Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Venezuela

Oel und Politik

· Inprekorr Nr. 59, 2. Mai 1976 · S. 27-31 · 3.264 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Gewerkschaften und Streiks Jugend und Studenten Weltwirtschaft und Krise

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OEL &POLITIK

In den letzten Jahren hat Venezuela einen ähnlichen politischen Prozeß durchgemacht wie alle bürgerlich-nationalistischen Regimes in Latein amerika. Allerdings war deren Niedergang begleitet von neuen und größeren Kompromissen mit dem Imperialismus und daher von einer Verstärkung der neo-kolonialen Abhängigkeit, Dieser Prozeß des Verfalls des bürgerlichen Nationalismus ist gerade in Panama im Gang und hat sich bisher in Peru, Argentinien und jetzt in Venezuela gezeigt. Das kann nicht anders sein, da man von der schwachen nationalen Bourgeoisie in diesen Ländem nichts anderes erwarten kann.

Das Gestirn der "Helden" des bürgerlichen Nationalismus in Lateinamerika, Peron, Velazco Alvarado. Torrjios und Carlos Andres Perez geht seinem Untergang entgegen. Nur die beiden letzten regieren heute noch. An ihre Stelle ist die Stärkung des Einflußes des Imperialismus in Südamerika getreten. Doch geht diesHand in Hand mit einem langsanen Aufstieg der Massenbewegung in einigen Ländern.

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VENEZUELA

DER PEREZ-PLAN

Im besonderen Fall Venezuelas fiel die pro-imperialistische Wende mit den "Nationalisierungs "maßnahmen des Präsidenten Carlos Andres Perez zusammen, deren erste die "Nationalisierung" der Bergwerke (Eisen) und letzte die des Erdöls war. In beiden Fallen wurden dem Imperialismus große Entschädigungssummen gezahlt; gleichzeitig behielt er die Kontrolle über die Grundindustrie bei, vor allem mit Hilfe der gemischten Gesellschaften, die zugleich von staatlichem und von nationalem und imperialistischem Privatkapital getragen werden.

In der Erdölindustrie werden die nordamerikanischen Gesellschaften die wichtigsten Sektoren und Quellen der reichsten Profite unter ihrer Kontrolle haben. Sie werden das Monopol über das Raffinieren, den Transport und den Handel mit den Erdölprodukten behalten und natürlich auch die Verträge über die technologische Wartung.

Die venezuelanische Bourgeoisie konnte vorüberfur, in der der imperialismus auf Weitebene ne- gehend aus eltebene geschwächt war, Profit ziehenund sich in Verhandlungen eine stärkere Position schaffen. Heute appelliert diese Bourgeoisie wieder an die Finanzhilfe des Imperalismus zur Unterstützung ihrer kapitalistischen Entwicklungspläne.

Die ganze vorhergehende "antiimperialistische" Etappe verlief im Rhythmus verbaler Konfrontationen mit dem Imperialismus. Zur Unterstützung ihrer Nationalisierungspläne und zur Durchführung eines wirtschaftlichen Entwicklungsplans --der mit den Erdölpreiserhöhungen bezahlt werden sollte-suchte sich die Regierung eine Massenbasis zu schaffen und dadurch ihre Position zu stärken und eine größere wirtschaftliche, politische und soziale Stabilität herzustellen. Die Regierung Carlos Andres Perez konnte daher von Anfang an mit märchenhaften finanziellen Ressourcen rechnen, an deren Ausmaß in der Wirtschaftsgeschichte des venezuelanischen Kapitalismus nichts gleichkommt.

Als Carlos Andres Perez daher 1974 seine Regierungszeit antrat, konnte er den verschiedenen Tellen der nationalen Bourgeoisie alle möglichen Krediterleichterungen, puterde m die Möglichkeit, den- währen. Er hatte außerdem die Möglichkeit, verktätigen Massen einige Zugeständnisse zu ma• chen, so eine 25%ige Lohnerhöhung und andere populare Maßnahmen. Nach zweijähriger Antsperiode stiegen die Steuereinnahmen auf ca. 84 Mrd. Bolivars (1 US-Dollar = 4,4 Bolivars). und die Devsenreserven übertrafen mit 8.856 Mio. Dollar 1975 die Summe der Reserven aller lateinamerikanischen Länder. Angesichts dieses wirtschaftlichen Eldorados bestanden die Spitzengruppen der venezuelanischen Industriewelt, die eng mit den multinationalen Gesellschaften verbunden sind und deren Sprachrohr der Unternehmerverband "Fedecamaras" und auf "Investitionsneigungen". Insgesamt belau- auf der Notwendigkeit eines "Vertrauensklimas" fen sich die Ausgaben der Regierung auf etwa 120 Mrd. Bolivars. Mit einem Großteil dieses Gelds wurden bedeutende industrielle und agro-industrielle Projekte finanziert, ausländische Investitionen unterstützt und an verschiedene Länder und Körperschaften, die vom nordamerikanischen Impenalismus kontrolliert werden, so die Weltbank, Anleihen und Schenkungen gemacht. Einen bedeutenden Teil dieser Geldmasse verschluckte der büroebene eine gewisse Wirtschaftskrise hervor, was den Staat gezwungen hat, mit den öffentlichen Ausgaben etwas"vorsichtiger"zu sein und in der Verwaltung Reformen vorzunehmen. Doch die Bourgeoisie verfügt immer noch über enorme Reichtümer, die ihr gestatten, ehrgeizige Projekte zu verfolgen. Diese "fetten Jahre " versucht die venezuelanische Bourgeoisie tür einen Wirtschartsplan zu nutzen, der zwischen 1976 und 1980 in Kraft treten soll. Wenn es nach dem Präsidenten geht, wird dieser Plan der Kern dessen sein, was man den Aufbau "Groß- Venezuelas" genannt hat, in Anlehnung an las "Mächtige Argentinien" Perons oder an das "Brasilianische Wirtschaftswunder" . Wir werden kurz die zentralen Punkte dieses "V. Plans der Nation " streifen.

In Bezug auf das Erdöl, den bedeutendsten Naturreichtum des Landes, wurde die Ausbeutung der Orinoco-Felder, des größten Erdölvorkommens *h vestitionsprogramm" angekindigt. Außerdem wurde ein an dem nordamerikanisches Kapital beteiligt ist. Das kann nur eins bedeuten: Carlos Andres Perez ist bereit, die bedeutendsten Erdölvorkommen an die imperialístischen Erdölgesellschaften auszuliefem. Die Bedingungen für diese Ubergabe waren sicher Gegenstand der jüngsten Unterredung zwischen Kissinger und Carlos Andres Perez.

Ebenso ist klar, daß den multinationalen Gesellschaften ein privilegierter Platz in den sog. strategischen Industriesektoren eingeräumt wird. Artikel das die industrielle Gewinnung unc len Handel mit Erdöl und Erdgas regelt und "Ăssoziationsverträge" zwischen Staat und Privatindustrie erlaubt, eröffnet den imperialistischen Gesellschaften in der Tat zahlreiche Möglichkeiten. Mittels der Gesellschaften mit gemischtem Kapital werden sie an dem Aufschwung der Eisen- und Erdölindustrie, den Schlüsselindustrien im Entwicklungsplan der Regierung und der venezuelanischen Großbourgeoisie, teilhaben können. Zudem wird dem "Privatsektor" in Sektoren wie die Ausbeutung von Derivaten und Nebenprodukten der petrochemischen Industrie ein Anteil bis zu 50% und manchmal sogar ein Mehrheitsanteil zugestanden. Heute sucht der venezuelanische Staat nach ausländischen Krediten in der Höhe von 30 Mrd. Bolivars, um diesen "Entnationalisierungs" plan vollständig finanzieren zu können. Er wird auch beim Imperialismus Schulden machen, da die bestehenden Reserven und der erwartete Haushalt nicht ausreichen, um den Modemisierungs- und Entwicklungsbedarf des einheimischen Kapitalismus zu decken.

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Das Ergebnis ist abzusehen: die Abhängigkeit vom US-Imperialismus wird verstärkt werden, in jeder Hinsicht. Denn die einzig mögliche, wirkliche Entwicklung des Landes erfordert die Befreiung vom neo-kolonialen Joch, und das wird nur möglich sein, wenn in Venezuela eine Regierung der Arbeiter und des Volkes errichtet wird.

Ziele und Mittel dieses kapitalistischen Entwickungsplans sind eng an das Erziehungsprogramm der legierung gebunden. Eine der dringlichsten Notwendig keiten tür die venezuelanische Bourgeoisie ist die Produktion einer billigen und spezialisierten Arbeitskraft. Das erfordert die Anpassung des Unterrichtssystems an die Entwicklungsziele. Durch ihr Programm versucht die Regierung die Masse der Studenten von einem literarischen Studium auf die technischen Fakultäten umzuleiten (besonders auf Kurzstudiengänge); sie versucht, die Kosten für den öffentlichen Ünterricht zu senken, indem sie die Studentenzahl und den Haus- Seite den kostenlosen Unterricht aufzuheben oder einzuschränken. Ein anderes ihrer Ziele ist die Liquidierung der demokratischen Organe der Stuzeichnendes Icht auf das, was die Regierung de , Diese Tatsachen werten ein be- Man braucht auch nur aut das Abkommen zwi- "Revolution im Unterrichtswesen" schen der Gesellschaft für Eisen- und Stahlindustrie in Orinoco (Corporacion Venezolana de Guayana) und den verschiedenen staatlichen Universitäten, sowie auf die "Austausch- und Beratungsabkommen" mit nordamerikanischen Universitäten hinzuweisen.

In jeder Hinsicht bedeutet die gegenwärtige Politik der Regierung eine vollständige Unterwerfung unter den Imperialismus: sie steht damit im Widerspruch zur "nationalistischen" Demagogie, unter der Carlos Andres Perez anfänglich ange- DER PLAN DER BOURGEOISIE UND DIE

MASSEN

Während der Wahlkampagne hatte Carlos Andres Perez den Massen drei wichtige Dinge versprochen: 1. die Steigerung der Lebenshaltungskosten zu bekämpfen; 3: die Vollbeschenigung zu erreichen: der "Armut den Krieg zu erklären": Die ersten schüchtemen Maßnahmen von Carlos Andres Perez in dieser Frage entsprachen formal diesen Versprechungen und hinterließen in der Arbeiterb ewegung eine tiefe Wirkung. wodurch sich die Regierung eine solide Basis verschattt hat, einsetzen an, Solene Nannten warenungen der Preisstop bei Grundn anrungsmitteln der Erlaß eines Gesetzes, durch das "ungerechtfertigte Entlassungen" teilweise verhindert werden, der Erlaß, daß alle Unternehmen ihre Belegschaft um 5 % erhöhen müßten, und ähnliche Maßnahmen mehr. Doch bekamen die Arbeiter die Wirkung dieser Maßnahmen kaum zu spüren. Die Lohnerhöhungen wurden sehr bald von einem Inflationsboom aufgefressen; mit den "Preiskorrekturen" und unkontrollierten Preissteigerungen stiegen auch die Lebenshaltungskosten; auf die Einstellung neuer Arbeitskräfte folgten Massenentlassungen. Auf keines der großen Probleme des venezuelani- Der Reallohnder Arbeiter fällt immer tieter, tion immer stärker steigt: im Juli dieses Jahres wird sie etwa 50% erreicht haben. Ca. 33.000 studenten finden keinen Platz in den Universitäten; das gleiche gilt für die Mittelschulen. Die Agrarfrage ist so explosiv wie eh und je: die venezuelanische Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Die Agrarreform der 60er Jahre hat die Grenzen, die ihr durch das Agrarprogramm selbst sowie durch den Verwaltungsapparat gesetzt wurden, nicht überwinden können: ca. 80% des Bodens ist von den Großgrundbesitzem monopolisiert und den Landarbeitem bleibt nichts anderes übrig. das Land zu verlassen und in die städtischen Slums zu ziehen. Die Krise der Landwirtschaft macht den Import zahlreicher Produkte nötig, was eine "importierte Inflation" mit sich bringt und für viele Kleinproduzenten den Ruin bedeutet. Der "V.Plan der Nation" ist nicht nur nicht in der Lage, diese Probleme zu bessem, sonder er in der far erforder seine umset veg von allen Arbeitern Opter. Carlos Andres Perez hat erklärt, wie ruchtbarste Mitwirkung der Angestellten und Ar beiter für den größten ertrag der Arbeitskraft un

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VENEZUELA den ununterbrochenen Gang der Betriebe.. ". Er fordert von ihnen also die Unterwerfung unter die schärfste Ausbeutung. damit den Untemehmern große Gewinne garantiert sind. Doch das ist nur ein Aspekt der sozialen Auswirkungen des "V. Plans der Nation" Denn wenn die Regierung "Sparsamkeit" und "Leist Parifverträgen auch nur die " fordert, dann um zu verhindern, daß in den kleinsten Verbesserungen durchgesetzt werden um die Löhne zu blockieren und die Produktionskosten so weit wie möglich zu senken: die Kosten für den kapitalistischen Entwicklingsplan sollen also die Arbeiter zahlen.

Carlos Andres Perez schreckt unter diesen Bedingungen nicht davor zurück, die mächtige Gewerkschaftsbürokratie (die mehrheitlich von der Accion Democratica, der offiziellen Partei, kontrolliert wird) für seine Zwecke einzusetzen: so hat er von tenAbkommen das Verhältni gefordert, in den Gewerkschaltszentralen "konzertierzwischen Arbeitern

Ard eter bei den Kollegene and ingenia siehe er. Mit ihrer "Sparsamkeits- und Leistungs"philoso- ›hie will die Bourgeoisie nicht nur die Produktionskosten senken, sondern auch die Arbeiterbewe- Sie ingeniere dem Gesetz gegen unere echtfertigte Entlassungen" formuliert wird, vill sich damit den Weg freimachen für ungehinden Mivisten aus den Betrieben die den FaiSan von Aktivisten aus den Betrieben für den Fall, beiter erfährt also, daß er produzieren muß, was man von ihm verlangt, sonst verliert er seinen Arbeitsplatz. In allen Bereichen nimmt die Zahl der Entlassungen zu, besonders betroffen sind davon aber die Arbeiter der Gesellschaften, die im Erdölgebiet arbeiten, Was Carlos Andres Perez zur Behebung der Arbeitslosigkeit vorschlägt, kann nicht einmal ein Notbehelf sein, sondem ist im Gegenteil dazu angetan, Entlassungen noch leichter zu machen. Carlos Andres Perez hat versprochen, jährlich 180.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Doch bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen werden 1, 6 Millionen ohne Arbeit bleiben: in dieser Zahl ist nicht ie steigende Anzani derer einbezogen die in ar- ›eitsfähigem Alter stehen und laut Statistik ir den nächsten zehn Jahren keine Arbeit finden wer- DIE ANTWORT DER ARBEITER

Es gibt gegenwärtig keine Mobilisierung der Arbeiterbewegung und der unterdrückten Massen ir Venezuela. Während der letzten beiden Jahre -und auch schon seit längerer Zeit-- hat es im Land keine großen Kampte gegeben. In diesel Zeit fanden nur kleine Konflikte statt, begrenzte und isolierte Kämpfe der Arbeiter und einiger Teile des Kleinbürgertums. Doch die Dynamik der Klassenkämpfe schreitet durch diese sporadisch ausbrechenden und wenig intensiven Kampfe langsam, aber stetig voran. Ein Ausdruck dessen ist die Tendenz zur massiven gewerkschaltlichen Organisierung der Arbeiter.

Die größte Gefahr ist der Regierung Carlos Andres Pereż sicherlich aus den Streiks der Eisenarbeiter und dem drohenden Streik der Erdölarbeiter erwachsen. Beidesmal hatte sich Carlos Andres Perez geweigert. den Arbeitern 50% ihrer Sozialleistungen zü zahlen, wie er ihnen anläßlich der Nationalisierung der Eisen- und Erdölindustrie versprochen hatte. Wenn diese Kämpte auch nicht zum Erfolg geführt haben, da die zentralen Forderungen nicht erfüllt worden sind, haben sie doch zu einer direkten Konfrontation mit der Unernehmerregierung geführt; dabei ist die Arbeiterklasse nicht wirklich geschlagen worden, sondern sie hat ihre Stellungen halten und ständig Gewerkschattsbürokratie gekommen, 14 Jahren in der Bergarbeitergewerkschaft eingenistet hat. Der Kampt endete mit der Vereinigung der Gewerkschaften im Sektor der Eisenindustrie, und durch den Sieg der Listen des MIR (Movimien to de Izquierda Revolucionaria) und des MAS (Movimiento al Socialismo) wurde die alte Gewerkschaftsbürokratie davongetegt. Das zeigt den neuen Trend der Arbeiter zu sozialistischen Positionen.

Doch die Faktoren, die diese Mobilisierungen verursacht hahen oder beinahe verursacht hätten, sind noch verborgenund die immer negativeren Erfahrungen, die die Arbeiterklasse mit der bürberlichen Regierung macht, werden das Vertrauen, das sie heute noch in sie setzt, schritt tur schritt untergraben. In Wirklichkeit lasten immer schwerere Probleme auf den industriearbeitem. beson ders auf den Arbeitern der Eisen- und Erdölindusta die sn auene ne ne valen gesteigerungspläne" einige ihrer Errungenschaften in Frage stellen (so der Besitz an den Wohnungen in den Arbeitsgebieten, die Kantinen, etc.). Das kann zu neuen Mobilisierungen Anlaß geben. Die Transportarbeiter, die Angestellten im Öffentlichen Dienst, die Professoren und Universitätsangestellten haben gestreikt, Studenten und Stadtteile haben sich gegen die Erhöhung der Verkehrstarife mobilisiert, usw. Anläßlich des Besuchs Kissingers und des Mords an drei Studenten durch Agenten der Repressionskräfte hat es über eine Woche lang starke studenische Mobilisierungen gegeben Diese waren auf lie Mobilisierung der Oberschüler und der Berufs "Sonderzyklus"

Unzufriedenheit gegeben und verschiedentlich Land besetzt.

Die Reaktion von Carlos Andres Perez auf diese vereinzelten, aber immer wieder aufflackernden Kämpfe kann im allgemeinen so gekennzeichnet werden: es kam ihm darauf an, nicht um eine Haarbreite zurückzuweichen, und eine repressive Haltung einzunehmen; er hat fast alle Streiks als illegal erklärt, Arbeiter entlassen, Studenten ermordet, Arbeiteraktivisten und aktive Linke eingesperrt, Büros und Druckereien der verschiedenen sozialistischen Gruppen geplündert, linke Zeitungen beschlagnahmt, usw. All dies war jedesmal von einer immer deutlicheren Rechtswende der Regierung und einer immer stärkeren Anpassung an den Imperialismus begleitet.

so verschlechtert sich das image der Regierung zunehmend. Die Kampte werden, wenn auch langsam, zahlreicher und breitere Schichten der Massen und des Kleinbürgertums tendieren nur

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zum Sozialismus; das zeigt sich sowohl in der Stärkung der Linkskräfte wie auch im Ergebnis der Studentenwahlen und Gewerkschaftwahlen, sowie an anderen Entwicklungen.

DIE LINKE

Die ersten Aktionen des Präsidenten Perez haben auf die gesamte Linke eine große Wirkung gehabt, auch aut die Gruppen, die so etwas wie einen "Prä-Faschismus' aufkommen sahen (bei dieser Analyse stütztensiesichuf die frühere politische Haltung von Carlos Andres Perez, als dieser noch keinerlei "nationalistische " Tendenzen erkennen ließ). Seine erste kurzlebig "Angriffe" auf "antiimperialistische " Initiative sowie seine die "Industriemächte" und Reden zur "Verteidigung" der "Dritten Welt" haben sie desorientiert. Im allgemeinen hat die Linke vor dem bürgerlichen Nationalismus die Waffen gestreckt und ihm damit als linker Flankenschutz gedient. Die KPV (Venezuelanische Kommunistische Partei) erging sich in Lobreden über die "fortschrittlichen" Maßnahmen von Carlos Andres Perez und schlug die Bildung einer "Patriotischen Front" aus allen politischen Parteien, "fortschrittlichen" Bürgern und Militärs vor. Fast die gesamte Linke --mit Auslahme der Liga Socialista, der sympathisierenden Sektion der IV . Intemationale, und der extremen Linken-- hat sich diesem Pakt zwischen bürgerlichen Parteien, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden gebeugt. Tatsächlich sollte damit das Vertrauen n den Anti-Imperialismus - Schwindel der Regierung gestärkt und so die Frage umgangen werden, welcher Klasse die Kontrolle über die nation alisierten Industrien zukommt. Gleichzeitig stellte sich in aller Schärfe die Frage nach der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterbewegung, während die Regierung an die Einheit der Önternehmer und Arbeiter appellierte, "um dem Imperialismus Widerstand zu leisten".

Die Teile der Linken, die im Parlament vertreten sind, sind aus diesem Rahmen nicht herausgetreten und gegenüber den bürgerlichen Plänen haben te eng eptene der A eine mit en Freitens gesellschaften ausgehandelte Verstaatlichung, die die Entschädigung derselben vorsah. Ebenso unterstiltzt sie heute den "V.Plan der Nation" und beunügt sich damit, zusammen mit dem libriger lest der "sozialistischen" Parlamentarier Zifferr und Paragraphen abzuwandeln, ohne jedoch eine sozialistische Arbeiteraltem ative vorzutragen. Schlimmer war jedoch die Haltung der Linken zu den Arbeiterkämpfen. MAS. MIR und KPV wetteiferten darin, die Kämpfe der venezuelanischer Arbeiter zu verraten. Systematisch widersetzten sie sich den Streiks in der Eisen- und Erdölindustrie. und bezeichneten sie als "unpassend" . Die KPV beschuldigte die Trotzkisten, die die Erdölarbeíter unterstützten, sie würden Verwirrung stiften und die "anti-nationalen" Kräfte ermutigen: im Erdölaebiet verteilte sie Flugblätter und Broschüren degen die Trotzkisten, statt die Arbeiter zu unterstützen und ihnen zu helfen, daß ihnen nicht ihre Sozialleistungen weggenommen würden. Währenddessen beschäftigten sich MAS und MIR damit, die Gewerkschaftswahlen vorzubereiten. In dieser Situation relativer Klassenruhe treiben alle möglichen Sorten ideologischer Entartung und Verwirrung in der Linken ihre Blüten, vom individuellen Terrorismus bis zum plattesten Reformismus.

Als Beispiel seien hier nur die Positionen des Chefan ihnen orientiert sich der größte Teil der vene- ideologen des MAS, Teodoro Petkoff, zuelanischen Linken. Abgesehen davon, daß der MAS mit den "patriotischen" Militärs liebäugelt, erklärt er, daß "die Demokratie ausgeweitet werden müsse. Da er sich hier auf die bürgerliche Demokratie bezieht, geht der MAS so weit zu beer stelle den linken Flügel der beiden Wie um den Bruch mit dem Marxismus zu vollenden, steht er darauf, daß eine "neue Form ( getunden werden müsse,) die Form er sozialdemokratie). Er verleugnet die Dikta ur des Proletariats und ersetzt sie durch der "plu - . in dem den Untemehmerparteien und dem kapitalistischen Privateigentum ihr Platz sicher ist.

Die Lage in Venezuela stellt sich heute so dar: wirtschaftlicher Aufschwung für die Bourgeoisie auf dem Rücken der Arbeiterbewegung und der Massen: beschleunigtes Eindringen des Imperialismus: relative Flaute im Klassenkampf und Fehlen einer revolutionären Führung.

Die revolutionären Marxisten stehen einer Vielzahl von Aufgaben gegenüber; die bedeutendste darunter ist die. eine wirkliche revolutionăre Fuhrung herauszubilden, die den Arbeitem im Feuer der Massenmobilisierung den Weg des Sieges weist. Diese Führung herauszubilden bedeutet, erläßliches Instrument zu schmieden, ohne das die Arbeiter nie die Macht ergreifen können. Dies Instrument ist die sozialistische und Arbeiterpartei, die Venezuela heute dringend braucht. Dazu ıst wegung und bei jedem ihrer Kämpfe dabei zu sein. eins zu werden mit der Arbeiterbe- Wir müssen aut all ihre Bedürinisse eine Antwort finden und an ihrer Seite um Klassenpositionen kämpfen, gegen die Repression und die Uberaus. Deutung durch das Kapital. Dazu ist auch not• wendig. einen Kampfplan aufzustellen und ein sozialistisches Programm für die Arbeiter zu erstellen.

Das bedeutet heute auch: die Forderung nach einer neuen, skala; den Kampf gegen die Gewerkschaftsbürokratie und für Einheit und Demokratie in den Gewerkschaften: den Kampf gegen das Eindringerio- des Imperialismus und für die vollständige l nalisierung aller seiner Industrien unter Arbeiterkontrolle: die Verteidigung des Rechts auf ein Erziehungs- und Unterrichtswesen im Dienste der Arbeiterklasse und des Volkes, das von den Studenten selbst kontrolliert wird; den Kampf um eine wirkliche Agrarretorm.. Schließlich gilt es, systematisch die Alternative einer Regierung der Arbeiter und des Volkes zu propagieren, die die Kapitalisten enteignet und den Weg zum Sozialismus öffnet.

Die Liga Socialista hat sich die Autgabe gestellt, diese Partei. diese revolutionäre Führung autzubauen, indem sie zu jeder Zeit mit den Reformisten und der extremen Linken Einheitsfrontaktionen unternimmt, die aut die objektiven Bedürtnive rierung wird bies uner die reformist schen Diese alterna- Tendenzen und all die falschen Ideologien erheben.. die heute das Proletariat in die Irre führen und ideologisch schärfstens bekämpft werden müssen . Die kommenden Massenmobilsierungen, die vielleicht Markstein einer Phase aufsteigender Klassen kämpfe sind, werden diesem Prozeß den Weg bahnen und ihn vorantreiben •