Die Massenbewegung scheint rechtfertigen. Auf diese Weise versuchen ihr Vertrauen in Khomeini zu Carter und mehr als ein Sozialdemokrat, setzen. Die Ursache dafür liegt ihre Erklärung für die „Einhaltung der nicht in der tiefen Religiosi- Menschenrechte" und ihre faktische oder tät" der iranischen Massen, proklamierte Unterstützung der alltäglisondern eher im historischen chen Massaker an den iranischen Massen Scheitern der Stalinisten und in Einklang zu bringen. Für die Imperiader bürgerlichen Nationalisten. listen können Leute, die sich weigern, brutal ausgebeutet und unterdrückt zu werden, nicht als menschliche Wesen Eines der hervorstechenden Merkmale angesehen werden! der politischen Situation im Iran seit eineinhalb Jahren ist, welchen Einfluß die Wir haben schon dargestellt (s. INschiitische Hierarchie der Massenbewegung PREKORR Nr. 94 vom 1; Dezember gegen den Schah ist. Dieser Einfluß hat 1978: „, Der wirtschaftliche Hintergrund" sich als sehr stark erwiesen, insbesondere und „Die Entwicklung der Massenbewein letzter Zeit. Die schiitischen Führer, gung" von Saber Nickbin), was die vor allem der Ayatollah Khomeini, haben Massenmobilisierungen wirklich ausdrüksich als die hauptsächliche politische ken, und wie sinnlos es ist, sie als „religiöse Kraft an der Spitze der Massenbewegung Bewegung" zu bezeichnen. Egal, welche herausgestellt. Kraft sich an ihre Spitze setzt, und unabhängig von den Forderungen, die sie zum UM DIE MASSEN Teil zum Ausdruck bringen, haben die ZUDISKREDITIEREN Mobilisierungen nichts mit der Religion als solcher zu tun und noch viel weniger Die iranische herrschende Klasse hat, •mit einer reaktionären Religion. um die Massenbewegung zu diskreditieren, versucht, in Zweifel zu ziehen, welche In Wirklichkeit handelt es sich um eine Unterstützung die religiösen Führer durch Oppositionsbewegung gegen eine äußerst das Volk genießen. Der Schah hat, indem brutale Diktatur, welche die Mehrheit der er die wichtigste Opposition gegen das Bevölkerung dank ihrer vom internationa- Regime als „religiös und reaktionär" hin- len Kapital durchgesetzten „Reformen" stellte, die öffentliche Meinung hinters an den Rand des Desasters gebracht hat. Licht zu führen versucht, daß die Monarchie total gescheitert ist und wie progres- Die Bewegung gegen das Schah-Regime siv die Bewegung wirklich ist. hat sich spontan entwickelt. Jeden Monat hat sie einen größeren Teil der Bevölke- Die Herrschenden behaupten, daß im rung erfaßt, bis sie eine breite Mehrheit Gegensatz zum Schah, der die „große einnahm. Diese Bewegung hat sich trotz Zivilisation" verspricht, die Opposition der furchtbaren Repression entwickelt, zurück zur „finsteren Vergangenheit" trotz des Kriegsrechts, trotzdem mehr als drängt. Derartiges ist auch von den Impe. 10.000 Personen von Polizei und Armee rialisten verbreitet worden, um ihre Unter- ermordert wurden. Sie hat das Regime bis stützung des blutigen Schah-Regimes zu auf die Grundfesten erschüttert. Das als Men (Dessin de KONK.)
„rechte religiöse Bewegung" zu kennzeichnen, ist nicht nur der Gipfel der Hypokrisie, sonder auch der Dummheit. Wie kann man sich erklären, daß diese Bewegung ihr Vertrauen in Khomeini und in die anderen religiösen Führer gesetzt zu haben scheint und daß sie bereit ist, auf die Straße zu gehen, obwohl ihr die blutigste Repression droht, um vor aller Welt ihre Unterstützung diesen religiösen Führern zu proklamieren? Eine der sowohl bei der Rechten als auch bei der Linken sehr weit verbreiterten Erklärung ist die, daß die iranischen Massen tief religiös und politisch wenig reif seien. Also konnte sich ihre Teilnahme am Klassenkampf und • ihre Opposition gegenüber dem Schah-Regime nur über die Religion ausdrücken.
Die Linke benutzt diese Erklärung, um ihre opportunistische Politik, nämlich ihr eigenes Programm zu liquidieren und den religiösen Führern zu folgen, zu decken. Die Rechte dagegen gebraucht diese Erklärung, um zu beweisen". daß die iranischen Massen noch nicht reif für die Demokratie seien!
So gelingt es allen politischen Kräften, mithilfe dieser Art von Erklärungen sich hinter der Religion zu verstecken. Die bürgerlichen Nationalisten wie die Stalinisten sind drauf und dran, zu bekennen, daß sie schon immer heiße Anhänger der schiitischen Führer waren. All das zeugt eher vom Mißerfolg und von der Falschheit dieser politischen Strömungen als vom „religiösen Fanatismus der rückständigen Massen".
Man braucht nur eine bestimmte Überlegung über die Geschichte der politischen
Bewegung im Iran im XX. Jahrhundert anstellen, um die ganze Naivität obiger Erklärungen aufzudecken. Wenn so viele Iraner religiös und politisch unreif sind, sind sie denn das mehr als vor 70 oder 30 Jahren?
Wie kann man behaupten, die Iraner wären politisch reifer während der Konstitutionellen Revolution vor 70 Jahren gewesen als heute? Damals gab es keine einzige entwickelte politische Partei im Iran, und doch war die politische Führung nicht in den Händen der religiösen Hierarchie.
Oder: wie will man beweisen, daß die Massenbewegung im Anschluß an den Zweiten Weltkrieg weniger religiös als die derzeitige war? Zur damaligen Zeit verfügte die breite Mehrheit der Bevölkerung über keinerlei anderes soziales Kommunikationsmittel als dem von der Religion angebotenen. Und dennoch lag die Führung der Bewegung entweder in den Händen der stalinistischen Partei (der Tudeh-Partei) oder in denen der Nationalen Front.
Zwar spielten die religiösen Führer zu beiden Gelegenheiten eine Rolle in der politischen Führung der Massenbewegung. Aber sie bildeten nur eines der Elemente innerhalb einer viel breiteren Führung. Und diese Rolle war momentan und trat zurück, als die anderen Formationen eine größere Rolle einnahmen. Und wie kommt es dann, daß einige Jahrzehnte später eine der massivsten Bewegungen, die der Iran jemals erlebt hat, religiöse Fahrer total unterstützt, die nicht mehr eine untergeordnete Rolle spielen, sondern als unabhängige politische Kraft agieren? WARUM DIE STALINISTEN UND DIE
BÜRGERLICHEN NATIONALISTEN
SCHEITERTEN
Zahlreiche Faktoren sind es, die es der ten unmöglich eine Volksfront bilden, inschiitischen Hierarchie ermöglicht haben, dem sie die Arbeiterparteien zur Koalition eine derart führende Position in der Mas- mit den bürgerlichen Parteien zwangen. senbewegung gegen den Schah einzuneh- Deshalb bildeten sie einfach eine einzige men. und neue Partei! Eine Partei mit „Volks"- Progamm, die von Beginn an auf Klassen- Der wichtigste liegt in der Krise der kollaboration ausgerichtet war und unter politischen Führung im Iran. Das muß ihrer Kontrolle stand. sowohl im konjunkturellen als auch im historischen Stinn verstanden werden. Diese Partei, die Tudeh, hat die Revolution im Iran offen verraten. Die Kreml- Im historischen Sinne hat die stalinis- Bürokratie hat die revolutionäre Bewegung tische Bürokratie während einer ganzen zynisch zugunsten ihrer unmittelbaren Periode sich der Herausbildung einer pro- Interessen geopfert. letarischen Führung im Iran widersetzt. Mit Ausnahme einer kurzen Periode wäh- Während die anti-imperialistische Berend der Konstitutionellen Revolution, wegung sich kräftig entwickelte und die von den Aktivitäten eines ersten Massen forderten, daß die dem Imperiasozialistischen Kerns gekennzeichnet ist lismus zugestandenen kolonialen Konzes- (der sich 1906 bildete), und mit Ausnahme sionen, unter anderem im Erdölsektor, der allerersten Jahre der politischen Arbeit annulliert würden, organisierte die Tudehder KP (1920 entstanden) fehlte eine Partei Demonstrationen dafür, daß Konwirkliche Arbeiterpartei, die einen ge- zessionen im Erdölbereich der Sowjetwissen Einfluß auf die politischen Ent- union gemacht würden. Um diese zu erwicklungen im Iran hätte ausüben können. halten, nahm die Tudeh-Partei an einer reaktionaren und offen pro-imperialis- Die Kreml-Bürokratie zwang die junge tischen Regierungskoalition teil, liquidier- KP, Reza Schah zu unterstützen, und le die Streikbewegung, welche die briwährend der Moskauer Prozesse (1936/37) tischen Erdolanlagen lähmte, und opferte ließ sie alle ihre fähigen Führer hinrichten. Bewegung schan. Die Politik der Tudeh-Parte: hatte Als später, Anfang der 40er Jahre, die zur Konsequenz, daß eine andere burger- Bürokratie zur Bildung einer neuen Partei liche Formation ohne Format, die von (der Tudeh) beitrug, zwang sie diese, sich Mossadegh geführte Nationale Front, sich nicht als Arbeiterpartei zu definieren. Wie an die Spitze der Massenbewegung setzte. der Name selbst der Partei • „Massen- Die Nationale Front wollte nur die partei" - schon andeutet, versuchte der Früchte der Ausbeutung der iranischen Kreml in dieser Form, seine Volksfront- Arbeiter und Bauern zugunsten strategie auf die spezifische Bedingungen einheimischen Bourgeoisie neu verteilen. des Iran anzuwenden. Da es nennenswerte Sie mußte die Massenbewegung in die bürgerliche Parteien einfach nicht gab und Niederlage führen. die KP so klein war, konnten die Stalinis- Sie demobilisierte die Massen, schränkte sich auf Aktionen innerhalb der DIE TUDEH PARTEI : EIN VERRAT NACH DEM ANDEREN Verfassung und versuchte, die Monarchie zu erhalten. Damit erleichterte sie die Im Gegensatz zur gesamten islamischen Welt (außer der Türkei) Aufgabe der CIA, den Militär-Staatsstreich drang der Marxismus im Gefolge der Russischen Revolution und nicht von 1953 vorzubereiten.
nach dem Zweiten Weltkrieg in den Iran. Die ersten Kader der kommunistischen Bewegung des Iran stammen von den 300 000 persischen Die Erinnerung an die Niederlage ist Arbeitern, die über die Grenze gingen, um in der Erdölindustrie von im Gedächtnis des Volkes noch sehr Baku in der Sowjetunion zu arbeiten. Die Anfang der zwanziger Jahre lebendig. Der Verrat der Tudeh-Partei geschaffene KP zählte bald mehrere Tausend Mitglieder und organisierte und die Freiheit der Nationalen Front die Gewerkschaftsbewegung. Aber der Stalinismus hat schnell durchgesind nicht in Vergessenheit geraten. Aber griffen. Ende der zwanziger Jahre wurde der Georgier Ordschonikidse in der Zwischenzeit ist keinerlei alternatigeschickt, um die iranische Partei zu „bolschewisieren", in Wirklichkeit ve Kraft aufgetaucht, die dieses Vakuum um sie zu säubern. Ihr bedeutendster Führer, Sultansadeh, einer der hätte ausfüllen können. Die Avantgarde, hervorstechendsten kommunistischen Intellektuellen des Nahen Ostens, die ihre Lektionen aus der Niederlage Moskau gerufen, wo er in den Säuberungen Stalins vergezogen hat, fiel in sämtliche Fallen des schwindet. Die ausgeblutete Partei konnte der Repression, die auf die Maoismus und der verschiedenen Varian- Machtergreifung von Reza Schah, dem Vater des derzeitigen Schah, ten des kleinbürgerlichen Radikalismus, statt mit dem Stalinismus und dem bürgerlichen Nationalismus zu brechen.
RELIGIOSE FÜHRER
IM VORDERGRUND
So war es unausweichlich, daß eine andere Kraft das Vakuum ausfüllen mußte. Die objektiven Bedingungen wie die politische Entwicklung der jüngsten Periode, insbesondere nach der „Weißen Revolution" des Schah, führten dazu, daß diese Alternative in Gestalt der religiösen Führer erschien. Schon nach dem Putsch von 1953 hatte eine gewisse Anzahl von bürgerlichen Politiker Oppositionszirkel, die sich aut den Islam beriefen, gebildet. Zum ersten Mal fand sich die religiöse Hierarchie an der Spitze der Opposition während der Ereignisse zu Anfang der 60er Jahre, als die vom Imperialismus ermunterten „Reformen" verwirklicht zu werden begannen. Sowohl die Tudeh- Partei als auch die Nationale Front (die sich inzwischen reformiert hatte) versagten wieder, als es darum ging, Widerstand gegen diese „Reformen" zu leisten. Die Tudeh-Partei kapitulierte vollig, und die hebung der Unabhängigkeit des Iran zugunsten des Imperialismus. Die schiitische Opposition mit ihre Verbindungen zum Basar und zur Kleinbourgeoisie, die durch diese Reformen direkt infrage gestellt waren, bekämpfte fast instinktiv die „Weiße Revolution"
Jetzt, nach 15 Jahren Erfahrung sind die verheerenden Ergebnisse dieser „„Reformen" offensichtlich für jeden. Ihr wahres Wesen hat sich klar offenbart. Was den Massen in Erinnerung ist, das sind nicht die besonderen Gründe, die Khomeini Anfang der 60er Jahre dazu trieben, in Opposition zum Schah und seine Politik zu gehen, sondern daß er dies von Anfang an standhaft tat.
EINE RADIKALE OPPOSITION
Nationale Front schwankte. Auf jeden Fall organisierte keine von beiden einen ernsthaften Kampf gegen diese Reformen".
Die Tudeh-Partei bezeichnete sie als „progressi" und behauptete, daß in ihnen ein Rückzug des Weltimperialismus gegenuber dem sozialistischen Lager" zum Ausdruck komme. Und die Nationale Front stand vollig entwaffnet da - ergriff der Schah doch Maßnahmen, die von ihr immer als Grundlage einer Politik der „Unabhängigkeit des Iran" beschrieben worden waren. Das beste, was diese Parteien zu bieten hatten, wurde in dem Slogan zusammengefalst: „Reformen - ja, Diktatur - nein".
Der einzige Sektor, der konsistente Opposition äußerte, das war eine Fraktion der religiösen Opposition, an deren Spitze Khomeini stand. Sie organisierte Massenmobilisierungen (Juni 1963) in einer Reihe von wichtigen Stadten. Die Demonstrationen wurden von der Armee blutig unterdrückt. Tausende von Demonstranten wurden getötet, religiose Führer wurden verhaftet und Khomeini ins Exil geschickt.
Das iranische Regime behauptet, die schiitische Opposition gegen die „Weiße Revolution" sei auf ihre Ruckständigkeit, ihre Gegnerschaft zur Befreiung der Frau und der Agrarreform zurückzuführen. Sicher, viele religiöse Führer sehen in diesen Reformen eine Bedrohung ihrer eigenen Autorität und ein Ankratzen der „islamischen Werte". . Aber an erster Stelle ihrer Kritik stand etwas anderes: die Auf- In diesem Kontext muß man die Entwicklung der Massenbewegung gegen den Schah in den letzten 20 Monaten erfassen. Während in den sechziger Jahren aufgrund der Schwankungen in der Politik von Tudeh und Nationaler Front gefördert wurde, daß die religiöse Opposition als unabhängige politische Kraft in Erscheinung trat, hilft derzeit die Tatsache, daß diese beiden Formationen politisch versagen, Khomeini, der der festeste Gegner des Schah war, sich an die Spitze der Massenbewegung zu setzen.
Khomeini erscheint radikaler als Tudeh-Partei und Nationale Front in der wichtigsten Aufgabe der Stunde zu sein: dem Sturz des Schah-Regimes. Innerhalb weniger Monate verallgemeinerte sich die Bewegung, die sich um eine Reihe von demokratischen Forderungen entwickelte, auf eine zentralen Parole: „Nieder mit dem Schah! " Parallel dazu muß das Ansehen Khomeinis anwachsen. Er widersetzte sich unaufhörlich jedem Kompromiß mit dem Monarchen. Die Nationale Front dagegen verlangte nur die „Rükkehr zur Konstitutionellen Monarchie" wo sich doch alle Kräfte des Imperialismus und der Reaktion eben um diese „Konstitutionelle Monarchie* scharten! Die Massenbewegung war nicht bereit, sich in eine Richtung kanalisieren zu lassen, die auf eine Verfassung hinzielt, in der steht: „Der Schah ist ein Gott, der dem iranischen Volk geschenkt wurde". Dagegen identifizierte sie sich mit Khomeini, der alle Versöhnungsversuche mit dem Schah immer als „Täuschungsmanöver eines bedrohten Regimes" denunziert hatte Die Politik, die die Tudeh Partel entwickelte, war noch schlimmer als die der Nationalen Front. Bis zur Ausrufung des Kriegsrechts im September 1978 blieb sie höchst nebulös in der brennendsten Frage, die auf der Tagesordnung stand: die Monarchie. Sie begnügte sich damit, von der „Bildung einer Regierung der Nationalen Koalition" zu sprechen, an der auch „die Teile der herrschenden Klasse, die gegen die individualistische Diktatur des Schah eingestellt sind", mitmachen sollten. Und in ihrem Programm bot sie eben dieser Teile der herrschenden Klassen das Versprechen an, daß sie mithilfe der sozialistischen Länder sich eines einheimischen Marktes erfreuen könnten, der vor der Konkurrenz der Waren aus den imperialistischen Ländern geschützt ist". Die Kreml-Bürokratie hat klargestellt, warum die Tudeh-Partei in Opposition zum Schah-Regime stand. Sie machte deutlich, daß diese Opposition vor allem ein Mittel zur diplomatischen Erpressung war, um den Schah zu zwingen, auch die Unterstützung Moskaus zu suchen. Dabei ließ die Tudeh-Partei immer durchblicken, daß sie bereit war, das herrschende Regime zu unterstützen und direkte Vereinbarungen mit dem Schah zu treffen, trotz der Vorhaben, mit den oben erwähnten Sektoren der herrschenden Klassen Ver. einbarungen zu treffen.
Basierend auf einer konsistenten Poli- stützung für den Schah verborgen, auch tik, „den amerikanischen Imperialismus wenn sie unter dem Mantel der stalinis. unter Druck zu setzen", rechtfertigte tischen Demagogie geleistet wird, die Moskau die offenste Unterstützung für behauptet, den amerikanischen Imperiaden Schah. Zum Beispiel lud der Kreml, lismus zum Nachgeben zwingen" zU als die Massenbewegung 1977 ihren Auf- wollen. schwung nahm und sogar Carter einige Deshalb war es klar, daß die Massen Reserven gegenüber dem Schah-Regime sich für Khomeini, den Gegner der ersten äußerte, diesen ein, eine Tournee durch Stunde, entscheiden würden und nicht für steuropa zu machen. Moskau gab di die Tudeh-Partei oder die Nationale Front. m Henker die Ehrendoktorwurde d Jedenfalls steht fest, daß die Massen deut- Jurisprudenz! lich gemacht haben, daß sie denen, die irgendwann einmal in dieser oder jener In einem Land, das seit Jahrzehnten Weise mit dem Schah zusammengearbeitet unter der imperialistischen Dominanz haben, keinerlei Vertrauen entgegenleidet, bleibt den Massen nichts an Unter- bringen. KAPITULATION ODER
ORGANISIERUNG DER OPPOSITION
Schließlich muß man, um den Einfluß baren Situation führen mußte. Dann, weil der religiösen Würdenträger richtig einzu- die Nationale Front beweisen mußte, dals schätzen, ein zweites Element berücksich- die Massenbewegung, wenn tigen. Unter den Bedingungen scharfer existierte, sich „verantwortlich" verhielt. Repression konnte die Massenbewegung um die Behauptung zu widerlegen, dats die Moscheen als Versammlungszentren „wenn der Schah abreist, alles einstürzt" und Orte politischer Arbeit ausnutzen. Diese Kompromißstrategie lief also jeglicher effektiven Mobilisierung des Volkes Dies war umso wichtiger, als weder die zuwider; die Nationale Front hielt sich Tudeh-Partei noch die Nationale Front also von den Mobilisierungen fern. Sie bereit waren, die Mobilisierung der Massen denunzierte diese sogar als bedauernszu organisieren. Die Nationale Front ent- werte Zwischenfälle, die vom Regime wickelte die irreführende Idee, die Sekto- provoziert wurden". ren an der Macht stünden unter dem Druck des amerikanischen Imperialismus Die Tudeh-Partei wollte, ausgehend und müssten eine Reihe von Verände- von den gleichen politischen Positionen. rungen vornehmen in Richtung auf die beweisen, daß sie über gewissen politischen Liberalisierung des Regimes. Also unter- Einfluß verfügt und also Teilnehmer einer nahm sie alles, um diese „mächtigen zukünftigen und möglichen nationalen Interessen" davon zu überzeugen, wie Koalition sein mußte. Aber seine Basis ist vorteilhaft eine Öffnung sei, und welch sehr schwach. Außerdem erlaubt ihr ihr guten Willen sie hätte. ungenügender Apparat nicht, eine strikte Kontrolle über die Mobilisierungen auszu- Die Nationale Front konnte also nicht üben. Auf jeden Fall machen die Explosi das geringste Risiko mit den Massenmobi- vität und die Spontaneität der Massenlisierungen eingehen. Erstens, bewegung es völlig unmöglich, daß die merkte, daß eine Massenbewegung zum Stalinisten sie kontrollieren. Sturz des Schah zu einer unkontrollier- DER DRUCK DER MASSEN
Wenn man all diese Elemente in Denn im Unterschied zu anderen reli- Betracht zieht, dann ist also die Ursache, giösen Hierarchien ist die schiitische warum es die Massenbewegung zu den finanziell vom Staat unabhängig. Moscheen zog, mehr als deutlich. Das war finanziellen Ressourcen werden über ein der Ort, wo sich die Individuen und die den Moscheen zugeordnetes Netz einge- Schichten, die gegen den Schah opponie- sammelt. Dieses Geld kommt unter die ren wollten, versammeln und organisieren Kontrolle der religiösen Führer der verkonnten. Das trug seinerseits dazu bei, schiedenen Gegenden, das heißt der Ayaden Einfluß der religiösen Hierarchie zu tollahs. Es dient zur Unterhaltung der stärken, umsomehr, als eine religiöse Moscheen, religiösen Schulen und kari- Opposition schon seit Anfang der sech- tativer Einrichtungen. Diese Einnahmen ziger Jahre existierte und die schiitische können nicht investiert werden; deshalb Hierarchie gegenüber dem Druck der ist die religiöse Hierarchie auch nicht Massenbewegung ziemlich sensibel war. finanziell an die herrschende Klasse und ihren Staat gebunden. Sie ist also direkt nur mit den „Gläubigen" liiert. Das stellt sie in eine besondere Situation gegenüber den Massen und der Monarchie, eine Situation, die zu permanenten Reibereien mit dem Regime führte und sie sehr aufnahmebereit für Gefühle der Massen macht.
Die Pahlewi-Monarchie, das Instrument des Imperialismus im Iran, hat Versuche unternommen wie bei anderen Sektoren der Gesellschaft, sich diese Kirche unterzuordnen. Sie tat das auf zweierlei Arten. Erstens, indem sie eine andere Hierarchie aufbaute, die von ihr und finanziell vom Staat abhing. Zweitens, indem sie direkt in die religiöse Hierarchie eingriff, um die Elemente, die sich für den Schah aussprachen, zu unterstutzen.
Unter dem gleichzeitigen Druck der Monarchie von der einen und der anschwellenden Massenbewegung von der anderen Seite gab es Veränderungen innerhalb der Hierarchie zugunsten des Flügels, der am radikalsten gegen den Schah eingestellt ist, nämlich des von Khomeini gefuhrten. Es sind die den Massen am nachsten stehenden Schichten die untere Ebene der „religiösen Macht* die als Treibriemen fungierten. Die religiösen Führer konnten also so ihr Ansehen vergroßern.
Sicher, diese Opposition, wie radikal sie auch ist, drückt sich immer durch eine religiöse Ideologie aus mit all den reaktionaren Elementen einer solchen. Aber man darf nicht die Zunahme des Prestiges der religiösen Führer mit einer Renaissance des religiösen Gefühls bei den Massen verwechseln. Die Massen schlagen sich nicht für den Islam oder einen islamischen Staat. Wenn Khomeini über solche Autorität über die Massen verfügt, dann deshalb, weil er nach und nach von einer Oppositionshaltung gegenüber bestimmten Maßnahmen des Regimes zur Forderung nach dem Sturz des Schah und seines Regimes übergegangen ist. Diese Wende des religiösen Führers spiegelt ihrerseits die wachsende Radikalisierung der Massen und ihr zunehmendes Bewußtsein aus. November 1978
Mexiko: