Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Dokument

Über die Kritische Biographie Trotzkis

· Inprekorr Nr. 182, Juni 1986 · S. 30-34 · 2.798 Wörter

Trotzki und Geschichte IV. Internationale Sowjetunion Stalinismus und Bürokratie

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Eine Übersetzung des Artikels in Nr. 7/85 der Zeitschrift Shijie Lishi (Weltgeschichte). Die in Klammern gesetzten Passagen sind Übersetzungsalternativen. Einige Sätze konnten nicht übersetzt werden, sie sind mit [...] gekennzeichnet. Zhu Tingguan

Die »Kritische Biographie Trotzkis« ist die zweite Studie des Genossen Xiangrong über eine historische Persönlichkeit. Seine erste war die »Kritische Biographie Bakunins«, die 1982 veröftentlicht wurde. [...] Trotzki zu beurteilen ist ein kühnes Unterfangen, denn Trotzki nimmt einen schwierigen Platz auf dem Gebiet der Erforschung der Weltgeschichteein. Jetzt wo wir den Personenkult Stalins kritisiert haben und vor allem verstanden haben, welche Fehler Stalin gemacht hat, als er den Kampf innerhalb der Partei und die „Säuberung der Konterrevolutionäre" übermäßig ausdehnte, wäre es mit dem wissenschaftlichen Standpunkt des historischen Materialismus nicht zu vereinbaren, wenn wir unverändert die Beurteilung verteidigten, die Trotzki in der Sowjetunion in den 30er Jahren erfahren hat. Denn diese Beurtei. lung entspricht nicht den Tatsachen (ist mit der Wirklichkeit nicht zu vereinbaren).

Doch es ist nicht leicht, eine so kom- Nr. 182,J Juni 1986

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Demonstration gegen die Viererbande auf dem Tlenanmen-Platz am 6. April 1978 Eine korrekte Lösung des Problems, * Trotzki beurteilt werden soll, wird uns helfen, unser Verständnis von zahlreichen Kontroversen in der jungen Sowjetunion über den Weg zum Aufbau des Sozialismus zu verbessern. Sie wird uns helfen, einen neuen Schritt vorwärts in unserem Verständnis der Geschichte der Periode des Übergangs in der Sowjetunion zu tun. Obwohl wir gegenwärtig beim Aufbau des Sozialismus einen besonderen (spezifisch) chinesi- Weg gehen, unter neuer historischen Bedingungen, mit zahlrei chen neuen Erfahrungen und neuen Schöpfungen, dürfen wir jedoch nicht die Wichtigkeit unterschätzen, uns die Lehren der geschichtlichen Erfahrung anderer Länder anzueignen. Gleich ob sie sich in unserem Land oder in anderen Ländern abspielen, bilden die Siege, die diederlagen, die Erfahrungen und die hren beim Aufbau des Sozialismus das gemeinsame geistige Eigentum der Kommunisten und der fortschrittlichen Menschheit (der für den Fortschritt eingenommenen Menschheit) auf der ganzen Welt.

Die Entwicklungsgesetze der sozialistischen Gesellschaft können nicht auf der Grundlage der Realität in einem einzigen Land erarbeitet werden. Das gilt insbesondere für China. Wir studieren zur Zeit sorgfältig alle Spitzenerfahrungen der Wissenschaft, der Technologie und der Verwaltung, selbst wenn sie aus kapitalistischen Ländern kommen — alles, was sie an Nützlichem enthalten. Warum sollte man die historische Erfahrung und die Lehren der sozialistischen Praxis in einem anderen (sozialistischen) Land vernachlässigen und beiseiteschie- Wenn wir in der Vergangenheit Studien über die Geschichte der ersten Jahre der Sowjetunion trieben, war es, als Nr. 182,J Juni 1986 stünden wir vor einer Kette von Knoten, die uns daran hinderten, voranzukommen. Wir konnten uns von dem Stil von •Kurzer Lehrgang der Geschichte der KPdSU (Bolschewiki)« nicht freimachen. Es war ein großer Schritt nach vorn (eine große Leistung), daß wir den Personenkult Stalins kritisierten, den Aberglauben zerstörten, den Geist befreiten. Unglücklicherweise haben wir eine Zeit lang einen gewundenen Weg verfolgt. Seit 1978 machen unsere Forschungen über die Geschichte der UdSSR dank der Führung (des Anstoßes) der Kampagne der Partei für die Befreiung des Geistes und die Erforschung der Wahrheit großartige Fortschritte. Die Debatte über Bucharin hat einen großen Knoten gelöst. Wenn wir die Frage Trotzki wirklich lösen können, können wir einen ähnlichen Fortschritt hinsichtlich anderer historischer Persönlichkeiten und Kontroversen machen. Solche Fortschritte sind nicht nur für die Wissenschaft der Weltgeschichte von Bedeutung. Die Frage des Sozialismus ineinem Land, der permanenten Revolution, des Rhythmus der sozialistische Akkumulation, der Methoden der sozialistischen Transformation und des Aufbaus und insbesondere die historische Erfahrung des Kampfs innerhalb der Partei der UdSSR haben alle eine außerordentliche aktuelle Bedeutung und können auf vielfältige Weise als Spiegel dienen, um die Gefahr des „Ultralinkstums" zu verstehen und zu überwinden und um die sozialistische Modernisierung zu verwirklichen.

(Alle diese Probleme) neu überprüfen bedeutet nicht, alle Theorien aus der Zeit Stalins über Bord zu werfen; es geht darum, diese Überprüfung auf solide historische Tatsachen zu stützen. Wir beherrschen das geschichtliche Material noch nicht richtig. Dennoch, wenn wir uns auf einige große Probleme beschränken, vor allem aut einige politi sche und theoretische Probleme, die eng mit dem Aufbau des Sozialismus verbunden sind, und wenn wir uns nicht in der Masse der Details verlieren, dann können wir den größten Teil des wesentlichen und notwendigen Materials zusammentragen. Was die politischen Erwagungen angeht: wenn wir uns im wesentlichen auf die Lebenszeit Trotzkis beschränken, vor allem auf die Zeit vor seinem Exil, und wenn wir die Aktivitäten seiner Anhänger in den verschiedenen Ländern beiseite lassen, gibt es keinen Grund, warum dieses Problem nicht zu einem Gegenstand der Forschung auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft werden könnte. Es ist bald ein halbes Jahrhundert vergangen, seit Trotzki erschlagen wurde, und die große Mehrheit derer, die gegen ihn gestritten und ihn verfolgt (bestraft) haben oder die ihn zu Lebzeiten unterstützt haben, sind gestorben. Es fällt schwer zu glauben, ein solches Problem könne von den Historikern nicht studiert werden. Das richtige Maß der Dinge nehmen Wesentlich ist, daß den Historikern erlaubt wird, kühn das richtige Maß der Dinge zu nehmen... Der Fortschritt der Geschichtswissenschaft erfordert, daß wir die Arbeit dort fortsetzen, wo unsere Vorfahren sie unterbrochen haben, und daß wir uns die Früchte der Forschungen anderer aneignen, damit sich die historischen Kenntnisse der Experten anhäufen und die Geschichtsforschung fortschreitend an Tiefe gewinnt dank der gemeinsamen Anstrengung zahlreicher menschen. Das bedeutet natürlich nicht, daß einzelne Historiker nicht unabhän-

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plexe Persönlichkeit wie Trotzki objektiv zu beurteilen. Eine Vorbedingung dafür wäre die Sammlung geeigneten historischen Materials. Die Sowjetunion hat solches Material nicht in ausreichendem Maß veröffentlicht, als daß es die Grundlage für eine solche Studie abgeben könnte. Einige historische Dokumente werden in westlichen Ländern aufbewahrt, darunter auch das persönliche Archiv Trotzkis. In zahlreichen Werken sind verschiedene historische Fakten vorgebracht oder zitiert worden. Einiges von diesem Material ist zugänglich. Anderes muß noch geprüft werden, um festzustellen, ob es vertrauenswürdig ist und nicht einseitig zitiert wurde. Wenn das historische Material gesammelt ist, besteht der nächste Schritt darin, es konkret und objektiv historisch zu analysieren. Dies erfordert (vom Analysierenden), daß er es in einen größeren historischen Rahmen stellt. Wenn man eine Trotzki-Biographie schreibt, reicht es nicht, seine individuellen Reden und Taten zu analysieren. Diese müssen in den breiteren Kontext von Personengruppen und historischen Ereignissen gestellt werden. Zum Beispiel: Wie soll man die trotzkistische Fraktion und das Bündnis Trotzki - Sinowjew beurteilen? Trotzki muß auch im Zusammenhang mit seinen Gegnern gesehen werden, zum Beispiel im Verhältnis zu Stalin. Trotzki kann nicht isoliert von diesen anderen Personen, Fraktionen und Ereignissen beurteilt werden. Das Studium von Individuen kann nicht vertieft werden, ohne dem Detailstudium einer Fülle von historischen Problemen eine Grenze zu setzen. Ignoriert man letztgenannte Notwendigkeit, wird keine Studie einer Einzelpersönlichkeit jemals abgeschlossen werden können.

Warum eine Neubeurteilung Trotzkis?

Selbst wenn es wahr ist, daß die Beurteilung Trotzkis in der Vergangenheit nicht den historischen Fakten (der historischen Wahrheit) entsprach, bedeutet das noch nicht, daß man den einfachen Schluß ziehen kann, weil Stalin ernste Fehler gemacht hat, war auch die Beurteilung Trotzkis von Amts wegen ernstlich falsch. Noch weniger kann man darschließen, weil Trotzki nicht rückhaltlos (eindeutig) verurteilt werden kann, muß das Urteil, das Stalin über ihn gefällt hat, automatisch berichtigt werden. Jedes Urteil muls sich aut Tatsachen und Beweise stützen. Die Theorie kann nur überzeugen, wenn sie fundiert ist. [...] Eine ganze Periode lang war in China das Wort „Trotzkist" synonym mit Renegat, Feind, Agent und Spion. Es gibt historische Gründe dafür, warumdiesso war. Nicht lange nach der Niederlage im ersten national-revolutionären Krieg haben sich die Trotzkisten mit Chen Duxiu verbündet, der eine rechtsopportunistische Linie verfolgte und mit den Reihen der KPCh gebrochen hatte, um das zu gründen, was man die liquidatorische Clique Trotzki - Chengenannt hat, in Opposition zur korrekten Linie der KPCh und des revolutionären bewaffneten Kampfs, der von der Partei geführt wurde. Später im Widerstandskrieg gegen Japan haben einige chinesische Trotzkisten wie Zhuo Xuan (Ye Qing), Zhang Mutao und Liang Gangiao sich Rechten und antikommunistischen Sonderagenten der Guomindang angeschlossen, um antikommunistische Aktivitäten zu veranlassen und die antijapanische nationale Einheitsfront zu sabotieren. Wenn wir Trotzki heute neu beurteilen, bedeutet das nicht, daß wir auch die Gegenwartsgeschichte Chinas und die Probleme, die mit der Geschichte der KPCh zusammenhängen, neu beurteilen müssen?

In unserem Land berührt das einen Stoff, der in der Erinnerung der mittleren und älteren Kader noch präsent ist, einschließlich bestimmter Intellektueller, die aktiv sind im Unterrichtswesen, in der Forschung und im Journalismus. Während einer langen Zeitspanne hat die Mehrzahl dieser Menschen implizit die offiziellen Äußerungen (über Trotzki und die Trotzkisten) der Sowjetunion geglaubt. Ihre Kenntnisse und ihre Geisteshaltung haben sich natürlich gegenüber den 50er Jahren stark geändert. Aber sobald man anfängt, über eine Neubeurteilung Trotzkis zu sprechen, ist es unvermeidlich, daß einige sich dem widersetzen werden. Vor kurzem haben im akademischen Milieu unseres Landes schon einige Artikel und Studien mit einer Neubeurteilung der Probleme im Zusammenhang mit Trotzki begonnen. Obwohl noch nicht jeder sich frei darüber hat äußern können, wurden verschiedene Meinungen kundgetan. Ein Buch (wie das von Li Xiangrong) wirdein gewisses Interesse wecken. Aber es wird ihm nicht leichtfallen, die Zustimmung der großen Mehrheit der Leser zu gewinnen.

Die Frage Trotzki wird ständig von Leuten aus kapitalistischen Ländern aufgeworfen, die mit dem sozialistischen System und der kommunistischen Bewegung unzufrieden sind. Einige vonihnen sind Dissidenten aus der Sowjetunion. Es gibt auf dem politischen Feld auch aktive Anhänger Trotzkis. In einigen Ländern sind sie unter dem Banner der IV. Internationale aktiv. Die Frage der Neubeurteilung Trotzkis hängt auch mit den verschiedenen Positionen zusammen, die es heute in der internationalen kommunistischen Bewegung gibt. Zusammengefaßt handelt es sich also um ein historisches Problem und um ein akademisches Problem (der wissenschaftlichen Forschung), die unweigerlich in komplexer Weise mit politischen Problemen zusammenhängen.

Zu sagen, daß Trotzki neu beurteilt werden muß, bedeutet keinesfalls, daß die Entscheidung (das endgültige Urteil) über Trotzki automatisch revidiert werden muß. Unser Ziel ist, gewissenhaft die Wahrheit über zahlreiche Probleme der Geschichte der ersten Jahre der Sowjetunion zu klären, damit wir besser Lehren daraus ziehen können. Um dies zu tun, arbeiten wir noch unter einem unsichtbaren geistigen Druck. Machen wir uns nicht schuldig? Wird man uns nicht Irrlehren und Abweichungen vorwerfen? Die Formulierung völlig neuer und origineller (eigenartiger) Standpunkte?

Kurz, wir werden theoretischen Mut brauchen, wir werden es wagen müssen, die Wahrheit in den Tatsachen zu suchen, wir müssen die Wahrheit vertei gen,... wir dürfen keine Angst haben, Fehler zu machen, wir dürfen nicht auf sarkastische Kommentare achten. Überflüssig zu sagen, daß keiner unserer Historiker wünscht, Fehler zu machen. Aber er hat wahrscheinlich noch Angst vor „Ultralinkstum"

Wagen wir die Wahrheit in den Tatsachen zu suchen Unter den heutigen Umständen ist es zugleich notwendig, eine wissenschaftlich-historische Beurteilung des Lebens Trotzkis vorzunehmen, die mehr oder weniger den historischen Fakten (der historischen Wahrheit) entspricht. Trotzki war eine ziemlich bedeutende Gestalt in der Geschichte der ersten re der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und des sowjetischen Staates. In den ersten Jahren nach dem Sieg der Oktoberrevolution spielte er eine ganz herausragende Rolle. Ihn einfach aus der Geschichte zu streichen, ist Respektlosigkeit gegenüber der Geschichte. Das wird den Revolutionären der nachfolgenden Perioden nicht helfen, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Man kann zahlreiche historische Lehren ziehen, wenn man den Weg studiert, den Trotzki gegangen ist, wenn man seine politischen Vorschläge, seinen theoretischen Standpunkt, seine Beiträre und Fehler, seine graduelle Entwick lung von einem der Gründer des sowjeti schen Staats bis zu seiner Degeneration als antisowjetischer politisch Exilierter und seine Entwicklung von einem der wichtigsten Führer der KPdSU zum Bannerträger der Spaltung der interna- tionalen kommunistischen Bewegung studiert.

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gige Ergebnisse (Leistungen) erzielen können. (..J

Die Schriftsteller, die über die Weltgeschichte schreiben, haben die Aufgabe, eine historische Persönlichkeit wie Trotzki zum Nutzen der Leser korrekt vorzustellen und zu würdigen; ebenso wie andere historische Gegebenheiten, die heutigen Bedürfnissen entsprechen. Es wird ein kleiner Beitrag zur Modernisierung und zum sozialistischen Aufbau sein. [...] Wenn wir das neue Buch des Genossen Li Xiangrong unter diesem Blickwinkel prüten, glaube ich, dais sein Buch im großen und ganzen die Entwicklung Trotzkis vom jungen revolutionären Studenten bis zum Berufsrevolutionär, und von einem der bedeutendsten Führer der KPdSU und des sowjetischen Staats bis zum politisch Exilierten korrekt wiedergibt. Ebenso analysiert es im großen und ganzen korrekt die Entwicklung Trotzkis vom Populismus zur Anhme des Marxismus, seine spätere Zuack weisung der Möglichkeit, den Sozialismus in einem Land aufzubauen, seine Verteidigung der Theorie der pernanenten Revolution und seine anderen hauptsächlichen theoretischen Positio nen.

Das Buch enthält auch ein Urteil über Trotzkis zur bolschewistischen Partei in der Periode von Lenins Iskra, die Vorbereitung und Einleitung des Petrograder Aufstands während der Oktoberrevolution durch ihn, die Gründung der Roten Armee durch ihn und seine strategische Führung derselben während des Bürgerkriegs. Zugleich analysiert und kritisiert das Buch die versöhnlerische Position Trotzkis zwischen den Menschewiki und den Bolschewiki, seine Position eder Krieg noch Frieden" in Breststowsk, seinen Fehler, nicht an der Beerdigung Lenins teilgenommen zu haben... und seine verschiedenen fraktionellen Aktivitäten.

Obwohl der Autor es niemals deutlich sagt, bewertet er in seinem Buch die Kontroversen nach dem Tode Lenins zwischen Trotzki auf der einen und Stalin und Bucharin auf der anderen Seite als Differenzen innerhalb der bolschewistiüber den Weg, den Sozia

Widersprüche innerhalb der Partei. Frei denken Hätte man von beiden Seiten korrekt gehandelt, hätten sich die Widersprüche nicht verschärfen dürfen. Das ist eine wichtige Lehre. (...] Mit seinen Aktivitäten hat Trotzki gegen das Fraktionsverbot verstoßen, das vom X. Parteikongreß ausgesprochen worden war. Er hat sich mit Sinowjew verbündet, hat fraktionelle Manifeste veröffentlicht und hat sich öffentlich Beschlüssen entgegengestellt, die von der überwältigenden Mehrheit des Zentralkomitees angenommen worden waren. Später haben Trotzki und andere die Basisorganisation der Partei und die Massen über diese Differenzen informiert. Solche Kampfmethoden sind nicht normal in einem Land mit einer proletarischen Führung. Die Differenzen über die politische Linie haben sich aufgrund organisatorischer Feindseligkeiten verschärft und haben sich in unversöhnliche Widersprüche verwandelt. Natürlich hat auch Stalin sich manchmal inkorrekt verhalten. Er hat das Problem mit Führern wie Trotzki, die einen anderen politischen Standpunkt vertreten, nicht korrekt gelöst. Diesbezüglich war er anders als Lenin, der großzügig war gegenüber Menschen, die Fehler machen. Stalin hat kategorische Methoden angewandt und hat diese von der Basis billigen lassen. Damit hat er sehr schädliche Präzedenzfälle geschaffen und die Grundlage für die spätere Ausweitung der Kampagne zur „Ausrottung der Konterrevolutionäre" gelegt. Nach der Verbannung Trotzkis aus der UdSSR hat sich der Charakter des Zerwürfnisses geändert. Es handelte sich nicht mehr um eine Kontroverse innerhalb der KPdSU oder der sowjetischen Führung. Von diesem Moment an und unabhängig davon, was Trotzki selbst sagte, konnte seine politische Aktivität dem sowjetischen Staat und der ganzen internationalen kommunistischen Bewegung nur ernsthaften Schaden zufügen. Die Analyse dieser Fragen durch den Genossen Li Xiangrong kommt den historischen Tatsachen näher als einige andere Theorien. Natürlich können einige Genossen die Auffassung vertreten, daß er in der Wiederherstellung (Herstellung) der historischen Wahrheit nicht weit genug geht. Solche Menschen können die Erforschung der Wahrheit weiter vertiefen, um zu einem noch besseren Verständnis der Geschichte der ersten Jahre der UdSSR und aller daran Beteiligten zu kommen. Ich glaube, daß die »Kritische Biographie Trotzkis« sich auf geeignete historische Fakten stützt, die gut gegliedert worden sind. Das Buch ist gut geschrieben und klar aufgebaut. Es spiegelt den Erzählstil des Genossen Li Xiangrong, seine analytischen Fähigkeiten und seinen Sinn für Proportionen. Wenn man Mängel benennen soll, dann den, daß sein Denken sich in seiner Forschung und seinem Ausdruck noch nicht frei genug gemacht hat.

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