Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

1972: Guerilla in Argentinien

Die Entführung Sallustros

Inprekorr Nr. 200, Februar 1988 · S. 17-18 · 1.545 Wörter

Argentinien Vietnam und Indochina USA und Kanada Gewerkschaften und Streiks

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Aus Protest und als Reaktion gegen die Auflösung der Gewerkschaften bei den Fiat-Werken in Cordoba, der Verhaftung der gewählten Gewerkschaftsführer und der Entlassung von beinahe 300 Arbeitern hat die von der argentinischen Sektion der IV. Internationale geführte Revolutionäre Volksarmee (ERP) den Vorsitzenden des Konzerns Fiat-Argentinien, Oberdan Sallustro, gefangen gesetzt. Er wurde vor das Volksgericht gestellt. .. Im Namen der Armen, der Ausgebeuteten, der Gefolterten und Gefangenen wurde Sallustro zum Tode verurteilt. Die ERP wird ihn nur freilassen, wenn 50 ungesetzlich verhaftete Arbeiterführer freigelassen werden und die Firma 1 Mrd. Pesos in Form von Schulmaterial, Kleidern und Schuhen als Lösegeld zur Unterstützung der Frauen und Kinder der entlassenen Arbeiter bezahlt.

Unsere Genossen von der ERP berufen sich keineswegs auf den individuellen Terrorismus und sie praktizieren ihn auch nicht. Sie berufen sich auf die Prinzipien der Stadtguerilla, die den Traditionen der Arbeiterbewegung keineswegs fremd sind. Das kann nur der behaupten, der Lenin aus dieser Arbeiterbewegung ausschließt, der die Guerilla nach dem Dezember 1905 in Rußland befürwortete, oder Fidel Castro und Che Guevara, die sie für den ersten Sieg einer sozialistischen Revolution in Lateinamerika anwandten. ...

In Ländern, wo die Arbeiterbewegung ihre grundlegenden demokratischen Freiheiten errungen hat, wo sie sich frei entfalten kann, ist die Anwendung von Guerillamethoden falsch und uneffektiv. Die Arbeiterklasse, die die Interessen der überwiegenden Mehrheit der Nation vertritt, hat Gewalt nicht nötig, um ihre Ziele zu erreichen. Die Gewalt wird ihr in gewissen Momenten ihrer Entwicklung von ihren Gegnern, wenn diese in die Enge getrieben sind, entgegengesetzt. In diesem Fall muß sie Selbstverteidigungsstrukturen schaffen, die aus ihren spezifischen Massenorganisationsformen entstehen. ...

Die Situation ist ganz anders in den Ländern, wo die demokratischen Freiheiten der Arbeiterbewegung aufgehoben oder arg beschränkt sind, oder wo eine offen faschistische oder militärische Diktatur herrscht, WO Morde, Folter und Konzentrationslager zur täglichen Regierungsform des Kapitals gehören. ... Wenn der Gegner systematisch auf jede Massendemonstration, die ein bißchen radikal wird, schießt; wenn er brutal jeden Streik und jede Gewerkschaft, die sich nicht an die reformistischen Schranken halten, zerschlägt, 1972 dann stehen die Arbeitergenossen konkret vor Deckung und der Regruppierung der aufständrei Alternativen: entweder bewußt die Bewe- dischen Massen bewaffnet gespielt. Aber um gung zu bremsen, um blutige Zusammenstöße das tun zu können, muß man zuerst für diesen mit den Repressionskräften zu vermeiden, Zweck organisiert, trainiert und erfahren sein, oder einen Zusammenstoß unbewaffneter Mas- muß man die Sympathie der Massen gewonnen sen mit den bis zu den Zähnen bewaffneten haben und im Bewußtsein der Massen den Repressionskräften als unvermeidlich anzuse- Glauben in die Unbesiegbarkeit und Unverhen, oder aber ohne zu zögern sich daran zu letzbarkeit des Repressionsapparats zerstört machen, die Bewaffnung der Massen vorzube- haben. All diese Funktionen muß die Guerilla reiten und zu organisieren.... erfüllen. Unsere argentinischen Genossen schlagen Die revolutionären Marxisten halten im Gefolgende Taktik vor: Die Revolutionäre bilden gensatz zu den Populisten oder den Anhängern autonome und illegale bewaffnete Trupps, die von Regis Debray die Guerilla nicht für ein sich im Laufe der Reifung und Radikalisierung Allheilmittel. Sie ist nur eine Kampfform unter der Massenbewegung in diese integrieren, um vielen, selbst in Ländern der Diktatur. Sie mul hier die Schaffung von immer mehr bewaffne- dort eine bestimmte Funktion erfüllen, die an ten Trupps zu stimulieren, mit denen sie fusio- andere gebunden ist: den Aufbau einer revolunieren können. ... Übrigens haben die Genos- tionären Partei und die Hebung der Massenbesen der ERP beim letzten Aufstand von Cor- wegung auf die Ebene der allgemeinen revoludoba gerade diese Rolle des Schutzes, der tionären Aktion. aus: Inprekorr, Nr.14, 15.4.1972 INPREKORR der IV. Internationale Internationale Pressekorrespondenz DM 0,50 Str. 0,50 Ös 4.- Lft. 6.- Nr. 14 15.4.72 ve unten Pouklein Berer man ihn titele, war iler Nann habgenhahr ARGENTINIEN 4 328 Berer man shafelele, war cheste Inan w. den duternehmern inhalt:

ARGENTINIEN: 48-stündiger Generalstreik . Argent lebte in Entenektuned Friden Die Entführung Sallustros Anstol Kommunique Nr. 4 der E. R.P. Widerspricht die Guerilla den Traditionen der Arbeiterbewegung? Revolufionäre Antworten auf die Mörderregierung .. zu einem neuen Aufschwung. SPANIEN: Für ein neves Burgosl Aufruf der L.C. R. Zwei Arbeiter von der Polizei in El Ferrol ermordet NORDIRLAND Die Kämpfe im Bausektor und die Proxis der L. C. R.. •13 noch der direkten Regierungrübernahme durch London 18 KURZNACHRICHTEN AUS DER IV. INTERNATIONALE GROSSBRITANNIEN : Metallorbeiter von Manchester besetzen ihre Fabriken. 19 Australien - Ceylon - Dominikanische Republik - Fronkreich - Holland - Mexiko .20

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1973 IEK-Resolution zum möglichen Waffenstillstand Die Aufnahme und die Entwicklung der amerikanisch-vietnamesischen Verhandlungen können nur im Gesamtrahmen des gegenwärtigen Kräfteverhältnisses auf internationaler wie auf indochinesischer Ebene zwischen den revolutionären und den konterrevolutionären Kräften verstanden werden.

Die wesentliche Schwäche der indochinesischen Revolution liegt in ihrer relativen internationalen Isolation. Die wichtigste Ursache für diese Isolation liegt in der konservativen Politik der friedlichen Koexistenz, wie sie von den Moskauer und Pekinger Bürokraten und von den KPn, die sie in der ganzen Welt kontrollieren, geführt wird. Diese Politik hat es dem amerikanischen Imperialismus erlaubt, seine mörderischen Attacken auf die revolutionären Kräfte von Südvietnam, Laos, Kambodscha und der Demokratischen Republik Vietnams systematisch zu eskalieren, ohne daß sich seitens der Bürokratien, die in Moskau und Peking an der Macht sind, eine dementsprechende Antwort abzeichnete.

Die relative Isolierung der indochinesischen Revolution, die nur durch die weltweite Entwicklung der Massenbewegung gegen den imperialistischen Aggressionskrieg teilweise reduziert werden konnte, hat sich nach der Ankündigung Nixons, Peking und Moskau zu besuchen, erneut verstärkt. Nixon hat dadurch die Demobilisierung eines großen Teils der amerikanischen Antikriegsbewegung sowie die Möglichkeit einer neuen militärischen Eskalation in Indochina gewonnen. Unter diesen Umständen kann die vietnamesische Revolution auf der militärischen Ebene allein nicht den Imperialismus besiegen. So ist das Bemühen zu verstehen, die militärische Intervention des Imperialismus in Indochina durch eine Verhandlungslösung zu beenden.

Die Hauptstärke der indochinesischen Revolution liegt im beispiellosen Umfang und in der einzigartigen Energie des in Vietnam, Laos und Kambodscha initiierten und entwickelten revolutionären Prozesses. Deshalb erlitt die imperialistische Intervention eine Reihe strategischer Niederlagen. Nach dem Scheitern des „Spezialkriegs" , dann des „Lokalkriegs* werden heute die Grundlagen der .,Vietnamisierungspolitik* in Indochina zerstört. Durch die in Südvietnam vor acht Monaten lancierte Offensive ist die „Pazifierung" der ländlichen Gegenden zerschlagen und das Kräfteverhältnis global zugunsten der revolutionären Volkskräfte verstärkt worden. In weiten ländlichen Gegenden Südvietnams wurden die Agrarrevolution und die Einsetzung revolutionärer Machtorgane weitergetrieben. In diesem Zusammenhang impliziert die Bemühung der vietnamesischen KP, zu einer Verhandlungslösung über den Rückzug der imperialistischen Truppen aus Vietnam zu kommen, nicht notwendigerweise für die vietnamesische Revolution einen Schritt zurück. Ein Rückzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam und die Einstellung der Bombardierungen des Nordens wie des Südens würden auf jeden Fall eine Änderung des Kräfteverhältnisses zugunsten der vietnamesischen Revolution bedeuten. ... Aber ein derartiger Rückzug bildet an sich noch keine Garantie für den Sieg der permanenten Revolution in Indochina. Er bedeutet nur, daß dieser revolutionäre Prozeß sich unter verminderten, aber nicht völlig ausgeschalteten Möglichkeiten der ausländischen konterrevolutionären Einmischung abspielt. Die US-Hilfe für die konterrevolutionären Kräfte wird weitergehen. Die amerikanische Flotte wird in den indochinesischen Gewässern bleiben und über den Massen dieser Länder wird bei jedem Schritt der Revolution nach vorn die Drohung mit der Wiederaufnahme der Bombardierungen schweben. Eine gleichartige Drohung geht von den imperialistischen Militärbasen in Thailand aus, die beibehalten werden. Der Druck von Moskau und Peking auf die vietnamesische KP wird nicht nachlassen....

Die heute in Südvietnam existierende Situation ist eine Situation der Doppelherrschaft von oben nach unten. Sowohl auf der Ebene des ganzen Landes wie auch auf der der Pro- Vietnamkrieg vinzen, zahlreicher Dörfer und mehrerer Städte stehen Machtorgane und Streitkräfte der Arbeiter und Bauern den Machtorganen und Streitkräften der Konterrevolution, der Großgrundbesitzer und Kompradorenbourgeoisie. der Marionetten des Imperialismus gegenüber. Ganze Regionen sind vollständig befreit und werden von Organen der revolutionären Macht verwaltet. Aber diese Doppelherrschaft hat sich noch nicht auf die wichtigsten Städte des Landes ausgedehnt. Vom Erfolg oder Mißerfolg der revolutionären Kämpfe der Massen, überall revolutionäre Machtorgane zu errichten und den bürgerlichen Staatsapparat zu zerschlagen, hängt der Ausgang des revolutionăren Prozesses in Indochina ab. Dieser Kampf wird nach der Unterzeichnung eines eventuellen Waffenstillstands fortgesetzt werden. In diesem Kontext muß die Frage einer Regierung oder eines Organs der „nationalen Koalition" untersucht werden. Es ist unsere Pflicht, klar darzulegen, daß in Vietnam genauso wie anderswo zwischen ausbeutenden und ausgebeuteten Klassen keine „nationale Versöhnung" möglich ist. Die IV. Internationale ist und bleibt gegen Koalitionsregierungen mit der Bourgeoisie, wie auch immer der konkrete Inhalt dieser Regierungen aussehen mag. Selbst wenn die bürgerlichen Minister einer solchen Regierung in der Hand einer tatsächlich schon proletarischen Staatsmacht sind, so erleichtert ihre Anwesenheit doch nicht die Vollendung des Machteroberungsprozesses und muß sich negativ auf das Klassenbewußtsein des Proletariats auswirken.

Aber aus dieser prinzipiellen Opposition gegen jede Koalitionsregierung mit der Bourgeoisie dürfen wir nicht jede dieser Regierungen automatisch mit einer Volksfrontregierung gleichstellen, durch die die Wirtschaftsmacht und der Staat der besitzenden Klassen stabilisiert und verteidigt werden. Die Geschichte