Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Irland. Die Irish Republican Army (I.R.A-Irische Republikanische Armee) gegen den britischen Imperialismus

Inprekorr Nr. 3, 15. Mai 1971 · S. 2-7 · 3.277 Wörter

Großbritannien Irland

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Die Irish Republican Army (I.R.A. Irische Republikanische Armee) gegen den britischen Imperialismus +++++++++++++++++++ ++++++++++++++ +++ +++ Vor einigen Wochen begann die britische Presse eine der emotionsgeladensten Kampagnen seit langem. In den Schlagzeilen ereiferte man sich über "IRA Morde" und Krieg im "Chicago-Style" in Belfast. Der Tod dreier junger Soldaten bewegte zutiefst die Gemüter, und die britische öffentliche Meinung wurde auf weitere repressive Maßnahmen in Nordirland vorbereitet. Wir können damit rechnen, daß nicht nur die Truppenzahl, sondern auch die Repression gegen die nationalistisch eingestellte Bevölkerung zunehmen wird. Wir müssen die Lage in den sechs Grafschaften Nordirlands näher betrachten, um hinter dem Wall der Propaganda die wirkliche Lage zu erkennen und die politische Arbeit zur Vorbereitung des Kampfes gegen den britischen Imperialismus aufzunehmen.

DAS WIEDERAUFLEBEN DER "IRISH REPUBLICAN ARMY* Zunächst muß in bezug auf die gegenwärtige Lage das Viederaufleben der Irischen Republikanischen Armee festgestellt werden. Die Phase des Kampfes für die Bürgerrechte ist vorbei, und das alte Symbol der irischen Politik ist wieder aktuell -das Gewehr. Die britische Linke hat im allgemeinen nicht klar erkannt, daß die Bewegung für Bürgerrechte, die ein neuer politischer Durchbruch in Irland zu sein schien, unvermeidlich zu einer Lage führen mußte, in der die Katholiken in einem gewaltsamen republikanischen Kampf die Lösung ihrer Probleme suchen. Trotzdem ist das unerbittliche Ergebnis dieser Tatsache, daß die Macht diese brutalen Staatsapparats in Nordirland zum ersten mal seit 50 Jahren ernsthaft inFlage gestellt wurde. Und dies ließ alle alten Widersprüche wieder lebendig werden, die für ein Drittel der Bevölkerung durch den Staat repräsentiert werden, in dem zu leben es durch bewaffnete Unterdrückung gezwungen ist. Als die Macht diese Staates geschwächt wurde, war es unvermeidlich, daß die Kräfte, welche die unstillbare Hoffnung auf nationale Einheit verkörpern, gestärkt werden. Ebenso war es unvermeidlich, daß die Anwesenheit britischer Truppen in den sechs Grafschaften Nordirlands zu Zusammenstößen mit der Bevölkerung führen mußte. Die Katholiken , die die Truppen im August 1969 willkommenhießen oder zumindest tolerierten, weil sie sich in einer Lage befanden, in der Progrome drohten, deren Ausbruch die Truppen verhinderten. Zwei Faktoren haben diese Einstellung jedoch geändert: erstens sind die Menschen, die in den katholischen Gettos lehen, jetzt fähig, sich selbst gegen drohende Angriffe zu verteidigen, und zweitens spielen die britischen Truppen eine Rolle (Kontrolle über alle unabhängigen Kräfte, um dem britischen Imperialismus Zeit zu geben, eine langfristige Lösung zu finden), die versucht die Errichtung einer Verteidigungsmacht zu behindern. Diese Truppen haben somit die Feindschaft der unterdrückten Minderheit mit Recht auf sich gezogen, die sich mit dem traditionellen Haß der Bevölkerung gegen die Uniform der britischen Armee verband. Die Truppen, die mit der Suche nach Waffen begannen und der feindlichen Haltung der Bevölkerung mit immer breiteren und wahlloseren Verhaftungen entgegentraten, brachten es fertig, jede Tendenz der katholischen Gettos zu vereinen, gegen sich. Ein typischer "Zusammenstoß" zwischen britischen Truppen und "extremen Elementen" sieht so aus: einige junge Leute werden drangsaliert und werfen daraufhin mit Steinen; mehr Truppen werden herangezogen, mehr Steine fliegen, die Truppen benutzen Tränengas. Das Gas wirkt nur auf jene Menschen, die ihm nicht entfliehen können. Deshalb sind alte und kranke Menschen sowie kleine Kinder die einzigen wirklichen Oprer. Dies wiederum führt dazu, daß Molotow-Cocktails geworfen und oft Feuerwaffen verwendet werden, wenn ältere Männer beginnen, ihr Gebiet zu beschützen.

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Man muß sich klarmachen, daß die britischen Truppen nur seit Monater derlei Aktionen in allen katholischen Stadtteilen Belfasts durchführer und keinerlei Maßnahmen dieser Art gegen die protestantischen Viertel urternehmen, obwohl sich dort große Waffenlager befinden. Man muß sich klarmachen, daß die naiven Hoffnungen auf Fortschritt in bezug auf die Bürgerrechte erfolglos waren, daß die Arbeitslosigkeit in Nordirland rasch zunimmt und daß den Bewohnern der Gettos keinerlei Hoffnung auf ein arnehmbares leben bleibt. Dann wird man verstehen, daß zwischen dieser Bevölkerung und ihrer bewaffneten Avantgarde - der Irischen Republikanischen Armee - enge Bande geknüpft worden sind.

WAS IST DIE I.R.A.?

Die I.R.A. ist in erster linie durch zwei Kampagnen gegen den Staat Nordirland - eine im Jahre 1939 und eine im Jahre 1956 - bekannt geworden. Sie wurde aus dem Teil der irischen Guerilla-Armee gebildet, die sich nach dem Kampf gegen Großbritannien in den Jahren 1918-1922 geweigert hat, den Vertrag und die Teilung Irlands anzuerkennen. Im Bürgerkrieg gegen die Kräfte des "Freistaats" gelang es ihr nicht, diesen Verrat rückgängig zu machen, und seitdem existiert sie als irreguläre Armee, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Herrschaft des britischen Imperialismus über Irland und jene Iren zu bekämpfen, die bei der Ausbeutung des landes kollaborieren. Die Vorläufer der I.R.A. gehen jedoch weit in die irische Geschichte zurück; besonders auf die Bruderschaft der Fenier, die alte Bewegung der "physischen Gewalt" , die im letzten Jahrhundert verschiedene heldenhafte Versuche unternommen hatte, Großbritarnien aus Irland zu vertreiben. Nach der Niederlage im Kampfe der Jahre 1956 bis 1962 diskutierten die Führer der I.R.a. lange Zeit die Gründe ihres Versagens (siehe das Interview mit Cathal Goulding in 'New Left Review' Nr. 64). Von Bedeutung für sie war nicht so sehr, daß sie militärisch geschlagen worden waren, als daß sie es nicht fertiggebracht hatten, die Ünterstützung der irischen Bevölkerung zu erlangen. Mit dieser Unterstützung wäre ihr Guerillakampf unschlagbar gewesen. Ohne diese waren sie trotz der breiten Sympathie, die sie genossen, gegen den bewaffneten britischen Imperialismus hilflos. Diese lange Diskussion hatte tiefgreifende Konsequenzen. Ein Großteil der Bewegung begann die Notwendigkeit einzusehen, daß man klare Vorstellungen entwickeln muß von einem Irland, für das zu kämpfen sich lohnt. Er sah außerdem ein, daß die einzige Perepektive die war, für eine Arbeiterrepublik zu kämpfen. Gleichzeitig bewegte man sich von bestimmten Praktiken weg, wie z.B. der Weigerung, Gerichte anzuerkennen oder Fragen der Polizei zu beantworten. Dies hatte nämlich dazu geführt, daß Aktivisten nutzlos ins Gefängnis gingen und damit die Bewegung noch mehr schwächten. Man gab auch die Nichtbeteiligungspolitik auf, die darin besteht, durch Wahl gewonnene Sitze im Westminster-, Stormont- oder Dailparlament richt einzunehmen.

"OFFIZIELLE" UND "PROVISORISCHE"

Der letztgenannte Punkt war der Hintergrund für die Spaltung zwischen "Offiund "Provisorischen" im vergangenen Jahr. Nach der Entscheidung des ziellen"

Armeerates, die abstentionistische Politik aufzugeben, sprach sich auch die Konferenz des politischen Flügels der republikanischen Bewegung im Jahre 1970 mit einer kleinen Mehrheit gegen die Nichtbeteiligungspolitik dies genügte, um die notwendigen Änderungen im Grundgesetz vorzunehmen. Irzwischen hat selbst die offizielle republikanische Bewegung die abstentioristische Politik aufgegeben. Eine große Anzahl von Abgeordneten verließ den Konferenzsaal und gründete den "Provisorischen Armeerat" und den "Caretaker Executive of Sinn Fein".

Die Gründe für die Differenzen haben natürlich tiefere Ursachen als nur die Frage des Abstentionismus. Die "Provisorischen" lehnten auch die sozialistische Perspektive der "Cffiziellen" ab und beschuldigten diese nicht

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rur, durch die Anerkennung des "Treatyite"Parlaments (des "Abkommensparlaments") Nordirland verkauft zu haben, sondern auch unter kommunistischem Einfluß zu stehen.

AUGUST 1969 Es gab jedoch noch einen anderen Punkt, der Ursache tiefer Verbitterung zwischen den beiden Orpanisationen darstellte: die Rolle des Armeerates im Norden Irlands während der Ereignisse im August 1969. Dieser hatte keine Waffen geschickt, als die Bevölkerung der Städte Bogside und Falls vor einem Pogrom der "¿ Specials" (Terrorgruppen der Protestanten) und der "Royal Ulster Corstainlaries" (Nordirische Polizeieinheiten) stand, obwohl er Waffen zur Verfügung hatte. Cathal Goulding, der Vorsitzende des Armeerates, erklärte die Gründe (siehe 'New Left Review' Nr. 64), und sie waren ziemlich überzeugend. Die Tatsache jedoch, das die Armee in diesem entscheidenden Augentlick nicht in Erscheinung trat, gab, zusammen mit der Wendung der "Oftiziellen" weg von der Taktik der physischen Gewalt, den "Provisorischen" Anla3, diese als "Pazifisten" abzustempeln und sie zu beschuldigen, den bewalfneten Sektor der Bewegung aufzugeben. Dazu kommt, daß die "Provisorischen" zweifellos ihr möglichstes taten, um ihre eigene militante Kraft gegen die britischen Trupper zu beweisen. So kann man leicht vergessen, da die längste Auseinandersetzung zwischen britischen Truppen und repullikanischen Kräften seit den englischen Repressionskriegen regen den irischen Aufstand zu Ende des 1. Weltkriegs ("Black and Tan Wars") die 16-stündire Schlacht im Juli letzten Jahres war. "OFFIZIELLE" GEGEN "PROVISORISCHE" ?

Es ist zu diesem Zeitpunkt unmöglich, die jüngsten Konflikte zwischen den "Offiziellen" und den "Provisorischen" kompetent zu beschreiben. Es ist jedoch wichtig, die Rolle der britischen Armee und der britischen Presse darzusteller.

Seit mehr als zwei Monaten redeten die Schlagzeilen dieser Presse ununterbrochen von Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Bewegungen. Diese Reportagen haben zvei Aspekte. Erstens waren sie, gelinde gesagt, ungenau. Im Januar zum Beispiel waren die Zeitungen voll von Nachrichten über Zwischenfälle, bei denen Menschen in den Lower Falls mit Teer beschmiert und mit Federn überstreut worden waren. Die Zeitungen behaupteten, dies sei eine Fehde innerhalb der I.R.A., uni sie berichteten später (sehr klein gedruckt), daß die Polizei glaube, es handelte sich in Wirklichkeit um kleine Kriminelle, die von der I.R.A. wegen einbruchs in diesem Gebiet bestraft worden waren. Republikaner im Gebiet der Lower Falle bestätigten dies mir gegenüber, als ich inde Januar Belfast besuchte. Sie berichteten, daß diese Menschen in Häuser, kleine Läden und Bars eingedrungen waren, weil sie fälschlicherweise glaubten, es bestünde "Freiheit für alle und alles", da den "Roval Ülster Constabularies" der Zugang in dieses Gebiet untersagt var. Die I.R.A. verhaftete sie, verurteilte sie und führte die Urteile aus. Die Opfer nahmen ihre Straten einigermaßen willig hin, nachdem man sie nachdrücklich darauf hingewiesen hatte, daß jegliche weiter Plünderung des Volkes zu härteren Strafen führen werde. (Der britischen Presse zufolge war dies ein Beweis für die Brutalität und Gesetzlosigkeit der...I.R.A.!) Andere Vorkommnisse wurden in gleicher Weise hochgespielt. Wichtig ist ebenfalls die "prache, in der über die Konflikte berichtet wird. Die Presse spricht von "inneren Fehden" und von der "regulären I.R. A.". Tatsächlich sind die "Offiziellen" und die "Provisorischen" zwei völlig getreinte Organisationen, die im allgemeinen in verschiedenen Gebieten operieren. Es scheint ziemlich sicher, dai die "Provisorischen" in Konflikten mit der Armee mehr Menschen mobilisieren können als die "Offiziellen", und daß sie in mehr Gebieten ind gewiß.in Belfast vorherrschen. Deshalb kann das Geschwätz, sie seien eine "Abspaltung", nur als Provokation aufgefaßt werden, die sie cazu treiben soll, ihre militärischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Und das Geschwätz, die "Provisorischen" seier militanter, muß als Herausforderung interpretiert werden, die "Offiziellen" anzuspornen, ihre eigene "Männlichkeit" (um einen beliebten Ausdruck derselben Presse zu gebrauchen) zu beweisen.

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SCHIEDSRICHTERLICHE APPARATE

Die britischen Zeitungen ignorierten ganz einfach die Tatsache, daß im Januar die zwei Organisationen schiedsrichterliche Apparate zur Schlichtung aller gegenseitigen Konflikte errichtet haben. Unglücklicherweise scheint es, daß diese Apparate inzwischen zusammengebrochen sind. Die Presse hat jedoch zur Zeit der Veröffentlichung ihrer Artikel weitgehend die Tatsache ignoriert, daß sie einen Waffenstillstand ausarbeiteten. Die Absicht ist klar: die Presse will die Konflikte in der Hoffnung hochspielen und verschlimmern, daß die "Offiziellen" und die "Provisorischen" ihre Waffen gegeneinander richten werden anstalt gegen ihren wirklichen Feind. DAS SPIEL DER BRITISCHEN ARMEE

Die britische Armee führt ein ähnliches Spiel. Als ich mit den Republika- Tatsache sprach, daß im erklärten sie mir, daß nach den ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den "Provisorischen" die Truppen sofort abgezogen wurden! Sie konnten dies lediglich so erklären, daß die Briten auf eine Ausdehnung der Konflikte zwischen beiden Organisationen hofften. Soviel zur Absicht der britischen Armee, für Frieden zu sorgen!

Es scheint uns notwendig, unsere Haltung gegenüber den beiden republikanischen Organisationen darzulegen.

BEDINGUNGSLOSE UNTERSTÜTZUNG

Wir unterstützen beide Organisationen gegen den britischen Imperialismus und verteidigen ihr Recht, sich gegen die britischen Besatzungsmächte zu erheben. Wir haben mit beiden politische Differenzen, aber wir verteidigen bedingungslos ihren Kampf und betrachten dies als Pflicht aller britischen Revolutionäre. Wir unterstützen sie und die Minderheit, die britische Truppen angreift. Wir unterstützen sie, wenn sie Steine werfen, wenn sie Molotov-Cocktails werfen und wenn sie auf britische Truppen schießen.

Bedingungslos!

DIE ENTWICKLUNG DER "OFFIZIELLEN"

Trotzdem werden regelmäßige Leser des "RED MOLE" zweifellos bemerkt haben, daß wir der Entwicklung der Offiziellen Republikanischen Bewegung (Offi- 1. 7.2 i to: Aurasene da a3o aur ange sich in sehr viel wichtigere Rolle in der Befreiung Irlands spielen wird als die "Provisorischen". Dies nicht nur deshalb, weil die "Offiziellen" eine sozialistische Perspektive haben. Von viel größerer Bedeutung ist ihre Fähigkeit, dem irischen Volk eine politische Führung zu geben. In einer Situation, in der die britische Armee Ardoyne oder Ballymurphy zerstört, oder balis trache sin können die "Provisorischen" breite Unterstützung ihrer militärischen Wirksamkeit erlangen. Sollte der britische Imperialismus jedoch plötzlich seine Taktik ändern und der Minderheit selbst nur für begrenzte Zeit diese Provokation versagen, dann spielen die "Provisorischen" in diesen Gebieten keine Rolle mehr. Die "Offiziellen" haben geduldig daran gearbeitet, das politische Bewußtsein der gesamten Arbeiterklasse der 6 Grafschaften zu heben und Agitation über Fragen wie Wohnungen, Arbeit usw. getrieben. Es ist wichtig zu wissen, daß das Gebiet von Belfast, die Lower Falls, welches im August 1969 hinter den Barrikaden stand, gerade das Gebiet dar stellt, in dem die "Offiziellen" am stärksten sind. Die Erfahrungen dieses Kampfes haben das Niveau des politischen Bewußtseins zweifellos gehoben. DIE ERSCHIESSUNG DER DREI SOLDATEN

Wenn man sich die britische Presse hinsichtlich der Erschießung der drei Soldaten anschaut, kann einem physisch übel werden. Selten war sie heuchlerischer oder so offen voreingenommen. Es ist ein Grundsatz des bürgerlichen Rechts, daß ein Mensch so lange unschuldig ist, bis seine Schuld bewiesen ist. Ohne jegliches Zögern zeterte die britische Presse über die

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Verantwortung der ge amten irischen Nationalen Bewegung. In der hysterischen At osphäre, die sie aufpeitschte, wird es für jedes Mitgliedder I.R.A. unmöglich sein, ein gerechtes Gerichtsverfahren wegen irgendeiner Beschuldigung zu erhalten, ganz zu schweigen von denen, die der Tötung dieser Soldaten angeklagt sind.

Die Presse nicht i die Brutalität des britischen Imperialismas verurieilt, welcher die irische Bevölkerung zwang, den Kampf um ihre Freiheit an die erste Stelle zu setzen. Sie hai nicht die Arbeitslosigkeit verurteilt, welche junge Schotten sum Eintritt in die Armee zwang. Sie verursachte keine lysterie über die 47 oder 18 Zivilisten, die in den letzten Monaten im Norden Irlands getötet wurden. Sie trauerte nicht, als Charles O'Neill im Juli 1970 von einem gepanzerten Wagen, dem er ein Haltesignal zu geben versuchte, überrannt wurde. Sie war nicht schockiert, als die Truppen einem Nachbarn O'Neills zuriefen: "Hau ab, du irischer Lump, von euch sind noch nicht genug tot". Sie verschwendete keine Schlagzeile für den Tod von Petrick Elliman, der während der illegalen Ausgangssperre General Fr elands niedergeschossen wurde, als er ein wenig frische Luft schnappen wollte, noch entsetzte sie sich, als die britischen Soldaten daraufhin die Tür seines flauses einbrachen und sich mit einer Tasse lee be. dienten, welche sie in einem Zimmer oben zu sich nahmen, während ihr Opfer im Krankenhaus langsam sein Leben aushauchte (er brauchte eine Woche, um zu sterben).

Was nun ist der Beweis, daß die I.R.A. diese Soldaten erschoß? Es gibt keinen. Einige Zeitungen erwähnten nebenher, daß beide Organisationen der I.R.A. die Erschießung öffentlich von sich gewiesen haben. Sie erwähnten ni hi die Tatsache, daß es sowohl vor wie nach der Spaltung der I.R.A. deren unabdingbare Praxis bleibt, die Verantwortung für Aktionen, die sie unternimmt, auf sich zu nehmen, daß kein Fall bekannt wurde, Wo sie die Verantwortung für etwas leugnete, von dem sich später herausstellte, daß sie schuldig war.

Es bestehen andere Theorien, die aufgrund des Beweismaterials mindestens genauso plausibel sind. Zum Beispiel, daß nordirische Freiwillige die Schuldigen sind. Die Reaktion, die sie sich erhofft haben könnten, wären sofortige Demonstrationen für die Verhaftung der I.R.A.-Führer gewesen. Die britische Presse berichtete nicht, daß die Soldaten zule t in Begleitung anderer Soldaten gesehen worden waren. Sie zog keine Schlüsse aus der seltsamen Tatsache, daß diese Soldaten von ihnen unbekannten Menschen in einer Stadt weggelockt wurden, in der sie viele Feinde zu erwarten hatten. Die Absicht der Pressekampagne liegt weder in dem Wunsch, die Wahrheit herauszufinden noch in cer Sympathie für die Opfer. Es handelt sich um einen erbarmungslosen Versuch, die Szene für repressivere Maßnahmen im Norden vorzubereiten. Falls die Stormontregierung keine Verhaftungen auf Grund dieser Vorkommnisse vornimmt, wird die hervorgerufene Hysterie ihr helfen, einen anderen Vorfall als Entschuldigung zu nehmen. Die Atmosphäre, die die Presse zu schaffen versuchte, wird zu härteren Maßnahmen beitragen und dazu benutzt werden, jegliche Übergriffe der Truppen gegen die Minderheit zu verdecken. Die Zeitung "The Sun" zum Beispiel, die über Reaktionen der Armeekameraden der Toten berichtete, zitierte zinen Gefreiten, der sagte, wenn sie sich nicht zurückgezogen hätten, "wäre einiges irisches Blut vergossen worden" ("there could have been some Irish blood about the place", The Sun, 12. Mirz 1971).

DIE HINRICHTUNG VON SOLDATEN

Es ist natürlich möglich, daß diese Soldaten von den Republikanern aus bestimmten Gründen getötet wurden. Und wenn der Kampf sich in der kommenden Zeit verschä It, wäre es möglich, daß Soldaten in Bestrafung für brutale Akte, als Repressalien oder als Mittel zur Demoralisierung der britischen Armee, hingerichtet werden. Derlei Methoden werden Guerillaarmeen aufgezwungen, die einen viel besser ausgerüsteten Feind bekämpfen. Sie wurden

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gegen britische Soldaten schon früher benutzt und waren besonders wirksam, um die Briten aus Südjemen zu vertreiben. Sie werden jedoch in Irland, der Hintertüre Britanniens, eine sehr viel tiefere Wirkung auf die "öffentliche Meinung" haben, sollten sie dort angewandt werden. Revolutionäre sollten nicht dem Druck wei hen, der auf derlei Weise auf die Öffentlichkeit ausgeübt wird. Wir müssen offen aussprechen, daß wir die Kräfte, die den britischen Imperialismus in Irland bekämpfen, unterstützen, und wir werden nicht danach trachten, ihnen zu sagen, wie sie ihren Kampf zu führen haben. Wir haben zur Aufgabe, die wirklich Schuldigen dieser Gewaltmaßnahmen bloßzustellen: jene, die versuchen, die politische und wirtschaftliche Beherrschung Irlands aufrechtzuerhalten. Wenn die britische Regierung tatsächlich über das Schicksal britischer Soldaten beu' ruhigt ist, ist das, was sie zu tun hat, sehr einfach: sie zurückziehen. Sie hatten sowieso nie das Recht, in Irland zu sein.

Wir möchten jedoch nochmals unterstreichen, daß es keinerlei Beweis dafür gibt, daß die I.R.A., "Offizielle" oder "Provisorische", eine Politik des Terrors gegen die Truppen begonnen hat oder beginnen wird. Und wir sind nicht bereit, zuzugeben, daß Beweismaterial bestehe, um die Anschuldigungen zu unterbauen, sie hätten diese Soldaten getötet.

DIE IRISCHE FRAGE UND DIE BRITISCHE LINKE

Die jüngste Krise ist Beweis der fortbestehenden Unlösbarkeit der irischen Frage für den britischen Imperialismus. Die permanente Krise ist einer Lösung keinen Schritt näher. Unglücklicherweise warf sie ein trauriges Licht auf die britische Linke. Mit der Zurahme der Kämpfe nahmen unsere Solidaritätsaktionen ab.

Ein Teil der Gründe liegt in dem riesigen Aufschwung der Arbeiterbewegung in Britannien. Dies verschleierte die Bedeutung anderer Punkte. (Dies heißt zum Beispiel, daß wir recht unvorlereitet für einen Kampf gegen das Einwanderungsgesetz sind.) Wir müssen uns klar darüber sein, daß wir eine ungeheure historische Verantwortung für die Unterstützung des Kampfes des irischen Volkes tragen.

Es genügt nicht, über den Kampf gegen das Antistreikgesetz als Hilfe an die Iren zu reden, da man den Feind an anderer Front bekämpft. Wir müssen eine spezielle Kampagne starten, um den britischen Arbeitern die Tatsachen zu erklären. Sonst werden sie dazu getrieben, die kommenden Repressionen zu unterstüzen.

Es ist deshalb äußerst wichtig, die Irish Solidarity Campaign (ISC) als Achse unserer Anstrengungen zu betrachten. Teile der Linken, die inaktiv geworden sind, müssen wieder zurückkehren, um eine Einheitsfront zu bilden.

Sofortiger Abzug der britischen Truppen! Unterstützung der bewaffneten Aktionen des irischen Volkes! Selbstbestimmung für Irland! (Bob Purdie. Aus RED MOLE Nr. 6, 23.3.1971)