Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Portugal

Permanente Krise

Inprekorr Nr. 40, 7. August 1975 · S. 4-9 · 3.561 Wörter

Portugal Faschismus und Rassismus

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Die permanente Krise der Provisorischen Regierung

Die anhaltende politische Krise drückt sich heute aus in einem wirklichen Vakuum auf Regierungsebene. Seit mehr als einer Woche gibt es in Portugal keine Regierung mehr. Und alles spricht dafür, daß die funfte Provisorische Regierung, die auf diejenige folgen wird, die soeben jämmerlich zusammengebrochen ist, wieder von sehr zerbrechlicher Natur sein wird. Die Krise ist da und niemand kann sie übersehen. Aber Soares und die Führung der PS rühmen sich, diese Krise durch ihren Rücktritt aus der Regierung am 11. Juli hervor gebracht zu haben. Man müßte vielmehr sagen, daß der Rücktritt der PS, der von der Versammlung des Revo• lutionsrates am 12. Juli trocken als Scheidung registriert wurde, nur das zutage gefördert hat, was das Regime bereits seit längerer Zeit unterirdisch unterhöhlt hat. Durch ihre zögernde Haltung, ihre Kompromisse, ihre Ohnmacht hat sich die Regierung jedermann um Gegner gemacht. Die Bourgeoisie, die darüber erbittert ist, daß die MFA unter den Schlägen der Kampfkraft der Arbeiterklasse jedesmal zurückweicht, hat die reservierte Unterstützung, die sie dieser bisher gewährt hat, um zu versuchen durch sie und durch die an der Regierung beteiligten PPD und PS die Situation ein wenig in den Griff zu bekommen, jetzt zurückgezogen. Die Arbeiter sind, da sie von dieser Regierung• die sich als die ihre ausgab, erwarteten, daß sie energische Maßnahmen zur Eindämmung der Wirtschaftskrise, deren Opfer vor allem die Lohnabhängigen sind, ergreift, heute dabei, ihre Vertrauen in Mißtrauen, sogar in eine offen feindselige Opposition umzuwandeln. Die Koalitionsregierung ist zu Ende gegangen, ohne daß es von irgendeiner Seite Außerungen des Bedauerns gegeben hätte.

Bisher schien alles im von der KPP gewünschten Sinne zu verlaufen. Hat nicht noch die letzte Vollversammlung der MFA ein "Leit-Dokument" angenommen, das den von der KP verteidigten Positionen sehr nahe ist: die schrittweise Umgestaltung des bürgerlichen Staatsapparates durch die Einführung einer sorgfältig dosierten und von der MFA kanalisierten und kontrollierten "Volksbeteillgung" ? Und ist nicht der Bericht von Vasco

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Unter diesen Bedingungen müssen die revolutionären Marxisten ihre Anstrengungen vervielfachen, die demokratischen Selbstverwaltungsorgane der Arbeiter, Bauern, Soldaten und Mieter zu verallgèmeinern Gonçalves mit einer schwachen Mehrheit zwar, aber die zwei wichti dennoch mit einer Mehrheit von der Vollversammlung Prozesen betonen de cre Bedingong des sozialistischen der MFA angenommen worden und ist dieses Dokument nicht eine politische Linie, "die verpflichtend ist für besteht darin, daß man den Staatsapparat die gesamte MFA" und"die die KP voll zufriedenstellt" ? umwandeln muß, was impliziert, man aus ihm ein stabiles Instrument für Unter der Überschrift "Umwandlung des Staatsapparates die Durchsetzung der Interessen der Arund Verbindung zwischen MFA und Volk" sagte der Ge- beiter machen muß. Die zweite Bedingung neral und Premierminister: " Es ist an der Zeit, besteht darin, daß man unabhängige

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Volksmachtorgane der Parteien, die sich auf die direkte Demokratie stützen, schafft, und die eine Dynamisierung und eine Kontrolle über den sich in Umwandlung befindlichen Staatsapparat ausüben können. Die Verbindung zwischen MFA und Volk wird es erlauben, wenn sie gut verstanden und gut in die Praxis umgesetzt wird, daß auch diese zweite Bebehauptet, das Vasco Gonçalves Mitglied der KPF verwirklicht werden kann. " Man seit 1965 sei; jedenfalls hat er dort seinen Platz. Und die KPP hat ihn zum verlängerten Arm ihrer Politik innerhalb der MFA gemacht.

Die Regierung ist tot, es lebe die Regierung! Vasco Gonçalves ist in seiner Funktion als Premierminister bestätigt worden und beteiligt sich an der Bildung der V. Provisorischen Regierung. Alles, was Rang und Namen hat, findet sich in seiner Residenz in Sao Benito ein.

Am 17. Juli verkündet Vasco Lourenço, Sprecher des Revolutionsrates das Ende der Regierungskoalition, während die PPD die Bedingungen, die sie für ihre weitere Nitarbeit in der Regierungsmannschait gestellt hatte, als offiziell von der MFA abgelehnt definiert. im 18. Juli verlassen die ehemaligen MES-Mitglieder, las heißt die ehemaligen Mitglieder der MES, die nach dem 11. März in die MFA eingetreten sind, die Regierung. Joao Cravinho und Jorge Sampaio übergeben dem Minsterpräsidenten ein Dokument, in dem es heißt: "Die Revolution hat kein Machtzentrum. Die MFA ist von nun an der Hauptverantwortliche für den revolutionären Prozess. Ohne mobilisierendes und für alle verständliches Projekt für die Massen verliert die politische Macht ihren inneren Zusammenhalt und überläßt das Schlachtfeld den sterilsten Parteikämpfen.

Man orientiert sich in der Tat in Richtung auf die Bildung einer Militärregierung, an der-- auf der Basis individueller Mitgliedschaft -- Mitglieder der KPP, der Ex-MES, der MES und der FSP beteiligt werden sollen. Die KP unterstützt dieses Projekt, an die resten meine tien the planten positionen annehmen wird.

Es sind nicht die 15 000 Personen, die am Mittwochabend, dem 15. Juli, vor dem Sitz der PS in Lissabon sich versammelt haben, die diesen Plan durchkreuzen können. Zumindestens glauben Alvaro Cunhal und Vasco Gonçalves nicht daran, Die Kampagne der PS "Die PS hat eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg", , erklärte Mario Soares am Vorabend des Rücktritts der sozialistischen Minister und Staatssekretäre. Die Führung der PS entwickelt innerhalb von wenigen Tagen einen wahren Schlachtplan, Zunächst einmal werden die eigenen Parteitruppen mobilisiert, indem die PS Führung gegen die entstehenden Organe der Arbeitermacht Stellung nimmt, ausgeschmückt mit einigen lyrischen Einlagen über den "Sozialismus in Freiheit"; diese Truppen werden mit aller Eile und mit allen Mitteln rekrutiert: Hinz und Kunz werden zusammengekarrt auf der Basis einer hysterischen Kampagne gegen den "Totalitären Kommunismus" und den "Sozial-Faschismus". Das nächste Ziel besteht darin, Generäle an sich zu binden, die mit dem Fetichismus der Einheit der MFA brechen sollen. Am Freitag, dem 18. Juli,fliegt Melo Antunes, der Außenminister, nach Rom. Jedem der Ohren hat, gibt er zu verstehen, daß dies wohl sicher seine letzte offizielle Reise sein wird. Er, der Verteidiger der Thesen der PS im Revolutionsrat, sagt offen voraus, daß die nächste Regierung wohl ohne ihn gebildet würde. Bei seiner Ankunft in Rom gibt er eine Pressekonferenz, in der er erklärt, daß jede politische Lösung der Krise über eine Regierung gehen muß, inder PS und PPD vertreten sind.

Mit prächtiger Synchronisierung gelingt der PS am selben Abend, dem 18. Juli, in Porto ein großer Schlag, als es ihr gelingt, 70 ooo Personen im Stadium von Antas zu versammeln. Am folgenden Tag, Samstag, den 19. Juli, sind es mehr als 100 000 Personen, die sich auf dem Alameda Afonso Henriques in Lissabon versammelt haben, um den Reden der Führung der PS zu lauschen, unerhörter Heftigkeit -- unter den gerührten Blicken der Vertreter der wichtigsten europäischen Sozialistischen Parteien, unter ihnen Rocard -- "die mörderische und sozial-reaktionäre Kommunistische Partei Portugals" anggreifen, "die Portugal in ein reisiges Konzentrationslager verwandeln will", sowie die "ein wenig schnell aufgestiegenen Generäle, die die- se totalitären Machenschaften unterstützen" fordert eine "Regierung der nationalen Einheit, in der die PS, die das portugiesische Volk repräsentiert, ihren Platz haben muß' '. Er fordert auch den Rücktritt von Vasco Gonçalves und dessen Ersetzung durch einen "wirklich unabhängigen Ministerpräsidenten" "der den anläßlich der allgemeinen Wahlen ausgedrückten Volkswillen respektiert".

Trotz ihrer "sozialistischen" Proklamationen hat die von der Führung der PS gegen die KPP organisierte Kampagne die Schleusen geöffnet für eine breite Offensive der Reaktion. Von Donnerstag bis Samstag wurden die Büroräume verschiedener revolutionärer Organisationen, der KPP und der Intersyndical in Alcavem, Sacavem, Leiria, Batalha, Porto de Mos, Aveiro, Rio Maior, Lominha undCadaval an' gegriffen. Die Neuigkeit verbreitet sich -- bestätist durd revolutionäre Soldaten, die im Nachrichtendienst der Ar• mee arbeiten --, daß 200 in England rekrutierte Söldner soeben in Spanien eingetroffen sind und dort sich den Trup* ›en der ELP, die auf.5 000 Mann geschätzt werden und die an der spanischen Grenze massiert sind, angeschlossen haben. Freitag und Samstag ist Alarmzustand für die Soldaten und Offiziere in den Kasernen. Währenddessen treten die revolutionären Militanten der MES, der LUAR, der FSP und der LCI in engen Kontakt zur KPP, zu den Gewerkschaftssektionen, den Arbeiterkommissionen und den Mietervereinigungen -- um für jede Eventualität gewappnet zu sein.

In keinem Augenblick nimmt die Führung der PS eindeutig Stellung zu dieser beunruhigenden Woge der Gewalt, die das Land überflutet, vor allem im Norden, wo ganze Dörfer sich unter der Kontrolle der reaktionären Kräfte befinden.

In Porto wie in Lissabon wäscht sich Soares im vorhinein die Hände in Unschuld, was die Auswirkunen seiner antikommunistischen und reaktionären Schmähreden auf sein überhitztes Publikum anseht In der Nacht zünden Gruppen die Propagandakioske der MDP und der Kpp anf dem Plato Humberto Delgado in Porto an, bevor sie versuchen die von der Armee geschützten Studios des Radio-Club Portugal im Sturm zu nehmen.

In Lissabon blieben die wenisen Militärlastwagen und Jeeps, die in der Nähe des PS-Kundgebungsgeländes sta-

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ioniert waren, nicht lange dort; Militante der LCI, die auf dem Kundgebungsplatz ein Flugblatt verteilten (sie he Seite 9) verdankten allein dem Schutz ausländischer Joumalisten, daß sie von der aufgebrachten Menge nicht gelyncht wurden.

Die Führung der PS setzte vielmehr auf diese plötzliche Zuspitzung der Situation, zu der sie in nicht unbeträchtlichem Maße beigetragen hat, um sich dadurch als unabkömmlicher Garant für die "Aufrechterhaltung der Ordnung" im Staate zu profilieren. Aber diese subtile Erpressung könnte sich im Rahmen einer großen reaktionăren Agression als Bumerang tür die Gesamtheit der Arbeiterklasse erweisen, deren integraler Bestandteil auch die sozialistischen Arbeiter sind, Die Führung der PS hat im Verlauf dieser bewegten Woche refährlich mit dem Feuer gespielt. Indem sie ihre Militanen und Sympathisanten zur Weißglut erhitzte gegen die "kommunistische Diktatur" machte sie es möglich, daß sich faschistische Banden in ihre Kundgebungen und Deum sie Roten zu zertim eltern, und die humarauf vanten, die Arbeiter insgesamt niederzuwerfen und zu zerschmettern, was auch immer deren Organisation oder Partei sein mag.

Diese letzten Tage haben einen erschreckenden Vorgeschmack gegeben auf das, was eines Tages eintreten könnte, wenn sich die faschistische Brutalität in Portugal wieder einnisten sollte, begünstigt durch eine andauernde Spaltung der Arbeiterbewegung. Alles muß dafür getan werden, damit das nie wieder eintritt. Das Abenteurertum der KP

Die Führung der KP ist zu einem großen Teil mitverantwortlich dafür, daß es in den letzten Tagen zu dieser Spaltung in der Arbeiterbewegung gekommen ist, die die Zukunft der portugiesischen Arbeiterklasse in tragischer Weise bedrohen kann.

Die Führer der KPP haben versucht, eine notwendige Mobilisierung gegen die Reaktion umzuwandeln in ein Manöver zur Isolierung der PS. Sie haben das unter den Arbeitern sehr lebendige und weit verbreitete Gefühl, daß es notwendig ist dem immer arroganer auttretenden Faschismus den Wes , zu versperren, usnützen wollen, um die PS -- und nicht nur derer Führung -- in zynischer Weise in eine Ecke zu drăngen, wo sie gezwungen ist ihr Schicksal mit dem de lechten, das heißt konkret der PPD, der CDS und all der anderen reaktionären Gruppen zu verbinden. Die Führung der KPP hoffte, dadurch die Intervention der MFA an ihrer Seite zu provozieren, und dadurch die PS für einen längeren Zeitraum an den Rand der politischen Bühne zu drücken.

Einige Tage lang engagierte sich die Führung der KPP •• zu ihrem eigenen Schaden -- in einer Kampagne, die den "Sozial-Faschismus" anprangerte. Eine alliche Politik praktizierte übrigens die Führung der PS gegenüber der KPP.

In der Nacht vom Freitag, den 19. Juli, riefen Flugblätter der KPP und der Inter- dem 18. Juli, zum Samstag, syndical zur Errichtung von Barrikaden auf, um einen typothetischen"Marsch auf Lissabon" zu verhindern, das heißt in Wirklichkeit die Kundgebung der PS. Wenn wirklich ein Marsch auf Lissabon vorbereitet worden wäre, dann hätte die erste Sache, die man hätte machen müssen, darin bestanden, eine Offensive ge- enüber der Fuhrung der PS -- gegenüber der Fuhruns ler PS und ihrer Basis -- zu lancieren, um sie aufzufordem, an der Organisierung der Arbeiterselbstverteidigung gegen die Reaktion teilzunehmen. Dazu hätte nan den Militanten der PS vorher ihr Recht,als Arbeiterpartei Versammlungen und Kundgebungen durchzutanen anerkennen und garantieren müssen. Das hätte die Ind wenn die PS-Führung keine Antivort gegeben hätte Klar Stellung zu beziehen dann hätte dies zumindestens einer bedeutenden Anzahl von sozialistischen Militanten erlaubt, über die wirkliche Orientierung ihrer Führung klarer zu sehen und sich den kommunistischen und revolutionären Arbeitern bei der Organisierung einer Antwort auf die Reaktion anzuschließen.

Die abenteuerliche und sektiererische Verrücktheit der KPP hat dagegen der Führung der PS dabei geholfen, ihre Basis wieder enger an sich zu ketten, unter dem Vorwand der Bedrohung durch die KPP. Der Parteipatriotismus, sicher vermischt mit reaktionaren und antikommunistischen Vorurteilen, konnte daher voll ausgespielt werden zur Sicherung des Erlolgs der Kundgebungen der PS, die von der sozialdemokratischen Führung als "ein großer Sieg gegen den Versuch der Erdrosselung durčh den Stalinismus" präsentiert wurden.

An den "Barrikaden" von Lissabon, die von der COPCON rasch unter Kontrolle genommen wurden, beteiligten die men des east was der zu chigieren, ie da- Rahmen durch Einfluß auf die Bildung der nächsten Regierung nehmen wollte.

Nachdem die KPP vergeblich versucht hatte, die Kontrolle über die Demonstration der Arbeiterkommissionen und der Mietervereinigungen in Porto am Freitag, dem 18. Juli, zu bekommen (diese Demonstration folgte auf eine Demonstration ähnlichen Charakters am Mittwoch, 16. Jull, in Lissabon), versuchte sie noch in derselben Nacht ein Einheitsgespräch mit der MES, der LUAR, der FSP und der LCI einzuberufen, zu dem zu kommen sich diese Organisationen weiger- Wie soll man diese Politik der KPPerklären, die auf den ersten Blick als grober abenteuerlicher "Irrtum" erscheinen mag? In erster Linie mit der politischen Linie der KPP, um jeden Preis ihren Einfluß und ihre Vorherrschaft in der MFA zu festigen und auszudehnen. In gewisser Hinsicht bevorzugt die KPP die Einheit einer MFA, in der sie einen beherrschenden Einfluß hat, gegenüber der Einheit der kämpfenden Arbeiterklasse. Denn diese Einheit, das spürt die KPP, kann sehır schnell die Kontrolle, die sie augenblicklich noch über die organisierte Arbeiterbewegung ausübt, in Frage stellen. Auch die KPP beginnt der Radikalisierung der portugiesischen Arbeiter Tribut zu zollen, denn sie beginnt in gewissen Gewerkschaften und in gewissen Arbeiterkommissionen und in gewissen Mietervereinigungen Boden zu verlieren, auf Kosten der Revolutionäre. So hat die Führung der KPP zum Beispiel mitansehen müssen, wie eine Liste MES/Unabhängige Militante der Extremen Linken innerhalb der Lehrergewerkschaft die Mehrheit errungen hat. In der Waldgewerkschaft in der Region von Porto (in der mehrere tausend Arbeiter organisiert sind) hat die ICI die Vorherrschaft der KPP gebrochen. In der TPost), in den Banken und Versicherungen von Lissabon haben die Listen der Extremen Linken Prozentzahlen erreicht, die manchmal fast 50% erreichen.

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Nicht mehr damit zufrieden, auf der Welle der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse und des Volkes mitzuschwimmen, hat die Fulrung der KPP den Kämpfen einen "linksextremen" Trend geben wollen, um sich von der PS zu lösen, zumindest solange bis die MFA die Arbeit abdeckt und zu Ende führt.

Dieses typisch bürokratische Abenteuer führte einzig und allein zur Isolierung der KPP innerhalb der Arbeiterbewegung, zwischen der PS auf ihrer Rechten und den Revolutionären auf ihrer Linken. Heute ist es von absoluter Dringlichkeit, die Einheit der Arbeiter dort, wo sie am wirksamsten ihren Ausdruck finden kann, neu zu schmieden -- und zwar schnell: in den in den Volksversammlungen. Arbeiterkommissionen, in den Mietervereinigungen, Hinter den großen Manövern von Seiten der Führungen der PS und der KPP. die sie mit einem Seitenblick auf die MFA, die der eigentliche Einsatz war, Dem en trainen diesen Tagen det ean zise haben zwei den Stempel der Zukunft aufgedrückt. Die erste Demonstration fand in Lissabon am Mittwoch, dem 16. Juli statt und versammelte auf einen Aufruf der Ar- ›ei terkommissionen und der Mietervereinigungen de Hauptstadt hin, etwa zehntausend Demonstranten unter folgenden Parolen: "Gegen die Reaktion, Gegen das Kapital -- Arbeitereinheit!"; "Arbeiter und Bauern, Soldaten und Matrosen -- vereint werden wir siegen!"; sowie "Arbeiterkontrolle -- Volksmacht!" Zum ersten Mal seit dem 25. April 1974 setzten sich wieder hunderte von Soldaten an die Spitze des Demonstrationszuges. Die Soldaten des RALIS (leichtes Artillerieregiment von Lissabon) waren komplett erschienen, mit ihren Panzem und Panzerspähwagen, auf denen rasch hunderte von Demonstranten ihre roten Fahnen schwenkten. Soldaten des RIOQ (Regiment für operative Intervention von Queluz), Einheiten der Militärpolizei und anderer Resimenter der Stadt waren ebenfalls anwesend --die Faust geballt und die Interationale singend. In Porto sind die Demonstranten noch zahlreicher, und dies mitten in der Krise, einige Stunden vor der Kundgebung der PS am Freitag, dem 18. Juli. In diesem Fall rief die Intersyndical zur Demonstration auf. Sicher, einerseits um zu versuchen, diese Demonstration für die Orientierung der KPP zu vereinnahmen (was vollkommen scheiterte), aber andererseits auch, weil die Führung der KPP die Gefahr verstanden hat, daraus entstehen kann , wenn sie sich abseits hält von diesen ersten Straßendemonstrationen der autonomen Organismen der Arbeiter, die damit die Grenzen ihres Stadtviertels oder ihres Betriebes durchbrechen, um sich bereits heute als mögliche politische Alternative und Lösung für die Krise in den Vordergrund zu schieben. Die Teilnahme zahlreicher Soldaten bei diesen Demonstrationen bedeutet mehr als einfach die Teilnahme der radikalisiertesten Regimenter der portugiesischen Armee. Sie ist vielmehr der Ausdruck für den wachsenden Einfluß der autonomen Organismen der Arbeiterklasse innerhalb der Kasernen, besonders in einer gespannten Situation, wo der Zeitpunkt für einen Angriff der Reaktion günstig ist. Am Samstagabend versammelten sich die Soldaten des SICA 1 (Panzerregiment von Porto) in einer Vollvergesichts der reaktiondren sind antikon diumistische n- Machenschaften des Kommandanten, beschlossen sie, ihn aus seiner Funktion zu entlassen und einen anderen an seine Stelle zu wählen. Ähnliche Versammlungen fanden im Gebiet von Lissabon statt, beim RALIS, in der Kaserne von Epa me. Jedesmal legen die Diskussionen Zeugnis ab vom hohen Radikalisierungsgrad der Soldaten undauch von der reaktionären Polarisierung ge• wisser Offiziere, die Mitglieder der MFA sind, wie sich das versteht.

Die Krise deckt auf ihrem Höhepunkt am Samstagabend tiefe Brüche innerhalb der Armee auf, und hier besonder im Offizierskorps, wo gewisse Offiziere nach rechts zu schielen beginnen, aus Angst ihre oft im blutigen Kolonialkrieg erworbenen Rangabzeichen zu verlieren. Während sich die Si hat, bleibt eine Lehre, die viele der letzten Tage vorläufig wieder gelockert hat, revolutionäre Soldaten und Offiziere aus diesen Talie gezogen haben, in ihrem Gedächtnis eingraviert: entscheidende Kraft, die die Reaktion zerschmettern wird, die am 18, und 19. Juli wieder ans Licht der Offentlichkeit getreten ist, liegt außerhalb der Militärkamps in der Verteidigung der Errungenschaften der Arbeiterklasse in den autonomen antikapitalistischen Kampforganismen der Arbeiter. Um zu verhindem, daß ein Teil der Militärhierarchie dem revolutionären Prozess in den Rücken fällt, müssen die repräsentativen Versammlungen und Organismen der Militäreinheiten sich verbünden mit den Arbeiterkommissionen und den Mietervereinigungen und mit den Volksversammlun- Eine neue Provisorische Regierung für wie lange ?

Was auch immer die schließlich angenommene Lösung für die Bildung der V. Provisorischen Regierung sein wird, auch sie wird nicht lange Bestand haben. Wenn es der PS gelingt, durch den Revolutionsrat eine neue Koalitionsregierung nominieren zu lassen, so wird diese wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein. Eine Regierung, mit einem Ministerpräsidenten, der von einem der PS nahestehenden Vizeprémierminister flankiert wird (Vasco Lourenço), und in der eine bedeutende Anzahl sozialistischer Minister vertreten sind (auf individueller Basis -- um das Gesicht zu wahren), würde -- konfrontiert mit der ersten wichtigen anstehenden Entscheidung -rasch auseinanderbrechen. Und in Portugal müssen augenblicklich sehr viele wichtige Entscheidungen getroffen werden! Eine solche Regierung würde lie Entscheidung nur um einige Wochen hinausschieben, vielleicht -- angesichts des schnellen Tempos der Ereignisse in Portugal -- sogar nur um einige Tage. Die Führung der PS hat ihre Bedingungen ubri- Regierengas bes bedeutet schile ie der Amaran der (den Nationalisierungen, den Enteignungen, den Land- ›esetzungen), das bedeutet Respektierung aller Abkommen mit und aller Verpflichtungen gegenüber dem Ausland, Mit einem solchen Programm wird die Regierung, falls sie nicht von innen her auseinanderbricht, alle Hände damit zu tun haben, die Feindschaft der Arbeiter, die ermüdet sind von der Politik der Klassenzusammenarbeit, die ihren Marsch nach vom lähmt, abzuwehren.

Wenn hingegen die nächste Vollversammlung der MFA, die zweimal verschoben worden ist und die bis auf veiteres auf den 27. Juli festgesetzt worden ist, auf dem anläßlich der letzten Vollversammlung eingeschlagenen Weg weitergeht, indem sie gegenüber der Entschlossenheit der Arbeiter noch mehr Ballast abwirft, dann wird die MFA selbst auseinanderbrechen. Eine mit "kompetenten revolutionären Persönlichkeiten" erweiterte Militärregierung bekäme von Seiten der rechtesten Sektoren der MFA bereits in ihre Wiege

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das Kriegsbeil mit. Dieser rechte Sektor der MFA würde ersammlung muß dieses abgewirtschaftete. Regime sich in der einen oder anderen Art und Weise mit der blösen, noch bevor die Ohnmacht der fünt Provisori- PS verbünden, wenn nicht gar mit der reaktionären schen Regierungen die traditionelle Offensive der Rechten selbst, um ein Klima der Unzufriedenheit und Reaktion für "Recht und Ordnung" hervorruft und beder permanenten politischen Krise zu schaffen und zu günstigt, falls es der Arbeiterklasse nicht gelingt, ihre schüren, mit dem Ziel im günstigsten Moment die Re- Entschlossenheit dadurch zum Ausdruck zu bringen, vierung zu stürzen, friedlich -- wenn möglich, gewalt- daß sie ein für allemal Schluß macht mit dieser persam -- wenn nötig. manenten Krise. Will man diese Schlacht gewinnen, dann ist jede Minute kostbar. Das Schicksal der portu- In beiden Fallen wird die Krise, da kann man sicher riesischen Revolution steht auf dem Spiel. Und mit ihr sein, erneut aufbrechen. das Schicksal der Sozialistischen Revolution in Europa. Ein wahrer Wettlauf gegen die Uhr hat begonnen. Die 21. Juli 1975 Arbeitermacht, vermittelt über die Nationale Volks-