Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

P-9: Symbol der Unnachgiebigkeit

· Inprekorr Nr. 181, Mai 1986 · S. 36-39 · 3.707 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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P-y: Symbol der Unnachgiebigkeit

Seit acht Monaten kämpft der kleine Ortsverein P-9 der United Food and Canning Workers in Austin, Minnesota, gegen Konzessionen an die Bosse der Firma Hormel. Nach dem in den großen Industrien die Beschäftigten überall solche „give-backs" durch den Ausverkauf ihrer Führungen hinnehmen mußten, blickt die Gewerkschaftsbasis der USA voller Hoffnung auf P-9. Dieser Ortsverein hat eine und P-9 fernzuhalten. Dennoch hatten Roger Horowitz sich 2000 auf den weiten Weg gemacht, darunter auch offizielle Vertreter einiger Dutzend Ortsvereine.

Ein nunmehr sieben Monate anhaltender Streik von 1500 Arbeitern einer Fleischkonservenfabrik in der kleinen Ein Bruchpunkt Stadt Austin in Minnesota hat die größte Auseinandersetzung in der Arbeiter- Auf der Abschlußkundgebung in der bewegung der letzten Jahre hervorgeru- Aula der Oberschule von Austin sprach fen. Entschlossen, sich gegen Zuge- Henry Nichols, der Präsident der Natioständnisse an die Bosse zu wehren, haben nal Union of Hospital and Health Care die Mitglieder des Ortsvereins P-9 der Workers im Sinne der Versammelten, als United Food and Commercial Workers er sagte: » Wir glauben, daß dieser Streik (UFCW) das ganze Land bereist, um nicht nur für Eure Branche bedeutsam Unterstützung für ihren Streik zu su- ist, sondern für die arbeitenden Menchen. Dabei stießen sie bei der Basis der schen überall. Die Basis in den gesamten Gewerkschaften und bei vielen Ortsver- Vereinigte, Staaten blickt voller Erwar einen in allen Branchen auf begeisterte tung auf Euch, auf Euren Sieg, weil Euer Unterstützung. Der Präsident Kampf ihre Gefühle verkörpert, ihr Dachverbandes AFL-CIO jedoch, Lane Denken, ihre Hingabe." Kirkland, bezeichnet den Streik als „Selbstmord", und der Vorsitzende der Der Streik begann im August 1985 UFCW hat P-9 in der Presse angegriffen und eskalierte im Januar 1986, als die und dort den bekanntesten Streikführer Hormel-Gesellschaft den Versuch unals den „Ayatollah von Austin" ange- ternahm, den Betrieb wieder zu eröffschwärzt. nen. Mehrere Tage lang konnten mas- Am 15. Februar kam es in Austin zu senhafte Streikposten Streikbrecher einer nationalen Demonstration. Es abhalten. Als aber die Nationalgarde auf nahmen Kolleginnen und Kollegen aus den Plan gerufen wurde, die mit 800 den Autowerken Kaliforniens teil, aus Mann einen festen Korridor um die Zuden Eisenerzminen von Minnesota, aus gangsstraße bildete, konnte die Gesellden Metallfabriken von Detroit und An- schaft 1000 Streikbrecher in das Werk gestellte der Telekommunikation aus hineinschaffen. Die Gewerkschaft hat New York. Statt der in Massenproduk- seither zu militanteren Mitteln zur Betion vorgefertigten Schilder, die die offi- hinderung der Produktion im Werk geziellen Gewerkschaftskundgebungen griffen. Jedoch hat die Stationierung des sonst optisch beherrschen, trugen diese Militärs das Kräfteverhältnis zugunsten Gewerkschafterinnen und Gewerk- der Bosse verändert. schafter eine Vielfalt handgemal- Gerade seit die Hormel-Beschäftigten ter Plakate, auf denen die Firma Hormel in Austin nun die schwierigste Phase seit zum Teufel gewünscht und die Arbeiter Streikbeginn durchmachen, die Zervon P-9 hochleben gelassen wurden. Vie- schlagung des Ortsvereins P-9 durch die le konnten davon erzählen, daß sie von Firma droht, wächst die Solidarität mit ihrer nationalen (in den USA heißt es: P-9 täglich. Ortsvereine besonders im internationalen) Führung unter Druck Mittleren Westen und einige Gewerk gesetzt worden waren, sich von Austin schaftsführer haben mit der offiziellen Linie der Führungen gebrochen und den Streikenden umfangreiche materielle Hilfe zukommen lassen. In der Region selbst haben sich Solidaritätsgruppen unter den Schülern gebildet wie unter den Rentnern; Bauern, die selbst von der Pfändung ihrer Höfe bedroht sind, liefern Lebensmittel. P-9 hält die Ohren steif; eine Kompromißbereitschaft in der Frage der Löhne kommt inzwischen zwar in Frage, nicht jedoch in der Hauptforderung nach Beibehaltung des Dienstaltersystems.

Die Ursache des Muts dieses kleinen Ortsvereins ist darin zu suchen, daß der Kampf um die Sicherung eines Rechts geführt wird, das schon in den 30er Jahren erstritten worden ist; ein Rückfall in die Zeiten vor dem Entstehen der Gewerkschaften soll verhindert werden. So sieht es der Gründer der Gewerkschaft, Casper Winkels: „Das wichtigste ist ihre Alterseingruppierung. Ich weiß noch, was es bedeutet, wenn es sie nicht gibt. Dann kriegst du nur einen anständigen Job, wenn du den Boß einlädst und ihm seine Getränke bezahlst. So war's in der guten alten Zeit, als wir noch keine Gewerkschaft hatten."

P-9 stellt sich in die inzwischen lange Reihe der Ortsvereine, die dem Rückzug der Arbeiterbewegung, ihrem Nachgeben gegenüber dem vereinten Druck von Unternehmern und Regierung Widerstand leisten. Anders als die meisten anderen bereitete sich P-9 zunächst monatelang auf seinen Kampf vor und hielt an seinem Entschluß mit außerge- • wöhnlicher Zähigkeit fest. Deshalbeilen Beschäftigte in anderen Industrien zu seiner Verteidigung, denn sie hoffen, dals ein Sieg in Austin die Wende zugunsten der Arbeiterklasse bringen könne.

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Die lange Geschichte der Hormel-Arbeiter

Die ersten Versuche, bei Hormel eine Gewerkschaft zu organisieren, wurden zu Begınn der 30er Jahre sowohl durch die niedrigen Löhne als auch durch die Unsicherheit der Arbeitsplätze und die beleidigende Behandlung durch die Vorarbeiter und Meister ausgelöst. In regelmäßigen Abständen wurden die Beschättigten entlassen, was es allen unmöglich machte, ein stabiles Einkommen zu halten. Immer wieder waren Alkohol-Geschenke" oder kostenlose Mehrarbeit für die Meister notwendig, um den Arbeitsplatz zu behalten oder einen besseren zu bekommen. Frauen konnten nichts gegen die institutionalisierte sexuelle Inanspruchnahme durch die Vorarbeiter tun. Der Wunsch nach einer Gewerkschaft trat zunächst in der Schweineschlachterei auf und nahm Gestalt an, als die Arbeiter Kontakt mit einem langjährigen Mitglied der (anarcho-syndikalistischen) Industrial Workers of the World (IWW) aufnahmen. Im Sommer 1933 nahmen jeweils mehrere Hundert Personen an Massenversammlungen teil, und die Gewerkschaft warb praktisch die ganze Belegschaft. Im November streikte die Gewerkschaft gegen Hormel und schloß den Betrieb für drei Tage unter Einsatz von Streikposten. Die darauffolgenden Verhandlungen führten zur Anerkennung der Gewerkschaft, einer Lohnerhöhung ,und einer Alterseingruppierung bei der ' Beförderung und bei Entlassungen. 1937 wurde mit Sitzstreiks reihum in den Abteilungen der closed shop durchgesetzt, und 1940 wurde ein Vertrag über einen garantierten Jahreslohn und eine einjährige Kündigungsfrist unterzeichnet. Unter dem Einfluß von Ellis machten sich die Arbeiter von Hormel zunächst die IWW-Linie der „one big union" zu eigen. Von Austin aus zogen die Gewerkschafter zum Zweck der Organisierung weiterer Kolleginnen und Kollegen ihrer Branche durch Nord-Iowa, Süd- Minnesota und nach St. Paul, organisierten aber auch andere Arbeiter in Austin und Albert Lee. Nachdem sie 1937 der United Packinghouse Workers of America beigetreten waren, führte der Ortsverein dennoch diese Organisierungstätigkeit fort, die durch Spenden der ortsansässigen Arbeiter, nicht aus der Zentrale finanziert wurde.

Der rasche Erfolg verdankte sich zum Teil auch der besonderen Beziehung der Gewerkschaft zum Präsidenten der Gesellschaft Jay Hormel, der sein Leben lang in Austin wohnen blieb. Die Firma war 1891 von seinem Vater George A Hormel gegründet worden, der gnadenlos über sie herrschte, bis er im Jahre 1929 die Präsidentschaft an Jay abgab, der damals 33 Jahre alt war. Erführte den Betrieb bis zum Streik von 1933 im Stile seines Vaters. Der plötzliche Ausbruch eines Streiks überraschte ihn so sehr, dals er sofort nach seiner Ausrufung beschloß, eine Übereinkunft zu suchen, anstatt die Gewerkschaft zu bekämpfen. Was die herzliche Beziehung zwischen Firma und Gewerkschaft ab 1940 aufrechterhielt, war die Verbindung von garantiertem Jahreseinkommen und einem Gruppenbonussystem. Die Stückduktionsketten von Armour. Wilson, Swift und Cudahy testgemacht, wobei der Jahreslohn auf der Grundlage von 52 Wochen zu 38 Stunden dieses Arbeitstempos errechnet wurde. Zusätzlich zu diesem Lohn konnten die Beschäftigten Prämien einstreichen, wenn ihre gang mehr als dieses von der Gewerkschaft ausgehandelte Minimum produzierte. Für viele bedeutete das 50 % über dem garantierten Lohn, und die Hormel-Belegschatten wurden zu den am höchster bezahlten und arbeitsamsten der ganzen Fleischindustrie.

Die Ursachen des heutigen Konflikts

Nach dem Tode von Jay Hormel im Jahre 1956 begann das gute Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeitern abzubröckeln, als ein Konsortium die Leitung der Werke übernahm, das von den Arbeitern von Austin die Nebraska- Mafia genannt wurde. Diese rücksichtslosen Manager aus einer jüngeren Generation, die aus den Prärie-Staaten stammten, empfanden gegenüber Austin keine besondere Loyalität. Sie ließen formel rasch expandieren und ver chartten dabei die Kontrolle über da Werk in Austin.

1963 machte der Ortsverein erstmals ein Zugeständnis: die Gewerkschaft erklärte sich mit höherer Produktionsgeschwindigkeit einverstanden und senkte so die Prämien der Arbeiter. Während der ganzen 60er und 70er Jahre sollte die Erosion des Lohnniveaus voranschreiten. 1978 erklärte sich die Gewerkschaft gegen das Versprechen eines Werksneubaus in Austin einverstanden, das ganze Prämiensystem fallenzulassen, und unterzeichnete ein Abkommen, drei Jahre nach Eröffnung des neuen Werks nicht zu streiken.

Der Druck zu Konzessionen kam zeitgleich mit einer Führungsschwäche im Ortsverein. Seit den 40er Jahren war dieser von Frank Shultz geleitet worden, der nie vergaß, daß Tarifverhandlungen ein Kräftemessen waren, nicht eine Diskussion zwischen zwei Parteien, die die gleichen Interesse hätten. Nachdem er lange krank gewesen war, wurde er 1969 vom Posten des Präsidenten des Ortsvereins 9 abgewählt. Auf ihn folgten ständig wechselnde schwache Führungen.

Während dieser Entwicklung in Austin führten Krisenerscheinungen in der Fleischindustrie in den 60er und 70er Jahren zu einem Strukturwandel in der gewerkschaftlichen Organisierung. Anfang der 60er Jahre wurden neue Firmen gegründet wie /owa Beef Processors, die auf dem Lande neue Werke aus dem Boden stampften und die Vorherrschaft der Big Four faktisch zertstörten. Von Werksschließungen in ihren städtischen Hochburgen schwer angeschlagen, fusionierte die UPW A mit ihrer alten Erzrivalin, der Amalgamated Meat Cutters and Butcher Workmen. Das war 1969, weitere zehn Jahre später erzwangen weitere Konzentrationsbewegungen in der Fleischindustrie auch noch die Fusion mit der Gewerkschaft der Fleischgrofshandelsangestellten, woraus die heutige United Food and Commercial Workers entstand. Zudiesem Zeitpunkt waren gewerkschaftlich organisierte Fleischfabriken schon eine schwindende Minderheit geworden.

Diese Entwicklung konfrontierte die şut organisierten Belegschatten in Aus in auf einmal mit einer nationalen Ge werkschaft, die ihre stärkste Basis im Handel hatte, nicht in der Produktion, und kaum noch auf ihre Bedürfnisse einging. Ohne Hilfe des Verbandes erlitten die Fleischarbeiter eine Niederlage nach der anderen.

Anfang der 80er Jahre setzte sich mit James Guyette in Austin eine neue Gewerkschaftsführung durch, die sich vor allem auf die jungen Arbeiter stützte, die die Zeit der engen Zusammenarbeit der Gewerkschaft mit Jay Hormel nicht erlebte. Guyette schlug einen kämpferischen Kurs ein und wurde 1983 Vorsitzender des Ortsvereins der UFCW. 1984 setzte Hormel einseitig die Löhne in Austin von 10,69 S auf 8,25 Sherab. P-9 versuchte über ein Jahr zu verhandeln. Hormel aber blieb hart und verlangte die Rücknahme der Errungenschaften aus den 30er Jahren. Er wollte ein Streikverbot für die Dauer des Vertrags durchsetzen und für die Geschäftsleitung die Möglichkeit, Arbeiter, die dennoch in betriebliche Aktionen träten, zu entlassen. Außerdem wollte er ein doppeltes Lohnsystem, eine 30 %ige Senkung der Renten und eine Einfrierung der Löhne auf 9,25 $. Auch der Mutterschaftsschutz sollte abgeschafft werden.

P-9 hat zu einem Boykott der Hormel- Produkte aufgerufen und Streikposten auch vor anderen Werken des Unternehmens organisiert, um sie zur Stillegung zu zwingen. Sieg und Niederlage der Arbeiter von Hormel hängen von der Unterstützung des AFL-CIO ab.

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IV. INTERNATIONALE

UND INTERNATIONALE ARBEITERBEWEGUNG El Salvador

Antillen

Zusammenschluß 9 % für die Linke — der Gewerkschaften

Am 8. Februar 1986 wurde die Union Nacional de los Trabajadores Salvadoreños (UNTS) gegründet. Sie umfaßt die größten Gewerkschaften des Landes: die Konföderation der Kooperativen El Salvadors (COACES), die Union Popular Democratica (UPD), die Central delos Trabajadores Salvadoreños (CTS), den Berufsverband der Angestellten des Wirtschaftsministeriums (AGEMHA), die Lehrergewerkschaft (ANDES), die Gewerkschaft der Angestellten der Sozialversicherung (STISS), die Federacion Nacional Sindical de los Trabajadores Salvadoreños (FENASTRAS), das Komitee 1. Mai, den Verband der Arbeiter der Telekommunikation (ASTTEL) und weitere unabhängige Gewerkschaften. Die Gründung der UNTS wurde als _wichtigste Vereinigung der salvadorenischen Arbeiter in ihrer ganzen Geschichte" bezeich- Das wichtigste Element dabei war die Beteiligung der UPD, einer Gewerkschaft, die sich 1980 unter dem Einfluß der Christdemokratie gegründet hatte. Die UPD hatte ein Wahlbündnis mit der PDC gebildet, das Napoleon Duarte an die Regierung verhalf. Die Tatsache, daß die UPD sich jetzt eindeutig ins Lager der unabhängigen Gewerkschaften gestellt hat, zeigt die wachsende Isolierung des Regimes. Die COACES wurde im Juli 1983 gegründet, einige ihrer Mitglieder sind in der UPD aktiv. Die AGEMHA hat die Streikwelle der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes 1985 angeführt.

Der Beschluß zur Vereinigung wurde auf einer „Nationalen Versammlung für das Überleben der Arbeiterinnen und Arbeiter" gefaßt, an der ca. 500 Delegierte aus 100 verschiedenen Organisationen teilnahmen. Hier wurde beschlossen, die Kräfte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung auf den Kampf gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung José Napoleon Duartes zu konzentrieren. Im Mittelpunkt dieses Kampfes steht die Forderung nach der Rücknahme der wirtschaftlichen Maßnahmen, die die Regierung Ende Januar verkündet hat, und die unter anderem eine Abwertung der Währung um 100 % und die Anhebung der Benzinpreise und der Fahrpreise vorsehen. Die angenommene Resolution enthält eine Reihe von Kritiken an der Wirtschaftspolitik des Regimes und eine Aufforderung an Duarte, den Dialog mit FMLN und FDR wieder aufzunehmen. Sie bekräftigt, daß die gewerkschaftliche Einheit „ernsthaft und verantwortlich zur Wiederherstellung des Friedens in El Salvador" beitragen und die UNTS „die nationalen Bemühungen um einen Dialog zwischen den Konfliktparteien" unterstützen wird.

Die Gründung der UNTS ist ein neuer Schritt im Prozeß der Umgruppierung der Massenbewegung, der seit Beginn des Jahres 1985 in Gang ist. Die Versammlung vom 8. Februar hat zu einem nationalen Marsch für das Überleben der Arbeiterinnen und Arbeiter am 21. Februar aufgerufen. Die lokale Presse hat berichtet, 50 000 Menschen hätten sich in San Salvador versammelt.

aber keine Einheitsfront

In Nr. 179 (März) berichteten davon ausgegangen, daß die wir vom Versuch der GRS, ci- MIM, die ineiner Gemeinde den ne Einheitskandidatur derex- Bürgermeister stellt, eine reale tremen Linken zustandezu- Chance hatte, über die 5 % zu bringen. Dieser Versuch ist kommen, trotz der Kritik, die gescheitert. viele an der MIM haben, weil sie 000 gegenüber anderen Strömun- Die Regionalwahlen am 16. gen, vor allem gegenüber der März haben den drei Listen trotzkistischen, sehr sektierelinks von den traditionellen re- risch auftritt. Sie haben deshalb formistischen Parteien ein be- die MIM gewählt, was in gewisdeutendes Wahlergebnis ge- ser Weise eine nützliche Stimmbracht. Die reformistische Lin- abgabe. Es ist auch unbe-• ke umfalt die Parti Progressiste streitbar, daß die MIM es Martiniquais (PPM) verstanden hat, einen Teil der rühmten Dichters und Bürger- von der traditionellen Linken meisters der Hauptstadt Aimé enttäuschten Wähler zu sich Césaire und die Kommunisti- herüberzuziehen. Die MIM hat sche Partei von Martinique. Sie die traditionelle Linke mit paerreichten zusammen 44,06 % triotischer nationaler Phraseoder Stimmen, die Rechte 45,01 logie dafür kritisiert, daß sie die %. Die drei Gruppen der extre nationalen Forderungen fallenmen Linken, die für die Unab- gelassen hat. CO hat vor allem hängigkeit eintreten, erhielten Kritik an der Klassenkollaborazusammen 8,01 % oder 9000 tion der reformistischen Linken Stimmen. Die Mouvement pour geübt. Die GRS hat beides kritil'Indépendance de la Martinique siert, zudem aber auch noch (MIM) erhielt 4,86 % oder 5465 Übergangslosungen für sofort Stimmen, Combat Ouvrier angeboten. (CO), eine Schwesterorganisa- Unser Fehler lag sicherlich tion von Lutte Ouvrière in darin, zu viele Themen in unse- Frankreich, erhielt 2,16 % oder rer Kampagne angeschnitten zu 2428 Stimmen, die Einheitsliste haben. Wir wollten Vereinfader Groupe Révolution Sociali- chungen vermeiden und haben ste (GRS), Sektion der IV. In- deshalb vielleicht versäumt, unternationale auf den Antillen, seren Adressaten genauer ins erhielt 0,98 % oder 1106 Stim- Auge zu fassen. Wir müssen lermen. Keine dieser Organisatio- nen, daß weniger manchmal nen erhielt jedoch einen Sitz im mehr ist. In jedem Fall ist Bitter- Parlament, da es eine Fünf-Pro- keit nicht am Platze: die 1106 zent-Klausel gibt. Révolution Stimmen, die wir bekommen Socialiste, das Organ der GRS haben, zeigen, daß die sehr polianalysiert das Wahlergebnisfol- tische Kampagne, die wir gegendermaßen: führt haben, ein nicht zu verach- „Die GRS hat am wenigsten tendes Echo gefunden hat. vom Stimmenanstieg für die ex- Heute muß man sich auf die treme Linke profitiert. Die Be- 9000 Stimmen für die extreme deutung des Ergebnisses liegt Linke stützen. Unsere Organidarin, wie der Wahlkampf ge- sation ist gut in der Lage, in führt wurde, und in den Moti- diesem Spektrum unserer Mitven für die Stimmabgabe. bürgerinnen und Mitbürger zu Viele Antikolonialisten sind intervenieren."

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Niederlande

Kommunalwahlen: Punkte für die Sozialdemokraten Bei den Kommunalwahlen am 19. März in den Niederlanden hat die sozialdemokratische Partei der Arbeit (PvdA) ihre Position stärken können. Inden Großstädten, besonders im traditionell katholischen Süden hat sie einen Stimmenzuwachs von bis zu 12 % im Vergleich zu den Kommunalwahlen von 1982 verzeichnet. Sie hat insgesamt 32 % der Stimmen erhalten, das ist eines ihrer besten Ergebnisse bisher. Die große Verliererin der Wahl war die liberale Partei VVD, die von 23% auf 19% gefallen ist. Im Süden hat auch die christdemokratische Partei CD verloren; sie stellt zusammen mit der VVD die Regierung in Den Haag. Landesweit ist sie mit 31 % jedoch stabil geblieben.

Die PvdA hat auch auf ihrer Linken gewonnen, in erster Linie von der Kommunistischen Partei CPN, der Pazifistisch- Sozialistischen Partei PSP und der radikaldemokratischen Politischen Partei der Radikalen PPR. Unter ihnen ist die CPN die größte Verliererin. Dies gilt vor allem für ihre bisherigen Hochburgen. Damit wird die CPN wahrscheinlich erneut in die offene Krise kommen, nachdem sie nach der Abspaltung ratssitze erhalten. Die niederländische Sektion der IV. Internationale, SAP, hat sich an einigen Orten an Bündnislisten beteiligt; in Amsterdam und Deventer hat sie eigene Listen aufgestellt. Ihre Kandidaten haben in Rotterdam auf der Liste „Links-Rotterdam" besonders gut abgeschnitten. In Amsterdam erhielt sie 428 Stimmen (0,14%), in Deventer 167 Stimmen (0,45%).

Überschattet wurden die Kommunalwahlen von der Vorbereitung der Parlamentswahlen, die am 21. Mai stattfinden sollen. Während die Koalitionsregierung für die Fortsetzung ihrer Sparpolitik, die Demontage des Systems der sozialen Sicherheit und für die Stationierung der Cruise Missileseintrat, war die PvdA die einzige große Partei, die gegen diese Programmpunkte aufgetreten ist. Dennoch hat sie weniger Stimmen erhalten, als die Meinungsumfragen noch im Herbst 1985 für sie ermittelten (damals lag Norwegen sie bei 40 %). Das liegt daran, daß sie die Koalition nur so weit schwächen wollte, daß sie sich um die PvdA erweitern muß, aber nicht so stark, daß sie gezwungen gewesen wäre, mit den kleineren Linksparteien eine Regierung zu bilden. Dieser Kurs hat die PvdA geschwächt. Die bürgerlichen Parteien haben jetzt eine reale Chance, am 21. Mai die Parlamentsmehrheit zu behalten. Dies kann nur dadurch verhindert werden, daß die Friedensbewegung in den kommenden Monaten gegen die Raketen mobilisiert und die Gewerkschaften eine Kampagne für die Arbeitszeitverkürzung führen. Wenn die PvdA ihre Orientierung in Richtung Koalition fortsetzt, kann es leicht zu einem hohen Anteil von Stimmenthaltungen in der Arbeiterschaft kommen.

Das neue Element in diesen Wahlen war die Beteiligung der Immigranten und Immigrantinnen. Bisher hatten nur die Einwanderer aus den chemaligen niederländischen Kolonien Curaçao und Surinam das Wahlrecht, wenn sie zudem die niederländische Staatsbürgerschaft besaßen. Diesmal konnten alle zur Wahl gehen, die seit fünf Jahren legal im Land wohnen. Diese Regelung gilt aber noch nicht für die Parlamentswahlen. 350.000 Immigranten und Immigrantinnen hatten das Wahlrecht, das ist etwa die Hälfte der ausländischen Bevölkerung. Die Türken haben sich zu 47 % an der Wahl beteiligt. Die Marokkaner haben sich zu 17.% beteiligt, weil König Hassan II. sie aufgerufen hat, nicht zur Urne zu gehen, und über die Kulturvereine eine Einschüchterungskampagne laufen ließ. Die Einwanderer aus Surinam und Curaçao beteiligten sich zu 37 % an der Wahl. Die Mehrzahl der Stimmen der Immigranten kam der PvdA zugute. In Rotterdam haben 85,6 % für diese Partei gestimmt, in Utrecht 87 % - ohne großen Unterschied zwischen den Nationalitäten.

Regierung stürzt über Streik einer moskautreuen Fraktion 1984 gehofft hatte, sich wieder zu stabilisieren. Die abgespaltene Gruppe hatte die Union der niederländischen Kommunisten gebildet. Sie hat jedoch nur in einer kleinen Provinzstadt einen Sitz im Gemeinderat erobern können; dort war bei der Spaltung der ganze Ortsverband mit ihr ausgetreten. Die PSO, die Partei für Sozialismus und Abrüstung, eine Abspaltung der PSP, die sich radikaler gibt als letztere, hat weder einen Kandidaten durchbekommen, noch einen bedeutenden Stimmenanteil erhalten. Die einzige Partei, die links von der Sozialdemokratie Punkte gesammelt hat, war die Sozialistische Partei (SP), die maoistischen Ursprungs ist. Sie hat überall dazugewonnen und 17 Gemeinde- In der Nacht vom 28. auf den 29. April wurde die bürgerliche Minderheitsregierung über ein Mißtrauensvotum der Arbeiterparteien gestürzt, nachdem sie mit einer Zwangsschlichtung keinen Erfolg erzielt hatte. Der König ist nun beauftragt, eine sozialdemokratische Regierung einzusetzen. Am 6. April waren die Kantinenangestellten auf den Bohrplattformen vor der Küste in den Streik getreten. Sie forderten eine Lohngleichstellung mit den anderen Ölarbeitern, faktisch eine Lohnerhöhung von 28 % — in einer Zeit, wo der Ölpreissturz zum drastischen Sinken der Ölförderung geführt hat. Die Ölarbeiter solidarisierten sich mit dem Streik und die Unternehmer sperrten 4000 Beschäftigte aus.

Gleichzeitig wurden auch in 2000 Betrieben der Branchen Metall, Elektro, Textil, Bau , Chemie und Gaststätten 10 000 Beschäftigte ausgesperrt. Zum Vergleich: Norwegen hat nur 4,1 Millionen Einwohner, in der BRD müßten also 1,5 Millionen ausgesperrt werden. Die Einheitsgewerkschaft Landsorganisationen (LO) hatte sich ursprünglich auf einen fünf Monate langen Streik eingestellt, den sie auch zu zahlen können glaubte, weil in Norwegen seit 40 Jahren kein größerer Streik mehr geführt worden ist.