aur krisenbasis P. SALAMA & A. LIND
Verschlechterung der wirtschaftlíchen und politischen Lage vorzubereiten. Weil das Kapital derzeit in einer so schweren Krise steckt --auch wenn ihre ersten Anzeichen noch schwach sind, auch wenn sich in den kommenden Monaten ein leichter Wiederaufschwung abzeichnet-- deswemit Hilfe derer der tendenzielle Fall der nun er tikels nachweisen. Weil diese Krise keine vorükommt der Intervention des Staase zu nutzen, um umzustrukturieren, die Ausbeutungsrate zu steigem und die Profitrate so anzuheben, daß die Reproduktionsbedingungen des kapitalistischen Systems als solchen dauerhaft gewährleistet sind. hen konjunkturbe lebungsplan zu erstellen. dem Dringendsten abzuhelfen und ei-
Man könnte - spaßeshalber- die falschen wirtschaftlichen Prognosen derer zitieren gieren. Interessanter sind die Feststellungen des Wirtschaftsjournals "L Economique "Die Leistungen Frankreichs 1974 (auf dem Niveau der Rentabilität der Unternehmen)
als die letzten Zuckunpestimistsche inte a Best tigen , Vom Des Die Daten, die für das erste vember 1975, S.91). Beunruhigender sind auch die letzten Erläuterungen von Ceyrac, dem Präsidenten des Unternehmerverbandes, in derselben Nummer dieser Zeitschrift: "Europa erleidet heute einen Schock nach dem andern. Ein Boxer, der Schlag für Schlag einsteckt, ohne zu parieren, hält keine 15 Runden durch. Wir müssen die Probleme also geschlossen wieder in Angriff nehmen. Das wird nicht sehr sanft und nicht ohne politische Konfrontation vor sich gehen. " (S.91). Der Eintritt Frankreichs in die EWG 1959 gebot dem Kapital tietgreitende Veränderungen, . die nur ein Bonaparte (De Gaulle) einer widerwilligen Arbeiterklasse aufzwingen konnte. Parallel zur Verlängering der Arbeitswoche (der Höhepunkt wurde 1963 mit 47,2 Arbeitsstunden pro Woche erreicht wurde die organische Zusammensetzung des Kapitals stark angehoben. Dies läßt sich ablesen an der Pro-Kopf-Steigerung des fixen Brutto-Produktiv- Kapitals. Letzteres stieg zwischen 1950 und 1957 dann von 1957 bis 1964 um : schließlich auf 7% von fixe Brutto-Produktivkapital pro Kopf also doppelt so schnell als im Zeitraum von 1950 bis 1957! se beschleunigte Steigerung der organischen Zusammensetzung des Kapitals ist begründet in der wachsenden Notwendigkeit für den Kapitalisten, im intemationalen Maßstab konkurrenzfähig zu bleiben und daher die Kosten zu senken. Jedoch schlägt das Wachstum der organischen Zusammensetzung des Kapitals sehr bald um und Wirkung nimmt zusehends ab."
Die "Produktivität des Kapitals" --d.h.das Verhältnis zwischen der Gesamtproduktion und dem eingesetzten Kapital-- fängt rasch an zu sinken. steigt noch um jährlich 0,7% zwischen 1957 und 1964, sie sinkt um 1% jährlich zwischen 1964 und 1973. (Tab.1). Natürlich ist es je nach DIE KRISE KOMMT VON LANGER HAND
Die INSEE*hat vor kurzem mehrere Studien verfaßt, die ein neues licht werfen auf die Entwickung hrer wicabigsten Sektoren im einzelanz, 5owie auf die wesentli chen Anderungen im Produktionsapparat seit 10 Jahren (1). Diese Studien erklären und untermauern die weiter oben von uns erstellte Diagnose. Es handelt sich um eine typische Krise der Überakkumulation von Kapital, wie man sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat. Unter der Einwirkung mehrerer Faktoren sinkt die Profitrate: die organische Zusammensetzung des Kapitals steigt stark an, die Verschuldung, und damit die finanzielle Belastung der Untemehmen, nimmt in drückendem Maße zu, die jüngste Neuverteilung der Gewinne zwischen Kapital und Arbeit zugunsten der Arbeiter drückt die Ausbeutungsrate gezwungenermaßen heruner (2). Díe Senkung der Profitrate führt dazu, immer größere Anteile von fixem Kapital auf Eis gelegt oder zerstört werden(Einschränkung der Pro- duktionskapazität, zahlreiche Konkurse), daß die Arbeitslosigkeit wächst und die Arbeitskraft zu entwerten versucht wird.
*INSEE - Nationales Institut fur Statistik und Wirtschaftsstudien
Sektor unterschiedlich, ob sie steigt oder sinkt und in welchem Maß. Aber insgesamt zeugt diese Entwicklung von den zunehmenden Schwierigkeiten, die dem Kapital bei seiner Profitsuche begegnen. In der Tat, wenn parallel zur Steigering der organischen Zusammensetzung des Kapitals die Produktivität der Arbeit pro Arbeitssan lich in der Periode von 1961-67 aut 5, 7% jahrlich de zunehmend wächst --sie steigt von 4 zwischen 1967 und 1971--, so ist die Summe aus dieser Entwicklung zusammen mit dem Sinken der "Produktivität des Kapitals" in ihrer Auswirkung insgesamt immer negativer. Die jährliche Wachstumsrate der "zusammengenommenen Produktivität von Arbeit und Kapita 1" sinkt von 3, 9% zwischen 1957 und 1964 auf 3% zwischen 1964 und 1973. Das beschleunigte Wachstum der organischen Zusammensetzung des Kapitals zeitigt somit Folgen, die den Hoffnungen der Kapitalisten geradeweg: zuwiderlaufen. Die Leistungsstärke der Produktior sinkt, was den Autor der oben zitierten Studie zu folgendem Ausspruch bewegt: "Alles scheint so abgelaufen zu sein, daß im Durchschnitt zusätzliche Investitionsleistungen im Vergleich zu den früheren Jahren keinen auch noch so beiläufigen Nutzen für die Produktivitätssteigerung erbracht haben" • (Sautter, S.10).
Man muß sich hüten, Leistungsstärke mit Profitrate zu verwechseln. Aber die Senkung der einen bringt wachsende Probleme bei der Behandlung ler andem mit sich. Die Profitrate ist bedroht veil sich eine Überakkumulation immer deutlicher abzeichnet.
AUSWIRKUNGEN AUF DIE PROFITRATE stellt das Jahr 1964 eine Wende dar. Aser die Brutto- der 'Produktivität des Kapitals" Linsen des Kapitaleinkommens beginnen erst ab 1969 zu sinken (Tab.2). Von 1964 bis 1969 arbeiten 2 Faktoren dem Fall der "Produktivität des Ka- Pitals" h.einer negativen Wirkung auf die Zin- --der von 1968 bis 1969 unterbrochen war stecken und damit die soziale Ungleichheit und die Ausdeutungsrate zu verscharten. andererseits so die Preise zu beeinflußen, daß die Preise der Waren, die sie produzieren, schneller steigen als die Preise der Produktionsmittel. (LaD.4)
Der Fall der Zinsen des Kapitaleinkommens von 1969 ab ist daher Ergebnis der negativen Wirkung des beschleunigten Wachstums der organischen Zusammensetzung des Kapitals seit 1964 und der Erschöpfung der beiden obengenannten positív ent- Einerseits wird es für sich einen wachsen- Kapital und Arbeit zu sichem. Diese Aufteilung reht immer mehr zu Lasten der Kapitalisten (5), -- und das ist das Ergebnis vom Mai 68 unc der gesteigerten Kampfbereitschaft der Arbeiter- Klasse. Die Steigering der Ausbeutungsrate wird also gebremst durch den Widerstand der Arbeiter und stellt kein ausreichendes Mittel mehr dar, den negativen Wirkungen der gesteigerten organischen Zusammensetzung des Kapitals entgegenzuarbeiten. Andererseits reicht der relative Anstieg der Warenpreise im Verhältnis zu den Preisen der Produktionsmittel als ausgleichender Faktor nicht mehr aus. Die positive Wirkung der beiden Faktoren ist erschöpft. Die Bruttozinsen des Kapitals fallen daher seit 1969. Das bringt vermehrte Schwierigkeiten für das Kapital mit sich, die sich heute in der offenen Krise ausdrücken.
Andererseits muß man hervorheben, daß die Bemühungen um Modemisierungen die Kapitalisten dazu verleitet haben, in größerem Maßstab Schul den aufzunehmen. (6) Der Anteil an Eigenfinandie Verschuldung wächst. Laut duktionseinheit wachsen und grenzen somit die Möglichkeiten der Eigenfinanzierung ein; damit wird den kleinen Unternehmern --und dengroßen Untemehmen in einigen Bereichen-- die Kapitalreproduktion erschwert (7).
Man versteht nun, warum der Staat sich zum Ziel resetzt hat, die Lasten auf den Untemehmerproitraten zu minder, indem er die Steuerlasten er leichtert und größerer Subventionen gewährt (Tab Die verschiedenen Steuermaßnahmen einanderfolgenden Regierungen ergriffen haben …- darınter fallt auch die Pauschalbesteuerung der Löhne 1968-- haben bewirkt, daß die Steuerlasten pro Produktionseinheit in fast allen Sektoren ge fallen sind. Man versteht dann auch, warum der Staat versucht hat, in den Verteilungskampf zwischen Lohn und Profit einzugreifen --und daindem er durch 1974, bei Renault usw.).
ZUSAMMENFASSEND
Es lassen sich mehrere Indikatoren berechnen für nach dem, was sie das "reale Surplus" der nichtlandwirtschaftlichen Unternehmen nennt (Tab.3) (8). Dieser Index ist im Fallen begriffen. Das reale Surplus erfährt eine vierfache Verwendung (Tab.4). Zunächst dient es dazu, die Steider Löhne in einem Jahr und den Schwankungen der Lohnmasse zu zahlen, die der Erhöhung des Beschäftigungsstandes geschuldet ist; dann werden daraus die Nettosteuern ohne die Subventionen finanziert und die verschiedenen Schuldlasten; schließlich stellt der Rest das Nettoeinkommen des Kapitals dar (Zinsen, Dividenden, Brittersparnisse der Gesellschaften).
Kraft steigen, die die Nettesteuem dine Subven- daß die Kosten der Arbeitskraft steigen, tionen abnehmen (mit Ausnahme von 1972), daß das Nettoeinkommen des Kapitals von 1969-70 an sinkt.
Aus diesen Indikatoren lassen sich mehrere Rentabilitätsraten folgem. Es reicht, das Nettoe in kommen des Kapitals --mit oder ohne Steuern-- in den Zähler und das fixe Netto-Produktivkapital in den Nenner zu setzen. Man stellt dann fest, daß die reale Rentabilitätsrate vor der Besteuerung (zum Preis von 1959) seit 1964 sinkt, daß dieselbe Rentabilitätsrate nach Besteuerung aber erst seit 1969-70 sinkt.
Die unterschiedliche Entwicklung dieser beiden "Profitraten" von 1964 bis 1969-70 zeigt die Wirksamkeit der Regierungspolitik in Bezug aut seiner iN teil politieren e den viel, n aber auch ihre Grenzen. wie es auch die Steuerherabsetzung im Konjunkturbelebungsplan von 1975 bestätigt.
In dem Maße, in dem die staatliche Intervention immer stärker se le ktiv ist, ist es von interesse, kurz eine Analyse der Entwicklung der nomina len Rentabilität und der Leistungsstärke in jedem Sektor anzureißen, Die nominale Rentabilitätsrate berücksichtigt die Entwicklung der Preise, sostungsstärke ("Produktivität von Kapital und Arbeit") über dem Durchschnitt. Diese Sektoren sind: Automobilin dustrie, Maschinenbau chemische Industrie, Elektroindustrie, Bekleidungsindustrie (9). Diese 5 Sektoren sind diejenigen, die das größte Wachstum erlebt, am stärksten den Export entwickelt, die höchsten Preise erzielt und trotz der Steigerung der organischen Zusammensetzung ihres Kapitals am meisten Arbeitsplätze geschaffen haben.
Diese 5 Sektoren stellen den Motor der Wirtschaft dar. Die Krise trifft heute alle Bereiche der Wirtschaft, aber schließlich wird sie las relative Gewicht dieser 5 Sektoren starken inerseits dank des Krisenprozeßes selbst (nur di Stärksten können ihr widerstehen oder zumindest
FRANKREICH sich schneller erholen, als die andem und sich von der Krise selbst nähren), andererseits dank der staatlichen Intervention.
DIE KRISE UND DIE POLITIK DES STAATES Die Überakkumulationskrise des Kapitals, die seit mehreren Jahren verborgen, seit kurzem aber offen ausgebrochen ist, erfordert eine zunehmende qualitative wie quantitative Intervention des staatsapparats in den Wirtschaftsprozeß. Die Krise spiegelt von Grund auf die besonders davon ab, was er sich politisch leisten Garant der Reproduktion der Produktionsverhaltnisse kann. Als "ideller Gesamtkapitalist" muß der Staat den einen Sektor auf Kosten des andem fördern (10). Daher seine Sanierungsmaßnahmen und die vielen Konkurse, die sie begleiten. Durch diese seine Funktion, ein Kapital auf Kosten anderer Kapitalien auzuwerten, schmälert sich seine soziale Basis, und zumal sie noch die Arbeiterbewegung trifft, ist sie dazu angetan, ihre Entschlossenheit und ihren Kampfwillen herauszuforder. Die Schmälerung der sozialen Basis, die Verschärfung der Klassenkäm- ›fe erklären. warum der Staat versucht, sich einen legalen und illegalen Repressionsapparat zuzulegen: sie erklaren seine Schwierigkeit, auf ökonomischer Ebene klare Entscheidungen zu treffen, und damit seine lavierende Politik.
BIS ZUM KONJUNKTURBELEBUNGSPLAN
VOM SEPTEMBER 75 Vor der Erstellung des Konjunkturbelebungsplans bestand die Politik des französischen Staates darin, einerseits die Inflation zu bremsen (durch Kreditbeschränkungen), um die französischen Unternehmen nicht in ihrer Konkurrenzfähigkeit zu beeinträchtigen, andererseits eine Ausweitung der Arbeitslosigkeit zuzulassen. Unter dieser Politik haben am meisten die Untemehmen gelitten, deren nominale Rentabilität am niedrigsten war. In den 10 Monaten von 1975 ist die Anzahl der Konkurse und der gerichtlichen Vergleichsverfahren im Vergleich zur gleichen Vorjahresperiod um 27,8% gestiegen ! Diese Politik sollte die• treibenden Wirtschaftszweige stärken. Ihre Funktion war, die von den Untemehmen ausgeschüttete Lohnmasse zu verringern und so ihre schon sehr mitgenommenen Rentabilitätsbedingungen zu verbessem. Einerseits förderte der Staat die Arbeitslosigkeit (durch zahlreiche Gesetze, die die Untemehmen dazu anhielten, die Arbeitsbedingungen rationeller zu gestalten und Entlassungen vorzunehmen), andererseits veranlaßte der Staat die Untemehmer, den Forderungen der Arbeiter nicht nachzugeben und gab hierfür durch seine eigene Lohnpolitik im öffentlichen und verder Verringerung der Lohnmasse (durch Arbeitslosigkeit und Lohnsenkung) wurde eine Politik der der treibenden Wirtschafts- Eine solche Politik, die darauf abzielte, nur selektiv die Profitrate in einigen Wirtschaftszweigen anzuheben und teilweise das Kapital in andern Sektoren zu zerstören, mußte sehr bald, polilisch wie ökonomisch, an ihre Grenzen stoßen.
Die Drosselung der Nachfrage durch mäßiges Wachstum der Lohnmasse und Verstärkung der Spartätigkeit (11) mußten --im Zusammenhang einer weltweiten Rezession-- sehr bald dazu fuhren, daß die überschüssige Produktionskapazität anstieg, Lind die se den erhierte Rentableollen die schon erschwerten Rentabilitätsbedingungen in der Fertigungsindustrie von dauerhaften und nicht dauerhaften Konsumgütem noch verschlimmert wurden. Der fehlende Ausweg guter Exportmöglichkeiten (wegen der westdeutschen Rezession), sammen mit schweren Finanzlasten (Verschuldungen) und der beträchtlich angewachsenen überschüssigen Produktionskapazität veranlaßten die Kapitalisten zen, womit sie die Krise tumorantl- zen, womit sie Krise nur vorantrieben und verschärften litischer Ebene stellten die Verschlechterung dei Auf sozialer und po- Arbeits- und Lohnbedingungen der Arbeiterklasse, das schwindelerregen de Anwachsen der Arbeitslosenzan Eindringen der revolutionären Marxisten in die die standige Kamptbereitschaft der Arbeiter, Fabriken und die Verbreitung ihrer Losungen sehr bald eine reale Gefahr für die Regierung dar. Diese beiden Faktoren: die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und die drohenden politischen und sozialen Gefahren erklären den späten, aber vorbeugenden Schwenk von Giscard.
KONJUNKTURBELEBUNGSPLAN UND
AUF SCHWUNG
Die französische Wirtschaftskonjunktur is t seit dem Sommer in eine Phase der Stabilisierung getreten. Die Krise scheint wieder festen Boden unter den Füßen gewonnen zu haben. Die Grundlage ist dünn, da der Index für die Industrieproduktion im August 1975 um 14,71% niedriger lag, als im August 1974. Die brachliegenden Produktionskapazitäten betragen je nach Wirtschaftszweig 20 bis 40%. Das Volumen der produktiven Investitionen ist im Gesamtjahı 1975 um 8 bis 10% steigerungen verlangsamte sich (+0, 7% im August, +0,8% im September, +0,8% im Oktober). Der Kon junkturbelebungsplan wird die Prioritäten umdrehen. Das offizielle Ziel ist das, die Krise zu überwinden, das Ansteigen der Arbeitslosigkeit rikanischen Konjunkturbelebungsplänen fördert der französische Plan nicht schwerpunktmäßig die Ankurbelung der Nachfrage, sonder macht sich zur Aufgabe, den von der Krise am stärksten betroffenen Untemehmen eine Sauerstoffspritze zu verabreichen: der Bauindustrie, den öffentlichen Arbeiten, deren sigu gesinten werden durch ver lese te re- -ditbedingungen. Die Staatsaufträge und die großen öffentlichen Arbeiten beziffem sich somit auf 15 Mrd. da sie nur die Untemehmen betreffen, die mit Gewinn abgeschlossen haben, d.h. die größten Untemehmen; sie nützen daher den "lahmen Enten" , die von der Krise betroffen wurden, nichts.
Die Wirkung des Konjunkturbelebungsplans kann sich nicht sofort zeigen und sie kann überdies nur schwach sein. Der Unterstützung für den Verbrauch der Haushalte (5Mrd), dem billigeren Verbraucherkredit werden die Spitze abgebrochen durch das Anwachsen der vorbeugenden Spartätigkeit. Darin zeiat sich die Furcht der Arbeiter vor der Arbeitslo-
sigkeit und das erklärt auch, warum der Konjunkturbelebungsplan in der BRD nur so schwache Wirkung zeigt. Die großen öffentlichen Arbeltsprogramme verden sich erst gegen Februar-März auf den Aufschwung der Wirtschaftstätigkeit auswirken. Die Übertragung der Untemehmersteuern ist nicht dazu angetan, die Rentabilität der Unternehmen ausreichend zu verbessem, umso weniger, als die innere und äußere Nachfrage nur schwach ansteigt, mit Ausnahme einiger Sektoren (Automobilindustrie, Haushaltsgeräte). (12) Man kann also daraus schließen, daß die erwartete Steigerung der Investitionen nur schwach sein kann, und daß die Kapitalisten es vorziehen werden, zunächst ihte brachliegenden Produktionskapazitäten auszuschöpfen. Man kann auch daraus schließen, daß die Arbeitslosigkeit, autgetangen zu werden, weiter steigt und sich dann mehrere Monate lang auf einem hohen Niveau halten wird. Andererseits wird die Notwendigkeit, Gewinnmargen wieder zu testigen, die Unternehmer wahrscheinfich dazu veranlassen, ihre Preise zu erlöhen. Eine, wenn auch leichte, Beschleunigung der Inflation wird aber wieder an der Konkurrenz fähig; keit der Betriebe nagen zu einer Stunde, wo gerade ein beginnender Wiederaufschwung die Importe wieder aufblähen wird.
Im großen und ganzen wird der Konjunkturbelebungsplan auf einefür das Kapital noch zu ungesunde wirtschaftliche Lage gepfropft. Daher erklärt sich, warum er wahrscheinlích wenig wirksam sein wird, Weil die Profitrate sinkt aus den Gründen, die wir weiter oben genannt haben, wird der Aufschwung nur mäßig und von kurzer Dauer sein. In diesem Sinn sind der Kon junkturbelebungsplan wie auch die verschiedenen Maßnahmen, die zuvor auf der Ebene der Löhne und auf der der Untemehmersubventionen (Citroen) ergriffen wurden, nur Indizien der künftigen Regierungspolitik. Die Krise kommt von langer Hand. Sie zu überwinden verlangt, daß über die gewährten Steuererleichterungen und die Subventionen an die Unternehmer hinaus eine teilweise Zerstörung des Kapitals und eine Entwertung der Arbeitskraft stattfinden kann. Es wird für das Kapital immer wichtiger, schnell die Mittel und Wege zu finden, die Ausbeutungsrate genügend 30. November 1975 (1) Die Studien der INSEE sind unter mehr als einem Gesichtspunkt nützlich, wenn auch die Indikatoren, die sie benutzt, denen der Marxisten nicht entsprechen. Man darf nicht vergessen, daß die Bourgeoisie, wenn sie auch Zahlen braucht, um die Arbeiterklasse zu täuschen (z. B. den Preisindex), sie diese ehen falls benötigt, um sich ein Bild von der Wirklichkeit zu machen, sei es auch nur, um diese zu beeinflußen.
(2) Die Profitrate ist das Verhältnis zwischen dem Mehrwert (m) und dem variablen Kapital (v) plus dem konstanten Kapital (c) : m/c+v. Die Ausbeutungsrate (Mehrwertrate) ist :m/v; die organische Zusammensetzung des Kapitals : c/v.
(3) s. "L'efficacite et la rentabilite de l'écono- Eco. et Stat. Serie E. Juni 10, Ch. Sautter, mie francaise de 1954 à 1974" (4) Die Produktivität des Kapitals" steigt spürbar von 1968 bis 1969. Zwar bewirkt die --in den Verträgen von Grenelle beschlossene-- Lohnerhöhung eine Steigerung der Preise und wirkt sich negativ auf die Protitrate aus, aber sie bewirkt gleichzeitig eine intensivere Nutzung des Kapitals, das vorher brach gelegen hatte (die überschüssigen Kapazitäten), und wirkt sich daher po- "Produktivität des Kapitals" aus. eine für die halten, obwohl diese letztlich aus dem Mehr wert bezahlt werden (s.dazu den Artikel von Langson in Inprekorr vom Juli 1975 und unser Buch: Prozeß der Unterentwicklung"
seits veranlaßt, sich Lohnerhöhungen zu wider- setzen, andererseits ihre Firmen zu "entschlacken" in dem'sie die Kosten der unproduktiven Arbeiter auf ein Mindestmaß reduzieren.
(6) Die verschiedenen Krediterleichterungen über niedrige Zinssätze stellen für die Kapitalisten bei gleichzeitiger Preissteigerung ein Mittel dar die Produktionsmittel billiger zu bekommen und so die Profitrate wieder anzuheben. Andersherum die Geld leihen (über Bin on di ten le te rei gegen 2 nicht: die ausgeschütteten Zins- (7) Die Anleihen wirken sich zunächst, angesichts der Inflation, positiv auf die Profitrate aus. Aber langfristig, und wegen der ständig steigenden Verschuldung werden sie sich negativ auf die Nettoprofitrate auswirken. So ist in den USA die Verschuldung der Untemehmen im Verhältnis zu den bereinigten Netto-Gewinnen von 1969 bis 1974 um 2 mal, von 1972 bis 1974 um 1.7 mal soviel gestiegen (Ihe 'alling share of profits. Brooking papers on Economic activity, No.1).
(8) Das reale Surplus erhält man folgendermaßen: man zieht vom zugesetzten Bruttowert (in FF von 1959) die Kosten 1959 und die"Kosten der Erneuerung der Arbeitskraft gleich der Stärke der Arbeitskraft von einem ausgedrückt in den Durchschnittskosten in FF von 1959 -- eines Beschäftigten im Vorjahr' Für weitere Einzelheiten vgl. Sautter, op.cit. (9) Sieben Sektoren dagegen haben eine Rentabi- die unter dem Durchstate baumstal et ce de Pape die Texindustrie.
(10) zu Einzelheiten über die Intervention des Staates in der Krisenperiode kann man nur die Artikelsammlung empfehlen: "L'Etat contemporain et le Marxisme "in: Critique de 1' Economie (1) Die Einkommenspolitik der Regierung hat bei den Kapitalisten keinerlei Erfolg gehabt. haben reale Lohnerhöhungen bewilligt, was den Grad der Kampfbereitschäft der Arbeiterklasse widerspiegelt. Das erklärt, warum die Lohnmasse leicht gestiegen ist.
12) Der Index für den Automobilbausteigt in den Monaten Juni-Juli-August um4,9. Der Wiederautschwung in diesem Sektor müßte anhalten, aber er geht von einem geringen Produktionsniveau aus. Dagegen hat die Tendenz zum Wiederaufschwung im Oktober weder den Werkzeugmaschinensektor, noch die chemische Industrie erfaßt. Ein leichter technischer Wiederaufschwung scheint sich in der Eisen industrie durchzusetzen.
ZENTRALAMERIKA
Jede Analyse der Auswirkungen der kapitalistischen Rezession auf die wirtschaftliche Situation in Zentralamerika muß ansetzen an der Analyse der Veran derungen, die durch den Mercado Común Centroamericano (MCCA - Gemeinsamer Markt Zentralamerikas) in der Produktivitätsstruktur der Region hervorgeruten wurde. Diese Veränderungen Können grundlegend zusammengefaßt werden in der Tatdaß seit 196o in Zentralamerika eir wirtschaftliches Wachstum zu verzeichnen ist das auf einer horizontalen Erweiterung des Marktes beruht (die "Integration" der funf Länder): dies erlaubte es, daß die imperialistischen Investitionen vorzugsweise in dem Sektor der herstellenden Industrie getätigt wurden.
Seit 1960 (dem Jahr, in dem Guatemala, El unterzeichneten und dem auch Costa Rica sich 1962 Treaty of Central America con den terrain anschloß) übersteigt die Zuwachsrate des Bruttosozialprodukts (BSP) für den industriellen Sektor bei weitem die Zuwachsrate des BSP insgesamt. Zwischen 1960 und 1968 stieg das BSP für den industriellen Sektor jährlich um durchschnittlich Von durchschittlich 6, 9% im Jahr zu verzeichnen während beim gesamten BSP nur ein Zuwachs war, 1960 betrug der Anteil des industriellen BSP am Gesamtbruttosozialprodukt 13,2%; 1970 war der Anteil auf 17% gestiegen. Jedoch hatte dieses industrielle Wachstum weder eine Stukturveracnderung der Zentralamerikanischen Okonomie klassischen Effekte hervor von denender Indus- noch brachte es irgendeinen der trialisierungsprozess in den imperialistischen Ländem in der Vergangenheit begleitet war. Außerdem verbergen die Gesamtberechnungen die extrem ungleichen Zustände der verschiedenen Länder der Region.
UMORIENTIERUNG DER IMPERIALISTISCHEN INVESTITIONEN
Das Hauptcharakteristikum des neuerlichen Eindringens von großen imperialistischen Trusts in Lateinamerika ist die teilweise Aufgabe von Investitionen im Bereich der Rohmaterialproduktion der bisher bevorzugtes Investitionsterrain war, und die Bevorzugung des industriellen Sektors. Diese übergreifende Erscheinung ist auch mit in Zentralamerika zu beobachten, wenn auch mit gewissen Besonderheiten.
1959 waren nur 3,8% aller ausländischen Investitionen in der verarbeitenden Industrie: Von der der ausländischen Unternehmens ilen. Von dem 572 ausländischen Unternehmern, in der Region investierten waren 430 - das sind 72% - mehrheitlich von nordamerikanischem Kapital kontrolliert.
Die Tendenz in der verarbeitenden Industrie zu investieren entspricht nicht nur den ökonomischen Interessen eines großen Sektors der imperialistischer Bourgeoisie, sondern ist für den Imperialismus auch von politischem Interesse. Der Aufschwung der Klassenkämpfe unter dem Eindruck des Sieges der kubanischen Revolution machte es erforderlich, Versuche zu unternehmen, um die sozialen Kapira unter dem ener zu adeptenden besche mantel der "Entwicklung" zu präsentieren. 1960 empfahl die "Carta de Punta del Este" die Anwendung von "umfassenden Plänen zur Agrarreform" , und erklärte ausdrücklich, daß diese Schritte zur politischen Stabilität beitragen könnten.
Außerdem gab es Versuche, "den wirtschaftlichen Wachstum durch Schaffung neuer Normen von Investition und Konsumtion " zu stimulieren.
INTEGRATION DER ELITEN
Trotzdem warf die "Modernisierung" der zentralamerikanischen Wirtschaft entlang der imperialistischen Interessen nicht einmal die Frage einer Reform im Agrarsektor auf. Eswurde der Versuch gemacht, die zentrale Frage des Marktes indem man eine Freihandelszone schuf, die durch einen allgemeinen Zolltarif geschützt wurde, und die einfach die dünnen Schichten der Konsumenten. von Indusdrieprodukten, die schon in jedem der fünf Länder bestanden verband. In Zentralamerika sind mehr als 60% der arbeitenden evölkerung in der Landwirtschaft beschättigt. Der landwirtschaftliche Sektor ist beherrscht durch das Problem der Latifundien (Großgrundbesitz) einerseits und der Minifundien (Kleine landwirtschaftliche Güter) andererseits, Während 80% der Landbevölkerung sich aus Landarbeitem und "minifundistas" zusammensetzt und nur 41, J% des gesamten Einkommens erhält, sind 56 , 8% dieser Ein künfte auf 5,3% der Großgrundbesitzer konzentriert. Im Jahre 1970 schwankte das Pro-Kopf-Ein kommen bei Landarbeiter und Kleinbauern zwischen 62 und 190 Dollar jährlich.
Obwohl diese kurze Beschreibung nur die Lage der Landarbeiter beschreibt, reicht sie aus um einen Eindruck von der "Tiefe"einer vermeintlichen wirtschaftlichen Integration, die mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung Zentralamerikas überging, zu vermitteln.
"Als eine ökonomische Einheit betrachtet, bleibt die MCCA ein Markt der beschränkten Dimensionen. Tatsächlich reichen einige kleine Unternehmen, oft ein einziges, dazu aus, die gesamte zentral amerikanische Nachfrage zu befriedigen.. Dies erleichtert den Unternehmen Kartellvereinbarungen, eine bewußte Aufteilung des das Festsetzen der Preise, Bestimmung Schätzung der Anzahl von möglichen Konsumenten von Fabrikerzeugnissen für ganz Zentralamerika 3 Mio. ergeben. (2) Die Gesamtbevölkerung Zentralamerikas betrug 1970 15 Millionen. Zusammengefaßt erlaubten die Möglichkeiten, die durch den MCCA eröffnet wurden, lediglich einen Stürmischen Zuwachs an Unternehmen der eichtin dustrie und einfacher Halbtertigproduktion, lie in vielen Fällen gerade eben über das stadium der rein handwerklichen Pred sektoralen Zusam- Dies spiegelt sich klar in der sektoralen mensetzung der Industrieproduktion wieder. 1970 war ungefähr 76, 2% der "Industrie" auf dem "traditionellen "Sektor konzentriert; 16, 0% im Sektor der "Halbfertigproduktion" und 7,8% in der "Metall- und Maschinenproduktion"(3) IMPORTE ERHÖHEN, UM SIE VERMINDERN ZU KÖNNEN
Montage- und Verpackungsarbeiten, als vorherrschende "Industrie" in Zentralamerika, machen nicht nur die Einfuhr von Investionsgüter, sondern auch von einem hohen Prozent- Statistik von 1968 war der Anteil an Rohmaterial- satz an Rohmaterial notwendig.Nach einer importen für den traditionellen Sektor (D.h. Importe aus Ländem außerhalb der Region) 45,8%; für die Industrie von Halbfertigprodukten 67,5% und für den Sektor der Metall- und Maschinenproduktion 91,0%. Nach den reststellungen der Vereinten Nationen betrugen die daß im Laufe dieser Jahre die zentralamerikanischen Länder nöhere Importquoten pro Einwohner hatten, als lie restlichen Länder Lateinamerikas oder die Länder Afrikas und Südostasiens. Und dies mitten in der Periode der "Importsubstitution". Nach den Verteidigern des MCCA jedoch hat der gemeinsame Markt die Aufgabe die zentralamerikanischen Exporte zu beleben. Mit diesem Argument wollen sie den übertriebenen Anstieg dei "produtiven" Importe rechtfertigen. In Wirklichkeit jedoch ist das genaue Gegenteil der Fall.
Die zentralamerikanische Industrie ist nicht konkurrenzfähig genug, um in Märkte außerhalb ihres Gebietes eindringen zu können. Der Zuwachs im Anteil an Fertigprodukten an dem gesamten zentralamerikanischen Export von Industriegütern wurde nicht in die Rechnung miteinbezogen. Während die ersteren auf den internationalen Markt gelangen, sind die letztgenannten auf den zentralamerikanischen Bereich beschränkt, das bedeutet, daß nur die traditionellen Exporte Devisen einbringen; mit anderen Worten: die Zahlungsfähigkeit bei Importen hängt allein ab vom Export traditioneller Produkte, Insgesamt bleibt die Erweiterung der zentralamerikanischen Wirtschaft auch nach 15 Jahren der "substitution Weltmat eisen tir einigen distote Diese Dieser Zustand wird permanent verschärft durch die ungünstige Entwicklung der internationalen "terms of trade" die die Preise für Industrieprodukte im Vergleich zu denen für Rohstoffe stärker ansteigen lassen.
Was den Nutzen anbetrifft, der sich angeblich aus den ausländischen Investitionen ergibt, so ist in Zentralamerika eines der klassischen Phänomene erkennbar, die das Eindringen von Monopolen begleiten: Die Trusts nutzen eher die Möglichkeiten der Finanzierung im Land selbst als daß Schätzungen der Weltbank wurden 33% der Kre- sie eigenes Kapital einbringen. Nach vorsichtigen an ausvaten Banksektor verdoppelten sich die Kredite, wurden, die an sogenannte nationale Untemehmen vergeben während die für ausländische Untemehmen sich verdreifachten. Zudem werden mit zunehmender Häufigkeit von ausländischem Kapital keine neuen Investitionen mehr vorgenommen; sondern andere schon bestehende Untemehmen werden aufgekauft, Obwohl es äußerst schwierig ist, Informationen zu erhalten, wurde in einer kürzlich erschienenen Studie eine Liste von 51 guatemalischen Untemehmen veröffentlicht, die von nordamerikanischem Kapital aufgekauft wurden.(4)
Aus dem was gerade über das ausländische Kapial gesagt wurde, ergibt sich sofort das Problem ler Zahlungsbilanz. Da wir uns nicht zu lange mit einem wohlbekannten Phänomen aufhalten wollen, genügt es hier, festzustellen, daß der Nettoinvestitionsrücktluß bei lautender Zahlungsbilanz für Zentralamerika insgesamt ein Defizit ergibt: 11,7 Mio. Dollar 1960, 64,4 MIO. Dollar 1965 und 115,4 Mio. Dollar im Jahr 1970.(5)
108 + (index; 100=1959) 106- Produktivität des Kapitals 104 102 100 relative Preise des Zusatz-Werts und des Kapitals 1959 60 61 62 63 64 65 Tabelle 1 67 68 69 70 71 72 Quelle: INSEE, Series E, No. 27, Fresque historique du surplus productif, p. 63 tin % 28 - Tabelle 2 27- 24 * Anteil der Brutto-Verzinsung des fixen Kapitals 23.
14 - 1959 60 61 62 63 64 Brutto-Verzinsungsrate des Kapitals 66 67 69 70 71 72 Quelle: INSEE, Series E No. 27, Fresque historique..., P. Tabelle 3 in% des zugesetzten Wertes, zu den Prei- Entwicklung des realen 50 sen von 1959 Surplus (nicht-landwirtschaftliche Indu- 40 strie)
30- 40 1954 59 69 74 in % des realen Surplus 60 Steuern ohne Subventionen 50 - Netto-Kapital- Einkommen 20 - Steigerung der Kosten der 10 - Arbeit.
divers 1954 59 69 74 Tabelle4 Quelle: Sautter, op. cit. Verteilung des realen Surplus
- ITALIEN:— DIE PCI & ETTORE SALVINI