Die beiden nachstehenden Artikel wurden geschrieben, bevor die Kampfhandlungen im Libanon wieder autgenommen wurden. Der erste, eine allgemeine Bilanz des Bürgerkriegs, schließt damit, daß der Bürgerkrieg keineswegs zu Ende ist, da die Ursachen des Bürgerkriegs nicht beseitigt sind. Zwei davon --die Situation innerhalb des Palastinensischen Widerstands und die Frustriertheit der libanesischen Linken-- haben die heutigen Zusammenstöße hervorgebracht, die heftigsten bisher.
Nachdem die Intervention der in Syrien stationierhatte, wurde konfrontiert, vor allem mit der Rebellion in der Armee unter der Führung von Ahmed el-Khatib, des Offiziers, der "desertiert" war und die Libanesisch-Arabische Armee gegründet hatte, zu der später fast 70% der libanesischen Armee überliet. Die Regierung spaltete sich über der Frage, Wie auf die Rebellion zu antworten sei. Der moslemische Führer und Präsident des Ministerrats Rachid Karame sprach sich für eine Generalamnestie aus,
um die Rebellion zu neutralisieren. Der rechtsextreme Innenminister Camillo Schamun forderte, daß die Rebellen vor ein Militärgericht gestellt würden. Die Revolte von Khatib wurde stillschweigend, aber wirksam vom Fatah unterstützt, der darin ein Mittel sah, die sich verstärkende syrische Kontrolle über die PLO. einzudämmen. Das Problem in der Armee wurde verschärft durch eine katastrophale wirtschattliche situation durch die Zuspitzung der sozialen Spannungen und die politische Unnachgiebigkeit der christlich-maroniischen runrung, politische Konzession ablehnte. Das Ergebnis war das Fehlen jeglicher Führung• Der Weg für eine bonapartistische Lösung war trei.
Aziz Ahdab versucht, der die von ihm in Beirut betehligten Truppen mobilisierte und den Rücktritt von Staatspräsident Suleíman Frandschjieh, ein ex. Marz Schienen dem Putsch von Andat trolgschancen beschieden. Eine Mehrheit der politischen Kräfte im Land hatte sich hinter ihn gestellt; die syrische Führung gab zu verstehen, daß sie diese Initiative stillschweigend unterstützen würde. Und selbst die Mehrheit der Maroniten wagte nicht, sich Ahdab offen zu widersetzen.
Doch bestand Ahdab darauf, seinen "Putsch" mit dem Mantel der Legalität zu versehen, Er unternanm keinen versuch, Frandschjieh gewaltsam abzusetzen, und beschränkte sich darauf , seinen Rücktritt zu fordem: das Parlament versammelte sich und 66 Abgeordnete (die Zweidrittelmehrheit) stimmten für eine Resolution, die Frandschjieh zum Rücktritt aufforderte. Frandschjieh lehnte ab und Ahdab zog die Sache hinaus, indem der dem Präsidenten Bedenkzeit einräumte, Frandschjieh nobilisierte 2.000 Mann für die Verteidigung de: räsidentenpalastes und richtete einen Appell ar Me der gelang en der mar hinschen Rechten s Manöver gelang. fallengelassen, mußte sich Ahdab nach links wenden und fiel damit praktisch in die Arme Khatibs, was ınm nachträglich den Bruchmit der Rechten ein brachte. Damit war die bonapartistische Operation zunichte gemacht, und der Weg war frei für eine neue militärische Konfrontation zwischen der Phalange, der National-Liberalen-Partei von Schamun unterstützten einerseits und dem Palästinensischen die Frandschjieh Widerstand, der libanesischen Linken und den Kräften Khatibs andererseits.
Sobald die neue Polarisierung feststand, befand sich die syrische Regierung in einer delikaten Situation und mußte eine andere Linie einschlagen. Urspünglich hatte sich Damaskus für die Operation Ahdabs ausgesprochen, da sie ein Mittel schien, der Rebellion in der Armee ein Ende zu machen. Die zentrale Achse der syrischen Politik war ja die, die "Ordnung" im Libanon wiederherzustellen, um sich beim Imperialismus als führende politische Kraft in der Region Anerkennung zu verschaffen. Daher fürchteten die syrischen Führer jede neue Konfrontation. Zuder beobachteten sie mit Sorge jedes Wiederaufflackern der Kämpfe, das mit einem Sieg der Linken enden und ihre Position schwächen würde. Gleichzeitig hätte eine Demonstration der Kampfbereitschaft der syrischen Massen selbst das syrische Regime in eine Situation gebracht, von der aus es gegenüber der libanesischen Linken handlungsunfähig gewesen wäre. So saß Damaskus zwischen zwei Stühlen. Am 16. März gaben die syrischen Führer bekannt, daß sie gegen die Initiative von Ahdab waren:oe- und sie schlugen einen Kompromiß vor: die aktivierung" des Kabinetts Karame, die Anderung der Verfassung, um vorgezogene Neuwahlen eines neuen Staatspräsidenten zu ermöglichen (Frandschjlehs Mandat läuft im nächsten September aus), womit Frandschjieh eine Möglichkeit gegeben werden sollte. abzutreten und gleichzeitig das Gesicht zu wahren, und die Zustimmung des Parlaments zu einem syrischen Verfassungsentwurf, an Hand dessen der Libanon in der Zeit nach dem schierten are Ster die Pode den des an die Saika, ter der Kontrolle Syriens, versuchte, in Nabaa, einem der wichtigsten moslemischen Stadtviertel von Beirut, eine Anti-Frandschjieh-Demonstration zu verhindern • Aber die Situation war schon zu weit gediehen. Die libanesische Linke, die unter dem wachsenden Einfluß Kamal Dschumblatts stand, verwarf den syrischen Plan. Am 20. März startete das anti-reaktion äre Lager eine militärische Offensive. Am 21. März wurden die Phalangisten aus dem darauf gab Frandschjieh seine Zustimmung zur Abhaltung von vorgezogenen Präsidentenwahlen im Parlament und zur Gewährung einer Amnestie an die rebellischen Militärs. Aber immer noch weigerte er sich abzutreten. Das anti-reaktionäre Lager lehnte den Plan ab. Am 25. März mußte Frandschjieh den Prasidentenpalast verlassen und nach Dschunjieh flüchten, ein christliches Dorf im Notden von Beirut.
Die Wiederaufnahme der Kampfe hat schon bedeutende Veränderungen in der politischen Landschaft hervorgerufen. Im reaktionären Lager hat der Einfluß der Phalange zugenommen, da der Rückzug Frandschjiehs aus dem Präsidentenpalast Pierre zentralen Führer im reaktionären Lager zurteen den Chef der Phalange, als einzigen laßt. Im anti-reaktionaren Lager offenbart sich Am 22. der Rückgang des syrischen Prestiges Immer mehr. März hat die Volksfront für die Befreiung Palästinas ein Kommunique herausgegeben, in dem sie den Ausschluß der Saika aus der PLO fordert. In der Tat hat die Saika in kurzer Zeit zahlreiche Libanesen verloren, die sie zuvor rekrutiert hatte. Die 7.000 Mann unter der Führung Dschumblatts sind zumerstenmal in großem Maßstab in den Kampf Bschumblatts im antireaktionären Lager noch an- womit das schon bedeutende Gewicht Remple nicht her cim binde finden wire, bis daß die die Phalangisten aus ihren Festungen im Hotelviertel vertrieben worden seien, Gleichzeitig setzen die Syrer ihre Vermittlungsversuche fort. Doch ist es wenig wahrscheinlich, daß die militarischen Vorteile, die das anti-reaktionäre Lager erringen konnte, ein anderes Ergebnis zeitigen werden als das, ein gunstigeres Kräfteverhältnis für seine kommenden Verhandlungen mit dem reaktiolären Lager nerzustellen die mit Hilfe der Vernittlung Syriens stattfinden werden, Weder Dschumblatt, nochoziale Änderungen im Auge. In Ermanmenden Verhandlungen oder kleinen politischen Reformen.
führt in Verbindung mit der Vertiefung der Spai- Doch die Rolle, die Syrien gegenwartig spielt tungen innerhalb des palästinensischen Widerstands zu einer Änderung des Kräfteverhältnisses zuununsten des syrischen Regimes und stärkt damit le Interventionsmöglichkeiten der revolutionärer Kräfte.
ANMERKUNG ZUM KONFESSIONALISMUS "Konfessionalismus" ist der Begriff, der das arabi- Der Staatspräsident ist immer ein Maronit, der sche Wort taa' ifiya (kommt von taa' ifa, Ministerpräsident ist ein Sunnit, der Präsident der d.h. Sekte, Kult oder Konfession) am besten wi- Abgeordnetenkammer ist ein Schiit, der Vizeprädergibt. Im heutigen Libanon bezieht sich Kon- sident des Ministerrats ist ein Griechisch-Orthodoxer. fession alismus auf die Aufteilung der Posten im Die Verteilung der Ministerposten entspricht in Staatsapparat nach dem Anteil der Konfessionen. etwa der im Parlament; das gleiche soll fur die Als Libanon 1943 unabhängig wurde, wurde ein Posten im Staatsapparat gelten. "nationaler Pakt" beschlossen, der den Konfessionalismus institutionalisierte, In erster Linie bedeu- Die Maroniten sind eine katholische Sekte, die im tete dies, daß die (Jamals 55) Parlamentssitze zwi- 5. Jahrhundert von einem syrischen Mönch gegrünschen Moslems und Christen (den beiden wichtigsten det wurde. Die Sunniten (von sunna, Tradition) Konfessionen) im Verhältnis 30 zu 25 für die Chri- sind Anhäger des "orthodoxen" Islam. Die Schiiten sten aufgeteilt wurden. Das Verhältnis ist seitdem (von Shi ati-Ali, "Fraktion von Ali") stellen die beibehalten worden, da die Zahl der Parlaments- wichtigste Minderheit in der moslemischen Welt sitze immer ein Vielfaches von 11 war, wodurch dar, ungefähr 10% aller Moslems (im Irak und im Iran sind sie in der Mehrheit). Diese Sekte ist im ersten großen Bürgerkrieg der moslemischen Welt in der Mitte des 7. Jahrhunderts (Ali keine eine Mehrheit in der Bevölkerung vertritt. war der 4. Kalif oder Nachfolger von Mohammed). Das heutige Parlament hat seine 99 Sitze folgen- Die Drusen sind eine moslemische Sekte, die zu dermaßen aufgeteilt: 30 an die Maroniten (Christen), Beginn des Jahres 1000 entstand; sie leben fast 20 an die Sunniten (Moslems), 19 an die Schiiten ausschließlich im Libanon. (Moslems), 11 an die Griechisch-Orthodoxen, 6 an die katholischen Griechen, 6 an die Druzen, 4 an Es ist kaum nötig, den verdummenden und reaktiodie orthodoxen Armenier, 1 an die katholischen nären Charakter des konfessionalistischen Systems Armenier, 1 an die Protestanten und einen "variablen" hervorzuheben; den besten Beweis dafür liefern Sitz, der gewöhnlich entweder von einem Juden oder die endlosen institutionellen und konfessionellen einer anderen christlichen Sekte eingenommen wird. Krisen und Kriege, die die Geschichte des Landes prägen.