Befreiungsfront von Mozambique (FRELIMO) P.O. Box 15274 DAR ES SALAAM - TANZANIA 13. Juli 1973 Weltweite Beachtung -- mit einer Mischung aus Schrecken und Entrüstung -- zogen vor kurzem die Aussagen spanischer und britischer Priester auf sich, die die Massaker der portugiesischen Truppen an rund 400 Zivilpersonen von Mozambique in einem Dorf der Provinz Tete beschrieben.
Die FRELIMO begrüßt die internationale Verdammung und Denunzierung dieses Aktes von Völkermord; sie möchte jedoch die Tatsache betonen, daß das Massaker nicht isoliert gesehen werden kann. Solche Massaker von Seiten der portugiesischen Truppen in Mozambique sind in der Tat eine Alltäglichkeit; sie gehören zum Wesen der Kolonialherrschaft, Schon 1960 waren mehr als 500 Dorfbewohner von Mueda ( im Norden von Mozambique) mit Granaten und Maschinengewehrsalven massakriert worden -- anläßlich einer friedlichen Demonstration, bei der sie von den portugiesischen Behörden die Unabhängigkeit forderten.
Mehrmals hat die FRELIMO detaillierte Berichte über die zahlreichen anderen portugiesischen Greueltaten gegen das Volks von Mozambique veröffentlicht. Diese erichte (einige waren der UNO-Menschenrechtskommission vorgelegt worden) beschrieben die Bombardierung Einwohnern, und Ermordung von Kriegsin Erinnerung:
--im Juni 1970 kamen portugiesische Truppen in das Dorf Joao (Provinz Tete) an, versammelten alle Eindie sie auffinden konnten (60 Personen, daruneine riesige Grube auszuheben, zen könnt"; die Einwohner gehorchten. Darauf sagten ihnen die Portugiesen, sie sollten hinabsteigen, "um zu sehen, ob es groß genug fur euch ist"!
Die Grube war nicht groß genug und die Einwohner ver- Bie Einkotner stiegen nochmals hinein. Al ate inchmals Grube waren, eröffneten die Portugiesen das Feuer. So ermordeten und begruben sie 60 Einwohner von Mozambique.
--im Februar 1972 schlossen portugiesische Soldaten in einem anderen Dorf, in Xidecunde, 16 Personen (Mănner , Frauen, einige davon schwanger und Kinder) in einem Haus ein und schleuderten Granaten in das Haus. es und 6 kleinrindet. tote de frau berlebte e fr war 15 Personen wurden getötet, ein Arm durch eine Granate abgerissen worden. •-am 28. September 1972 schlossen die Portugiesen in Angonia (Provinz Tete) beinahe 30 Personen in einem Haus ein und setzten es in Brand. Alle wurden lebend verbrannt. Sie waren angeklagt, Verstecke von Guerillas der FRELIMO zu kennen.
-- Anfangs Dezember 1972 kreisten portugiesische Trup- Bo persolen, Des als Antwort auf die wiederhotten Angriffe der Frelimo auf die Stadt Tete. Die Verhafteten wurden in ein Haus gesperrt und lebend verbrannt. --Im Mai 1973 massakrierten die rhodesischen Truppen von Mucumbara 15 Einwohner eines Dorfes. Andere wurden mit Helikoptern abtransportiert und seither nie mehr gesehen, -- Anfang 1971 befahlen portugiesische Soldaten den Zivilpersonen in Tete, ihre Dörfer zu verlassen. An dem Tag, an dem sie sich auf den Weg machten, um anderswohin zu ziehen, wurden sie auf der Straße von Hubschraubern aus angegriffen und massakriert. In unseren Berichten haben wir auch eine infame Praktik, die bei den portugiesischen Soldaten gang und gebe die Ermordung aller schwangeren Frauen, indem man ihnen mit Bajonettstichen den Bauch durchbohrt, um dann den Foetus herauszuziehen, all dies mit dem einzigen Ziel -- nach den Erklärungen der Soldaten selbst --, "der Geburt neuer Terroristen zuvorzukommen". Manchmal deponieren die Soldaten Explosivstoffe im Innern des Körpers der Frau, mit dem Ziel, andere Dorfbewohner anläßlich der Beerdigungsfeierlichkeiten zu töten.
Kürzlich haben sich in Mozambique andere Stimmen des Protestes erhoben. Es handelt sich dabei bsonders um Priester, die diese Verbrechen verurteilen. Wir erinnern nur an die eindeutigen Beweisstücke, die von den "Weißen Vätern" der 'Missionary Congregation" VOrgelegt wurden, die sich im Mai 1971, empört über die Verbrechen und Folterungen, deren Opfer die Bevölkerung von Mozambique ist, entschlossen haben, Mozambique zu verlassen.
Im Oktober 1972 enthüllte ein portugiesischer Priester, der Pater Alfonso da Costa, anläßlich einer in Europa abgehaltenen Pressekonferenz, nachdem er zuvor aus Mozambique ausgewiesen worden war, daß er aus sicherer Quelle wisse, daß zwischen März und Mai 1972 allein in der Provinz Tete mehr als tausend Zivilpersonen massakriert worden seien.
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Die Koloniale Repression schont niemanden, Im Juni 1972 wurden 1 800 Personen im südlichen Mozambique verhaftet und angeklagt, mit der FRELIMO in Kontakt zu sein oder für sie zu arbeiten. Im Februar 1973 wurden zwei Priester verhaftet und zu 5 bzw. 20 Monaten Gefängnis verurteilt, da sie die Aktivitäten der portugiesischen Armee kritisiert hatten. Mitte Juni 1972 wurden 30 afrikanische Presbyterianer verhaftet und eingekerkert. Zwei von ihnen, der Vorsteher der Presbyteríaner in Mozambique und ein Mitglied eines lokalen Kirchenrates, wurden im Gefängnis umgebracht. Als die Behörden im Dezember 1972 deren Tod bekanntgaben, behaupteten sie, diese hätten Selbstmord begangen. Warum diese barbarischen Akte durchgeführt werden, ist leicht zu erklären. Es genügt, den Oberkommandierenden der portugiesischen Armee in Mozambique, den General Kaulza de Arriaga, zu zitieren: "die . por tugiesische Strategie in Afrika muß darauf abzielen, ein Gleichgewicht zwischen der weißen und der schwarzen Bevölkerung zu schaffen. " Nachdem er den Export von schwar zen Sklaven nach Brasilien gutgeheißen hat, gibt er jetzt das aktuelle Ziel der portugiesischen Politik an: "einer seits das Wachstum der weißen Bevölkerung und andererseits die Beschränkung der schwarzen Bevölkerung". Deutlicher hätte er nicht sprechen können.
Es ist die faschistische Völkermordpolitik - - verstärkt durch die Brutalitäten der Kolonialtruppen -- die Schlag auf Schlag , in ihrem Krieg gegen das Volk vor Mozambique (welche die wirkliche Ursache dieser bestialischen Akte ist) eingesteckt hat.
Dies ist der Hintergrund auf dem die von den spanischen und britischen Priestern denunzierten Grausamkeiten begriffen werden müssen.
Schon mehrfach haben wir unser Bedauern darüber ausgedrückt, daß die Weltöffentlichkeit und die nach Frieden und Freiheit strebenden Völker nicht ihre volle Rolle gespielt haben, um den portugiesischen Kolonialismus zu denunzieren und zu verurteilen. Wir hoffen, daß die Antwort der Welt auf die kürzlich bekannt gewordenen Verbrechen der portugiesischen Armee ein zunehmendes Verständnis der wirklichen Natur des portugiesischen Kolonialismus und der dringenden Notwendigkeit seiner Bekämpfung zeigen wird.
(aus ROUGE Nr. 216 vom 10. August 1973) UNABHÄNGIGKEITS
ERKLÄRUNG VON
GUINEA - BISSAU klärung haben mindestens 15 Länderdie Regierung von Guniea-Bissau diplomatisch anerkannt. Die fünfzehn sind: Algerien, die Republik Kongo, Ghana, Guínea, Libyen, Mauritanien, Nigeria, senegal, la, Syrien, Tanzania Togo, Ober - Volta, Republik Malí, Die Unabhängigkeitserklärung wurde bekanntgegeben am 26. September in Dakar, Senegal, von der Partido Africano da Independencía da Guiné-Bissau e Cabo Verde (PAIGCV).
"Das Hauptziel der Erklärung besteht darin, die Vertreibung der portugiesischen Truppen aus dem Lande und aus treibung der Portugiesen in einem einzigen Staat zusammengefaßt würden.
Es gibt etwa 27 000 portugiesische Truppen in Guínea- Bissau, Nach Aristides Pereira, der Guniea- Bissau kürzlich auf der Konferenz der "blockfreien" Staaten in Algier vertreten hat, kontrollieren die Streitkräfte der PAIGCV ungef ihr 3/4 des Landes, was einem Gebiet von 14 000 Quadratmeilen entspricht, Vor 8 Monaten wurde A, Cabral von Söldnern im Dienste der portugiesischen Kolonialisten ermordet, heute zeigt die einseitige Unabhängigkeitserklärung deutlict tie Wirkungsłosigkeit aller Verche der protugiesischen Bourgeoisie, die Völker Guinea- Bissaus und dør Kapverdischen Inseln unter ihrer Herrschaft zu behalten, ‹ampf die Unabhängigkeit erreicht: Bestätigung eines De-facto-Zustandes. Die befreiten Gebiete Guinea- Bissaus erstrecken sich auf mehr als 80% des Territoriums und werden nun zum Sitz des unabhängigen Staates, der noch immer teilweise von der portugiesischen Kolonialarmee besetzt ist.
Seit ihrer Gründung im Jahre 1956 hat sich die PAIGO auf empirischem Wege von den reformistischen Traditionen der nationalistischen afrikanischen Bewegung losgelöst, um, vermittelt uber den Prozess des bewaffneeine revolutionäre nationalistische Bewegung zu werden. Diese Radikalisierung inmitten eines Afrikas, das vom Imperialismus nach der Gewähruns der formellen Unabhängigkeit niedergehalten wird, ist dank folgender Faktoren möglich gewesen: --dank der Besonderheiten des portugiesischen Kapitalismus, der jede neokoloniale Lösung blockierte und daher die Möglichkeiten für eine politische Integration der nationalistischen Bewegung zunichte machte. --dank der Verbindun gen nach außen( vor allem mit der portugiesischen Arbeiterbewegung, die die Entwicklung des antikapitalistischen Bewußtseins des ursprünglichen Kerns erleichterten.
Die PAIGC, die aus der Sammlung von städtischen und kleinbürgerlichen Elementen, sowie kleinen Angestellten entstanden ist, beginnt ihre Intervention aus dem Untergrund auf der Ebeneder demokratischen Forderungen, Die -
und hunderten von Verletzten bezahlt. Seitdem stellt sich für die Nationalisten die Frage der revolutionären Gewalt egen die koloniale Barbarei ganz konkret. Die Herausildung einer städtischen Bewegung wird durch die Allgeenwart der Portugiesen und durch die Schwäche des Proleariats behindert. Es drängt sich daher die Notwendigkeit auf, die ländlichen Gebiete zu mobilisieren (wo 95% der Bevölkerung leben), um aus diesem Potential die treibende Kraft des Befreiungskampfes zu formen.
Das Programm der PAIGCaus dem Jahre 1962 zeigt deutlich die besonderen Charakterzüge dieses Kampfes, verglichen mit dem Zusammenbruch des Nationalismus auf dem übrigen Kontinent.
--das Streben nach politischer wirtschaftlicher, diplomatischer, kultureller und militärischer Unabhängigkeit, die durch die Mobilisierung der Massen erreicht und verteidigt wird.
--Gleichheit vor dem Gesetz für alle, für Frauen und Männer --geplante Wirtschaft mit staatlicher Industrie, Kontrolle des Innen - und Außenhandels --Abschaffung der privaten Ausbeutung der menschlischen Arbeitskraft
Vach vier Jahren Mobilisierung auf dem Lande beginnt die PAIGC 1963 den bewaffneten Kampf
Die Unterstützung durch die Bevölkerung ist dermaßen groß, daß es gelingt, mit sehr beschränkten materiellen Mitteln bedeutende Gebiete rasch zu befreien und gegen jeden Wiedereroberungsversuch zu verteidigen. Aber der Kampf bewegt sich nicht nur auf der militärischen, sondern auch und vor allem auf der politischen Ebene. 1964 taucht innerhalb der Bewegung ein alarmierendes Zeichen auf, Eine militaristische Abweichung deckt PAIGC militants in Guinea-Bissau -55die ungenügende politische Arbeit auf der Ebene der Kader wie auf der der Bevölkerung auf. Auf dem Kongress, der abgehalten wird, um diese Abweichung zu ›kämpfen, wird folgende Parole geboren: "Wir sind keine Milltärs, sondern Militante in Waffen". Politisch ist die Bildung von Strukturen für das Erziehungswesen, für das Gesundreitswesen, 1ür die selbstverteidi- gung, die von der Bevölkerung demokratisch kontrolliert werden und deren Vertreter auf-allen Ebenen in Verbindung mit der Partei arbeiten. Politisch ist die Schaffung von Volksläden, wo sich der Tauschhandel der hergestellten Waren unter der Kontrolle der Bevölkerung abspielt. Die Bezahlung in Lebensmitteln dient zur Versorgung der Hospitaler, Internate, der Schulen und der Streitkräfte. Somit kann man auf die Einziehung von Steuern verzichten und entzieht tausende von Menschen dem wirtschaftlichen Einflußbereich der Portugiesen. Politisch ist auch der Kampl für die Produktion, der von der PAIGC geführt wird, indem die Bildung von genossenschaftlichen Feldern, von Kooperativen, werksbetrieben, deren Produktion an den Bedürfnissen des Kampfes ausgerichtet ist gefördert wird, indem die Verbesserung der Techniken und der benutzten Materialien angeregt wurde. Politisch ist die Schaffung von Volkstribunalen, wo die Bevölkerung durch die Verwendung von gewählten und abberufbaren Richtern, unterstützt durch die juristische Kommission der PAIGC, ihre Identität auf der Ebene der Gerichtsbarkeit wiederfindet, Politisch ist schließlich die Wahl einer Nationalversammlung des Volkes im August 1972, ein durch die Komitees der befreiten Gebiete demokratisch gewähltes Zentralorgan.
Die anfangs auf lokaler Ebene ausgebildeten Kader der PAIGC können gleichzeitig einerseits die Unterstützung durch die Länder Osteuropas, andererseits diejenige durch China in Anspruch nehmen. Dies erklärt teilweise den stalinistischen Einfluß bei einer gewissen Anzahl von Militanten der Partei, Andererseits erklärt dies auch, daß die PAIGC, wie viele andere Befreiungsbewegungen, mit den Streitigkeiten zwischen der russischen und der chinesischen Bürokratie konfrontiert worden ist, die während der Kulturrevolution ihren Höhepunkt hatten. Die politische Erfahrung von A. Cabral hat es ihr ermöglicht das Ausmaß der Ausdruck brachte, daß beide Parteien gemeinsam die Betretungsbewegungen unterstützen sollten, teilweise zu beschränken. Dennoch ist infolge dieser Ereignisse die Hilfe von Seiten der VR China praktisch auf den Nullpunkt gesunken, sowohl auf der materiellen Ebene als auch auf der Ebene der Vorbereitung der militärischen Kader. Die Erfahrungen aus den Streitigkeiten zwischen den Bürokratien hat gewissen Kadern eine ausgezeichnete Lehre bezüglich der stalinistischen Praxis gegeben. Die Erklärung der Unabhängigkeit ist ein entscheidender Schritt auf der Ebene der politischen Offensive, die die PAIGC seit mehreren Monaten führt. Einer der Trümpfe, die die PAIGCietzt ausspielt, besteht darin, die Portugiesen auf diplomatischem Gebiet in die Enge zu treiben, um so mehr als sich innerhalb des imperialistischen Lagers Meinungsverschiedenheiten über den Kolonialstatur lieser Länder aufgetan haben.
Wenn man auch diese initiative, die ein günstiges Kratteverhältnis festhält, begrüßen muß, so ist es dennoch nicht weniger wichtig, eine politische Debatte über den im Gang befindlichen revolutionären Prozess zu beginnen. Aber auch deswegen, weil dieser revolutionäre Kampf ein historischer Beitrag für die Revolution in ganz Afrika ist, muß die Unterstützung organisiert werden. Die revolutionär-marxistischen Militanten, ob Afrikaner oder Europäer, werden an der vordersten Front des Kamp-