kapverdische inseln am vorabend der unabhängkeit • C. GABRIEL• Venn auch Guinea-Bissao heute unabhängig ist, so kleines Industrieproletariat und ein sehr großes trifft dies für die Kapverdischen Inseln nur auf den auf dem Boden der kolonialen Fäulnis entstandenes Papier zu. Eine gewisse Zeit lang hat die portugie- Lumpenproletariat.
sische Regierung Druck ausgeübt, damit im zukünftigen Staat eine Marionettengruppe repräsentiert ist, die Der Großteil des kapverdischen Proletariats ist emivon einigen Notabeln, der UPCV (Union der Bevölke- griert, besonders nach Portugal, wo es mehrere zehnrungsgruppen der Kapverdischen Inseln), gebildet tausend kapverdische Arbeiter gibt. wird und die bereit ist, die spinolistischen Prinzipien über ein "lusitanisches Afrika" Eine solche soziale Struktur macht deutlich, daß die Ereignisse vom 28. September in Portugal führten Erklärungen der PAIGC, nach denen die sozialen Difzum Verschwinden Spínolas und seiner Pläne für die ferenzierungen in Guinea ungenügend sind, um bereits Kapverdischen Inseln von der politischen Bühne. von Klassenkämpfen "sprechen" zu können, angewandt Archipel wird am 5. Juli unabhängig und für die Zwi- auf die Kapverdischen Inseln noch verwegener und schenzeit wurde eine Ubergangsregierung, die paritätisch mit Portugiesen und Mitgliedern der PAIGO besetzt ist, gebildet. Die PAIGC jedoch, die eine multiklassistische Konzeption vertritt, machte einen buntgemischten Aufruf an in Ubereinstimmuns mit dem Standpunkt der PAIGC "die Arbeiter auf dem Lande und in den Stadten, die sind allgemeine Wahlen für eine konstituierende Na- Studenten, die Eigentümer, Advokaten, Beamten, die tionalversammlung vorgesehen. die Volkschule und Cynas altete die De syne, li - In dieser letzten Phase des Kolonialismus beschäftigen sche Behauptung, daß das "Land denjenigen gehört, die zwei Dinge die Führung der PAIGC besonders: ihre es bearbeiten" wurde verbunden mit einem Appell an politische Verankerung auf den Kapverdischen Inseln alle "hohen Beamten, Händler und mittlere Landbesitzer und der Vereinigungsprozess mit Guinea-Bissao. Wir die "die Pflicht (2) haben, unserem Volk zu dienen, werden später sehen, inwieweit diese beiden Fragen dem einfachen Kapverdianer, unserem anonymen in Zusammenhang stehen mit der Debatte über die Bruder" (Aufruf zum bewaffneten Kampf auf den Kap- Zukunft der Revolution in Guinea-Bissao und auf den verdischen Inseln, Frühjahr 1969). In einem neueren Kapverdischen Inseln insgesamt. Dokument, in dem "Bericht über die Situation auf den Kapverdischen Inseln" UNO präsentierte, wird keinerlei Hinweis gegeben auf den die PAIGC im März 1974 der Aus einer ganzen Reihe von objektiven Gründen hat sich auf den Kapverdischen Inseln der bewaffnete die Frage der eventuellen Verteilung des Landes nach Kampf nicht entwickelt (wenig geeignetes Terrain, der Unabhängigkeit.
Repression, schwache Bevölkerungsdichte, Emigration usw.) Ausgehend von diesen schwierigen Bedingungen, Die aktuelle Situation ist gekennzeichnet durch das hat die PAIGC lange Zeit nach der zür Befreiung des Triptychon der nationalistischen politischen Linie Archipels anzuwendenden Strategie gesucht: Vorberei- der PAIGC, durch die katastrophale wirtschaftliche tung einer militärischen Landung mit Schiffen, geheime Situation des Archipels, der permanent von Hungersnot bedroht ist, und durch die spontanen Aufschwünge der Massenbewegung.
Angesichts dieser Bedingungen war die Partei vor dem 25.
April nur sehr schwach verankert. Aber diese Tatsache Nach dem 25. April 1974 wurde die PAIGC mit der ist eng verbunden mit der sozialen Gestaltung der In- Notwendigkeit konfrontiert, gegen die spinolistischen sein und mit den strategischen Antworten, die sich Rechtsströmungen rasch eine politische Hegemonie daraus ableiten. zu erkämpfen. Die bevorzugte ideologische Waffe der spinolistischen Strömungen war die Anprangerung des Die Struktur der Kapverdischen Inseln ist differen- "guinesischen Imperialismus" auf dem Archipel. zierter als die soziale Struktur der ländlichen Gebiete in Guinea. Man muß unterscheiden zwischen einer Klasse von lokalen Grundbesitzern, einer Viel- Offensichtlich hat die PAIGC auf diesem Terrain zahl kleiner halbproletarisierter Landwirte und den einen Sieg errungen, indem sie die portugiesische Pächtern, die den Großteil der Bauernschaft darstel- Armee zwang, daraufhinzuwirken, daß diese Gruplen. Von 36 309 landwirtschaftlichen Betrieben wer- Pen te Heuerne der Parer das polite ien 10 937 von ihren Besitzern selbst geführt, 8 385 verden von Pächtern geführt und 16 987 von Bauern. Leben des Landes eine Tatsache -- obwohl diese die einen Teil der Ernte als Pachtzins an den Eigen- politische Hegemonie nicht überall gleich stark ist. tümer abführen müssen. Hinzu kommt noch eine bedeutende Anzahl von landwirtschaftlichen Arbeitern Die "Insel von Santi ago" ist besonders gut kontrolliert auf den großen Besitzungen, die Groß- und Kleinhänd- und stellt den Kern dar, um den herum sich das Leben ler, die Kleinbourgeoisie im Staatsapparat, ein sehr der Partei im ganzen Archipel organisiert. Gewisse
Inseln wie Sao Vincente, wo die PAIGC weniger gut organisiert zu sein scheint, erleben dagegen einen rascheren Aufschwung der Massenbewegung angesichts der sozialen Probleme, die sich dort stellen, Die Massenbewegung hat je nach den einzelnen Inseln die verschiedensten Formen angenommen: in Santiago Landbesetzungen, in Saint Nicolaü Besetzung der Zollstationen und der Polizeistationen, in Santo Antao Besetzung der Gebäude des Verwalters, die in einen Kindergarten umgewandelt wurden, in St. Vincente die Besetzung einer privaten Radiostation usw. In diesem Rahmen werden die Bezeihungen zwischen der PAIGC und den Portugiesen in der Koalitionsregierung bestimmt durch die Beziehungen zwischen der PAIĞC und der Massenbewegung. Versucht die PAIGC die Mobilisierungen zu verstärken, zu politisieren, ihnen antikapitalistische strategische Ziele zu liefer oder versucht die PAIGC im Gegenteil diese Bewegungen zu kanalisieren und zu instrumentalisieren" , um sie taktisch gegen die Portugiesen einzusetzen unter Wahrung der Idee der "nationalen Versöhnung "• Alles spricht dafür, daß die PAIGC den letzteren Weg gew ahlt hat. Die Führung der PAIGC weigert sich mehrheitlich, sich der Mobilisierung entgegenzustellen, denn die Verbesserung des Kräfteverhältnisses, die sie vor dem 5. Juli, dem Datum der Wahlen, erreichen will, ist nur mithilfe einer tiefen Verankerung der Partei in den Volksmassen möglich, Deshalb gibt die Führung der PAIGC mehrheitlich dieser Mobilisierung nur einen beschränkten Sinn: "die Partei unterstützen".
In diesem Sinne wurde auf dem Flughafen von Sal auf den Vorschlag der Partei hin die Volkskontrollé über die Reisenden organisiert, um der Devisenflucht zuvorzukommen. Ebenfalls auf Vorschlag der Partei wurde die Radiostation von Sao Vincente besetzt und organisierten die Dockarbeiter dort Wachposten, Aber als die Arbeiter der Maschinenfabrik streiken wollten, forderte die Regierung der PAIGC sie auf, darauf zu verzichten, denn die Regierung könne die Forderung nach Lohnerhöhung nicht erfüllen. In Wirklichkeit hatte der Kolonialismus seltsame Verträge zwischen dem Staat und dem Kapitalisten dieses Betriebes gemacht. Für den Fall, daß der Kapitalist gezwungen sein sollte, den Arbeitern Lohnerhöhungen zuzugestehen, war vorgesehen, daß nicht der Kapitalist, sondern die öffentlichen Finanzen die zusätzliche Lohnmasse zahlen mußten. Die Haltung der Partei estand nicht darin, diesen Vertrag anzuprangern, die Geschäftsbücher zu öffnen und den Bétrieb zu verstaatlichen, wenn der Unternehmer s ich weigern sollte zu zahlen; Die PAIGC zog es vor, die "nationaleVersöhnung" zu garantieren, indem sie den Streik scheitern ließ.
Auch in der Agrarfrage haben sich widersprüchliche Beziehungen zwischen der Führung der PAIGC und der Massenbewegung herausgebildet. Während man noch immer auf einen Plan für die Agrarreform wartet, haben die Massen eine Bewegung von Landbesetzungen begonnen, mit Organisierung von verschiedenen Komitees, die verschiedene Funktionen aus.üben, Nach und nach entwickelt sich an verschiedenen Orten die Weigerung, den Pachtzins in Gestalt eines Teils der Emte an den Morgado (den Großgrundbesitzer) zu bezahlen. Die PAIGC hat offensichtlich diese Bewegungen unterstützt und sogar angeführt. Sie hat mit einer Säuberung begonnen, indem sie zur Verhaftung verschiedener Reaktionäre aufrief. Auf diese Art und Weise wurde die Bananenpflanzung Santa Cruz (auf der Insel Santiago) besetzt, Santa Cuz auf der Insel Santiago beser Ben ron er selbst ins Gefängnis geworfen wurde. Aber die Massenbewegung bleibt kaum auf halbenWege stehen und ein gewisser Jorge Querido, Großgrundbesitzer und ehemaliger Führer der PAIGC vor dem 25. April, verdankte seine Rettung nur der Intervention der nationalen Führung der PAIGC.
Schließlich sind an einigen Orten wie in Orgaos für eine Agrarreform, deren Ziel es ist die notleidenden Bauernmassen für eine soziale Revolution bleibt die Polik der Partei, sowohl auf der lbene der Agrarreform als auch auf der Ebene der wirt-
KAPVERDISCHE INSELN schaftlichen Entwicklung empirisch und von taktischen Erwägungen bestimmt. Und sehr oft ist sie heterogen, je nach den lokalen "Bedürfnissen" der jeweiligen sozialen Strukturen.
Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Situation hat sich die Führung der PAIGC eine doppelte Aufgabe gestellt:
--ein Notplan für finanzielle und Lebensmittelhilfe -ein mittelfristiger Plan für die Industrialisierung Portugal sträubt sich sehr dagegen, den Kapverdischen Insein zu hellen, da seine eigene Zahlungsbilanz bereits extrem negativ ist. Somit besteht der Sinn der Auslandsreisen von Sylvinio Daluz darin, Hilf ron verschiedenster Seite zu bekommen unc ein wenig an allen Türen anzuklopfen. Es bleibt noch eine Antwort darauf zu geben, welche Auswirkungen diese Hilfe auf die Selbständigkeit des zukünftigen kapverdischen Regimes haben wird, Die Lebensmittelhilfe der imperialistischen Länder ist dafür bekannt, daß sie rasch eine wirksame Waffe ftir die Durchsetzung von wirtschaftlichen und politischen Zielen ist. Man könnte hier den Direktor des "Food for Peace" (Lebensmittel für den Frieden)-Programms zitieren, der erklärte, daß "die rasche Landung amerikanischer Flugzeuge, vollbeladen mit Lebensmitteln, nach dem Erdbebenunglück in Chile im Jahre 1960 mehr für die Beziehungen zwischen Chile und den Vereinigten Staaten getan hat als jede andere amerikanische Aktion im Laufe der letzten Jahre. " Von Seiten der amerikanischen Verwaltung gibt es den konstanten und überlegten Willen, sich ler Lebensmittelhilfe zu bedienen als ein Mittel zur wirtschaftlichen Durchdringung des Landes. "Diejenigen, denen wir heute helfen, werden morgen unsere Kunden sein. " (Mac Govers, 1961-1962 Direktor des "Food for Peace").
Wenn der Sofortplan auch unvermeidlich ist, wenn man selbst den Teufel um Hilfe bitten muß, so ist es doch tragisch, mitansehen zu müssen, wie die Führung der PAIGC bis zum Überdruß immer wieder daß sie entschieden "blockfrei" ist. Die "Blockfreiheit" hat die wirtschaftlichen Gesetze des imperialistischen Marktes niemals daran gehindert, seinen massiven Druck auf die Widersprüche einer Ubergangswirtschaft-auszuben, die zwar das kolonialistische Joch abgeschüttelt hat, aber über kein wirkliches antikapitalistisches Programm verfügt.
Die kapverdische und die guineische Nation sinc heute der Spielball der schmutzigsten Erpressungen. Seien es nun die stalinistischen Führungen oder die imperialistischen Staaten, jeder versucht aus den Schwierigkeiten der PAIGC Profit zu ziehen, um den Prozess der Radikalisierung zu blokkieren.
Die arabischen erdölproduzierenden Länder bieten Kredite mit nur 1% Zinsen an, aber unter der Bedingung, daß man ihnen vorher sagt, welches wirtschaftliche und industrielle Projekt davon profitieren soll.
Andere Angebote kommen aus den USA, aus Frankreich, aus Japan, aus der BRD, aus Südafrika... Für St. Vincente schlagen die Belgier den Bau einer Raffinerie vor. Der Staat soll 10% der Produktion erhalten und 10 weitere Prozent abkaufen, Dieses Abkommen wartet noch auf seine Unterzeichnung, aber es wurde bereits vor dem 25. April konzipiert, mit dem damaligen Kolonialregime!
Dieser kleine Archipel regt auch weiterhin den Appetit der Imperialisten an. Seine strategische Lage ist von erstrangiger Bedeutung für die NATO. Aber es steht weit mehr auf dem Spiel als die strategische Bedeutung des Flughafens von SAL.
In der Tat ist es den kapverdischen Massen, im Rahmen des ungleichzeitig verlautenden Prozesses des Befreiungskampfes in Guinea-Bissao und auf den kapverdischen Inseln, in den letzten Monaten offensichtlich gelungen, das Niveau der Mobilisierungen ind vor allem das politische Bewußtsein der guineischen Massen zu erreichen oder gar zu überholen ine solche Wendung erklärt sich sowohl durch die soziale Struktur der kapverdischen Inseln als auch durch den Beitrag, den die rasche Politisierung der kapverdischen Jugend darstellt, besonders seiner kleinbürgerlich-intellektuellen Komponente, die durch die Universitäten in Portugal gegangen ist. All dies ist sehr verschieden von Guniea, wo die Partei im wesentlichen die bäuerlichen Massen außerhalb der städtischen Zentren kontrolliert hat. Diese neue ungleichmäßige Entwicklung des politischen Prozesses in diesen beiden Ländern, die das Steuer gewissermaßen herumreißt, verleiht den kapverdischen Inseln eine viel bedeutendere Rolle als daß dies allein durch seine Lage im Atlantischen Ozean bedingt sein könnte. Von nun an werden es die Entwicklungen der Kämpfe und die Debatten in der Partei auf den kapverdischen Inseln sein, die Einfluß nehmen werden auf die Situation in Guinea-Bissao und die teilweise die Entwicklung der Ereignisse in diesem Lande mitbestimmen werden, Dies ist sehr wichtig, wenn man die Frage der Einheit von Guinea-Bissao und kapverdische Inseln angehen will.
Eine ganze Periode lang begnügte sich die PAIGC damit, dieses Ziel allein damit zu rechtfertigen, daß es historische Bindungen zwischen den beiden Bevölkerungen gebe, besonders während der Periode des von der PAIGC geführten Befreiungskampfes. All dies ist sicher richtig und muß die Hauptargumentation bleiben. Es genügt jedoch nicht, an die lusophonische (portugiesischsprachige) Einheit zu erinnern und an die Einheit der Partei, um den reaktionären Manövern zu begegnen, die die rassistischen Vorurteile zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen verschärfen sollen.
Zuerst einmal muß man wissen, daß eine bedeutende Fraktion der Kleinbourgeoisie in den Städten Guineas kapverdischer Herkunft ist und daß die antikapverdische rassistische Ideologie, gegen die man unbedingt kämpfen muß, mit einer Opposition recen die privilecierten Schichten bei den armen und notleidenden Bevölkerungsschichten. Zum anderen ist es ein schwerwiegender politischer Fehler, wenn man die nationale kapverdische Frage negiert. Deshalb ist es vollkommen positiv, daß gewisse Führer der PAIGC seit einigen Monaten öffentlich die Existenz von z wei Nationen und ihr jeweiliges Selbstbestimmungsrecht in der Frage der Einheit anerkannt haben. Allein die Berücksichtigung der nationalen Rechte der kapverdischen Bevölkerung, eingebettet in eine internationalistische Erziehung der Massen, kann die Spaltungsversuche des Imperialismus erfolgreich zurückschlagen. Dies erfordert auch die. Berücksichtigung der Interessen der kapverdischen und guineischen Volksmassen und nicht mehr die Berücksichtigung der Interessen "aller Klassen und Schichten". Die Einheit
Tatt darf nicht auf Kosten der Ausbeutung der guineischen Arbeiter durch einen kapverdischen Händler gehen. Wir wollen vielmehr von einer internationalistischen Vereinigung der beiden kämpfenden Völker sprechen. Aber in diesem Falle ist es möglich, daß ein mandjakischer Bauer im Norden von Guinea nicht versteht, warum man ihm erzählt, daß er gemeinsame Interessen mit dem kapverdischen Bauern hat, während man gleichzeitig vergißt, von seinem mandjakischen Bruder" zu sprechen, der nur 20 km von ihm entfernt im Senegal lebt.
Indem die PAIGC nur eine partielle Antwort auf die Frage der Vereinigung gibt, vemachlässigt sie die Definierung der strategischen Aufgaben gegenüber der Gesamtheit der afrikanischen Revolution. Man muß die PAIGC beglückwün schen zum Prozess der Vereinigung dieser beiden Länder. ohne das wesentliche zu verbergen: die Isolierunfieser Etappe ab, sondern sie ist der guineischen Revolution häng nicht allein von abhängig von den Kämpfen in der ganzen Region. Auf den kapverdischen Inseln wird man den Typ der aufzubauenden Armee definieren müssen. Dasselbe gilt für den Aufbau einer Gewerkschattsbewegung. Die Frage der Milizen und ihrer Funktion wird in letzter Instanz erst durch das Kräfteverhältnis zwischen der Massenbewegung und den Versuchen einer Regierung, über das nationalistische Projekt, das zu vollenden man sich zum Ziel gesetzt hatte, hinaus Politik zu machen, geregelt werden. Das leiche gilt für die Gewerkschaftsfrage und wa: lie Unabhängickeit der Gewerkschaften gegenüber der Partei und gegenüber dem Staat betrifft. Guinea und die Kapverdischen Inseln zu vereinigen, wird für die Führung der PAIGC sehr große Probleme autverfen, denn die beiden Bewegungen haben verschiedene Grade der Organisation und der Autonomie gegenüber dem Staatsapparat erreicht. Man wird wählen müssen zwischen der Ansteckung der einen durch die andere oder Zwangsmaßnahmen, um die eine auf das Niveau der anderen herabzudrücken. Das politische Leben der PAIGC auf den kapverdischen Inseln wird sich sehr vom politischen Leben senegalesischen Regime ein gemeinsames Kommuniquee übereinstimmen, daß es keine fundamentalen Gründe gibt, die eine unterschiedliche internationale Politik der beiden Länder besonders auf afrikanischer Ebene rechtfertigen würde, " Die beiden Länder "sind sich auf dem Gebiet der Aufrechterhaltung des Friedens der Verantwortlichkeit bewußt, die ihnen zufallt und der Sicherheit, gemäß den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und der OAS." " (Bissao, den 9. Januar 1975).
Man sollte sich jedoch keine Illusionen machen über die Entwicklungsmöglichkeiten von Guinea und Kapverdische Inseln Im Rahmen eines geeinteh gemeinsamen nationalistischen Staates, der schon stark vom Stigma der Bürokratisierung gekennzeichnet sein wird und in dem sich nach und nach die verschiedensten Tendenzen gegeneinander bekämpfen werden. Die Frage der Einheit hat auch eine sehr große Bedeutung, wenn es darum geht, die Autoritat des stabilisieren. Da ein bedeutender Tell der nationa- sich abzeichnenden bonapartistischen Staates zu len Führung der PAIGC kapverdischen Ursprungs ist, muß sie, will sie für die städtischen Massen in Guinea-Bissao glaubwürdig bleiben, die anti- kapverdischen chauvinistischen Vorurteile brechen. der PAIGC in Guinea-Bissao unterscheiden müssen, Die jungen kleinbürgerlichen Elemente, die durch die portugiesischen Universitäten gegangen sind, wo sie in Kontakt mit der revolutionären portugiesischen Jugend waren, was wiederum wichtige Ausvirkungen auf die Erweiterung ihrer politischen Be• ugspunkte gehabt hat, sind dabei ein wichtige. Element.
Sie werden ihre Ergebenheit und ihre Opferbereitschaft mit dem Nationalismus der PAIGC versöhnen müssen und sie werden aufdecken müssen, daß ihre Fragen in der Arbeiterbewegung auf ein gewisses Echo stoßen werden, Ein solches Bedürinis verführt selbstverständlich leicht zu einer prochinesischen Haltung -- eine kleinbürgerlíche Versuchung basierend auf den Siegen der chinesischen Revolution gegen die Unterentwicklung. Aber ein solcher Weg, der den gradualistischen Revolutionskonzeptionen entgegenkommt, steht nicht im Widerspruch zum Nationalismus der regionalen Umgebung, sondem gleicht sich diesem Schon erscheinen in den Bulletins der PAIGC auf dem Archipel die Warnungen vor "dem Linksund Rechtsopportunismus", sowie lange Ausführungen,
KAPVERDISCHE INSELN die erklären, daß die Forderung nach Volksmacht nur heißen kann, daß man sich identifiziert mit der Stärkung der Partei.
Es wird imperialistische Komplotte gegen die nationa listische Führung aut den Kapverdischen Inseln eben. Es wird zahlreiche reaktionäre Intrigen ge• en, um dieses Archipel in das Lager des Neo-Kolo• nialismus zurückfallen zu lassen. Aber die Vorbereitung auf solche Kraftproben besteht nicht darin, daß man die Massenbewegung taktisch für seine Ziele benutzt, sondern darin, daß man sie entwickelt, systematisch politisiert -- durch die Liquidierung des Mythos von der "Nationalen Versöhnung" , durch die Formulierung eines antikapitalistischen Programms im Rahmen einer Strategie, in die die Klassenkämpfe der ganzen Region integriert sind, Aber die PAIGC hat sich bereits stark für ihre Zugehörigkeit zum Lager der "Blockfreien" ausgesprochen und die afrikanische Diplomatie legt bereits seit Monaten seine Netze aus, was zur Stärkung der am meisten abschüssigen Linie der PAIGC führt: des Opportunismus.
Es ist sehr wichtig, daß die revolutionären Marxisten die Situation auf den Kapverdischen Inseln und in Guinea-Bissao weiterhin verfolgen, denn die Probleme, die sich dort stellen, wie z. B. die Frage der Vereinigung, müssen im Zentrum unserer eigenen politischen Strategie in diesem Kontinent C. GABRIEL/8.2.1975 die SONDERNUMMER 5 Internationae
Texte des X. Weltkongress der IV. Internationale (1974) (Teil 1) *politische Resolution (Mehrheit und Minderheit) * Aufbau revolutionärer Parteien im kapitalistischen Europa Preis: 6.- DM
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