AUFRUF DES VEREINIGTEN SEKRETARIATS DER IV. INTERNATIONALE: ALLES ZU DEN INDOCHINA - DEMONSTRATIONEN ANFANG NOVEMBER! +++++++*++++++++++++++++++++++*++++++++++++++++++++ +++++ FÜR DEN SIEG DER VÖLKER VON INDOCHINA! FÜR DIE NIEDERLAGE DES US-IMPERIALISMUS! I. Seit dem 21. September wurde eine Reihe massiver Luftangriffe gegen die Demokratische Republik (Nord) Vietnam von der US-Luftwaffe durchgeführt. Diese Angriffe zeigen noch einmal deutlich Nixons Konzeption in der Frage des amerikanischen Abzugs aus Vietnam: Immer weniger amerikanische Orfer, immer mehr vietname:: es Opfer. Die demoralisierten US-Truppen müssen abgezogen werden, aber der Vernichtungskrieg durch massive Bombardierungen, Massaker, Deportationen ganzer Bevölkerungsteile wird verstärkt weitergeführt. Die über Indochina abgeworfene Bombenmenge steigt weiter an. Im August wurden mehr als 50 000 Kambodschar er aus der Gegend von Pray Yeng von den Truppen Saigons vertrieben. In Laos, in Kambodscha und in Südvietnam erhöht der US-Imperialismus seine finanziellen Zuwendungen, um die asiatischen Söldnertruppen auf die Beine stellen, deren Aufgabe es ist, die "Vietnamisierung" und "Asiatisierung" des Krieges zu Ende zu führen. II. Aber je mehr sich der US-Imperialismus versteift, umso mehr verheddert er sich in den Krieg. Auf dem Schlachtfeld konnte der US-Imperialismus trotz der Auseitung des Krieges auf Kambodscha, trotz der Offensive gegen die befreiten Gebiete von Laos im Februar 1971, trotz der Eskalation der Bombardierungen, seine Positionen nicht verbessern. Ganz im Gegenteil, die Situation wird für die. von den USA besoldeten Truppen immer prekärer, und ohne die US-Unterstützung brechen die Regime Lon Nols in Phnom Penh und Thieus in Saigon zusammen.
III. Auf internationaler Ebene verstärkt sich die Isolation der Nixon-Regierung. Mehr als ein Jahr lang hat Nixon die Fortführung des Krieges damit zu rechtfertigen versucht, daß die "boys" in Nordvietnam in Gefangenschaft sitzen. Im 7-Punkte-Vorschlag zur Regelung des Konfliktes, der von der Revolutionären Provisorischen Regierung am 1. Juli 1971 in Paris gemacht wurde, wird die Freilassung der Gefargenen mit dem Rückzug der US-Truppen gekoppelt. Die Nixonregierung hat bis heute auf diesen Vorschlag nicht geantwortet und damit bewiesen, daß es ihr gar nicht um das Schicksal der Kriegsgefangenen geht. Zweifelsohne wird das dazu beitragen, eine neue Protestwelle gegen den Krieg in der Welt und insbesondere in den Vereinigten Staaten entstehen zu lassen.
IV. Die Entwicklung der Antikriegs-Bewegung ist zu einem entscheidenden Faktor in der gegenwärtigen Situation geworden. Während nämlich der Aggressionskrieg gegen Indochina der amerikanischen Wirtschaft immer größere Schwierigkeiten verursacht, beginnt ein Teil der amerikanischen Bourgeoisie, für die Beendigung des Krieges einzutreten. Nun, man kann zwar von immer breiteren Schichten der US-Bourgeoisie wachsenden Protest gegen den Krieg erwarten, aber man darf nicht von diesen Schichten erwarten, daß sie die ganze neokolonialistische Politik, die unheilvollen Konsequenzen des kap: talistischen Systems, verurteilen. Es ist Sache der lohnabhängigen Massen der Vereinigten Staaten, den Imperialismus zum Nachgeben zu zwingen, Sache der nationalen Minderheiten (Chicanos, Schwarze...), der Studenten, der Arbeiter, der Befreiungsbewegung der Frauen, vereint den sofortigen Rückzug der US-Truppen zu fordern. Es ist die Aufgabe der Antikriegs-Bewegung, die Schachzüge der Nixon-Regierung zu kontern.
V. Die Nixon-Regierung steht vor der Alternative, entweder den Krieg vor 1972 zu beenden und alb auf die Provisorische Revolutionäre Regierung einzugehen, oder Zeit bis zu den Wahlen zu gewinnen, um das Problem nach einer eventuellen Wiederwahl Nixons zu lösen, wenn nötig durch einen erneuten Versuch, den Widerstand der indochinesischen Völker zu brechen. Zur Zeit strebt Nixon letztere Lösung an. Die Unterredung von Kissinger mit Tschu En-lai hat Nixon ermöglicht, die diplomatische Offensive der Revolutionären Provisorischen Regierung zu parieren und der Norwendigkeit, auf den 7-Punkte-Vorschlag zu antworten, auszuweichen.
INPRE KORR 15.10.71 S. 24
Aber Nixon hat nur eine Fristverlängerung erreicht. Wenn er glaubt, er könne über China Druck auf die revolutionären Führungen Indochinas ausüben, um diese zu einem kostspieligen Kompromiß zu bewegen, dann gibt er sich schweren Illusionen hin. Die chinesische Führung selbst kann es nicht riskieren, den Kampf der Völker Indochinas zu desavouieren. Ein großer Teil der chinesischen Massen würde so etwas nicht dulden. Peking kann nicht die indochinesische Revolution wie die Revolution in Bengalen verraten. Die chinesische Führung hat seit dem 3. August den revolutionären Kräften Indochinas zahlreiche Unterstützungsbotschaften geschickt. VI. Die Situation für den US-Imperialismus ist also düster. Eigentlich war sie noch nie en ernst für ihn. Deshalb war der US-Imperialismus auch noch so verwunupar. Darum ist jetzt der richtige Moment, all unsere Kräfte in die Waagschale zu werfen, um dem geschwächten Imperialismus Schläge zu versetzen. Wir müssen dafür sorgen, daß Nixon die Klippe der Wahlen von 1972 nicht in Ruhe überwinden kann. In den nächsten Monaten entscheidet sich das Schicksal der Revolution in Südostasien. Der Sieg der Völker Indochinas bedeutet den gewaltigsten Ansporn für den revolutionären Kampf seit mehr als 20 Jahren.
Die IV. Internationale hat eine entscheidende Rolle im Aufschwung des antiimperialistischen Kampfes zu spielen. Deshalb appelliert sie an die Arbeidie Studenten und alle anti-imperialistischen Kräfte, am 6. November in allen Hauptstädten zu demonstrieren, zusammen mit den Hunderttausenden, die dem Aufruf der amerikanischen Anti-Kriegsbewegung folgen werden. FÜR DEN SOFORTIGEN UND BEDINGUNGSLOSEN ABZUG SÄMTLICHER US-TRUPPEN AUS INDOCHINA !
SOLIDARITÄT MIT DER ANTI-KRIEGSBEWEGUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ! FÜR DEN SIEG DER INDOCHINESISCHEN REVOLUTION !