Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Schweden

Das Ende einer Ausnahme

· Inprekorr Nr. 48/49, 24. Dezember 1975 · S. 23-28 · 3.175 Wörter

Skandinavien Weltwirtschaft und Krise Großbritannien

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coo ende ener dusndamne BENNY ASMAN

Als die letzte Sondemummer der Inprekorr über die chen zwei verschiedene Arten der Produktion ein: internationale kapitalistische Wirtschaft erschien, im die Rohstoffindustrie und Halbfertigwaren auf der ei- Juni 1975, wurde Schweden, zusammen mit Norwegen, nenen und Mas prinen auf der ander Sie. etalen die Produktion hochspezialisierter Metallerst am Rande von der allgemeinen intemationalen Rezession berührt. Für die meisten Zweige der schwe- Sektoren nahm die intemationale Rezession einen Gang, dischen Wirtschaft war 1974 noch ein Jahr des Booms. der den schwedischen Kapitalisten von Vorteil war. Die besondere Entwicklung der Konjunktur in der Eisen-, Stahl- und Papierwaren-Produktion verzögerte den wirtschaftlichen Abstieg in Schweden. Dasselbe stand in scharfem Widerspruch zu der in den größeren gilt für die hochspezialisierte Produktion in der Meimperialistischen Ländem vorherrschenden Situation. tall- und Maschinenbau-Industrie; die Produkte dieser Industrien passten auf den Markt von Ländem, deren konjunkturelle Lage am wenigsten schlecht war.

Mehrere Faktoren erklären diesen "Ausnahme"-Cha- Diese Faktoren haben schon immer die konjunkturelrakter der schwedischen Wirtschaft; einige sind struk- len Höhen und Tiefen der schwedischen Wirtschaft tureller, andere nur konjunktureller Natur: seit dem Zweiten Weltkrieg geglättet. 1. Die schedische Wirtschaft ist stark export-abhän- 2. Von allen imperialistischen Ländern hatte Schweden gig: das zeigt sich daran, daß 40-45% der Industrie- (zusammen mit Westdeutschland und der Schweiz) in produktia auf dem ausländischen Markt verkauft wird. den Jahren 1973-74 mit die niedrigste Inflationsrate; Die export-orientierte Industrie schließt im wesentli- sie schwankte zwischen 7 und 9%. 1974 verteilten

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SCHWEDEN sich die Exporte folgendermaßen: 3. Die Lage auf dem inneren Markt stellt eben falls einen Faktor dar. Nach der ziemlich tiefen EFT A (Europäische Freihandelszone): 22,3% Rezession 1971-72 (die mit der intemationalen Situation nicht zusammentiel) stieg der private davon: Konsum im Spätjahr 1973 und 1974 wieder an: Norwegen 10,4% lies spiegelte sich wider in einem 4, 5%igen Wachs- Finnland 7,1% tum des Bruttosozialprodukts 1974 (im Verhältnis zu 1, 7% Wachstum 1973). 1974 wurde nur eine EWG 48,0% größere Branche voll von der intemationalen Rezession getroffen: die Holzindustrie. Ungetahr davon: 70% der Produktion in diesem sektor geht in den Westdeutschland 9,8% Export, und der scharte Rückgang der Bauindustrie Großbritannien 13,2% auf interation aler Ebene. der im Spätjahr 1974 einsetzte, stürzte diesen Sektor in seine tiefste USA/Kanada 6,7% Krise seit 1945.

Sonstige 23,0% BÜRGERLICHE ILLUSIONEN

UND DIE NACKTE REALITÄT

Die Enmärkten hall, den wirtschaftlichen Abstieg in auf den beiden größten schwedischen Schweden zu verzögem. Der anhaltende Boom in Norwegen spielte dabei eine wichtige Rolle, was darin zum der sozialdemokratischen Regierung und die Vertredaß 1975 Norwegen an die stelle ter der Gewerkschaften vor die große Frage gestellt: Großbritanniens als Schwedens größter Eirzel-Export- würde die internationale Rezession schnell genug Markt trat. Und die vorteilhafte Entwicklung des zu Ende gehen, daß die schwedischen Exportindu- Wechselkurses im Verhältnis zur DMhalf den schwe- strien ihr bis zum nächsten Aufschwung ausweichen dischen Kapitalisten, ihren Anteil auf dem britischen können, oder nicht? Fast alle von ihnen beurteil- Markt auf Kosten ihrer wichtigsten Konkurrenten (aus ten die intemationale Situation talsch, Im Herbst Vestdeutschland 2.B.) auszuweiten. Zusammen mil 1974 sagten sie einen wiederaulschwung tur Anlang rab dies den schwe• 1975 voraus. Aber diese Voraussagen (die nicht wedischen Kapitalisten die Möglichekeit, sich strikt an lige intemationale Fachgrößen teilten) entpuppter die vertraglich festgelegten Lieferingstermine zu hal- ich als reines Wunschdenken. In der Tat hat die ten, was ihnen zu Beginn der Rezession wiederım ei- anhaltende Rezession (die sich in einem absoluten nen Vorsprung gegenüber ihren Konkurrenten gab, und Sinken des Welthandels ausdrückt) nun alle wichdamit einen anderen Faktor der Verzögerung des wirt- tigen Sektoren der schwedischen Industrie erfaßt, schaftlichen Abschwungs darstellt. ganz so wie die Holzindustrie seit 1974 davon GRUNDLEGENDE ZAHLENANGABEN ÜBER SCHWEDEN

Bevölkerung : 8.177.000 Beschäftigtenanzahl 3.900.000 Prozentuale Verteilung der Beschäftigten auf die Wirtschaftszweige: 1970 1974 Landwirtschaft, Forst und Fischerei 8.1 6.7 Gruben und Fertigungsin dustrie 28.8 29.6 Bauindustrie 9.6 7.4 Handel 14.4 14.1 Transport 6.9 6.8 Banken und Versicherungen 5.0 5.4 Ottentliche Verwaltung , und andere Dienstleistungen 27.1 30.0 0% der Handarbeiter sind Mitglieder der Gewerkschaften, die in den Landsorganisationen (LO--Trade Union Confederation) zusammengeschlossen sind, und mehr als 50% der Gehaltsempfänger gehören zun len Gewerkschatten, die Mitglieder der TCO sind (Zentralverband der gehaltsempfangenden Arbeitnehmer).

4,4 Schwedische Kronen = 1 US-Dollar

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betroffen wird. Die Rezession ist und viel heftiger als erwartet. Dies schlägt sich ge kommen in vielen Anzeichen nieder:

Export immer rascher zurück.

1975 sank er um 7%, verglichen mit dem gleichen Voriahreszeitraum: im zweiten Halbjahr sank er 1952 das caste Jahr 1st, zeigt sich daran, daß dies seit in dem das Export-Volumen im Vergleich zum Vorjahr sinkt. Das wird sich auch in einem 3%igen Rückgang der industrieproduktion niederschlagen. Die Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts wird --zum erstenmal seit gleich Null sein; nur die weiterhin relativ hale Inland-Nachfrage wird verhindem, dal der drastische Fall der Exporte sich unmittelbar in eine m Rückgang des Bruttosozialprodukts auswirkt.

Anzeichen für den Abschwung gab es schon Ende 1974 und Anfang 1975, als die Auftragsbestände der Export-Industrien abzunehmen begannen. Im zweiten Quartal 1975 war die Zahl der Mire November Les en Son alie Mai.

und Maschinenbau-Industrien verlauten, daß sie Kurzarbeitswochen oderUmschulungsprogramme für ihre Angestellten einführen wollten. Hottnun- Aufschwung Anfang 1975 wieder hochziehen - man könne sich an einem intemationalen diese Hoffnung drückte sich in einem senr geringen Produktionsrückgang und infolgedessen in einem enormen Anschwellen der Vorratslager aus --, verflogen im Frühjahr und Sommer 1975, und die Gegenreaktion war ein rasches Abtallen der Produktion im Herbst. Dies wird seinerseits steigende Arbeitslosigkeit in den nächsten drei bis sechs Monaten zur Folge haben.

3. Die Unterschiede zwischen der Inflationsrate Schwedens und der seiner größten Handelspartner ebneten sich im Sommer 1975 ein, da Schwedens Inflation im 3. Quartal auf eine Jahresrate von 13,9% Kletterte. Zusammen mit dem drastischen Rückgang des Absatzes aut dem auslandischen Markt zwang dies zu einer Neubestimmung der Gewinnprognosen in den größten Export-Industrien. Je de von ihnen war in ihren Voraussagen zu Anfang 1975 viel zu optimistisch gewesen. Dies gilt ebenso für weltbekannte Unternehmen wie SKF Saab, Alfa-Laval und LME, Wie für vorwiegend auf den nationalen Markt ausgerichtete Firmen wie LKAB (Eisen), ASEA (elektrische Hochspannungsanlagen), SCA (Papierw arenkonzem).

Dies ist das Bild, wie es sich Ende Herbst 1975 darstellt, und es ist ein Bild, das niemand acht Monate zuvor so gezeichnet hätte. Die andauernde allremeine internationale Rezession gewann schließlich Uberhand und fegte eine der Ausnahmen hinweg.

NIEDERGANG

NACH DEN EINZELNEN SEKTOREN

Der gesamtwirtschaftliche Abschwung setzte sich über einen Zeitraum von 12 Monaten durch; er bahnte sich seinen Weg von Industriezweig zu Industriezweig und löste in der Folge auf dem Inland-Markt für Investitionsgüter einen kumulativen Effekt aus.

1. Die Holzindustrie wurde als erste getroffen;, dies war das Ergebnis des großen Niedergangs les privaten Wohnungsbaus und des Baus von Industrie anlagen auf internationaler und auf nationaler Ebene 1974, Im Verlauf von 1972 und 1973 lagen die Preise für Holzprodukte für die Kapitalisten wunderbar hoch; dann stiegen sie auf das Dreifache. Im Winter 1974-75 konnte die Produktion auf einem erträglichen Niveau gehalten werden, weil im internationalen Maßstab spekulativ Vorrate gestapelt wurden, besonders in Großbritannien. Als dieser Prozen stoppte, kam es um Mal 1915 zu einem Stillstand der Exporte nach Großbritannien. Die Preise fielen steil ab, von 600 Kronen pro Kubikmeter im September 1974 auf 360 Kronen duktion tallt 1975 um30%, und ein großer Teil der laufenden Produktion füllt die Vorratslager. Papier und Packpapien radionel dar hapemase. der schwedischen industrie, sind auch von der Rezession getroffen worden. Die Auftragseingänge für Rohstoffe gingen erstmals im ersten Quartal 1975 zurück; die für die Halbfertigprodukte erstmals im zweiten Halbjahr 1975. Die Auftragseingänge der Papierindustrie lagen im Mai 1975 um 60% niedriger, als im Mai 1974.

3. der Metall- und Maschinenbau-Indu- Im September 1975 gingen die Aus landsaufträge strie stark zurück; außerdem wirkten sich auch die Aufschiebung oder Streichung von Investitionsplänen in den obengenannten Industriezweigen neratv aus. Im ersten Halbjahr 1975 konnte dieser sektor aber immerhin seine Produktion noch un 3%, verglichen mit der gleichen Vorjahresperiode, steigem. Im zweiten Halbjahr 1975 wird es aber auch hier einen Rückgang, geben. Da die Produkte aus diesem Sektor 43% des gesamten Exports decken, ist die Talsohle der Rezession noch nicht erreicht, und das bedeutet, daß die Zahl der Arbeitslosen in diesem Sektor weiter ansteigen wird. STÄRKE UND STABILITÄT

IM INTERNATIONALEN VERGLEICH

Insgesamt hat die Industrieproduktion erst im zweiten Halbjahr 1975 zu sinken begonnen, was sich voraussichtlich in einem Jahresrückgang von 3% niederschlagen wird. Verglichen mit dem internationalen Maßstab Und auch von anderen Gesichtspunkten aus könn- ist dieser Rückgang geringtugig. te es scheinen, als gäbe es in der schwedischen Wirtschaft keine Rezession. Die Arbeitslosenrate z.B. ist im internationalen Vergleich niedrig. das sind samtjahr 1975 wird das Volumen der Industrie-In vestitionen um 5-7% steigen.

Für diesen scheinbar paradoxen Sachverhalt gibt es mehrere Gründe:

Die Lage auf dem Inland-Markt hat die Entwicklung auf dem Auslands-Markt teilweise ausge- Der private Konsum stieg im ersten Halbjahr 1975 um 3%, darunter z. B. der Automobilabsatz in den ersten sieben Monaten des Jahres um 10%, verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode.

Pas ate Antinie de vore unc es sien Zweigen der Exportindustrie erklärt werden. Im ersten Halbjahr 1975 stiegen die gelagerten Industrieprodukte um 2,500 Mio, Kronen (in Preisen

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SCHWEDEN von 1968), und die Lagerbestände der meisten zroßen Exportgesellschaften liegen um 20% über dem normalen Niveau. Das kommt daher, daß alle darauf hofften der internationale Wiederaufschwung sei in greifbarer Nähe und daher meinten, es sei billiger, weiter auf Vorratzu produzieren, als Arbeiter zu entlassen, die vielleicht bald wieder gebraucht würden. Diese Praxis wurde kräftig von der Wirtschaftspolitik der sozialdemokratischen Regierung gefördert.

3. Für die Sozialdemokraten ist es schon immer che en freien istschen vordente der s00et die Arbeitslosenzahl niezialdemokratie, Die Sozialdemokraten haben versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden, indem sie den Kapitalisten, besonders im Exportsektor, direkte Unterstützung gewährten. Damit haben sie roße Anstrengungen verbunden die Arbeiter aus tagnierenden sektoren, wie z.B. der Textilindu strie, herauszuziehen und diese Industrien ihrem Schicksal zu überlassen.

Im vergangenen Jahr ist das traditionelle Maß an nahm Finanzminister Gunnar Sträng den Kritikern den Wind aus den Segeln und den gewerkschaftlichen Forderungen die Spitze, indem er vorschlug, "die Extra-Profite zu beschneiden" . Er schlug vor, alle Gesellschaften mit mehr als 1 Million Kronen Natürlich wurde dieser Plan von begrüßt, die so für diesen Teil ihres Gewinns keine Steuem zu zahlen brauchten und gleichzeitis ihre Liquidität erhöhen konnten. Ein großer Teil dieses Kapitals wurde im ersten Halbjahr 1975 genutzt, was mit erklären hilft, warum die Industrieinvestitionen 1975 noch ziemlich hoch waren. Im Oktober, als die Anzeichen für einen Abschwung in allen größeren Industrieweigen deutlich sichtbar wurden, legte die Regierung ein besonderes "Unterstützungspaket" vor, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Es sieht eine Extra-Beihilfe von insgesamt 2,000 Mio. Kronen vor. Der Hauptanteil davon verteilt sich folgendermaßen:

a) 200 Mio. Kronen zusätzliche Hilfe für den Ausbau der Vorratslager und für Ban kanleihen; b) besondere Hilfe für den Lagerausbau in der Holzindustrie (gezahlt wirdür bis zu 20% des Lagers); c) 250 Mio. Kronen als niedrigere Steuem auf den energie konsum; 1) 140 Mio, Kronen für energiesparende Investitionen:

e) 300 Mio. Kronen für zusätzliche staatliche Arbeitsplätze; f) 300 Mio. Kronen, um den Termin schon geplanter öffentlicher Investitionen vorzuziehen. Im Herbst 1975 haben diese drei Faktoren den Rückgang der Produktion und das Ansteigen der Arbeitslosigkeit verhindem können. Aber diese selektive Konjunkturspritze war auf die Annahme gegründet, daß die intemationale Rezession viel eher ein Ende finden werde, als dies gegenwärtig der Fall ist. Als diese Hoffnungen zerstoben waren, gab es somit (im November und im Dezember) eine Welle von Berichten, daß die Untemehmen, besonders die vorzubereiten. Wenn man den extrem hohen Kapazitätsüberschuß berücksichtigt, den es sowohl ist es sehr uner wischeinlien, das die optmstilot, ist es sehr unwahrscheinlich, schen Prognosen des Konjunkturinstitutet fur 1976 --11% Exportwachstum-- sich verwirklichen werden. Darüberhinaus werden, und das ist sicher, der gegenwärtige hohe Kapazitätsüberschuß in der schwedischen Industrie (besonders in der Metall- und Maschinenbau-Industrie) und die überfüllten Vorratslager zu einem fast vollständigen Stillstand im Wachstum der produktiven Investitionen 1976 führen.

Das natürliche Ergebnis eines immer noch hohen Konsums im Inland und eines gleichzeitigen Falls der Exporte ist ein hohes Defizit der Zahlungsbilanz. Dieses Delizit betrug 1974 4,495 Mio. Kronen; 1975 wird es etwa 9, 000 Mio. Kronen betragen. Diese Zahlen muß man einmal vergleichen mit der pessimistischsten Prognose, die zu Antang des Jahres gestellt wurde: sie lautete auf ein Defizit von 7,000 Mio.Kronen. 1976 wird sich dieses Defizit noch verschlechtem, so daß man für den Zeitraum 1974-76 mit einem Gesamtdefizit von

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ca. 20, 000 Mio. Kronen rechnen kann. Bisher ist dies Defizit durch bedeutende Anleihen auf dem ausländischen Kreditmarkt gedeckt worden. EIN LANGFRISTIGES STRUKTURPROBLEM

In der ersten Dezemberwoche trug das Finanzministerium seinen "Fünf-Jahres-Plan" ; d.h. die Vorausschau auf die Jahre 1976-80 vor. Das zentrale Ziel ist, die produktiven Investitionen in der Export-Industrie zu steigern (und damit die Exporte selbst), und gleichzeitig das Wachstum der Nachfrage durch geringere Lohnsteigerungen und das Einfrieren neuer sozialer Reformen niedrig zu halten. Das Zahlungsbilanzdefizit soll auf diese Weise überwunden werden. Der Plan ist in sich selbst eine Ironie und entlarvt aufs deutlichste die sozialdemokratischen Reden von der Kontrolleüber die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft. Dieser Plan ist fast identisch mit dem, der 1970 fur den Zeitraum 1971-75 vorgelegt wurde, der ebenfalls als zentrales Ziel die Aufhebung des Zahlungsbilanzdefizits durch Steigerung der Konkurrenzfahigkeit der Exportindustrieangab. Dieser Plan war so realistisch, daß er schließlich damit endete, das höchste Zahlungsbilanz de fizit seit 1945 hervorzubringen. Hinter dieser Entwicklung verbergen sich einige Strukturprobleme der schwedischen Wirtschaft, Die Regierungsprognose gründet sich vor allem auf zwei Voraussetzungen:

1. Daß die Kapitalisten in der Exportindustrie bereit sind, die produktiven Investitionen zu erhöhen, um das Defizit in der Handelsbilanz auszugleichen; d.h. daß die Produktivität schnell und die Produktionskosten langsam genug steigen werden, um in Schweden die Bedingungen für eine Expansion der Produktion und für Pentitable Exporte für die Kapitalisten zu schaf- 2. daß die Arbeiter sowohl in der Exportindustrie, als auch in der auf den Inland-Markt ausgerichteten Industrie eine geringere Steigerung ihres Lebensstandards hinnehmen werden, als sie bisher gewohnt sind.

Beide Voraussetzungen sind unrealistisch, da sie nicht die nicht-konjunkturellen Trends in Betracht ziehen, die sie unterminieren, Erstens sind die meisten der großen schwedischer Ihre Investitionen audie Lage ausländischer Märkte mag jedoch die Expansion dieser Investitionen drosseln. 1961 betrügen direkte ausländische Investitionen 150 Mio. Kronen. Sie haben seit 1970 jedes Jahr 1, 000 Mio, Kronen überschritten. Sie erreichten 2, 600 Mio. Kronen 1974. 1970 beschäftigten schwedische Untemehmen 180.000 Leute außerhalb Schwedens. Seit 1973 ist diese Zahl auf 260.000 gestiegen und damit sind nur die 25 größten im Ausland investierenden Untemehmen erfaßt. Mehr als 50% aller Angestellten der 15 größten im Ausland in vestierenden Unternehmen --mit Ausnahme von Volvo und ASEA-- sind außerhalb von Schweden beschäftigt. Und diese Entwicklung geht nicht einher mit einer Steigerung der Beschäftigungszahl in Schweden, Im Gegenteil. Die Zahl der Industriearbeiter hat abgenommen. Im Zeitraum von 1970-73 ist die Gesamtzahl an Arbeitsstunden in der Fertigungsindustrie um 5% gesunken. Diesem Trend wurde durch eine Steigerung der Produktivität entgegengearbeitet, aber diese war wesentlich niedriger als die Produktivitätssteigerung in der Mitte und zu Ende der 60er Jahre. Zweitens sind die Bedingungen für eine Expansion des Exports auf dem Weltmarkt weit überschatzt worden. Die gegenwärtige intemationale Rezession wird genauso emst genommen, wie eine "normaren viel langsamere Expansion des Welthandels und die daraus folgende Verschärfung der inter-imperialistischen Konkurrenz werden sich auf den Export sowohl der traditionellen Produkte, als auch der spezialisierten Metallwaren und Maschinen auswirken und lassen einen rasch expandierenden Export wenig wahrscheinlich erscheinen. Drittens wird die Möglichkeit, das Wachstum der Importe niedriger zu halten, und so die Zahlungsbilanz wieder auszugleichen, untergraben durch die rasch steigende Zahl der Beschäftigten in nicht-produktiven sektoren, vor allem im sogenannten Offentlichen Dienst. Die Zahl der beim Staat und den Gemeinden Beschäftigten ist zwischen 1960 und 1970 um 74% gestieren (von 420.000 auf 736.000): das jährliche Nachstum lag in den 70er Jahren bisher be 43.000. Dies ist zu vergleichen mit der abnehmenden Zahl von Beschäftigten in der Fertigungsindustrie (ca. 70.000 von 1965-73) und in der Bauindustrie faute diese tendenz Jedem Fail in der Wachstums- Offensichtlich rate der Importe von Konsumgüter entgegen; dieser kann nur durch einen direkten Angriff auf den realen Lebensstandard der Arbeiterklasse erreicht werden.

Somit ist die angemessene Prognose die, daß die "Pläne" für die Kapitalisten wiederum versagen werden. Dafür wird es eine ständig steigende Aushöhlung der Stärke des schwedischen Kapitalismus geben. Weder die Perspektive eines rasch steigenden Exports und einer Stärkung der Konkurrenz fähigkeit der schwedischen Untemehmen auf dem Weltmarkt, noch die Perspektive, die Arbeiterklasse eine viel langsamere Anhebung des Lebensstandards schlucken zu lassen haben eine Chance, verwirklicht zu werden.

Der sehr langsame Fortschritt in der Industrieproduktion und in den neuen produktiven Investitionen sowie die Perspektive eines langsamen Wiederaufschwungs in den kommenden sechs Monaten werden bewirken, daß die Spritzen der Regierung und ihr Hilfsprogramm für die schwedische Industrie unzureichend sind. Die Arbeitslosenzahl wird im nächsten halben Jahr rasch ansteigen, besonders in der Metall- und der Maschinenbau-Industrie. Der einzige Sektor, für den es in unmittelbarer Zukunft eine Chance für eine relativ rasche steigerung der Exporte gibt, ist die Holzindustrie, da auf dem ausländischen Markt die Bauindustrie sich wieder belebt. Aber dies wird in keinem Fall den gegenwärtigen Trend der Wirtschaft insresamt andern. Die Talsohle der Rezession in Schweden muß erst noch erreicht werden. 27°

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1. Die Krise

DIE KRISE DER PROFITE

Die geläufigen Indikatoren der wirtschaftlichen Krise des britischen Imperialismus sind sehr ein- Die Inflation ist auf 26% gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen beträgt 1.125.000 (o); das Zahlungsbilanzde fizit belief sich im letzten Jahr auf 3.660 Mio. b und wird dieses Jahr 1.500-2.000 Mio. betragen. Im Vergleich zu seinen größten westeuropaischen Konkurrenten stellt sich die Situation des britischen Imperialismus folgendermaßen dar (Daten vom November): Industrie- Preise Arbeits- Außen- Produktion losigkeit handel (a) (in %des Imports)

BRD +3% + 4,3% 5,0% 115,0% Frankreich -2% +10,0% 5,0% 85, 0% Italien -8% + 8,0% 5,8% 101,0% Großbritann. -5% +13,0% 4,4% 85, 0% (a) Die Zahlen sind nicht völlig vergleichbar, da ihre Berechnungsbasis verschieden ist. ALAN JONES

ENGLAND

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