UND INTERNATIONALE ARBEITERBEWEGUNG Skandinavien des Nordische Arbeiterkonferenz Die erste gesamtskandinavische Konferenz kämpferischer Gewerkschafter/innen, soweit sich die ab den 60er Jahren radikalisierten Generationen erinnern können, fand am 26. und 27. Oktober in Göteborg, Schwedens größtem Industriezentrum, statt. Initiiert wurde diese Konferenz von der Gewerkschaftsopposition bei Volvo in Göteborg und von einer Gruppe von 40 Gewerkschafter/inne/n in Dänemark. Über 200 Personen kamen schließlich, darunter Teilnehmer/innen aus allen Teilen Schwedens, ein großes Kontingent aus Dänemark und ein kleineres aus Norwegen sowie einzelne aus Island und Finnland. Mitglieder und Anhänger der IV. Internationale stellten zwar die Mehrheit, jedoch waren auch andere Organisationen vertreten: aus Dänemark die bedeutenden Linken Sozialisten (VS), die Revolutionären Sozialisten (RS) und die Internationalen Sozialisten (IS) und aus Norwegen ebenfalls die IS und die Gruppe Arbeitermacht (AMG).
Göteborg Post, eine der größten regionalen Tageszeitungen, zitierte in ihrem Bericht von der Konferenz am 28.10. Göte Kilden, einen Führer der schwedischen Sektion der IV. Internationale und der Gewerkschaftsopposition bei Volvo: „Eine der Ideen zur Einberufung dieser Konferenz war es, miteinander in Erfahrungsaustausch zu treten, weil die normalen Kanäle der Gewerkschaften so verstopft sind."
Er gab Beispiele für die Notwendigkeit des Austauschs über die Grenzen hinweg: „Wir haben hier zum erstenmal etwas vom Streik der Gerüstbauer gehört, der in Dänemark stattfindet. Umgekehrt wußten die Dänen nichts vom Kampf in Schweden gegen die Asbestgefahr und dem Streik der Putzfrauen. Wir hörten auch zum erstenmal, wie die Leute in Norwegen den Kampf um den Sechs stundentag vorantreiben und wie in anderen Ländern der Rassismus bekämpft wird." Die Göteborg Post schloß ihren Bericht mit einem weiteren Zitat von Göte Kilden über die Bedeutung eines Zusammenschlusses der Arbeitenden auf regionaler Ebene: „Heute redet nicht mehr nur Gyllenhammer von nordischer Kooperation. Diese Konferenz ist der erste Schritt zu einem Arbeiterbündnis im Norden, zu einem Bündnis, dessen Zweck es sein wird, die Arbeitsplätze zu verteidigen und die Umweltzerstörung aufzuhalten." Gyllenhammer ist der Boß von Volvo und der Hauptbetreiber des Vorschlags einer neuen Superautobahn um Göteborg herum als Verbindung der drei skandinavischen Länder. Die aktiven Gewerkschafter/innen bei Volvo unterstützen den Kampf gegen dieses Projekt, und die Konferenz stellte dem Umweltbündnis Motlaenken (Gegen die Verbindung") ihren Raum zur Verfügung, um die Bedeutung dieses Kampfes zu erläutern. Der Verkehr in Göteborg rechtfertigt eine neue Autobahn nicht, und die Wälder dieser Region sind heute schon durch den Schadstoffausstoß der Industrie und der Autos gefährdet. Die „Verbindung" ist vielmehr Teil des Projekts zur Reorganisierung des Straßennetzwerks in Westeuropa vom industriellen Herzstück Westdeutschlands ausgehend. Die kapitalistischen Großkonzerne die daran interessiert sind, sind stark genug, um jede nationale Regierung da hineinzudrängen. Internationale
Einbettung
Jedoch sprach die Konferenz nicht nur über skandinavische oder auch nur westeuropäische Probleme. Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Rede Göte Kildens über den Kampf gegen die Sparpolitik und die Schritte zu einer kämpferischen Gewerkschaftspolitik._ Jedoch schon der zweite Redner war Jorge Alberto Hernandez vom salvadorianischen Gewerkschaftsverband FENASTRAS, der zur Unterstützung
Kampfes der Arbeiter in seiner Heimat aufrief.
Auch Vertreter anderer Länder schilderten ihre Kämpfe und riefen zur Solidarität auf. Darunter Dennis Pennington von der britischen Bergarbeitergewerkschaft NUM und ein Redner des ANC aus Südafrika, der unter anderem die wachsende Bedeutung des Kampfes der Arbeiterklasse innerhalb des allgemeineren Kampfes gegen die Apartheid darstellte. Spenden wurden gesammelt sowohl für
die NUM alsauch den ANC, die dänischen Bauarbeiter und die schwedischen Putzfrauen. Viel Zeit wurde darauf verwendet, die Erfahrungen des abgewürgten dänischen Generalstreiks aus der Zeit um Ostern zu debattieren. Ardan Johansen von der Druckergewerkschaft in Kopenhagen erstattete dazu vor dem Plenum Bericht; eine Arbeitsgruppe setzte die Beschäftigung damit fort sowie eine zum Kampf um die 35-Stundenwoche in Dänemark.
Am Sonntag gab es Arbeitsgruppen zur Gewerkschaftsarbeit in verschiedenen Branchen: Bergbau, Stahl, Werften zum Beispiel. Eine Arbeitsgruppe Dennis Pennington geleitet. Es gab eine Arbeitsgruppe zum Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit und eine zum besonderen Mangel an Arbeits- und Ausbildungsplätzen von Jugendlichen sowie deren Unterrepräsentanz in den Gewerkschaften.
In der Jugendarbeitsgruppe schilderte Kent Johansson vom Schwedischen Kontaktnetzwerk für Arbeitslose die Probleme mit den staatlich geförderten Ausbildungsgängen [etwa Berufsgrundbildungsjahr] in seinem Land. Jacob Nerup von der Nationalen Lehrlingsorganisation in Kopenhagen stellte die Vielzahl der Organisationsformen junger Arbeiter/innen in Dänemark dar. Der relativ hohe Anteil „dynamischerer" Jugendlicher aus Dänemark schlug sich ohnehin in der Atmosphäre der Konferenz nieder - wie natürlich auch bei den abendlichen Festivitäten. Die Konferenz war gut organisiert und offen füralle gewerkschaftlichen Aktivist/inn/en und sozialistische politische Gruppen. Insbesondere war sie Beleg der Fähigkeiten der Arbeiterinnen und Arbeiter der IV. Internationale in Schweden und des wachsenden überregionalen Profils der Gewerkschaftsopposition bei Volvo, die heute in den beiden größten Werken eine Mehrheit hat.
Immigration in Westeuropa befaßte sich mit der zehnjährigen Geschichte der Gewerkschaftsopposition in den Werken von Volvo in Göteborg; Zeitung der IV. Internationale eine weitere mit den Gewerkschaften im Sozialbereich. Besonders die Arbeitsgrupin türkischer Sprache pen am Samstag befaßten sich mit sehr verschiedenen Themen. Eine gab es zu den Problemen, die aus der Einführung neuer Technologien resultieren, eine befaßte sich mit dem Kampf gegen Werksschließungen in krisengeschüttelten Branchen. Wortführer in dieser Arbeitsgruppe war Harry Isaaksson, die bekannteste Gestalt des wilden Streiks in der Eisenerzmine von Malmberget im äußersten Norden Schwedens 1969 bis 1970, der damals das erste Anzeichen einer gestiegenen Kampfbereitschaft in der schwedischen Arbeiterbewegung war.
Isaaksson personifiziert eine lange Tradition der schwedischen Arbeiterbewegung, seine Anwesenheit trug neben anderem mit dazu bei, daß sich die Konferenz in einer historischen Perspektive sah. Er sagte mir, daß ihm insbesondere der Aufstieg von Solidarność in Polen begeistert habe und diese als ein Vorbild für ein Basisgewerkschaftertum ansehe, wie er es auch in seinem eigenen Land gerne sähe.
Mehrere Kampfgenerationen Es gab Arbeitsgruppen zum Kampf gegen Einsparungen im öffentlichen Dienst, zum Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz und in den Gewerkschaften selber sowie eine darüber, wie man am besten Solidaritätsarbeit mit den Kämpfen anderer Lohnabhängiger organisiert. Diese letztgenannte wurde von Im November 1985 ist die erste Nummer von Isçi Mücadelesi (Arbeiterkampf), Zeitschrift der IV. Internationale für die eingewanderten türkischen und kurdischen Arbeiter, erschienen. Diese in Belgien redigierte, alle zwei Monate erscheinende Zeitschrift bezweckt, sich an die sehr zahlreiche türkische und kurdische Immigration von im wesentlichen Arbeiterinnen und Arbeitern in einer Reihe westeuropäischer Länder zu wenden. Auch haben seit dem militärischen Staatsstreich vom September 1980 Zehntausende politischer Flüchtlinge eine bereits bedeutende Wirtschafts- Immigration anschwellen lassen. Oft sind die Sektionen der IV. Internationale in Europa wegen des Fehlens ausreichender und regelmäßig erscheinender Veröffentlichungen in türkischer Sprache beim Entwikkeln von Initiativen gegenüber den türkischen Arbeitern gehemmt. Um diesen Mangel zu beheben, ist /şçi Mücadelesi mit Unterstützung des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale geschaffen worden. Es wird Aufgabe der Sektionen in Ländern starker Konzentration türkischer Arbeiter sein, das notwendige Verteilernetz einzurichten.
Die Zeitung der belgischen Sektion, La Gauche, sprach mit dem Genossen Erdal Tan: LG.: An wen richtet sich Işçi Mucadelesi?
Tan: Isçi Mücadelesi ist eine Zeitschrift in türkischer Sprache, die sich an Einwanderer richtet, die aus der Türkeistammen und in Europa leben, vor allem in der BRD, aber auch in den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Belgien, in der Schweiz und in geringerem Ma- Be in Österreich und in Britannnien.
L.G.: Was wird der Inhalt sein?
Tan: Ziel der Zeitschrift ist einerseits, die eingewanderten Arbeiter der Türkei über ihre Probleme und Kämpfe als Einwanderer zu informieren und zu mobilisieren, sie zum anderen über die Kämpfe, die sich in den Ländern, in denen sie leben, abspielen, zu informieren, um ihre Einordnung in diese Kämpfe zu erleichtern - sowie selbstverständlich auch, sie mit den Aktivitäten und Initiativen der IV. Internationale bekannt zu machen. Die Zeitschrift soll somit ein Instrument in den Händen der Genossinnen und Genossen der IV. Internationale sein, um die eingewanderten türkischen und kurdischen Arbeiter der Sektionen der IV. Internationale einander näherzubringen. Deshalb werden Nachrichten, die die Türkei betreffen, einen sehr untergeordneten Platz einnehmen. Diese Aufgabe wird von anderen Veröffentlichungen wahrgenommen. Wir werden außerdem in jeder Nummer eine Zusammenfassung auf Französisch veröffentlichen. L.G.: Wie wird der Vertrieb vor sich gehen?
Tan: Für den Vertrieb sorgen die Sektionen der IV. Internationale, die den Verkauf über ihre Mitglieder organisieren sollen. Die türkischen und kurdischen Genossinnen und Genossen der IV. Internationale stehen natürlich im Mittelpunkt dieses Bemühens, aber es ist klar, daß dies nicht genügt. L.G.: Welche Ziele stellt Ihr Euch?
Tan: Unser Ziel ist recht bescheiden: den eingewanderten Arbeitern eine bessere Kenntnis der Sektionen der IV. Internationale zu verschaffen, die aus dem Fehlen eines geeigneten Kommunikationsmittels eingeschlafenen Kontakte wiederzubeleben und die aus allen Ecken Europas stammenden Informationen, Analysen und Erfahrungen über die Arbeit mit türkischen und kurdischen Arbeitern zu zentralisieren. Dies alles sollte uns gestatten, die Arbeit für die Immigration in unseren Sektionen besser zu orientieren und umzusetzen, indem wir uns auf neue Erfahrungen und hoffentlich dann auf neue militante Kräfte stützen können. L.G.: Wie steht es im Augenblick mit den Finanzen der Zeitschrift, was wird sie kosten, wie oft wird sie herauskommen? Tan: Unsere finanziellen Mittel sind recht begrenzt. Es ist Nr. 175. Januar 1986
daher dringend notwendig. daß sich die Zeitschrift so rasch wie möglich selbst trägt. Dies kann Aus dem Inhalt der ersten Nummer: nur mit einem gut organisierten Belgien: W ahlrecht für Immigranten (Interview mit cinem Kandidaten Verkauf erreicht werden. Die Zeitschrift wird anfangs vier Seiten im gleichen Format wie La Gauche oder Rouge haben, Frankreich: Ans einer Broschüre gegen das Ansteigen des Rassismus wird alle zwei Monate erscheinen und [in der BRD zu einem Preis von 1 DM] verkauft wer- (berawsgegeben von der LCR): Schweden: Die W ablergebnisse und die Kampagne der SP (Sektion); den - was selbst bei einem niedrigen Lohn kaum übertrieben Südafrika: Solidaritätsaktionen; Aufruf des VS der /V. Internationaist. Wir haben auch vor, im Rahmen der Erfordernisse und der Nachfrage Sondernummern zu Schwerpunktthemen vorzubereiten.
L.G.: Was können unsere Le- Işçi Mücadelesi, 29 rue Plantin, 1070 Bruxelles, Belgien ser zu diesen Bemühungen beitragen?
Buchladen Nener Kurs, Zülpicher Str. 39, S000 Köln / Tan: Vor allem könnten sie uns beim Vertrieb der Zeit- Inprekorr, Mainzer Landstr. 147, 6000 Frank/ure 1 schrift helfen. Ihr könnt Işşi Mucadelesi in Eurer Umgebung PSO/SAP/PLS, Postfach 299, 8031 Zürich, Schweiz verkaufen, an türkische oder kurdische Kontakte, die Ihr in Euren Betrieben trefft, in Euren Vierteln und bei verschiedenen Veranstaltungen. Ihr könnt uns Der Preis für ein Abonement über 5 Nummern beträgt 100 belgische auch schreiben, um uns entwe- Franc und ist, ebenso wie jede Spende, auf folgendes Kontoeinzuzablen: der Informationen zu übermit- (Postscheckkonto) CCP 000-1498808-61, Igçi Mücadelesi, 29 rue de teln, die in die Zeitschrift aufgenommen werden können, oder um uns Eindrücke vom Verkauf der Zeitschrift mitzuteilen. *İsÇi MÜCADELESİ AE
IV. ENTERNASYONALİN TÜRK VE KÜRT EMEKÇİLERİNİN GÖÇMEN DERGİSİ • ENTERNASYONAL @lacierte legilert, Melegiet ENTERNASYONAL
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ENTERNASYONAL vera dikaieria Iseltori, Dielegia: INTERNATIONALS QUATRIEME /rog BATI 11 OCAK / SUBAY 100• Wer sich am Vertrieb von Enternasyonal, der Zeitschrift der sympathisierenden Organisation der IV. Internationale in der Türkei, beteiligen möchte, kann sich an die gleichen Adressen wenden.
Brasilien
Wahlerfolge der PT
Die brasilianische Arbeiterpartei (PT) hat bei den Kommunalwahlen am 15. November einen großen Wahlerfolg errungen. Gegenüber den Gouverneurswahlen, die im November 1982 stattfanden, hat sie ihr Stimmenergebnis verdreifacht und im Durchschnitt 10 % erzielt. In sieben Städten hat sie erheblich mehr Stimmen bekommen: in Goiania 40,24 %, in Fortaleza 32,44 %, in Vitoria 26,31 %, in Sao Paulo 19,75 %, in Aracajeu 15,43 %, in Porto Alegre 11,35 % und in Manaus 11,34 %. Mit der Kandidatin Maria Luiza Fontenelle hat die PT die Mehrheit in der Gemeinde Fortaleza erobert; dies ist eine Stadt mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern. In einigen Armenvierteln de. Stadt bekam die PT bis zu 90 % der Stimmen. In Goiania wurde ein gleicher Erfolg durch Wahlbetrug verhindert. Bei den Gouverneurswahlen im November 1982 hatte die PT eine Wahlschlappe erlitten und im Durchschnitt nur 3 % der Stimmen erhalten. Das hat dazu geführt, daß in den Reihen der PT deren Fähigkeit, Masseneinfluß zu erlangen, in Frage gestellt wurde. Einige politische Führer der PT zogen daraus den Schluß, nur ein politisches Bündnis mit bürgerlichen Parteien könne der PT bei den Kommunalwahlen 1985 wieder aus der Sackgasse helfen. Linke Strömungen in der PT. vor allem die Unterstützer und Unterstützerinnen der Zeitschrift Em Tempo, traten im Gegensatz dazu dafür ein, dals die PT eigene Kandidaten bei den Kommunalwahlen präsentiert, und lehnten jede Koalition mit bürgerlichen Parteien ab. In der Ausgabe Nr. 206 vom Dezember 1985 zog Em Tempofolgende Bilanz: „Die Wahlergeb. nisse zeigen, daß die Linie der Selbstbehauptung und Klasseunabhängigkeit der PT, die Em Tempo verteidigt hat, richtig gewesen ist. Heute anerkennt fast jeder in der PT, daß diese Politik richtig war; aber vor einigen Monaten waren viele dagegen und schlugen verschiedene Arten von Koalitionen vor."
Der Wahlerfolg ist ein Ausdruck der tatsächlichen nationalen Bedeutung der PT. Erläßt sich auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückführen: auf die Verschärfung der Krise der bürgerlichen Parteien, die mit der Diktatur verbunden waren; auf die beginnende Abwendung breiterer Wählerschichten von der Partei der Brasilianischen Demokratischen Bewegung (PMDB), die sich durch Sparpolitik und Repression in den Bundesstaaten Brasiliens kompromittiert hat; auf die Verbreiterung der sozialen Basis der PT in der letzten Zeit und auf die dynamische Wahlkampagne, die sie geführt hat. Letztere ist vor allem das Verdienst der klassenkämpferischen Kräfte in der Partei. Der