Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Quebec

Der Kampf gegen die Antigewerkschaftsgesetze

Inprekorr Nr. 38, 10. Juli 1975 · S. 25-27 · 865 Wörter

Gewerkschaften und Streiks USA und Kanada Stalinismus und Bürokratie

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Im Mai hat der Kampf, den die Gewerkschaftsbewe- Samuel Gompers von der AFL (American Federation of Labour) systematisch entwickelt worden -- und der hefmit den Auseinandersetzungen inner- tigen Form, die Auseinandersetzungen mit den Unternehmem anzunehmen pflegen. Beide Aspekte, ökono- Die Nationalversammlung von Québec verabschiedete mische Kämpfe, die sich freiwillig im Rahmen des kanun zwei gewerkschaftsfeindliche Gesetze: das erste be- pitalistischen Systems halten und heftiger, unpolitischer Druck auf die Unternehmer ließen von Zeit zu Zeit in eischneidet die Unabhängigkeit von 4 Berufsgewerkschaften nigen Sektoren der Arbeiterbewegung (Bau, Schauerleute, der FTQ ("Fédération des Travailleurs du Québec" -- Transportwesen) wahrhaftige Hochburgen entstehen, die ren. Das zweite Gesetz macht es möglich, daß aktive Arbeiterverband von Québec), die zum Bausektor gehö- sich auf sehr spezifische bürokratische Apparate stützten. Gewerkschafter, die unter gerichtlicher Anklage stehen, Die Mitglieder dieser bürokratischen Apparate sind sich nicht nur der Tatsache bewußt, daß Gewerkschaften wie ihrer gewerkschaftlichen Funktionen enthoben werden kapitalistische Untemehmen geführt werden müssen, sie können. Zum letzteren ist zu bemerken, daß dieses Gesetz -- unter dem Vorwand, die Kriminalität zu be- wissen auch, daß alle Mittel gut sind, die zu ihrer Stärkämpfen -- es ermöglicht, die Gewerkschaften ihrer kung beitragen -- die Anwendung von Gewalt miteinbeaktivsten Kämpfer zu berauben. weil nämlich die Auf- griffen. Die Basis dieser Bürokratie bilden finanzielle Vorteile, die sich aus höheren Gehältern der Funktionäre forderung zu einem "illegalen Streik" ein kriminelles und aus Bestechungsgeldern von Seiten der Untemehmer Delikt ist. Auf diese Art und Weise kann dann auch die zusammensetzen.

Gewerkschaftsbürokratie innerhalb der Arbeiterbewegung zum Polizisten gegen Streiks werden. Nach den Worten des Arbeitsministers Jean Cournoyer soll das zweite Ge- Diese Bürokratie betreibt in der Tat Klassenkollaboration setz, das bisher auf die Baugewerkschaften beschränkt nicht so sehr aus ideologischen Gründen, sondern vielist, auf alle Gewerkschaften von Québec ausgedehnt mehr wegen der materiellen Vorteile, die damit verwerden. bunden sind. Korruption und Gewalt brachte die Gewerkschaftsführung demzufolge ganz selbstverständlich dazu, auch mit der Unterwelt Bande zu knüpfen.

Will man die Bedeutung der jüngsten Auseinandersetzun- gen in der Baubranche in Quebec verstehen, dann muß Dieser Schlag einer hundertprozentig antikommunistischen man einige Aspekte der nordamerikanischen Gewerk- Bürokratie verbietet jede Anwesenheit von Linken -- und schaftsbewegung erwähnen. Sie ist durch zwei wesentliche sei es nur deren physische Präsenz -- in allen Berufsvesichtspunkte gekennzeichnet: der großen Bedeutung, sparten, die von ihr kontrolliert werden. Brutale Represdie Lohnforderungen zukommt -- dieses Thema ist von sionsmaßnahmen gehören zu ihrem Geschäft.

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QUEBEC und die Behörden kündigten spezielle "antiterroristische" 1.) Anläßlich der Gesetzesvorlage Numdie dann, wenn es darauf ankommt, mer 24 gut als Vorwand dafür benutzt werden können, zum Schlag gegen sozialistische und kommunistische Orga- In dieser Vorlage, die der Nationalversammlung von nisationen auszuholen. Quebec als Verbesserung des Arbeitsgesetzes vorgelegt wird, ist beabsichtigt, Wahlen, Finanzierung, Statuten und Streikabstimmungen, die von der Gewerk- Die Perspektiven der schaft durchgeführt werden, unter die absolute Kontrolle von Funktionären des bürgerlichen Staates zu Auseinandersetzung bringen. Die Verabschiedung derartiger Maßnahmen hätte die unmittelbare Integration der Gewerkschaftsbewegung in den Staatsapparat zur Folge. Angesichts dieser Projekte muß die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit Trotz antigewerkschaftlicher Gesetzgebung und trotz mobilisiert werden und die Regierung zum Rückzug Viederlagen in einzelnen Sektoren (Bau) ist die Arbeiter- zwingen, sonst bewirkt die Annahme eines solchen Gebewegung in Québec nicht zerschlagen. Teilniederla- setzes die kampflose Vernichtung der gesamten Gewerkschaftsbewegung.

gen werden dadurch kompensiert, daß Teile der Arbeiterbewegung mobilisiert wurden, die sich bisher relativ 2.) Anlässlich der Tarifverhandlungen passiv verhalten haben, Wenn die Bourgeoisie momentan für den öffentlichen Dienst in der Auseinandersetzungen vom Zaune bricht, trägt sie nur Provinz zur Verstärkung der Spannungen zwischen den Klassen bei und bereitet dadurch eine explosivere Zukunft vor. Die letzten Verhandlungen im April und Mai 1972, infolge der Verhaftung von Funktionären aus drei Gewerkschaften von Québec, zu breiten Streikbewegungen und Besetzungen in Städten außerhalb von Montreal geführt. Die Arbeiterklasse leistet, trotz des totalen Bankrotts Ab nächsten Herbst werden die laufenden Verhandlungen hrer Führungen, Widerstand und organisiert aut lokale in eine aktive Phase eintreten. Die liberale Regierungs- Ebene den Gegenangriff so gut es geht. Ein solcher partei bereitet sich sorgfältig auf diese Auseinanderset- Zustand kann jedoch nicht von langer Dauer sein. Ent- zungen vor, indem sie ihre rechtlichen und polizeistaatlichen Möglichkeiten perfektioniert. Die Gewerkschaftsbewegung hat nur dann eine Chance zu siegen, wenn sie einen unbefristeten Generalstreik aller Arbeiter vorbereitet, oder zur vollständigen Kapitulation führen werden. wie er in einer Resolution des letzten Kongresses des Zen- Zwei Anlässe sind heute schon vorauszusehen, wo es tralrats der CSN von Montreal empfohlen wurde. zu Auseinandersetzungen zwischen Staat und Gewerk- 9. Juni 1975 was tun ERSCHEINT VIERZEHNTÄGIG Abonnement: WAS TUN erscheint vierzehntägig (Monate Juli und August monatlich). Preis pro Einzelexemplar 0,50 DM. Jahresabonnement für WAS TUN, Zeitung der Gruppe Internationale 22 Nummer einschl. Porto: 20. - DM. Marxisten (GIM), deutsche Sektion der Vierten Förderabonnement: 30, - DM und mehr Internationale (Herausg.)

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