Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Inprekorr 1982: Israel

Krieg gegen Libanon

Inprekorr Nr. 200, Februar 1988 · S. 28 · 1.140 Wörter

Nahost und Palästina Brasilien Gewerkschaften und Streiks Frauen

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In einem Interview mit einem führenden Genossen der israelischen Sektion legt dieser die Haltung der israelischen Revolutionäre dar.

Das Hauptziel des Kriegs, den die Begin- Regierung gegen den Libanon und Syrien vom Zaum gebrochen hat, ist, die PLO politisch und militärisch zu liquidieren. Die derzeitige israelische Führung glaubt, die PLO sei im wesentlichen eine relativ kleine Gruppe von Terroristen, die mit Hilfe militärischer Operationen leicht geschlagen und vernichtet werden kann. Das zweite Ziel besteht darin, Syrien eine schwere politische und militärische Niederlage beizubringen. ...

Mit dem Krieg entstand ein Anschein der nationalen Einheit. Die Regierung hatte sich nicht mit massiver Opposition auf der Straße oder einer breiten politischen Opposition auseinanderzusetzen. Wir haben noch nicht den Stand erreicht, wo die Mehrheit der israelischen Bevölkerung bereit ist, gegen ihre Regierung aufzutreten, während der Krieg anhält.

Aber zum erstenmal wurden in einem Krieg vom ersten Tag an oppositionelle Stimmen laut, sogar innerhalb des Establishments. Zum Beispiel enthielten sich einige Abgeordnete bei der Abstimmung über den von der Kommunistischen Partei im Parlament eingebrachten Mißtrauensantrag der Stimme. Unsere Genossen, die im 'Solidaritätskomitee für die Bir- Zeit-Universität" arbeiten, sammeln Unterschriften gegen den Krieg und hatten damit schon bei Dutzenden von liberalen Persönlichkeiten Erfolg. Schon gab es einige Fälle von Befehlsverweigerungen in der Armee. Militärs weigerten sich zum erstenmal, die Grenze zu überschreiten. Wir traten auch für diese Haltung ein und auch andere politsche Stromungen haben sie übernommen.

Darüberhinaus gab es eine Reihe von kleineren Demonstrationen gegen den Krieg, an denen Dutzende von Leuten teilnahmen; Parolen gegen den Krieg wurden an die Wände gemalt. Das ist auf die Aktivität linker Oppositioneller zurückzuführen; aber niemand hätte das während des 1968-er Kriegs versucht. Die verbreitetsten dieser Parolen waren: "Nieder mit dem barbarischen Krieg im Libanon! Die PLO, das ist das ganze palästinensische Volk!" Die Probe aufs Exempel wird erst nach dem Krieg kommen. Unsere Genossen schätzen, daß bereits jetzt mehr als 150 israclische Soldaten getötet wurden. Das ist für Israel nicht ohne Bedeutung."

Brasilien: Arbeiterpartei

Selbstver- verändern. Wir wollen, daß die Arbeiter Herren sind über die Produktionsmittel und die Produkte ihrer Arbeit. Dies läßt sich nur durch ständnis der den politischen Kampf erreichen. Die Partei ist das Mittel, mithilfe dessen wir aktiv werden können, um die Herrschaftsverhältnisse in un- PT serm Land zu verändern. ...

Brasilien ist sicher eines der wenigen Länder dieses Kontinents, das noch nie eine Agrarre- Rede von Luis Iniacio Silva auf dem Kon- form kannte. Hier gibt es so viel Land und so greß zur Legalisierung der PT am 28.Sep- wenig Besitzer, obwohl die Regierung vorgibt, den Besitz besonders zu schützen ... Die eintember 1981:

zige Agrarreform, die in unserm Land jemals stattfand, war die Aufteilung des Landes in erbliche Besitztümer durch das portugiesische Mutterland im 17.Jahrhundert. Unser Land ist so groß, und trotzdem wissen die besitzlosen Landarbeiter nicht mehr, wo sie bleiben sollen. Die PT wird auch weiterhin den Kampf um eine Agrarreform unterstützen: für das Recht auf Land für den, der es bearbeitet, für einen besseren Preis für Agrarprodukte, für die Ausschaltung der Zwischenhändler. In Amazonien werden wir deshalb von der Justiz verfolgt...

Es ist wichtig, daß hier ein Wort zur Frauenbewegung gesagt wird, die sich in ihrer beson- .Als wir im Juni letzten Jahres anfingen, deren Organisationsform im Land auszudehunsere Kommissionen auf Gemeindeebene zu nen beginnt. Angesichts der patriarchalischen organisieren, sagten uns die Skeptiker: Die Kultur, in die wir eingebettet sind, angesichts PT wird scheitern!" Uns gelang es, 627 solcher der Gesellschaftsstrukturen, die einzig als Kommissionen im ganzen Land zu bilden. Als Werk von Männern bestehen, erkennen wir wir Anfang dieses Jahres die Kampagne zur das Recht und die Pflicht der Frauen an, für Mitgliederwerbung starteten, sagten die Mies- ihre Befreiung zu kämpfen. Sie müssen sich macher: "Die PT ist nicht lebensfähig!" Inzwi- von ihrer Objektstellung befreien, in der sie schen sind wir fast 300.000 im ganzen Land. einzig Gebärfunktion haben und der Befriedi- Heute, wo wir unseren ersten Kongreß abhal- gung der Männer dienen. Sie sind Sklavinnen ten, gibt es immer noch welche, die am näch- des Haushalts, doppelt ausgebeutete Arbeitesten Schritt zweifeln, die glauben, daß die PT rinnen. Der Kampf der Frauen wird den Mänbei den Wahlen 1981 nicht die von der Regie- nern helfen, umzudenken im Sinne einer egalirung vorgeschriebenen 5% erreichen wird, tären Gesellschaft, die wir gemeinsam aufdaß sie nicht die in neun Bundesstaaten gefor- bauen wollen. Dennoch sind wir davon überderten 3% erreichen wird... zeugt, daß dieser Kampf sich nicht vom Kampf Die Arbeiterpartei ist eine historische Neu- aller Brasilianer für ihre Befreiung lösen kann. heit in diesem Land. Sie ist auch eine Neuheit Die Frage des Feminismus geht nicht nur die im politischen Leben und in der Geschichte der Frauen an und reduziert sich auch nicht auf die brasilianischen Linken. Sie ist eine Partei, die Erlangung individueller Freiheiten. aus den Massenbewegungen entstanden ist, aus Es besteht in unserm Land eine Rassendisdem Bewußtsein der Arbeiter, nachdem diese kriminierung, die besonders verschleiert wird. jahrzehntelang von den bürgerlichen Politikern Ein Schwarzer fühlt diese Diskriminierung, als Handlanger mißbraucht wurden und sich die einem Weißen verborgen bleibt, als real, die Albernheiten der Parteien anhören mußten. aggressiv und tiefgreifend. ... Deshalb müssen die sich als Vorhut der Arbeiterschaft bezeich- wir die Organisationen der Schwarzen unternen. Unsere Partei entstand als politischer stützen ... Wir sind für das Recht jeder Min- Ausdruck des gewerkschaftlichen Kampfs. Dic derheit, sich zu organisieren. Wir nehmen in Mehrheit unserer Delegierten kommt aus der unserer Partei nicht hin, daß die Homosexuali- Gewerkschaftsbewegung, aus der sie auch ihre tät als eine Krankheit oder noch schlimmer als Kampfkraft und ihren Rückhalt für die politi- ein Fall für die Justiz behandelt wird. ... Wir schen Aktionen beziehen. Dennoch hat die PT erklären uns solidarisch mit der Sache der Invon Anfang an Parteipolitik und gewerkschaft- dios, mit der Bewegung Einheit der indianiliche Arbeit getrennt und nie zugelassen, daß schen Nationen", mit ihrem Recht, ihre eigene man die Gewerkschaftsbewegung zum Trans- Sprache zu sprechen. ... missionsriemen der Partei macht. Wir werden Wir wissen, daß uns eine Auffassung von uns immer für die Unabhängigkeit der Ge- Sozialismus nicht paßt, nach der an den soziawerkschaften gegenüber den Parteien einset- len Mißständen, die der Kapitalismus verurzen. .. sacht hat, nur einige Verbesserungen vorzu- Die Gewerkschaft ist das adäquate Mittel, nehmen sind ... Wir wissen auch, daß uns ein um die Beziehungen zwischen Kapital und Ar- bürokratischer Sozialismus nicht paßt, der beit zu verbessern, doch wir wollen uns nicht mehr den neuen Kasten der Technokraten und damit begnügen. Wir wollen nicht nur die Si- Privilegierten dient, als den Arbeitern und dem tuation der Arbeiter verbessern. Wir wollen Volk die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit aus Inprekorr Nr.140, Januar 1982