Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

In Erwartung des Aufschwungs

· Inprekorr Nr. 48/49, 24. Dezember 1975 · S. 8-18 · 6.909 Wörter

Weltwirtschaft und Krise Japan und Korea USA und Kanada Großbritannien

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

DIE ACHILLES-FERSE DES AUFSCHWUNGS:

ÜBERSCHÜSSIGE KAPAZITÄTEN UND

PRODUKTIVE INVESTITIONEN

Es ist offensichtlich, daß gegenwärtig das Vorandensein eines außerordentlich hohen Kapazitätsüberschußes in den Industriezweigen aller imerialistischer Länder das Haupthindernis für eine Wiederankurbelung der produktiven kapitalistischer Investitionen darstellt und damit einen erneuten Aufschwung des Verbraucherkonsums hinauszögert, der unter dem Anstoß der Anti-Rezessions-Politik der Regierungen realisiert werden sollte. Das Ausmaß des Kapazitätsüberschußes, das den Fall der Investitionen verursacht, ist in der Tat beträchtlich und übertrifft alles, was man in der Verrangenheit erlebt hat. Er betrug in der gesamten ver arbeitenden Industrie der USA Mitte 1975 35%; in Oktober 1975 nur noch 28%. FIAT/Italien bestätigte, daß es nur mit 60% seiner Kapazität arbeitet

Seite 9

(Business Week vom 10. November 1975). Das "Time" Magazin behauptet, daß die italienische Economic Review" (vom 28. November 1975) für Japan an. Exxon (ex-Standard Oil of New Jersey), größter Erdölraffineur der Welt, arbeitet mit 77,6%, außerhalb der USA nur mit 60% seiner Kapazität (Business Week vom 14,Juli 1975). Die zwei rößten japanischen Stahlwerke, Nippon Steel und Nippon Kokan haben ihre Produktion jeweils um 30-40% und um 28% unter ihre maximale Produktionsleistung gesenkt. ( Newsweek vom 17, November 1975). Laut " The Economist" vom 8, November 1975 hat "keine einzige der sechs britischen Firmen, die Erdöl-Bohrtürme herstellen, einen Folge-Auftrag, um die schon vorhandenen Bohrtürme zu ersetzen". Business Week vom 1. Oktober 1975 stellt eine ähnliche Tendenz auf Weltebene fest. Die kapitalistischen Schiffswerften laben gegenwärtis , 167 Mio. Tonnen Schiffe im au gegenüber 227 Mio. Tonnen im Oktober 1964 aber die neuen Aufträge sind so niedrig, daß sie in Großbritannien für die ersten drei Ouartale 1975 nur 4, 7% (1) der Tonnage aus machen, die während der ersten neun Monate des Voriahres im Bau war (The Economist vom 25, Oktober 1975). Und wo laut Business Week 25. August 1975 die Halfte der Tonnage in Bau von den Aufträgen der Kriegsmarine abhängt, sind die Netto-Gewinne von 5 auf 20% des Jahresumsatzes esunken. In der chemischen Industrie sind für löchst 40 bis 50% (The Economist vom 13. September 1975) und für Du Pont de Nemours in den USA 30% Kapazitätsüberschuß gemeldet worden (Business Week vom 7.Juli 1975).

Unter diesen Bedingungen hat die Diskussion über den "Kapitalmangel", die durch sensationslusteme Studien von zwei Teams amerikanischer Wirtschaftsexperten - Bosworth-Duesenberry, für die Brookings Institution, und Brinner-Sinai für Data Resources Inc. (3) aufgeworfen und sowohl vom amerikanischen Schatzminister William E.Simon als von gewissen sich marxistisch nennenden Kommentatoren aufgenommen wurde, etwas Unwirkliches an sich. im kapitalistischen System gibt es niemals absolute" Überproduktion von Kapital. Die Überproduktion von Kapital steht immer im hältnis zu seiner unmittelbaren Verwertbarkeit. Überproduktion von Kapital --und Kapazitätsüberschuß ist nur eine Erscheinung davon-- bedeutet immer: zuviel Kapital, um den berechneten Durchschnittsprofit zu erzielen.

Die enorme Überschußrate an Produktionskapazität, die wir im Augenblick erleben, bedeutet also einen riesigen Überschuß, und nicht irgendeinen Mangel an verwertbarem produktivem Kapital, Die Ideologen verwechseln Kapitalmangel und Mehrd.h. Mangel an Profiten, haften Wiederaufschwung der Kapitalakkumulation, d. h.eine neue "kapitalistische Hochkon junktur" wird es nur geben, wenn sich die Bedingungen der Kapitalverwertung, d.h. die Gesamtmasse des Mehrwerts im Verhälmis zur Gesamtmasse des Kapitals, drastisch verbessern.

Seite 10

ECONOMY

Das ist kurz- oder mittelfristig nicht zu erwarten. Vorsichtig verschiebt The Economist den Boom, den es für 1976 erwartete, auf 1977. Da der Aufstieg der produktiven Investitionen auf sich warten laßt, wird es immer fraglicher, ob dieser Boom auch 1977 stattfindet, ..

AUF SCHWUNG UND ARBEITSLOSIGKEIT

Die kapitalistische Überproduktionskrise erfüllt objektiv zwei Funktionen bei der Verbesserung der Kapitalverwertungsbedingungen, Sie soll einen Wiederanstieg der Profitrate gewährleisten, einmal durch die massive Entwertung des gesamten akkumulierten Kapitals, dann durch eine Netto-Steigerung der Menrwertrate ( der Ausbeutungsrate der roduktiven Arbeiter) (4).

Betrachten wir zunächst diese zweite Bedingung. Es ist unbestreitbar, daß jede ernsthafte Überproduktionskrise vom Standpunkt des Klassenkampfes als ein massiver Angriff des Kapitals auf die Existenzbedingungen der Lohnarbefter erscheint, Die massiven Entlassungen, die Nicht-Einstellung von jugendlichen Ausgebildeten, dis Angst vor der Arbeitslosigkeit, die sich in der Arbeiterklasse breit macht, sollendazu dienen, einen Stop, wenn nicht gar eine Kürzung der Reallöhne durchzusetzen, eine größere Arbeitsdisziplin" in den Betrieben und eine Intensivierung des Arbeitsprozeßes zu erzwingen. Aber vor allem: die Verschärfung der Konkurrenz während der Rezession stachelt die Untemehmen dazu an, ihre Anstrengungen in ezug auf Rationalisierungsinvestitionen zu verdoppeln, In der Tat tendiert jede kapitalistische Firma dazu, so zu investieren, daß Arbeitskräfte gespart, statt daß neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Von dem Moment an, wo alle imperialistischen Regierungen (die sozialdemokratisch geführten inbeund nicht den Kampf gegen der Mythos von beschäftigung fallengelassen, der die Sozialund Wirtschaftspolitik der imperialistischen länder nach dem Zweiten Weltkrieg beherrschte (7). Die Wiederbelebungsmaßnahmen (die die Inflation anheizen) bleiben auf ein Niveau beschränkt, auf dem die Abschaffung der Arbeitslosigkeit gar nicht mehr in Betracht gezogen, geschweige denn erreicht wird. Diesen Schwenk hat die imperialistische politische ökonomie weltweit vollzogen.

Die guten liberalen Geister sind übrigens darüber erregt. In Le Monde vom 15.10.1975 s chreit Edgar Faure bei der Analyse des Wiederbelebungsplans von Giscard d' Estaing auf: "Die Vollbeschäftigung wird geopfert!" Das wird sie tatsächlich überall, Zu einem Zeitpunkt, da sich die Rezession nicht mehr verschlimmert und die ersten Anzeichen eines Wiederaufschwungs sich häufen, nimmt die Arbeitslosigkeit in allen imperialistischen Ländem zu. Hier die Schätzungen für den Winter 1975/76 im Verhältnis zum Winter 1974/75: Zahl der Voll-Arbeitslosen

Winter 74/75 Winter 75/76 USA 7,5 Mio 8,2 Mio

Großbritannien 0,8 Mio 1,5 Mio

Japan 1 Mio 1,5 Mio

Italien 1,5 Mio 1 ,3 Mio

Frankreich 0,8 Mio 1,3 Mio

Westdeutschland 1 Mio 1,2 Mio

Kanada 2 Mio 700,000

Seite 11

Spanien 2 Mio 600,000 kleine imperial, Länder 2 Mio 1,2 Mio imper, Länder senden der +15 Mio 517,5 Mio Recinet man die Zahl der Teil-Arbeitslosen hinzu-wenn diese Rechnung auch nicht ganz genau ist-so wäre in den imperialistischen Ländern die 20- Millionen-Arbeitslosen-Schwelle bald erreicht, wenn nicht überschritten, Es ist klar, da B der Abbau der Arbeitslosigkeit den industriellen Wiederaufschwung stark behindern, und daß damit aus de m gle1chen Grund die Rückkehr zur Hochkonjunktur gebremst werden wird.

Wir stoßen hier direkt auf das reale Dilemma der kapitalistischen Regierungen, das einen realen Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise widerspiegelt, Um die Konjunktur wiederanzukurbeln, muß die Profitrate steigen, schreien die einen. Sie haben nicht Unrecht. Daraus schließen sie etwas vorschnell, daß also wieder ein strenges Sparregime im Herzen (und im Magen) der Arbeiterklasse eingeführt werden muß: das ist die ideologische Funktion dem diesen schistigen den atmazen en wieder aufzufangen, muß man den Konsum der Endverbraucher erweitern, und nicht einschränken, erwidern die Reformisten in der Arbeiterewegung und die bürgerlichen Reformisten aller Art, sie haben auch nicht Unrecht. Unglücklicherweise haben die einen wie die ander nur zur Hälfte recht, d, h, sie haben beide Unrecht, Denn eine wirkliche kapitalistische Hochkonjunktur erfordert gleichermaßen einen emsthaften Anstieg der Profitrate und eine wirkliche Expansion des Absatzes an den "Endverbraucher". Beides gleichzeitig zu verwirklichen ist nicht einfach, vor allem wenn der Kapitalmarkt auf der einen Seite von enormen Kapazitätsüberschüßen und auf der andem Seite von einer kämterischen und gar nicht demoralisierten Arbeiterklasse belastet wird.

letariats in keiner Weise garantiert ist, Es gibt keinerlei automatischen Zusammenhang zwischen dem Beschäftigungsniveau einerseits, und dem Lohnund Kampfniveau der Arbeiter andererseits, zumindest kurzfristig nicht. Die Interaktion zwischen diesen beiden Strangen wird durch eine Reihe von besonderen Bedingungen vermittelt, so den Organisationsgrad der Arbeiterklasse, ihr durchschnittliches Bewußtseinsniveau, den Grad ihres Selbstvertrauens in die eigenen Kräfte --eine Folge vor allem der Dauer der vorhergehenden Arbeitslosenwelle und des Ergebnisses der früheren Arbeiterkämpfe--, die Stärke und das Gewicht der breiten Avantgarde, das Gewicht, das die revolutionären Marxisten schon in der Arbeiterklasse und in der organisierten Arbeiterbewegung erringen konnten usw....

In Berücksichtigung all dieser Faktoren haben wir seit Beginn der Rezession gesagt, daß diese nicht von einem allgemeinen Rückgang der Kampfbereitschaft der Arbeiter begleitet würde, (5) Biser haben uns die Ereignisse Recht gegeben, Weder bei der Verteidigung der Reallöhne, noch im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat die Arbeiterklasse in den imperialistischen Ländem den Kopf hängen lassen, Ihre Reaktion ist viel massiver, viel wirksamer und zeugt von einem viel höheren Bewußtseinsniveau als 1929-32. Sicherlich ist die Kampfbereitschaft der westdeutschen Arbeiterklasse zeitweilig zurückgegangen, und nach einem ersten Aufflackem der Kämpfe gibt es seil sechs Monaten auch in Großbritannien Verwirrung und vorübergehendes Zurückstecken. Aber in beilen Ländem gibt es schon wieder Anzeichen tu einen neuen Aufschwung (vor allem die machtvollen Demonstrationen gegen die Arbeitslosigkeit: 50,000 in Dortmund Anfang November und mehr als 20,000 in London Ende November). Und wenn auch die Wiederaufnahme der Kämpfe und der gewerkschaftlichen Radikalisierung in den USA noch bescheiden sind, so sind sie nichtsdestoweniger nicht zu leugnen, Verbunden mit dem sprunghaften Aufstieg der Kämpte in Spanien, in Portugal und mit dem Aufschwung , der Streikbewegung in Rankreich, Japan, Australien, mit dem wachsenden Widerstand der belgischen, niederländischen, schwedischen und finnischen Gewerkschaften gegen jede Form von Lohnstop oder Lohnkürzung zeigen all diese Umstände, daß die internationale Bourgeoisie insgesamt größere Schwierigkeiten hat, Ziele in der gegenwärtigen Rezession durchzusetzen. Wir stehen erst noch am Antang des autsteigenden Zyklus der Arbeiterkämpfe, Seine Höhepunkte liegen vor uns, nicht hinter uns, auch wenn das eine oder andere Land eine Ausnahme darstellen mag. Und die Zeichen der Umwandlung dieser Autwärtsbewegung der Arbeiterkämpte in eine explosive politische und soziale Situation häufen sich in mehreren Ländem.

Die andere objektive Funktion der Überproduktonskrise ist die der Kapitalentwertung, die eine Steigerung der Durchschnittsprotitrate bei mehr oder weniger gleichbleibender Mehrwertmasse ermöglichen soll (die Steigerung der Mehrwertrate gleicht nierbei die senkung der Beschaltg• tenzahl aus). Praktisch geschieht eine solche Kapitalentwertung auf zweierlei Art:

a) durch die Verschärfung der Konkurrenz, die in beschleunigtem Rhythmus die am wenigsten rentablen Unterehmen ausschaltet; b) durch den Preissturz bei Waren und Produktionsanlagen.

Zweifellos hat sich beides im Laufe der gegenwärtigen allgemeinen Rezession der intemationalen kapitalistischen Wirtschaft ereignet. Die Zahl der Konkurse ist in den USA um mehr als 30% gestiegen und um mehr als 60% in Großbritannien; sie erreichte 1975 in Westdeutschland mehr als 75% (3.600 Konkurse 1975). Die Kurse der Rohstoffe und Sie hat in Japan beträchtlich zugenommen die Großhandelspreise nicht weniger Fertigprodukte sind gesunken.

Wir haben früher auf den Krach einiger Banken und Finanzgesellschatten hingewiesen, der im allgemeinen Folge von Spekulation war, (6) Dazu muß man das nicht weniger spektakuläre Versagen einiger großer Konzeme hinzufügen: das der Handelsfirma W. T. Grand & in den USA (mit mehr als einer Milliarde Dollar Schulden der größte Bankrott in den USA seit dem der Eisenbahngesellschaft Penn State); der japanische Textilkonzem Kohjin (5oo Mio. Dollar Schulden) und die Spnnerei Sa komoto Spinning Co. (213 Mio, Dollar Schulden). Man weiß übrigens, daß ein noch größerer Automobilkonzern, Chrysler, sich in emsten

Seite 12

AUFSCHWUNG

Schwierigkeiten befindet; ebenso die Finanzgruppen Slater-Walker in London und Singapur und die Gruppe Hutchinson International Limited (HIL) in Hong Kong. Selbst die ehrfurchtigen und geheimnisvollen Crown Agents, die in London das Vermögen von 90 ausländischen Regierun- Sen ven vernoren 1 haben 129 Mio. b durch unvorsichtige Was indessen auffällt, wenn man die gesamten Auswirkungen der Rezession analysiert, ist gerade das begrenzte Ausmaß dieses Kapitalentwertungsprozeßes, da doch die Produktion und die Profite in beträchtlichem Maße fallen. Es ist nicht schwer, die Erklärung für dieses scheinbare Paradox herauszufinden. Es ist die Inflation, die mitten in der Rezession in vollem Maß andauert, die die Auswirkungen der verschärften Konkurrenz auf die weniger starken Konzerne abschwächt. Die Banken verlänger weiterhin die Kredite, der Staat und die Zentralbanken liefer weiter Nachschub, Der Fall Kohjin spricht besonders deutlich: die Geschäfte gehen weiter, als wäre nichts, Enorme Kredite sind einem Untemehmen zur Verfügung gestellt worden, daß praktisch bankrott ist (so schreibt Paul Fabra in Le Monde vom 6. November 75: " Lebten wir nicht in einem Land, das offene Geheimnisse so sorgsam hütet, wenn es sich um Geschafte handelt, würde man in der Presse schon lange schreiben, daß Rhône-Poulenc sich schwer tun wune die bank Viten, die the lautend gewaer seinen Verpflichtungen nachzukommen werden").

Was die arropäischen Automobilkonzerne betrifft, von denen sich einige in einer sehr schlimmen Lage befanden, so sei hier eine nicht weniger unviderlegbare Erklärung des französischen Industrieministers Christian Gobert gegenüber der Wochenzeitung Business Week (Ausgabe vom 1. September 1975) zitiert: "In der Tåt ist heute eine staatliche Garantie für alle großen europäischen Automobilunternehmen schon mit eingeschlossen, Die Regierungen können sie nicht hăngen lassen".

Die Schuldendienste betrugen 1959 nur 9%o der Brut- 30- Bienin des Ce Suise, April Mal 19 sie 33% (Bulletin In Westdeutschland wechselte das Verhältnis zwi schen den Schulden der Unternehmen und ihrem Kapital zwischen 1968 und 1975 nacheinander von 1,5 auf 1 auf 2 auf 1. Dennoch konnten die deutschen Unternehmen, praktisch von allen imperialistischen Ländern die einzigen, die Rate ihrer Eigen finanzierung erhöhen (allerdings auf einem niedrigen Investitionsniveau), u.zw. von 72% 1970 auf 94% 1975. Die 700 größten italienischen Gesellschaften mußten allein 1974 eine Anleihe machen, die für sich genommen 57% aller ihrer Anleihen von 1968 bis 1973 ausmacht.

Dann ein immer stärkerer Druck auf das Bankensystem jedesmal, wenn ein großer Kunde seine Schulden nicht begleichen kann, Der Bankrott von W. T. Grand &Co. ist die Banken teuer zu stehen gekommen, die diesem Konzem 640 Mio. Dollar geliehen hatten, Jeder der drei größten anken von New York, der Chase Manhattan, der First National City und der Morgar Guarantee schuldete er fast 100 Millionen Dollar.

Man versteht daher, warum nach der Panik der Herstatt - Pleite letztes Jahr in Köln die Panik dieses Jahr noch anwuchs, als im Herbst 1975 die Stadt New York vom Bankrott bedroht wurde. Die zwölf größten Banken von New York sind Gläubigerüber mehr als 4 Milliarden Dollar "schlechter" Schulden (2 Mrd, Dollar Obligationen der Stadt New York; 1 Mrd, Dollar Anleihen an die Luftfahrtgesellschaften; 0,4 Mrd, Anleihen an W. T. Grant; mehr als eine halbe Milliarde Dollar Anleihen an andere Städte, die vom Bankrott bemobilienanleihen in der Höhe von 1,6 Mrd, Dolla mobilienanleihen L, 6 Mrd. Dollar und 4-Mrd. -Dollar-Anleihen an die REIT (Immoman weiß, reamter schulden nicht ister in a i el. Beilar, und dal die gemittel dieser Banken nur 9,5 Mrd. Dollar betragen, dann versteht man, daß eine reale Gefahr des Zusammenbruchs des Kreditsystems besteht, Dashalb hat Ford auch die Waffen strecken und versprechen müssen, daß die Bundesregierung New York aus der Patsche helfen wird, In Großbritannien ist die Lage des Bankensystems nicht besser.

Laut The Economist vom 9.August 1975 stellt "der Zusammenbruch auf dem Immobilienmarkt für das britische Finanzsystem eine größere Bedrohung dar, als der Abzug der Einlagen von den Sekundärbanken. Bei realistischer Vermögensschätzung sind eine ganze Reihe von Banken in jeder Bezie- Bakamenon an die mon seite gerai on und an die Bauindustrie auf 5 Milliarden b. ist mehr als die Hälfte dessen, was die Banken an wenig mehr als ein Fünftel betrug..: Wie groß ist der Überhang an Immobilien auf dem Markt? Über 1 Milliarde b zu den Preisen von 1973, die Portfolios der privaten Stern and Lyon -Gruppen und die bekannte Guardian Properties, die letztes Jahr zusammenbrach, inbegriffen, ist wahrscheinlich in der Hand von Hehlem und Liquidatoren".

In einigen Fällen ist die Summe aus dem Eigenkapital plus den Reserven für Verluste bei Anleihen die alle in die Midland hat für das 4 .Quartal 1975 schon einen absoluten Verlust verzeichnen müssen. Andere "schlechte Anleihen" großer New Yorker Banken sind an die Luftfahrtgesellschaften (von denen einige Konkurs machen könnten) und in die Tankerfinanzierungsgeschäfte gegangen. Der Federal Reserve Board hat versprochen, in jedem Fall den großen Banken zu helfen und läßt ungefähr 546 meist kleine Banken überwachen, die Schuldscheine der Stadt New York in Höhe von über 20% ihres Eigenkapitals in der Tasche haben. Allein die Bankverluste aus den REIT (Immobilien fon ds) könn ten zwischen 600 Mio. und 1,8 Mrd, Dollar ausmachen.

Diesmal sind die Banken noch mit einem blauen Auge davongekommen. Wie wir in unserer Analyse zu Ende des ersten Halbjahres 1975 schätzten, sind die Reserven der reichsten imperialistischen Länder noch nicht erschöpft worden durch die Inflation. Das Karussel: " Verschuldung-Inflation- Höherverschuldung" kann sich noch ein paar Zyklen weiter drehen. (8) Aber aus demselben Grund kann die Rezession nicht die objektive Rolle spielen, die ihr zugedacht ist. Die Kapitalentwertung bleibt eine Randerscheinung. Der Anstieg der Profitrate wird mittelmäßig sein. Die Schlußfolgerung liegt auf der Hand: auf die Rezession wird kein kräftiger "Boom" folgen, sondern ein beschränkter Wiederaufschwung, der sehr bald in einer neuen Rezession münden wird.

Seite 13

AUFSCHWUNG, INFLATION UND DAS

INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM

Die Wiederbelebung des inneren Konsums und die Unterstützung der in Schwierigkeit geratenen Firmen durch Subventionen (und Defizit) aus dem Haushalt bedeutet eine Wiederankurbelung durch inflatorische Maßnahmen, Die bürgerliche Öffentlichkeit, die sich darüber freut, daß die Inflation 1975 etwas weniger schnell angestiegen ist, scheint sich nicht darüber klar zu sein, daß in efner Periode toil midsaner eezestion, kosten noch zusammenfällt mit einer Senkung der materiellen Produktion in der Mehrzahl der imperialistischen Länder zwischen 5 und 10%, schon von sich aus ein äußerst ernstes Problem darstellt, das voraussichtlich einen neuen Inflationsschub erwarten läßt, sobald die Konjunktur sich wieder emsthaft erholt habenwird.

Steigung der Einzelhandelspreise v.2.Quart.74 v. Septemb. 74 z.2.Quart, 75 zum Sept. 75 USA + 9,7% + 7,8% Kanada + 10,2% + 10, 6% Japan + 13,2% + 10,3% Frankreich + 12,7% + 10,7% Westdeutschl. 6,3% 6,1% Italien + 19,8% + 13,0% Großbritann. + 24,8% + 26,6% Belgien + 13,5% + 10,8% Niederlande + 10,4% Schweden + 12 % Schweiz + 5,4% Aber der Wiederaufschwung vermittels Steigerung der öffentlichen Ausgaben hat noch eine andere Auswirkung auf die Konjunktur. Es ist zu enormen Haushaltsdefiziten gekommen: ca. 70Mrd, Dollar in den USA: 35 Mrd . Dollar in Westdeutschland; 20 Mrd, Dollar in Großbritannien; 10 Mrd, in Japan; 9 Mrd. in Frankreich; insgesamt kommen die imperialistischen Länder wohl zweifellos auf 160 Mrd. Dollar. Diese Defizite müssen durch ein ständig wachsendes Volumen an Anleihen auf dem Kapitalmarkt gedeckt werden: allein in Japan erwartet man ca. 18 Mrd. Dollar öffentlicher Anleihen ! Zum selben Zeitpunkt, wo die wachsende Verschuldung die kapitalistischen Untemehmen zu einem zunehmenden Rückgriff auf den Kapitalmarkt zwingt, um ihre Investitionen zu finanzieren, ist dieser Markt daher dem Druck der Kapitalnachfrage der öffentlichen Hand ausgesetzt Das führt einerseits zur Anhebung der Zinsen für langfristige Kredite, noch bevor die Wirtschaft wieder richtig angekurbelt ist. Diese Steigung des Zinssatzes für langfristige Kredite ist übrigens an die Inflation gekoppelt, d.h. der nominale Zinssatz entspricht in Wirklichkeit der Summe des realen Zinssatzes plus der Inflationsrate. So veröffentlicht Con joncture, das monatliche Wirtschaftsbulletin der Banque Paris et des Pays-Bas in seiner Nummer vom Oktober 1975 folgendes Schaubild, das die Entwicklung des Zinssatzes für langfristige Kredite an den Privatsektor veranschaulicht:

Langfristiger Zinssatz (Privatsektor) % in der jahresdurchschnittlichen % 12 Profitrate zu Marktpreisen - 12 Frank, USA • 1 mda Andererseits übt die Bourgeolste einen enormen Druck in Richtung auf eine "Sanierung". der öffentlichen Finanzen aus, was sich vor allem in einer Kürzung der Sozialausgaben und einem Angriff auf das Reallohnniveau, d, h, in einem neier 4 n griff auf das Lebenshaltungsniveau der arbei• tenden Massen niederschlagen soll.

Die starken Abweichungen in der Inflationsrate der mächtigsten imperialistischen Länder haben gegenseitigen Beziehungen zwischen den bedeutendsten Währungen beeinflußt, die weiterhin von einem System flexibler Wechselkurse gesteuert werden. Der Dollar hat sich gegenüber den andem imperialistischen Währungen getestigt; in geringerem Maß gilt das auch für den französischen Franc und die italienische Lira, Der Yen und der belgische Franc dagegen sind etwas abgebröckelt und das Pfund Sterling ist im freien Fall begriffen. Die Konjunkturbelebungspolitik der japanischen Regierung, die zunächst mit der Stabilisierung der Zahlungsbilanz und des Yen zu kämpten hatte, zielt nun auf eine Wiederankurbelung der Exporte. In diesem Zusammenhang kann ein gewisses Sinken des Yen gegenüber dem Dollar natürlich nicht ihr Mißfallen erregen.

Hauptsächliche Währungskurse am 17. Juli 1975 im Verhältnis zur im Ver- Währungsvereinba- hältnis zum rung Dezem, 71 15.2.73 US Dollar - 14,85% + 1,6 % DM + 13,83% + 11,53% Yen 0,24% - 12,23% Franz, Franc + 6,37% + 2,91% - 32,48% - 18,59% Lira - 29,18% - 23,89% Gulden + 8,03% + 5,96% Belg. Franc + 2,52% + 0,56% Schw. Franc + 26,11% + 18, 77% Kanad, Doll, - 4,26% + 1,60% Austra, Doll, + 5,99% 3,45% Schwed, Krone + 3,70% + 2,49% (Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 19. Juli 1975) Aber die imperialistischen Mächte sind sich zutiefst uneinig in Bezug auf die Zukunft des intemationalen Währungssystems und in Bezug auf die Auswirkungen des Währungsdurcheinanders -selbst eine Folge des Zusammenbruchs des Systems von Bretton-Woods-- auf die gesamte Konjunktur der kapitalistischen Wirtschaft. Die amerikanischen und britischen Imperialisten befürworten

Seite 14

AUFSCHWUNG im allgemeinen weiterhin das System der flexiblen Wechselkurse. Mit diesem System spielt der Dollar auch ferner bei Zentralbanken außerhalb der Vereinigten Staaten die Rolle einer Währungsreserve, ohne damit zur Umtauschbarkeit des Dollar in Gold zurückzukehren. Aus diesem Grund sind viele europäische imperialistische Mächte --allen voran Frankreich und die Schweiz-gegen die Beibehaltung des Systems flexibler Wechselkurse. Sie glauben, mehr Unordnung schafft und die Spekulation im intemationalen Handel begünstigt und seinen Aufschwung zunehmend bremst, (7) Andererseits sehen sie darin einen ständigen Inflationsherd, da dies System den USA erlaubt, endlos ein Zahlungsbilanzdefizit aufrechtzuerhalten. Der daraus folgende Zustrom abgewerteter Dollar in den Rest der Welt schürt überall die Inflationsbewegung. Das Floating hat heftige Schwan kungen der Devisen kurse nicht verhindert (der Dollar ist 1973 um fast 25% gegenüber der DM und dem Schweizer Franken gesunken, und hat sich 6 Monate danach wieder vollständig erholt). Das hat einerseits die Spekulation angeheizt - und die Verluste der "schlechten Spekulierer" . Aber die Zeitschrift Ban que bemerkt in ihrem Februarheft 1975 ganz richtig: "Der Schaden, der von dieser Seite durch die allgemeine Freigabe der Wechselkurse angerichtet wird, mißt sich nicht nur an den eingetragenen Verlustzittem.... oder am Eingehen einiger Banken sondem vor allem an der allgemeinen Verschlechterung des Vertrauensverhältnisses zwischen den Bankiers und ihren Kunden.

Die Diskussionen, die vor und neben dem "imperialistischen Gipfeltreffen" in Rambouillet geführt wurden, standen zum großen Teil im Zeichen dieser Auseinandersetzung. Das Ergebnis war mäßig. Die französische Zeitung Le Monde brachte in ihren Schlagzeilen, daß die Führer der westlichen Länder "auf einen stabileren Dollar setzen" (Ausgabe vom 19. November 1975). Praktisch würde las bedeuten, daß frankreich den USA weitgenend nachgegeben hatte. Die imperialistischen kegleringen haben jedoch ebenfalls beschlossen, die Bandbreite der Wechselkursschwankungen eind.n. eine Zwischenlösung zwischen lem System fester und dem Svstem flexibler Wechselkurse anzuwenden. Ausschließlich auf die Stabilität des Dollars zu vertrauen, scheint riskant angesichts der Finanzsituation des amerikanischen Kapitalismus, wie wir sie weiter oben dargelegt naben und wie sie auch der internationalen Bourgeoisie gut vor Augen stent, In Wirklichkeit besteht die Schwierigkeit, das intemationale Währungssystem "in Ordnung zu bringen" darin, daß es zum Dollar als Leitwährung immer noch keine Altemative gibt, Die gemeinsame europäische Geldeinheit, die aus einer fortgeschrittenen Wirtschafts- und Währungsintegration im Gemeinsamen Europäischen Markt hervorgehen sollte, bleibt ein Traum, Unter diesen Bedingungen haben trotz des Drängens der amerikanischen Regierung die Pläne, das Gold aus seiner Funktion im Währungs system endgültig zu entlassen, keine Chance in die Praxis umgesetzt zu werden, selbst wenn nicht wenige Regierungen diesem Plan verbal zustimmen. n Ermangelung eines universellen Tausch- und Zahlungsmittels, das von den Prívateigentümem an Waren und Geld akzeptiert wird; in Ermangelung einer "bürgerlichen Weltregierung" unter den Bedingungen einer ständig sich verschärfenden inter-imperialistischen Konkurrenz nicht verwirklichbar ist, wird das Gold weiter wichtigtes Zahlungsmittel in letzter Instanz und "Zu- , d. h. wichtigstes Mittel der Schatzbildung sein. Die heftigen Schwankungen des Gold- Kurses, tellweise sogar der sturz der Goldpreise ( das Gold ist von 200 Dollar pro Unze Ende 1974 auf 126 Dollar Ende September 1975 gefallen, nach renon den Miltonen Unzen end des Internationalen Währungsfonds dann Anfang November wie- zu verkauten: es ist ler aut 146 Dollar pro Unze gestiegen), beweisen 10ch lange nicht, daß dieses Metall allmählich aus dem internationalen Währungssystem verdrängt wird, im Gegenteil. Die Regierung der USA wird in diesem Punkt nachgeben müssen, nachdem sie schon zugestanden hat, daß die Zentralbanken, die dies wünschen (vor allem die des kapitalistischen Europa), das Recht haben sollen, das Gold voneinander zum Marktpreis und nicht zu einem künstlich niedrigen Preis zu kauten. Bezeichnen - Jahr auf dem Markt verkau den deimeralis vonzten daß 53%, europäischen Spekulanten aufgekauft wurde, und gegenwårtig in Indien und in anderen asiadie traditionellerweise Gold diese Schätze abgetragen werden. Dies verstärkt noch die Rückkehr zum Gold als letzthinnige objektive Basis des internationalen Währungssystems.

Das Volumen des Welthandels ist nach einem Bericht des GATT im ersten Halbjahr 1975 um 10% des Volumens der entsprechenden Vorjahresperiode das 3 nata 115 vor acher alles de et darauf aber alles deutet darauf hin, daß das Welthandelsvolumen auch in diesem Zeitraum geringer sein wird, als im 3.Quartal 1974, mag die Differenz auch niedrigersein. Die Exporte der größten imperialistischen Mächte haben iedenfalls das Niveau vor der Rezession noch nicht wieder erreicht, wie aus den folgenden Zahlen hervorgeht:

Exporte (in Mrd. Dollar)

USA BRD Japan 3 Quartal 1974 23,4 22,0 15,0 4. Quartal 1974 27,1 24,2 16,5 1.Quartal 1975 27,2 22,5 13,3 2.Quartal 1975 26,7 23,6 13, 6 3.Quartal 1975 27,0 22,2 13,4 Berücksichtigt man die Tatsache, daß die Preise der von diesen Ländern hauptsächlich exportierten Fertigprodukte ständig gestiegen sind, dann ist die Verringerung des Exportvolumens noch größer, als durch die Zahlen ausgedrückt wird, Dennoch haben sich die verschiedenen Sektoren des Weltmarkts im letzten Halbjahr 1975 ungleich entwickelt:

- unter der Einwirkung des beginnenden Wiederaufschwungs dehnt sich der amerikanische Markt aus. Die Importe haben leicht zugenommen und einige Branchen haben davon deutlich profitiert, Im Verlauf von mehr als sechs Monaten konnten die europäischen und japanischen Automobilhersteller (vor allem Volkswagen, Toyota und Datsun) ihren Anteil am amerikanischen Markt in phantastischer Weise steigem. von 15 auf 20%. Es stimmt, daß gegen Ende 1975 dieser Anteil wieder unter 15%

Seite 15

sinkt, Aber es ist nicht sicher, daß dies an der grö- Beren Konkurrenzfähigkeit der amerikanischen "Kleinmodelle" liegt. Es kann auch sein, daß Lager und Transport ganz einfach der Nachfrage nicht nachgekommen sind (Volkswagen hat Ibrigens seinen Plan wieder aufgeworfen, die Autos für den amerikanischen Markt in den USA selbst herzustellen).

- der Markt der wichtigsten imperialistischen Länder Europas und der Ja- ›ans fährt fort zu stagnieren, obwohl Ende 1975 leichte Anzeichen einer expansion festzustellen sind, In der Mehrzahl dieser Länder tendiert der Anteil der Importe am Bruttosozial- ›rodukt dazu zu stagnieren, sogar zurückzugehen. Dies ist besonders in Japan der Fall, Eine Ausnahme ist Großbritannien, wo die ausländische, besonders die europäische und die japanische Konkugrenz wirksamer ist wegen der Explosion der Verkaufspreise britischer Produkte. Die Schrumpfung des japanischen Narktes war für die kapitalistischen Länder Asiens ein Desaster, da der japanische Markt ein Drittel ihrer Exporte abnimmt. So waren die japanischen Importe abgesehen von Erdöl im ersten Quartal 1975 um 30% gesunken. Noch im August-September 1975 hat Japan 20% weniger Eisen und 33% weniger Holz eingeführt als im Jahr davor (Far Eastern Economic Review vom 31.Oktober 1975).

• der Markt der halbkolonialen, nichterdöl-exportierenden Länder schrumpft sehr stark, wegen der Senkung der Rohstoffpreise, die das ganze zweite Halbjahr 1975 bis zum Monat November angehalten hat.

Kurse der wichtigsten Rohstoffe 23.9.75, 23,9,75 25.11,75, vg4 mit vgh mit vgl, mit 23.9.74 23,8.75 25.10.75 Index in Dollar

Alle Produkte - 9,4% 0,0% Nahrungsmittel - 11,7% + 0,19 Kunstfasem - 9,7% 0.20 Metalle - 20, 5% - 7,7% - 1,1% Index in b Alle Produkte + 2,6% + 0,2% + 1,4% Nahrungsmittel 0,0% + 1,1% + 1,5% Kunstfasem + 2,3% + 0,6% + • 1,2% Metalle - 10,0% - 4,8% + 0,3% (Quelle: The Economist vom 27. September und 29 November 1975).

Natürlich sind die Kurse in Dollar die aussageträchtigen; die Kurse in Pfund Sterling spiegeln zum roßen Teil die Abwertung dieser Wahrung wider, deren Ausmaß das des Sturzes der Rohstoffpreise übertrifft, Der Sturz der wichtigsten Rohstoffkurse hat zusammen mit der Schrumpfung des Exportvolumens infolge des Nachfragerückgangs wegen der Rezession die Kaufkraft der Länder, die andere Rohstoffe als Erdöl auf den Weltmarkt exportieren, stark eingeschränkt. Diese Länder haben sich entweder schwer verschulden müssen, um ihre Importe zu zahlen, oder sie haben das Volumen der Importe verringer müssen. Mehrere Hofinungen der imperialistischen Länder auf dicke Aufträge sind daher vorübergehend verflogen. Es besteht die Gefahr, daß das globale Handelsdefizit dieser Länder, das 1974 schon die beeindruckende Summe von 40 Mrd. Dollar erreichte, 1975 noch weiter anwachsen wird.

- der Markt der erdöl-exportierenden Länder hat deutlicher als vorhergesehen. Diese Länder haben einen trastruktur, Industrie und Landwirtschait, lautender Konsum und Luxusgüter, usw.). In der Tat scheint der Zahlungsbilanzüberschuß der erdölexportierenden Länder imersten Halbjahr 1975 nicht mehr als 17 Mrd, Dollar zu betragen (so die Neue Zürcher Zeitung vom 19. September 1975), gegenüber einem Uberschuß von 33, 7 Mrd, Dollar im zweiten Halbjahr 1974 Treasury sprechen von einem Anstieg dieser Importe von 20 Mrd, Dollar 1973 auf 37 Mrd, 1974 und 35 Mrd, 1975 (The Economist vom 20, september 1915). Die Importe haben so stark zugenommen, daß einige erdöl-exportierende Länder sich wieder verschuldet haben und ihr Zahlungsbilanzüberschul praktisch augesogen ist (dies gilt vor allem für den Iran). Andere haben Pläne, die schon in Bearbeitung waren, wieder überprüfen müssen, was exportierenden imperialistischen Ländem einige (vielleicht vorübergehende) Stöße versetzt hat, (9) Hervorzuheben ist noch, daß die Erdölproduktion im ersten Halbjahr 1975 im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 1974 um 14% gesunken ist; in Kuweit und Lybien betrug der Rückgang sogar 21% (Middle East Economic Review, September 1975).

- der Markt der bürokratisierten Arbeiterstaaten expandiert weiter, Aber diese Expansion ist vom Standpunkt des Außenhandels der kapitalistischen Länder aus bescheidener als vorgesehen, vor allem infolge der Tatsache, daß die Rezession die Aufnahmefähigkeit des kapitalistischen Marktes für Produkte aus den Ostblockländern eingeschränkt hat, und daß diese anfangen, emstlich unter dem Mangel an westlichen Devisen zu leiden. Mehrere unter ihnen haben auf den westeuropäischen Kapitalmarkt zurückgreifen müssen, schatte abzuschließen, Preisschwankungen auf dem Weltmarkt zu schützen: so der Austausch amerikan ischen Weizens gegen rissisches Erdöl; japanischen Stahls gegen chinesisches Erdöl usw.

Allgemein hat das Klima der Rezession und der verschärften inter-imperialistischen Konkurrenz in allen imperialistischen Ländern Formen des wirtschaftlichen Nationalismus und Protektionismus neu belebt, in den USA sind gegen Importeure von Automobilen sowie von Stahlprodukten aus Europa und Japan Strafverfolgungen wegen unloyaler Konkurrenz eingeleitet worden, während Uhrenfabrikanten den Importeuren von Digital- und elektronischen Uhren Vorwürfe machten, In der EG wurde Importeuren von sowjetischen LKWs und japanischem Stahl unredliche Preisunterbietung vorgeworfen. Japan hat seinerseits die "Liberalisierung' des Automobilimports mit soviel bürokratischen Hemmnissen umgeben, daß die EG das Land ge-

Seite 16

AUFSCHWUNG wamt hat, seine Grenzen zu öffnen, sonst werde sie anfangen, die Automobilimporte aus Japan einzuschränken. Australien hat,den Automobilimport kontingentiert, worauf in der Periode von Juli bis Oktober 1975 diese Importe um 55% zurückgeganen sind, Großbritannien wirt Spanien Dumping mit lem Export seiner Stahlprodukte vor. Schweder Und so weiter.

Der typischste Fall ist der der Stahlindustrie, Diese ist von der Rezession besonders stark betroffen, wie die folgenden Zahlen zeigen:

Rückgang der Stahlproduktion während der ersten acht Monate 1975 Belgien - 29% Bundesrepublik - 21% USA - 18,4% Frankreich - 18% Japan - 11,6% Großbritannien - 10,1% andere kapitalístische Länder - 12,8% In allgemeinerer Form geht Großbritannien daran, Kontrollen (und damit Beschränkungen) der Importe einzuführen. So steht in einem Heft der Eurépargne, die in Luxemburg erscheint, geschrieben:

" Offensichtlich ist es in der gegenwärtigen Konkunkur unwahrscheinlich, daß das Prinzip des Freihandels, wie es allein von den westlichen Ländern prakaziert wird, unversehrt autrechterhalten werden kann " ( Septemberausgabe 1915).

LÄNGERFRISTIGE PERSPEKTİVEN

Die längerfristigen Entwicklungstendenzen der internationalen kapitalistischen Wirtschaft -unter dem Vorbehalt, daß ein Vormarsch der sozialistischen Revolution in Westeuropa in den kommenden Jahren nicht alle Voraussetzungen umstülpt-- lassen sich folgendermaßen zusammenfassen.

Es scheint klar, Durchschni sprofitate die Wirtschaft an den imperialistischen Ländem nicht mehr die durchschnittlichen Wachstumsraten der 50er und 60er Jahre erleben wird. Einige Monopole sind schon dabei, gemäß einer solchen Perspektive zu handeln, mit diese in die Rolle einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wächst:

"In der Stahlindustrie wie anderswo hat sich seit einem Jahr etwas geändert, Die ehrgeizigen Er• vartungen, die sich auf Wachstumsraten von 5% und mehr stützten, wurden fallengelassen, ohne daß sich ein wirklicher Konsens uber eine Wachstumsziffer abzeichnet". ("Le Monde vom 21,Oktober 1975). Und das japanische Ministerium für Intemationalen Handel und Industrie (MITI) sieht vor, daß in der Periode 1972-1985 die innere Nachfrage nach Privatautos und LKWs um 2,1% jährlich wächst, im Gegensatz zu 15% in der Periode 1965-1972 (Far Eastern Economic Review vom 28. November 1975).

Die Industriezweige, die von der langiristigen Tendenzwende besonders betroffen wurden, werden eine "Gesundschrumpfung" durchmachen durch die Ausscheidung , einer Reihe weniger leistungs.fähiger Konkurrenten: trotz des Eingeifens der öffentlichen Hand ist diese "Gesundschrumpfung" schon jetzt unvermeidlich, besonders in der Automobilindustrie. Die "dynamischsten" Monopole besonders in Europa, werden darauf mit einer Differenzierung ihrer Produktion reagieren, Klassische Automobilkonzeme wie FIAT und Renault rechnen damit, knapp 50% ihres Gesamtumsatzes in dieser Branche zü erzielen, US Steel schöpft schon 43% seiner Gewinne aus einer anderen als der Stahlproduktion.

Die Industriezweige, die während der "langen Welle der Expansion" 1940 (1948)-1965 ein außerordentliches Wachstum verzeichneten, werden jetzt weniger rasch expandieren. Sie werden die außerordentlichen Extraprofitraten einbüßen, derer sie sich bisher erfreuten. Die wichtigste Branche, die davon betroffen werden wird, ist zweifellos die der Computer. Seit Beginn der Rezession ist die Konkürrenz hier besonders lebhaft. (11). Der Markt für große Computereinheiten ist mehr und mehr gesättigt.

Giganten, allen voran IBM, die bisher den Markt für Mini - und Mikrocomputer den schwächeren Konkurrenten überlassen haben, damit diese den Weg freimachen und sich an Preiskriegen die Zähne ausbeißen, werden nun selber mit aller Kraft darin einsteigen. Die Expansion kann nur noch von der Massenproduktion und dem Massenverkauf getragen werden, d, h, vom Umsatz von Kleinmodellen. Aber auch auf diesem Gebiet wird die Wachstumsrate rasch sinken, Nach Angaben der Financial Times wird die Expansion der Weltproduktion auf folgende Ziffem geschätzt: von 23 Mio, Einheiten 1973 auf 34 Mio. 1974 (+50%), auf 50 Mio. 1975 (+47%), auf 67 Mio, 1976 (+34%), auf 86 Mio. 1977 (+27%) und auf 92 Mio, Einheiten 1978 (nur noch +8%). (Ausgabe vom 5. März 1975) Die Anstrengungen, unter Einsatz von Hunderten von Millionen bzw. von Milliarden Dollar spektakuläre "Neuerungen" hervorzubringen, werden mit der Verstärkung des Kapital überschußes als Folge der langfristigen Verlangsamung des Wachstums verdoppelt verden. Viele dieser Projekte werden finanzielle Mal wore seer bei versuch von colond wie dies bei der Concorde der Royal Dutch Shell, sich gemeinsam in die Kerindustrie zu stürzen, Einigen Plänen scheint ein mittelfristiger "Durchbruch" beschieden zu sein: so das elektrische Auto, wo Großbritannien sich eine gute Position verschafft hat; die Video-Platten, wichtigste "Neuerung" der elektro-technischen Industrie, wo die Amerikaner im Gegensatz zum :emsehen nicht mehr die einzigen an der Startlinie sein werden, sondem von der ersten Serie der Massenproduktion an Philips (Niederlande) und vielleicht Decca-Telefunken der RCA schwer zusetzen werden; der japanischen Industrie für Anti-Umweltschmutz-Anlagen scheint eine brillante Expansion bevorzustehen: laut Far Eastern Economic Review vom 28. November 1975 sind "Umweltschutz-Anlagen zum zweitgrößten und profitabelsten Artikel für Japans Maschinenbauer emUmweitschmutz in Schlüsselindustrien vor . Die Investitionen in Anlagen. di Stei laut einem Gutachten von Mitti mehr als verdoppelt: von 1,615 Millionen US-Dollar im

Seite 17

Steuerjahr 1973 auf 3, 380 Mio. Dollar im Steuerjahr 1974 .•. Der Bericht sieht weiter einen steilen Aufstieg der Ausgaben für Umweltschmutz- Kontrolle vor, bis zu 4,820 Mio. Dollar im Steuerjahr 1975.

Die Perspektiven der Kemindustrie sind weniger klar und erlauben eine geringere Expansion, als man dies vor Jahren noch meinte, Spektakuläre Unfälle, die hohen Kosten zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen, die Korrektur des "Energiedefizits" nach unten, das auf Grund unvorsichtiger Extrapolationen aus den Wachstumsraten sowohl der Prodution als auch der Bevölkerung zu hoch angesetzt et Vraicht bei der Bestimmung der Anzahl von- worden war: all dies verleitet nun zu einer Atomkraftwerken, die in den nächsten zehn Jahren in Betrieb genommen werden sollen. (12) Dennoch wird diese Branche und die der elektro-nuklearen Geräte ein wichtiger expansionsfähiger Sektor blei- Geographisch gesehen werden die erdöl-exportie- renden Länder noch einige Jahre hindurch eine überdurchschnittlich hohe wirtschaftliche Wachstumsrate zu verzeichnen haben, dank der schon akkumulierten finanziellen Ressourcen. Der Export von Industrieausrüstung in diese Länder wird daher ebenfalls überproportional ansteigen, gemessen am Welthandel insgesamt, Aber wenn einmal die langsamung des Wirtschaftswachstums und die Stö- erste Serie von Fabriken gebaut ist, und die Verrung des Welthandels sich wie vorgesehen fortsetzt, dann werden die Arbeitsplätze in den Maschinenexportierenden Länder abgebaut werden, Groß- Britannien hofft auf eine tiefgreifende Umwälzung seiner Zahlungsbilanz dank der Einnahmen aus dem Erdöl der Nordsee, Japan und Westdeutschland weiten intensiv ihren gre chen Karas an tre lander des parti ungen März 1975 sind japanische Investitionen in Brasi- Lateinamerikas. Im Zeitraum von April 1973 bis hinzu kommen fast 2 Mrd. US-Dollar tür Investitionen auf den traditionellen Märkten Ost-Asiens und 1,3Mrd. Dollar für Investitionen in den USA (Financial Times vom 12, November 1975). ANMERKUNGEN s, insbesondere Kap. 14 unseres Spätkapitalismus, S. 446-447 der ersten englischen Ausgabe (Late Capitalism, New Left Books) und S. 408-410 der zweiten deutschen Ausgabe, 2) S, dazu insbesondere: Victor Barrett und Richard Black: " The Deflation of the Economists", Jungster Vergangenheit, findet sich in Business Week vom 22, September 1975.

Band Ill, Kap. 15, S, 264-265 der MEW-Ausgabe, Band 25, Dietz-Verlag Berlin, 1969.

(5) s. Inprekorr Nr. 16/17 der französisch-englischsprachigen Ausgabe, Januar 1975, S.12 (6) ebda, S.10-11 (7) Eine "Gegen-Offensive" der liberal-konservativen Wirtschaftsfachleute vom Typ von Hayek begleitet diese Wende in allen kapitalistischen Lănfessors Harry Johnson: "Die Antwort( auf die Infla- lem. Hier eine charakteristische Formel des Protion) hängt.. Gesellschaft **•.langfristig.... vom Willen der vom Wohlfahrtsstaat abzukehren..." (The Banker, August 1975).

(8) Ein zusätzliches Risiko für einen Zusammen bruch des Kreditsystems erwächst aus der unkontrollierbaren Expansion des Euro-De visen-Markts. Es sei hierzu die Meinung eines intemational wohlbekannten Bankiers Zitiert, Mr. Rennie: .. die Stärke des Weltwährungssystems hängt zu sehr von der angemessenen eständigkeit eines als daß jeder größere Zutode entre lace dire rote Anstrengung. der even auf intemationaler Ebene vermieden werden könnte... Wenn trotz eines Höchstmaßes an internationaler Zusammenarbeit ein größerer Zusammenbruch nicht verhindert werden kann, so wird dies die Lebensfähigkeit des Euro-Markts untergraben und ihn von seiner hohen Rangstellung auf Finanz-Szene in der Welt beseitigen ' (The Ban ke r, August 1975).

9) Dies gilt besonders für Algerien das wegen ler Verschlimmerung seines Handelsdefizits mehre• re Industrieprojekte aufgekündigt hatte, die u,a. große Aufträge an Frankreich vorsahen (Le Mon le vom 15. Oktober 1975).

heiten einer "langen Welle des verlangsamten Wachstums", bzw, der überwiegenden Stagnation allmählich immer deutlicher heraus. Angesichts der Kampfkraft der Arbeiterklasse bedeutet dies einen erbitterten Kampf um die Änderung der Mehrwertrate; dies ist schließlich das einzige Mittel für das Kapital, die langtristige Tendenz eines Falls der Profitrate umzukehren, da die Halbautomation und die Automation, doh, die Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals nicht ruck- Sahert sich, bei aller gebotenen Einschrenes lan cem zu machen ist. Das" ökonomische Klima" des Beginns der 20er Jahre. Am Ende dieses langen Zyklus gewaltiger Klassenkämpfe wird entweder der Sieg der sozialistischen Revolution stehen, oder die Katastrophe für die Menschheit, wie es schon einmal war vor einem halben Jahrhundert: blutige Diktaturen und mörderische Kriege.

10. Dezember 1975 (10) Laut Financial Times vom 25, November 1975 hat die Außenhandelsbank der UdSSR USSR Foreign Trade Bank) im Westen seit Anang des Jahres ca, 750 Mio, Dollar geliehen, Hinzu kommen Anleihen aus Polen, Ungarn und aus Kuba in einer Gesamthöhe von 590 Mio. Dollar, Anleihen der Investment-Bank des COME- CON in Höhe von 430 Mio. Dollar und der DDR von 35 Mio, Dollar, (11) Rank-Xerox mußte aus der Branche aussteigen, Rockwell ist in Schwierigkeiten. Texas Industries ist bisher der "Einstieg" in die Branche der Mini-Computer mißlungen; Siemens versucht, trotz der Auflösung der Unidata, an seiner Verbindung mit Philips festzuhalten: es scheint sich nun mit dem japanischen Kon zem Fujitsu zu liieren. Tatsächlich erwartet man dieses Jahr eine Senkung des Werts der verkauften Computer um 12%.

(12) s,die Studie von Business Week vom 17. November 1975.

Seite 18

REZESSION