Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Auswirkungen des Oktoberkrieges auf Israel

Inprekorr Nr. 29, April 1974 · S. 56-58 · 1.519 Wörter

Nahost und Palästina Arabische Welt und Golf

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WELCHE FOLGEN HAT DER OKTOBERKRIEG FÜR ISRAEL GEHABT?

Die erste Auswirkung der Oktoberkrise bestand in der Infragestellung der Führung des zionistischen Staates. Seit sechs Jahren (seit dem Junikrieg von 1967) wurde die Weder-Krieg- Noch-Frieden-Situation als die für den Staat Israel beste Lösung präsentiert. Der Mythos der Unverwundbarkeit des zionistischen Staates gab dieser Situation eine gewisse Glaubwürdigkeit. Die halbe Niederlage vom Oktober 1-73 markiert hier zweifellos eine neue Etappe im politischen Leben, Die letzten Wahlen haben dies deutlich zum Ausdruck gebracht. Diese Wahlen haben einen Rechtsruck markiert (Likud). Man muß sofort hinzufügen, daß dies nicht einen Willen zur Verhärtung ausdrückt, sondern im wesentlichen ein Mt aus den letzen er den genitie herorge an, Diese Unter dem Druck der "Tauben" der Arbeiterpartei und um das Debakel zu vermeiden, hat sich die Arbeiterkoalition als Friedenskoalition präsentiert. Aber paradoxerweise verstärkt ihre Schwächung den rechten Flügel der Parel, besonders Dayan und Golda Meir, Man konnte dieses Resultat schon vor dem 31. Dezember vorhersehen. Die Führer der Arbeiterpartei, vollständig verantwortlich für den Mißerfolg des Kippour-Krieges für die zionistische Gesellschaft, sahen sich daher gezwungen, ihre politische Propaganda vollkommen zu ändern, aber gestützt auf die Wahlergebnisse , setzen sie ihre Politik praktisch unverändert fort. Man kann heute auch Mißtrauensbekundungen gegenüber der Linken der Arbeiterpartei registrieren.

Eine für ihre Opposition gegen die Verbindung von Religion und Staat bekannte Rechtsanwältin hat kurz vor den Wahlen eine Kandidatenliste präsentiert. Sie hat 40 000 Stimmen erhalten, das sind drei Mandate. Obwohl sich diese drei Abgeordneten zweifellos der Regierungskoalition anschließen werden, ist dieses Ereignis doch sehr bezeichnend... HAT DER KIPPURKRIEG DIE WIRTSCHAFTLICHE KRISE IN ISRAEL VERSCHÄRFT 2 Der Krieg ist zweifellos sehr teuer gewesen. Die augenblickliche Infaltionsrate nähert sich derjenigen der lateinamerikanischen Länder. Die Lebenshaltungskosten sind in der letzten Periode um 60 bis 100% gestiegen. Die Gründe für die Krise sind verschiedenartig. Zuerst die Notwendigkeit, eine -- im Vergleich zu den übrigen Industriezwei gen -- übermäßig entwickelte Kriegsindustrie aufzubauen. Schließlich hat die direkte oder indirekte Mobilisierung von hunderttausenden von Personen die Produktion desorganisiert. Schließlich und endlich kommt noch hinzu eine Verlangsamung der Kreditströme aus dem Ausland, bedingt durch die sich ankündigende internationale Rezession. Diese wirtschaftliche Krise wird zur Dequalifizierung eines Teils der israelischen Arbeitskräfte führen, um sie für andere Aufgaben freizusetzen, Gleichzeitig werden in den besetzten Gebieten Arbeiter entlassen. Es ist interessant, daß schon während des Krieges die arabischen Arbeiter sich geweigert hatten, zur Arbeit zu gehen.

-56- AUF ISRAEL

WELCHE BEZIEHUNGEN GIBT ES ZWISCHEN DER

AUGENBLICKLICH IN DER REGIERUNG SITZENDEN

BÜROKRATIE DER ARBEITERPARTEI UND DER BOUR- GEOISIE ?

Die Entwicklung einer israelischen Bourgeoisie mit einer wirklichen wirtschaftlichen Basis reicht in das Jahr 1967 zurück, In letzter Zeit hat ihr Gewicht unaufhörlich zugenommen. Die Bürokraten der Arbeiterpartel, die sich im wesentlichen aut die Arbeiteraristokratie stützen, werden immer mehr mit der wachsenden wirtschaftlichen Macht der Bourgeoisie rechnen müssen.

Umso mehr als der Rechtsblock der Bourgeoisie als eine glaubwürdige politische Alternative erscheint. 1972 7 05 70 .....

271 mm "MATZEN (MARXISTISCH)"

Zeitung der ISRAELISCHEN

SOZIALISTISCHEN ORGANISATION in hebräischer und arabischer Sprache

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WELCHE RÜCKWIRKUNGEN HAT DER KRIEG IN DEN WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT DER KRIEG AUF, DIE AR- BESETZTEN GEBIETEN GEHABT? MEE GEHABT › Kurz nach der entscheidenden Phase des KonfUkts hat Man muß wiederholen, daß die Demoralisierung größtes es eine sehr starke Repression gegeben, Die Entstehung Ausmaß angenommen hat. Die israelische Armee ist eine und verroteten Dorfnotabeln traf auf den Widerstand einer alternativen Führung zu den alten korrumpierten Reservearmee. Seit dreieinhalb Monaten dauert nun die Mobilmachung der Soldaten an und man kündigt ihnen des zionistischen Staates. Ihre Hauptvertreter wurden heute an, daß nicht vor April nach Hause zurückkehren vertrieben. Mehr als einen Monat lang gab es Streik - können, Viele von ihnen haben eine Familie, Schwierigbewegungen bei den arabischen Studenten und in den keiten in Bezug auf ihre Arbeitsplätze, und die wirtarabischen Gymnasien. Das Fehlen von Perspektiven schaftliche Situation verschlimmert sich. Diese Faktoren Heute singeruhrt, daß diese Kämpfe verpufft sind. spielen ein sehr große Rolle. Die Rechtskoalition ist I die Gymnasien wieder geörtnet, der Armee mehrheitlich gewählt worden. Wie wir schon Die wichtigste Auswirkung des Krieges von 1973 war jedoch das Wiederaufflammen des arabischen Nationalgefühls, sowohl in den besetzten Gebieten als auch Armee gegangen sind setzen ihre Propgandaarbeit fort. nei den israelischen Arabern. Heute erscheint eine Es ist ihnen sogar gelungen innerhalb der Armee ein Flugpolitische Alternative die sich in Gestalt eines pallstinensischen Staates niederschlagen könnte.

WIE SIEHST DU DIE VERHANDLUNGEN IN GENF?

DIE KOMMUNISTISCHE PARTEI RAKHAH IST AUS

DEN LETZTEN WAHLEN ALS DIE GROSSE GEWINNE- Israel ist in Genf dem internationalen Druck ausgesetzt RIN INNERHALB DER ARABISCHEN BEVÖLKERUNG gewesen und besonders dem Druck von Seiten der USA. HERVORGEGANGEN, WIE IST DAS EINZUSCHÄTZEN? Die israelischen Führer hoffen, daß sie die Verhandlungen zwei oder drei Jahre in die Länge ziehen können, Für sie In der Tat, die KP hat 55 000 Stimmen bekommen gibt es ein entscheidendes Problem: die augenblicklichen und somit ein Mandat hinzugewonnen. Man muß beto- Waffenstillstandslinien müssen geändert werden. Ihre nen, daß sie nicht als die Partei der Arbeiterklasse , Länge und ihre Kompliziertheit verlangen einen hohen sondern im wesentlichen als die Partei der arabischen Grad der Mobilisierung, was unvereinbar ist mit dem Bevölkerung angesehen wurde. Die von der Führung normalen Funktionieren der israelischen Gesellschaft. der Arbeiterpartei lancierten arabischen Parteien ha- Darın negt der sinn der letzten Verhandlungsvorschläge ben eine schmähliche Schlappe erlitten, Sie haben von Dayan und Kissinger. Der Rückzug auf die Gebirgsnur drei Abgeordnetensitze erhalten, von denen zwei linie würde Israel günstigere Verteidigungslinien bieten. dank der Stimmen der siraelischen Juden gewählt Wenn dieses Problem erst einmal geregelt ist, könnte Die arabische Bevölkerung ha. vor allem des- Israel die Verhandlungen so in die Länge ziehen bis die halb Rakhah gewählt, um dadurch Ihre Opposition zum diplomatische Situation wieder günstiger wird, Die is- Zionismus zum Ausdruck zu bringen. Man muß nämlich raelischen Führer hoffen, daß der amerikanische Druck daß sich die KP seit 1967 konstan: nach rechts nachlassen wird, entwickelt hat, Weil sie die UNO-Resolution befürwor teten, weil sie eine Front für den Frieden mit den Par- 12, 1, 1974 teien zu ihrer Rechten auf die Beine stellen wollte, (aus ROUGE 238 vom 18.1.1974) und vor allem, weil sie versuchte eine Verankerung bei den israelischen Juden zu erringen, wurde sie scharf kritisiert, selbst von ihren eigenen Mitgliedern.

Zahlreiche mittlere Kader haben die Partei im letzten (Fortsetzung von S. 55) Jahr verlassen. Die maßlosen Angriffe aller zionisti- PRESSALIEN WERDEN UNS KEINEN SCHRECKEN EINJAschen Parteien, von der extremen Rechten bis zur Linken, GEN. WIR BESTÄTIGEN HIERMIT UNSERE ENTSCHLOSseit dem Oktoberkrieg haben ihr jedoch wieder neues SENHEIT UNSERE POLITISCHE LINIE WEITERZUVERFOL- Prestige verliehen. Unsere Entscheidung, zur Stimmab- GEN UND SIE VOR DEN BREITESTEN MASSEN AUSZU gabe für Rakhah aufzurufen, war in dieser Situation besonders berechtigt. Im Vergleich zu ihr stellten wir keine BREITEN, Seinigen ze Argansteren, die fir uns gewicht die kraft, INDEM WIR DAS TUN, WERDEN WIR NICHT WENIGER Andererseits hätte unser wirklicher Binfluß in den arabi- MUTIG SEIN , ALS UNSERE GENOSSEN, DIE ES WAGEN schen Dörfern dazu geführt, daß die KP Punkte verloren IHRE STIMME IN SOLIDARITÄT MIT DEN ARABISCHEN hätte (wenn wir nicht zu ihrer Wahl aufgerufen hätten), VÖLKERN ZU ERHEBEN, INNERHALB DES ZIONISTIwas ein demoralisierendes Element gewesen wäre. Die SCHEN STAATES SELBST UND TROTZ DESSEN REvon der unseren abweichende Analyse der spontaneistisch- PRESSIONSA PPARA TES. en Gruppen führte zu einem großen Mißerfolg. Mit 0,5% der Stimmen können sie nicht einmal behaupten, der Wir danken bei dieser Gelegenheit allen patriotischen Keim einer Alternative zur KP zu sein. palästinensischen und libanesischen Gruppen, die interveniert sind, um unsere Genossen zu verteidigen und WELCHE ZIELE HABT IHR EUCH IN DER AUGENBLICK- wir fordern sie auf, ihre Stimme des Protestes gegen LICHEN SITUATION GESTECKT? diesen Vorfall zu erheben und gegen jede Einschränkung der demokratischen Freiheiten innerhalb der natio- Der Krieg von 1973 hat dazu geführt, nalen Befreiungsbewegung zu protestieren. tervention heute erleichtert ist. Nach 1967 war es sehr schwierig einem Israeli zu erklären, daß der Zionismus WIDERSETZEN WIR UNS DEN REPRESSIONSHANDLUNGEN keine Lösung für das jüdische Volk ist, daß Israel nicht DER VERTEIDIGER DES RASSISMUS UND DER KAPITULAewig inmitten einer ihm feindlich gesinnten Umgebung leben könne. Heute, wo der Mythos der israelischen WIDERSETZEN WIR UNS DEN PLÄNEN ZUR LIQUIDIERUNG Kraft in Frage gestellt ist, spürt man eine größere Emp- DER PALÄSTINENSISCHEN SACHE UND DER ARABISCHEN fänglichkeit für unsere Analysen, Während unserer Wahl- REVOLUTION!

kampagne haben wir Veranstaltungen durchführen können, FÜR DEN GEMEINSAMEN REVOLU TION ÄREN KAMPF DER die von einer so zahlreichen Zuhörerschaft besucht wurden, ARABISCHEN UND JÜDISCHEN ARBEITER GEGEN IMPERIwie das noch nie der Fall war. Unsere Sympathisantenzir- ALISMUS, ZIONISMUS UND DIE ARABISCHEN BOURGEOIkel sind beträchtlich angewachsen. In Haifa und Jerusalem haben wir in den Gymnasien die politische Hegemonie Revolutionär-Kommunistische Gruppe errungen, Die wirtschaftliche Krise wird die Entwicklung der Arbeiterkämpfe vorantreiben, Wir haben heute weder (aus LA GAUCHE vom 4. Januar 1974) die Möglichkeit diese Kämpfe zu lancieren, noch auch nur ste auszulösen. Dennoch wird unsere Aufgabe in Gestalt der Organisierung der Solidarität sehr wichtig sein.

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