ENIGEGEN
Der tolgende Artikel ist datiert mit dem 31. Januar 1974 und aus "Combate" , Zeitung der POR (Partido Obrero Revolucionario -- Revolutionäre Arbeiterpartei) der bolivianischen Sektion der IV. Internationale, über- Unsere Analyse vom Jahre 1973 hat sich klar bestätigt. Die politische Situation in Bolivien ist gekennzeichnet durch eine stetige Schwächung der Militärdiktatur, der Bourgeoisie und des Imperialismus, die ihre Ursache hat im erneuten Aufschwung einer wiederbelebten Arbeiterbewegung, die von Sektoren der Bauernschaft und der Mittelschichten, die sich ebenfalls in Bewegung gesetzt haben, unterstützt wird, Erneut bereitet der politische Prozess einen Zusammenstoß zwischen den Klassen vor. Die verschiedenen Elemente der Situation, die wir sehr aufmerksam verfolgen müssen, sind die folgenden: eine unlösbare Wirtschaltskrise: die im Oktober 1972 versuchte Stabilisierung der Währung auf der Basis einer Abwertung um etwa 70% ist gescheitert; die Kaufkraft ist folglich geringer geworden und das Geld hat an Wert verloren; die Löhne haben also einiges von ihrer Kaufkraft verloren, während die Preise unaufhörlich weitersteigen. Man kann in diaser Periode fanden drei bedeutende Preisteigeringen, das Jahr 1973 als das Jahr der für elementare Konsumartikel statt. Das hat dazu geführt, daß die Arbeiterlöhne, die Einkommen der technischen und liberalen Berufe, die Gehälter der Handels- und Bankangestellten stark angegriffen wurden. DAS JAHR DER GROSSEN INFLATION
Aber diese Maßnahmen haben auch die Bauernschaft getroffen, die sich sehr schnell mit einem eingeengen Markt konfrontiert sah, weil das Einkommen der Arbeiter geringer wurde, während gleichzeitig die Preise für die Waren stiegen, was eine Konsequenz der erhöhten Transportkosten war. Parallel dazu zeigte sich in Bolivien ein neues Phänomen: nämlich das Phänomen der Knappheit der Grundnahrungsmittel wie Reis, Zucker, Kaffee und Fleisch. Bis dahin war die Menge dieser Waren ausreichend, nicht nur um den nationalen Konsum zu befriedigen, sondern auch um einen Überschuß zu exportieren, Die Situation auf dem Weltmarkt, die gekennzeichnet war durch eine Krise der Nahrungsmittelprodukte und die Erhöhung der Steuern für diese Produkte, hat die Produzenten bewegt, den größten Teil ihrer Produktion für den Export zurückzuhalten, um die stabilsten Devisen zu bekommen und die vorteilhaftesten Profite zu machen. Infolge davon konnten die Bedürfnisse des eigenen Landes nicht mehr befriedigt werden, die Knappheit breitete sich aus, mit Schlangen vor den Läden und mit der Spekulation. Die Regierung Banzer, Instrument der einheimischen und der imperialistischen Unternehmer, schützt wie ein Gendarm alle Finanzmechanismen. Ihre Abhängigkeit und ihre -4 Unterwürfigkeit bringen sie dazu, sich den Interessen der englischen, nordamerikanischen und brasilianischen Unternehmen, die die bolivianischen Rohstoffe zu Preisen unter denen des Weltmarkts kaufen, zu unterwerfen. Aus diesem Grund können sich die derzeit sehr hohen Weltmarktpreise nicht zum größeren ökonomischen Vorteil für Bolivien auswirken. Andererseits hat die Diktatur unter dem Druck der Nahrungsmittelknappheit dieses Problem mit den wirtschaftlichen Maßnahmen vom 21, Januar 1974 gelöst, wodurch die Interessen der Produktoren auf Kosten derer der Massen geschützt werden: Die Preise der Grundnahrungsmittel sind innerhalb Boliviens dieselben wie auf dem internationalen Markt. Das war eine Preiserhöhung von etwas mehr als 100 %, was einer erfaktische kauftrart der Eine enebich herause die wird. Die Bourgeoisie, die Nahrungsmittel produziert, bekommt jetzt auf dem einheimischen Markt diesselbe Summe wie auf dem internationalen Markt. In beiden Fallen, in dem der Grundstoffe, die, wie das mit dem Erdöl und dem Naturgas geschehen ist, Brasilien zu ungünstigen Bedingungen abgegeben wurden, wie bei der Anhebung der Binnenmarktpreise für Reis, Zucker, Fleisch, Kaffee usw. kann man die Haltung des Diktators Banzer nicht anders bezeichnen als die eines Lakaien im bedingungslosen Dienst dieser Interes- Die Wirtschaft Boliviens steckt in einer Krise, die unter dem gegenwärtigen Regime keine Lösung finden kann. Die angekündigte Entwicklung. die auf der Grundlage vom Zustrom massiver Auslandsinvestitionen in Gang kommen sollte, findet nie statt. Das ist ein Märchen für kleine Kinder. Investitionen benötigen nicht nur wirtschaftliche Vorteile und günstige Bedingungen, sondern im wesentlichen sozialen Frieden und politische Garantien, was Bolivien trotz der kriminellen faschistischen Repression nicht bieten kann. Darum gibt es auch keine Investitionen im großen Maßstab. Werden doch welche getätigt, so handelt es sich um kleine Summen, die einige Unternehmen der östlichen Zone stärken sollen oder ein direktes politisches Ziel haben, nämlich die Diktatur zu stützen. Umgekehrt werden eher Kapitalien aus Bolivien abgezogen, und die Quellen seiner natürlichen Reichtümer werden ausgeplündert. In wirtschaftlicher Sicht war 1973 negativ. Und 1974 fängt mit einem Paket wirtschaftlicher Maßnahmen an, die die Krise noch mehr verschärfen.
Dieser wirtschaftlichen Krise und den von der Diktatur getroffenen Maßnahmen entspringt die politische und soziale Labilität, die das Jahr 1973 kennzeichnete und die fortdauert. Die Massen begannen in dieser wirtschaftlichen und sozialen, durch die Maßnahmen der Regierung verschärften Sitaution, sich wieder in Bewegung zu setzen. hum esten mal seit dem 21. August 1971, als die Diktatur an die Macht kam.
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Die Wirtschaftsdekrete vom 27. Oktober 1972 bewirkten einen Wiederaufschwung der Arbeiterbewegung zur Verteidigung des Lebensniveaus der Arbeiterklasse. Auf die explosionsartige Reaktion des Volkes in den wichtigsten Städten, besonders in La Paz, wo wieder Barrikaden in den Straßen errichtet wurden, folgte eine zähe Widerstands- und Protestbewegung von Seiten der Gewerkschaften. Keine einzige Arbeiterorganisation befürwortete die Maßnahmen, ein Streik folgte dem anderen, und Petitionen wurden verfaßt, in denen ein besserer Ausgleich in den Löhnen für den Kautkrattschwund durch die Entwertung der Währung gefordert wurde. Die Bevegung entwickelte an der Basis einen solchen Schwung daß die anfänglich zögernde und hinhaltende Haltung der Gewerkschaftsführungen schnell aufgegeben wurden. Die Achse der Bewegung wurde von den Fabrikarbeitern restellt unter der Führung des Gewerkschaftsbundes vor la Paz, der sofort 450 bolivianische Dollar monatlict als Teuerungszulage forderte. Die Arbeiter vom Bau und vom graphischen Gewerbe, die Angestellten der Banken und des Handels sowie die Bergarbeiter be schlossen zu mobilisieren und diksutierten kritisch die Wirtschaftspolitik des Faschisten Banzer. DIE ZUSAMMENSTÖSSE VON COCHABAMBA
In Cochabamba geriet die Bauerngewerkschaft von Cliza, ein dichtbevölkertes, traditionelles Zentrum der Agrarreform, in Konflikt mit der nationalen Bürokratie der Bauerngewerkschaft. Sie lehnte ebenfalls die Geldentwertung ab, und es kam zu den ersten Funken von Zusammenstößen mit dem Heer, bis schließlich sich sogar die bürgerlichen, patriotischen und religiösen Organisationen den Protesten der Arbeiter anschlossen.
Unvermittelt sah sich die Militärregierung mitten in einem neuen Aufschwung der Massenbewegung. Sie sah sich gezwungen, Verhandlungen über die Forderungen der Arbeiter aufzunehmen, und mit den Gewerkschaften Abkommen über einige bescheidene Zuge- Sie erkennt die sektoriellen und regionalen Gewerkschaften an und schließt mit ihnen Kompromisse. Sie läßt sich dabei von dem Kriterium leiten, isolierte ökonomische Forderungen zuzulassen, denn sie bemüht sich, die Arbeiterbewegung weiterhin in unabhängige Teile gespalten zu halten, indem sie n: it jeder einzelnen Gewerkschaft getrennt verhandelt oder sie bekämpft.
Aber die Vereinbarungen der Diktatur mit den Gewerkschaftsführungen werden bald von der Inflationsspirale und der Reaktion der Gewerkschaftsbasis, die weitere Zugeständnisse fordert, überholt.
Banzer muß das Gesetz zur Sicherung des Staates inkraft setzen - unter dem Vorwand, die Spekulation zu bekämofen. in Wirklichkeit jedoch, um der Mobilisierung des Volkes, das in Bewegung kommt, zu begegnen Ende 1973 steht die Arbeiterbewegung auf dem Kriegsfuß. Der Bergarbeiterkongreß vom 19. November, der öffentlich in Potosí abgehålten wird, zeigt, wie weit die Arbeiterbewegung sich reorganisiert hat. Wie früher gibt das ergarbeiterproletariat die Linie an. Ausgehend von den wirtschaftlichen Forderungen, die sich aus den unmittelbaren Gefühlen der Massen Boliviens ableiten, gelangt es zu einer revolutionären politischen Opposition zur Diktatur. Auf dem Kongreß werden die sozialistischen Thesen der Bergarbeiter ratifiziert und die Politik der Regierung völlig verworfen.
Wie die Bergarbeiter haben auch andere Sektoren der Arbeiterklasse wie die nationalen Gewerkschaften der Arbeiter der Verarbeitungsindustrie und der Bauindustrie sich zu aktiven . positionszentren entwickelt. Und auf dem Sektor der Bankangestellten halten sie ihre Tradition als Widerstandskräfte aufrecht. Ein neues Phänomen ist darin zu sehen, daß die Gewerkschaft der Handelsangestellten erwacht ist und an den Mobilisierungen aktiv teilnimmt und nach Dutzenden von Jahren völliger Passivität wieder Streiks beginnt. Dezember 1973 ist ein Monat gewerkschaftlicher Bewegungen um politische Probleme: um die Amnistie, die auf nationaler Ebene diskutiert wird, und um allgemeine Wahlen, die von der Diktatur auf den St. Nimmerleinstag verschoben wurden. Da es keine revolutionären podie offen diese Probleme angehen.
Zu Beginn des neuen Jahres herrschte in der Arbeiterbewegung große Spannung. Deshalb kam es auch so fort zur Explosion, sobald die wirtschaftlichen Maßnahmen vom 21. Januar 1974 bekannt wurden. Die Schlüsselsektoren der Arbeiterbewegung. durch ihre Dynamik auszeichneten, antworteten sofort mit Streik und gingen zu Protestdemonstrationen auf die Straße. Die neuen Elemente aber; die Ende 1972 und im Laufe des Jahres 1973 aufgetaucht waren, taten geradezu einen sprung. In den Stadten gingen die Handelsangestellten zu einem aktiven, gewaltsamen Streik über, was einen Wandel in der Haltung der Kleinbourgeoisie ausdrückt, die sich früher neutral und distanziert gegenüber der Arbeiterbewegung verhalten hatte. Auf dem Lande nahm der Ausbruch gewaltsamere Formen an, insbesondere im Tal von Cochabamba. Die Gewerkschaft der Schuhfabrik Manaco (vom internationalen Konzern Bata) geriet in Konflikt mit der Unternehmerschaft und besetzte die Fabrik. Als die Dekrete, die eine Preiserhöhung von mehr als 100 % bedeuten, bekannt wurden, beschloß diese Gewerkschaft den Streik, besetzte wieder die Fabrik sowie das Stadtviertel, wo sie liegt, und begann, die Straße von Cochabamba nach La Paz zu blockieren.
Sie rief die Bauern der Gewerkschaftszentrale von Quillacollo, in deren Gebiet die Fabrik steht, auf, über die Maßnahmen der Regierung zu diskutieren. Darauf schlossen sich die Bauern der Bewegung an und beteiligten sich an den Straßensperren. Die Bauern der Nachbargebiete taten das gleiche; Barrikaden wurden im Gebiet von Vinto und Tarotani errichtet und zwei Brücken wurden mit Dynamit in die Luft gejagt, wodurch der weg völlig blockiert war. Schließlich griff die Bewegung auf die Regionen von Punata über, so daß alle Zugänge nach Cochabamba gesperrt waren.
Dieser Teil der Bauernschaft schloß sich also dem Widerstand an, während seine Führer in La Paz Banzer ihre Unterstützung anboten, einen Monat nach dem Kongreß der Bauerngewerkschaft in Paracaya, der von der Regierung organisiert und von dem Hauptmann des Heeres Lopez gleitet worden war.
Cochabamba wurde zum explosivsten Zentrum des Widerstands; aber im ganzen Lande mobiliserten sich die Massen. Es kam zu Zusammenstößten in Oruro und La Paz. Die Bauern von der Bauerngewerkschaft La Paz sprachen sich ebenfalls gegen die ökonomischen Maßnahmen aus und riefen in einem Gegendokument die Arbeiter auf, Verteidigungskomitees für die Interessen des Volkes zu gründen.
Die Mobilisierung der Bauern und Arbeiter von Cochabamba nahm große Ausmaße an. Die Diktatur ließ die Stadt umzingeln, erklärte sie zur militärischen Zone und ernannte den General Perez Tapia zum Befehlshaber. Dieser Offizier wurde gefangen genommen, als er mit den mobilisierten Kräften verhandeln wollte. Diese Tatsache sowie die Hartnäckigkeit der Bewegung und die Gefahr ihrer Ausweitung versetzten die Diktatur in Schrecken. Sie beeilte sich, ihr ganzes kregs- ›otential zu mobilisieren. Die Luftwaffe wurde einge. setzt zur Beschießung von Arbeiter- und Bauerngruppen; dann räumten Panzer und das gepanzerte Regiment die Straßenblockaden, und schließlich begannen speziel - sierte Truppen tür den antisuversiven kampt, Gebiete durchzukämmen. Der Ausnahmezustand wur- 8-
den ausgerufen, und Dutzende von revolutionären Ge- zu haben, und verschwindet von der Bühne. Angesichts nossen wurden verhaftet. der Wirtschaftspolitik des Regimes und unter dem Druck der massiven Opposition des Volkes kann man mit neuen Dit- Ganz Bolivien ist durch diese Kämpfe erschüttert ferenzierungen innerhalb des Heeres rechnen. worden, und die Militärdiktatur spurte, wie ihr Apparat zu krachen anfing. Die katholische Kirche nahm In der F.S. B. (Falange) kam es zu einer tielen Krise, ihrerseits die Forderungen der Arbeiter auf und verur - als der ehemalige Generalsekretär und Ex-Minister fürs teilte ebenfalls die ökonomischen Maßnahmen. der Gesundheitswesen Carlos Valverde Barbery gegen seinen Chef Mario Gutiérrez rebellierte. Die Auseinandersetzung wurde zugunsten des letzteren entschieden mit- Die bolivianischen Massen haben wieder ihre außeror- hilfe von Banzer, aber Ende 1973 wurde Gutierrez andentliche Kampfkraft bewiesen. Die politische und laßlich der letzten Kabingftskrise ersetzt und mit einem oziale Schwache des Regimes wurde offenbart. Aber Posten bei den Vereinten ationen betraut, was die Tür ebenso offenbarten sich die Schwächen in der Bewegung für die Rückkehr der Rebellen öffnete. der Arbeiter, Bauern und Mittelklassen. Mehr als Hunderttausend im Streik, aber aus Protest nur Teil-Arbeits- Die ernsthafteste Krise erlebte zweifelsohne der M. N.R., niederlegungen, ohne Zentralisierung und Koordinierung. der in viele Fraktionen gespalten ist. Es gab keinen Generalstreik von Hundertausend Arbei- des Kabinetts letzten November bekamen Vertreter der tern. Desgleichen sind die wirtschaftlichen Forderungen Streitkräfte und des Privatkapitals die Schlüsselministeuntereinander verschieden, auch wenn alle gegen die rien. Aus diesem Grund zog Paz Estenssoro den M. N. R. ökonomischen Maßnahmen der Regierung gerichtet sind. aus der Regierung zurück. In seiner Erklärung vom 28. Es gab keine einheitliche Liste der Forderungen. Sie November sagte er, daß es keine Gründe mehr gab variierten von der Forderung der Fabrikarbeiter von 1 200 bolivianische Dollar monatlicher Zulage statt der von der Regierung dekretierten 400 Dollar bis zu zer für den Juni dieses Jahres angeboten hatte, auf unviel bescheideneren Forderungen. bestimmte Zeit zu verschieben. Die Militärchefs haben gemerkt, daß eine Wahlperiode einzuleiten - und wenn Eine Führung ist nötig, die in der Lage ist, den Prozel liese noch so kontrolliert ist - bedeuten würde, der Opzu zentralisieren und zu vereinheitlichen. Die Lücke position die Gelegenheit zu geben, aus der Illegalität der COB (Central Obrera Boliviana, bolivianische Ein- aufzutauchen. Die Massenbewegung würde sich schnelheitsgewerkschaft) konnte nicht gefüllt werden. Der ler organisieren. Die Furcht vor den Massen, die Unsidringerdste Schritt besteht darin, cherheit ihnen gegenüber, das Bewußtsein der Tatsache, Höhe der Dynamik und Kampfkraft der Massen zu brin- daß ihre eigene soziale Basis äußerst schmal ist - das en. Die fehlende Zentralisierung der Massen ermög- sind die eigentlichen Gründe für die Regierung, die ichte es der Regierung, aus ihrer vertrackten Situation Wahlen weiter hinauszuschieben und keine allgemeine herauszukommen. Solange, wie die Bewegung braucht, um diese Führung auf die Beine zustellen, solange verlängert sie die Lebensfrist der Militärdiktatur. EINE REVOLUTIONÄRE FRONT IST NOTWENDIG Drei Kräfte sind es, die in diesen Massenkämpfen dahin- Die bolivianische Linke ist hinter der Zuspitzung der tendieren, sich zusammenzuschließen: die Gewerkschaf- ›olitischen Entwicklung in Bolivien zurückgeblieben. ten der Mittelklassen (Angestellte des Handels, der Wenn der politische Prozeß in Bolivien vom Gesichts- Banken, Kleinhändler usw.), die im vergangenen Jahr punkt der Massen her gesehen die Schwächen aufweist, sehr tatkräftig wurden, die Arbeiterbewegung der Städ- die wir erwähnt haben, so ist das im wesentlichen date und der Bergwerke sowie die Bauern mit ihren mitt- für eine Beteiligung des M. N.R. an der Regierung. leren Führungen. Die Einheit der Arbeiter und Bauern diese Entscheidung brach eine schwere Krise aus. begann bei der Blockade der Straßen und auf den Bar- Autorität von Paz Estenssoro wurden infrage gestellt. die rikadenim Tal von Cochabamba, Einheit zwischen den von Banzer auf untergeordnete Ministerposten ernannten Arbeitern der Fabriken Manaco, der Ölmühle, dem M. N. R. -Mitglieder Franco Guachalla, Guillermo Bu- Quimbol-Werk und des Milchwerks (Planta Industria- lacia, Raul Lema weigerten sich zurückzutreten, lizadora de Leche) und den Bauerngewerkschaften von Jugend fordert die Rücknahme der Maßnahme, und dann Quillacollo, Vinto, Parotani, Punata und Chizy. Die- widersprechen die Führer Ruben Julio und Ciro Humboldt ses Bündnis in der Aktion erhielt seine Feuertaute unter Paz und beschließen, daß der M. N.R. weiterhin in der den Angriffen der Luftwaffe und der Panzer der Regie- Regierung blieben soll. Schließlich werden Paz Estenssoro rung. Die gefallenen Arbeiter und Bauern bilden den mit seiner ganzen Mannschaft verhaftet und ins Exil nach Zement für die zukünftige große Allianz zwischen den Paraguay geschickt.
Arbeitern und Bauem.
Dieser ganze Prozeß innerhalb der Regierung und der po- DIE POLITISCHE KRISE UND DIE ANTWORT DER MASSEN lite front der Machen er sie gamesse end, wider - litischen Formationen, die sie unterstützen, Die ökonomische Krise ohne Lösung und die Antwort der sprüchliche Persönlichkeiten und solche, die zu Kon - Massenbewegung auf die Wirtschaftspolitik der Diktatur flikten innerhalb der Regierung Anlaß geben, werden führten zu ernsten Auseinandersetzungen innerhalb der. ausgeschaltet. Es wird angestrebt, die Regierungsmannschaft Regierung Banzer, was sich ausdrückte in Wechseln von zu vereinheitlichen. Das Ziel ist eindeutig: eine solide Kabinettsmitgliedern und in der Verschlechterung der Front aufstellen angesichts der sich entwickelnden Masbeziehungen zwischen den Krälten, die die Macht aus- senbewegang. Regierung und Bourgeoisie bereiten sich üben: das Heer, die Falange (F. S. B. ) und der M.N. R. mit dem Heer, das ihre Partei darstellt, vor, die Mas- Im Heer versetzt Banzer mithilfe der allgemeinen Dienst- sen zu konfrontieren.
ordnung seine Konkurrenten-und schaltet sie schmerzlos Die Diktatur sieht, wie sich ihr Manövrierfeld immer von der politischen Bunne aus. Ihres Amtes enthober mehr verengt. Sie war nicht in der Lage, die Arbeiterwerden die Oberkommandierenden des Heeres Remberto bewegung zu dominieren. Die Massen haben sich neu triarte und Zenteno Anaya, die Innenminister Hauptmann organisiert und entgehen ihrer Kontrolle trotz der bru- Andres Selich, der danach im Hause seines Nachfolgers alen Repressionsmethoden. Sie kann nicht unempfindlich ermordet wird, und Hauptmann Adet Zamora. Offiziere bleiben gegenüber der Entwicklung der Bewegung. die medrigeren Ranges werden als Militarattaches in die sie tagtäglichkonfrontieren muß. Botschaften entfernt. Die alten Militärführer werden re- sie unternimmt, um ihre Mannschaft zu vereinheitlichen, legiert, und die höheren?Militärposten gehen in die Han- verstärken zugleich die Zersetzungsfaktoren det Situation de von zweitrangigen Offizieren über, die der Regierungs- in Bolivien. Das Militärregime von Banzer ist bereits mannschaft Banzer untergeben sind. Die letzten Ereignisse und der Bauernaufstand von Cochabamba führten schließlich zum Auseinanderbrechen des hohen Militär- Die Streitkräfte, die sich der Schwäche des Regimes kommandos. General Eladio Sanchez, Oberster Heeres- gegenüber den rasch reifenden Kräften bewußt wurden, führer, wird beschuldigt, Verbindungen mit der Subversion aben beschlossen. die allgemeinen Wahlen, die Ban- -49-
rauf zurückzuführen, daß die Linke nicht ihre chronischen Schwächen überwinden noch sich von den Schlägen, die ihr das Regime versetzt hat, erholen konnte. Wenn die Massen nicht weiter vorankommen und die Diktatur trotz ihrer Schwäche ihre Krisen und Konflikte losen konnte, dann liegt das an der Unzulanglichkeit der Parteien, die sich Arbeiterparteien und revolutionäre Parteien nennen. Mit der Niederlage der Revolution in Chile ist ihre Situation sehr viel prekärer geworden und hat die Verbindung zwischen den Genossen und Führern im Exil mit denen, die im Innern des Landes arbeiten, weiter erschwert.
Einige Parteien haben angesichts der harten Repression und der Schwierigkeiten, den offenen politischen Kampf wieder in Bolivien zu beginnen, statt Kräfte zu sammeln und zu schulen, um diese zu überwinden, ihre Linie und ihre Perspektiven geändert. Die Linke war im F.R. A. (Antifaschistische Front) 1972 zusammengefaßt und hatte beschlossen, den Kampf für den Sturz der Dikta tur und für den Sozialismus zu führen. Aber als der Zeitpunkt kam, wo die Vereinbarungen und Beschlüsse des F. R. A. in die Praxis umgesetzt werden sollten, da spaltete er sich an der Spitze und wurde aktionsunfähig. Ein Teil machte wieder einen Schritt zurück: begeistert, wie schnell sich die Arbeiterbewegung erholte, wie die Diktatur eine halblegale Funktionsweise der Gewerkschaften erlaubte, und voller Illusionen über die Möglichkeiten einer elektoralen Offenung, ersetzte die sozialistische Perspektive des F.R. A. durch die der nationalen Demokratie. Sie wandten sich gegen den F. R. A., nicht um dessen Inaktivität zu kritisieren und die Verantwortung der Parteien, die ihn lähmen und spalten, festzustellen, sondern um zu kritisieren, daß er beschränkt ist auf die sozialistische Zielsetzung unter der Führung des Proletariats. Diese Sektoren vergessen die Realität des Klassenkampfes in Bolivien und stellten sich zur Aufgabe, andere Bündnispartner mit der Zielsetzung eine reiten Front zu minden.
So kam es zu zwei Versuchen, eine breite Front aufzustello Der ont seien Pare der den Per de von Siles Zuaso, drei Formationen des alten F.R. A. und die Krümel dés MNR, der mit der Diktatur verbündeten Partel, zusammenzubringen.
Der andere Versuch war der von General Torres, der den Perón von Bolivien spielen will. Auch hier wie im vorhergehenden Versuch gelang es nicht, die politischen Kräfte, die unabhängig von der Regierung agieren, zusammenzufassen.
Der Hintergrund dieser Versuche ist klar. Er liegt in der unterschiedlichen Konzeption von der bolivianischen Wirklichkeit, von der Natur der Revolution und von der Führungsrolle des Prozesses durch das Proletariat. In der Praxis hatten diese Versuche sehr viel weniger Erfolg als der F. R. A., zu dem neun Organisationen gestoßen waren. Sowohl die Teilnehmer des "Paktes der Vier" als auch die Front des General Torres sahen in Bolivien die Möglichkeit, in Bolivien nationalistische demokratische Regierung zu errichten von der Art der MNR-Regierung in den fünfziger Jahren oder von der Art der Regierungen Ovando und Torres. Sie geben di e sozialistische Perspektive aut und schwenken aut der Linie der Etappentheorie und des Bündnisses mit der Bourgeoisie ein. Und da in Bolivien die Bourgeoisie die Militärdiktatur unterstützt, geben sie sich mit den Übrigbleibsein des M. N. R. zufrieden und setzen ihre Hoffnungen darauf, einen Teil des Heeres zu gewinnen. So werden sie sogar zu "golpistas" (Anhängern von Militärstaatsstreichen) und stützen sich auf den Apparat des Peronismus (in Argentinien).
Wie falsch diese Positionen sind, das kam in der politischen Entwicklung Boliviens selbst zum Ausdruck. demokratische Öffnung. die Wahlen, die Amnistie, die es ermöglichen sollte, ins Land zurückzukehren usw. usw. - all das erwies sich als Illusionen. Die Regierung Banzer, weit davon entfemt, verschärfte sogar ihre Poitik, traf in ihrem Repressionsapparat Vorbereitungsmaßnahmen zur Konfrontation mit den Massen und setzte die Streitkrätte gegen die Massen ein. Die bürgerlichen Sektoren, die sich vor dem Aufschwung der Massen fürchten, gehen weiter mit der Diktatur. Der Peronismus gibt seinerseits in kurzer Zeit sein rechtes und reaktionäres Wesen zu erkennen und neigt zu einem Übereinkommen mit Banzer. Die progressive Bourgeoisie. die im Widerspruch zum Imperialismus stehen und eine demokratische Periode eröffnen soll von oben her, erscheint nirgends. Die These von der nationalistischen Demokratie hat schon ihre Beschränktheit und Falschheit bewiesen, und heute fehlt es ihr an Akteuren. Weiterhin besteht die Hauptaufgabe darin, die Massen zu vereinen, ihre Zentralisierung voranzutreiben, das Auftauchen von nationalen Führungen zu fördern, und dazu ist die einheitliche Aktion der Arbeiter- und Volks- Parteien unabdingbar.
Wir treten als revolutionäre Marxisten für die Einheitsront ein mit der einzigen Bedingung. daß in einer solchen Front die Bourgeoisie nicht teilnehmen darf unc daß die proletarische Perspektive und die Führung durch das Proletariat gesichert sein müssen. Es ist eben diese Front, die in den Aktionen der Arbeiter und Bauern, wenn sie sich heute mit dem Gorilla Banzer auseinandersetzen, heranreift.
DIE BEWAFFNUNG DER MASSEN, EIN GRUNDLEGENDES ZIEL FÜR DEN STURZ DER DIKTATUR UND DEN SIEG DES SOZIALISMUS
Die unmittelbare Perspektive läßt sich sehr genau aus der Analyse der Situation ableiten. Die Regierung aut der einen Seite und die Massen auf der anderen leben in einer Dynamik, die sie zu einem Zusammenstoß fuhren muß. Eine Lösung nach der Art von Ovando oder eine demokratische Öffnung sind unwahrscheinlich. Sicher, die Diktatur ist geschwächt worden dadurch, daß sie einen Großteil ihrer sozialen Basis, ‹die sie zur Zeit ihres Machtantritts hatte, verlor. Deshalb gesteht sie der Arbeiterbewegung ein Eigenleben in gewissen Grenzen zu, Wir müssen all diese legalen oder halblegalen Möglichkeiten ausnützen; aber wir müssen klar hre Grenzen sehen, um nicht Opfer der Repression zu werden. Unser Ziel ist, die Diktatur zu stürzen, und dazu müssen wir die gegenwärtigen Umstände ausnutzen, sowohl was den Aufschwung der Massenbewegung als auch was die Schwächen des Regimes betrifft. den Prozeß voranzutreiben auf die Perspektive einer Arbeiter- und Bauernregierung• Die Massen vorbereiten und gleichzeitig uns als Partei vorbereiten, das ist jetzt die wichtigste Aufgabe. Aber die Vorbereitung der Massen kann auf keinen Fall nur propagandistisch und literarisch sein. Vorbereitung heißt vor allem Aktion, und Aktion heißt Vorbereitung. heißt, daß man vom Propagandismus, vom Verbalismus, von den allgemeinen und abstrakten Deklamationen wegkommen muß.
31. Januar 1974 NACHTRAG
Die politische Entwicklung Boliviens in den beiden Monaten nach der Verfassung dieses Dokuments bestätigt voll unsere Analyse. Der Regierung ist es gelungen, die Explosivität der Arbeiter- und Bauernmassen zu kontrollieren, vor allem wegen den Schwächen und Unzulänglichkeiten der revolutionären Führung. Aber auch wenn die revolutionäre Bewegung durch die Repression angehalten wurde, so reift sie doch innerlich. Die Hundert toten und die Tausenden verletzten Bauern aus dem Kampf gegen das Heer in Cochabamba haben bei arznen pollischen Reingeze in Gang gesetzt. In der Arbeiterklasse nimmt die Aktivität für eine neue revolutionäre Gewerkschaftsführung wieder zu. Bei den Fabrik - und Bergarbeitern kommt es zu Differenzierungen gegenüber den gegenwärtigen Gewerkschaftsführungen ›der gegen Teile von diesen. Sowohl die Gewerkschaft der Fabrikarbeiter als auch die der Bergarbeiter sind auf Versammlungen hart kritisiert worden, weil sie nicht einen energischen Kampf zur Verteidigung der roletarischen Interessen führten. Andererseits wird die Notwendigkeit einer Zentralisierung und Vereinheitli- 50-
chung der Kämple der Massen um ihre Forderungen im- werkschaftsführer versammelt und ihnen erklärt, daß mer deutlicher erkannt, und Diskussionen an der Basis die gegenwärtigen internationalen Umstände günstig beginnen, auf welche Art und Weise die C.O.B. auf Rückkehr zum Meer" . Er rief sie zu einer die Höhe ihrer gegenwärtigen Aufgaben zu bringen sei. "heiligen Allianz" für dieses Ziel auf. Er versprach ein Kabinett der nationalen Einheit und bat um soziale Waf- Wenn die Ereignisse vom Januar die Arbeiter- und Bauerbewegung aufgerüttelt und inren Reifungsprozeß vorangetrieben haben, so haben sie ebenfalls dem admini- Dieses Manöver ist leicht zu durchschauen. Der soziale strativen, politischen und repressiven Apparat der Mili- Waffenstillstand wird von den Arbeiter- und Bauernmastärregierung einen Stoß versetzt. Innerhalb des Heeres sen gefordert, nach dem man ihr Lebensniveau gesenkt entwickeln sich Differenziationen, die durch den Besuch hat, während die Bourgeoisie weiterhin von dieser Situaanzers in Brasilien und die Eröffnung von Gesprächen tion profitiert. Wegen des Vorwands "Ausgang zum Meer" mit dem Gorilla Pinochet noch vertielt wurden. sollen die Arbeiter auf ihre Kämpfe verzichten. der Sinn des sozialen Waffenstillstands. Die Gorillas haanzer spürt, wie die Grundlagen seiner Macht schwan- ben mit ihrem Versuch, die Massen niederzuwerfen, ken, wie seine soziale Basis schwindet. Er hat zu einem Schiffbruch erlitten. Um Zeit zu gewinnen, nehmen sie neuen Aulhänger Zuflucht genommen, um eine gewisse jetzt zu dieser demagogischen Kampagne Zuflucht. Aber Unterstützung für sich wiederzugewinnen oder zumindest auch auf dieser Ebene werden ihre Absichten von der poeine abwartende Haltung. Die Bolivianer haben die tief- litischen Entweiklung der Arbeiterbewegung zunichte verwurzelte Uberzeugung. daß sie die Seehäfen, die Bo- gemacht werden. Schon haben sich die Bergarbeitergelivien im kriegerischen Angriff des englischen Imperia- werkschaften geweigert, an der Versammlung von Cochalismus und der chilenischen Oligarchie von 1879 verlor, bamba teilzunehmen. Sie haben diese als Farce denunwiedergewinnen müssen. Die Diktatur hat beschlossen, ziert und gefordert, daß der Ausnahmezustand aufgehomit diesem Gefühl des Volkes zu spielen. Banzer rief ben und die völlige Freiheit für die Aktivitäten der Arzur Einigkeit auf, um dieses Problem zu regeln. In Co- beiterbewegung anerkannt wird. chabamba hat er in den ersten Tagen des Monats April 200 Führer von bürgerlichen Parteien, Ex-Präsidenten, (Aus " Combate", Zeitung der POR, bolivianische Sek- Ex-Minister, Ex-Parlamentarier, Unternehmer und Ge- tion der IV. Internationale) (aus INPRECOR Nr. 0 vom 9. Mai 1974)
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