Was die chinesische Revolution selbst betrifft, wo wurden, obwohl die stalinistische Problemstellung der maoistischen Führung oft Verwirrung stiftete, die Auswirkungen dieser opportunistischen Theoretisierungen immer begrenzt durch den revolutionären Pragmatismus dieser Führung irnerhalb der brennenden Klassenwidersprüch der damaligen chinesischen Gesellschaft. Das beste Beispiel dafür liefert die maoistische Politik d'er "Vereinter Nationalen Antijapanischen Front" • Mao willigt wieder in ein Bündnis mit Tschiang Kai-schek ein, der lange als Sprecher der Kompradore-Bourgeoisie und Diener des Im, enc mus denunziert worden war, um von 1935 an eine Pause im Bürgerkrieg zugunsten des nationalen Kampfes gegen den japa schen Eindringling zu bekommen, in dessen Verlauf er hofft , seine Feinde zu spalten und in den weiten von Japan besetzten Gebieten Fuß zu fassen. Zu diesem Zweck akzeptiert die KP Chinas folgende Bedingungen: sie verzichtet öffentlich auf den gewaltsamen Sturz des Kuomintang, sie verzichtet auf ihre Sowjetisierungspolitik und konfisziert die Ländereien der Grun besitzer nicht mehr. Sie löst die Sowjetregierung auf und willigt ein, die bürgerliche repräsen tative Demokratie zu praktizieren, um das politische System Chinas zu vereinheitlichen. Sie löst die Rote Armee auf und organisiert sie neu als nationale Armee, die unter Kontrolle der Zentralregierung steht und sich bereit halt, dort zu kampfen, wo diese Regierung sie hin schickt ( Erklärung vom 22. September 1937).
Diese Konzessionen scheinen viel zu weit zu gehen; in Wirklichkeit bleiben sie nur formal. Die Agrarrevolution wird von der Einheitsfront gestoppt. Aber die Sowjetregierung und die Rote Armee werden nur auf dem Papier aufgelöst. Die Regierung der Sowjetrepublik Schensi wechselt nur ihren Namen und heißt von jetzt an "Sonderverwaltung" der Grenzgebiete. Die Rote Armee heißt von nun an VIll. Armeekorps. Aber beide beliben völlig unter Kontrolle der Kommunisten. Unsere Konzessionen haben Grenzen, erklärt Mao Tse-tung nämlich: "Daß die Partei weiterhin die Sondergebiete und die Rote Armee führt und daß die Unabhängigkeit der Partei und ihre Freiheit der Kritik in ihren Beziehungen zum Kuomintang erhalten bleiben, das sind Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. " ( Werke I: Die Aufgaben der Kommu nistischen Partei in der Periode des Widerstandkampfes gegen Japan) Während die chinesische KP absolute Unabhängigkeit gegenüber dem Kuomintang auf administrativem und militärischem Gebiet wahrt und gegenüber ihrem "Verbündeten" äußerstes Mißtrauen aufrechterhält, nutzt sie die durch die Politik der "Einheitsfront" gewonnene Pause im Bürgerkrieg, um im Kampf gegen die japanischen Invasoren die Initiative zu ergreifen, und zwar mit den Methoden des revolutionären Krieges, die sehr effektiv sind, um die besetzten Gebiete in den Griff zu bekommen und zu kontrollieren, während die nationalistischen Heere, die die klassischen Kriegsmethoden anwenden, schwere Niederlagen erleiden. Ergebnis: 1937, am Ende des Langen Marsches, waren die kommunistischen Streitkräfte von 300 000 auf 40 000 Mann gefallen, die eine Bevölkerung von 1 Million in einem der zurückgebliebensten und ärmsten Teile Chinas kontrollierten. Im April 1945, zur Zeit des VII. Kongre ses der KP Chinas, zählte diese | 210 000 Mitglieder, kontrollierte eine Bevölkerung von 95 500 000 Menschen und verfügte über eine reguläre Armee von 910 000 und eine Miliz von 2,2 Millionen Mann.
S INPREKORR 15.10.72