Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Editorial: Nicaragua

Nieder mit der Diktatur

Inprekorr Nr. 92, 15. Oktober 1978 · S. 3 · 839 Wörter

Mittelamerika

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Die Ereignisse der letzten Wochen in Nikaragua markie- Amerikanischer Staaten) ihrerseits hat mit ihrer Weigerung, ren einen neuen Abschnitt in der Krise, die die Diktaturen, zur Repression in Nikaragua Stellung zu nehmen, einmal die vom Imperialismus und den einheimischen herrschenden mehr bestätigt, daß sie die Rolle eines dientsbaren Instru- Klassen in Lateinamerika eingesetzt worden sind, befallen ments von Washington spielt als Verteidigerin der imperiahat. Das Somoza-Regime, das sich seit Jahrzehnten nur durch listischen Ordnung in Lateinamerika die barbarischste Gewalt erhält, ist Anfang dieses Jahres bis in die Grundfesten erschüttert worden durch eine mächtige Wieder sieht sich das Volk von Nikaragua der grausamen Flut von Kämpfen, die die Antwort waren auf die Ermor- Repression ausgesetzt. Hunderte und Tausende von Militandung von Pedro Joaquim Chamorro, dem Sprecher der ge- ten, von Arbeitern, Bauern und Studenten sind gefallen; weimäßigten Opposition. Militärische Aktionen der FSLN (San- tere werden in den kommenden Tagen und Wochen gnadendinistische Front der Nationalen Befreiung), Streiks und sehr los verfolgt. Aber die Massen haben ihre Feindschaft gegen kämpferische Massendemonstrationen fanden in allen wich- das Regime klar ausgedrückt, wie auch ihre Entschlossenheit, tigen Städten und in mehreren ländlichen Gegenden statt um seinen Sturz zu kämpfen. Es wird nicht leicht sein für den und spitzten sich zu in regelrechte Bürgerkriegs-Episoden. Diktator und seine Komplizen, die Ordnung im Lande wieder herrschen zu lassen. Der Kampf geht weiter und wird weiter.

Die öffentliche Meinung der ganzen Welt konnte fest- gehen. Die Manöver der sogenannten liberalen Bourgeoisie' stellen, daß das Somoza-Regime nicht nur bei den Arbeiter- oder der Somoza-Gegner der letzten Minute' dürfen nieund Bauernmassen und bei der radiaklisierten Jugend der manden täuschen: nicht die "'nationale' oder "progressive' Oberschulen und Universitäten verhaßt ist, sondern daß es Bourgeoisie kann die drückenden Probleme des Volkes von auch auf die Feindschaft eines wichtigen Teils der herrschen- Nikaragua lösen, und von keinem Sektor der herrschenden den Klassen stößt, die in der derzeitigen Diktatur keine Ga- Klassen können die Massen die Wiedereinführung ihrer rantie mehr für ihre Zukunft sehen. Denn gegen die Massen- demokratischen Rechte und die Erfüllung ihrer wirtschaftmobilisierungen, die Streiks und die bewaffneten Aktionen lichen Forderungen erwarten. Es sind die Massen der Arbeiwußte die Gruppe an der Macht nur die blinde Gewalt ihrer ter und Bauern, es sind alle ausgebeuteten Schichten der Nationalgarde einzusetzen, einer Söldnertruppe, die vom Bevölkerung, die vor allem die Kämpfe der letzten Wochen nordamerikanischen Imperialismus aufgestellt und sorgfal- trugen und die auch die Diktatur stürzen müssen oder jedes tig trainiert wurde. Wochenlang leistete das Volk von Nika- andere Marionettenregime des Imperialismus; die Schlacht ragua heroisch diesen Söldnern Widerstand und fügte ihnen gegen die Diktatur und den Imperialismus wird sich ausschwere Schläge bei. Aber noch einmal haben es die Kräfte weiten zu einem umfassenden Kampf gegen alle herrschen- Somozas fertiggebracht, dank der Hilfe des Imperialismus, den Klassen und ihr System. dank ihrer militärischen Überlegenheit und mit regelrechten Massakern die Oberhand zu behalten. In diesem dramatischen Moment für das Volk von Nikaragua richtet die [V. Internationale einen Aufruf zur Mo- Genauso wie während der brutalen Repression des bilisierung der Solidarität auf Weltebene mit dem Volk von Schah-Regimes in den iranischen Städten hat die nordame- Nikaragua, mit seinen Organisationen und insbesondere mit rikanische Regierung nicht nur keinen Finger gerührt, um der FSLN, der Hauptzielscheibe der Repression. Alle Überdas Gemetzel zu verhindern oder abzustoppen, sondern griffe und Verbrechen von Somoza und seiner Söldnerbande sie hat im Gegenteil nicht gezögert, offen die Mörder zu müssen vehement und unmittelbar angeprangert werden; alle unterstützen. So hat der Präsident wiedereinmal bewiesen, Komplizen der Diktatur müssen denunziert und ihre scheinwie sehr seine Kampagne für die Menschenrechte' und die heiligen Masken, mit denen sie sich als "Verteidiger der Men- 'Demokratie" nichts als eine demagogische Vernebelung ist, schenrechte tamen, müssen ihnen vom Gesicht gerissen werum seine Wähler zu täuschen und seine wahren politischen den! Es muß verhindert werden, daß das Massaker weiter Handlungen zu verdecken. Die imperialistische Führung weiß geht. Die Genossen müssen ihren Henkern entrissen werden, sehr gut, daß Somoza als Verbündeter oder Satellit äußerst man muß ihre sofortige Freilassung fordern! kompromittiert ist, was große Probleme aufwirft, wenn er auf seinem Posten bleibt. Aber ihre Priorität sah und sieht Alle gewerkschaftlichen und politischen Organisationen. sie darin, jede Massenbewegung zu bekämpfen oder zu zer- der Arbeiterbewegung müssen in der vordersten Reihe dieser schlagen, deren Dynamik nicht nur die Privilegien des Somo- Schlacht stehen.

za-Clans infragestellt, sondern auch die allgemeineren In- NIEDER MIT DER SOMOZA-DIKTATUR! teressen der imperialistischen Ausbeuter-Multis und der IMPERIALISMUS RAUS AUS NIKARAGUA UND AUS einheimischen führenden Klassen selbst. Solange die impe- GANZ LATEINAMERIKA rialistische Führung nicht über eine Alternativlösung verfügt, FÜR DIE DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES die ihr gewisse Garantien bietet, wird sie keinen Augen- VON NIKARAGUA!

blick zögern, Somoza zu Hilfe zu eilen und die elementarsten FÜR DIE VERTEIDIGUNG ALLER OPFER DER REdemokratischen und Menschen—Rechte des Volkes von Nika- PRESSION!

ragua dabei mit den Füßen treten. Die OAS (Organisation FÜR EINE ARBEITER- UND BAUERNREGIERUNG !