Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Internationale

Die Schlacht um die Telekommunikation auf dem Rücken von Postkunden und Postbeschäftigten

· Inprekorr Nr. 168, April 1985 · S. 17-25 · 8.218 Wörter

USA und Kanada BRD und DDR Japan und Korea

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Hans Mayer „Es geht um einen riesigen Kuchen: ein 88 Dollar-Markt in fünf Überall Computer, die ihre eigene Sprache haben; sie sind binär Jahren." So überschrieb Business Week im Oktober 1983 seinen codiert und ihre Kommunikation ist digitalisiert. Das heißt, es Report. Mit der entsprechenden Radikalität wird die Sache auch werden nicht mehr Frequenzen übertragen wie im Fernsprechvervorangetrieben, unter anderem auch in der Bundesrepublik. Wor- kehr, sonder Signalimpulse. Hier fängt das Problem an. Das Kupferum geht es? kabel ist nicht geeignet, ausreichend schnell viele Signale für die heutigen Computerleistungen zu übertragen. Zwar hat bespielsregionalem und lokalem Maßstab. Die Entfernungen sind dabei das weise Control Data einen Großcomputer hier in Westdeutschland geringste Problem. Jedoch gibt es heute eine Fülle von Informa- in Betrieb, den ein Terminal über das Telefonnetz anwählen kann, tionsquellen mit unterschiedlichen Verschlüsselungen (Codierun- aber für eine wirkliche kommerzielle Nutzung stellt diese Art von gen) und Frequenzen. Ein besonders stark wachsender Bereich ist Datenübertragung einen Engpaß dar. der der digitalen Kommunikation, also die Fernübertragung der Computersprache. Daneben spielt auch die Fernsehübertragung Und das ist nicht der erste „Engpaß", auf den die völlig anarchieine wachsende Rolle. sche kapitalistische Entwicklung der Computertechnologie stößt.

Diese neuen technischen Anforderungen kann das Fernsprech- Vor einigen Jahren tauchte nach stürmischen Fortschritten in der netz nicht bewältigen. Seit den dreißiger Jahren ist hier technolo- Entwicklung der hardware, also der Schaltungen und Schaltkreise, gisch wenig passiert. Die Fernsprechverbindungen wurden mittels eine Lücke bei den Programmen auf, der sogenannten software. Kupferkabel hergestellt. Die Anschaffung solcher Kabel und ihre Seitdem wurde enormes Kapital in die Entwicklung solcher Pro- Verlegung ist enorm teuer und kapitalintensiv, sodaß für eine solche gramme gesteckt, und Programmierer konnten Traumgehälter Aufgabe nur sehr große Gesellschaften in Frage kamen. Tatsächlich erzielen. Heute sind schon Programme am Horizont, die selbst übernahmen das staatliche Gesellschaften (vor allem in Westeuro- Programme schreiben — wesentlich billiger und schneller. pa) oder große Monopole (ATT und GTE in den USA). Die Ihren Ausgangspunkt hatte diese stürmische Entwicklung, die internationale Fernsprechvermittlung war die Lücke für Konzerne auch als dritte technologische Revolution bezeichnet wird, im wie Western Union, RCA oder /TT. Im Falle von /77 kam das Geld Büro. Bisher, so muß man hinzufügen; denn mit CNC-gesteuerten allerdings nicht aus dem Nichts: ITT entstand als privates Fern- Maschinen, CAD/CAM-unterstützter Konstruktion zeichnet sich sprechmonopol in Kuba und kaufte in den zwanziger Jahren die schon heute eine Umwälzung der Produktionstechnologien in den internationalen Geschäfte von American Telephone and Telegraph Fabriken ab.

Co. (ATT), als diese beschloß, daß die Verlegung eines Telefonnet- Bis in die siebziger Jahre bestand ein Arbeitsplatz mit EDV-Anzes in den USA schon teuer genug war. Teuer sicherlich, aber dafür wendung vor allem in seiner Verbindung zu einem Zentralcompuwurden die Tarife für die Fernvermittlung auch von der US-Regn ter. In diesen Computer wurden an einem Terminal entweder Daten rung garantiert und das Monopol durch Gesetze geschützt. eingegeben oder abgefragt, oder von diesem Computer wurden anderen Ländern waren die Telefongesellschaften von vornherein dann Listen o.ä. ausgedruckt oder über Magnetband an andere staatlich. Mit der Ausbreitung der Fernsprechnetze wuchsen riesige Computer weitergegeben. Die Produzenten dieser Zentralcompu- Gesellschaften heran. In den sechziger Jahren wurde jedoch eine ter hatten den Markt dieser mainframes weitgehend untereinander Sättigung erreicht, und heute hat praktisch jedes Haus in der aufgeteilt. Ihre Namen /BM, Honeywell, Burroughs, Sperry Univac Bundesrepublik einen Fernsprechanschluß. Damit wurden diese deuten ihre amerikanische Herkunft an. Giganten immer mehr zu Geldmaschinen, das Telefonieren aber auf Mit der rasanten Verbilligung der Speicherchips und der immer alle Fälle nicht billiger. kleiner werdenden Größe der Chips entstand ein neuer Markt.

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Dieser Markt für Mini- und Mikrocomputer sorgte für das rasche Wachstum von Digital Equipment, Data General, Prime, Datapoint. Die großen mainframe-Produzenten verschliefen diese Entwicklung weitgehend.

Zusätzlich stoppte Marktführer / BM das Wachtumaller übrigen Großen auf dem US-Markt bei 13 % Marktanteil und baut seit der Rezession 1981-82 seitne Vormachstellung weltweit in allen Computersparten sehr aggressiv aus. Absehbare Folgen sind Verbilligung und das Ende des Wirrwarrs unterschiedlicher Computersprachen. Neben dem /BM-Standard gibt es keine andere software mit bedeutenden Marktanteilen mahr. Selbst Siemens und Sperry bieten seit 1983 auch IBM-plug compatibles (anschlußverträgliche Programme) an.

Die Entwicklung zu immer billigeren, leistungsfähigeren und kleineren Computern schaftt völlig neue Arbeitsplätze. Zum Beispiel gibt es Computer mit recht großen Speicherkapazitäten, die bequem auf dem Tisch Platz finden. Der Benutzer kann hiermit die Buchführung und Kalkulation machen oder Konstruktionen berechnen, speichern und zeichnen lassen. Eine wahre Explosion der Möglichkeiten ergibt sich, wenn dieser Computer mit anderen mainframes oder Tischcomputern kommunizieren kann. Das ist in vielen großen Firmen schon Realität: Die neuen Opel-Modelle sind live in Zusammenarbeit von General Motors-Konstrukteuren und Konstrukteuren in Rüsselsheim an CAD/CAM-Geräten konzipiert worden. So entstand eine wahre „world car"-Konstruktion, die äußerst schnell Autos für alle Fabriken von GM in der ganzen Welt gleich zustande bringt.

Das billigste Organisations- mittel, das Papier, wird durch elektronische Speicherung, Übermittlung und Druck ersetzt.

Noch auf eine andere Entwicklung im Büro muß hingewiesen werden: die Entwicklung weg von der mechanischen Schreibmaschine hin zur elektronischen Textverarbeitung. Fehler können sofort am Bildschirm korrigiert werden, das layout kann nach Belieben sekundenschnell verändert werden, und der Text kann in beliebiger Auflage gesetzt und gedruckt oder gespeichert werden. Und zwar auch tausende von Kilometern entfernt. Das billigste Organisationsmittel, das Papier, wird durch elektronische Speicherung, Übermittlerung und Druck ersetzt. Die Folge für die Druckindustrie, Heere von Sekretärinnen und Postboten sind absehbar. Durch diese technologische Revolution wird der Bürobereich zum erstenmal wirklich umgestaltet, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Zum Vergleich: der Produktionsbereich der Betriebe hat schon zwei technologische Revolutionen und unzählige Rationalisierungswellen (z.B. Einführung der Fliefsband arbeit) hinter sich. Wahrscheinlich wird das auch Folgen für da: Bewußtsein der Kolleginnen und Kollegen haben, die bisher auf den so sicheren und warmen Arbeitsplätzen im Büro sitzen und dabei ein anständiges „Angestelltendenken" pflegen konnten. Kein treusorgender Vater wird mehr ruhigen Herzens seiner Tochter den „sicheren" Arbeitsplatz bei der Bank oder der Versicherung nahelegen können.

Aus den gezeigten Entwicklungstendenzen wird deutlich, wie immer stärker — die Computertechnologie; — die allgemeine Verbreitung des IBM-Standards; — die neuen Verwendungen der Elektronik in Büro und Produktion nach neuen Übertragungstechniken rufen. Das Telefonnetz reicht nicht aus. In den schrillen Tönen eines Berichts des Blick durch die Wirtschaft vom 14.2.1984 liest sich das so:

In den Vorträgen... ist immer wieder nachgewiesen worden, dajs kein Wer am Chip vorbeiführt; aber dieser Weg führt nicht in die Sackgasse, sondern er eröffnet neue Perspektiven. Immer wieder sind Beispiele für neue Produkte, neue Dienstleistungen, neue • Märkte genannt worden. Den deutschen Teilnehmern ist stets von neuem auf geradezu peinliche Weise klargeworden, wie stark das Postmonopol die Entwicklung der Kommunikationsgesellschaft behindert, wie sehr und wie rasch die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb Schaden erleidet. (.../ Das Tempo der technischen Entwicklung in der Informationsindustrie ist so groß, daß Verzögerungen auch nur um ein paar Jahre den Verlust von Märkten nach sich ziehen. " Die Damen und Herren meinen, was sie sagen. Symptomatisch ist die Radikalität, mit der ein Riesenkonzern wie ATT in den USA in sieben Regionalgesellschaften und eine Gesellschaft für die Fernverbindungen zerlegt worden ist. Teil dieser Entflechtung ist die Zerschlagung des Monopols von ATT über die Kommunikation per Draht. Die Rosinen im Kuchen versuchen sich Firmen wie MCI, GTE, US Telephone bei den Fernverbindungen herauszupicken. Wurden die technischen Einrichtungen bisher von der ATT-Tochter Western Electric geliefert, so brechen jetzt Firmen wie Rolm, Northern Telecom, Mitel, ITT in diese Märkte ein. Bisher war es so, daß die vom Monopol ATT beherrschten Fernverbindungen die lokalen Telefongesellschaften subventionierten. Damit wird Schluß sein, und die Zeche wird auf jedermanns Telefonrechnung präsentiert werden.

Das Beispiel der ATT in den USA zeigt auch, daß es pure Demagogie ist, wenn im Falle der Deutschen Bundespost hier über „staatliche Mißwirtschaft" gejammert wird; es geht vielmehr darum, jede Art von Kommunikationsmonopol zugunsten der neuen Kapitale zu zerschlagen.

Auch in anderer Hinsicht lohnt es sich, die Entwicklungen in der Kommunikationsindustrie der USA anzusehen. Denn technologisch wie auch von der Marktstellung her sind US-amerikanische Firmen wohl an der Spitze. Das wird daran deutlich, - daß die beiden größten Hersteller von Kommunikationsmitteln aus den USA kommen: ITT, ATT.

- daß US-amerikanische Unternehmen praktisch ein Monopol in neueren Nachrichtenübertragungstechnologien besitzen. Corning Glass kassiert für jede Glasfaser auf der Welt Patentgebühren. Basierend auf dem Raumfahrtmonopol der USA (mal abgesehen von der Sowjetunion) beherrschen Firmen wie Communications Satellite, Western Union und künftig auch die IBM-Tochter SBS und Argo Systems die Ubertragung per Satellit. Eine internationale Agentur der UNO für Satellitenübertragung, die Intelsat, wird schon sehr bald unter erheblichen Druck kommen. - daß US-amerikanische Unternehmen einen Vorsprung bei der Massenproduktion eines Herzstücks der digitalen Nachrichtenübertragung haben, nämlich bei den digital switches, die in Zukunft die Relais ersetzen werden. Vielleicht nur die schwedische Ericsson, die japanische NEC und die niederländische Philips spielen auf dem Weltmarkt noch eine Rolle.

- daß die US-amerikanischen Datenbanken eine dominierende Stellung innehaben. Zur Zeit kaufen Firmen wie Dun & Bradstreet systematisch europäische Auskunfteien auf (z.B. in der BRD Schimmelpfeng).

Das Aufbrechen des inneramerikanischen Monopols der ATT wird diesen Vorsprung bei der Massenproduktion noch ausweiten. ATT selber wird als größter Hersteller die sich abzeichnende weltweite Schlacht um Marktanteile gegen japanische, englische, französische, schwedische und bundesdeutsche Firmen an vorderster Stelle mitmachen. Dazu wurde 1983 durch Kooperation mit Philips und seinem riesigen weltweiten Vertriebsnetz die Voraussetzung geschaffen. Die fehlende Brücke zur Bürotechnologie wurde 1984 durch die Kooperation mit Olivetti geschlagen. Und diese Schlacht wird teuer. Denn in den USA, Frankreich und Japan werden nach einer UNO-Studie jährlich 9 % des Bruttosozialprodukts in die Kommunikationsindustrie investiert! „Keine Gesellschaft kann es sich leisten, eine Vermittlungsanlage zu entwickeln ohne Exportmärkte." So sagt es John Guilfoyle, Präsident von ITT Telecommunications. Das liest sich wie eine Kriegserklärung an die nationalen Fernsprechmonopole Europas und Japans und ist auch eine. Die Telekommunikationsfirmen wollen auf der Welle der technologischen Revolution und drastischen Verbilligung reiten und die Fernsprechmonopole darunter begraben. Besonders laut tönen die, die glauben, einen Vorsprung zu haben. Dabei ist schon heute klar, - daß im Verlauf der technologischen Umwälzung weltweit mit verschärfter Konkurrenz und mit dem Bankrott von sehr großen Firmen zu rechnen ist.

daß besonders auf die europäischen Hersteller zumindest eine Umstellung zukommen dürfte: Ihre staatlich garantierten Mono-

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polgewinne als Zulieferer zum Beispiel der Bundespost dürften in Gefahr kommen.

- daß damit ein Angriff auf den Lebensstandard und die Arbeits. plätze der Kolleginnen und Kollegen bei den Fernsprechmonopolen in Westeuropa und Japan droht.

- daß nicht unbedingt für den Fernsprechteilnehmer gut ist, was für die Hersteller und die Börse gut ist. Wenn der kapitalistischen Anarchie freier Lauf gelassen wird, ist mit einer babylonischen Verwirrung der technologischen Standards, krassen Ungleichgewichten und gigantischer Verschwendung (z.B. von Steuermitteln) zu rechnen. Einem Gesetzentwurt der Kegierung 1 hatcher wurd vom Oberhaus im Februar 1984 gegen den Willen der Regieruns eine Klausel angefügt, die die Unterversorgung der ländlichen Gebiete nach der Privatisierung des britischen Fernsprechmono pols British Telecom verhindern soll!

- daß wir im Verlauf dieser technologischen Revolution vor riesigen Konfrontationen zwischen Arbeit und Kapital stehen, die darüber entscheiden werden. ob es so kommen wird, wie es von den Strategen in den Firmenspitzen gedacht wird.

All diese Entwicklunen lassen sich schon in den USA nachzeichnen. Das macht es so interessant, sich die Entwicklung dort genau zu Mit der Zerschlagung des Monopols über die Fernsprechkommunikation in den USA wird der Weg für andere Telekommunikationsfirmen frei, ihre Produkte und Technologie den Telefonfirmen anzubieten. Das ist es aber nicht allein. Denn die neuen Technologien, die von den Firmen eingeführt werden, um einen Marktanteil zu ergattern in dem plötzlich „offenen" Markt, lassen eine strenge Unterscheidung von Fernsehübertragung, Datenübertragung und Fernsprechübertragung nicht mehr zu. Im Gegensatz zu den alten Kupferkabeln kann mit Glasfaserkabeln, Mikrowellen und Satelliten alles in einem Kommunikationsnetz übertragen werden. Und zwar mit erheblich höherer Geschwindigkeit und Übertragungsqualität.

Das zu erwartende Ausmaß der Firmenpleiten ist nur mit der sich abzeichnenden Krise im Automobilbau und mit der weltweiten Stahlkrise zu vergleichen.

Wenn es im Moment noch hier eine babylonische Verwirrung von verschiedenen Standards und Übertragungstechniken gibt, so ist doch zu erwarten, daß alles seinen kapitalistischen Gang geht. Erstens wird am Ende dieses Wettlaufseine kleinere Zahl von neuen Monopolen auf der Basis von neuen kapitalintensiveren Technologien als Sieger" teststehen. Zweitens wird eine enorme Kapitalver dichtung stattfinden. Das zu erwartende Ausmals der Firmenpleiten ist nur mit der sich abzeichnenden Krise im Automobilbau und mit der weltweiten Stahlkrise zu vergleichen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Im real existierenden Kapitalismus wird diese Entwicklung nicht gleichmäßig, vernünftig und geplant vor sich gehen, sondern von chaotischer Konkurrenz der Anbieter und Betreiber verschiedener Telekommunikationssysteme und Netze untereinander geprägt sein. Nehmen wir das Beispiel der Fernsprechkommunikation, um dies zu verdeutlichen. Bis zum 1. Januar 1984 hatte ATT ein fast lückenloses lokales, regionales und nationales Monopol für Betrieb, Produktion und Normung im US-Fernsprechverkehr. Seit Beginn des Jahres 1984 ist das anders. Seitdem betreiben sieben Regionalgesellschaften das Kupferkabelnetz und erreichen damit praktisch jeden Haushalt. ATT ist für die überregionale Fernsprechvermittlung zuständig. Doch zumindest auf lukrativen Teilmärkten gerät ATT dort unter Druck. Denn durch Satellitenübertragung und Mikrowellenrichtfunkstrecken werden die Kosten für die Errichtung eines neuen Netzes enorm gesenkt. Zunächst picken sich GTE, MCI, Argo Systems, SBS die Rosinen aus dem Telefonkuchen. Das sind vor allem Großkunden, aber zweitens auch stark frequentierte Teletonverbindungen.- Die flächendeckende Versorgung mit Telefondienstleistungen wird weiterhin ATT „überlassen". Die ganz große Auseinandersetzung wird aber sehr wahrscheinlich zwischen den beiden kapitalstärksten Konkurrenten sich abspielen, und das sind IBM und ATT.

ATT beherrscht nach wie vor den Telefonverkehr mit einem Marktanteil von ca. 94-% und kann seit dem 1. Januar 1984 auch Computer verkaufen, was ihnen seit einem Vergleich mit / BM 1956 verwehrt war. Wie wir gesehen haben, hat sich ATT durch die Kooperation mit Philips und Olivetti schon ein internationales Verkaufsnetz und das Sprungbrett in die Büroautomation besorgt. IBM beherrscht etwa 76 % des Computerweltmarkts und mischt in den USA über Satellite Business Systems (SBS, ein Drittel gehört Actna Life Co.) in der Telekommunikation mit. Das Investitionstempo der letzten Jahre war so hoch bei SBS, daß der ursprüngliche Dritte im Bunde, Satellitenfirma Communication Satellite die Puste ausging und er ausstieg. SBS bietet drei verschiedene Dienstleistungen auf der Basis einer Übertragungstechnologie an, nämlich per Satellit:

2) private Kommunikationsnetze für Firmen (wie Merrill Lynch und 7BM selbst) inklusive Datentransfer; 3) auf Satellitentibertragung basierenden Telefonservice fu ) auf Satellitenübertragung Haushalte und kleine Unternehmen (SBS Skyline). Allein durch diese Aufzählung wird schon deutlich, wo und wie bei SBS das Geschäft gemacht wird: Die besten Kuchenstücke werden herausgeschnitten. Das sind die Großabnehmer, die profitablen Langstrecken und die Datenübertragung. Und Digitalisierung, Satelliten und Mikrowellentechnik erlauben enorme Verbilligungen. Was im Himmel ausgegeben wird (ein Satellitenstart kostet etwa 100 Mio. Dollar), wird auf der Erde (an Verkabelung) eingespart.

Heute ist es natürlich immer noch so, daß die Masse der US-amerikanischen Haushalte am alten Kupferkabelnetz hängt, sodaß irgendwo Schnittstellen zwischen dem Netz von ATT, den Regionalgesellschaften und den alternativen Fernsprechanbietern wie MCI. GTE usw. sein müssen. Die Höhe der Gebühren, die A7 7 für Telefonfernverbindungen den alternativen Anbietern berechnet, können für diese Firmen Gedeih und Verderb bedeuten, sie sind als bewußte politische Entscheidung der Aufsichtsbehörde FCC zu betrachten. Für die Fernsprechverbindungen hat das bisherige Netz ausgereicht. Das Netz ist im Gegensatz zu Europa und Tapan schon seit den sechziger Jahren auf dem Bell-Standard digitalişiert. Durch die Notwendigkeit von noch schnelleren Kommunikationswegen für die Computer, das enorm anschwellende Volumen des Datentransfers und nicht zu vergessen durch die Versuche von verschiedenen Firmen, auf diesem Markt die eigenen technischen Standards durchzusetzen, sind dieser Markt und benachbarte Märkte (Terminals, elektronische Briefübermittlung, Kurierservies) gegenwärtig von einem mörderischen Konkurrenzkampt ge prägt. urch die deregulation des Kommunikationsmarkts wir diese Konkurrenz noch gefördert. Und das ist auch gewollt. Ian M. Ross, Präsident von Bell Telephone Laboratories, dem Forschungsarm von A71, umreißt die Aufgabe dieser riesigen Ideenfabrik so: „Bell Labs ist dafür da, ATT die Technik zu verschaffen, um eine führende Rolle auf dem Weltmarkt für Informationssysteme zu spielen." Mit der Aufhabung der Restriktionen, die durch Antitrustverfahren und Gesetzgebung bis 1982 IBM und ATT auferlegt waren, wurde eine politisch gewollte Offensive beider Firmen auf dem Weltmarkt in diesen Schlüsselindustrien eingeleitet. Großes Plus neben der gewaltigen Kapitalkraft (Börsenkapitalisierung von IBM ca. 65 Mrd. Dollar), der absoluten Monopolstellung usw. ist für ATT, IBM die Tatsache, daß der US-Markt der grölste zusammenhängende Markt der Welt ist und die nötige Großserienfertigung für diese Offensive erst möglich macht. Durch die viel höhere Effizienz der großen Serien könnten dann europäische und japanische Konkurrenten aus dem Felde geschlagen werden. Dieser Angriff ist umfassend. Das Kapital schert sich wenig um Ländergrenzen, es sei denn, durch Protektionismus (Zollschranken) lassen sich gefährdete Profitraten und Absatzmärkte stützen. Doch gerade die Telekommunikationsmärkte zeigen die langtristige Tendenz zur Zentralisierung besonders sinnfällig Nehmen wir das Beispiel der Telefonvermittlung. Gesellschaften wie Siemens, ITT und Ericsson bauen seit den zwanziger Jahren nicht nur Telefonanlagen, sondern besallen und besitzen auch in vielen Ländern der Erde eigene Telefonnetze. Zudem kontrollierten sie bis in die sechziger jahre fast vollständig die transkontinenta-

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len Telefonkabel. Angesichts solch gewaltiger Investitionen in fremden Ländern und deren Infrastrukturen entwickelten diese Konzerne ein besonders stark ausgeprägtes „Schutzbedürfnis". Was heilst, sie standen teilweise in vorderster Front, wenn es um die Bekämpfung von für sie bedrohlichen politischen Entwicklungen ging. Im Falle der /TT war das 1973 bekanntlich in Chile so. ITT schwenkte auch erst 1942 in das „richtige" Lager der Gewinner des Zweiten Weltkriegs um. Vorher hatte die deutsche ITT-Tochter Standard Elektrik Lorenz Hitler beim Polen-Feldzug geholfen. Dafür wurden die ITT-Ableger in Ungarn, Österreich und Deutschland zu deutschen Unternehmen erklärt und gerieten damit nicht unter die Kontrolle der deutschen Regierung wie viele andere Unternehmen, die von feindlichen Ländern aus gelenkt worden waren. ITT-Chef Sosthenes Behn führte während des Krieges mehrere Unterredungen mit Göring. Strategie der /TT war es mindestens seit Beginn der dreißiger Jahre, die Tatsache, daß die jeweiligen Töchter von einer in den USA beheimateten Gesellschaft kontrolliert wurden, systematisch zu verhüllen. Zu diesem Zweck wurden oft Beteiligungen am Kapital der Tochtergesellschaften anderen, in dem jeweiligen Land beheimateten Firmen eingeräumt. Diese starke nationalstaatliche Einbindung wird mit der neuen Technik zunehmend aufgehoben. Die grenzüberschreitende, universale Tendenz des Kapitals läßt es in den Weltraum vorstoßen. Satelliten und Raketentechnik sind die Mittel zum Zweck. In der Grenzenlosigkeit des Weltalls wird aufgehoben, was es an nationalstaatlichen, wettbewerbsrechtlichen, renditemäßigen und technologischen Beschränkungen gibt. Und dennoch gibt es Grenzen. Einmal ist das Weltall für kommerzielle Zwecke nicht grenzenlos. Denn in der erdnahen Orbitalposition am Äquator wird es allmählich eng, so viele Satelliten wurden in den letzten 20 Jahren dort „geparkt". Zweitens gibt es inzwischen Überkapazitäten in der Satellitenübertragung (transponder).

Trotz diesen Überkapazitäten wird die Zahl der Kommerzsatelliten nach Schätzungen einer amerikanischen Beratungsfirma von unter 20 auf schätzungsweise 40 im Jahre 1987 steigen. Denn es handelt sich wohl um nicht mehr als eine Ungleichmäßigkeit in der Entwicklung eines kapitalistischen Wachstumsmarkts. Die Satellitenübertragung von Sprache in digitalen Signalen ist äußerst lukrativ für Firmen wie American Telephone, RCA, Western Union, SBS, US Satellite Systems und American Satellite. Die Überkapazitäten werden wohl zur Folge haben, daß die Preise für Satellitenübertragung ins Purzeln kommen. Damit wird es noch billiger, per Satellit das rapide steigende Volumen der weltweiten Datenübertragung zu bewältigen. Die Datenübertragung ist ja im Moment der Engpaß der Computertechnik, wie wir gesehen haben. Dementsprechend viel Kapital wird in der Erwartung, sich daran goldene Nasen zu verdienen, in die Kommunikationstechnik hineingesteckt. Die Reagan-Regierung ist sehr hilfreich dabei, die Beschränkungen der Kokurrenz aus der Zeit der alten Telefonmonopole niederzureißen („deregulation"). Mit den Entscheidungen von Ende 1984, a) es „jedermann" zu erlauben, Erdstationen für Satellitenübertrazung zu betreiben, b) Comsat seine Monopolstellung für die US A in der Satellitenüber tragung via Intelsat zu entreißen, wird die internationale Kommunikation in einen mörderischen Konkurrenzkampf einbezogen. Der Verlierer steht schon heute fest. Das wird Intelsat sein, eine supranationale Organisation, der 109 Staaten angeschlossen sind und die bisher die Satellitenkommunikation als eine Art Post im Weltraum verwaltete. Sie garantiert ein Mindestmaß an flächendeckender Dienstleistung. Für die Zukunft steht zu erwarten, daß Intelsat unter massiven finanziellen und politischen Druck kommt. Einmal werden sich Firmen die lukrativsten Kommunikationswege unter den Nagel reißen, wie das US Satellite Systems und American Satellite auf der Transatlantikroute schon gegenwärtig vorexerzieren. Für die Dritte Welt dürften Gebührenerhöhungen durch Intelsat ins Haus stehen, denn die Auslastung von Intelsat dürfte im Gefolge dieser Entwicklung sinken. Für die Dritte Welt besteht die reale Gefahr, daß die Kommunikation immer mehr auf die Länder der Ersten Welt konzentriert wird und sie von wichtigen Kommunikationswegen einfach abgeknipst wird. Umgekehrt ist für die US-amerikanischen Kommunikationskonzerne die Jagd auf die zwei Drittel Marktanteile, die Intelsat bisher an der weltweiten Telefon- und TV-Übertragung hatte, die fette Beute und ein wichtiger Brückenkopf in der Schlacht um die Kommunikations- und Computermärkte.

If you can't beat them, join them! Mit diesem Motto aus der amerikanischen Verbrecherwelt könnte man die Reaktion der Re gierungen in Europa und Japan umschreiben. Für die meisten geht es um die Aufholjagd gegenüber den US-amerikanischen Konkurrenten. Das US-Monopol in der Weltraumfahrt ist kaum angeta stet. In der Digitalisierung der Fernsprechnetze und in der Umstel lung auf die schnellere Glasfaserübeertragung betragen die Rückstände gegenüber den USA teilweise 20 Jahre. Für jeden Meter Glasfaserkabel kassiert weltweit Corning Glass. (Allerdings wird dieses Patentmonopol seit zwei Jahren von Sumitomo streitig gemacht.)

Die Regierungen mancher europäischer Länder (z.B. Großbritanniens) und Japans haben die Fernsprechmonopole teilweise privatisiert. Damit wurde der Markt in diesen Ländern für Endgeräte und Übertragungsmedien für die internationale Konkurrenz teilweise geöffnet. Zum Teil reflektiert dieser Schritt aber auch eine relative Stärke von englischen (Plessey, Racal, GEC) und japanischen (NEC, Fujitsu, Hitachi) Kommunikationskonzernen. Ahnlich wie Philips hat Plessey schon Verbündete in Amerika gefunden (Scientific Atlanta), um die sich anbahnende Schlacht auf den Telekommunikationsmärkten überstehen zu können. Diese Entwicklung trifft natürlich die Postbehörden und Kommunikationsindustrien anderer westeuropäischer Länder, so die Bundesrepublik. Dr. Gert Lorenz, Vorstandsvorsitzender der zum Philips-Konzern gehörenden Philips Kommunikations-Industrie AG, sagt es so:

_Die zunehmende Verknüpfung von Bürokommunikation und Telekommunikation erfordert zwangsläufig ein Zusammenwachsen von Informations- und Nachrichtentechnik. Der Trend zu Koopera tion zwischen betroffenen Unternehmen wird sich in Zukunft noch verstärken. Selbst Weltunternehmen sind nicht mehr in der Lage, den Bereich der Kommunikationstechnik in seiner ganzen Breite abzu decken. Internationale Kooperationen werden die weitere Entwicklung der Kommunikationstechnik kennzeichnen. * Eine zweite Tendenz ist die eher noch wachsende Bedeutung des Staates als direkter Garant der Profite der entscheidenden Schichten des „nationalen" Großkapitals. Die gigantische Aufrüstung der letzten Jahre in den USA und Europa ist ein Beispiel, die Investitionswelle in der Kommunikationsindustrie ein anderes. Die zuständige EG-Kommission schätzt das Investitionsvolumen für neue Kommunikationsmittel allein in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft auf 450 Mrd. DM in den nächsten zehn Jahren. Sie rechnet damit, daß die Informations- und Kommunikationstechnik bis 1990 den Kraftfahrzeugbereich überflügelt und damit zum bedeutendsten Wirtschaftszweig der EG wird. Ihr Beitrag zum Bruttosozialprodukt dürfte bis zum Jahr 2000 von heute 3% auf 7 % steigen. Bei aller Vorsicht, mit der solche linearen Vorhersagen bürgerlicher Wirtschaftswissenschaftler zu genießen sind, läßt das Für die Dritte Welt besteht die reale Gefahr, daß sie von wichtigen Kommunikationswegen einfach abgeknipst wird.

Im Falle der Bundesrepublik wird die Perspektive vom obengenannten PK/-Chef Lorenz folgendermaßen gesehen: „Die Informations- und Kommunikationstechnik wird... ihre Rolle als überdurchschnittliche Wachstumsbranche behaupten. Der Inlandsmarkt hat ein Volumen von rund 25 Mrd. DM. Für dienächsten Jahre wird mit einer Steigerungsrate von 9 % gerechnet." Den Löwenanteil dieses Marktvolumens bestreitet die Bundespost mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Mrd. DM im Jahre 1984. Das heißt also rund 60 % des gesamten. Lorenz weiter: „Die Wachstumsimpulse kommen zu einem großen Teil aus dem Infrastrukturbereich, aus der Modernisierung des öffentlichen Fernmeldenetzes. Ziel ist es, ein einheitliches Netz für den Austausch von Informationen in Form von Sprache, Daten, Texten und Bildern zu schaffen. Dies ermöglicht die Einführung neuer Informations- und Kommunikationsdienste. Aus der neuen Infrastruktur ergeben sich erhebliche Wachstumsimpulse für den Endgerätemarkt.*

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Dem läßt sich wenig hinzufügen. Vielleicht nur die Tatsache, daß die Forschungsförderung aus dem Staatshaushalt eine immer größere Rolle spielt.

_ Wenn wir auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig bleiben wollen und neue Arbeitsplätze schaffen wollen, dann müssen wir ganz klar das große Innovationspotential, die Wachstumschancen in der Elektronik nutzen." So der Siemes-Lobbyist und Forschungsminister Riesenhuber. Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung einen zweiten Fünfjahresplan für die Forschungsförderung über ca. 3 Mrd. DM aufgelegt. Mit dem ersten 4 Mrd.-Programm der Jahre 1974-79 wurden nicht allzu viele Erfolge erzielt. Die Subventionen aus dem jetzt anlaufenden zweiten Programm sollen vor allem die angewandte Forschung für integrierte Schalt kreise, Datenverarbeitung, Telekommunikation und industrielle Automation fördern. Dabei wurden 22 Firmen, Industrieverbände und Spezialisten an der Planung beteiligt, darunter Nixdorf, Triumph-Adler, AEG, Krupp, Bosch, Siemens. Gewerkschaften wurden natürlich nicht befragt. Interessant dabei ist im Unterschied zum ersten Programm, dal die Gesellschaften selber ihre Forschungsprojekte wählen können und nicht wie im ersten Pro gramm noch sich an den offiziellen Forschungsprojekten des Ministeriums zu orientieren haben. Die Forschung wird für die Firmen um die Hälfte billiger, denn bis zu 50 % werden aus Steuermitteln bezahlt.

So drückt sich Herr Nixdorf aus: „Großes Gewicht haben wir darauf gelegt, daß Staatsbetriebe wie die Bundespost, die Bundesbahn und die Bundeswehr mehr auf die Beschaffung von innovativen Technologien orientiert werden."

Nach den Äußerungen von Minister Riesenhuber ist nicht anzunehmen, daß es allzu viel Fingerhakeln mit seinen Kollegen von der Industrie gegeben haben dürfte. Jedenfalls lief es relativ geräuschlos ab und war in keiner Weise mit dem Hin und Her zu vergleichen, das es um die Subventionierung der Stahlkonzerne und die Lohnkürzungen für die Kollgen von ARBED gibt.

Robotertechnologie braucht auch nicht mehr als „Humanisierung der Arbeitswelt" verkauft zu werden, wie noch zu sozialliberalen Zeiten es schamhaft hieß. Im Gegenteil, der Bundespostminister Schwarz-Schilling und seine Familie sind an vorderster Front an der Verkabelung der Computerwelt beteiligt.

Die Bundespost hat immer noch eine sehr weitgehende und gesetzlich geschützte Kontrolle über die Normen und Systeme, die in der Telekommunikation in der BRD verwendet werden dürfen. Das unterscheidet die Situation hier von der in den USA. Dort werden völlig neue Systeme über Nacht aus dem Boden gestampft, die dann ihre Dienste an möglichst alle Kunden zu verkaufen suchen. Die große Frage ist natürlich, wer alle diese neuen Errungenschatten wirklich braucht. Fernsprechen ist eben etwas anderes als Nahrungsmittel und Benzin, und das einzige Argument können für den Privatmann oder die Privatfrau die im Vergleich zu ATT billigeren Preise sein. Auch bei der Datenübertragung für Computer fragt sich, wie grois der Bedart wirklich ist. Zusammengefalt ist es ein ein risikoreiches und kapitalintensives Geschäft für die neuen Firmen, die mit neuen Technologien ATT und den sieben Regionalgesellschaften Konkurrenz zu machen versuchen. Das heißt natür ich noch lange nicht, dais sich diese Technologien nicht auf längere Sicht durchsetzen könnten. Aber bis dahin gibt es wahrscheinlich noch eine Menge Konkurse und Fusionen.

Das ist in der Bundesrepublik noch anders. Durch die Normierung durch die Bundespost wird eine babylonische Sprachverwirrung der unterschiedlichen Systeme vermieden. Die Post tritt als praktisch einziger Anbieter von diesen Dienstleistungen auf unc stimmt die Struktur der Preise. Gegenwärtig versucht sie, über die Verteuerung des Briefportos die elektronische Übermittlungzu fördern und die Investitionskosten hereinzuholen. Sie tritt praktisch als einziger Einkäufer von Telekommunikationssystemen auf, was beispielsweise Siemens immer gut bekommen ist. Die Bundespost trägt das Geschäftsrisiko. Die Firmen, die die Bundespost auftragt oder von denen sie kauft, führen ein parasitäres Dasein und mästen sich am Gebührenaufkommen der Bundespostkunden. Das verhindert natürlich keine Fehlinvestitionen und Fehlgriffe. Als solcher läßt sich beispielsweise der CEPT-Standard beim Bildschirmtext schon heute bezeichnen, oder die 20 Milliarden-Pleite der Kupferverkabelung für das Kabelfernsehen. Viele weitere Planungen lassen sich nur als gewaltige Spekulationen begreifen. Letzten Endes endet die Macht der Bundespost an den Landesgrenzen und kommt durch neue Techniken immer stärker unter den Druck des „Weltmarkts". BTX/CEPT wird nicht lange als Insel in Europa überleben. Mal ganz davon abgesehen, daß es wohl nicht mehr ist als ine teure, aber politisch gewollte Einstiegsdroge auf dem Wegzun SDN, zum _universellen dienstintegrierten Fernmeldenetz Entscheidend ist, daß nicht die Aktionäre diese Fehlentwicklung bezahlen, sondern die Masse der Postbenutzer. Zweitens hat die Bundespost eine Pilotfunktion, die Franz Arnold, ehemals Verantwortlicher im Bundespostministerium, heute bei SCS angestellt, so zusammenfaßt: Kein Privater forscht und entwickelt an Geräten oder an erforderlichen Bauteilen, solange das Kabel noch nicht einmal in der Erde liegt. " Wie einst beim Telefon müsse das Kabel verlegt werden, ohne gleich Anschlüsse vermelden zu können. Von Unternehmerrisiko keine Spur!

International (Großbritannien, Japan, USA usw.) geht der Trend dahin, daß die Postbehörden die sehr teuren Kabelnetze unter ihren Fittichen behalten, während der Endgerätemarkt für eine Fülle von Firmen geöffnet wird. Und dieses natürlich auch mit massivem politischem, wirtschaftlichem und technischen Druck. Je nach Interessenlage wird dann mit ideologischer Verbrämung von den verschiedenen Firmen ins Horn geblasen. Ein Beispiel ist die Auseinandersetzung über die Rolle der Bundespost bei der Einführung des schnurlosen Telefons Ende 1984. In dieser Debatte wurde deutlich, daß Postminister Schwarz-Schilling in diesen Fragen nicht viel mehr als eine Schiedsrichterrolle hat. In dieser Auseinandersetzung verhielten sich die Haus- und Hoflieferanten der Post wie Siemens und SEL bemerkenswert ruhig.

post beauftragt, führen ein Die Firmen, die die Bundesparasitäres Dasein und mästen sich am Gebührenaufkommen der Bundespostkunden.

Überhaupt wird selten mit offenem Visier gefochten. Vieles wird so sehr ideologisch verpackt, daß die Zielrichtung des Arguments für den Laien nicht ohne weiteres erkennbar ist. Vorzue&weise geschieht es unter Ausschluß der Öffentlichkeit, kann man vermuten. Bisweilen müssen auch glatte Lügen herhalten, um Politik zu machen. nur ein Beispiel ist die Mär von der Verlustquelle Post, und dabei besonders die „gelbe Post".

Daß in Verbindung mit dem öffentlichen Rundfunk und dem öffentlichen Fernsehen jetzt allem Anschein nach die Bundespost von der Kohl-Regierung aufs Korn genommen wird, wird auch dem durchschnittlichen Zeitungsleser langsam klar. Wenn beispielsweise ein Brief, der heute für 80 Pfennig in einem Tagam Bestimmungsort ankommt, in Zukunft nur noch für 1,60 DM das schafft, dann ist das kein Fortschritt. Soll damit die elektronische Übermittlung vom Preis her attraktiver gemacht werden oder sollen Briefschreiber wie Du und ich die teuren Glasfasernetze bezahlen? In die gleiche Richtung geht, daß in Zukunft keine Nachtleerungen gemacht werden sollen. Es gibt noch weitergehende Pläne, nach denen Briefträger eingespart werden sollen und jeder die Post an zentralen Stellen abholen soll. Ein Fortschritt? Wahrscheinlich nur für private Paketdienste wie UPS und private Kurierfirmen, die sich vor allem an die Großversender wenden und so die Rosinen aus dem Postkuchen holen.

Wir können nicht genug betonen: es gibt keine Trennung der Medien mehr, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. Die Entwicklung der Fernsprechdienste, der Briefzustellung, des Rundfunks und des Fernsehens sowie der Computerkommunikation soll einen gemeinsamen Nenner haben: die elektronische Übermittlung per Glasfaserkabel, Satellit oder Richtfunkstrecken. Die Bundespost bietet seit einiger Zeit verschiedene elektronische Systeme an, die sich an unterschiedliche Interessenten wenden und (noch) unterschiedliche technische Standards besitzen. Sehr wahrscheinlich werden sich die technischen Abgrenzungen über kurz oder lang verwischen, denn mit der allgemeinen Verbreitung der Glasfasertechnologien fallen die Kapazitätsprobleme und Qualitätsunterschiede zwischen Fernsprechnetzen, Computernetzen und Fernsehkupferkabeln weg.

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Heute wird der Einstieg in diese Zukunft mit Milliardenaufwand vorbereitet:

1. DATEX L und DATEX P ist der Einstieg in die Computerkommunikation vor allem zwischen Großcomputern.

2. Telex, Telefax, Teletex ist der Einstieg in das papierlose Büro. Täglich werden 20 Millionen Geschäftsbriefe geschrieben. Durch den Einsatz von Fernschreibern (Telex), Fernkopierern (Telefax) und von miteinander kommunizierenden Schreibmaschinen (Teletex) wird im Büro aufgeräumt und die Briefzustellung verbilligt. Allerdings sind die Anschlußkosten für Teletex zunächst relativ hoch (10000 bis 15000 DM), sodaß nur in großen Schreibbüros von Behörden, Banken und Versicherungen solche Geräte stehen oder in nächster Zeit zu stehen kommen. Die Bundespost schätzt, daß durch den Einsatz von Telex, Telefax und Teletex das Volumen der Geschäftsbriefe auf ca. 8 Millionen täglich absinken wird (siehe K. Schinke, Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, Teletex - ein neuer internationaler Fernmeldedienst für die Telekommunikation, online 80, 4.-6.2.1980).

3. Bildschirmtext BTX ist der Einstieg des kleinen Mannes oder des kleinen Betriebs, für den die bisherige Datenfernverarbeitung unwirtschaftlich wäre. BTX wird an das Fernsprechnetz angeschlossen und kann damit fast jeden bundesdeutschen Haushalt erreichen. Aber es kann nicht nur der Fernseher angeschlossen werden, sondern auch andere Peripheriegeräte wie Speicherplatten, Kassettenrecorder, Drucker usw. Allgemein gesagt kann BTX als sehr preiswertes (zum Telefonortstarif) Abfragesystem bezeichnet werden. Damit ist es aber zu weit mehr fähig als bloß zur Kontoabfrage vom Sofa aus oder zum Einkaufsbummel vor dem Fernseher. Die kommerzielle Nutzung zum Beispiel für Außendiensmitarbeiter von Versicherungen, die damit Zugriff auf zentrale Datenbanken bekommen, oder für Händler, die sich über den Lagerbestand beim Großhändler per TX informieren können, schiebt sich immer mehr in den Vordergrund.

BTX kann auch ohne Benutzung des Post-BTX-Rechners für inhouse-Netze verwendet werden, und zwar zu Leitungskosten im Sonderangebot. Beispielsweise können so Supermarktketten per Telefonanschluß vernetzt und verdatet werden. Das bedeutet, daís die Umstellung der Buchhaltung und des Einkaufs auf Computer auch bei kleineren Ketten beschleunigt und verbillgt wird. So wird die Bundespost zur Rationalisierungslokomotive im Einzelhandel. Technologische Grenzen werden allerdings durch die vergleichsweise langsame Übertragungsgeschwindigkeit gesetzt (maximal 1200 bits pro Sekunde).

Etwas anders sieht es aus, wenn BTX zur Kommunikation zwischen Computern (Dialogverkehr) benutzt werden soll. Hier sind zur Zeit noch die Kosten für die zusätzlichen decoder oft unverhältnismäßig hoch. Doch ohne Zweifel ist die Entwicklung von dezentraler Intelligenz zum Beispiel mit den neuen Personalcomputern per BTX mit einer explosionsartigen Ausweitung von Rationalisierungsmöglichkeiten verbunden. Gerade hier liegen aber noch technische Grenzen für BTX, und auf dem Weltmarkt ist die Durchsetzung des Standards für die dezentrale Computerkommunikation äußerst hart umkämpft. Technisch scheint ATT mit dem UNIX-System die Nase vorn zu haben. Die europäischen Hersteller haben sich kartellartig auf einen Standard geeinigt, wobei unklar ist, ob dieser Damm den kommenden Ansturm amerikanischer Personalcomputer wird aushalten können.

Ein Sytem, das relativ weit verbreitet ist, ist das Ethernet von Xerox. Etwa 100 Gesellschaften in den USA arbeiten mit diesem Standard, und die Wirkung der anlaufenden Massenproduktion nach Ethernet-Standard macht sich bereits als Preisverfall bemerkbar. Seit Ende 1980 ist der Preis für einen Terminalanschluß von etwa 4900 $ auf 750 S gefallen. IBM hat erst Anfang 1984 die ersten Teile seines Standards vorgestellt. Das ist recht spät, aber die absolut dominierende Position von /BM mag auch hier das Rennen um den Standard für Bürocomputernetze entscheiden. 4. Bigfon ist seit 1984 in der Erprobung. Wie es so schön heißt, „zur Förderung der technologischen Entwicklung" hat die Bundespost 1981 an mehrere Fernmeldeunternehmen Aufträge zur Realisierung von Bigfon-Versuchsnetzen in sieben deutschen Städten vergeben. Bis 1986 sollen diese Systeme erprobt werden. Erprobt werden soll, wie per Glasfaser Telefon, Rundfunk, Fernsehen, schnelle Datenübertragung und als Neuheit das Bildfernsprechen mit einem einzigen Kabel möglich wird. Die Übertragungskapazität reicht bis 64 Kilobit pro Sekunde im Vergleich zu 2,4 Kilobit pro Sekunde bei Die Zahl der Postämter ging zwischen 1974 und 1982 von 21 477 auf 17717 zurück.

Seit Anfang des Jahres finden praktisch keine Nachtleerungen mehr statt.

Teletex. Also ideal für die Vernetzung von Computern. Bis Ende des Jahrhunderts soll die Bundesrepublik komplett auf dieses Netz umgestellt sein. Vermutlich werden Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller die Kosten des technischen Fortschritts auch in der Computerkommunikation direkt auf ihrer Telefonrechnung stehen haben.

_Der Sachverständigenrat hat wiederholt betont, daß die Chance für einen langen Aufschwung nur genutzt werden kann, wenn die Wirtschaft und speziell das Eigenkapital entlastet wird. Dafür wären Steuerverzichte von acht bis zehn Milliarden Mark nötig. Die Privatisierung der Bundespost allein würde nahezu ausreichen, um die Revitalisierung der deutschen Wirtschaft zu finanzieren. Das tut außer der Postgewerkschaft — niemandem weh. Die Kunden können obendrein mit einer leistungsfähigeren Post rechnen. In der Bundesrepublik sollte man wenigstens zu denken wagen, was in anderen Industrieländern schon getan wurde oder getan wird: der Mischkonzern Post sollte entflochten und privatisiert werden." (Wolfram Engels, Herausgeber der Wirtschaftswoche, Ausgabe vom 15.2.1985).

Das große Vorbild heißt Margaret Thatcher. Sie verscherbelte im November 1984 die Kronjuwele British Telecom für 14,5 Milliarden Mark an der Börse. Sie machte einen billigen Preis, ein faires Angebot für jeden Spekulanten. Heute steht der Kurs rund 50% höher als bei der Emission. Ziel der Operation ist erstens die Sanierung des arg gebeutelten Staatshaushalts, zweitens die Off nung des Endgerätemarkts für die Industrie und freie Bahn für neue Kommunikationsnetze, drittens politische Schützenhilfe für einen drastischen Arbeitsplatzabbau, der in den nächsten drei Jahren mindestens 15 000 Kolleginnen und Kollegen den Job kosten wird. Manche würden sich jetzt fragen: „Schön und gut, aber das kann doch hier nicht passieren!" Weit gefehlt, die Vorbereitungen lau fen schon. Eine Überschrift in der FAZ vom 17. November lautete „FDP fordert Postmonopol in die Schranke". Doch es sind nicht nur Sprüche, die sie machen. Der weniger profitable Bereich der Bundespost, die «gelbe Post", die mit der Brief- und Paketzustellung beschäftigt ist, wird mit Kahlschlagpolitik rationalisiert. Die Zahl der Postämter ging zwischen 1974 und 1982 von 21 477 auf 17 717 zurück. Seit Anfang dieses Jahres finden praktisch keine Nachtleerungen mehr statt. Jetzt wollen sie so weit gehen, daß die Briefe nicht mehr vom Briefträger zugestellt werden, sondern daß jeder sich seine Post selber beim Postamt abholen soll. Diese Kahlschlagpolitik hinterläßt Lücken im Dienstleistungsangebot der Post, in die private Kurierdienste hineinstolsen, allerdings auch wiederum vor allem für die Großkunden, wo die flächendeckende Verteilung und Zustellung entfällt.

Vom Postministerium wird immer wieder behauptet, daß die Briefzustellung stark defizitär sei. Diese Zahlen sind aber sehr mit Vorsicht zu genießen. Beispielsweise wird in die Gewinn- und Verlustrechnung der Post auch eine „Verzinsung des Kapitals" eingerechnet. Je nachdem wie hoch man die Verzinsung ansetzt, kann man jede Bilanz in rote Zahlen tauchen. Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) beschäftigt sich zur Zeit mit den Bilanzierungsmethoden der Bundespost. Sie will den Beweis antreten, daß die gelbe Post kein Defizitbetrieb ist. Im Bereich der „grauen Post", also der Fernmeldedienste, sieht es etwas anders aus. Dieser Bereich ist seit ch und je hochprofitabel für den Bund. 1984 wurden fast 3 Mrd. DM vom Fernmeldedienst an die Staatskasse überwiesen (plus 1,5 Mrd. DM aus dem Postdienst).

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Natürlich kann man die Bedeutung der Post nicht nur in solchen Zahlen messen. Kein industrialisiertes Land könnteohne Postdienste auskommen. Aber die Politiker der Regierung Kohl argementieren ständig mit diesen Zahlen, um zu beweisen, wie nötig die Privatinitiative sei. Bei näherem Hinsehen sind diese Zahlen aber Ergebnis handfester Bilanzfälschung. Der Zweck heiligt eben die Mittel.

Die Post- und Fernmeldedienste sind Bestandteil der Infrastruktur. Je billiger und schneller die Dienstleistungen sind, desto geringer schlägt auch dieser Kostenfaktor in der Kalkulation der Firmen zu Buche. Und das ist allemal günstig für die Profite. Wenn die Post nun Milliardengewinne macht, könnten doch theoretisch die Gebülıren gesenkt werden. Das käme Millionen Telefonbenutzern oder Briefeschreibern zugute. Stattdessen investiert sie in neue, dem kapitalistischen Interesse sehr genehme Technik, die die Rationalisierung weiterer Bereiche möglich macht oder beschleunigt. So wird in der grauen Post im Moment auf digitale Vermittlung umgestellt, Glasfaser wird verlegt - und nicht zu vergessen die Milliardenpleite der TV-Verkabelung. Das Investitionsvolumen der gesamten Post betrug 1984 etwa 15 Mrd. DM, und ein guter Teil davon wandert in die Fernmeldedienste. 3 Mrd. DM über mehrere Jahre sollten nach Angaben von Schwarz-Schilling die Kosten der TV-Verkabelung betragen; der Bundesrechnungshof geht inzwischen von 13 Mrd. DM aus. Jeder Finanzchef wäre längst gefeuert worden, der sich so etwas leistet, nur Postminister Schwarz-Schilling bleibt in Amt und Würden. Da bleibt nur ein Schluß: das muß Methode haben. Soll mit der völlig unnützen, teuren und technisch mindestens 15 Jahre veralteten Kupferverkabelung die Post in den Ruin getrieben werden, um sie dann umso leichter zu verscherbeln? Handelt es sich dabei um ein Hilfsprogramm für die deutschen Kabelfirmen (Kabelmetal, AEG Rheydt, Siemens), denen es teilweise gar nicht gut ging?

Irgendwann aber werden wie in England die Arbeiten für die Umstellung auf Digitältechnik beendet sein. Spätestens dann werden viele Fernmeldemonteure „überflüssig" sein. Wird dann nach dem englischen Vorbild die Stunde für die Privatisierung und den Angriff auf den „sozialen Besitzstand" der Postlerinnen und Postler schlagen? Noch ein weiteres Detail deutet in diese Richtung Postminister Schwarz-Schilling hat in seinen „Uberlegungen" zur Privatisierung aus dem Beispiel British Telecom den Schluß gezogen, daß es notwendig sein wird, Pensionsrückstellungen zu bilden. Das bedeutet, daß aus diesem Fond die Beamten der Bundesost bei einer Übernahme in eine private Gesellschaft Pensioner bezahlt bekommen. Bisher brauchte die Post dies als ein Unterneh men des Bundes nicht zu tun. Mit den Pensionsrückstellungen wird die Gans gemästet, die dann den Geldsäcken in den Rachen fliegen soll.

Aus einer anderen Ecke melden sich noch andere Interessenten für die Zerschlagung der Post. Das sind die Banken, denen das flächendeckende Netz und die billigen Konten der Postbankdienste ein Dorn im Auge sind. Durch politischen Druck haben die Banken es bisher immer verstanden, den Postgiroämtern die Flügel zu Überziehungslimit von 500 auf 2000 DM zu erhöhen. Bis heute stutzen, beispielsweise 1983-84, als es Pläne der Post gab, das bietet die Post nur ein sehr begrenztes Angebot von Bankdienstleistungen an, obwohl sie ein riesiges Potential besitzt. Immerhin wächst der Anteil des Postgirosystems am gesamten Zahlungsverkehr weiterhin. Würde die Post als Dienstleistungsunternehmen zerschlagen, das verschiedene Dienstleistungen unter einem Dach anbieten kann (Briefe, Pakete, Telefon, Fernschreiber, Bank), würde mit Sicherheit die dann einsetzende Kostenprogression dazu führen, daß noch mehr Postämter geschlossen würden, Breite und Qualität des Angebots zumindest für die breite Masse geschmälert würden sowie eine große Entlassungswelle bevorstünde. Die Privatbanken würden es leichter haben, die Gebühren für ihre Dienstleistungen zu erhöhen. Sie würden durch das bei ihnen wachsende Zahlungsverkehrsvolumen höhere Wertstellungsgewinne kassieren können, und die Investitionen im Zahlungsverkehr würden sich für sie schneller amortisieren. Damit würde vermutlich auch eine neue Runde in der Bankenrationalisierung eingeläutet. Welch ein Fortschritt!

All diese von Finanzministern, Banken und Industrie gewünschten Entwicklungen würden unausweiclich zu einer Konfrontation mit der Deutschen Postgewerkschaft führen. Es scheint, als ob Postminister Schwarz-Schilling diese Konfrontation in seinem Sinne schon vorbereitet. Man denke nur an die gezielten Verbeamtungen bei der Post; bekanntlich dürfen Beamte in dieser Republik nicht streiken. Es läuft also auf eine gezielte Schwächung der DPG hinaus. Außerdem ist der Postminister auf Kommunistenjagd und zieit damit aut die Kampfbereitschaft aller Postkolleginnen und -kollegen. Sie sollen damit diszipliniert und politisch mundtot Das wäre sicherlich auch eine Voraussetzung dafür, den Appetit der Aktionäre auf neue Aktien einer Deutschen Fernmelde AG" oder etwas ähnliches zu stärken. Die drohenden Arbeitsplatzverluste würden klingende Münze in den Taschen einiger weniger Reicher bedeuten. Thatcher kann wirklich nicht unser Vorbild sein. _Entscheidend für Frankfurt ist, daß die Post 1987 bis 1989 die erste Stufe ihres Netzes im Stadtgebiet nahezu flächendeckend ausgebant haben wird. " Er wies „auf bedawerlicherweise anzutreffende emotionsgeladene Einstellungen gegenüber moderner Technik " hin. _ Wer den Einstieg in den Ausstieg probt, wird letztlich das Ende unserer sozialen Ordnung herbeifüibren. " (Walter Wallmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, vor der Industrie- und Handelskammer)

In der gleichen Rede _dankte er nachdrücklich den Gewerkschaftsvorsitzenden von Chemie und Bau, Steine, Erden, Rappe und Karl, für die Deutlichkeit, mit der sie den Ausstieg abgelehnt haben." (FAZ) Wer sagt also, daß Gewerkschafter bei der Verkabelung nicht auch ein Wörtchen mitzureden haben?! Immerhin geht es um eine Technik, die schätzungsweise 50 % der vier Millionen Beschäftigten in den Büros und wohl etwas zeitversetzt auch Millionen in Fabriken arbeitslos machen könnte. Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß schon heute vor allem im Büro mehr als eine Million Menschen direkt mit Computern am Arbeitsplatz konfrontiert sind. Darüberhinaus werden durch neue Technologien Arbeitsinhalte umgestaltet, Arbeitsabläufe formalisiert und langsam computergerecht gemacht.

Situationen, wo die Arbeitge- ber alle Trümpfe in der Hand halten und der „Fortschritt"

über nach über die Beschäftigten hereinbricht und nur lähmendes Entsetzen bleibt.

Wichtig ist jedoch festzuhalten, daß es sich bei dieser technischen Revolution nicht um etwas handelt, was über Nacht über uns hereinbricht. Es stimmt auch einfach nicht, daß durch neue Techniken und Arbeitsabläufe sofort Arbeitsplätze wegfallen. Zunächst fallen durch die Umstellungsarbeiten oft sogar Mehrarbeiten an. Die Arbeiten zum Aufbau einer Datenbank z.B. bei der Allianzversicherung als Vorreiter in der Bundesrepublik werden sich auf Tahrzehnte erstrecken. In vielen Banken laufen schon seit Jahren Bestrebungen, per Knopfdruck sämtliche Informationen über eine Kontoverbindung auf einem Bildschirm erscheinen lassen zu können. Selbst die fortgeschrittensten Systeme haben dieses Ziel noch nicht erreicht. Auch technisch ist noch kein wirklicher Standard für die sogenannten LAN-Systeme (Local Access Network, dezentrale Computernetze) als Voraussetzung für dezentrale Datenverarbeitung und das „papierlose Büro" in Sicht.

Wichtig ist weiterhin festzuhalten, daß ab einem gewissen Stadium mitbestimmungspflichtige Entscheidungen zwangsläufig anfallen. Beispielsweise seien nur der Datenschutz, die Leistungserfassung und Versetzungen genannt. Darüber machen sich die Arbeitgeber auch keine Illusionen mehr. Das Problem liegt vor allem darin, daß die Betriebsräte oft nicht die nötigen EDV-Kenntnisse haben, um wirklich die Programmentwicklung zu kontrollieren und zu beeinflussen. So entstehen Situationen, wo die Arbeitgeber alle Trümpfe in der Hand halten und der „Fortschritt" doch über Nacht über die Beschäftigten hereinbricht und nur lähmendes Entsetzen bleibt. Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, ist es sehr schwer, „überflüssige" Arbeitsplätze und Qualifikationen zu verteidigen.

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Zumindest war es das bisher. In Banken und Versicherungen ! waren es vor allem Arbeitsplätze, die bereits sehr stark formalisiert i waren (Zahlungsverkehr, Dateneingabe usw.). In diesen Bereichen waren oft sehr stark Frauen, Halbtagskräfte und Kranke konzent-: niert. Bisher gab es oft auch noch Umsetzungsmöglichkeiten oder i eine hohe Fluktuation (bei Großbanken 8- 10 % der Belegschaft pro f Jahr), die soziale Folgen für den einzelnen abfederten oder er- DIE LANGEN schwerten, Das wird sich aber mit Sicherheit ändern. Diefortschrei-i KARL MARX tende Rationalisierung wird immer weniger Auswege lassen und ! WELLEN IM

DIE AKTUALITÄT immer „höhere" Qualifikationen in Frage stellen oder entwerten. # KAPITALISMUS

Und zwar zuerst bei den kapitalkräftigsten Anwendern, bei Banken, / SEINES WERKES

Versicherungen und Verwaltungen der Industrie. Die gegenwärtige l Rationalisierungswelle läßt sich auch ganz gut seit zwei Jahren! anhand von Bilanzen von Banken und Versicherungen ersehen. Die ! Bilanzpositionen „Sachausgaben", „Personalausgaben" und die In formationen über den Personalstand sind oft aufschlußreich. Trotz diesem langfristigen Trend muß man aber vor allzu linearem Denken warnen. Beispiele sind nicht schwer zu finden. Denken wir an den BTX-Flop. Per 11. Februar 1985 betrug die Teilnehmerzahl ganze 21 506 statt der von der Bundespost erwarteten 400 000 % ISP am Ende des Jahres 1985. Zur gleichen Zeit gab es rund 3400% ISP

BTX-Anbieter. Die Gründe liegen in den hohen Anschlußkosten, in den Befürchtungen des Handels durch die Bestellsysteme den Banken einen zu tiefen Einblick in die Finanzbuchhaltung zu geben Das Ende der sechziger Ideologen der Anpasund so die Kontrolle zu verlieren, und drittens in der Datensicher. Jahre kennzeichnet in den sung an die Moderichtung heit. In diesem Zusammenhang ist die völlig legale, aber spektakuläkapitalistischen Ländern ider achtziger Jahre und re Abbuchung 135 000 DM bei der Hamburger Sparkasse durch E zugleich das Ende eines Renttäuschte Radikale der neuen wirtschaftlichen „wilden" sechziger Jahre Booms. Die siebziger sind sich einig: Marxist Jahre und der Anfang der passé. Der international achtziger Jahre sind ge bekannte belgische Ökokennzeichnet von ersten inom und revolutionäre größeren internationalen Marxist Ernest Mandel Rezessionen. führt hier den Gegenbe

In dieser Situation wird! weis und präsentiert mit seine wissenschaftliche dieser deutschen Erstver- Diskussion die nach demE öffentlichung einen Mar •Ersten Weltkrieg begon- xismus als humanistische,! inen hatte wiederbelebt.; ¡offene, kritische Theorie! Die Frage der Existenz und als emanzipatorische Planger Wellen im Kapita- Praxis.

ilismus. Mandel liefert in seiner 1 Ernest Mandel führt in Bilanz der ersten hundert dieser wissenschaftlichen Jahre „Marxismus ohne Schrift den empirischen Marx" eine auf Karl Marxe Nachweis der Existenz aufbauende Erklärung der (solcher langen Wellen tiefen, weltweiten Krise Sund stellt diese in ihren politischen Zusammen.

hang. in die UdSSR, DDR und VR China.

136 Seiten, 15,- DM

ISBN 3-88332-072-21 196 Seiten, 18,- DM Dieser Text ist ein Exposézu einer umfassenderen ISBN 3-88332-071-4 Broschüre über die Entwicklung in der Telekommunikation, die demnächst im isp-Verlag er- Liebe Abonnentinnen und Abonnenten!

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