von Sergio Rodriguez u, a., Ende Okt, 1982 Während die Militärs sich vor der Massenbewegung in Bolivien nem Leitungsmitglied der mexikanischen Sergio Rodrigez. ei zurilckziehen, zeichnet sich die Möglichke ab. Einige weitere Elemente wurden hinzugefügt, um sammen fassung von Berichten bolivianischer Trotzkisten und von das Bild abzurunden. sammen fassung von Berichten bolivianischer Trotzkisten und von das Bild abzurunden. Als ein landesweiter Generalstreik auszubrechen drohte, willigte die bolivianische Militärjunta am 17. September ein, die Regierungsgewalt abzugeben. Sie verkündete, daß der Kongreß, der von den Putschisten nach dem Militärcoup vom 17. Juli 1980 aufgelöst worden war, emeut zusammentreten solle.
und wählte wieder einen zivilen Anfang Oktober tagte dieser Kongre ze-Präsidenten, nämlich Heman Siles Suazo und Victor Paz Zamorra. Beide repräsentieren wichtige komponenten der UDP (Union Democratica de für illegal erklärt und für eine ganze Wefle zerschlagen.
Der Putsch von 1980 war nichts weniger als ein Versuch, die militärische Machtilberahme in Argentinien vom März 1926 in Bolivien zu wiederholen. Schon vor dem Putsch waren rechte terroristische Organisationen nach dem Vorbild der AAA (Alianza Argentina Anti-Comunista) aufgebaut worden. Zuletzt zählten diese paramilitärischen Truppen an die 10.000 Mann, bis an die Zähne bewaffnet und gut bezahlt. Ein großer Teil von ihnen wurde von den drel Gangsterban den organisiert, die den Kokainhandel kon trollieren.
Dem Putsch von 1980 lag auch Im wesentlichen der Teil der Bourgeoisie zugrunde, der das Kokaingeschäft in der Hand hat. Sein engster Verbtin deter im Ausland war das blutige Milltärregime in Argentinien mit seinen 30. 000 "Verschwundenen " Das erklärt auch zum großen Tell, warum Washington die kalte Schulter zeigte und sich weigerte, das neue Regime anzuerkennen.
WAS DER ZUSAMMENBRUCH DER JUNTA BEDEUTE Popular: Siles Suazo ist der Führer der MNR-I (Movimiento Nacional Revolucion ario - Izquierda = Linke der National-Revolutionären Bewegung), Paz Zamorra der MIR (Movimiento de la Izquierda Revolucionaria = Bewegung der Revolutionären Linken, Arbeit und das Ministerium für Bergbau wurde Vertretem der Kommunistischen Partei gegeben.
Der Putsch vom 17. Juli 1980 war ausdrücklich deshalb durchgeführt worden, um die UDP daran zu hindem, die Regierungsgeschäfte zu übemehmen. Das zeigt schon, wie sehr sich die Lage verändert hat. Bei den Wahlen vom Juni 1980 bekam die UDP-Koalition 40% der Stim men, eine kleinere, viel radikalere Formation, die PS-Uno (Sozialistische Partei Nr. 1) zwischen 11 und 12 %. Zusammen haben beide die Mehrheit.
Der Führer der PS-Uno, Marcelo Quiroga Santa Cruz, wurde beim Staatsstreich ermordet. Sechs Monate spater, nämlich Anfang 1981, wurden acht Führer der MIR getötet, kurz nachdem die Regierung ihr neues Sparprogramm verkündet hatte. Während der militärischen Machtübemahme war das Hauptbüro des bolivianischen Gewerkschaftsgrundes COB (Cen tral Obrera Boliviana) von Panzem zusammengeschossen worden. Die COB-Führung war verhaftet und Arbeiter-Wohnviertel waren blutig vom Militär gestürmt worden. Dabei wurden zahlreiche Arbeiter getötet: noct heute kann man keine genaue Zahl nennen. Hunderte wurden in Konzentrationslager geschickt. Die COB wur Allgemeiner gesehen bedeutet der Seit in die si Cetion, Erreitert war. Mit der Revolution von 1952, einem der tiefgreifendsten revolutionären Prozeß in der lateinamerikanischen Geschichte, waren die traditionellen Strukturen der herrschenden Klasse schwer erschiittert worden und sind sehr mächtige Arbeiter-Organisationen entstanden, die CO3 und insbesondere die Bergarbeitergewerkschaft, die radikalste Zugkraft innerhalb des Proletariats und der armen Massen.
In des gelang es der Revolution nicht, die Probleme der Bauern zu lösen oder die bürgerliche Armee zu vemichten. und darauf gründete sich dann die Konterre volution. Mit amerikanischer Unterstützung und Ausbildung wurde die Armee in den Jahren 1954 - 56 wieder aufgebaut. Im Jahre 1964 ergriff der General Barrientos die Macht und hielt sich mit Hilfe einer ziemlich breiten Basis unter den Bauern. 1971 errichtet General Hugo Banzer ein mehr rechtsgerichtetes Regime. das sich vor allem auf die Bourgeoisie von Santa Cruz stützte, eine der santa andig steereiendet sich indes. fem wirtschaftlich und kulturell vom Rest des Landes, als diese Gegend traditionell von Großgrundbesitzem dominiert wird und die Bevölkerung fast ausschließlich europäischen Ursprungs ist. Die Bourgeoisie dieser Gegend war durch einen Erdöl-Boom sehr gekräftigt worden.
Die Entstehung der Diktatur in Bolivien stand in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von Militarregimen Mitte der sechsziger Jahre in Bra silien und Argentinien, und diese mischten sich auch in verschiedener Art und Weise ein, um unter anderem die Ressourcen Boliviens unter Kontrol le zu bekommen, vor allem das Erdgas und das Wasserkraft-Potential. Die Entwicklung von immer repressiveren Militärregimen in Bolivien war also integraler Bestandteil des Aulkominens von Militarregimen im yanzen südlichen Lateinamerika. Und sic hing eng mit den Aussichten auf wirtschaftliches Wachstum, das dem imperialismus untergeordhet ist, zusam- Der Abzug der Militärherrscher in Bolivien bedeutet also, daß die bürger liche Herrschaft in dieser ganzen Weltgegend in einer telen Krise steckt. Den Tiefpunkt der kapitalistischen Wirtschaftsentwicklung drückte ein Regime aus, das offen auf dem Drogenhandel gründete; Ende der siebziger Jahre wurden die Drogen zum Haupt-Exportartikel des Landes unc überflügelten Zinn und Erdöl. Der Militärchef, der jetzt abtritt, General Torelio, ist eigentlich eine Null, die nur deshalb an die Spitze der Reche wohlbekannte Mitglieder der Kokain-Maffia sind, den Posten bekamen. Wie bankrott die Junta auf politischer Ebene ist, sieht man daran. daß sie zwei Jahre nach dem Putsch die UDP wieder an die Regierung ruten mußte, um die bürgerliche Herrschaft zu
stützen. Das zeigt, wie sehr sich das Kräfte verhältnis für die Bourgeoisie gegenüber der Arbeiterbewegung und der Masse der Armen verändert hat. Und in einer solchen Situation haben die Arbeitenden und die Armen große Wut auf die Militärs.
Die Armee sandte keine Offiziere zur Emennung des neuen Präsidenten, weil sie offensichtlich befürchtete, daß ihr die Menge eine gehörige Antwort erteilen würde. Die Sonderkorrespon den tin von "Liberation" (Pariser Tageszeitung) berichtete, daß die Menge sich um fünf auf den Boden gezeichnete menschliche Silhouetten ver sammelte, um fünf Opfer des Putsches zu ehren. Ein alter Gewerkschafter, der im COB- Hauptbüro zugegen war, als es angegriffen wurde, ergriff das Wort:
"Komint nur her, ihr jungen Leute, damit ihr auch wißt, was los war Es passierte am 17. Juli während des Staatsstreichs von General Garcia Meza, Schaut, wie sie mit unserem Gebäude umgingen. Alles wurde zerstört, niedergebrannt. Das ist alles was vom COB-Hauptbüro übrig blieb. Sie schossen auf diejenigen, welche zuerst herauskamen. Die ganze Fühung war in dem Gebäude versam melt. Den anderen war es gelungen, über die Dächer zu entkommen. Ich war dabei ••. es tut mir heute noch weh. Und was ist aus meinem Bruder geworden, der auch Bergarbeiter war? Kommt, schaut, vergeßt nicht, was die Militärs taten.
In seiner Antrittsrede rief Siles Suazo auf zu "einer Kriegwirtschaft, zu Disziplin am Arbeitsplatz und Produktivitát" Gleichzeitig versprach er den Arbeitern, daß sie Anteil haben würden an den staatlichen Betrieben, welche im Bergwerksektor dominieren. Bevor er sein Amt übernahm, hatte der neue Prasident sich datur eingesetzt, dais die Armee reformiert wird und die Offiziere, welche im Kokainhandel in volviert sind, bestraft werden: gleichzeitig versprach er aber, daß seine Regierung nicht versuchen werde, "sich an den Militärs zu rächen"
lichen Forderungen nicht akzeptiert hatten. Sie streikten weiter, obwohl 80 % ihrer eigenen Führer dagegen waren. Die Gewerkschaftsführer gingen im ganzen Lande in die Bergwerke. um die Kumpels zu überzeugen versuchen, doch die Arbeit wieder aufzunehmen. An vielen Orten wurden sie rausgeschmissen. Der Streik ging bis Mitte Oktober weiter, als der Gewerkschaftsführer Juan Lechin Oauen do drohte. wenn die Bergleute nicht mit ihrer Aktion aufhörten, würde die Führung geschlossen zurücktreten. Sein Argument lautete, wenn man den Streik fortführt, würden damit nur "putschistische Tendenzen" unter der Militärs gefördert.
Ironischerweise benutzten die Gewerkschaftsführer also dasselbe Argument schon in der Zeit vor dem Putsch von 1980, um den Pakt von San forge mit den Armeeführem zu rechtfertigen. Der Pakt beinhaltete die Zusage der Gewerkschaften, daß sie nicht zu weit gehen würden. Mit ihm sollten die Militärführer beruhigt werden, so daß sie nichts Übereiltes unternähmen. WIE DIE MILITÄRREGIERUNG GESTÜRZT WURDE Kurz und gut, die UDP-Regierung übernahm genau die Vermittlerrolle, welche die Militärs ihr zugedacht hatten. Es war ja auch nicht die UDP- Führung gewesen, die die Kokain• Generăle gezwungen hatte, die formelle Kontrolle der Regierung loszulassen. Die Koalitionsführung hatte sich genauso wie die Gewerkschaftsspitzen dem unbegrenzten Generalstreik vom 16. September widersetzt. Wer das durchsetzte, das waren die Basismitglieder und die Führer, die ihnen am nächsten standen. insbeson dere in den Bergarbeiter-Gewerkschaften.
In dieser Entwicklung kam gleichzei• tig der Druck eines Aufstands zum Ausdruck, der sich in zahlreichen Protesten und A hatte, dezele cod auch Mai wieder legalen Status bekam. Die Bergarbeitergewerkschaft setzte zuerst einen unbefristeten Streik an und verkündete, die Bergarbeiter würden nicht eher an die Arbeit gehen, als bis die Regierung vier Forderungen erfüllt. Die erste war, daß sie Regierung sofort allgemeine Wahlen Aber erst auf der Arbeiter-Massen de monstration in La Paz am 15. September sah sich die COB-Führung gezwungen, auf den unbefristeten Generalstreik zu schwenken. Filemon Escobar, ein Führer der Bergarbeitergewerkschatt, richtete einen entspre chenden Aufruf an die Menge und bekam überwältigendes Echo auf seinen Vorschlag.
Die bolivianischen Mitglieder der Vierten Internationale spielten eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung und der Führung des Streiks; Felipe Vasquez, einer der prominenten Führer, ist als Mitglied der bolivianischen Sektion der Vierten Intemationale gut bekannt.
Als die Militärs sahen, wie die Fuhbereinen te die eng tenier der UDP zu übergeben, bevor sich die Radikalisierung noch weiter entwickelt.
Indessen weigerten sich die Bergarbei ter, mit ihrem Streik aufzuhören, vor allem weil die Militärs ihre wirtschaft- Die Konsequenz aber war die, daß die Arbeiter demobilisiert wurden, weil sie die Illusion hatten, die Militärs seien zufriedengestellt. Der Putsch ich eine in le eten Machi er. nahme zu widersetzen, außer defensive Vorhaben, nämlich Aufrufe zu Betriebsbesetzungen und Straßen blockaden. Aber angesichts unbarmherziger und entschlossener "Gorillas" wurden die Arbeiter vemichtend geschlagen und mußten schwere verluste hinnehmen.
Die reformistischen Führungen versetzten der Bewegung der Arbeiterklasse dadurch, daß sie den Streik der Bergarbeiter brachen, schon einen schweren Schlag in dieser neuen Phase, wo die Entwicklung zur allgemeinen Kontron tation hinsteuert. Obwohl die Bergarbeiter einen langen Streik durchgehalten hatten, mußten sie wieder zur Arbeit zurück, ohne irgendetwas datrir bekommen zu haben. Die Forderung kam auf, daß die Regierung wenigstens eine Willenserklärung abgeben solle, daß sie den Forderungen der Bergarbeiter zustimme. Aber die Fishrung war nicht einmal in der Lage, sich dafilr stark zu machen. EIN NEUER PUTSCH WIRD VORBEREITET einberufen müsse. Bie dritte war daß das Wirtschaftsprogramm der Bergarbeiter akzeptiert werden müsse nämlich a) Nationalisierung der Ban ken, b) Staatsmonopol des Außenhan dels, c) Nationalisierung des Teils der Bergwerke, der noch in privaten Hän den lag. Die vierte Forderung war die nach einem Mindestlohn von 20,000 Pesos im Monat (der offizielle Kurs ist 160 Pesos pro Dollar, was weit unter dem tatsächlichen Tauschwert liegt) und nach gleitender Lohnskala. Die Bergarbeiter wollten lieber sofortige Wahlen als daß der Kongreß von 1980 emeut einberufen wird, weil die Rechte in ihm immer noch die Mehrheit hat. In Bolivien ist man der Meinung. daß wenn jetzt Wahlen abgehalten würden, die UDP und PS-Uno mehr als 70 % der Stimmen bekämen. Tatsache ist, daß derzeit schon ein neuer Putsch vorbereitet wird; das ist offensichtlich. Und der wäre dann weit blutiger als der letzte, da er es mit wieder aufgebauten und starkeren Areiter - und Massenorganisationen un c mit einer entschlosseneren Opposition zu tun hätte.
Gleichzeitig können weder eine militärische noch eine bürgerliche Regierung den Massen auch nur die geringste ökonomische Konzession anbieten. Die nächste Militärregierung wird die Bevölkerung zwingen müssen, die Konsequenzen eines wirtschaftlichen Desasters auf sich zu nehmen, wie es selbst in der traurigen Geschichte der bolivianischen Wirtschaftsentwicklung noch nicht vorgekommen ist. Unter derartigen wirtschaftlichen Aussichten kamen die Militärs zur Überzeugung, daß es doch besser sei, wenn man die UDP die Krise eine Zeitlang verwalten läßt. Solange die Regierung die Massen unter Kontrolle halten kann, . können es sich die Militärs leisten, abzuwarten, bis die Leute aufgrund der wirtschaftlichen Lage und weil es kei- Die neue Regierung einschleisier ster entspricht genau den Erwartun- ihrer beiden komınunistischen Mint-
gen der Militärs, wie ja die UDP schon zuvor durch ihre Haltung zum Generalstreik und zum Streik der Bergarbeiter gezeigt hatte, daß dem so sein werde. Und jetzt muß sie sich mit einer der schliminsten wirtschaftlichen Situationen auf der Welt ausein an dersetzen.
schaftsplanes möglich wäre. Jedwede wirkliche wirtschaftliche Unabhängigkeit Boliviens ist unmöglich wenn die Landwirtschaft nicht in dieser Ari KATASTROPHE
DIE WIRTSCHAFT: EINE
Mit einer Bevölkerung von 5 Millionen Leuten weist Bolivien eine Auslandsverschuldung von 4 Milliarder Dollar auf, wobel nur 35 % der vertügbaren Arbeitskräfte auch wirklich beschäftigt sind. In diesem Jahr fallen für die Auslandsschulden 600 auf die Erzeugung von Lebensmitteln ausgerichtet werden müsse. Aber der Druck des Weltmarktes heute und der Preise ist derart stark, daß sowas nur im Kontext eines zentralisierten Wirt- Bend vollen derzel mang das and vollig von den Lebensmittel- Oberschüssen der Vereinigten Staa ter ab. US-Experten schätzen, daß in Bollvien Innerhalb von drei Monaten die Hungersnot ausbrechen würde wenn die Zufuhr von amerikanischen Lebensmittel-Oberschüssen eingestellt wird.
BH BORGERUGHE HERR
Millionen Dollar zur Zahlung an, während die gesamten Einnahmen der Regierung nur 900 Millionen Dollar betragen. Das heißt, daß dem Staat nur 300 Millionen an gesamten Ressourcen zur Verfügung stehen. Und davon gehen 14% an die Polizei und die Armee, werden also für die Repression eingesetzt, Für dieses Jahr erwartet man eine Inflationsrate zwischen 150 und 300%. Da ein Drittel der im Lande verbrauchten Lebensmittel eingeführt werden, gingen die Lebensmittelpreise um 500% nach oben.
Heute gibt es in Bolivien kein einziarbeitet. Etwa 90% des Privatsektors arbeitet mit roten Zahlen. Nur ein einziges Bergwerk des staatlichen nicht mit verlust - namlich das vor "Comibol" arbeitet Huanun i.
Sogar die Lebensmittelindustrie, die am langsten von der Krise verschont biteb, geriet jetzt in rote Zahlen und wird nur noch durch staatliche Subventionen aufrechterhalten. Aber trotz der staatlichen Hilfen für die Lebensmittelin dustrie kam es bei der lebensmittelversorgung zu dramatischen Mangelsituationen. Fast an allem man - Milch bis zu Kartoffeln und Gemiise. vom Fleisch über Brot und Insbesondere die Milch ist derart teuer. daß sogar ein Bergarbeiter, der Arbeit hat, sie sich nicht leisten kann. Die bolivianische Landwirtschaft ist gar nicht auf Lebensmittelerzeugung ausgerichtet, denn das einzig profitable Erzeugnis ist heute Kokain. Unter diesen Umständen wurde die Forde rung nach Kontrolle der Bauem ilber die Preise und die Vermarktung der Produkte von kleinen Koka-Anbauern eines Teils der Provinz La Paz erhoben. Diese Bauer werden von der militärischen Drogen-Maffia schwer betrognd die oft einfach ihre Emten stielt. DIE SOZI BASIS
Die verschiedenen Altemativen, auch nur die Stabilität neokolonialer bürgerlicher Regime zu erreichen, haben sich im letzten Jahrzehnt alle als untauglich erwiesen. Der Erdölboom von Santa Cruz hat sich verflüchtigt. Ein Faktor dafür ist sicherlich in der internationalen Erdölschwemme derzeit zu sehen. Aber allgemein neigen die Imperialisten dazu, spekulative Booms um die Entwicklung extraktiver Industrien in den Kolonialländem aufzublasen, damit ihre Preise gesichert and Investoren angezogen werden, un Jann die Lutt herauszulassen. Die Erdölreserven in diesem Gebiet werden in der Kategorie "wahrscheinlich" nicht in der Kategorie "gesichert" eingestuft.
Hinzu kommt, daß die Entwicklung der Erdgasin dustrie, die wichtigste Bran che her nach Argentinien ausgeführt worden. Als die Preise intemational flelen, stelgerte die bolivianische Junta die geförderten Mengen auf ruinöse Höhen, um zu versuchen, das Einkommen zu halten. Als dann die Argentinier, die sich mit ihrer eigenen Krise schwer herumschlagen mußten, Ihre Zahlungen nicht mehr aufrechterhalten konnten, beschlossen sie, die erhebliche bolivianische Verschuldung dagegen _• aufzurechnen.
So verloren die Bolivianer den größter Teil ihrer Einkommen, mit dem sie gerechnet hatten, um ihren Auslandsverpflichtungen nachzukommen. Im September mußten sie offenbaren, dar sie nicht mehr in der Lage waren, die fälligen Zinszahlungen zu leisten. Die Falangistische Partel, die faschist: sche Organisation, die vor allem in Santa Cruz Anhänger hat, wurde 1980 bei den Wahlen ausgeschaltet, da es ihr zum ersten Mal in ihrer Geschichte gelang, über die Schwelle von 50.000 Stimmen zu kommen, um an den Wahlen teilzunehmen.
Unter dem Zwang der Wirtschaftskrise löste sich die Bauemschaft von ihrer alten bürgerlichen Führung ab und bewegt sich immer mehr zu einem Bündnis mit den Arbeitern hin. Die melsten Bauem verbände traten jetzt der COB bei, die jetzt eine Stellung hat, wo sie als Rahmen für die Einheit zwischen Arbeitem und Bauem dienen kann.
Die Bauem waren es auch, die den streikenden Bergarbeitem am meisten Solidarität bewiesen: sie brachten I ihnen Lebensmittel.
DIE INDIANERBEWEGUNG presser einstecken.
So sieht die Wirklichkeit aus, zu der der US-Imperialismus die Volkswirtschaft neokolonialer Länder in seinem "Hinterhof" reduziert hat. Sogar die mexikanische Regierung sah sich zum Beispiel zu der Drohung veranlaßt, daR wenn die amerikanischen Gläubiger sich weitem, über ihre Auslandsverschuldung neu zu verhandeln, sie kei- , ne Anstrengungen mehr untemehmen wird, den Strom von Marihuana in die Vereinigten Staaten einzudämmen. Unter den Bauer ist die Idee sehr verbreitet, daß die Landwirtschaft wieder Die nationale Indianerbewegung, die im wesentlichen aus den Führungen der Bauern verbände besteht, hat sich radikalisiert und der UDP angeschlossen. Sie hat verschiedene Forderungen zur indianischen Kultur auf ihrem Prosind in Quechua und Aymara genau so tätig wie in Spanisch.
Die Radikalisierung innerhalb der Indianerorganisationen führte bereits zu einer Spaltung und zur Entwicklung einer Gruppe mit revolutionärer Orientierung, der Indianerbewegung "Tupac Katari . Diese ist kleiner als die traditionellen Verbände, in bestimmten kommen.
indianischen Volkes keine Lösung gibt, wenn keine sozialistische Revolution ausbricht, Sie führt Diskussionen mit der bolivianischen Sektion der Vierten Intemationale über die Bildung einer revolution ären Front.
Etwa 68 % der bolivianischen Bevölke - Was die Indianerbewegung zu schärferung spricht Indianersprachen, darunter rer Konfrontation mit dem Imperialisder Großteil der Bauemschaft, Indes ist mus führte. das sind insbesondere die die Indianerbevölkerung seit jeh riesigen Missionskampagnen von prozwei antagonistische Nationalitäten testantischen Sekten aus der USA. welespalten die Inkas (Quechuas) und che die Sprachen, kulturellen Werte len Aymaras, und früher waren die und Kampftraditionen der indianischen Aymaras den Inkas untergeordnet, Mit Jugend sucht nach sozialistischen Lösungen. Die UDP ist also für Druck von der Linken her sehr empfänglich, wenn ein klarer, entschlossener linker Pol aufgebaut werden kann.
In dieser Lage kann die PS-Uno eine wichtige Rolle spielen. Diese Partei als Instrumente zur ideologischen Durchdem Beitritt der Bauemverbände zur COB wurde unter anderem zum ersten dringung and kulturellen Angleichung. Mal der Rahmen für den gemeinsamen Deshalb fordert die nationale Indianer- Kampf der beiden Indianervölker ge- bewegung, daß ihre Aktivitäten beschaffen. schränkt werden.
DIE STREITKRÄFTE
Die soziale Basis für eine bürgerliche Das Militär verfügt über eine ganze Lösung ist also bis auf den Nullpunkt Skala von Privilegien. Ein fuhr- und zusammengeschrumpft. Das Militär Ausfuhrmöglichkeiten, billige Lebensleibt die Haupt-Institution der Bourge mittel und Kleider usw. Der Kokain - ›isie. Es wuchs zu einer riesigen Maffi: handel ist völlig in seiner Hand. aus, welche vom Lande aus gefüttert wird. Es besitzt seine eigene Wirtschafts- Aber gleichzeitig ist die Armee sehr organisation, die COFADENA (Corpo- bescheiden bewaffnet. Zum Beispiel ration Nacional de Desarollo de las ist sie immer noch mit altmodischen Fuerzas Armadas = Nationaler Ver- AL-Flinten ausgerüstet. Und entspre band der Streitkrafte für die Entwick- hend niedrig ist ihr technisches Ni lung). Im Jahre 1975 hatte dieser veau, abgesehen davon, daß sie völ- Trust ein Kapital von 85 Millionen lig korrupt ist. Zur Bekämpfung eines Dollar. Heute wird sein Kapital auf sehr breit angelegten oder gut organi- 250 bis 300 Millionen Dollar geschätzt. sierten Massenwiderstandes wäre sie Er arbeitet als Privatunternehmen ohne schlecht geeignet. jegliche Kontrolle seitens des Staates. DIE ARGENTINISCHEN HENKER WERDEN SAUER Außerdem kriegt das bolivianische Mi- organisiert worden war, 75 % der Wahlitär immer weniger effektive Unter- ler ihre Opposition gegen die Diktatur stützung von seiten seiner Nachbam. aus. Das wurde deutlich, als sich die blutige argentinische Junta dagegen aus- In Chile kommt die Neuorganisierung sprach, daß Oberst Luis Arze Gomez der Arbeiterklasse gut voran: das Rezum Militärattache in Buenos Aires gime befindet sich auf dem Rückzug. emannt wird. Arze Gomez Innenmi- wie in der Abdankung des Admirals nister zur Zeit, als die acht MIR-Fuh- Ley. eines Exponenten der Härte in rer ermordet wurden, wird heute selbst nerhalb der Junta, zum Ausdruck von den argentinischen Henkem, die kommt. doch den rechten Terror in Bolivien inspirierten, als jemand angesehen, In Brasilien befindet sich die Diktatur mit dem sie nichts zu tun haben wol- schon seit einiger Zeit im Zerfall len. Die argentinische Diktatur steckt Eine Arbeiter-Massenpartei entwickelt ja selbst in einer tiefen Krise und kann sich, und die Regierungspartei muß in kurzer Zeit in der einen oder ande- eine Niederlage in den kommenden ren Weise fallen, was dann den Weg Wahlen befürchten. frei machen würde, daß es wieder zu Massenmobilisierungen kommt. Dagegen kann Bolivien als schwächstes Kettenglied im neokolonialen In Uruguay drückten bei einer Volks- System des südlichen Lateinamerika abstimmung, die von der Junta selbst durchaus eine Reihe von Explosionen einleiten, die dann auf die ganze Gegend übergreifen.
DRUCK DER MASSEN AUF DIE UDP-REGIERUNG schen Kampf ab, When Kampschie ht, nun in der Politi - der nun chen Linie ein Bündnis mit bürgerlíken beginnt, einschließlich der UDP. so weit nicht. A beter on parente ine e chen Kräften einzugehen sucht. die ja an der Regierung ist.
Koalition.
Die regierende Koalition ist absolut nicht homogen. Ironischerweise wird Die Partei von Siles Suazo, die MRNihr rechter Flügel von der MIR gebil- I. ist in einer Reihe von Flügein aufdet. die für eine geteilt. Der rechte Flügel will die nalen Einheit" alte MNR als typisch bürgerliche natem der Streitkräfte eintritt. Die Kom- tionale Partei aufbauen, wie sie es munistische Partei, die in ihrer übli- früher einmal war. Aber besonders die BOLIVIEN INFORMATIONSPOOL
Rene Sejas Garcín. Kurfürstenallee 30 B 2800 Bremen 1 Tel.: 0421-43591 1 18 hat einen gewissen Spielraum im Parlament mit ihren 15 Abgeordneter (von 250 insgesamt). Sie genießt Massenunterstützung und ist kämpferischer. • So wurde sie zum Sammelpunkt für die breite klassenkampterische Opposition. Sie ist keine verhärtete refor mistische Partei, sondem eher eine unausgegorene kämpferische Massen strömung.
De facto ist die PS-Uno gar keine richtige Partei. Sie ist nicht durchstrukturiert. Sie verfügi nicht über eine eigene Presse. Und in den Zeiten der Diktatur spielte sie nur eine bescheidene Rolle. Aber mit der Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie blühte sie auf als Sammelbecken für die breite, militante und klassenkämpferische Linke.
DER REVOLUTIONÄRE POL
Die bolivianische Sektion der Vierten In temationale, die POR (Partido Obrero Revolucionario = Revolutionäre Arbeiterpartei) versucht, einen Pol revolution ärer Strömungen aufzubauen, um in der Lage zu sein, machtvoll in den nun beginnenden politischen Prozeß einzugreifen. Neben der Indianerbewegung "Tupac Katari" steht sie in Diskussion mit einer Reihe von kleineren Gruppen der extremen Linken wie "Vanguardia Comunista" der "Movimiento de Liberacion Nacional" und einer linken Abspaltung der MIR, die "MIR - 15. Januar" Das strategische Ziel der POR ist, die Massen so vorzubereiten. daß sie ihren Kampf unter der UDP-Regierung weiterführen und daß sie sich in nicht allzu femer Zukunft auf eine Konfrontation mit den Militärs gefasst machen. Das heißt für die jetzige Zeit nicht. daß man aus sämtlichen Rohren gegen fie Regierung schießt, sondem dal nan auf sie Druck ausübt und aufzeigt wie die Führung zu Kapitulationen neigt.
Als Ergebnis der Rolle, die sie im Widerstand gegen die Militärdiktatur spielte - was unter anderem durch ihren Einfluß in den Bergarbeitergewerkschaften, in der Indianerbewegung und in ihrer Presse, die die meistgelesene im Untergrund war, zum Ausdruck kommt - ist die POR nun in einer Lage, wo sie als politisches und organiginnenden Prozeß haben kann.
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Bolivien: