen wurde. In keiner Weise.

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NICARAGUA ter Kontrolle ihrer jeweiligen Armee stehen; sie sind mit einer Wirtschaftskrise konfrontiert, deren Ende niemand voraussagen möchte und die zu wachsenden Protestbewegungen gegen den den Internationalen Währungsfonds führt, der für viele mit den „Yankees" gleichbedeutend ist. Von daher ist die relative Autonomie, die diese Regierungen an den Tag legen und die im Prozeß von Contadora und der Unterstützergruppe, aber auch in der diplomatischen Anerkennung Kubas durch ein Land wie Brasilien zum Ausdruck kommt, von internem wie von externem Nutzen. Diese relative Autonomie soll der Bevölkerung, die den Regierungen heftig deren Unterordnung unter den Imperialismus vorwirft, deren Nationalismus beweisen; sie ist zugleich eine Warnung an die Adresse der USA, zu einem Zeitpunkt, wo die EG und die UdSSR eine diplomatische und wirtschaftliche Offensive in Richtung auf Lateinamerika unternehmen.

In diesen Zusammenhang gilt es, die Unterzeichnung des Abkommens von Esquipulas Il im August 1987 und danach des Abkommens von Sapoá im März 1988 durch die nicaraguanische Regierung zu stellen. Diese Unterschriften sind Ergebnis eines Kräfteverhältnisses, das die Sandinisten auf diplomatischer Ebene herstellen konnten, z.B. mit dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom Juni 1986.2 Dasselbe gilt für die militärische Ebene: die bewaffneten Banden im Dienste der USA waren nicht in der Lage, ihr Projekt durchzuführen, das sandinistische Regime zu beseitigen oder zumindest eine provisorische Regierung auf die Beine zu stellen, die auf cinem „befreiten" Teil des nicaraguanischen Territoriums irgendeine Legitimität hätte. USA in der Defensive

Esquipulas hat die USA überrascht und in Zugzwang gesetzt. Danach haben sie gute Miene zum bösen Spiel gemacht und die Linie eingeschlagen, sämtliche in diesem Abkommen enthaltenen Möglichkeiten auszunutzen, um den Sandinisten das Messer an die Kehle zu setzen. Bekanntlich ist jeder Vertrag nur Ausdruck eines Kräfteverhältnisses, erst recht dann, wenn es um einen Vertrag geht, der einen ..Prozeß" ingang setzen soll. Nichts ist statisch und steht ein für allemal fest. Der Zynismus der USA in dieser Hinsicht ist ein wahres Lehrstück.

Sie haben nicht lange gezögert, ihre Verbündeten wenig höflich daran zu erinnern. daß die Hilfe in klingender Münze, die ihnen freigebig gewährt werde, einen gewissen Verhaltenskodex in Sachen Außenpolitik bedinge. Nicaragua wurde auf die Anklagebank gesetzt und aufgefordert, das Abkommen auf den Millimeter genau anzuwenden, während die übrigen Länder es völlig ungestraft als einen Fetzen Papıer behandeln konnten, obwohl einer der Hauptpunkte von Esquipulas die Gleichzeitigkeit der Anwendung vorsah. Unübertroffen war wieder einmal Honduras, das soweit ging, der internationalen Überwachungskommission die Einreise zu verweigern; diese Kommission war damit beauftragt, das Geheimnis, das alle Spatzen von den Dächern pfeifen, in Augenschein zu nehmen - die Anwesenheit der Contras auf dem Territorium von Honduras. Aber die sandinistische Regierung hat durch abwechselnde spektakuläre politische Maßnahmen und militärische Offensiven bewiesen, daß sie in der Lage war, die zweischneidige Waffe namens Esquipulas gegen die mittelamerikanischen Regime zu kehren, die mit ihren eigenen internen Problemen zu kämpfen haben, die mit Dollars alleine nicht gelöst werden können.

Dieselbe politische Einschätzung hat auch zur Unterschrift in Sapoá geführt. Die Abstimmung des Kongresses, bei der erneut militärische Hilfe für die Contras abgelehnt wurde, hat in deren Reihen Panik ausgelöst. Die Freiheitskämpfer" wie Reagan sie so gerne nennt, sahen ihre finanzielle Nabelschnur durchtrennt. Nebenbei sei daran erinnert, daß Contra- Führer wie Bermúdez oder Calero etwa 7000 Dollar im Monat verdienten; mittlere Dienstgrade wie die Kommandanten Tono oder Tigrillo (die gegen Bermúdez rebelliert haben) bekamen etwa 1000 Dollar, einfache Kämpfer keine dreißig (allerdings ist zu berücksichtigen, daß sie umsonst Nahrung, Unterkunft, Waffen und alles sonst Nötige erhielten). Der Generalstab der Söldner, zusammengehalten vom Antikommunismus und den kleinen grünen Scheinen, begann sich zu bekriegen - auf der einen Seite die Anhänger des Durchhaltens bis zum Ende, auf der anderen Seite die Anhänger des Spatzens in der Hand, der besser sei als die Taube auf dem Dach. Sapoá ist zugleich ein Produkt dieser Krise und ein Faktor ihrer enormen Beschleunigung. Streitigkeiten in den Lagern in Honduras werden mit Waffengewalt ausgetragen; die Verfechter der harten Linie" (Bermüdez) und die von Verhandlungen (Calero) bekämpfen sich an der Spitze; sie beschuldigen sich wechselseitig der Korruption: kurzfristig setzen CIA-Beauftragte Reisen an, die die Verhältnisse kitten sollen; die laut Bermúdez „verräterischen" Kommandanten (die das Abkommen unterschrieben haben) werden aus Honduras ausgewiesen; zwischen den USA und Mittelamerika gibt es unaufhörliches Hin und Her um die Meinung des Großen Bruders - kurz, der Rückgang der Contras als militärischer Faktor ähnelt immer mehr einer schlechten US-Fernsehserie.

Anders gesagt, wenn ein Teil der Contras heute mit Hochgeschwindigkeit zu einem Verhandlungsergebnis kommen will, liegt das daran, daß es sich für sie um eine Frage von Leben oder Tod handelt, wobei der Grundsatz „jeder für sich" den Vorrang vor ideologischen Betrachtungen hat, sofern es diese je gegeben hat. Daher die Konsternierung der Reagan-Administration und ihre kaum verhohlene Verachtung für das in der Tat wenig erhebende Spektakel, das ihre Schützlinge bietén. Daher auch die Haltung der Sandinisten, die darauf aus sind, mit den Contras bald scharf, bald mild umzuspringen. Ihr oberstes Ziel, nämlich nach dem Motto zu verfahren, „spalte, um zu herrschen"* , haben sie 100%ig erreicht, umso mehr als die intelligente Politik, die in den Waffenstillstandszonen gegenüber den Contras an der „Basis" praktiziert wird, Früchte trägt. Viele von ihnen sehen, wie sich die Chefs streiten, und werden ansprechbar auf die Perspektive, ins Land zurückzukehren, um ihre Familien wiederzusehen und zudem noch in den Genuß einer Amnestie zu kommen, die ihre kriegerischen Taten der jüngsten Vergangenheit ungeschehen machen würde. Daß ein Teil der nicaraguanischen Bevölkerung, der die besagten Taten am eigenen Leib zu spüren bekommen hat, dieser Perspektive nicht ebenso ruhig entgegensieht, ist ein anderes Problem - und nicht das geringste. Zu Verhandlungen gezwungen Dies bedeutet nicht, daß die FSLN nicht dringend auf Verhandlungen angewiesen wäre oder die USA aufgegeben hätten und sich nun in die Unabänderlichkeit einer Revolution schicken würden, die allein aufgrund ihrer Existenz ein Brandsatz in Nicaragua braucht Frieden - und sogar Frieden um jeden Preis, so hoch er auch sein mag, nur damit es leben kann, und zwar aus ökonomischen und politischen Gründen. Die ersteren sind allgemein bekannt. Wir wollen hier nicht im einzelnen auf die Folgen eingehen, die es für ein

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an keinem Ort, durch keinerlei Vermittlung wird es jemals einen politischen Dialog, ob direkt oder indirekt, mit den Chefs der Konterrevolution geben** , so hieß es noch in der Erklärung der Asamblea Sandinista vom 29.Oktober 1987.

Zu diesen Faktoren kommt der diskrete Druck hinzu, der über die „unverbrüchliche Freundschaft* des Bruderlandes Nummer 1, der UdSSR, ausgeübt wird. Die nicaraguanische Wirtschaft hängt am Tropf der UdSSR bzw. des RGW, das ist für niemanden ein Geheimnis. Die UdSSR läßt es sich nicht nehmen, hieran mehr oder minder freundschaftlich zu erinnern: Auf subtile und diplomatische Art weisen sie (die UdSSR und die BRD, d.Übers.) darauf hin, wir könnten mit den Ressourcen, über die wir verfügen, bessere Resultate erzielen." (Henry Rúiz, Minister für Außenhandel, ANN, 8. September 1987.)

Diese Abhängigkeit wird von Nicaragua nicht gewünscht (weil sie nicht wünschenswert ist), aber sie ist Tatsache. Aufgrund der Wirtschaftsblockade und der Erpressung der US-Regierung in den internationalen Kreditorganisationen kommen 80% des baren Geldes, das der sandinistische Staat benötigt, von den RGW-Ländern. Nur 7% der Anleihen, die Nicaragua 1987 ausgehandelt hat, kamen von multilateralen Organisationen, hauptsächlich von der EG und von den Vereinten Nationen. Der Rest kam von bilateralen Organisationen in kapitalistischen Ländern (24 %) und aus den „sozialistischen" Ländern (69%). Nicaragua wickelt den überwältigenden Anteil seines Handels mit den RGW-Ländern ab, darunter fallen auch die Ölprodukte (fast 760.000 Tonnen im Jahr). Nimmt man nur die UdSSR, so machten die Im- und Exporte zwischen 1982 und 1984 im Durchschnitt 10,9% des Außenhandels aus; 1986 stieg diese Zahl dagegen auf 32,5% (Angaben des nicaraguanischen Ministeriums für Außenhandel). Die sowjetische Hilfe kletterte seit 1979 auf etwa 2 Milliarden Dollar, Schenkungen nicht mitgerechnet (Weizen und Reis).

Zum Zeitpunkt der Diskussionen zwischen Reagan und Gorbatschow läßt sich die Behauptung nicht einfach abtun, daß der sowjetische Parteichef gewillt ist, bestimmte regionale Konflikte zU „dezentralisieren" und die Wirtschaftshilfe für Nicaragua von anderen - z.B. lateinamerikanischen Ländern - übernehmen zu lassen. Die Hilfeleistungen sind für die Größenordnungen der UdSSR geringfügig, für Nicaragua hingegen geht es dabei um eine Frage des schieren Überlebens. Zur Zeit ist ein schlichtes „Fallenlassen"" durch die UdSSR, die aus verschiedenen Gründen keinerlei Interesse hat, diese Karte aus der Hand zu geben, nicht abzusehen; Moskau hat aber großes Interesse, darauf hinzuwirken, daß die Spannung in dieser Region abnimmt, auch um den Preis, daß die Nicaraguaner mehr als eine Kröte schlucken müssen. Gibt es eine Chance, daß der Frieden (endlich) einkehrt, wenn doch alle Welt ihn will - aus guten oder aus weniger guten Gründen? Das ist durchaus nicht sicher. Oder zumindest besteht die Gefahr, daß dieser Frieden, um mit Clausewitz zu reden, nur die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist. Das Gespenst der „Chilenisierung"

Die innere Opposition betreibt eine Politik des „je schlimmer, desto besser". Sie ist schwach, verfügt weder über große Legitimität noch viel Autonomie; alles deutet darauf hin, daß sie die Sandinisten, die zur Zeit ohne Murren sämtliche Provokationen hinnehmen müssen, bis zum äußersten treiben will.

Wie lange kann diese Situation andauern? Die FSLN verurteilt zu Recht die von den Rechten betriebenen Versuche, es zu einer „Chilenisierung" kommen zu lassen - eine unerträgliche Atmosphäre zu schaffen, so daß danach dieselbe Rechte als Retter begrüßt wird. Aber die Sandinisten erinnern daran, daß Allende gestorben ist, weil er die Arbeiter und Bauern nicht bewaffnet hatte, als sie es verlangten. Dies ist mehr als nur eine Nuance; es macht den ganzen Unterschied zwischen einer Sozialdemokratie an der Regierung und einer revolutionären Regierung an der Macht aus. Die US-Regierung hat ihr letztes Wort noch nicht gesprochen; derzeit setzt sie auf demokratische Konterrevolution". Diese Entscheidung wird Gültigkeit behalten, wer auch immer die Präsidentschaftswahlen im kommenden November gewinnen wird.

13.Juni 1988 Anmerkungen:

1. Der (relative) soziale Frieden im Lande nimmt jedoch ab. Z.B. fanden im März und April mehrere Streiks statt, zu denen der Permanente Arbeiterrat (CPT) aufgerufen hatte und mit denen gegen die vom /WF diktierte Wirtschaftspolitik der Regierung Protest eingelegt werden sollte 2. Das Urteil des Internationalen Gerichtshofs erklärte die Verminung nicaraguanischer Häfen durch die USA im Jahre 1984 für illegal. Dieses Urteil blieb allerdings ohne jegliche NICARAGUA praktische Folge. obgleich es in bezug auf die Legitimierung der nicaraguanischen Regierung einen hohen symbolischen Wert hatte.

3. Vgl. Latin American Weck/y Report. 15.Juni 1988. GUATEMALA

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Die Kluft zwischen diesen beiden Positionen hat sich nach 1986 schnell verringert. Plötzlich, am 8. Februar, verkündete Michail Gorbatschow, daß die UdSSR und die Republik Afghanistan übereingekommen waren, den Rückzugsplan vom 15. Mai an auf zehn Monate zu begrenzen, und daß sie erwarteten, daß das Abkommen am 15. März unterzeichnet werden würde. Es wurde schließlich mit einem Monat Verspätung unterzeichnet, da es Schwierigkeiten unter den Parteien gab. Es war diesmal nicht die Zurücknahme um einen Monat, die Schwierigkeiten machte, sondern neue Forderungen Washingtons und Islamabads, die Hindernisse aufzubauen schienen. Als neue Bedingung für die Unterzeichnung des Abkommens forderte Pakistan eine vorhergehende Verständigung über eine provisorische Regierung, die die jetzige in Kabul ersetzen sollte. Die Reagan-Verwaltung revidierte unter dem Druck des Kongresses die Bedeutung, die dem gegenseitigen Desengagement der beiden Großmächte gegeben werden sollte. Im Austausch für die Aufgabe von Militärhilfe der USA an die afghanischen Rebellen forderte Washington nicht mehr einfach den Rückzug der Truppen Moskaus, sondern auch die Aufgabe sowjetischer Militärhilfe für die Regierung in Kabul.

Gorbatschow hatte schon am 8. Februar eine entschiedene Antwort auf die Forderungen Pakistans gegeben: „Dies ist ein rein internes Problem der Afghanen. Nur sie können es lösen. ... Wenn vorgeschlagen wird, daß die Sowjetunion an Verhandlungen darüber teilnehmen soll und überdies mit Drittländern, antworten wir klar: laßt uns draußen, es ist weder unser noch cuer Problem. "

Angesichts der neuen Position Washingtons drohte Moskau nach dem 17.März. einen Rückzugsvertrag mit der Regierung in Kabul allein abzuschließen. Dies war eine kaum verhüllte Drohung gegenüber Pakistan, weil die Abkommen von Genf auch eine Vereinbarung enthielten, nach der Kabul und Moskau aufhören würden. subversive Aktivitäten auf pakistanischem Gebiet zu unterstützen.

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