Die LCR führte auf nationaler Ebene gisten zu wählen. Das heißt, sie wandten mit einer anderen trotzkistischen Gruppe, sich einer vageren, weniger politischen Al- Lutte Ouvrière, eine gemeinsame Wahl- ternative zu. Deren Listen errangen im allkampagne. In verschiedenen Gebieten gab gemeinen beeindruckende Stimmenanteile, es gemeinsame Listen mit anderen Gruppen zum Beispiel im 20. Arrondissement von und Unabhängigen. Zweiunddreißig der Paris 4%. Aber ihre Führer gaben ihren Listen mit LCR-Beteiligung erhielten zwi- Unterstützern keine Anweisung schen 3 und 6%. Zwei LCR-Mitglieder zweite Runde außer der, nicht die Front wurden in Stadträte gewählt. In St. Etienne National zu wählen. de Rouvray, einer Arbeitervorstadt von Die Analyse der Stimmabgabe für die Rouen, gelang es der Lehrerin Michelle Er- äußerste Linke wurde durch die Wahlkamnis mit 5.13 %, die Fünfprozenthürde zu pagne der Internationalistischen Kommuniaberwinden. In Bordeaux' stischen Partei (PCI), die von Pierre Lam- Cenon wurde der Chemiearbeiter Alain Re- bert geführt wird, etwas verwirrt. moiville mit 6,83 % gewählt. Gruppe hat ihren Ursprung in der Vierten Rouge fragte Remoiville, wie sich die- Internationale. Sie stellte in 142 Orten, woser Erfolg auf die Glaubwurdigkeit der von 110 sehr klein sind, Kandidaten auf LCR als Alternative für die Arbeiter in sei- und bekam vielerorts gute Ergebnisse, ner Fabrik ausgewirkt habe. Er sagte: » Wir wenn auch in den größeren Städten bekonnten die Auswirkungen schon vor der scheidenere als die der LCR. Vier ihrer Wahl feststellen. Eine Menge Leute schau- Kandidaten wurden gewählt. ten in den Kämpfen auf uns, aber nicht bei Wenn die PCI an einer gemeinsamen Wahlen. Dies mal ergänzte sich beides. Im revolutionären Liste teilgenommen hätte, Betrieb waren wir schon respektiert. Jetzt, wäre es möglich gewesen, sehr viele Kandiwo wir jemand im Stadtrat sitzen haben, daten durzubekommen. Alles deutet darauf ! macht das die Partei zu einer glaubwürdige- hin, daß die •Stimmababgabe für die PCI ren Kraft.« ganz einfach eine für eine Alternative links Michelle Ernis berichtete, daß die Re- von der KP war. Die gleiche Art von Leuaktion auf ihre Wahl am Ort im allgemei- ten stimmte also aus den gleichen Gründen nen günstig war, besonders in der Frauen- für sie wie für die LCR-LO-Listen. Allerbewegung. Allerdings nicht bei der KP. dings nahm die PCI eine andere Haltung »Die Stimmung war angespannt... Als der gegenüber den Kandidaten der Regierung Bürgermeister, ein KP-Mitglied, die Wah- ein. Zum Beispiel waren sie zum Zurückzie lergebnisse bekannt gab, wollte ich eine Er- hen ihrer Listen bereit, wo jene verkundeklärung abgeben, aber ich wurde von KP- ten, sie würden »das ihnen gegebene Man- Mitgliedern physisch daran gehindert. Sie dat respektieren«. waren wütend. Das komische daran ist, daj Alain Krivine, der Spitzenkandidat der sie sich selbst zu ihrem Gesetz über die Re- LCR. bemerkte in einem Interview mit präsentation gemäß dem Stimmenverhält- Rouge nach den Wahlen, daß die vorherrnis gratulieren, das es der Rechten ermög- schende Stimmung unter den Teilnehmern licht, im Stadtrat vertreten zu sein, aber uns der LCR-LO-Versammlungen nachdenkanklagen, ihnen einen Sitz gestohlen zu ha- lich war. Es seien vor allem grundsätzliche Fragen gestellt worden: »Kann der Sozialis- Auf der anderen Seite gab es aber auch mus in einem Land ausgebaur werden?«, sowas wie in Trappes, wo die KP in ihren »Könnte Frankreich überhaupt aus der EG Hauswurisendungen den Aufruf der LCR austreten?«, »Sind wir nicht in den Zwänzur linken Einheit in der zweiten Runde zi- gen der Konkurrenz gefangen?«, möglich, trotz der Krise eine soziale Verün- Aufgrund ihrer stabileren Stammwäh- derung herbeizuführen?«. lerschaft hielt sich die KP besser als die SP, Die meisten von ihnen waren ernsthaft die während des Aufschwungs der Linken auf der Suche nach einer Alternative zu SP der große Gewinner gewesen war. Aber sie und KP. Die Veranstaltungen waren »deutsetzte ihren langsamen Abstieg fort. Die ra- lich ein Anziehungspol für rebellierende dikale Linke nahm bei diesen Wahlen nicht Arbeiter auf der Suche nach einer Alternamerklich zu. Es gelang ihr auch nicht, eine tive, nach einer Kraft, die die Dinge wirkgrößere Menge Proteststimmen auf sich zu lich veründern könnte... Man konnte die ziehen, wie dies 1977 an einigen Orten der Ernsthaftigkeit der Versammelten förmlich Fall gewesen war. spüren... Aber die häufigste Frage in allen Aber etwas Grundsätzliches hat sich Köpfen war: "Schafft ihr jetzt den Durchgeändert, obwohl die Stimmen im ganzen bruch? Wird euer Abkommen, mit der LO konstant blieben. Die Stimmen der äußer- auch zu etwas führen?'« sten Linken kommen zunehmend von re- Krivine betonte noch, daß die Immibellierenden Arbeitern. Radikalisierte In- granten auf den Versammlungen sehr zahltellektuelle, die vorher die äußerste Linke reich waren. »Sie waren besorgt über die unterstützt hatten, neigen dazu, unter dem Welle des Rassismus und fühlten, daß wir Eindruck der Wirtschaftskrise und der Kri- die einzigen waren, die sie zu keiner Zeit im se ihrer eigenen Perspektive eher die Ökolo- Stich gelassen hatten.« -30
Zwischenbilanz nach dem ersten Wahlgang
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