Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Krise der britischen Stahlindustrie

· Inprekorr Nr. 10, 15. Dezember 1971 · S. 18-19 · 668 Wörter

Großbritannien Japan und Korea

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DIE KRISE DER BRITISCHEN STAHLINDUSTRIE +++**+++*+*++*+++++++++++++++++*+**+**++++ ++++ +++++++++ Die Stahlindustrie ist das beste Beispiel für den Niedergang des britischen Kapitalismus. In der Zeitspanne von 1961 bis 1969 wuchs die britische Stahlerzeugung nur um 15 %, im Vergleich zum Zuwachs von 39 % in den Vereinigten Staaten, 44 % in den Ländern des Gemeinsamen Marktes und 185 % in Japan! Was den Export betrifft, so ist die Situation noch schlechter. In derselben neunjährigen Periode stiegen die britischen Stahlexporte nur um 22 % gegenüber 190 % des Gemeinsamen Marktes, 330 % der Vereinigten Staaten und 770 % Japans.

besitzer seit 1945 ist die britische Stahlindustrie heute völlig veraltet. Zum Beispiel ist heutzutage die wirtschaftlichste Einheit für ein Stahlwerk die, welche 10 Millionen Tonnen jährlich produziert. Das hieße für die britische Stahlindustrie, daß 3 Werke die gesamte Produktion leisten könnten. Tatsächlich kalkuliert die British Steel Corporation, daß ihre gesamte Produktion von nur 9 Werken übernommen werdenkann. Gegenwärtig produzieren aber 39. Um den Unterschied zwischen einem modernen Stahlwerk und dem veralteten Stand der britischen Industrie an einem Beispiel zu illustrieren: um 300 Tonnen Stahl zu produzieren, braucht man mit einem alten offenen Hochofen 8 Stunden, in einem neuen Oxygenhochofen nur eine halbe Stunde. Ein solcher Hochofen arbeitet soviel wie 14 alte. In einem völlig neuen Werk würde ein Arbeiter jährlich 700 Tonnen produzieren gegenüber 110 Tonnen, die zur Zeit im Durchschnitt in der britischen Stahlindustrie pro Mann rauskommen. Natürlich sind die Kosten für solche neuen Ausristungen ungeheuer hoch. Ein völlig neues Stahlwerk, das 12 Millionen Tonnen jährlich produzieren und mit Westdeutschland und Japan konkurrieren könnte, würde mindestens 1 Milliarde Pfund kosten. Um die gesamte britische Stahlindustrie auf japanischen Standard zu bringen, müßte man bis Ende der 70er Jahre 4 Milliarden Pfund investieren. Ohne solche Investitionen wird sich die Konkurrenzfähigkeit der britischen Industrie, die heute eine halb so hohe Produktivität wie die japanische Stahlproduktion aufweist, weiter verschlechtern.

Um die Situationder britischen Stahlindustrie zu verdeutlichen, kann man sie mit einer einzigen japanischen Firma vergleichen, der "Nippon Steel". Diese produziert etwa 35 Millionen Tonnen jährlich, mehr als die gesamte britische Industrie, und ihre jährlich Expansionsrate in den 60er Jahren war etwa 18 %. In Großbritannien muß man jetzt Stahlwerke stillegen, die erst 10 Jahre alt sind. Unter der gegenwärtigen Produktivität und der gegenwärtigen Profitrate ist es der britischen Stahlindustrie unmöglich,

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solche Investitionen zu tätigen. 1964 plante die Labourregierung, die Investitionen bescheiden um 5,5 % jährlich zu erhöhen. Tatsächlich wurden nur 2,5 % erreicht.

Unter diesen Umständen war die britische Stahlindustrie zur Zeit ihrer Nationalisierung ohne jegliche Profitmöglichkeiten. Die "Financial Times" stellte fest, daß die Aktien de. Stahlindustrie in 6 Monaten völlig wertlos sein würden. Zu glauben, daß bei einer so heruntergewirtschafteten und kapitalleeren Industrie ein besseres Management oder größere Effektivität nötig waren, ist einfach lächerlich. Auf diese Art und "eise kann man die Arbeitsplätze auf keinen Fall retten. Man muß im Gegenteil davon ausgehen, daß die Erhaltung der Arbeitsplätze wichtiger ist als alles andere. Die Gewerkschaften müssen sich auf den Standpunkt stellen, daß sie an keine Vorschlägen interessiert sei en, die nicht die bisherigen Arbeitsplätze, Bezahlung und Arbeitsbedingungen sichern. Als erster Schritt muß gefordert werden, daß sofort sämtliche Entschädigungszahlungen an ehemalige Stahlwerkbesitzer eingestellt werden. Die Frage ist sehr einfach:Soll die (verstaatlichte) British Steel Corporation geführt werden, um Profit zu bringen oder die Privatindustrie zu subventionieren, oder soll sie so geführt werden, daß sie die Arbeitsplätze und die Löhne denen garantiert, die in ihr arbeiten. Ist die Nationalisierung der britischen Stahlindustrie zugunsten der Kapitalisten oder zugunsten der Arbeiterklasse. In der Situation, in der sich die britische Stahlindustrie zur Zeit befindet, ist das keine langfristige Frage, sondern eine, die hier und jetzt entschieden werden Wir sind der Ansicht, daß eine kämpferische Politik für die Führung der britischen Stahlindustrie im Interesse der Arbeiterklasse folgende Punkte beinhalten muß:

- Keine Arbeitsplatzverminderung - Vetorecht der Gewerkschaften bei Stilllegungen.

- Keine "Produktivitätsabkommen".

- Sofortige Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit ohne Lohnminderung. (J. Marshall. dus RED MOLE Nr. 33 vom 12.

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