Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Der Widerstand organisiert sich

Inprekorr Nr. 4, 15. Juni 1971 · S. 18-19 · 1.155 Wörter

Indien und Südasien IV. Internationale

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BANGLA DE'S H: DER WIDERSTAND ORGANISIERT SICH ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ ++++ Auszüge aus Berichten unseres Genossen S.B.Kolpe von der indischen Sektion der Vierten Internationale. Sie erschienen in der indischen Tageszeitung "Free Press Journal"

"Calcutta, 20. Mai: Gemäß Berichten von jenseits der Grenze wird ein neuer Zusammenschluß verschiedener Gruppen der Befreiungsbewegung in Bangla Desh versucht unter dem Banner einer "Nationalen Befreiungsfront", um die Aktionen zu koordinieren. Parteien und Gruppen, die am erbitterten Kampf gegen die pakistanischen Truppen teilnehmen, bereiten einen langanhaltenden Guerillakampf vor, der gekoppelt ist mit einem Programm der Massenmobilisierung für radikale gesellschaftliche Veränderungen in Stadt und Land. Die Strategie, offene Schlachten den pakistanischen Truppen zu liefern, ist fast völlig aufgegeben worden. Unter den Parteien, die versuchen, den Befreiungsstreitkräften eine Führung zu schaffen, sind die Awami-Liga Mujibur Rahmans, insbesondere deren junge und aktive Mitglieder, die von Maulana Bhashani geführte National Awami Party sowie die pro-Moskauer Purba Bangla Communist Party, bekannt als Musafar-Ahmed-Gruppe, sowie eine weitere, unahhängige KP, die von Allauddin geführt wird.

Eine andere kommunistische Gruppe, die East Pakistan Communist Party, die von dem pro-Pekinger Mohammed Toha geführt wird, führt eine zweideutige Politik gegenüber dem Befreiungskampf, weil Peking Yahya Khan unterstützt. Deshalb beteiligt sich die Toha-Gruppe nicht an den gegenwärtig stattfindenden Verhandlungen. Auch manche älteren Führer der Awami-Liga zögern, eine Koalition mit den Kommunisten einzugehen; aber da ihre Taktik, durch Verhandlungen mit Yahya Khan au einer Vereinbarung zu gelangen, fehlgeschlagen ist, stehen sie unter dem starken Druck der jüngeren Führer und auch der ex-Fast Pakistan Rifles, dem Vorschlag einer Nationalen Befreiungsfront zuzustimmen.

Die gegenwärtige, von Mujibnagar aus operierende Regierung von Bangla Desh wird fast ausschließlich von Mitgliedern der Awami Liga gebildet. Die Befreiungskämpfer innerhalb Bangla Deshs verlangen, daß die Regierung auch auf andere politische Parteien erweitert werde. Von einigen extremistischen Gruppen der Befreiungskräfte wird sogar gesagt, sie hätten mit der Bildung einer eigenen revolutionären Regierung gedroht, falls keine breite Einheitsfront erreicht werde. Da die meisten gemäßigten Führer der Awami-Liga entweder verhaftet sind, oder jenseits der Grenze Schutz suchen, wird sich allem Anschein nach die Stimme der Gruppen, die gegenwärtig im Innern den Kampf führen, sich durchsetzen." (Free Press Journal 21.5.71) "Die meisten Flüchtlinge, die indisches Territorium betreten, sind Frauen, alte Leute und Kinder, während alle fähigen Männer zurückbleiben, um den Kampf zu führen." (Free Press Journal 21.5.71)

"Agartala, 26.Mai: Ein Professor hat hier gestern die Regierung der Vereinigten Staaten beschuldigt, sie würde versuchen, die Bildung einer nationalen Befreiungsfront von Freiheitskämpfern innerhalb von Bangla Desh zu verhindern. Er sagte, reinige unserer Führer, die sich Illusionen über die wohlwollende Haltung der Vereinigten Staaten machen, sind gegen die Schaffung einer solchen Front'.

Der Professor dementierte, daß die westpakistanischen Truppen Bangla Desh wieder besetzt und jeglichen Widerstand des Volkes gebrochen hätte. Er sagte, in Wirklichkeit sei en die Pakistanischen Truppen nach wie vor auf die Großstädte und Kasernen beschränkt. Nur gelegentlich verlassen sie diese, um eine kleinere Stadt zu besetzen, die von Freiheitskämpfern kontrolliert wird; aber sobald sie sie verlassen, kommen die Freiheitskämpfer wieder zurück. Er sagte, daß eine große Anzahl von Leuten sich der Befreiungsarmee MUKTI FOUJanschließen.

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Nach Berichten von jenseits der Grenze sind die pakistanischen Truppen in reguläre Kämpfe engagiert mit Kommandos in verschiedenen Punkten der Distrikte von Comilla, Dakka und Chittagong. Guerillas zeigten sich jetzt in den Gegenden von Dakka und Chittagong aktiv. ..Eine Brücke über den Brahmaputra, die Dakka mit dem Ostteil von Ostbengalen verbindet, ist durch Kommandoaktionen schwer zerstört worden und kann mindestens einen Monat lang nicht mehr benutzt werden. Es gibt keine andere Straßen- oder Eisenbahnbrücke, die den Ostteil mit dem Westteil verbindet. Mittlerweile wir der Monsun einsetzen, der Brahmaputra wird sich auffüllen und die Truypenbewegungen zwischen den beiden Teilen unmöglich wachen." (Free Press Journal 27.5.71.)

"Calcutta, 25.Mai: TARIQ ALI, ein rostpakistanischer Revolutionär, der der trotzkistischen IV. Internationale angehört, weilte vorübergehend in Kalkutta in einer - wie er sagte - 'geheimen Mission', um Verbindung zu Führern in Bangla Desh herzustellen. Bevor er mit unbekanntem Ziel abreiste, sagte er dem Korrespondenten, daß seine Organisation, die ihr Sekretariat in Europa hat, jede nur denkbare Hilfe für die 'Revolution' in Bangla Desh organisieren wird. Er ließ nicht verlauten, mit welchen Führern von Bangla Desh er bisher in Verbindung getreten ist. Einige von ihnen, die zur Purba Bangla Communist Party gehören, waren bereits in Europa, um für ihre Revolution materielle Unterstützung zu suchen.

pakistanische Militärregime die Einreise verboten hatte, teil- Ali, dem das te mit, daß in Kürze radikale Intellektuelle in Europa und den USA einen Offenen Brief an den Vorsitzenden Mao richten würden, in dem sie die Hilfe verurteilen, die Peking dem Militärregime Yahya Khans gegen das revolutionäre Volk von Bengalen geleistet habe. Er bezeichnete Pekings Haltung als Verrat an der revolutionären kommunistischen Bewegung. Er kritisierte gleichfalls die Sowjetunion wegen ihrer Militärhilfe und sonstigen Unterstützung für das Yahya Khan - Regime.

Ali wies jedoch auf die Grenzen einer 'demokratischen Revolution' unter der 'kleinbürgerlichen' Führung der Awami-Liga hin. Er sagte, daß die Bewegung, wenn sie nicht in eine 'antikapitalistische sozialistische Revolution' unter einer neuen Führung von Arbeitern und Bauern umgewandelt würde, keine Fortschritte machen könne. Der Versuch, eine sc che Führung zu bilden, würde gerade unternommen mit der tätigen Unterstützung der pakistanischen Linken, obwohl die Haltung der Sowjetunion und Chinas ernste Hindernisse aufbauten. Die IV. Internationale werde jede Bewegung für ein Vereinigte Sozialistisches Bengalen unterstützen. Ali hatte Ost-Bengalen 1969 bereits ausgiebig bereist zusammen mit Maulana Bhashani, und er hat ein Buch über Pakistan veröffentlicht, das jetzt vom Yahya-Regime verboten wurde. Aus Gründen der Sicherheit wollte er nicht sagen, ob er Ost-Bengalen auf seiner gegenwärtigen Reise besuchen werde." (Free Press Journal 26.5.71.)

"Agartalc, 28. Mai: ...Ein Besuch in mehreren Flüchtlingslagern hat deutlich gezeigt, daß die Moral der Flüchtlinge trotz der grausigen Geschichten, die sie immer wieder über die pakistanischen Truppen erzählen, ungebrochen ist... Die Armee der Freiheitskämpfer, Moukti Fouj, setzt sich zusammen aus ehemaligen East Pakistan Rifles und B ngal Regiment men. Täglich strömen ihr Tausende von jungen Leuten, insuesondere Studenten, zu. Ein 1-jähriger Oberschüler aus Dakka berichtete, daß er bei Kommandoaktionen in den letzten 10 Tagen im Innern von Bangla Desh mit Granaten 45 pakistanische Soldaten getötet hatte. Er hatte seine Mutter, sieben Brüder und fünf Schwestern zurückgelassen, von deren Schicksal er nichts wußte. Dutzende von Studenten sind wie er fest entschlossen, zu kämpfen und zu sterben. Die Mukti Fouj ist schlecht bewaffnet; ihr felht Ausrüstung, und vor allem fehlen ihr Waffen für den Kampf. Aber das sinnlose Verhalten der pakistanischen Truppen jenseits der Grenre hängt mit der Effektivität der Mukti-Kräfte zusammen. Die Westpakistani haben alle Dörfer entlang der Grenze niedergebrannt und die Einwohner nach Indien vertrieben..." (Free Press Journal 29.5.71.)