Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Nicaragua

Warum Somoza nicht stürzte

· Inprekorr Nr. 95, Januar 1979 · S. 15-16 · 775 Wörter

Mittelamerika Gewerkschaften und Streiks

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Warum Somoza nicht stürzte von Fausto Amador (aus INPRECOR Nr. 37 vom 2. November 1978) Seit der Ermordung von Pedro Joa- DIE SEPTEMBEROFENSIVE quin Chamorro am 1. Januar 1978 und insbesondere seit der ersten allgemeinen Als am 12.August ein Kommando gegen Somoza gerichteten Aussperrung der FSLN den Nationalpalast mit der Aberlebte Nikaragua verschiedene gleichzei- geordneten- und Senatorenkammer betige und miteinander verbundene Prozes- setzte, die bisher spektakulärste Aktion se. der Sandinistischen Front, befand sich die eigentliche Massenbewegung in vollem Einerseits wächst die Massenbewe- Aufschwung. gung, was sich in Straßendemonstratio. nen, Streiks der Arbeiter und Studenten Die Krankenhausangestellten (12 000 sowie in spontanen Erhebungen in den Personen) standen in diesem Moment im Städten äußert. Andererseits bilden sich 32. Tag ihres Streiks, und die Krankenkleine militärische Kommandos im gan- häuser waren unter direkte militärische zen Land, an denen viele soziale Schich- Kontrolle gestellt worden. Genau an dem ten beteiligt sind, selbst die gehobene Tag, als der Nationalpalast eingenommen Kleinbourgeiosie. Diese Kommandos wer- wurde, trat die kämpferischste Gewerkden mehr oder weniger direkt von der schaft des Landes SCAAS (Gewerkschaft Sandinistischen Nationalen Befreiungs- der Schreiner, Installateure, Maurer und front (Frente Sandinista de Liberacion Handwerker) in Streik aus Solidaritat mit Nacional, FSLN) initiiert. Ihre Haupt- den Krankenhausangestellten. Am selben tätigkeit war bislang, Waffen zu besor- Tag schlossen sich die Angestellten der gen, Bomben herzustellen und sich auf Universität von Leon und die Angestelldie bewaffnete Konfrontation mit der ten anderer Sektoren dem Streik an. Nationalgarde von Somoza in den Städten vorzubereiten. Am 24. August rief die FAO zur Generalaussperrung auf, welche nur sehr zö- An dritter Stelle steht die Struktu- gernd befolgt wurde. Vier Tage später berierung aller oppositionellen politischen fanden sich erst 60 % der Betriebe im Kräfte in einem Block, der 'Frente Am- Ausstand, und es dauerte bis zum 4. Sepplio Opositor' (FAO = Breite Opposi- tember, bis 80 % des Wirtschaftslebens tionsfront), die nur mühsam verbergen lahmgelegt worden waren. kann, wie heterogen die Teile sind, aus denen sie sich zusammensetzt. Inzwischen gingen am 29. August militärische Kommandos der Opposition Die FAO hat eine klassenunspezi- gegen Somoza, die im wesentlichen von fische Grundlage: in ihr verbinden sich der FSLN zusammengesetzt und aufgedie traditionelle, bürgerliche Opposition baut waren, zur Aktion in Matagalpa (Partido Conservador) mit Abspaltungen über. Sie nahmen die Stadt für einige Tage der Partei Somozas, die "Zwölf", die zwei ein. Als es der Nationalgarde nach wilder Fraktionen der Sozialistischen Partei Bombardierung gelungen war, die Kon- (PSN) und die Gewerkschaftsbürokra- trolle über die Stadt wieder zu erlangen. tie. konnten die Kommandos einen geordne ten Rückzug durchführen und der Ver- Die Verbindung dieser Elemente in nichtung entgehen. der politischen Aktion hat zu chaotischen Tumulten in der Entwicklung der sozialen Die Aktionen von Matagalpa waren Szene Nikaraguas geführt: Streiks und De- wahrscheinlich voreilig. Sie waren aber monstrationen, Massenansammlungen, Teil eines generellen Plans zur militäri- Aussperrungen der Unternehmer gegen schen Offensive der FSLN gegen das das Somoza-Regime und Aufstands- Regime, nach der Erfahrung mit der vo- Ausbrüche lösten einander ab. rausgegangenen Aussperrung, als man fälschlicherweise angenommen hatte, daß die bloße Vorausbezahlung der Arbeiter und Angestellten und ihr Zuhausebleiben ausreichend seien, um Somoza zu Fall zu bringen. Diesmal war jedoch beabsichtigt, die am 24. August durch die Unternehmerverbände ausgerufene Arbeitsniederlegung durch einen militärischen Schlag zu ergänzen.

Die Aussperrungen dehnten sich langsam, aber beständig aus. In dieser Situation begann die FSLN ihre Offensive. Ihre Aktionen verfolgten zwei Hauptziele. Zum einen die gleichzeitige Einnahme einer Anzahl von Städten durch lokale Kommandos. Dies sollte die Streitkräfte des Landes in möglichst großem Umfange binden, so daß schwer bewaffnete Militäreinheiten der FSLN von Stützpunkten in Costa Rica aus in Aktion treten und ein bestimmtes militärisch und politisch bedeutsames Gebiet befreien konnten. Hierbei handelte es sich wahrscheinlich um den Distrikt "'Penas Blancas' an der Grenze zu Costa Rica und um die angrenzenden Distrikte von Rivas und San Juan del Sur, einem Hafen an der pazifischen Küste Nikaraguas.

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Nach dem ursprünglichen Plan solite eine Provisorische Regierung im eroberten Gebiet proklamiert werden. Offensichtlich hoffte man, daß sie bald von einigen lateinamerikanischen Regierungen anerkannt werden und militärische Hilfe erhalten würde. Unter den Regierungen, die derartige Hoffnungen nährten, befanden sich die von Panama, Venezuela, Kolumbien und Mexiko.

part de Si tai nur mit. Die Erhebungen in den Städten wurchen Verspätungen und Zwischenfällen in Aktion. Als Folge davon konnte Somozas Armee die Aufstände nacheinander niederwerfen, indem sie die Zivilbevölkerung wahllos durch massive Bombardements und Maschinengewehrattacken abschlachtete. Die Zahl der Opfer wird auf 5 bis 10 000 Tote und ungefähr S0 000 Verletzte geschätzt.