Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Erklärung zur Vorstellung der Arbeiterpartei

Inprekorr Nr. 111, 25. Oktober 1979 · S. 14-15 · 998 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Brasilien

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Die Idee, eine Partei nur für Arbeiter aufzubauen, ist so •alt wie die Arbeiterklasse selbst. İn einer Gesellschaft wie der unseren, die auf der Ausbeutung und der Ungleichheit der Klassen gründet, benötigen die Ausgebeuteten und Unterdrückten immer eine getrennte Organisation, damit es ihnen möglich ist, den herrschenden Klassen wirklich Widerstand zu leisten - den Klassen, die immer unterdrückerischer werden und immer gieriger nach Privilegien.

Wenn indes die Arbeitenden und die während des großen Metallerstreiks von Ausgebeuteten sich an diese • Aufgabe, ABC (Industrieregion von Sao Paulo), eine unabhängige Organisation nur für die dem ersten Streik seit 1968, an dem Arbeiterklasse aufzubauen, dann taucht 60.000 Streikende beteiligt waren, beeine ganze Reihe von Problemen auf. Das gannen sie •ihren emanzipatorischen ist die Situation, die von anderen Unter- Kampf. Von diesem Zeitpunkt an entdrückten schon wiederholt erlebt wurde, fesselten die Arbeiter und die proletariwie wir sie jetzt auch in Brasilien kennen. schen Schichten unserer Bevölkerung eine regelrechte Lawine von Kämpfen um Die werktätigen Klassen beginnen, das die Verbesserung ihrer Lebens. • und mächtige Joch, unter dem sie-sich befan- Arbeitsbedingungen. Die Erfahrung dieser den, abzuschütteln, und am 12. Mai 1978 Kämpfe zeigt von einem Politisierungs-

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prozeß der werktätigen Bevölkerung und von einer quantitativen und qualitativen Entwicklung ihrer Führungen.

Dieser Politisierungsprozeß ist vor allem auffällig, was die Kampfformen, welche die Arbeitenden derzeit verwenden, angeht. Der Beginn der Kampfeswelle war gekennzeichnet von einer Periode weißer Streiks" (alle Arten von Reduzierung des Arbeitstempos) - in den Fabriken. Die jüngsten Schlachten, insbesondere der Generalstreiks der Metaller, zeigen, daß alle klassischen Kampfformen wieder zu Ehren kommen: breite Streikversammlungen treten zusammen, und die Streikposten und Streikkassen spielen eine entscheidende Rolle.

Die herrschenden Klassen wissen das genau, und auch sie haben damit begonnen, ein Projekt von einer Brasilianischen Arbeiterpartei" (PTB, eine alte populistische Formation) in die Welt zu setzen. Aber mit solchen demagogischen Projekten können die Arbeiter nicht mehr irregeführt werden; sie gehen auf solche Schritte nicht mehr ein. Das zeigt, daß sie dieser alten, von anderen in ihren Namen ausgearbeiteten Projekten müde sind. Jetzt ist die Stunde für die Arbeiter gekommen, selbst ihr Land und ihre Zukunft zu planen und zu bauen.

Wir Gewerkschaftsführer wollen nicht die Führer der Arbeiterpartei sein, insbesondere weil wir der Meinung sind, daß es unter den Basis-Aktivisten fähigere und der Sache ergebenere Aktivisten gibt, die die Partei aufbauen und führen können. Wir möchten nur unser moralisches und politisches Ansehen mit in die Waagschale werfen, um zu versuchen, der gesamten Arbeiterschaft einen eigenen Weg zu öffnen. Wir sind uns bewußt, daß wir zur Erfüllung dieser• Aufgaben derzeit unersetzlich sind. Und nur aus diesem Grunde übernehmen wir die Rolle, Gründer der Arbeiterpartei zu sein.

Das brasilianische Volk ist arm, es darbt und ist niemals über das Schicksal seines Landes konsultiert worden. Wir sind nicht der Meinung, daß dieses Volk Gerechtigkeit und Demokratie kennen wird ohne den entscheidenden und organisierten Beitrag der Arbeiter, der eigentlich produktiven Klasse des Landes. • Das ist es, warum wir absolut nicht an die von den Untemehmern oder den politischen Eliten geschaffenen und geführten Parteien und Regierungen glauben. Trotz ihrer demokratischen Fassade können sie gar nicht unser Volk an den Errungenschaften der Zivilisation und am politischen Leben teilnehmen lassen. All die schlimmen Übel, welche die te, Räume für ihre Versammlungen zu brasilianische Gesellschaft peinigen, bekommen. können erst überwunden werden, wenn die Arbeitenden am Leben der Nation Auf der anderen Seite war die Untereinen entscheidenden Anteil haben. stützung, welche die Metaller aus anderen Bereichen erhielten, ziemlich beschränkt. Das Instrument zu dieser. Teilnahme Sie reichte aus, um eine massive Represkann nur die „Partei der Arbeiter" sein. sion zu verhindern, aber sie war zu Packen Aufgabe wir also jetzt diese -historische unsicher. Es handelte sich eher um einan: Organisieren wir überall faches Solidaritätsempfinden ohne kon- Basiskerne dieser Partei! Krete materielle Grundlagen, denn die Gewerkschaftsbewegung hatte selbst enge Die Arbeitenden haben im Verlaufe Schranken und eine politische Organisadieses• Kampfjahres verstanden, daß auch tion der Werktätigen gab es nicht. ihre unmittelbarsten Forderungen sofort jedesmal auf größere Hindemisse stießen: Wiederholt sehen sich die Streiksführer aus diesem Grunde sind sie • dialektisch gezwungen, nur mit zufälligen Verbüngezwungen, ihre eigenen Organisationen deten rechnen zu können aus den Mittelaufzubauen, die sie • zunehmend koordi- klassen und sogar aus der Bourgeoisie nieren und verbessern. selbst. Angesichts des mächtigen Streiks von Die Werktätigen waren noch nicht in der ABC waren Unternehmerschaft und Re- Lage, den Streikenden der Region ABC gierung gezwungen, enger aneinanderzu- ihre ganze Unterstützung auszudrücken. rücken, damit die Politik des „arrocho", Sie werden so lange unfähig zu so etwas des Lohnstopps und die halbfaschisti- sein, solange sie sich nicht politisch in schen Gewerkschaftsstrukturen nicht einer eigenen Partei organisieren. kaputtgehen. Den Unternehmern waren alle Mittel recht, um die Einheit der Ar- Unter diesen Umständen ist der Gedanke beiter zu brechen, und gleichzeitig weiger- einer Partei der Arbeiter" entstanden im ten sie sich, die Verträge, die während Verlaufe der Streiks letzten Jahres, und er Streikperioden abgeschlossen worden wurde als Vorschlag in die Versammlung waren, anzuerkennen. Die Regierung ent- etlicher Gewerkschaften von Porto Alegre fesselte die Repression: Besetzung der (Rio Grande do Sul) am 19. Januar 1979 Gewerkschaftshäuser• und Verhaftung eingebracht. Heute findet er unaufhaltsam ihrer Führer, während draußen auf der immer mehr Anhänger. Denn er entspricht Straße die Polizei die Streikposten jagte ja - jetzt mehr denn je - einer objektiven und die Arbeiter gewaltsam daran hinder- Notwendigkeit für die Arbeiter. Politische

Plattform

Die politische Plattform der „Partei der , Arbeiter" muß zum Ausdruck bringen, wie diese • Partei sich hinsichtlich der Interessen der Arbeiter, welche sie vertritt, wirklich engagiert.

Aber zu gleicher Zeit, wo diese Plattform als grundlegendes Instrument für die Organisierung dieser. Partei dienen und den Kämpfen der Arbeiter konkrete Antworten bringen soll, muß sie auch Frucht dieser Kämpfe sein, denn in jedem Augenblick tauchen neue Probleme auf und müssen neue Lösungen gebracht werden. Insofem bildet die hier vorgeschlagene