Das Vorgehen des australischen Pressemagnaten Rupert Murdoch ist der bisher schärfste Versuch, die britische Gewerkschaftsbewegung in die Knie zu zwingen.
Die Gefahr der Spaltung des TUC liegt in der Luft; die große von einer äußerstrechten Bürokratie geführte Elektrikergewerkschaft EETPU spielt dabei den obersten Streikbrecher gegen den „altmodischen Klassenkampf"
Teststreik Einführung neuer Techniken zu zanken.
Pat Hickey gegen Eddie Shah Die Führungen der Druckergewerkschaften haben solch eine Linie nicht Den ersten Versuch, einen Generalan- eingeschlagen. Sie haben im Gegenteil griff auf die Beschäftigten der Drucke- alles unternommen, um den Konflikt auf reien zu starten, gab es bereits 1983. Ed News International zu beschränken, um die Shah, Eigentümer des Stockport so wenig wie möglich mit dem Gesetz in Die Vorfälle in Wapping machen deut- Messenger in Lancashire,entliels während Konflikt zu kommen. Der Umfang der lich, daß die Probleme, vor denen die eines Streiks sechs Mitglieder der Natio- Streikposten wurde auf ein Minimum Gewerkschaftsbewegung heute nal Graphics Association (NGA) und er- beschränkt. Dennoch hat dies das Geein Ergebnis der Massenarbeitslosigkeit, setzte sie durch Streikbrecher. 4000 Ge- richt nicht daran gehindert, das Gewerk des industriellen Niedergangs sowie der werkschafter standen regelmäßig vor schaftsvermögen zu beschlagnahmen. Antigewerkschaftsgesetzgebung dem Betrieb und organisierten im gan- Und diese Linie findet voll und ganz die In der Druckindustrie zeigt sich, wie die zen Lande Unterstützung. Weder Unterstützung des TUC. Der TUC hat Kombination von technischem Wandel, Streikposten noch Solidaritätsaktio- Murdoch sogar ein Angebot gemacht, politischen Veränderungen und neuen nen waren durch die Arbeitsgesetze von auf alle Forderungen einzugehen mit Gesetzen die traditionelle Basis der Ge- 1980 und 1982 abgedeckt. Die NGA Ausnahme der vertraglichen Bindung, werkschaften unterminiert hat. Es wird appellierte an den Dachverband TUC, - nicht zu streiken. Murdoch hat das Anauch deutlich, daß die Gewerkschafts- den Beschluß des Kongresses von Wem- gebot abgelehnt, da er nicht daran glaubt führung an der Aufgabe, eine angemesse- bley umzusetzen, sich nicht der antige- daß die Gewerkschaften in Fleet Street ne Strategie dagegen zu entwickeln, ge- werkschaftlichen Gesetzgebung zu beu- ihre Mitglieder genauso weit diszipliniescheitert ist. gen. Der TUC lehnte ab, und der Kampf ren können wie die Electrical, Electronic, News International ist nicht das einzi- endete in einer Niederlage. Die Bour- Telecommunications and Plumbing Unige Unternehmen in Fleet Street, dem geoisie zog daraus den Schluß, daß der on (EETPU). Herzen des Londoner Pressewesens. das TUC-Beschluß nicht ernstzunehmen Der rechte Flügel des TUC hat diese versucht, die Macht der Industriege- sei. Dies hatte auch Einfluß auf die Ent- Situation zu einer Offensive genutzt. Er werkschaften zu brechen. Die Mirror- scheidung für grünes Licht zum Kampf bestimmt heute praktisch die Politik des Gruppe hat Abmachungen über die Ent- gegen Bergarbeitergewerkschaft TUC, indem er mit der Spaltung und der lassung von 2100 Beschäftigten getrof- NUM. Gründung eines rechten Dachverbandes fen. Die Express-Gruppe will 2800 Heute sind die Drucker mit einem droht, dem sich zumindest die EETPU, entlassen. Das sind jeweils 35 % der umfassenden Angriff konfrontiert, der die Technikergewerkschaft AUEW, die Belegschaften. Associated Newspapers eine Antwort der ganzen Branche erfor- abgespaltene Bergarbeitergewerkschaft hat ähnliche Pläne, ebenso der Guardian dert, anstatt sich, wie es häufig de- UDM und der Berufsverband der Techund The Telegraph. Und selbst diese Ent- schieht, mit den beiden anderen niker PTU anschließen würden. Nun lassungspläne sollen nur ein erster werkschaften der Branche, der National hat der TUC die EETPU zwarfürschul- Schritt sein. Alle größeren Unterneh- Union of Journalists (NUJ) und der So- dig befunden, „durch gewerkschafts men planen die Einführung der neuen ciety of Graphical and Allied Trades(SO schädigendes Verhalten gegen die Inter- Techniken, die News International jetzt GAT) um die Zuständigkeit bei Verset- essen der Gewerkschaftsbewegung ver anwendet. zungen im Zusammenhang mit der stoßen zu haben," seine einzige Tat be- Seite 32 Nr. 181, Mai 1986
stand aber darin, die „Mitglieder der EETPU in Wapping und Glasgow darüber zu informieren, daß sie einer Arbeit nachgehen, die normalerweise von Mitgliedern anderer Gewerkschaften in der Druckindustrie ausgeübt wird" — was wohl kaum ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein dürfte. Ein Antrag, die Mitglieder der EETPU anzuweisen, diesem Arbeitsaufruf nicht zu folgen, wurde jedoch abgelehnt, weil dies den TUC mit dem Gesetz in Konflikt genbracht hätte und weil die EETPU erklärte, sie wäre cher bereit, sich aus dem TUCausschlie- Ben zu lassen, als dem Beschluß Folge zu leisten.
Dies paßt zu der Politik der EETPU. Sie erklärt heute offen, der „altmodische Klassenkampf" sei überholt, und sucht stattdessen die Zusammenarbeit mit dem Management. Die EETPU ist eine erbitterte Gegnerin der Scargill-Führung wahrend des Bergarbeiterstreiks gewesen und hat von Anfang an die Spaltergewerkschaft UDM unterstützt. Zusammen mit der AUEW hat sie eine rechte Tendenz gebildet, die sich _Mainstream" nennt, deren Hauptziel es ist, den Einfluß der Linken zurückzudrängen. Auch die UDM gehört dieser Tendenz an.
Rechtsruck
Die Probleme der britischen Gewerkschaftsbewegung können allerdings nicht durch den Ausschluß der EETPU aus dem TUC gelöst werden. Sicher ist klar, daß die EETPU zwar die Speerspitze des rechten Flügels darstellt, die von ihr verfolgte Linie jedoch bei den meisten Gewerkschaften Nachahmung findet. Die geheime Urabstimmung, die das Gesetz verlangt, wird heute von fast allen größeren Gewerkschaften vor cinem Streik durchgeführt. Andere Gewerkschaften haben mit den Unternehmern Einzelabkommen abgeschlossen, durch die sie das exklusive Recht auf Verhandlungen und auf Mitgliederwerbung in bestimmten Betrieben erhalten, dafür aber auf Streik verzichten. Alle großen Gewerkschaften waren verantwortlich für die Niederlage der NGA in Warrington 1983. Im Bergarbeiterstreik hat keine von ihnen die abgegebenen Versprechungen eingehalten.
Der gesamte TUC ist seit dem Sieg der Regierung Thatcher im Juni 1983 nach rechts gegangen. Das begann im September 1983, als der TUCauf seinem Kongreß die Politik des „neuen Realismus" einläutete. Dieser Prozeß wurde durch den Streik in Warrington und noch mehr durch den historischen Streik der NUM unterbrochen. Die Niederlagen haben die Rechte jedoch gestärkt. Sie hat sich den zentralen Widerspruch in der Politik des TUC zunutze gemacht, der darin besteht, auf dem Pa- sind der Ansicht, daß die Gewerkschafpier zwar in Opposition zu den Antige- ten weitgehend gezähmt worden sind. werkschaftsgesetzen zu stehen, in der Läßt man den Bergarbeiterstreik beisei- Praxis sich ihnen aber zu unterwerfen. e, dann gab es 1985 die geringste Zah Die Rechte fordert nur offen, was die ron Streiks seit 50 Jahren!! Die Unter anderen im Verdeckten, langsamer und nehmer haben bemerkt, daß der TUC widerstrebender tun. Die Gefahr, daf nicht gewillt ist, seinen Worten Taten der TUC sich spaltet, ist daher sehr real. folgen zu lassen. Und sie sind der Auffas- Der Fall der EETPU ist aber nicht so sung. daß der rechte Flügel des TUC gelagert wie der der UDM, die sich selbst hervorragend in ihrem Interesse arbeiaus dem TUC ausgeschlossen hat. Die tet. Eine Spaltung würde die Rechte UDM ist von denen gegründet worden, ausschließen. Der TUC wäre dann zwar die bewußt beschlossen hatten, die geschwächt, aber noch mächtig, und be- NUM zu verlassen, weil sie gegen den fände sich dann in der Hand der Linken Streik und die linke Führung waren. Das Daran haben sie kein Interesse. kann man von den 400 000 Mitgliedern Die grundsätzliche Frage ist, wie man der EETPU nicht sagen. Es wäre ein mit dem rechten Flügel im TUC umgevöllig bürokratischer Akt, die gesamte hen soll. Die Grundlinie muß sein, einen Gewerkschaft aus dem TUC auszu- offenen Krieg gegen die Führer des schließen. Das wirkliche Problem ist die Streikbruchs zu führen. Hammondmuß Unfähigkeit des TUC, die Gewerk- ausgeschlossen werden — nicht die schaften angesichts der großen Heraus- 400 000 Mitglieder der EETPU. Man forderungen zu führen oder wenigstens darf ihm nicht erlauben, die ganze Gedie eigenen Beschlüsse umzusetzen. werkschaft mit sich in den Abgrund zu Das Hauptziel des rechten Flügels ist reißen. Die Linken sollten die Gewerkes heute, im TUC selbst die Mehrheit zu schaften nicht als Eigentum der Führungewinnen. Die Drohung mit der Grün- gen betrachten. Der TUC und besondung eines parallelen rechten Dachver- ders die Linke im TUC sollten der bandes ist dabei eine mächtige Watte. Linken in der EETPU helfen, einen Zur Zeit besteht aber nicht die Absicht, Kampf gegen ihre Führung zu organisiemit dem TUC zu brechen. Hammond ren mit dem Ziel ihrer Absetzung und der Vorsitzende der EETPU, hat es auf der Wiederherstellung der Loyalität der den Punkt gebracht: , Warum sollten EETPU gegenüber den anderen Gevir das Schiff verlassen, wenn es in unse- werkschaften. re Richtung fährt?"
Es ist auch wichtig zu sehen, daß keine Damit eine solche Politik wirksam größere Strömung in der Bourgeoisie werden kann, muß der TUC aber auch eine solche Spaltung fordert. Die Unter- selber eine andere Politik betreiben. Er nehmer haben kein Interesse daran, daß muß zum Beispiel erklären, daß er einen die Betriebe zu einem Schlachtfeld zwi- landesweiten Streik in der Druckinduschen den Gewerkschaften werden. Sie strie gegen Murdoch und gegen die Anti- SOGAT • AUEW • NUJ • NGA
MY DAD
WANTS TO
WORK
BUT MR
MURDOCH
SACKED
HIM.
5.000 families like Emma's have now lost theit breadwinners THEY NEED
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Sun THE AB TIMES _Mein Papi will Arbeit, aber THE SUNDAY TIMES Mr. Murdoch hat ihn gefeuert"
gewerkschaftsgesetze voll unterstützt. TUC jedoch seine bisherige Politik fort- Eine solche Linie hätte Aussicht auf Er- setzen, gerade dann zurückzuweichen folg. Die Regierung ist geschwächt und wenn es reale Chancen eines Fortschritts steht unter großem Druck. Sollte der gibt, werden die Spannungen im TUC noch erheblich anwachsen. Jeder Rückzug, jedes Zugeständnis erschwert den Sieg im unausweichlichen nächsten Kampf.