Revolution erfasst wurde In Turkmenien vertieften sich die Kämpfe zum einen auf sozialem Gebiet durch den Kampf der turkmenischen Bauern und zum andern durch den Kampf der unterdrückten turkmenischen Nationalität.
Die Turkmenen haben das gesamte, ihnen nach der Geschichte gehörende Gebiet wiedergewonnen, das ihnen von den Großgrundbesitzern und von Repräsentanten des Schah-Regimes geraubt worden war. Sie haben sich etwa 30.000 bis 50.000 Stück Vieh und landwirtschaftliches Gerät von den Grundbesitzem geholt. In allen Dörfern haben sie Räte gewählt und sie sind dabei, einen Zentralrat des turkmenischen Volkes zu bilden. Eine von sozialistischen Vorstellungen erfüllte Führâng, die ziemlich lose Verbindungen zu den Volks-Fedayin hat, ist entstanden und beginnt, das Vertrauen des turkmenischen Volkes zu erringen. Sie ist es vor allem, die den Kampf seine Ausrichtung gegen die von den alten Grundbesitzern in Zusammenarbeit mit den lokalen islamischen Komitees organisierten Banden des persischen Rassismus gibt. .
Die islamischen Komitees haben kürzlich gegen die Turkmenen ein wildes Pogrom veranstaltet, dessen Spuren man in den Gebäuden des turkmenischen Rates von Gonbade Qabus noch sehen kann. Das metallene Hoftor ist von Geschoßeinschlägen aus einer automatischen Waffe durchsiebt. Im Innern des Gebäudes sind alle Fenster eingeschlagen. In der unmittelbaren Umgebung sind die Mauern geborsten.
Die Führung der Turkmenen hat sicherlich ihre Fähigkeiten, sonst wäre sie nicht in der Lage gewesen, den erfolgreichen Kampf bis zu diesem fortgeschrittenen Stadium zu führen. Aber es mangelt ihr an einer konkreten politischen Perspektive, um die Errungenschaften der Turkmenen zu verteidigen und den Kampf weiter vorantreiben zu können. von GERRY FOLEY
So sagten mir z.B. die Vorsitzenden eines Dorfsowjets, daß die Bauern noch keinen Nutzen von den Enteignungen haben, weil sie kein Geld haben, um Dieselöl für die Maschinen zu kaufen oder Saatgut zu beschaffen. Ich fragte sie, wie sie sich vorstellten, das Alles zu bekommen, was sie brauchten und ich gab zu verstehen, daß es durchaus gerechtfertigt sei, wenn sie von der Regierung die kostenlose Lieferung von Treibstoff verlangten, zumal sich im Lande ein Mangel an Lebensmitteln bemerkbar machte und der Inlandverbrauch an Öl nur einen geringen Bruchteil der iranischen Olproduktion ausmacht.
Die Mitglieder des Dorfrates erwiderten, daß sie ein Ersuchen an die Regierung nicht ins Auge gefasst haben und auch nicht daran denken, Hilfe von außerhalb zu erbitten. Es scheint allgemein so zu sein, daß sie sich an die turkmenische Führung wenden, um von ihr das Notwendige zu bekommen. Doch es ist offensichtlich, daß diese Führung dazu nicht in der Lage ist.
Diese Führer haben andererseits eine sehr schwache Vorstellung von der Tatsache, daß das Schicksal des Kampfes der Turkmenen eng mit den Geschehnissen im ganzen Iran verbunden ist. Sie glauben, daß sie durch Ausnutzung der Regierung die Gegensätze zwischen der Regierung und den islamischen Komitees in Turkmenien frei schalten und walten und die ansäßigen Kapitalisten verurteilen, enteignen und als Volksfeinde ins Gefängnis stecken können.
Sie glauben das, obwohl das turkmenische Gebiet umgeben ist von persischen Ansiedlungen, wo der gegen die Turkmenen gerichtete Rassenhaß noch sehr stark ist. Außerdem unterhält die Regierung in einer kleinen Stadt eine Garnison von 500 Mann. Allerdings sehen die Turkmenen zur Zeit im Militär noch einen Verbündeten gegen die rassistischen Banden. Aber die persischen Elemente heben schon den Kopf. Als ich in Gonbad-e Qabus war, hatte die Truppe versucht, etwa 3000 Schafe zu requirieren, um sie den ehemaligen Besitzern zurück zu geben. Die turkmenische Führung ist jedoch in keiner Weise auf einen Zusammenstof mit der Armee vorbereitet. Mehr noch, der Kampf in Gonbade Qabus bleibt völlig isoliert. Im Iran wissen nur Wenige außerhalb des Gebietes, was sich hier abspielt. Die örtliche Führung erkennt zwar bis zu einem gewissen Grade die Notwendigkeit, die Tatsache außer. halb der Region bekannt zu machen, aber allem Anschein nach sieht sie die Dringlichkeit solcher Maßnahmen nicht. Sie glaubt, daß im Umfeld der unterdrückten Nationalitäten revolutionäre Stützpunkte gebildet werden können, daß die Revolutionäre sich dort formieren und abwarten können, daß die Revolution im übrigen Teil des Landes fortschreitet. Nur die iranischen Trotzkisten betonen, daß die nationalistischen Bewegungen ein untrennbarer Teil der gesamten iranischen Revolution sind. Sie machen die Verteidigung der nationalen Minderheiten zu einer Achse ihres Programms und ihrer Propaganda.
Tatsächlich mußte die nationalistischen Bewegungen den ersten Stoß der reaktionären Gegenoffensive nach der Erhebung auffangen. Ihr Widerstand hat der Arbeiterbewegung eine Atempause verschafft und es hat den Anschein, als ob diese sich wiederbelebt und sich erneut in Bewegung setzt.
EIN VOLK MIT SELBSTVERTRAUEN
Das, was das turkmenische Volk erreicht hat, ist ein Beispiel für alle unterdrückten, nationalen Minderheiten in der ganzen Welt. Die Turkmenen haben unter dem Regime des Schahs derartige Niederlagen erlitten, daß sie an der Bewegung, die zu seinem Sturz führte, nicht teilnahmen. Aber nach den Aufständen wurden sie dessen gewahr, daß
die alten Repressionskräfte sich aufgelöst hatten. Ihre alten Ansprüche wurden wieder wach und sie nahmen sich wieder, was man ihnen einst geraubt hatte. Heute ist das ganze turkmenische Volk - vielleicht das am meisten unterdrückte des Iran - voller Selbstvertrauen und voller Hoffnung. Als ich einen der Führer des Rates interviewte, versammelten sich alle Männer und Kinder des Dorfes, um zuzuhören. Dann stellten sie sich auf zum unbedingt informieren über das, was sie erlitten und was sie erreicht haben. Im turkmenischen Volk hat sich ein starkes Nationalbewußtsein entwickelt. Das wurde mir deutlich, als ich zu Pferd mit einem alten Turkmenen das Land durchstreifte. Er sprach russisch und während des Rittes zeigte er mir die weite Ebene, die sich bis in die Ferne an den Fuß der grünen und bewaldeten Bergkette erstreckt, die Teheran von der Küste des Kaspischen Meeres trennt. „Schau", sagte er, „schau unser Land, wie groß und wie reich es ist und wie gut das Korn wächst!" Dieses Land ist tatsächlich das reichste landwirtschaftliche Gebiet des Iran und es wird sich zeigen, was hier möglich ist. wenn das ganze Land imstande ist, alles für die Ernährung Notwendige zu produzieren und das Elend zu beseitigen. Turkmenien hat nicht nur Bedeutung für den Getreideanbau sondern auch für die Viehzucht. In diesem Gebiet gibt es große Herden von Rindern und Schafen. Aber ein großer Teil des Viehs scheint in schlechter Verfassung und schlecht genährt. Obwohl das Land sich geradezu für eine intensive Mechanisierung anbietet, sah ich überall Gruppen von Bauern, die mit primitivem Gerät den Boden bearbeiteten.
DIE REVOLUTION HAT AUCH DIE
KLEINSTEN DÖRFER ERREICHT
Ein persisches Dorf, das ich im Gebiet des Kaspischen Meeres besuchte, unterschied sich drastisch von den turkmenischen Siedlungen. Die Menschen stehen hier noch unter dem Druck der Grundbesitzer und der Wucherer. Ihre jährlichen Ausgaben sind in der Regel höher als ihre Einkünfte. Die wenigen landwirtschaftlichen Maschinen gehören einer kleinen Anzahl von reichen Großbauer, die sie an die anderen Bauern vermieten.
Ein Handarbeiter verdient in dieser Region etwa 4 Dollar pro Tag für eine Arbeit auf dem Feld oder in einem nahen Dorf. Viele finden keine Arbeit und bleiben für lange Zeit arbeitslos. Die Leute waren sehr zurückhaltend. Ich glaubte, daß dieses Gebiet zu jenen Teilen des Iran gehört, die noch nicht von der Revolution berührt waren. Dann besuchte ich die Moschee des Dorfes, deren nackter Boden mit einem Teppich bedeckt war. Anscheinend gab es keinen Geistlichen, der hier zuständig war. Das Gebäude war leer und stand jedermann offen. An einer Mauer hing das schwarzumrahmte Bild eines jungen Mannes. Ein ortsansäßiger Lehrer sagte mir, daß jener junge Mann „ihr Märtyrer" Er wurde getötet, als er an einer Demonstration der Dorfbewohner gegen den Schah auf der Nationalstraße teilnahm. Die Bauern mußten 2 Meilen durch einen ausgefahrenen Hohlweg marschieren, bevor sie die geteerte Straße erreichten, wo sie auf die Soldaten des Schah stießen. Und wer weiß, wieviele Meilen sie noch hätten laufen müssen, um sich mit den anderen Bauern vereinigen zu können.
In der Vergangenheit gehörte dieses Dorf wahrscheinlich zur Vorhut der Turkmenen. Aber der Kampf ist abgeflaut sicherlich wegen des Fehlens einer Führung, um die die Menschen sich sammeln könnten.
ReVolution in schent legenen Granische wie in diesem Dorf ihre Wurzeln geschlagen.