Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Südafrika nach Soweto

· Inprekorr Nr. 107, 12. Juli 1979 · S. 19-23 · 3.766 Wörter

Südafrika Gewerkschaften und Streiks Jugend und Studenten USA und Kanada

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Tail 1 DIE ZWANGJACKE "APARTHEID"

ENTWICKELT SICH

Trotz der schreienden Ungleichheit der Apartheid versucht die südafrikanische Regierung heute die Schwarzen zu überzeugen, daß ihr nichts lieber wäre, als die Lebensbedingungen der schwarzen Mehrheit des Landes wesentlich verbessert zu sehen.

Tatsächlich sind einige oberflächliche •Facetten der Apartheid seit der Massenrebellion der Schwarzen im Jahre 1976 verändert worden.

Die offizielle Terminologie klingt nun anders. „Apartheid", der Begriff, der benutzt wurde, um die gegen die schwarze Bevölkerung gerichtete massive Rassentrennung zu beschreiben, wurde bereits einige Jahre zuvor nicht mehr von der Regierung favorisiert (obwohl er immer noch allgemein in Gebrauch ist). Nun ist selbst sein Ersatz, getrennte Entwicklung" , nicht mehr in Mode. Die neue Losung der Regierung lautet „mehrseitige Beziehungen (plural relations)". Ähnlich ist auch der rassistische Ausdruck „Bantu" für Afrikaner weitgehend aus dem offiziellen Gebrauch gestrichen worden.

Das Regime hat einige unbedeutendere Praktiken der Rassentrennung ausklingen lassen. Es erwägt eine gewisse Form begrenzter Anerkennung afrikanischer Gewerkschaften. Es hat versprochen. mehr Finanzmittel für die Ausbildung der Schwarzen zur Verfügung zu stellen. Es hat in vielen schwarzen townships „ge wählte" Gemeinderäte eingerichtet. Es hat afrikanischen Hauseigentümern begrenzte Vermietungsrechte zugestanden. Es ist dabei, einen neuen Verfassungsentwurf zu formulieren, durch den Schein- Parlamente" für die farbigen und indischen Teile der Bevölkerung eigesetzt würden. Es hat versprochen, die verhaßten von ERNEST HARSCH

Pässe „abzuschaffen" *, die alle Afrikaner mit sich tragen müssen.

Mitglieder von Premierminister Pieter W. Bothas Kabinett reden ständig über Veränderungen. Piet Koornhof, der neue Minister für plurale Beziehungen und Entwicklung, verspricht eine begeisternde Ära der Reformen". Selbst John Vorster, der letztes Jahr als Premierminister zurückgetreten war, um Präsident zu werden, hat eine neue Epoche" für Südafrika angekündigt. Doch um welche Art von Veränderung geht es? Was ist das Ziel der „Reformen"*? Nachdem ich im November und Dezember 1978 mehrere Wochen in Südafrika verbracht habe, kann ich keinerlei Anzeichen dafür entdecken, daß irgendeine der neuerlich verfügten Veränderungen grundlegende Verbesserungen für die Schwarzen mit sich brächte. In den drei größten Städten, Johannesburg. Durban und Kapstadt. in kleineren Städten wie Germiston, Stanger, Balfour und De Aar in den schwarzen townships Soweto, Lamont, KwaMashu, Ntuzuma, Grassy Park, Dieprivier, Retreat und Athlone; in den Siedlerlagern Crossroads und Richmond; im Bantustan KwaZulu; in den ländlichen Bereichen des südlichen Transvaal, Natals und des Kaps; überall. wohin ich gekommen bin, sind die Schwarzen immer noch der gleichen schwersten Unterdrückung und Ausbeutung durch die weiße Minderheit ausgesetzt. unter der sie seit so vielen Jahren leiden. Ganz klar ist die weiße Vorherr. schaft immer noch das eiserne Gesetz der südafrikanischen Gesellschaft. Bestenfalls zielen einige der jetzt durchgeführten „Reformen" darauf ab. diese Wirklichkeit schlicht zu beschönigen. In den meisten Fällen steckt die Absicht dahinter, die Profite der Weißen besser zu schützen und die nationale Unterdnik- IMMER NOCH „NUR FÜR WEISSE"

Zu den tamittelbarer durchsichtigen Maßnahmen. die jetzt durchgeführt wurden, gehört die sogenannte Beendigung der kleinen Apartheid", der Rassentrennung im Bereich öffentlicher und privaten Freizeitstätten.

Die „Nur für Weiße" Schilder an Parkbänken sind übermalt worden, cinge Strände wurden zu „vielrassischen" erklärt, gelegentlich finden gemischte Sportveranstaltungen statt, und ein paar Hotels und Restaurants wurden zu „internationalen" ernannt, d.h. sie stehen schwarzen Besuchern aus dem Ausland genauso wie Weißen zur Verfügung. Selbst die minimalen „Desegregations"- Maßnahmen der Regierung waren mehr Augenwischerei als Wirklichkeit. Öffentliche Toiletten, Flughafenwartesäle, Spirituosenläden, Sportplätze, Theater, Taxis. Restaurants, Strände und eine Unzahl anderer öffentlicher und privater Einrichtungen sind noch immer weitgehend der Rassentrennung unterworfen, wobei viele davon entwürdigende Schilder mit der Aufschrift Blankes Alleen - Whites only" (.,Nur für Weiße") oder „,For Coloureds, Asians, and Bantu" (,,Für Farbige, Asiaten und Bantus*) tragen. Mit Ausnahme einiger Buslinien in Kapstadt herrscht nahezu im gesamten öffentlichen Transportwesen das Prinzip der Rassentrennung, im allgemeinen mit gesonderten Fahrzeugen für Schwarze und Weiße. In zwischen den Städten verkehrenden Zügen sind gewisse Abteile den Weißen und andere den Schwarzen vorbehalten. Die ersteren tragen das Etikett „Erste Klasse" und „Zweite Klasse". die letzteren das der Dritten Klasse*

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Nahezu sämtliche öffentliche Einrichtungen für Schwarze sind weit denjenigen unterlegen, die den Weißen vorbehalten sind. Die Busse und Züge für die Schwarzen sind im allgemeinen die ältesten und in schlechtestem Zustand, was zu häufigen Unfällen führt. Manche Pendlerzüge sind so überfüllt, daß sich Passagiere oft draußen anhängen müssen (bekannt als „Personalfahrt"). Die Strände der Schwarzen sind im allgemeinen an den gefährlichsten Stellen der Uferlinie gelegen.

+++ Vom Standpunkt des Regimes aus gesehen, ist die Beibehaltung zumindest einiger „kleinerer" Praktiken der Rassentrennung bedeutsam als Bekräftigung der untergeordneten gesellschaftlichen Stellung der schwarzen Bevölkerung, als ein Symbol der großen Kluft, die den „Herm" vom „Knecht" trennt. Wenn die Rassentrennung im sozialen und kulturellen Bereich zusammenbricht, so die Überlegung der Behörden, was sollte die Schwarzen dann davon abhalten, noch heftiger auf gleiche politische Rechte zu drängen?

Von der Rassentrennung nach Wohngebieten, einem der augenscheinlichsten Kennzeichen der Apartheid, ist um keinen Zoll abgewichen worden. Die städtische schwarze Bevölkerung lebt in hunderten abgesonderter townships, die traubenförmig um die großen Städte gruppiert sind, wobei ihr Aufenthaltsrecht und ihre Bewegungsfreiheit durch eine Unzahl von Gesetzen und Verordnungen strikt reguliert ist. Die schwarzen townships sind in der Regel sehr arm und verfügen kaum über öffentliche Leistungen und Freizeitstätten, während die Weißen über Häuser in verschwenderischen, großräumigen und gepflegten Vorstädten verfügen, die einzig ihrer Nutzung vorbehalten sind.

Die Rassentrennung im Wohnungsbereich nimmt in der Tat immer schärfere Formen an. In den Städten, in denen einige Schwarze noch nahe dem Stadtzentrum oder in der Nähe von Wohngebieten der Weißen leben, sind die Polizei und Regierungsbeamte bemüht, sie in isoliertere townships auszuweisen, die oft viele Meilen von ihrem Arbeitsplatz entfernt sind.

In Kapstadt z.B. werden die farbigen Familien, die noch im Sechsten Distrikt, im Herzen der Stadt, leben, rausgeworfen, um Platz zu schaffen für neue weiße Wohnviertel. Sie landen entweder in den bestehenden (und überfüllten) townships und Siedlerlagern, oder sie werden ge- BATHING AREA FOR

COLOURED COMMUNITY zwungen, in neue Wohnprojekte umzuziehen wie etwa in Mitchell's Plain und Atlantis, die beide weit entfernt sind vom eigentlichen Kapstadt.

+++ ERZIEHUNG ZUR KNECHTSCHAFT

Seit den Anfängen der Rebellionen von Soweto im Jahr 1976 steht der rassistische Charakter der Ausbildung der Schwarzen im Mittelpunkt der Anklagen. Schüler haben demonstriert und den Unterricht boykottiert, und Lehrer haben ihren Beruf aufgegeben, um darauf zu drängen, daß die „Bantu-Bildung" zum alten Eisen geworfen wird.

Nachdem die Protestaktionen nun abgeklungen sind, hat das Botharegime in einem Versuch, seine Gewalt über die Schulen zu verstärken, ein neues Bildungsgesetz im Parlament eingebracht. Zu einem gewissen Grad versucht dieses Gesetz, die weitverbreitete Wut unter den schwarzen Schülern, Eltern und Lehrern über den Mangel an ausreichender Ausbildung für Schwarze dadurch teilweise zu beschwichtigen, daß versprochen wird, eine allgemeine Schul, pflicht" für afrikanische Schüler für den Grund- und Hauptschulbereich einzuführen.

Bücher und andere Unterrichtsmittel, die zuvor von Eltern und Schülern bezahlt werden mußten, sollen nun von der Gehaltsskala für schwarze und weiße einer Abkehr von der vorherigen Politik, den Bau neuer afrikanischer High Schools nur in den Bantustans zu erlauben, gibt es jetzt Pläne, zumindest vier neue Secondary Schools in Soweto zu errichten. Zum größten Teil ist das Gesetz jedoch außerordentlich rückschrittlich. Zu allererst hält es den Grundsatz rigider Rassentrennung im Schulbereich gegen die Schwarzen aufrecht. Und das Gesetz bewegt sich keinen Zoll weg von den be- WHITES BLANT

Unil stehenden Lehrplänen, die darauf abzielen, die jungen Schwarzen so zu formen, daß sie ihre untergeordnete Rolle in der südafrikanischen Gesellschaft hinnehmen.

Ebenso wenig besteht irgendeine Verpflichtung für die Regierung, die breite Kluft zwischen den Ausgaben für die Ausbildung der Weißen und für die der Schwarzen wesentlich zu verringern. Pro Jahr wird für jeden afrikanischen Schüler im Durchschnitt nur 65 Dollar ausgegeben gegenüber 750 Dollar für jeden weißen Schüler. Die afrikanischen Eltern müssen zudem im Gegensatz zu den weißen Schulgeld zahlen.

Da die Finanzmittel für die Ausbildung der Schwarzen aus Steuern und Gebühren stammen, die unter der schwarzen Bevölkerung erhoben werden, bedeuten die Pläne zur Aufstockung dieser Ausgaben eine Erhöhung der Kosten für die afrikanischen Eltern. Das West Rand Administration Board, dem die Aufsicht über die afrikanischen townships im Bereich Johannesburg untersteht, hat bereits vorgeschlagen, die Schulgelder in Soweto 1979 um mehr als 100% zu erhöhen. Unter diesen Umständen wird die Methode des Regimes, die Schulpflicht einzuführen, falls tatsächlich durchgeführt, zu noch größeren Härten für die schwarze Bevölkerung führen.

Das Gesetz schreibt ebenfalls Strafen für verschiedene Gesetzesübertretungen fest. Eltern können zu einer Geldstrafe verurteilt werden, wenn sie ihre Kinder' nicht in der Schule anmelden. Jeder, der dabei ertappt wird, daß er ohne offizielle Erlaubnis afrikanischen Schülern Unterricht erteilt, kann zu einer Geldstrafe von 500 Rand (1 Rand entspricht etwa 2,10 DM) oder zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt werden. Boykottmaßnahmen von Lehrern oder Schülern werden illegal sein und können mit Geldstrafen von 200 Rand belegt werden. Die Lehrer können auch wegen Ungehorsams

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gegenüber behördlichen Anweisungen oder wegen Kritik an der Regierung oder irgendeiner Abteilung der Regierung bestraft werden.

Wie nicht anders zu erwarten, widersetzt sich der größte Teil der Führung der schwarzen Bevölkerung dem neuen Gesetz. Dr. Nthato Motlana, der Vorsitzende des Zehnerausschusses von Soweto. einer breit in der Bevölkerung verwurzelten Gruppierung. erklärte im November: „Irgendein speziell für Schwarze bestimmtes und auf sie zugeschnittenes Gesetz ist völlig unannehmbar. "

Reverend E. Tema, Vorsitzender des Aktionskomitees von Soweto betonte dies ebenso. ,Wir haben kein Interesse an einer ethnisch ausgerichteten Ausbildung für Südafrika", sagte er. Der Bundesrat der Schulämter des Transvaal sandte im Dezember eine Denkschrift an das Bildungsministerium, in der das Gesetz abgelehnt und gefordert wurde, die Ausbildung für Afrikaner müsse sowohl verpflichtend als auch kostenlos sein. NEUE FESSELN FÜR DIE SCHWARZE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG

Das Regime nimmt ebenfalls einige Korrekturen in seiner Gewerkschaftspolitik vor.

Am 2. Mai kündigte Arbeitsminister Fanie Botha an, die Regierung habe „grundsätzlich" die Ausweitung begrenzter Gewerkschaftsrechte auf einige afrikanische Arbeiter akzeptiert, die zuvor unter dem Gesetz nicht über solche Rechte verfügten. Er stellte dies als „eine neue Befreiung in der Geschichte der Gewerkschaften Südafrikas" hin. Die Ankündigung zeigt an, daß das Apartheid-Regime die meisten Empfehlungen akzeptierte, die am Vortag von einer Regierungskommission unter Prof. Nic Wiehan vorgetragen worden waren, die seit 1977 vorgeschlagene Veränderungen in der Arbeitsgesetzgebung untersucht hatte.

Oberflächlich betrachtet könnte dieser Schritt vielleicht wie ein bedeutenderes Zugeständnis aussehen. Aber genauso wie im Falle der sonstigen Änderungen der Politik des Regimes in der letzten Zeit zielt er in Wirklichkeit darauf ab, dazu beizutragen, die Kontrolle über die afrikanischen Arbeiter aufrechtzuerhalten. Trotz zahlloser gesetzlicher Hindernisse, forwährender polizeilicher Verfolgung und der Ächtung praktisch jeder Streikaktion, wurden schwarze Gewerkschaften bereits gebildet, und zwar auf Initiative der Arbeiter selbst. Dies gilt insbesondere für die Zeit seit der massiven Streik welle in Natal im Jahre 1977. Obwohl die afrikanischen Gewerkschaften keinen legalen Status hatten, gelang es ihnen gleichwohl, mindestens 80.000 afrikanische Arbeiter zu organisieren und in einigen Fällen Unternehmen sogar Zugeständnisse abzutrotzen.

Genau zwei Wochen vor Bothas Ankündigung trafen sich Vertreter von zwölf schwarzen Gewerkschaften am 14. und 15. April in Hammanskraal, um den ersten schwarzen Gewerkschaftsbund seit der Zerschlagung aller bestehenden in den 60er Jahren in die Wege zu leiten. Unter dem Namen Bund südafrikanischer Gewerkschaften (Fosatu) nimmt er fúr sich in Anspruch. 45.000 afrikanische und farbige Arbeiter zu vertreten. Die meisten der bestehenden schwarzen Gewerkschaften hahen reformistische Führungen. Doch die weiße herrschende Klasse und ihre Regierung fürchten nichtsdestoweniger, diese Gewerkschaften könnten möglicherweise zu Brennpunkten militanten und massenhaften Widerstandes der Arbeiterklasse werden - falls nicht etwas dafür getan wird, sie wirksam unter Kontrolle zu bekommen.

Die Ausweitung formaler gewerkschaftlicher Anerkennung auf einige afrikanische Arbeiter wird bedeuten, daß die Gewerkschaften, denen sie angehören, im Sinne der Industriegesetzgebung des Regimes erfaßt werden. Dadurch werden die gleichen Beschränkungen hinsichtlich des Streik- und Tarifrechts auf sie ausgedehnt werden, die bereits weiße, farbige und indische Arbeiter betreffen. Die Zwangsschlichtung. wobei das weiße Regime eine wesentliche und unmittelbare Rolle an der Seite der Unternehmer spielt, stellt einen wichtigen und zentralen Bestandteil dieser Gesetze dar. „Sicherheiten". die den neuer Gewerkschaften auferlegt werden, gehört nach einem Bericht in der Wochenausgabe des Johannesburger „Star" vom 5. Mai die .,Übenwachung der Wahl oder Emennung von Leuten in verantwortlichen Positionen, Untersuchung der Finanzangelegenheiten einer Gewerkschaft durch einen Inspektor des Arbeitsministeriums und die Ausweitung von Bestimmungen, die ein politisches Engagement von Gew schaften verhindern. " Einige radikalere schwarze Gewerkschafter lehnen die „gesetzliche" Anerkennung gerade deshalb ab, weil es ihre Gewerkschaften in die gesetzgeberische Zwangsjacke des Regimes verstricken und zu verstärkter unmittelbarer Einmischung der Regierung in ihre Angelege.the..en führen würde. Einer von ihnen sagte im Dezember zu mir: „Wir kümmern uns nicht um eine Anerkennung durch die Regierung. Für uns ist es wichtig, starke und unabhängige Gewerkschaften aufzubauen. Das wird die Unternehmer dazu zwingen, mit uns zu verhandeln. " Die von Botha entworfenen Veränderungen schließen noch weitere bedeutsame Einschränkungen ein. Afrikanische Wanderarbeiter, die mehr als ein Drittel aller afrikanischen Arbeiter ausmachen, sollen nicht Gewerkschaftsmitglieder werden dürfen. Ebenso wenig die zunehmende • Zahl von Afrikanern, die keine ständigen Aufenthaltsrechte außerhalb der Bantustans besitzen. Gesetzliche ;Arbeitsvorbehalte" , nach denen besondere Positionen durch Gesetz allein den Weißen vorbehalten sind, PLANTW

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sollen aufgegeben werden. Aber in der Praxis waren von diesen gesetzlichen Vorbehalten höchstens ein paar tausend Arbeitsplätze betroffen. Viele weitere tausend sind den Schwarzen auf inoffiziellem Weg verwehrt, und die neue Gesetzgebung wird keine Anstrengungen unternehmen, dies zu durchbrechen. Sein wahres Gesicht zeigt der Bericht der Weihahn-Kommission am klarsten dort, wo verschärfte Unterdrückungsmaßnahmen gegen afrikanische Gewerkschaften versprochen werden, die sich einer Erfassung verweigern oder die enggefaßten Registrierungsbedingungen nicht erfüllen. Ihnen ist es weder erlaubt, mit den Unternehmern zu verhandeln noch sich zu organisieren, Einschränkungen, die viele von ihnen zwingen könnten, aufzugeben. Kurzum, die Kommission schlägt vor, alle Gewerkschaften zu zerschlagen, die in Konflikt geraten mit dem „Ideal ordungsgemäßer Gewerkschaftsarbeit im Rahmen der Gesetze". Es ist ebenfalls sicher, daß die Aktivisten, die versuchen, die anerkannten Gewerkschaften für eine klassenkämpferische Politik zu benutzen, sich der ganzen Wut der Sicherheitspolizei, ausgesetzt sehen werden.

Vom Standpunkt der Behörden ist eine straffe Kontrolle über die südafrikanische Arbeiterklasse•• der bedeutsamste Faktor in der Aufrechterhaltung von Kapitalismus und weißer Vorherrschaft. Die Grundstücksgesetze, die Paßgesetze, die Bantustans, die Verweigerung demokratischer Rechte, all dies kreist um diese eine zentrale Frage.

Der Grund dafür ist nicht schwer zu erkennen. Die mehr als acht Millionen schwarzen Arbeiter machen das Rückgrat der südafrikanischen Wirtschaft aus. Sie sind überall: sie arbeiten auf Gerüsten Joharnesburger Bauplätze, sie legen Entwässerungsgraben in Kapstadt an, sie schleppen Frachtgut am Kai von Durban, sie ernten Zuckerrohr in Natal, sie brechen den Fels in den Goldminen von Witwatersrand, sie • setzen in Port Elizabeth PKW-Motoren zusammen.

Es sind diese schwarzen Arbeiter, die Südafrika aufgebaut haben und es am Leben erhalten.

APARTHEIDSLÖHNE

Weil die schwarzen Arbeiter anders als dic weißen schwerster nationaler Unterdrückung unterworfen sind, waren die Bosse in der Lage, sie doppelt auszubeuten, ihre Löhne auf dem elendsten Existenzminimum zu halten.

Zum Beispiel zahlt das Volkswagen- Die Arbeitslosigkeit unter den afrikawerk in Uitenhage, in der Nähe von Port nischen Arbeitern ist schwindelerregend. Elizabeth, gegenwärtig einen Mindestlohn Für die Afrikaner allein steht sie gegenvon ganzen 0,86 Rand pro Stunde, was wärtig bei 2 Millionen Menschen und im Monat insgesamt 148,78 Rand aus- wächst um 10.000 Menschen pro Monat. macht. Nach dem Institut für Planungs- Ein von der Senbank Anfang 1978 verforschung der Universität Port Elizabeth öffentlichter Bericht zog den Schluß, beträgt das absolute Minimaleinkommen Südafrika werde im Verlauf der nächsten einer Familie in Uitenhage 149,02 Rand Jahre einer unangenehm hohen im Monat (solche Schätzungen setzen Arbeitslosigkeitsrate betroffen sein, und zudem in der Regel die wirklichen Bedürf- die bereits jetzt furchtbare Beschäftigungsnisse einer Familie zu niedrig an). situation unter den Schwarzen (wird) noch ernster werden. "

Es wurde geschätzt, daß schwarze Bergarbeiter im Jahre 1978 durchschnitt- Etwa zur gleichen Zeit hat eine Umliche Monatslöhne von 119 Rand erhalten frage unter arbeitslosen Schwarzen in haben, während weiße Bergarbeiter im Johannesburg, Pietermaritzburg Durchschnitt 840 Rand im Monat ver- Durban wie auch in den Bantustans dienten - mehr als das Siebenfache. Lebowa und KwaZulu ergeben, daß 80% von ihnen Schwierigkeiten hatten, Grund- Schwarze Arbeiterinnen erhalten noch legendes wie Nahrungsmittel, Bekleidung geringere Löhne als die Männer. In Preto- und Miete bezahlen zu können. Etwa ein ria wird Hausangestellten durchschnittlich Drittel von ihnen war entweder völlig 36 Rand im Monat ausgezahlt, wofür sie mittellos oder doch nahe daran. die Woche über zwölf Stunden pro Tag arbeiten müssen und am Wochenende ++t.. etwas weniger. In Pinetown, in der Nähe von Durban, verdienen ungelernte Arbei- Mit seinem sagenhaften Reichtum an terinnen 30 Rand im Monat. Im Babelegi- Mineralien, seiner entwickelten Industrie Industrierevier des BophutaTswana Reser- und seinen produktiven Farmen wird vats werden Arbeiterinnen häufig für Südafrika als ¡reichtes" Land in Afrika weniger als 6,90 Rand pro Woche angesehen. Doch die Armut ist allgegenangestellt. wärtig.

Die Arbeitsbedingungen für die In Soweto leben 80% aller Haushalte! schwarze Bevölkerung sind ungeheuerlich. von weniger als 200 Rand im Monat, dem Für die Landarbeiter oder die ungelernten gegenwärtigen Minimum Effective Level, Arbeiter in den Städten kann dies bedeu- einem gebräuchlichen Indikator ten, sich stundenlang in der brennenden Armut. Sommersonne oder bitterer Winterkälte aufhalten zu müssen. Für Fabrikarbeiter In den ländlichen Gegenden sind die kann es ein Fehlen selbst der grund- Bedingungen legendsten Sicherheitsvorkehrungen be- Hunger und Krankheit sind in den Bantudeuten. stans weit verbreitet, und schwarze Landarbeiter auf Farmen mit weißen Besitzern Die International Labor Organization werden gezwungen, in den erbarmlichsten hat Ende 1978 festgestellt, daß sich die Hütten zu hausen. Arbeitsbedingungen schwarzer Arbeiter in den Goldminen im Vergleich zum WER VON DER APARTHEID vorangegangenen Jahr tatsächlich ver- PROFITIERT schlechtert haben. „Die Arbeiter in den Goldminen", berichtete die ILO, „sind Die doppelte Ausbeutung der südafrinahezu unerträglichen Bedingungen des kanischen schwarzen Arbeiterschaft hat Eingeschlossenseins, von Hitze, Lärm und es hier tätigen Konzernen ermöglicht, Staub ausgesetzt, was unvermeidlich zu verhältnismäßig hohe Profite zusammeneiner hohen Unfallrate führt." zuraffen. Das ist • der hauptsächliche Beweggrund für die nationale Unterdrük- Die schwarze Bevölkerung leidet am kung der Schwarzen. meisten unter der Inflation. Nach dem statistischen Amt betrug die Inflations- 1978 war ein besonders gutes Jahr für rate für den Zeitraum Oktober 1977 bis einige Gesellschaften. Von De Beers Oktober 1978 11,3% für die höheren Consolidated Mines, verbunden mit der Einkommensgruppen (fast • nur Weiße) gigantischen Anglo American Corporation, und 12,8% für die Gruppen mit niedrige- wurden für 1978 Nettoprofite von rem Einkommen (zum Großteil Schwar- 750,6 Millionen Rand berichtet - 31,8% ze). Die vor kurzem verhängte Mehrwert- mehr als im Vorjahr. Die Nettoprofite steuer hat gleichfalls die Schwarzen am von Goll Fields of South Africa aus dem härtesten getroffen. zweiten Halbjahr von 1978 sind im Ver-

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gleich zum Vorjahreszeitraum um 50% Mitte November machte das südafrikain die Höhe geschnellt. nische Schatzamt eine direkte Anleihe benutzt, wurden in den USA hergestellt", von 250 Millionen Dollar bei einem erklärte mir ein früherer Aktivist •der Die Profitraten im Bergbau, der ver- Syndikat aus zwolf führenden Banken in Schülerbewegung. „Als während der 76er arbeitenden Industrie, dem Bankwesen sechs europäischen Ländern. Die Johan- Ereignisse Verstärkung nach Kapstadt und den meisten anderen Sektoren Süd- nesburger „Sunday Times" berichtete am geflogen wurde, wurden amerikanische afrikas sind durchwegs höher als im 19. November, nach Mitteilungen aus Flugzeuge ! nutzt." Großteil des übrigen Afrika und gehören höchsten Kreisen ist eine Flut handfester zu den höchsten aller entwickelten Angebote (anderer) ausländischer Kredite Andere betonten den ausbeuterischen Industrieländer. Entscheidend dafür sind der Unterzeichnung (der Anleihe) gefolgt." Charakter des Engagements ausländischer die besonders niedrigen Löhne für die Unternehmen in der südafrikanischen schwarzen Arbeiter. Eine Studie des Einen Monat spater ergab eine Um- Wirtschaft trotz des „liberalen" Images. südafrikanischen Instituts für Rassen- frage des US-Handelsministeriums, daß das sich einige dieser Firmen zu geben beziehungen über ein typisches großes die amerikanischen Unternehmen in Süd- versucht haben. „Südafrikaner, Amerikasüdafrikanisches Unternehmen hat erge- afrika planten, ihre Kapitalaufwendungen ner sind sich alle gleich", sagte einer. ben, daß dessen Profite um 8% fallen um fast 20% zu erhöhen. In der Berg- bezahlen uns so wenig wie nur moglen." würden, wenn die Löhne seiner schwarzen werks- und Schmelzindustrie", berichtete Arbeiter auf das bloße Existenzminimum die Johannesburger „Rand Daily Mail" Obwohl es in Südafrika gegen die angehoben würden; wenn die Löhne auf am 13. Dezember. wird eine annähernde Gesetze verstößt, den Abzug ausländischer ein „menschlicheres" Niveau der Armut Verdreifachung der Ausgaben erwartet. Investitionen zu fordern, machten die angehoben würden, würden die Profite Ungefähr 50 Millionen Rand werden für meisten klar, daß sie genau das wünschten. um 21,9% sinken. Projekte aufgebracht, zu denen hauptsächlich die Förderung und Aufbereitung Mit einem Bezug auf amerikanische Es ist klar, daß es wesentlich ist für die von Uran und Kupfer gehört. In der ver- Unternehmer sagte mir ein junger schwaranhaltende Prosperität des südafrikani- arbeitenden Industrie werden die in ame- zer Arbeiter, die amerikanische Bevölkeschen Kapitalismus, eine unterbezahlte rikanischem Besitz befindlichen Unter- rung solle dazu beitragen, „daß wir diese schwarze Arbeiterschaft beizubehalten. nehmen das Doppelte dieser Summe blutbeschmierten Bastarde loswerden. " anlegen - ein Zuwachs von ungefähr Eine wachsende Zahl der aus der 25%."

Apartheid profitierenden bedeutenderen Untemehmen und Banken sind südafrika- erwartet, daß der gesamte nisch: Anglo American, Rembrandt, Kapitalaufwand

Barrow Rand, Federale Volksbeleggings, nehmen 1979 240 Millionen Rand errei- Volkskas. Ausländische Interessen ragen chen wird im Vergleich zu 200 Millionen aber immer noch heraus, und ihre Inves- Rand im vergangenen Jahr. Die direkten titionen und Darlehen spielen eine entscheidende Rolle dabei, das ganze System etwa 1.6 Milliarden Dollar oder 16% aller weißer Vorherrschaft zu stützen. Bekann- direkten ausländischen Investitionen in te Namen wie Barclays, Ford, IBM, Südafrika. Weitere 2 Milliarden Dollar in Kellogg, Siemens, Toyota, Volkswagen, amerikanischen Krediten standen der Procter and Gamble, Gillette, Singer und südafrikanischen Regierung oder in Süd- Mobil sind überall zu sehen. afrika tätigen Unternehmen offen (Stand Obwohl ausländische Bankiers und Sicherheitsstiefel fur schwarze Arbeiter un Sudafrika Unternehmer eine gewisse • Vorsicht an Praktisch alle Schwarze, mit denen ich den Tag legten, unmittelbar nach den in Südafrika gesprochen habe. ubten Aufständen von 1976 zusätzlich Geld in. heftige Kritik an der Rolle der auslandi- Südafrika anzulegen, scheinen sie jetzt schen Firmen, insbesondere der amerikaeiniges Vertrauen in Bothas Fähigkeit nischen, bei der Stützung des Apartheidwiedergewonnen zu haben, ihre Investi- Regimes.

tionen zu schützen - zumindest im Augenblick.