Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Inprekorr 1974: Spanien

Fusion LCR-ETA VI

Inprekorr Nr. 200, Februar 1988 · S. 20 · 401 Wörter

Baskenland Spanischer Staat Frankreich

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

ETA VI haben ihre Fusion beschlossen. ... Diese Fusion ist das Ergebnis eines doppelten Prozesses: zum einen einer politischen Klarung und einer organisatorischen Konsolidierung in der LCR, nachdem diese vor einem Jahr eine Krise durchgemacht hatte, bei der sich bald die Hälfte der Organisation abgespalten hat und die Liga Comunista bildete. Zum andern der raschen Entwicklung der ETA VI unmittelbar nach ihrem Bruch mit dem nationalistisch-militaristischen Flügel der ETA V auf die Positionen des revolutionären Marxismus und die IV. Internationale hin. ... Vor nur fünf Jahren existierte noch überhaupt keine trotzkistische Gruppe in Spanien, kein revolutionär-marxistischer Kern. Unter den Bedingungen des spektakulären Aufschwungs des Klassenkampfs entwickelte sich in wenigen Jahren eine Organisation, die fähig ist, einen Teil der studentischen — und Arbeitervorhut zu organisieren und eine wichtige Strömung, die aus der Krise des radikalen Nationalismus der ETA im Baskenland hervorgegangen ist, für den Aufbau der revolutionären Partei zu gewinnen. ...

Die ETA ist im Jahr 1959 aus einer Gruppe junger Aktivisten entstanden, die mit der alten nationalistischen Baskenpartei gebrochen hatten. Sie machte erstmals im Juli 1961 auf sich aufmerksam durch ein mißlungenes Attentat auf einen Zug, der Bürgerkriegsveteranen zum Jahrestag der faschistischen Erhebung zu einer Gedächtnisfeier ins Baskenland brachte. Die ETA versteht ihren Kampf gegen die Diktatur in Euskadi als nationalen Befreiungskampf in einem Kolonialland. Die Unabhängigkeit Euskadis ist das Hauptziel, eine notwendige Etappe auf dem Weg der endgültigen Befreiung Euskadis. Die sozialen Widersprüche im Befreiungskampf werden verwässert. ... Mit ihren radikalen Aktionen gelang es ETA, den kämpferischen Teil der Arbeiterjugend anzuziehen, sie erwarb im Baskenland breite Sympathien. Als die Arbeiterkämpfe Ende der sechziger Jahre im spanischen Staat massiv zunahmen, geriet ETA mit ihren kleinbürgerlich-nationalistischen Positionen in die Sackgasse. ... So lehnte ETA, als im August 1969 die Polizei drei streikende Bauarbeiter in Granada tötete, es ab, einen Solidaritätsfonds für die Familien dieser „spanischen" Arbeiter einzurichten.

1966 spaltet sich die erste Gruppe ab, die heutige Movimiento Comunista de Espana (MCE). 1970 spaltet sich auf der V. Versammlung ein weiterer Teil ab, der sich fortan ETA VI nennt. Er baut parallel den Apparat der Organisation auf und entwickelt Beziehungen zur LCR. ... Während des Generalstreiks in Pamplona im Juni 1973 spielt ETA VI eine wirkliche Avantgarderolle bei der Ausweitung der Solidarität und in der Führung des Kampfs in mehreren Betrieben.

aus: Inprekorr Nr.29, 1974.