Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Uruguay

· Inprekorr Nr. 55/56, 9. April 1976 · S. 42-47 · 4.530 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Trotzki und Geschichte IV. Internationale Stalinismus und Bürokratie

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Mit dem Zusammenbruch des Generalstreiks vom Juli 1973 ist das alte Uruguay gestorben, Im alten Uruguay wurden "Stimmen und Külhe" zusammengezählt, um auf breiter Massenbasis eine bürgerliche Demokratie auf die Beine zu stellen. Heute sind die Kühe zahlreicher, aber sie finden nieman- Der er der kie tind der Summen il ton gen Krise aufgezehrt worden, die die Ausbeuter dazu ist von der bewegt hat, die Errungenschaften der Arbeiter anzugreifen, inerster Linie die Löhne und ihre Freiheiten, die ihnen bisher geholfen hatten, zu kämpfen um sich zu verteidigen.

Der Schock war groß. Der Sprung von einer bürzerlichen Demokratie zu einem besonders arbeiterfeindlichen und repressiven Bonapartismus schloß einen tast lojahrigen Krieg zwischen der bürgerllchen Offensive und den Arbeitern ab. Der Ausgang der letzten Schlacht, des 15tägigenGeneralstreiks regen den Putsch, gab endgültig den Ausschlag lie Unternehmer hatten den Krieg gewonnen un‹ die Arbeiter besiegt: sie schickten sich nun an, ihre Überlegenheit ganz auszukosten. Im folgenden soll diese Wirklichkeit untersucht werden, um zu helfen sie zu verändern. Das Ausmaß der Niederlage der Arbeiter verlangt von uns, besonders als Trotzkisten, eine besonders kritische Anaiyse --auch unserer eigenen Aktivitäten und Aufgaben--: das ist der einzige sinnvolle Ausgangspunkt für die Bestimmung einer korrekten und brauchbaren Politik, die das Proletariat neu organisieren die Diktatur stürzen und die revolutionäre Partei aufbauen kann.

DER "COUP"

Die Hintergründe für den Putsch sind in der Gefahr eines Aufschwungs der Arbeiterkämpfe und der Ohnmacht einer gespaltenen Bourgeoisie zu suchen, die diese Kämpfe mit Hilfe ihrer demokratischen Institutionen zu bremsen sucht. In diese soziale und institutionelle Situation greifen die Putschisten vorbeugend ein, um zu verhindem, daß die Verschärfung dieser Faktoren, besonders des ersten, die Operation gelandet. Das war also das erste Ziel der Putschisten: die Arbeiter zu schlagen um den Kapitalismus zu sozialen, politisćhen und insti- retten der von der wirtschaftlichen, tutionellen Krise bedroht war. Ihre besonderen Absichten werden wir weiter unten untersuchen. en Putschisten wurde ihre Aufgabe durch die Po itik der Arbeitergewerkschaft (CNT). die von de Kommunistischen Partei geführt wird, des Frente Amplio (Breite Front - ein Block verschiedener Klassen) und der Mehrheit der Linken erleichtert. Sie alle drückten einmung inr vertrauen in die guten Absichten der angeblich "peruvianischen" Milftärs aus, die beim Halb-Putsch vom Februar 1973 auf der Bildfläche erschienen waren. Diese Politik des Verrats an den Arbeitem hat auch den Putschisten ihren ungehinderten Vormarsch ermöglicht und den Generalstreik, den die Massen als Antwort auf den Putsch entfesselt hatten, in die Niederlage geführt. Die Stalinisten und ihre Verbündeten versuchten zunächst, mit der Regierung President Bordaberry zu verhandeln, dann mit den verschiedenen Sektoren des Militärs, von denen sie erwarteten, daß sie einen Gegencoup organisieren wollten. Sie gaben dem Streik einen detensiven Charakter, damit eventuelle bürgerliche Verbündete nicht verschreckt würden.

Weder die KP noch die extreme Linke, die bis zwei Tage vor der Been digung des streiks einen ben, zu Mobilisierungen und Straßendemonstrationen, zur Bildung bewaffneter Selbstverteidigungstrupps ind zur Ausarbeitung einer Taktik, die die Streitkrätte hatte spalten können. Alle warteten sie aut eine Entscheidung der "fortschrittlichen" Teile des Unternehmertums. Das Ergebnis ist zur Genüge bekannt. Nur die Trotzkisten der Partido Revolucionario de los Trabajadores de Uruguay (PRTU) haben eine solche offensive und revolutionäre Orientierung für den Streik vertreten, wenn auch fehlerhaft und ungenau. Aber dieser Partei fehlten die Kräfte, um den Kurs der Kampfe zu ăndern. Durch den Verrat der Stalinisten konnte eine vorrevoluttonare Etappe gestoppt werden, die in den ersten beiden Tagen des Streiks einen revolutionären Charakter angenommen hatte, Dann begann die konterrevolutionäre Etappe, die bis heute RELATIVE FESTIGUNG DER DIKTATUR

Nach der Niederschlagung des Streiks festigten die Putschisten ihre Macht. Nicht weil sie die Wirtsur sich gee sonen hatten, und noch weniger se noch weniger, weil sie im Kleinbürgertum eine Unterstützungsbasis ewonnen natten. Der hauptsachliensie Grund für die relative Stabilität der Diktatur -- die periodische Krisen nicht ausschließt - - war das Ausmaß der Niederlage der Arbeiterklasse es kann Konflikte geben zwischen der nationalen Bourgeoisie und der pro-imperialistischen Diktaund gibt sie Aber es fehlt ihr die genügende Kraft, um die Diktatur auszuschalten. Die entscheidenden Kräfte sind der Imperialismus und das Proletariat. Die Diktatur hat sich gefestigt auf der

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Basis der historischen Niederlage des Proletariats. Warum stellen wir die Niederlage so dar, wenn sie doch nicht Ergebnis eines Bürgerkriegs ist, WIE DIE DIKTATUR CHARAKTERISIEREN ?

Aus zwei wichtigen Gründen, die sich in gewisser Weiben. Erstens unterscheidet sich der Staatsstreich in unserm Land von dem in Chile und anderen ähnlichen ultra-reaktionären Putschen, insofern die letzteren mit einer extremen Repression eingesetzt haben --die durch eine gewisse soziale Massenbasis ermöglicht wurde-- und später zu "normaleren " Formen der Repression übergegangen sind. Nicht so in Uruguay, vor allem aus zwei Gründen: die Putschisten haben nie die dazu notwendige Massenbasis gehabt; sie sind nicht einmal auf einen bewaffneten Widerstand gestoßen, der sie zu einer Doch hat die daß der Diktatur eine soziale Verwurzelung Massen fehlt und sie daher gezwungen. wie eine Besatzungsmacht in diesem Land zu herrschen, gegen den Willen der erdrückenden Mehrheit der Bevölkerung. Die Repression verringem würde für die Diktatur bedeuten, den Strick zu flechten, mit dem sie gehängt wird. Einige Tatsachen mögen dies erläutern. Die Zahl die während des Streiks ermordet wurden, is unter der Folter nach Beendigung ist unbedeutend gegenüber der Anzahl derer, des Streiks gestorben sind.

als der Streik lie schon gefangen waren). Zweieinhalb Jahre später wurden bei einer Razzia gegen die KP 1400 Leute gefangengenommen, und das ohne daß es irgendwelche sozialen Kampte gegeben hatte Sie kamen zu denca. 8.000 hinzu, die schon gefangen waren. Was würden wir sagen, wenn drei Jahre nach einer Niederlage der französischen Arbeiter 200,000 von ihnen noch gefangen wären, was ungefähr 1 Million Gefangenen in den USA entspricht? Wir stünden einer historischen Niederlage gegenüber. Dies ist jedoch die Größenordnung, in der sich die Repression in Uruguay heute abspielt, Obwohl die Zahl der Gefangenen ein sehr wichtiges Indiz für das Ausmaß der Niederlage der Arbeiter ist, stellt sie keinen entscheidenden Faktor dar, der die Arbeiter hindern könnte, ihre Stärke wiederzugewinnen. Für viel wichtiger halten wir die Emigration von Hunderttausenden von jungen Ar- ›eitern. Es ist unmöglich, genaue Angaben zu machen. aber man kann ihre Zahl auf ungefähr 400.000 bis 500.000 schätzen, d.h.15 bis 20% der gegenwärtigen Gesamtbevölkerung. Die Emiler Stadtbevölkeruns ie betrifft einen Teil der aktivsten, gebildetster und auch rebellischsten Bevölkerung, vor allem die Jugend, sowohl die aus dem Industrieproletariat als die aus dem radikalisierten Kleinbürgertum. Die Emigration, die Wirtschaftskrise, die Repression und das Fehlen einer einigermaßen in den Massen verankerten revolutionären Führung erschweren die Neuorganisierung der Arbeiter bedeutend und tragen indirekt zur Stabilisierung der Diktatur bei. Nur eine bedeutende Anderung im Kräfte verhältnis zwischen den Klassen in den Nachbarländern oder im allgemeinen auf der Ebene der Weltrevolution cann diese Tendenz umkehren. die auf eine relativ lange Periode der Neuorganisierung der Kräfte der Arbeiterklasse in Uruguay weist. Uruguay macht heute eine konterrevolutionäre Etappe durch, in der das Kräfteverhältnis für die seet det le nd er e de lage deten Schieren Bourgeoisle sehr günstig ist, da das Proletariat sich noch nicht erholen konnte.

bilden, mit je verschiedenem Gewicht, die Regieder Arbeiterbewegung gefestigt wurde und deren eine Regierung, die durch die Niederlaze wichtigste Stütze der militàrisch-polizeiliche Apparat des Yankee-Imperialismus, der Finanzoliarchie und der Besitzer der Fleisch- und Exportndustrien darstellt. Diese Regierung ist als ultra• rechts - bonapartistisch zu bezeichnen, aber nicht als faschistisch; denn dazu fehlt ihr die aktive Unterstützung eines wichtigen Teils des Kleinbürgerrums, die sie nie genossen hat, Im Gegenteil. Die wichtigste Stütze der Regierung ist die Armee. Da sie bis vor wenigen Janren eine völlig nebensächliche Rolle sowohl im wirtschaftlichen wie im politischen Leben des Landes gespielt hat, ist es u.E. wenig wahrscheinlich, daß sie sich in weniger als vier-tunt Jahren, und gar seit dem Putsch als fest umrissene Kaste konstituieren konnte. Aber es besteht kein Zweifel, daß dieser Prozeß voll im Gang ist. Die Grundlage des cesamthishalts ausmacht, Dieser Zahl kommt der 55% des Gesamthaushalts ausmacht.

eine erhöhte Bedeutung zu, wenn man berücksichtigt, daß es sich hier um Streitkräfte der inneren Repression handelt, d.h, daß die Ausgaben für teure schwere und komplizierte Waffen minimal sind.

Das wachsende Eingreifen der Armee in alle Organe des Staatsapparats steigert beträchtlich ihre Möglichkeiten, durch Verhandlungen, Bestechungsgelder und Pfründe aller Art ihr Wirtschaftliches Aktionsfeld zu erweitern.

Die beiden Sektoren, die sich mit der Armee den Löwenanteil des Nationaleinkommens teilen, sind der Wer einheimischen ogar bbe Der yan- "Achse" der einheimischen Oligarchie. kee-Imperialismus vor allem über Anleihen, Finanzkapital, Konzessionen für die Förderung von Erdöl an Chevron (Standard Oil) und all seine Aktivitaten, die er zusammen mit der Finanzoligarchie, der Exportindustrie (und natürlich auch den Großgrundbesitzern) trägt. Der zweite Sektor besteht vor allem aus der obengenannten Oligarchie, investiert sein Kapital aber in die konjunkturell profitträchtigsten Bereiche, seien es Devisenspe- Viehschmuggel, Industriese ktoren oder anderes.

Aus dieser Beschreibung geht hervor, daß sich innerhalb der Bourgeoisiegroße Widersprüche anhäufen: zwischen dem Imperialismus, der darauf drang', daß der Militärhaushalt eingeschränkt werde, und den Militärs, die ihre Privilegien verteidigen; zwischen den Militärs, die sich auf den Staatsapparat stützen und versuchen, zugleich Verbündete und Konkurrenten der Oligarchie zu werden, und dem Imperialismus, der seinerseits ihr Verbündeter und Konkurrent ist. Hier zeichnet sich allgemeiner der Widerspruch zwischen denen ab, die die Macht in den Händen halten und den größten Nutzen aus der Aufteilung des Mehrwerts ziehen, und der gesamten restlichen ourgeoisie, genauer gesagt all den Sektoren del Bourgeoisie, ür bei der Plünderung des Landes nicht in irgendeiner Form ein Gewinn abgefallen ist; das betrifft vor allem eine Masse von Vieh-

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URUGUAY züchtern, die nicht mit der Fleischverarbeitungsund -exportindustrie und mit den Banken liiert sind. Die starke Verengung des Fleischmarkts erschwert ihnen den Unterhalt ihrer "haciendas"und unterwirft sie noch mehr der aggressiven Politik der Fleischgefrier- und -exportmonopole, ohne daß sie von der Zahlung der relativ hohen Steuern befreit wären. Ihre Zusammenstöße mit der Regierung haben zur Gefangennahme des Präsidenten der Land-Föderation und anderer Führer dieser Organisation geführt.

DIE PLAENE DER REGIERUNG

Die Programme der Regierung entsprechen einem ganz bestimmten Ziel: dem Imperialismus und seinen kleineren einheimischen Bündnispartnern ein Maximum an Gewinnen zu sichern. Dazu muß die Wirtschaft Uruguays umstrukturiert, ihre Rolle als Fleisch- und Wolle-Exporteur im Rahmen der intemationalen Arbeitsteilung teilweise überdacht und auch der Staatsapparat den neuen Aufgaben und Möglichkeiten angepaßt werden. Das haupter Nichätenser wurde 1 st de Unaling sächliche Ziel der amerikanischen Bankiers Montevideos in ein Finanzzentrum für ihre Aktivitäten im "südlichen Kegel". Eine Art Baham as oder Hongkong. das aber auch Kühe hat und in dem Industriefilialen eingerichtet werden können, die komplementar oder gesondert sind von de nen, nach denen die großen Yankee-Polypen ir Argentinien oder Brasilien ihre Fangarme ausgestreckt haben. Zur Verwirklichung dieser Pläne sind neben der Zerschlagung der Arbeiterklasse noch zwei erste entscheidende Maßnahmen erforderlich: die Errichtung des Freihandels, d.h. die Abschaffung der Handelskontrollen, und ein Gesetz über Investitionen, das das Land dem Imperialismus öffnet, Eines der vorrangigen Ziele dieses Plans ist die Entwicklung der Exportindustrie und der Versuch, sie in der Mehrheit so auszurchten, daß sie komplementar zu den Exportindustrien der'Cuenca del Plata" agiert. Diese Politik stützt sich einerseits auf die extreme Schwäche des Binnenmarkts in Uruquay und andererseits auf die großen Profite, die den Monopolen winken, wenn sie ihre Produktior frei zentralisieren oder aufteilen können, und das auf der Grundlage der geringsten Kosten. Eine solche Politik ist nicht nur im Interesse des Imperialismus, sondern auch einiger Sektoren der nationalen Bourgeoisie in verschiedenen Ländern. Uruguay bietet zwei Vorteile für die Durchführung einer solchen Politik: seine geographische Lage im Cuenca del Plata und das Niveau seiner Löhne (obwohl die Krise in Argentinien den letzteren Aspekt ersthaft relativiert). Aber es bietet auch einen großen Nachteil: seine Armut an natürlichen Ressourcen (der praktisch vollständige Mangel an Mineralien und Erdöl).

erst in Zukunft Profite abwerfen können (vorausgesetzt, daß die Bohrergebnisse positiv sind). Die zwei andern großen Probleme die der Plan zu bewältigen sucht, sind die Inflation und das Haushaltsdefizit eine Folge der extrem hohen Kosten, die der bürokratisch-militärische Staatsapparat verursacht (80% des Haushalts werden vor den Gehältern verschlungen).

Der Teil des Plans, dessen Durchführung am weitesten vorangeschritten ist, betrifft die Umwandlung Montevideos in ein Zentrum der Finanzwelt, des Wucher. um 600% gestiegen und der Verkauf staatlicher Schatzanweisungen in ausländischer Währung, war doppelt so hoch, als vorgesehen (die Depots in nationaler Währung blieben un verändert). Das und die Errichtung neuer Filialen ausländischer Banken ist nur der sichtbarste Ausdruck und die redlichste Seite dieses Prozesses.

Das Gesetz über die Investitionen, das von der imperialistischen Presse als "besonders verlockend" hingestellt wurde, hat uslandisches Kapital au rerschiedenen Ländern angezogen (Nord-Amerika Japan, Italien u.a.), mit dem im allgemeinen alte Fabriken aufgekauft wurden, um sie zu modernisieren und neuen Zwecken anzupassen. Die Anwendung der Pläne der Entwicklung der Inkeiten vesunden, So hat z.b. der Versaur nach denen die Regierung in Urugory statte a. Beacht, denen die Regierung in Uruguay stattgab. klärung dafür ist einfach. Obwohl diese Politik die Interessen der imperialistischen Monopole und eines Sektors der nationalen Bourgeoisien begünstigt, beeinträchtigt sie gleichzeitig die Interesser dier angemeinen eting - croise) lie sich ihr widersetzt un --der Unfähigkeit

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derr weniger in Einkong miteinander zu bringen-- ihre interessen mehr wird man untersuchen müssen, ob der Rhythmus der Anwendung der Handelsvertrage weiterhin langsam bleibt, wie es den Anschein hat, oder ob er sich beschleunigt.

In der Frage der Inflation konnte die Regierung da sie die der Produktion erreicht, sondern durch Verengung des inneren Marktes dank der Emigration und der niederen Löhne; das hat ihr erlaubt, einen Teil ler zirkulierenden Geldmasse aus dem Verkehr zu ziehen.

Beim Haushalt sieht es ganz anders aus. Die endgültigen Jahresergebnisse liegen uns noch nicht Deriale d di auf 14% festgelegt werden c, dehon Ouartals: hier erreicht das 27,1% und zeigt starke Wachstumstendenzen; damit wird das Jahresdefizit wahrscheinlich dreimal höher ausfallen als vorgesehen. Die Gründe liegen auf der Hand: die Militärs haben Einschränkungen in ihrem Haushalt (55 vom Gesamthaushalt) nicht angenommen und die Regierung kann bei den restlichen Posten keine Einsparungen vornehmen wenn sie nicht massiv Funktionäre entlassen wili. Da der Privatsektor gegenwärtig nicht in der Lage ist, die existierende Reservearmee an Arbeitskräften aufzunehmen, würde mit einer solchen Maßnahme ein Herd sozialer Spannungen geschaffen, den das Regime im Augenblick anscheinend vermeiden will. Wir medas das Regime einem ge- im Gegensatz zur ganzen übrigen Linken wissen wirtschaftlichen Aufschwung entgegengeht: diese Erleichterung würde im Moment jedoch nur bedeuten, daß die tiefe Krise etwas weniger stark ist, keineswegs jedoch, daß sie gelöst ist oder gelöst werden kann. Der Preis für diesen leichten Aufschwung ist eine größere Deformierun Pertrei- und verstärkte Abhängigkeit der Wirtschaft, die bung von ungefähr einem Viertel der Bevölkerung und die völlige Auslieferung an den Imperialismus. In diesem Jahr wird sich der allgemeine Trend der Wirtschaft entscheiden, Den entscheidenden Ausschlag wirddann wieder, wie vorher in der Periode Fleisch

DIE LAGE DER ARBEITER- UND STUDENTEN- BEWEGUNG

Weiter oben haben wir die Gründe bewegung Emigration, subjektiver Grund: die Skepsis im verworrenen und keimhaften Bewußtsein, daß der Kampf vorher nicht richtig geführt worden sei und daß man heute die Folgen davon trage, 1964 haben die Arbeats treichs in den der trete fall daß man im Fall eines solution wurde tausendmal verabschiedet. Wenn sie forderten, daß der Generalstreik vorbereitet "aufständischer"Streik, ihre Partei sei im Besitz aller notwendigen Waffen. So konnten sie nur desorientiert und demoralisiert sein, umso mehr, als viele von innen den Beci mit die Situation nur hel kompleterter. en emacht. Da sie unfähig war, den Arbeitern die Nahrheit zu sagen und die Gründe für die Niederlage der Massen richtig zu benennen, schlois sie sich weiter in der Luge ein die Arbeiterbewegung habe keine Niederlage erlitten und die Führung der CNT habe wie die Vietnamesen die zum taktischen Rückzug aufriefen, um den Feind zu schwächen und sich auf den nächsten Angriff vorzubereiten (das war die offizielle Bilanz der CNT-Führung nach dem Streik). 1974 beriefen sich die Stalinisten auf die portugiesische Revolution, um unter besten Propagandabedingungen ihren alten Wunschtraum vorzutragen, "fortschrittliche" Militärs an die Macht zu bringen. Montevideo wurde mit KP-Inschriften übersät, wie: "Machen wir's wie in Portugal - Fur eine patriotische und demokratische Regierung !". Aber sie beschränkten sich nicht auf die Propaganda. Sie riefen die Arbeiter zu neuen Opfern auf. Im August schickte die KP eine der stärksten und kămpferischsten Gewerkschaften, die noch intakt gebileallein in den Kampf. Die Bauarbeiter vurden brutal zusammengeschlagen. Militarische Patroulllen kämmten Baustelle für Baustelle durch mit Namenlisten an der Hand, um die Kollegen zu verhaften. Obwohl vollständig ihrer Führung beraubt, hielten die Bauarbeiter 24 Stunden durch, Der Preis für dieses Abenteuer der KP war, daß die Gewerkschaftsorganisation in der Bauindustrie zerbrochen war und die Möglichkeit, daß sie zu einer Achse der Neuorganisierung der Krätte der Arbeiterklasse werde, damit zunichte wurde.

Gegenwärtig ist die Arbeiterbewegung, abgesehen von einigen isolierten Scharmützeln wie das der Arbeiter von und desorgans tert, ten Alien Gewerkschaftengibt "Represa de Salto Grande" es noch einen gewissen Aktivismus, der vor allem soweit die diese keimhaften Organisationsformen verheerend getroffen hat, Gegenüber einer niedergeschlagenen, demoralístas von thr bleibt geführt wird, der ein Proder der ein Programm und eine Politik fehlt, die klare Perspektiven autzeigt, kann die zentrale Aufgabe der Revoltionare --mag der Kampt noch so lang. und so schwierig sein-- nur die sein, um le Anderung dieser Lage zu kämpfen, den Arbeitern klare Alternativen vorzutragen, ihre Neuorganisierung voranzutreiben, ihre Achtung und Ihr Vertrauen zu gewinnen und all ihre Kämpfe zu führen, seien sie noch so klein und beschränkt.

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Die Studentenbewegung war besonders an den Universitäten im letzten Jahr etwas aktiver als die Arbeiterbewegung. Doch auch hier stellen sich ähnliche Führungsprobleme. Die fortgeschrittensten Sektoren --wie die Medizinstudenten-- haben sich in isolierte, schlecht vorbereitete und noch schlechter organisierte Aktionen begeben. Eine dieser Aktionen endete mit der Gefangennahme von 300 Studenten.

Die KP hatte mit ihrer ultralinks-opportunistischen Politik die Mehrheit der anderen Strömungen miterissen und somit dazu beigetragen, daß alle Ibrigbleibenden oder neu auftauchenden Avantgardesektoren enthauptet wurden. Es ist nicht der Stali- Kampf beginnen wird, der in Uruguay einen breiten defensiven in dem jede noch so geringe Position genau verteidigt und in einen Stützpunkt für neue, kleine Fortschritte verwandelt werden muß. Nur so kann die Entwicklung der Stärke und der unabhängigen Organisierung der Arbeiter schrittweise vorangetrieben voran getrieben werden; nur so können auch die schwierigsten Kämpfe in Anden es einzuschla- Der Stalinismus in Uruguay aber hat --Ironie der Geschichte-- eine spontaneistische Politik gemacht, die an Anarchismus grenzt.

Doch schlagen die KP-Führer diese Politik nicht aus Unwissenheit ein, Sie starten isolierte Kämpfe und führen die besten Elemente der Arbeiterklasse ins Massaker, um folgendes Ziel zu erreichen: auf die Kasemen Drick auszuüben und an thre Tore zu pochen, um die "fortschrittlichen" Offiziere aus ihrem Domröschenschlaf zu wecken. Die Niederlage hatte zweifelsohne unterschiedliche Folgen für die verschiedenen Organisationen und Aktivisten der Arbeiterbewegung. , Selbst bei Gefahr der Vereinfachung der Wirklichkeit kann man u.E. Vier Phänomene in der organisierten Arbeiterbewegung unterscheiden:

- Die breite Schicht der Aktivisten und Sympathisanten fast der gesamten Linken --besonders der KP und der Guerilla: sie ist demoralisiert und hat sich vom politischen Kampf zurückgezogen. - Die KP, die mit dem Proletariat am stärksten verbundene Organisation, die bis zum jüngsten Staatsstreich einen starken inneren Zusammenhalt aufwies: sie war eine der wenigen Organisationen, die dem Prozeß der inneren Diskussionen und politischen Kampte entgingen, oderzumindest äußerte sie dies nicht öffentlich. - Die Guerilla-Organisationen und die extreme Linke: hier führte die Diskussion nicht nur zu Spaltungen (wie bei der MLN - Movimiento de Liberacion Nadonal), sondern auch zu einer Selbstkritik bezüglich ihrer terroristischen Vergangenheit, die sie aber statt zum Marxismus (in Taten, nicht in Worten) zu Positionen der Klassenkollaboration (Frontpolitik) geführt hat. In gewissem Sinn stehen sie wieder an Ihrem Ausgangspunkt, der Nationalen Betretungsbewegung oder Befreiungsfront. - Kleine Gruppen oder Fraktionen, die zahlenmäßig schwach waren: sie nahmen zu und versuchten, grundsätzliche Schlußfolgerungen aus der vergangenen Erfahrung zu ziehen. Wir wollen hier insbesondere die Probleme der "Frontpolitik" erörtern. Ihr kommt nicht nur deswegen Bedeutung zu, weil diese Strategie von den Tupamaros und anderen kleineren Parteien und Or- Konzeption eer gesamten Linken, en gesehen se den Trotzkisten, gemeinsam ist. der gesamten Linken Diese ganze Po- abgesehen von litik beinhaltet, bewußt oder unbewußt, die Vorbereitung einer Allianz mit den bürgerlichen Oppositionellen (ihrer Schatten oder ihrer kleinbürgerlichen Agenten). Es ist dieser demokratische Knomal durch seinen Kampf die Diktatur gestürzt hat. an dem das Proletariat erstickt, wenn es ein- Die Bourgeoisie greift zu erstaunlichen Maßnahnen, nur um sich vor einer portugiesischen Situation nach dem Sturz der Diktatur zu schützen. Umso mehr, als sie das nichts kostet. Sie wird sogar Erklärungen unterschreiben, die zum Sturz Diktatur aufrufen und "Strukturănderungen" versprechen; sie wird einige Broschüren herausgeben und warten, daß die Massen die Diktatur stürzen, damit sie dank ihres Bündnisses und ihrer ausgezeichneten Beziehungen zur "Linken"

einnehmen kann.

Es ist offensichtlich, daß die genannte "Front" viel mehr einem Pakt gleicht als einer Front, da es heute unmöglich ist, eine halbwegs glaubhafte Front ohne die Beteiligung der KP oder der Vertreter der Bourgeoisie zu errichten. Dennoch warten einige ultralinke und zentristische Gruppen z. B. in der Union Artiguista de Liberacion (UAL) mit ›ürgerlichen Persönlichkeiten auf die sicher bei nelen Bourgeois in schlechtem Ruf stehen (wie stellt den besten vorzubereiten tur den Fall, daß die Diktatur zu-

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sammenbricht oder von den Massen verichtet Wird.

Hen ernster site et et on ver ten die Frage, bei welchen Sektoren die Verbündeten geucht werden müssen. Für die KP kann dies gegenvartig nur die Armee sein und so richtet sie alle Anstrengungen auf diese aus (ohne natürlich die Zivilisten vollständig zu vergessen). Die Mehrheit der extremen Linken und der Zentristen kanr zu Recht nicht vergessen, daß es die "fortschrittlichen " Militärs sind, die foltern und töten, die mit bestialischer Wut die Guerilla zerschlagen und gerungen aus diesem Prozeß ziehen, selbst aus dem, den unsere eigene Organisation durchgemacht hat. Sie müssen die Schlußfolgerungen ziehen aus der Wirklichkeit und aus ihren eigenen renlem, ausgehend vom leninistischen Prinzip, daß "die Halung einer Partei gegenüber ihren eigenen Fehlem eines der bedeutendsten und sichersten Anhaltspunkte dafür ist, über die Ernsthaftigkeit dieser Partei zu urteilen und über die Art und Weise, in der sie praktisch ihre Aufgaben gegenüber ihrer Klasse und gegenüber den Arbeitern erfullt". Das ist das Kriterium, das wir anwenden wollen bei die Arbeiter grausam unterdrückt haben. Deshalb orientieren sie sich auf zivile Sektoren der bürgerlichen Opposition.

Wollen die Trotzkisten denn nicht einsehen, daß man heute alle Kräfte zusammenfassen muß, will Wir legten Keinesta is die Notwen schlafen der Einheit. Aber wir schlagen die Schaffung der Arbeitereinheitsfront vor, um die Arbeiter neu zu organisieren und die Diktatur zu bekämpfen, Wir sind nicht bereit, in irgendeiner Front mit der Bourgeoisie mitzuarbeiten, irgendein Programm demokratischen " Ausbeuter zu unterzeichnen, aber wir treten entschlossen dafür ein, daß es notwendig ist, Seite an Seite in konkreten gemeinsamen Aktionen zu kämpfen (z.B. in einer Demonstration für die Presse - oder Versammlungs- freiheit oder für die Freiheit der Gefangenen). wollen die diktatorische Maske der Bourgeoisie herunterreißen, aber sicher nicht, um sie durch eine demokratische Maske zu ersetzen. Wir wollen und müssen die Widersprüche unter unsern Klassenfeinden verschärfen, um den Kampf für die Arbeitermacht voranzutreiben. Deshalb werden wir, "fortschrittliche" Sektoren gemeinsame Aktionen mit den Arbeitern eingehen, nicht aufhören, sie zu kritisieren und sie anzugreifen, weil auch sie unsere Feinde sind.

DIE AUFGABE DES TROTZKISMUS

Uruguay hat eine der gründlichsten Erfahrungen mit der Guerilla-Konzeption hinter sich. Ebenso mit der Gewerkschaftsstrategie der KP. Verschiedene ultralinke und opportunistische Strömungench ‹önnen noch eine bedeutende Rolle spielen. cann das die zentrale Schlußfolgerung aus der Ana- Ivse der vorangegangenen Periode nicht aufheben: nämlich daß die subjektiven Möglichkeiten für die Stärkung des Trotzkismus groß sind. Damit sie jedoch wirklich werden können, muß sich das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen ändern und die Trotzkisten dabei eine bedeutende Rolle spielen: sie müssen bei der Neuorganisierung der Arbeiterbewegung auf einer Klassenbasis in vorderster Front stehen.

Beim gegenwärtigen Rückgang der Bewegung ist es schwer, die Erfahrung mit den Tupamaros und mit der KP (vor allem der KP) zu vertiefen und für die wenigen Aktivisten, die heute hervorkommen ist es unmöglich die Positionen der revolutionären Marxisten und der Stalinisten und Und meinander in der Praxis zu vergleichen. Erst im Kampf für die Neuorganisierung der Arbeiterbewesun trot inten aus einer er mativen Fidenng entwickeln können. Um dieses Ziel --allgemein gesprochen die proletarische Machtergreifung-- zu erreichen, müssen die Trotzkisten alle Schlußfolder Untersuchung des Schlags. den die Repression im März-April vergangenen Jahres unserer Partel und unserer gesamten Politik versetzt hat. Wir glauben, daß die Trotzkisten Uruguays Ihr Programm und ihre Aufgaben entlang tolgender Linie bestimmen müssen: die Arbeiterbewegung ausgehend vom Kampf um ihre elementaren Forderungen und für den Sturz der Diktatur neu organisieren und durch ihre Kämpfe ihre eigene Machtergreifung vorbereiten.

Wir glauben, daß zur Erfüllung dieser Aufgaben die Erarbeitung eines Programms notwendig ist, das im Augenblick nur zu einer propagandistischen Verbreitung unserer Positionen und einer sehr beschränkten Gewinnung neuer Kämpfer für unsere Organisation dienen kann. Dieses Programm kann dennoch den Arbeiter als Leitfaden dienen, wenn sie wieder in den Kampf treten. Das nachstehende Programm hat allgemeinen Charakter und seine Forderungen werden je nach den Anforderungen der politischen Wirklichkeit präziser gefaßt werden müssen. Es enthalt auch keine Forderungen, die in einer vorrevolutionären Periode oder in einer Periode des Kampfsum die Macht unabding- ›ar waren. Es ist ein detensives Programm das zwei Losungen enthält (über die Macht und über die Partel), auf denen wir aus Gründen der politischen Erziehung selbst unter den aktuellen Bedingungen in unserm Land beharren. Außerdem fügen wir eine allgemeine antiimperialistische Parole linzu, die zusammen mit der Forderung nach Ar- ›eiterkontrolle aufgestellt werden muß. - Für eine allgemeine Anhebung der Löhne, um die Kaufkraft auf das Niveau vor Januar 1967 zu heben. Für eine gleitende Anpassung der Löhne an die Steigerung der Lebenshaltungskosten. Gegen die Arbeitslosigkeit: für die Aufteilung der Arbeitsstunden ohne Lohneinbuße und für die Nationalisierung der Unternehmen, schließen drohen. Für die Aufhebung des Erlasses, das entschädigungslose Entlassungen erlaubt, Für eine Garantie des Arbeitsplatzes für die Emigranten, die wieder zurückkommen wollen. Für die Ach- Em gete, nach Branten oder auf nationaleterung Für die Legalisierung der CNT und der Gelauben.

lisiering aller politischen Parteien und die Aufhebung aller Beschränkungen. Sofortige Befreiung aller politischen Gefangenen. Bedingungslose Amnestie, die allen Exilierten erlaubt. ins Land zurückzukehren. Für den Sturz der Diktatur und die Organisierung freier Wahlen ohne Ausweisung und onne politische Gefangene.