Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Metallarbeiter von Manchester besetzen ihre Fabriken

Inprekorr Nr. 14, 15. April 1972 · S. 23 · 499 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

METALLARBEITER VON MANCHESTER BESETZEN IHRE FABRIKEN ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Am 16. März besetzten 1000 Arbeiter vom GKN Bredbury Stahlwerk bei Stockport die Fabrik, nachdem die Werksleitung die Aussperrung angedroht hatte. Diese Drohung kam, als die Ar beiter beschlossen hatten, Akkordarbeit und Uberstunden abzulehnen, wobei sie das Datum, das für Manchester für dieses Ziel gesetzt worden war, vorzogen. Diese regional koordinier te Aktion dient der Unterstützung ihrer Forderung nach 4 Pfund linearer Lohnerhöhung und nach der 35 - Stunden - Woche. Als wir mit diesem Bericht in Druck gingen, waren schon verschiedene andere Fabriken dem Beispiel der Arbeiter von Bredbury gefolgt. Diese Aktionen werden der Auftakt zu Massenbesetzungen in mehreren hundert Betrieben sein, falls die Unternehmer ihre Drohung wahrmachen, zu Massenaussperrungen zu greifen, wenn 200 000 Arbeiter vom Montag 27. März an Akkordarbeit ablehnten. Die Aussicht auf eine Konfrontation in diesem Ausmaß hat schon einige der schwächeren Mitglieder der Arbeitgeberverbände, die im Metallarbeitgeberverband (EEF, Engineering Employers Federation) zusammengeschlossen sind, erschreckt. 6 oder 7 Betriebe haben schon nachgegeben und lohnerhöhungen zwischen 3 und 5,50 Pfund zugestanden. Der EEF hat auf diese Lücke in der Unternehmersolidarität reagiert und eine der beteiligten Firmen aus dem Verband ausgeschlossen. Die Betriebsbesetzung von Bredbury stellt eine sehr wichtige Entwicklung dar. Sie ist die erste Betriebsbesetzung zur Unterstützung von Lohnforderungen, die es bis jetzt in Groß britannien gegeben hat. Der EEF sitzt in der Klemme. Führt er seine Drohung aus, könnte er sich einem der schwierigsten Kämpfe gegenübersehen, mit dem er es bisher zu tun hatte. gesteht er andererseits den Arbeitern zu, daß ihre Taktik erfolgreich war, würde es ihm Millionen Pfund kosten. Die Taktik der Arbeiter, das Akkordsystem abzulehnen, ist sehr wirksam. Während die Arbeiter immer noch ihren Grundlohn erhalten würden, kann die Weigerung, Akkord zu arbeiten, die Produktion ziemlich lahmlegen. Die Unternehmer müssen deshalb entweder kapitulieren, oder sie rufen eine massive Reaktion hervor, die das Kräffeverhältnis in der ganzen Region verändern würde. Diese bemerkenswerte Entwicklung ist die Frucht einer Entscheidung, die sowohl im Mnchester als auch im Sheffielder Bezirk gefällt wurde: alle Forderungen der Metallarbeiter der einzelnen Betriebe koordiniert durchzufechten. Dies stellt einen Versuch der Metallarbeiter dar, aus der Politik auszubrechen, die ihnen im Januar von den Gewerkschaften der Werftarbeiter und der Metallarbeiter auf gezwungen worden war, nach dem Scheitern der nationalen Tarifverhandlungen mit dem EEF. Damals hatte man die Verhandlungen auf nationaler Ebene nicht wieder aufgenommen, sondern versucht, auf betrieblicher Ebene zu neuen Tarifen zu kommen. Tatsächlich verdienten die Metallarbeiter durch Akkordzulagen, Prämien, Überstunden usw. bis zum doppelten Betrag des Tariflohnes. Die neue Taktik hatte also den Vorteil, daß der Kampf jetzt dort geführt wurde, wo durch Abbau übertariflicher Zulagen es tatsächlich um die Interessen der Metallarbeiter ging, nämlich auf Betriebsebene. Dort war die Gewerkschaft am stärksten. Andererseits ist der Nachteil der, daß Einzelbetriebe in der jetzigen Rezession selbst lange Streiks auf sich nehmen können, und daß Betriebstarifverträge unter die Industrial Relations ( Zusammengefaßt aus RED MOLE Nr. 39, 30.3.)

S. 23