Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Nicaragua

Die Verfassung

Inprekorr Nr. 188, Dezember 1986 · S. 10-11 · 405 Wörter

Mittelamerika Frauen

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Verfassung für alle Schüler zur Pflicht werde und niemand das Abiturzeugnis erhalten dürfe, der sie nicht kenne; sie trat für die Abtreibung ein und forderte, die sollten als Verräter behandelt werden, die ihr Vaterland schlecht machten. Von einigen Frauen verschiedenen Alters wurde vorgeschlagen, der Staatspräsident müsse wiedergewählt werden können. Sie argumentieren, die FSLN sei die einzige Partei gewesen, die auf der Grundlage ihres historischen Programms versprochen habe, für die Befreiung der Frauen zu kämpten, und dieses Versprechen in den sieben Jahren seit der Revolution und seit den Wahlen auch gehalten habe. Die Frauen hätten deshalb das Recht, den Präsidenten und seine Partei wiederzuwählen, weil sie die Erfüllung des Versprechens garantierten. (...)

Andere Rednerinnen bekräftigen die Notwendigkeit einer klaren Trennung von Kirche und Staat, einer wissenschaftlichen Ausbildung, der Freiwilligkeit der Religionsausübung, der garantierten Gewissensfreiheit, der Berufsausbildung für Arbeiterinnen, ihres Rechts, Führungsaufgaben wahrzunehmen, und ihrer Unterrichtung über ihre sozialen und Arbeitsrechte.

Die letzte Rednerin, eine Gynäkologin aus dem Bertha-Calderón-Krankenhaus brach in einem leidenschaftlichen Beitrag eine Lanze für die Befreiung der Frauen vom Alptraum der Abtreibung, denn die Untersuchungen der Klinik, die von seriösen Instituten bestätigt wurden, ergeben, daß „uns die Frauen, Katholikinnen, Atheistinnen, Freiberufliche und Arbeiterinnen, Erwachsene und Jugendliche, unter ungeheuren Schmerzen sterben, während sie sich an den Arm des Arztes klammern und darum flehen, gerettet zu werden, wo es keine Rettung gibt. Die Medien müssen sich der Sexualerziehung annehmen, diese mufs obligatorisch sein, und es müssen Mittel für die Familienplanung bereitgestellt und die Abtreibung straffrei gemacht werden." Damit schloß das cabildo, und jeder, die dabei gewesen ist oder es am Radio mitverfolgt hat, ist klar geworden, daß niemand den Frauen ihre besonderen Forderungen verweigern kann, daß diese sich durch alle Berufe und die ganze Gesellschaft hindurchziehen, und daß sie in der einen oder anderen Weise auch alle Männer angehen, die eine enorme Verantwortung im Kampf für die Befreiung der Frauen tragen, wenn sie selbst frei werden wollen.

Das war eine historische, eine elektrisierende Nacht, lebendig und zutiefst aufrüttelnd. Niemand konnte davon unberüht bleiben. Ein neues Bewußtsein wurde geboren. Seit diesem cabildo werden weder die Männer noch die Frauen dieselben sein wie vorher! Anmerkung 1 In Art. 99 heißt es einleitend: _Die Familie ist die natürliche Keimzelle und Grundlage der Gesellschaft, sie genießt das Recht auf Schutz durch den Staar."

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