gelöst, indem sie eine Quotierung für Frauen eingeführt haben — nicht nur im Vorstand I, sondern auch in der Führung der betrieblichen Gewerkschaftsorganisationen und in den Vertrauensleutekörpern. Zugleich wurde festgelegt, daß zwei Drittel der Frauen dieser neuen Regelung zustimmen müssen, damit sie ins Statut aufgenommen werden kann.
Am 1 Januar wurden die Gewerkschafts organisationen der Frauen und Männer im Betrieb zusammengelegt. Wenn mehr als ein Drittel einer betrieblichen Gewerkschaftsstruktur Frauen sind, muß mindestens ein Drittel der Führungsposten für Frauen reserviert werden. Im Vertrauenskörper müssen Frauen und Männer gleich stark vertreten sein. Die Quote für die Vertretung in der betrieblichen Gewerkschaftsführung gilt auch für Männer. Liegt die Anzahl von Frauen oder Männern unter einem Drittel, dann muß der Minderheit mindestens ein Sitz in der Führung gesichert werden. Alle Vertrauensleute sind automatisch Mitglieder der betrieblichen Gewerkschaftsführung. Wenn Frauen nach dem neuen Statut unterrepräsentiert sein sollten, sind aus den Reihen der Vertrauensfrauen und ihrer Stellvertreterinnen weitere Vertreterinnen in die Führung zu wählen. Der Gewerkschaftsvorstand besteht aus vier gewählten Hauptamtlichen, von denen zwei jeweils einem Geschlecht angehören sollen. Dies ist in Übereinstimmung mit dem Ziel, daß Frauen und Männer gleich stark vertreten sein sollen.
Die beiden Gewerkschaften haben über zwanzig Jahre lang miteinander über eine Fusion gesprochen. In der Zeit gab es schwere Auseinandersetzungen zwischen ihnen. Vor allem die Frauen waren verbittert über die Tatsache, daß ihre Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden, als in den 50er und 60er Jahren die Automation in den Brauereien eingeführt wurde. Die neuen Arbeitsplätze wurden von den Männern eingenommen.In einigen Brauereien außerhalb von Kopenhagen mußten die Frauen völlig aus dem Pro duktionsprozeß ausscheiden. In Aarhus, Dänemarks zweitgrößter Stadt, gibt es z.B. nur noch 37 Brauereiarbeiterinnen; sie haben immer noch ihre eigene Gewerkschaft.
Doch in Kopenhagen gelang es den Frauen, mit den Unternehmern und den männlichen Arbeitern ein Abkommen durchzusetzen, daß Frauen weiterbeschäftigt würden, selbst wenn ihre Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt würden. Sie setzten auch den gleichen Lohn durch, das bedeutet, daf die Beschäftigten in den Abteilungen, in denen sie arbeiten, gleichmäßig bezahlt werden, und nicht unterscheidlich je nach der Art ihrer Beschäftigung.Auf diese Weise konnten die Frauen ihre Arbeitsplätze in den Brauereien sichern, obwohl sie heute nur ein Viertel der Arbeitskräfte darstellen. Aber das kann sich auch ändern. Die Brauereibesitzer haben ausgerechnet, daß durch den natürlichen Rhythmus von Abgängen und die neuen Einstellungsregeln bedingt bis zum Jahr 2007 gleich viel Frauen wie Männer beschäftigt sein werden.
Die Garantie dafür, daß das so ist, wird jedoch nicht von den Unternehmern gegeben; das können nur die Brauereiarbeiter/innen selber. Es ist ihre Aktivität und ihre Solidarität, die garantiert, daß Frauen und Männer Arbeitsplätze finden.Die Zahl der Beschäftigten in den Brauereien ist infolge der Rationalisierungen und der Einführung der neuen Technologien drastisch gesunken. Kurz nach dem Ende des Osterstreiks 1985 traten die Brauereiarbeiter und -arbeiterinnen bei Carlsberg und Tuborg in Kopenhagen in einen zehn Wochen langen Streik, unter der Losung:„Technologie soll unsere Arbeit vereinfachen, nicht uns beiseite schaffen." Sie forderten eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und Arbeitsplätze für alle.
Die Brauereiarbeiter und -arbeiterinnen haben diesen Streik nicht gewonnen, aber sie haben die Solidarität zwischen Männern und Frauen gestärkt und den Weg für eine gemeinsame Gewerkschaft freigemacht. Während des Streiks gab es gemeinsame Veranstaltungen von Männern und Frauen, und es wurde ein gemeinsames Streikkomitee organisiert. Die beiden Gewerkschaften führten die Streikaktionen gemeinsam durch.Die Frauen spielten eine sehr aktive Rolle in der Organisierung von Blockaden vor den Toren der Brauerei und bei der Sammlung von Streikgeldern. Die Brauereiarbeiter sind heute überzeugt, daß eine gemeinsame Gewerkschaft ihnen neue Stärke verleihen und sie besser in die Lage versetzen wird, sich gegen die Unternehmer durchzusetzen.
JUGOSLAWIEN