Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Von der indochinesischen Weltrevolution - Die Führungskrise der kapitalistischen Welt

· Inprekorr Nr. 33, 15. Mai 1975 · S. 5-10 · 3.368 Wörter

USA und Kanada Vietnam und Indochina Portugal Spanischer Staat

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Hué, Da Nang Phnom Penh, Saigon, Niederlagen der Unbesiegbarkeit des amerikanischen Giganten ist nicht nur für Thieu und Lon Nol, die Marionetten, zerstört worden. Anderen Völkern, die den Sozialis• sondern auch für ihren Meister, den US-Imperialis- mus anstreben, wird dies ein unvergeßliches Beispiel mus, der ihnen zur Macht verholfen hat, der ihre sein.

Regime und ihre Armeen unterhalten hat, der sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt hat. Dien Bien Phu, das die Niederlage Eine Serie von Rückschlägen und des französischen Imperialismus in Südostasien be- Niederlagen für den Imperialismus siegelte, erscheint heute, nach zwanzig Jahren und angesichts des augenblicklichen Debakels des US- Imperialismus, als kleine Sache. Eine der stärksten Das Debakel, das der amerikanische Imperialismus bürgerlichen Armeen Südostasiens, mit der viert- auf der indochinesischen Halbinsel erleben mußte, größten Luftwaffe in der ganzen Welt, löst sich auf ist, wenn man die letzten Monate Revue passieren und kapituliert vor einer vier oder fünf Mal kleine- läßt, kein isolierter Schlag. Der US-Imperialismus ren Armee, die über keinerlei Luftwaffe verfügt. hat nach der schweren Niederlage, die er dem chi- Dieser Zusammenbruch ist nicht das Ergebnis eines lenischen Volk in September 1973 zugefügt hat, vielleicht eine Zeitlang die Hoffnung hegen könmilitärischen Sieges in Ban-Me- Thuot oder eines nen, damit das Rad der Geschichte zurückgedreht schlecht ausgeführten Rückzugsbefehls durch Thieu.

"Armee der freien Welt" eine reine Er ist nur erklärbar, wenn man weiß, daß diese lenischen Volk im September 1973 zugetügt hat, Söldnerarmee ist, deren Soldaten die Waffen einfach nen, damit das Rad der Geschichte zurückgedreht vielleicht cine Zeitlang die Hoffnung hegen könfortwerfen oder sich in eine Bande von Wegelagerern und eine längere Periode von Erfolgen auf Kosten und Plünderem verwandeln und sich als Armee ein- der revolutionären Kämple der Massen eingeleitet fach auflösen angesichts der wilden Entschlossenheit zu haben. Die chilenische Niederlage hat sicher sehr des vietnamesischen Volkes und der anderen Völker schlimme Auswirkungen gehabt, aber diese waren Indochinas, die entschlossen sind den Klonialismus -- trotz allem -- im wesentlichen auf Lateinameund dessen neokolonialistische Sprößlinge zu vemich- rika beschränkt.

ten. Das "Pariser Abkommen" konnte nicht mehr sein als ein Zwischenglied auf dem Weg zur vollständigen nationalen und sozialen Befreiung der indochinesischen Halbinsel im Rahmen der Ausdehnung der Ar- Seit weniger als einem Jahr haben die Vereinigten beiterstaaten. Staaten und allgemeiner der Kapitalismus schwere Rückschläge im Rest der Welt hinnehmen müssen.

Nach einer Epoche von dreißig Jahren fast ununter- Zum emen betritit das archaische und wurmstichige brochener Kämpfe, anfangs gegen die französischen Regime wie das von Äthiopien, die in einen Aufund japanischen Imperialisten, haben diese von der lösungsprozess getreten sind. Zum anderen haben Zahl ihrer Bevölkerung her gesehen kleinen Völker diese Rückschläge ihren Ursprung in Fehlern des der gewaltigsten imperialistischen Großmacht eine "State Departement": die Unterstützung, die Washingkollossale Niederlage beigebracht. Der Mythos von ton der Operation der griechischen Obristen auf Zy-

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KRISE DER BÜRGERLICHEN FÜHRUNG pern zur Eliminierung des als zu neutralistisch Aber das wichtigste und entscheidende Element in geltenden Makarios zuteil werden ließ, hatte der gegenwärtigen Situation ist die Führungskrise des nicht die türkische Intervention einkalkuliert, die amerikanischen Imperialismus, die Verwirrung, von -- in dem Maße wie sie erfolgreich war -- direkt der er gegenwärtig ergriffen ist und die internatiozum Sturz des griechischen Militärregimes beige- nale Auswirkungen haben muss. Das Debakel in tragen hat. Heute haben sowohl die Türkei wie auch Indochina hat diese Krise und diese Verwirrung nich Griechenland, die in der Zypernfrage weiterhin geschaffen, sondern nur ans grelle Tageslicht gezerrt tief gespalten sind, eine gewisse Distanz zur NATO und dadurch noch vertielt. genommen, die dadurch geschwächt wurde.

Trotz seiner immer noch gigantischen Reichtümer unc Mittel bietet Washington heute ein in der Geschicht

Die Unfähigkeit auf die Palästinafrage eine Lösung selten erlebtes Schauspiel. Vor zehn Jahren bewirkte zu finden, die sowohl Israel als auch die arabischen die Niederlage in der Schweinebucht in Cuba eine Regierungen zufriedenstellt -- und Washington be- erste Eintrübung des Prestiges des Präsidenten der USA, nötigt unbedingt eine Lösung für dieses Problem Kennedy, der damals, als erster, die amerikanische in diesem aufgrund seines Ölreichtums und seiner Armee in den Vietnamkrieg verwickelte. Sein Nachstrategischen Positionen entscheidenden Teil der Welt -- , hat Kissinger, diesen "Metternich" des Vorwand eines nordvietnamesischen Angriffs. im Golf XX. Jahrhunderts und Friedensnobelpreisträger (!) von Tonking -- die militärischen Operationen in aul seine wahre Größe zurechtgestutzt. Die Kombi- Indochina weiter ausdehnte, mußte angesichts der nation der Zypem- und Palästina-Fragen bedeutet von Tag zu Tag wachsenden Opposition gegen den eine beträchtliche Schwächung der Kräfte der NATO Vietnamkrieg auf sein zweites Präsidentschaftsmanim östlichen Mittelmeer. dat verzichten. Nach ihm verwickelte sich Nixon, nachdem er vergeblich versucht hatte, durch die Aber die bedeutendsten Schläge wurden dem Kapitalis- unerbittliche Bombardierung von Hanoi und Haimus zugefügt durch den revolutionären Aufschwung der phong, Vietnam seinen "Frieden" aufzuzwingen, in Massen -- bsonders in Portugal. Was vor einem Jahr die schmutzigsten Skandale. mit einem Militärputsch begann, der den hoffnungslosen Kolonialkriegen Portugals ein Ende setzte, hat sich zu einem großartigen Einbruch der Massen in das politische Leben des Landes entwickelt. Der Sturz Diese Erbschaft, bestehend aus einer Flut von Vereiner fast fünfzigjährigen Diktatur hat innerhalb von brechen, wahrlich der Feder eines Shakespeare würwenigen Monaten zu einem mächtigen revolutionă- dig, wurde einem Präsidenten Ford übertragen, der ren Aufschwung der Massen geführt, die der Kontrolle nur deswegen an die Macht getragen worden war, der traditionellen Arbeiterparteien zu entgleiten drohen weil er aufgrund seiner notorischen intellektuellen und bereits heute ernsthafte Eingriffe in das kapitalis- Unfähigkeit den Ruf eines "Ehrenmannes" hatte. tische Privateigentum vornehmen. Seitdem er die Regierung vor einigen Monaten übernommen hat, ist die Liste der Verbrechen und Skan- Der revolutionäre Aufschwung der arbeitenden Massen Jale nur noch größer geworden. Und dann zu gute Letzt schlielich noch das Debakel in Indochina, da in Portugal beschleunigt die Entwicklung der Kämpfe der Welt per Fernsehen ein zugleich Abscheu erregender spanischen Massen, die in ihrem Kampf gegen des und groteskes Gemälde von der Macht der Vereidie im Todeskampf liegende Franco-Diktatur zu immer kühneren Mitteln greifen. Portugal und Spanien nigten Staaten liefert: das idiotische Lachen eines befinden sich in unmittelbarer geographischer Nahe Ford als Antwort auf die Frage eines Joumalisten von Frankreich und Italien. In diesen beiden Länderr bezüglich Vietnam und diese monstruöse Behauptung ist es seit Mai 1968 fast ununterbrochen zu Kämpfen des Wortführers des Weißen Hauses: "Vietnam, das ist nicht unser Krieg" . Wie wenn die Vereinigten gekommen, in die alle Schichten der arbeitenden Bevölkerung integriert waren -- und besonders die Staaten nicht eine halbe Million Soldaten dorthin Jugend. geschickt hätten, wie wenn die von der PRR erbeufeten Materialien im Werte von Milliarden von Dollars nicht die Aufschrift "Made in USA" trugen.

Krise und Panik bei der Führung Keinerlei entschlossene Initiativen, um zu versuchen, die Wirtschaftskrise zu überwinden oder um -- nach der kapitalistischen Welt so vielen Rückschlägen auf internationaler Ebene -eine Alternativpolitik zu konzipieren: das ist die Die Niederlagen des Imperialismus stehen im Kon- Frucht eines Niedergangs der amerikanischen Hegemotext einer kapitalistischen Welt, die sich in einer nie, eines Niedergangs , auf den die USA in keinster tiefen Wirtschaftskrise befindet, in der ersten Re- Weise vorbereitet waren. zessig in den haupiseiten chen kapita diesen lan - Alle anderen bürgerlichen Regierungen, selbst diedern entwickelt. Diese Wirtschaftskrise kombiniert jenigen die ein gewisses Verständnis für den Rückbekanntermaßen Inflation mit Arbeitslosigkeit. Der zug der USA haben, sind niedergeschmettert und Preisanstieg er stier den Arbeits- fahren, aber er ist nicht verschwunden. Die losigkeit hingegen dehnt sich weiter aus. Zu einem Zeitpunkt, wo ihm im Ausland harte Schläge zugefügt änderung des Kräfteverhältnisses zuungunsten der werden, zeigt der amerikanische Kapitalismus auf USA, auf vielen Gebieten noch sehr groß bleibt dem Gebiet der wirtschaftlichen Orientierung cine und zum anderen weil innerhalb des imperialissehr große Unentschlossenheit. Was ihm bestenfalls tischen Lagers keine Alternativführung existiert. noch einfällt, ist der wachsenden Arbeitslosigkeit durch ein Aufblahen des Haushaltsdefizits zu begeg- Westeuropa hätte vielleicht diese Rolle spielen nen: sechzig bis achtzig Milliarden Dollar oder so- können, wenn es eine Einheit wäre. Aber der EG ar mehr werden für das Haushaltsjahr 1975 erwartet gelingt es selbst auf wirtschaftlicher Ebene nur Das würde erneut die Inflation ankurbeln und zwar mühsam die Einheit aufrechtzuerhalten, während in einem solchen Umfang, daß sie nur noch mit viel in Richtung auf eine gemeinsame politische Füh- Mühe zu kontrollieren sein wird. rung noch kein einziger Schritt getan wurde. Die

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@18i5 Chicaso Sunutimer •Henry's World' Angst, die die japanische und die europäischen Der Niedergang der amerikanischen Hegemonie Bourgeoisien angesichts der Möglichkeit einer bedeutet nicht, daß es diese überhaupt nicht mehr Rückkehr zum Isolationismus in den USA haben, gibt, und vor allem, die aktuelle Verwirrrung in ist bezeichnend für ihre Unfähigkeit, den US- Washington bedeutet nicht, daß der amerikanische Imperialismus als kapitalistische Führungsmacht Imperialismus nicht mehr grausam und verbrechezu ersetzen. Solange die "autonome Atomstreit- risch sein kann und daß er nur noch zurückweicht. macht" ein vages Zukunftsprojekt in Westeuropa Seine Ressourcen sind noch enorm und man weiß, bleibt, um von Japan ganz zu schweigen, gibt es verin t ist und sich angegrifen rich. Der vene daß ein wildes Tier besonders es für die Konkurrenten Washington außerhalb des Bereiches des amerikanischen Atomschutzschildes Imperialismus ist zeitweise gelähmt, aber nach kein Heil. Das Schreckgespenst des Isolationismus einer gewissen Zeit könnte er erneut seine wirkwird übrigens in Washington aus rein erpressungs- lichen Kräfte in die Waagschale werfen. taktischen Gründen hervorgeholt, denn der Ver- lust Westeuropas oder Japans würde die Kräftever- Sogar in Südostasien kann er noch neue Verbrechen hältnisse auf Weltebene in entscheidender Weise begehen. Dies zeigte sich, als er den Marionetten zuungunsten des Imperialismus verändern. Und in Saigon "Unterdruck" -Bomben, die zum Erstickungsdies ist für den US-Imperialismus genausowenig tod führen, zur Verfügung stellte. Und diese haben akzeptierbar wie für die europäischen imperialis- nicht gezögert, diese Waffen noch unmittelbar vor tischen Länder der Verlust ihres Atomschutz- ihrem Zusammenbruch einzusetzen (vgl. Le Monde schildes gegenüber der Sowjetunion. vom 24. April 1975).

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KRISE DER BÜRGERLICHEN FÜHRUNG

Übrigens hat er verbündete Armeen zu seiner Verfügung (Brasilien, Iran...), die darauf getrimmt sind, revolutionäre Bewegungen zu zerschmettem. Es gibt in der Welt weiterhin hochexplosive Gebiete, wo bewatinete Konflikte ausbrechen können; das ist besonders der Fall im Vorderen Orient, der amerikanische Imperialismus, wegen der für ihn lebenswichtigen Interessen, die er dort zu verteidigen hat, sich in Aktionen engagiert, deren Auswirkungen nicht immer ohne weiteres kontrollierbar sein werden.

Die Ursache für die Krise der imperialistischen Führung

Der tiefere Grund für die Lähmung, von der heute die Führung der kapitalistischen Welt betroffen ist, liegt dennoch weder in der wirtschaftlichen Krise noch in einem eventuellen Verlust ihrer militärischen Überlegenheit (was erst noch bewiesen werden müßte), auch nicht in der intellektuellen Dummheit der führenden Köpfe und schon gar nicht in den sogenannten diplomatischen Erfolgen Moskaus und Pekings. Der tiefere Grund ist die Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen auf Weltebene , und dies vor allem auch innerhalb der großen imperialistischen Länder. Dies verbietet im Augenblick dem Imperialismus •- aus politischen und sozialen Gründen -- initiativ zu werden.

Die Falle Kambodscha, Südvietnam und Thailand sind in dieser Hinsicht bezeichnend. Auf technischem und militärischem Gebiet ist Washington nicht weniger gut als 1961 oder 1965 in der Lage, seine militärische Intervention in dieser Region zu intensivieren. Eher im Gegenteil. Aber was sich in der Zwischenzeit geändert hat, ist das gewaltige Anwachsen einer Opposition innerhalb ler amerikanischen Massen gegen jedes neue massive militärische Abenteuer im Ausland. Solange es der Bourgeoisie nicht gelingt, diese Situation in den Vereinigten Staaten selbst zu ändern, wird der Preis für ein solches Abenteuer eine soziale und politische Krise von katastrophalen Umfang im eigenen Land.

Die soziale und politische Situation in Westeuropa Ist annlich. Sicher, die imperialistische Bourgeoisie könnte versuchen, von der Wirtschaftskrise zu profitieren und die organisierte Kraft und die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse zu brechen, indem sie jahrelang eine massive Arbeitslosigkeit aufrechterhält und indem sie systematisch die demokratischen und gewerkschaftlichen Freiheiten liquidiert, vor allem das Streikrecht Aber bei den gegenwärtigen Kräfteverhältnissen könnte eine solche Initiative sehr leicht Antworten von Seiten der Arbeiterklasse hervorrufen, die das Überleben des kapitalistischen Systems selbst in Frage stellen.

Die Lanmung der imperialistischen Führung drückt folglich aus, daß die Bourgeoisie keine "Lösungen" weiß, sondern daß sie unfähig ist, diese "Lösungen" bei den gegebenen Kräfteverhältnissen in die Tat umzusetzen. Die Bourgoeisie muß versuchen, diese Kräfteverhältnisse zu ändern, sowie das politische Klima in den USA, sie muß der europäischen und japanischen Arbeiterklasse eine schwere Niederlage zurugen, bevor sie daran denken kann, erneut die Initiative zu ergreifen.

Das Schweigen der sowjetischen und der chinesischen Führung

Man wird nicht in der Lage sein, den amerikanischen Imperialismus zu zähmen oder zu entwaffnen, wenn man nicht die Niederlagen, die er erlitten hat, ausnutzt oder wenn man von diesen selbst erschreckt ist, was der zeit bei den sowjetischen und chinesischen Führern der Fall ist, die das amerikanische Debakel in Vietnam seltsam diskret behandeln: wenn sie den Mund aufmachen, dann nur um von der Niederlage Thieus oder Lon Nols zu sprechen. Kein Wort über derlage des inerikanischen Imperjalismus. Wel Veise den USA erlaubt, ihr. Gesicht zu wahren, und, schlimmer noch, sich von den erhaltenen Schlägen zu erholen und für die Zukunft neue Kraft zu schöpchinesischen schränkt g dem, was die USA in derselben Region an Menschen und Material investiert haben.

diese sow etischen und chinesischen Teilen der Welt, besonders in Afrika und im Nahen Osten. Moskau, das mehr Waffen an Agypten und Syrien als an Vietnam geliefert hat, hat bis kurz vor der Flacht Lom Nols auChnom Penh eine schen Haupte Peine inner je- Peking seinerseit macht reaktionären Politi

Strauß schöne Augen und hat den Opfern der blutigen Pinochet-Diktatur in Chile keinerlei Hilfe gewährt. Während die Interessen der sozialistischen Revolution, und infolgedessen auch der Arbeiterstaaten, eine beträchtliche Unterstützung für jeden revolutionären Kampf erforderlich machen, vor allem wenn dieser das Ziel einer imperialis-

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ischen Agression sind, ist die Politik Moskaus und ekings diktiert vor den Interessen dieser Bürokratien, die, jeder schön für sich, ihren "Sozialismus in einem Lande" verteidigen. Für sie sind die Niederlagen des amerikanischen Imperialismus nicht gleichzeitig Siege, denn sie wissen, daß die Siege der vietnameischen und indochinesischen Revolution, weit davon entfernt, ihre Herrschaft in ihren jeweiligen Ländern über die Massen zu festigen, im Gegenteil diesen Massen ein größeres Selbstbewußtsein geben können, um sich von dem bürokratischen Regime, dem sie unterworfen sind, zu befreien und um die sozialistische Demokratie in ihren Ländern zu errichten.

Die Verwirrung des Imperialismus ausnutzen!

Während der großen französischen Revolution sah die Bourgeoisie in Frankreich im Defizit des königlichen Haushalts die"Schatzkammer der Nation". In diesem Geist muß man die Situation angehen, die durch die Niederlage des Imperialismus in Vietnam und die daraus entstandene Verwirrung in Washington entstanden ist. Die Zeit, die jetzt von den Massen nicht zu großen Offensiven gegen den Kapitalismus genutzt wird, wird von den Imperialisten genutzt werden und das wird ihnen erlauben, wieder Luft zu' schöpten und politische Alternativkonzepte zur Brechung des Aufschwungs der Massen auszuarbeiten.

Vor allem in Südostasien wird das imperialistische Debakel ausgenutzt werden. In Thailand, wo die Massen vor zehn Monaten ein Terrorregime gestürzt haben und wo Guerillas im Norden des Landes kämpfen, in Birman und auf den Philippinen werden die Kämpfe sicher eine neue Ausdehnung erfahren. Obwohl die Palästinenser und die Kurden schwere Niederlagen erlitten haben, ist im vorderen Orient ein neuer Aulschwung in dem Teil der Region im cnistehen, der die stärkste, konzentrierteste und numerisch bedeutendste Arbeiterklasse umfaßt, nämlich das ägyptische Proletariat. Dies kann dem Klassenkampi in der gesamten arabischen Welt einen neuen Impuls geben.

In Afrika hat das Verschwinden des portugiesischen Kolonialismus die Situation südlich des Sambesi tiefgreifend geändert. Der Sturz der Herrschaft der Weissen steht auf der Tagesordnung. Dies wird weder durch Manöver der Regierung Vorster gestoppt werden können, der diese Herrschaft in Südafrika zu retten versucht, indem er Namibia und sogar Rhodesten fallen läßt, noch werden gewisse afrikanische Puhrer, die geneigt sind, mit Vorster zusammenzuarbeiten, dies verhindern können.

Sogar in Lateinamerika, wo die Niederlage der chilenischen Revolution und die Repression gegen die Avantgarde und die Arbeiter in Argentinien eine Situation bestimmen. die -- von wenigen Ausnahmen abgesehen -- von einem Rückgang der Massen- bewegung gekennzeichnet ist, wird das Debakel des Imperialismus in Südostasien sicher ermutigende Auswirkungen haben. Nirgendwo hat der Kapitalismus ein auch nur einigermaßen stabiles Regime er richten können. Selbst in Brasilien, wo doch die Militärdiktatur von außergewöhnlich günstigen wirtschalt- Risse aufzutun. lichen Umständen profitiert hat, beginnen sich einige in den Vereinigten Staaten wird die Niederlage der Regierung zumindestens indirekte Auswirkungen auf die entwicklung des Klassenkampfes haben. Man kann sich nur sehr schwer vorstellen, daß sich jenes Phănomen aus den sechziger Jahren wiederholt, als Bewegungen (Antikriegsbewegung, Schwarze, Frauen) entstanden, die nicht tief in die Arbeiterklasse eindrangen und dann wieder verschwanden. Die Inflation, die den Lebensstandart spürbar gesenkt hat, hatte keine bedeutenden Reaktionen bei der Arbeiterklasse hervorgeruten. Erst jetzt, angesichts einer Rezession, die zur stärksten Arbeitslosenquote seit dem zweiten Weltkrieg geführt hat, beginnt die Kampfkraft der arbeitenden Massen sich wieder zu regen, vor allem gegen die Arbeitslosigkeit selbst.

Aber auch Westeuropa wird sicher von dem Debakel der Bourgeoisie in Indochina. nicht unberührt bleiben. Zusammen mit dem Kampf von Che Guevara war es die Verteidigung von Vietnam, die beigetragen hat zur Mobilisierung einer Avantgarde vor dem Mai 68 und danach. In Europa stellen die Arbeiterkämpfe seitder das me des derumentes ber Ta Aufbaung. Seit der Annahme des Dokumentes über den der revolutionären Parteien im kapitalistischen Europa" aul dem X. Weltkongress der IV. Internationale sind die diktatorischen Regime, die damals noch existierten, mit Ausnahme der Franco-Diktatur in Spanien, von der Bildfläche verschwunden. Was diese letzte Diktatur angeht, so kann man, ohne daß man dabei ein grage unhit gen musica. voraussagen, daß deren Was sich heute in Portugal abspielt wirft ein helles Licht auf die Situation in einem ganzen Teil von Europa, Selbst zum Zeitpunkt als Caetano durch Spinola ersetzt wurde, konnte man nur schwer eine sölch rasche Entwicklung der Situation voraussehen, die zweifellos durch ein falsches Manöver von Seiten eines Teils der Armee noch beschleunigt wurde. Aber nur weil alle Elemente für eine solche Entwicklung vorhanden waren, konnte sie stattfinden. Das Verschwinden des Franco-Regimes wird der europäischen Arbeiterklasse, bei der die Erinnerung an die spanische Revolution sehr lebendig ist, einen noch größeren Impuls geben.

)as einzige bedeutende Land in Europa, wo der Aufschwung der Arbeiterklasse noch keinen bedeutenden Ausdruck gefunden hat ist die BRD, wo die Erfahrung mit Regierungskoalitionen aus der Sozialdemokratie und der bürgerlichen liberalen Partei, aufgrund der Ohnmacht dieser Regierungen, sogar die Gefahr einer erneuten Regierungsübernahme durch die Christdemoratie aktuell werden läßt. Aber dies seinerseits könnte zur Radikalisierung der arbeitenden Massen beitragen. Es ist hier nicht notwendig, hier lang und breit die Politik der traditionellen reformistischen Führunger zu beschreiben, sei es der Sozialdemokraten oder der Stalinisten. Der "Sozialpakt" in England, der.. "Historische Kompromiß" in Italien, die "fortgeschrittene Demokratie" in Frankreich setzen sich alle die Reformierung des kapitalistischen Systems zum Ziel. Das Beispiel Portugal, wo die Krise des Regimes im Augenblick am weitesten fortgeschritten ist, symptomatisch. Die von Mario Soares geführte Sozialistische Partei erweist sich ganz offen als viel entschiedener Verteidiger der NATO als die Offiziere der MFA selbst. Die KP Portugals gibt sich den Anschein, als wolle sie "über die bürgerliche Demokratie hinausgehen"; Aber das ist nicht die Politik, die die Führung Cunhal wirdklich betreibt. Sie benutzt vielmehr gelegentlich linke Phrasen, um die Kontrolle über die nicht organisierten Massen, die mit Sympathie den revolutionären Organisationen zuhören zu behalten. Gleichzeitig versucht sie, die Kämpfe zu beschränken und unterstützt die MFA bedingungslos, nerhalb der diejenigen Offizieren, die sich heute für den "Sozialismus" aussprechen, sich vielleicht morgen

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KRISE DER BÜRGERLICHEN FÜHRUNG für ein Regime der "Ordnung" entscheiden. Organismen der Selbstorganisierung der Massen beginnen zu entstehen. Das Debakel, das der Impe- Die Krise der bürgerlichen Führungen findet ihre Ver- rialismus in Indochina erlebt hat, wird in der Periode längerung in dem Autoritätsverlust der traditionellen alten Führungen der Arbeiterbewegung, besonders bei den neuen Generationen, die sich mehr und mehr nicht mehr damit begnügen, einfache ökonomische Forderungen aufzustellen oder traditionelle Kampi- 30. April 1975 formen zu benutzen. Formen der Arbeiterkontrolle,