Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Mao und Stalin

Inprekorr Nr. 20, 15. Oktober 1972 · S. 3 · 306 Wörter

China Stalinismus und Bürokratie

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Yon diesem Zeitpunkt an zeigt Mao Tse-tung gegenüber den Anweisungen Stalins größtes Mißtrauen. Als er an der Spitze der chinesischen Roten Armee steht und Präsident der Sowjetrepublik Kiangsi mit einem befreiten Gebiet von 10 Millionen Einwohnern ist, kollidiert er heftig mit der ultralinken Linie von Li Li-san und seinen Nachfolgern an der Spitze der chinesischen KP, die gemäß dem Linkskurs der sogenannten "3. Periode der Internationale" handeln. Im Januar 1935 setzt Mao bei einem Halt auf dem Langen Marsch den Generalsekretär der KP Chinas Wang Ming ( von Pawel Mif, dem Kominterndelegierten, eingesetzt) ab und läßt sich, ohne Moskau zu konsultieren, zum "Prosidenten des Zentralkomitees" ernennen, eine Gotteslästerung zu dieser Zeit, wo die Führungder KPdSU direktdie Führer der 'Bruderparteien" auszusuchen gewohnt war.

Der Streit der maoistischen mit der stalinistischen Führung flammte insbesondere nach 1945 wieder auf. Nach dem Yalta-Abkommen sollte nämlich Tschiang Kai-schek • e Kontrolle über China erhalten. Stalin unterzeichnete nicht nur zusammen mıt Tschiang Kai-schek die chinesischsowjetische Vereinbarung vom 14. August 1945, sondern er übte darubertınous in der ganzen Zeit des Bürgerkriegs bis zum April 1949 Druck auf die KP Chinas aus, damit diese sich in ein von der Nanking-Regierung geführtes nationalistisches China einordne! Von Anfang bis Ende wurde die chinesische Revolution gegen Stalin durchgeführt. Mao hat sich, ohne daß er sich je offen der Linie Stalins widersetzte und indem er soweit wie möglich ausgesprochene Disziplinbrüche vermied, das Recht vorbehalten, diese Linie sehr frei zu interpretieren, um sie den Erfordernissen seiner eigenen revolutionären Praxis anzugleichen. Diese Autonomie der maoistischen Führung zeigt sich in der Ausarbeitung einer eigenständigen Strategie für die Machtergreifung: die Strategie des langandauernden revolutionären Kriegs. Eine Strategie, die dem Stalinismus völlig fremd ist, die über ihn hinausgeht und an die jahrhundertealten Kampftraditionen der chinesischen Bauernschaft anknüpft.