UNTERSTÜTZEN MUSS 1.) Die zionistische Bewegung, die in den Staat Israel Daraus geht hervor, daß die Umsetzung dieses Programms betrachtete es als ihr Ziel, in Palästi- in die Wirklichkeit von vornherein notwendigerweina, auf arabischer Erde, einen "jüdischen Staat" unter se folgende Punkte mit in Rechnung stellen mußte: der Obhut der großen imperialistischen Mächte zu errich- --die Opposition der palästinensischen Massen gegen dieten, Das ist das Programm des Baseler Zionistischen Kon- ses Programm (einige Führer würde man eventuell kaufer gresses von 1892 ionsimus (im Gegensatz zum vor - dem offiziellen Gründungsdatum des können). politischen --der imperialistische Schutz, um die Siedler gegen diehergehenden sentimentalen Zionismus, sen Widerstard zu schützen.
eine geistige jüdische Heimstatte -- und als Nebensache einige landwirtschaftliche Siediungen -- begründen woll- Die ganze Geschichte der Jüdischen Besiedlung Palastina: handelt von diesem Prozess. Die zionistischen Bodenkäute mit der daraut folgenden Vertreibung der Fellacher
Eine derartige nationalistische Ideologie, die sich sofort rief einen lebhaften Widerstand hervor, der sich von 1911 zwangslos in die Bestrebungen des Imperialismus einord- an als politischer Widerstand äußerte. Um das jüdische nete, konnte sich offensichtlich nur in den Köpfen derer Siedlungsprogramm durchzusetzen, stützte sich die zionisentwickeln, die an dem Sieg über den Antisemitismus tische Bewegung auf die herrschenden Mächte der Region: zweifelten, von dem die osteuropäische Gesellschaft durchdrungen war(dort konzentrierte sich die grobe Masse zuerst auf die Ottomanen, dann auf die Briten (wähder Juden im 19. Jahrhundert). Anfänglich blieb die zio- rend ihrer Mandatsherrschaft), 1947/48 auf die Amerinistische Strömung in der Minderheit und beschränkte sich kaner und die sowjetrussen, 1956 aut Großim wesentlichen aut das autkommende Kleinbürgertum, britannien und die USA,' und seitdem auf die USA. das durch den Fremdenhass der aufsteigenden nichtjüdischen lokalen Bourgeoisie verdrängt wurde, Die überwie- 3.) Daraus ist zu erschen, daß die Tragödie der palästigende Mehrheit der jüdischen Massen verhielt sich dem nensischen Flüchtlinge und die fortgesetzten arabischen Jüdischen Nationalismus gegenüber feindlich -- jeden- Autstande gegen die zionistische Ansiedlung aus dem ziofalls in seiner zionistischen Form --, teils aus religiösen nistischen Programm selbst hervorgingen. So wie es der Traditionalismus, teils aus ideologischer Uberzeugung. faschistische Zionist Jabotinsky in einem Text mit dem Die jüdische Bourgeoisie hoffte auf eine liberale Reform Titel "Die eiserne Mauer" scharfsichtig ausdrückte: es gädes zaristischen Reiches, die jüdische Arbeiterbewegung be keinen Grund für die Palästinenser, sich mit einem und vor allem der BUND kämpften für den Sozialismus, Schicksal abzufinden, das die Sioux-Indianer abgelehnt der die strukturellen Ursachen des jüdischen Rassismus hatten, Folglich -- so meinte er -- seien die Differenzen beseitigen würde. Zwischen Zionisten zweitrangig: es gibt unter uns keine "fleischfressenden" oder " vegetarischen" Zionisten, denn wir wissen alle, daß das zionistische Programm nur mit Gewalt realisiert werden kann. Die einzige ernsthafte Differenz bestand darin, herauszufinden, ob die Zionisten
Das Unvermögen der internationalen Arbeiterbewegung, vor allem auf ihre eigenen bewaffneten Milizen oder auf den Sieg des Faschismus und die stalinistische Entartung die Militärmacht des Imperialismus würden zählen müs- Internationale zu verhindern, sen. Daraus ergab sich die Aufstellung verschiedener jüdie Ideologie der zionistischen Minderheit innerhalb der discher Militäreinheiten in Palästina zwischen den beiden jüdischen Bevölkerung sich zu einer fast von allen geteil- Weltkriegen und danach (Hagana, Irgun, Stern-Gruppe), en Ideologie mauserte. Auf der anderen Seite wurden die sich schließlich innerhalb der israelischen Armee zudie zusammengedrängten jüdischen Massen Osteuropas sammenschlossen, Diese Einheiten wurden mit Unterstütdurch den Nationalsozialismus ausgerottet. Die Überle- zung seitens der britischen Kolonialmacht besonders wähbenden wiederum waren durch den Völkermord und rend des großen palästinensichen Aufstands (1936-39) verden verhüllten Antisemitismus der UdSSR - - der ihnen stärkt.
die Hoffnung einer sozialistischen Lösung des jüdischen Problems raubte -- derart erschüttert, daß sie als ein- Während des sechsmonatigen arabischen Generalstreiks zigen Rettungsanker die Unterstützung des Planes eines und der ländlichen Guerilla halfen die Milizen Daians der Jüdischen Staates sahen, als einzige Zuflucht für den Fall britischen Luftwaffe und den britischen Soldaten, die Dördes Wiederauflebens der Verfolgungen -- kurz gesagt, fer Galileas dem Erdboden gleichzumachen; gleichzeitig sie betrachteten den Zionismus als eine "Überlebens- bewachten sie die Ölleitungen der Irac Petroleum Com- Versicherung" • pany.
2.) Gerade weil die zionistische Bewegung den Plan hatte, Der israelische "Unabhängigkeitskrieg" von 1948/49 ein arabisches Land, in einen jüdischen -- in Wirklichkeit die zionistische militärische Besetzung Staat umzuwandeln, mußte sie unfehlbar mit der lokalen des größten Teils von Palästina -- gründet sich auf die Bevölkerung in Konflikt geraten (übrigens auch ebenfalls gleiche Gewaltpolitik, die die einhellige Unterstützung nit der damaligen jüdischen Minderheit in Palästina). Trumans und Stalins tand.
o beinhaltete die Umwandlung Palästinas in ein jüdisches Siedlungsgebiet tatsächlich entweder die Umsiedlung Ebenso sind die unaufhörlichen Vertreibungen arabischer oder die Vertreibung der Bewohner (und der zionistische Bauern infolge zionistischer Bodenkäufe zwischen den bei- Führer Herzl machte in seinen Memoiren keinen Hehl den Kriegen die unvermeidliche Konsequenz des zionistidaraus), oder bestenfalls die Errichtung kolonialer Be- schen Pseudo-"Sozialismus", der darin besteht, die Palăsziehungen zwischen jüdischen Einwanderern und arabisch- tinenser von ihrem Land zu jagen, um es von Juden bearen Fellachen. beiten zu lassen: sie,gipfeln schließlich in der Vertrei- • 27.
bung und (bewußt angestachelte) Flucht der Mehrheit der Uberlegenheit Israels so groß, daß nur ein revolutionärer palästinensischen Bevölkerung des hebräischen Staates im Gesamtprozess in dieser Region seine Niederlage herbeiführen könnte, Dieser würde sich angesichts der imperialisti- So ist also die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser schen Olinteressen in einem langandauernden Kampf entaus ihrem Besitz von Anfang an die politische Hauptach- wickeln, der mit dem Indochinakrieg, mit massiver israse der zionistischen Praxis. elischer Einmischung vergleichbar wäre, Im übrigen bemüht sich Tel Aviv bereits, Syrien ins Steinzeitalter zu- 4.) Diese Grundbedingungen bestimmen die zionistische Außenpolitik. Um als Staat überleben zu können, als Staat, der auf die Vertreibung seiner ursprünglichen Ein- 7.) Die Tatsache, daß Tel Aviv zum ersten Mal den Sieg sen hervorruft und ihre antiimperialistische Stimmung wonner gegründet ist -- was den Haß der arabischen Mas- nicht durch einen Blitzkrieg erringt, ist mehreren Faktoren zuzuschreiben:
steigert -- ist Israel gezwungen, auch weil es wirtschaftlich lebensunfähig ist, sich auf den Imperialismus zu stut- --Zum ersten Mal haben die Israelis keinen Prävenzen und sich zu seinem Werkzeug gegen die arabische Re- tivkrieg begonnen (Erklärungen Golda Meirs) volution machen zu lassen. Daraus entstand 1956 der Sinal-Feldzug (gegen die Nationalisierung des Suez-Kanals), --Die USA und die UdSSR haben diesen Zusammenstoß die Unterstützung Sodvietnar da die Milite Algerien, - lie Unterstützung Südvietnams, zwingen, geduldet, um das zu unabhängig gewordene Israel zu sich im Rahmen einer Regelung vernünftiger opien, die Anerkennung der chilenischen Junta usw. zu zeigen (aber die pro-israelische Lobby in Washing- Wirtschaftlich und strukturell ist der zionistische Staat in schwenken zu bringen). ton ist dabei, die amerikanische Haltung zum Umdas imperialistische Weltsystem eingegliedert. Jeder der israelisch-arabischen Kriege ist vordringlich gegen die --Die arabischen Kräfte sind sich bewußt, für die Befreirevolutionaren Fermente der arabischen Welt gerichtet: ung ihrer Gebiete zu kämpfen. 1956 gegen den Nasserismus, 1967 gegen den syrischen Radikalismus und heutzutage, seit 1967 bis zur Gegen- --Zum ersten Mal kämpfen die zionistischen Truppen wart, gegen den palästinensichen Widerstand, Umgekehrt weit von ihrer Heimat entfernt und sind deshalb stimhat es zwischen Israel und den reaktionären arabischen Re- mungsmäßig weniger betroffen und überzeugt (das Kagames immer eine stillschweigende Ubereinstimmung gege- pitulieren ganzer Einheiten im Sinai wäre 1967 oder en, die durch die Drohungen Tel Avivs symbolisiert wer- 1948 undenkbar gewesen). den, im Falle eines Sturzes des Regimes in Jordanien, dort zu intervenieren. 8.) Die kolonialen Ursprünge des hebräischen Staates spie- Israel ist also ein Staat, der im vorderen Orient nur durch gein sich in seiner inneren Struktur wider: Militärterror fortbesteht. --Fortdauer der britischen kolonialen Ausnahmegesetzgebung von 1948, die der Armee fast absolute Macht ver- 5.) Was das Verhältnis zwischen Israel und der arabischen Revolution angeht, so muß dieses Problem folgendermaßen beantwortet werden: der Zionsimus ist der erbit- --ein Regime der Diskriminierung und Unterdrückung geterte Feind der Volksmassen, deren Erwachen das Gleich- gen die im Lande befindlichen Palästinenser, denen jegewicht der zu seinen Gunsten wirkenden Kräfte gefährden des Recht auf eigene Organisation verweigert wird, Führungen hingegen ist komplizierter. Diese sind durch ‹önnte. Das Verhältnis zu den reaktionären arabischen --das Trachten nach der "Heiligen Einheit" um jeden und durch für den status quo (denn Israel schützt auch ih- Preis, um jedes Bewußtwerden der jüdischen Arbeiterre Stabilität, werden aber von ihrer Basis gedrängt klasse, der schikanierten und ausgebeuteten orientalistark auf Antizionismus zu machen, was sie auch tun müs- schen Juden, der radikalisierten Jugend zu verhindern. sen, um ihren Kredit bei den Massen nicht zu verlieren.
Dies erklärt die Zweideutigkeit in der Haltung dieser Re- 9.) Seit 1967 entwickelt sich Israel sehr schnell auf die ame, wie sie sich im gegenwärtigen Krieg widerspiegelt Südafrikanisierung hin: lie syrischen und ägyptischen Führungen schlagen sich tatsächlich, um die Erfüllung der UNO-Resolution durchzuset- --organisierte Überausbeutung von zehntausenden palestizen, die ihnen die 1967 eroberten Gebiete zugesteht, nensischen Arbeitern (einschließlich von Jugendlichen gleichzeitig aber das Recht Israels als zionistischer Staat und Kindern) - - eine koloniale Situation in Reinkultur nach Transjordanien und nach Gaza zurückzukehren, die gezwungen sind, nachts in ihre Reservate 6.) Als imperialistischer Brückenkopf und kolonialistisches nachdem sie tagsüber in jüdischen Unternehmen gear- beitet haben. Geschwür muß Israel von allen Revolutionären bekämpft werden. Im Weltweiten Zusammenhang ist der Kampf von Damaskus und Kairo gegen Tel Aviv ein inte- --beschleunigte Entartung der Kibbuzim zu kollektivis- tischen Gesellschaften, die sich auf die Überausbeugraler Tell des Betreiungskampfes der unterdrückten Völker tung kolonialer Arbeitskräfte gründen und für militärider Dritten Welt, selbst wenn die Regime dieser Länder sche Aufgaben bestimmt sind (Golanhöhen). reaktionär (" Entnasserisierung in Ägypten, das sich um eine Syrien) sind, selbst wenn diese beiden Regime die Vernich- innaherung an die USA bemüht) und kleinbürgerlich (in --sehr schnelle Herausbildung einer israelischen Groß- bourgeoisie, die das politische Gleichgewicht zerstört, tung des palästinensischen Widerstandes im "Schwarzen beruhte. das bisher auf der Hegemonie der MAPAI-Bürokratie September" duldeten (was für Syrien weniger zutrifft) und selbst wenn sie auch ihrerseits die Fedayin auf ihrem Territorium mundtot gemacht haben. "spektakuläre Militarisierung der Gesellschaft, in de ie Generale einen beispiellosen Autonomie-Spiel- Außerdem hat die Politik der Gewalt, der sich Israel zu ne Politik führen und methodisch die Kommandoposter raum gegenüber der Zivilmacht besitzen, eine eigeseiner Erhaltung bedienen muß, zu einem Dauerexpansionismus gerührt. Die territorialen Annektionen von 1967 ha- des Landes (Wirtschaft, Universitäten, politische Parben aus dem Zionismus ein nationales ägyptisches und ein teien) übernehmen.
nationales syrisches Problem gemacht -- ähnlich dem padenn auf der Tagesordnuns --wachsende Repression, die sich zum ersten Male ebenstent ja nun die Befreiung ihrer eigenen besetzten Gebiete so heftig gegen die jüdischen Revolutionäre wie gegen (Golanhöhen, Sinai). die arabischen Kader wendet, Israel ist für die USA als "Preußen des Nahen Ostens" viel *-Prontalangriff auf die gewerkschaftlichen (militärische zu nützlich, als daß Washington das Infragestellen seiner Requisitionen) und die politischen Freiheiten. Existenz dulden könnte. Im übrigen ist die militärische - 38 -
--Niedergang des moralischen Rückhalts der israelischen Aber bevor das Problem der Zukunft der israelischen Ge- Gesellschaft: allgemeine Korruption, organisierte Mit- sellschaft gestellt (geschweige denn gelöst) werden kann, wirkung der Araber von Gaza zugunsten der zionistisch- müssen die Palästinenser in ihr Vaterland wieder zurücken Statthalter, Folterungen, Jagd auf Non-Konformisten, kehren und ihr Recht auf Selbstbestimmung ausüben kön- 10.) Es gibt keine schnelle Patentlösung des Konfliktes. sein, die kolonialistischen -- d. h. nen, müssen die israelischen Arheiter imstande gewesen zionistischen -- Der Sieg über den Zionismus setzt einen Gesamt- Herrschaftsstrukturen, die die besondere Form der kapikampf gegen den Imperialismus und die arabische Reak- talistischen Herrschaft in diesem Lande darstellen, zu tion im Vorderen Orient voraus, das heißt einen Wieder- sturzen.
aufstieg revolutionärer Kämpfe, der von einer revolutionären Führung strukturiert wird, In dieser revolutionären Perspektive unterstützen wir den Das israelische Problem ist in der Tat nur ein Aspekt der Befreiungskampf der arabischen Völker, den Kampf der israelischen Avantgarde gegen den Kolonialkrieg ihrer allgemeinen arabischen Revolution, Man muß also gedul- Führer, und die jüdisch-arabische militärische Einheit dig eine revolutionäre Vorhutformen, die alle Militanten im Vorderen Orient für die sozialistische Zukunft der der Region, selbstverständlich einschließlich der national- Völker dieser Region gegen den Zionismus, den Imperiaen Minderheiten (kurden, Israelis) umfasst, Nur in den lismus und die arabische Reaktion. Rahmen der revolutionären Wiedervereinigung der arabischen Welt -- in einen Roten Vorderen Orient -- kön- Nathan Weinstock 17. 10. 1973 nen sich die Israelis harmonisch integrieren.