Wie es zu erwarten war. hat die von der christdemokratischen Militärjunta mit großem Autsehen angekundigte "Beschleunigung der Agrarreform" von Anfang Mai einzig und allein eine Zunahme der Repression gegen die Bauernbewegung gebracht.
Einem Sprecher der Armee zufolge " wurden mehr als 100 Guerilleros getötet" bei den Kampfen im Chatalanga (Le Monde, 21-5-80). Dem neuen Erzbischof von San Salvador zufolge haben 215 Menschen, zumeist Mitglieder von Volk organisationen, in den ersten zwei Mai-Wochen den Tod gefunden.
Die Kommission für Menschenrechte von Salvador zählte in den ersten vier Mo. naten des Jahres 1600 Personen, die durch die Repression getötet wurden. eine bezeichnende Bilanz der Militärjunta, die seit dem 15. Oktober letzten Jahres mit Unterstützung der christdemokratischen Partei und des nordameri. kanischen Imperialismus an die Macht kam: über 2000 Morde in 6 Monaten. Der Erzbischof Arturo Rivera y Damos sagte am 19. Mai, daß mindestens 200 Personen, " alle Mitglieder von linken Volksorganisationen", in den ersten 2 Wochen dieses Jahres vom Militär getötet wurden (International Herald Tribune, 20-5-80).
Am 21. Mai griffen Faschisten das Verlagsgebäude der "El Independiente" an und töteten einen Journalisten; 32 Personen : Militante der extremen Linken und Bauern ; wurden am 20. und 21. Mai ermordet (International Herald Tribune, 22-5-80).
Während die Repression der Regierung einen neuen Höhepunkt seit der blutigen Niederschlagung des Aufstandes, der 1932 von der frisch gegründeten KP or. ganisiert worden war, erreicht, wird auf internationaler Ebene alles getan, dieses Regime mit einem fortschrittlichen und demokratischen Image auszustatten. Das Ziel des Imperialismus ist es, eine Verschärfung der Krise der Militärdiktatur unter dem ungeheuren Druck der Massenkämpfe zu vermeiden. Dies könnte zu seiner (des Imperialismus) Isolierung auf Weltebene führen und eine direkte militärische Intervention angesichts eines Volksaufstands hervorrufen. Die USA wollen um jeden Preis eine Neuauflage des bitteren Mißerfolgs vermeiden, den sie vor knapp einem Jahr mit dem Sieg der Sandinisten hatten.
Dies führte zur Absetzung des Diktators Romero am 15. Oktober letzten Jahres. Die dann gebildete Regierung versprach mit Unterstützung der KP, der das Arbeitsministerium zugeteilt worden war, eine Reihe von Reformen, von denen keine einzige das Licht der Welt erblickte. Nach ihrem Sturz Ende Dezember wurde eine neue Regierung mit Teilnahme einer einzigen Partei, der christdemokratischen, gebildet. Sie gibt vor, die Militärs würden sie jetzt echt unterstützen, damit die angekündigten Reformen ernstlich durchgeführt würden.
Während die Schlüsselbereiche der Finanzoligarchie weiter in Opposition bleiben, wird der Banksektor verstaatlicht. Ebenso wird der Außenhandel der wichtigsten Exportgüter (Kaffee, Baumwolle, Zucker) verstaatlicht. Überdies halten die beherrschenden Sektoren der Agrar-Export Oligarchie, die berüchtigten " 14 Familien" , weiter Distanz zur Regierung, obwohl ihre grundlegenden Interessen nicht ernsthaft verletzt werden. Das Problem für die herrschenden Klassen und den Imperialismus ist, abzuschätzen, inwieweit sie mit dieser Po. litik den explosiven Charakter der Massenbewegung eindämmen können, um eine günstigere Situation zur Zerschlagung ihrer Vorhut zu schaffen. Die Streitigkeiten innerhalb der herr. schenden Klassen betreffen ja nur den Zeitpunkt und die Bedingungen für ein Ausbrechen der Kraftprobe, das unvermeidbar geworden ist.
Auch das oberste Kommando der Armee ist in dieser Frage gespalten. Mehrheitlich ist es in der Hand von An. hängern des abgesetzten Diktators Ro. mero. Die Strömung, die von der "militärischen Jugend" repräsentiert wird und auf die der Staatsstreich vom 15. Oktober zurückgeht, hat nicht die Mittel für eine unabhängige Politik. Die jüngsten Ereignisse haben dies wieder gezeigt. Die Verhaftung des Oberst d'Aubuisson und anderer Offiziere der extremen Rechten am 1. und 2. Mai des Jahres auf Befehl von Oberst Majano, Mitglied der Junta und Wortführer der "jungen Offiziere" : war ein Schlag ins Wasser. Sie wurden schon am 13. Mai wieder freigelassen und wenn Oberst Majano in der Junta bleiben darf, so wird er als Oberbefehlshaber der Streitkräfte durch Oberst Gutierrez ersetzt. Die reformistischen Ansprüche des Oberst Majano sind besser einzuschätzen, wenn man einige Stationen seiner Militärkarriere unter Schirmherrschaft des Pentagon kennt. So hat er die "Militärschule von Amerika", die in der Panamakanal-Zone errichtet wurde, durchlaufen und 1978 am " 31. Spezialkurs" von Yuang Pen im nationalistischen China teilgenommen.
Hinter diesen Reibereien steckt auch der Wille, möglichst bald diejenigen Kreise unter den Offizieren abzusetzen, die zögerten, sich für eine qualitativ schärfere Repression einzusetzen, weil sie wegen der systematischen Arbeit der revolutionären Organisationen in ihren Reihen befürchten, daß die Soldaten revoltieren. Dies hat das Oberkommando dazu gebracht, den Erzbischof von San Salvador, Romero, zum Schweigen zu bringen, der die Soldaten zur Befehlsverweigerung aufgerufen hatte, wenn sie Arbeiter und Bauern töten sollten.
Die Normalisierung in der Armee und die Verschärfung der Repression auf dem Land zeigen, daß sich die Situation in den letzten Wochen noch mehr angespannt hat. Die revolutionären Organisationen könnten nächstens eine allgemeine Offensive starten.
Alle Differenzen sind sicherlich nicht beseitigt: die Einheit, die im Januar mit "Revolutionären Koordination der Massen" zustande kam, konnte noch nicht zur Bildung einheitlicher Basisor-
ganisationen auf dem Land, in den Fabriken und in den Wohnvierteln weitergetrieben werden. Und die Koordination
Die PCS (Partido Communista Salvadoreno • KP Salvador) führt eine legale Or- der politisch militärischen Organisationen ganisation, die UDN (Union Democratica Nacionalista • Demokratische Na- scheint noch begrenzt, zumal die ERP. tionalistische Union). die nicht von Anfang an dabei war, noch nicht richtig integriert ist.
Die CRM (Coordinadora Revolucionaria de Masas • Revolutionare Massenko- Aber die hochexplosive Situation, die ordination) umfaßt die BPR, die LP 28, die FAPU und die UDN. Sie wurde am das Land jetzt seit mehreren Monaten 11-1-80 gegründet. kennt, ist wohl nicht mehr lange aufrechtzuerhalten: sie kann sich nur in Die wichtigste Massenorganisation der kleinen Bauern und Landarbeiter, einer Kraftprobe losen. Der Imperialismus FTC (Federacion de Trabajadores del Campo - Föderation der Landarbeiter) ist und die herrschenden Klassen bereiten Mitglied der BPR. dies mit allen Mittein vor. Die Lieferungen höchst moderner Waffen aus den USA
Die wichtigsten Gewerkschaften sind in CUTS (Confederacion Unitaria de Tra- gehen weiter . Von Washington wurde bajadores Salvadorenos • Allgemeine Arbeiterföderation von Salvador), geführt kürzlich eine Militärsonderhilfe von 6 von der PCS, den FENESTRAS (Federacion National Sindical de Trabajadores Millionen Dollar beschlossen "Le Monde, Salvadorenos - Nationaler Gewerkschaftsbund der salvadorianischen Arbeiter), 2-5-80). In Guatemala wird eine Armee geführt von der FAPU, und die FSR (Federacion Sindical Revolucionaria • Re- aus 5000 Söldnern, volutionärer Gewerkschaftsbund), der von der BPR geführt wird. disten Somozas, kubanischer oder vietnamesischer Konterrevolutionäre auf dem Die Lehrergewerkschaft ANDES (Asociacion Nacional de Educadores Salvado- Boden eines renos - Nationale Lehrervereinigung von Salvador) ist Mitglied im BPR. (Landbesitzers), Sandoval Alarcon, ausgebildet.
Die wichtigste Studentenorganisation AGEUS (Asociacion General de Estu- In dieser Situation kommt der Entwickdiantes Universitarios Salvadorenos - Allgemeine Studentenvereinigung von Sal- lung der internationalen Solidarität mit vador) wird vom BPR geführt. den salvadorianischen Massen große Bedeutung zu. Solidarität gegen den Be- Alle diese Organisationen haben sich am 18-4-80 in der FDR (Frente Demo- lagerungszustand und die Verschärfung cratico Revolucionario - Revolutionäre Demokratische Front) unter Führung der der Repression, gegen die immer aktivere CRM zusammengeschlossen auf der Grundlage ihres Regierungsprogramms, das Einmischung des Imperialismus und die im März 80 angenommen wurde (auszugsweise abgedruckt im Imprekorr 121). Bedrohung einer direkten militärischen Die FDR umfaßt ebenso bürgerliche und kleinbürgerliche Organisationen wie die Intervention. Diese Solidarität muß sich MSC (Movimiento Social Christiano • christlich soziale Bewegung, die ehemalige auch in einer Unterstützung der Organi- "Volkstendenz der Christdemokratischen Partei) und die MNR (Movimiento Na- sationen ausdrücken, die im Rahmen der cionalista Ravolucionario - Revolutionäre Nationalistische Bewegung, seit kur- Revolutionären Koordination der Massen zem Mitglied der sozialistischen Internationale). den Kampf der Arbeiter und Bauern von Salvador führen, um die Militärdiktatur durch den Generalstreik und den Volksaufstand zu stürzen, Die wichtigsten Arbeiter- und Bauernorganisationen
Politisch-militärische Organisa tionen Gründung entsprechende Massenoragnisationen Gründung FPL Farabundo Marti, 1970 BPR. 1975 Fuerzas Populares de Liberacion "Farabundo Bloque Popular Revolucionario (Revolutionärer Marti" (Volksbefreiungsk räfte "Farabundo Marti") Volksblock) ERP.PRS. 1971 Ligas Populares 28 del Febrero (Volksligen 1977 Ejercito Revolucionario des Pueblo - Partido de la Revolucion Salvadoreana (Revolutionare des 28. Februar) Volk sarmee - Partei der Salvadoreanischen
Revolution)
FARN 1975 FAPU, 1974 Fuerzas Armadas de la Resistencia Nacional Frente de Accion Popular Unificado (Vereinte (Bewaffnete Kräfte des nationalen Widerstands) Ak tionsfront des Volkes) PRTC. 1979 Movimiento de Liberacion Popular (Volk sbe- 1979 Partido Revolucionario de los Trabajadores
Centroamerik anos (Revolutionäre Arbeiterpartei freiungsbewegung) Zentralamerik as)
Nicaragua: