Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Vier junge Israelis sagen nein zur Okkupationsarmee!

Inprekorr Nr. 7, 15. September 1971 · S. 5 · 559 Wörter

Nahost und Palästina

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+++*++++++*+++++ +17*+++++++++++++++++++++++++ +++ Zum ersten Mal in der Geschichte des Staates Israel haben vier junge Israelis, die demnächst ihren Wehrdienst antreten sollten, dem Verteidigungsminister General Dyan einen Brief geschickt, in dem sie ihm ihren Entschluß mitteilen, daß sie keinen Wehrdienst in der israelischen Armee ableisten wollen. In dem Brief stand u.a.:

"Wir sind als freie Menschen geboren und nicht um ein anderes Volk zu unterdrücken. Wir dienen nicht in einer Eroberungsarmee (...). Wir sind nicht bereit, in der Armee zu dienen, weil in diesem Land die Jugend ihr Leben aus innenpolitischen Gründen und nicht aus edlen Motiven geführten Kämpfen opfern muß..."

Die vier israelitischen Wehrdienstverweigerer - Dov Gal, Reuven Lassman, Giora Neuman und Irit Yacobi (eine junge Frau) - müssen mit fünf Jahren Gefangnis rechnen. Das ist die gesetzlich vorgesehene Strafe für Deserteure und Wehrdienstverweigerer. In Israel gibt es kein Recht auf Wehrdienstverweigerung, wenn man von einer Ausnahmeregelung für einige ultra-orthodoxen Mädchen absieht. Die mutigen Jugendlichen, die es ablehnen, an der expansionistischen und abenteuerlichen Politik teilzunehmen, werden von der Presse geringschätzig behandelt und mit Ausdrücken bedacht, die sie selbst benutzt hatten, um die israelische Politik zu verurteilen: man nennt sie "Kriminelle" (vgl. "Maariv", 5.8.71). Die offiziellen Reaktionen deuten an, wie die Autoritäten diese "Affäre" zu behandeln gedenken. Die israelische Presse hüllt sich in dieser Angelegenheit dieser Jungen Leute in tiefes Schweigen. Man will dieses wichtige Ereignis totschweigen aus Angst davor, der Mut und der Opfergeist dieser "vier" könnte eine öffentliche Bewegung zugunsten des Rechtes auf Wehrdienstverweigerung ins Rollen bringen. Israel braucht eine "Heilige Union" und daher auch "Verräter".

Man wird also versuchen an den "viern" ein Exempel zu statuieren. Es ist noch nicht sicher, ob der "Fall" mit drakonischen Strafen für die Unruhestifter abgeschlossen wird oder ob man nicht vielmehr versuchen wird, die Auswirkungen in Grenzen zu halten, indem man die vier Wehrdienstverweigerer rückwirkend vom Wehrdienst "befreit", indem man sie für "unzurechnungsfähig" erklärt, was dann selbstverständlich im sogenannten jüdischen "Selbsthaß" seine Ursache hätte. Damit erklärt man normalerweise das Verhalten der antizionistischen Juden. Die eine wie die andere Lösung würde bestätigen wie groß die Furcht des zionistischen Establishments vor dem Zusammenbruch der angeblich über den Klassen stehenden zionistischen Ideologie ist. Und das Anwachsen der Bewegung der "Schwarzen Panther" ist nicht gerade dazu angetan, die Zionisten in dieser Hinsicht zu beruhigen.

Zum ersten Mal seit Beginn der Kolonisierung wird damit die Heilige Kuh "Zionismus" - angeblich Synonym für "Staatssicherheit" - radikal von jüdischen Bürgern, die sich weigern, dieses Spiel mitzuspielen, infragegestellt.

In Tel-Aviv hat die Sozialistische Organisation Israels ("Mazpen"), eine antizionistische Bewegung, die das Recht auf Wehrdienstverweigerung verteidigt, am 7.8.71 folgendes Kommunique veröffentlicht: "Ausbeutung ist die Ursache für die Arbeiterkämpfe und Streiks. Die Rassendiskriminierung erzeugt die 'Schwarzen Panther'. Die Unterdrückung und Vertreibung der Palestinenser führen einerseits zum bewaffneten Widerstand und andererseits zur Wehrdienstverweigerung. Die Sozialistische Organisation Israels kämpft gegen Ausbeutung, Rassendiskriminierung und Unterdrückung. Deshalb unterstützt sie den Kampf der Arbeiterklasse gegen die Ausbeutung, billigt den Krieg, den die 'Schwarzen Panther' der Rassendiskriminierung erklärt haben, und anerkennt das Recht eines unterdrückten Volkes, für seine Befreiung zu kämpfen und das Recht junger Israelis, den Dienst für den militärischen Unterdrückungsapparat zu verweigern."

(aus La Gauche Nr. 36 vom 3. Sept. 1971)