DAMIT WURDEN 500 Jahre der Marginalisierung, Ausgrenzung und rassistischen Verfolgung von Sinti und Roma einfach vergessen - die ersten Gesetze gegen diese Menschen stammen aus der Zeit der katholischen Könige.
Eine Reihe von Phänomenen hat diese falsche und selbstgefällige Meinung in den letzten Jahren ins Wanken gebracht: - Das Ansteigen von rassistischen Angriffen auf Sinti und Roma. Die Angriffe auf Mitglieder dieser ethnischen Gruppe (Forderungen, sie aus den Städten zu treiben, Weigerungen, Kinder von Sinti und Roma in der Schule zu unterrichten, verschiedene Arten der Belästigung und tätliche Angriffe) haben seit 1990 zugenommen. Zu den jahrhundertealten Vorurteilen gegen Sinti und Roma (ungefähr 500.000 leben im spanischen Staat) ist jetzt noch die Beschuldigung hinzugekommen, daß sie sich am Heroinhandel beteiligen.
- Es gibt mehr Immigrantinnen aus anderen Ländern. Die größten Gruppen von Immigrantinnen aus der "Dritten Welt" kommen aus Nordafrika, Südamerika und Zentralafrika. Ihnen gegenüber gibt es die üblichen Vorurteile: "sie nehmen unsere Arbeitsplätze weg". "sie sind dreckig" usw. (besonders Schwarzen wird vorgeworfen, daß sie sich am Heroinhandel beteiligen).
- andere Faktoren sind: das Anwachsen konservativer und reaktionärer Ideen; all jene Problem, mit denen sich ethnische Minderheiten konfrontiert sehen wie Armut, Marginalisierung und Verbrechen, die von der Gesellschaft, in der wir leben in einem Teufelskreis immer wieder hervorgebracht werden; das Anwachsen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in ganz Europa. Die immer deutlicheren Anzeichen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben viele fortschrittliche Menschen beschäftigt und sie für das Thema sensibilisiert. Jetzt "sind wir rassistisch". Doch bis jetzt hat sich diese Sensibilität nicht in eine organisierte antirassistische Bewegung umgesetzt. Dennoch gab es verschiedenste Initiativen und die Situation ist auch hier, wie in allen anderen Fragen, von Nationalität zu Nationalität im spanischen Staat unterschiedlich. Antirassistische Aktivitäten
Diese lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
- Organisationen, die Unterstützungsarbeit für ImmigrantInnen leisten. Diese sind sehr Noch bis vor wenigen Jahren war die Ansicht, daß "es in Spanien keinen Rassismus gibt" Allgemeingut im Spanischen Staat. So dachte auch die Linke.
Paco Torres verschieden. So gibt es z.B. christliche (Basisorganisationen wie die Comunidades Cristianas Populares oder cher an die Hierarchie gebundene wie Caritas oder Justicia y Paz.) oder auch gewerkschaftliche (besonders die CC.00 - Arbeiterinnenkomissionen). Eine umfangreiche Kampagne hat sich um die Frage der Legalisierung von ImmigrantInnen entwickelt. Verschiedene Teile der Linken Alternative (IA) haben sich an gemeinsamen Plattformen mit anderen Kräften beteiligt, wobei es auch um Antirassismus ging.
- Es gab auch antirassistische Kampagnen von Sinti- und Romaorganisationen, obwohl sich diese nicht vorwiegend mit diesem Thema beschäftigen.
- Gruppen mit dem Namen SOS-Rassimus haben sich an einer Reihe von Orten gebildet. Esgibt sie in Barcelona, Granada und Euskadi ("Baskenland"). Obwohl sie den selben Namen tragen, sind sie nicht miteinander verknüpft. Die Zusammensetzung dieser Gruppen unterscheidet sich von Ort zu Ort - Leute aus der IU-PCE (Vereinigte Linke - Spanische Kommunistische Partei) in Barcelona, in den anderen Orten ist die Zusammensetzung breiter: ChristInnen, IA und verschiedenste Leute, die Solidaritätsarbeit mit Immigrantinnen machen wollen. Sie machen Propagandaarbeit, Aufklärung, halten Kontakte und helfen Immigrantinnenkolonien. Sie stellen den Beginn einer eventuellen Bewegung dar.
- Die einzige landesweite Plattform ist die Kampagne für Gleiche Rechte ("Iquales en derechos"), die vor wenigen Monaten mit der Veröffentlichung ihres Gründungsmanifestes ins Leben gerufen wurde. Sie will sich auf verschiedenen Ebenen engagieren (institutionell, Öffentlichkeitsarbeit, Anklagen von rassistischen Vorgängen), "sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wenden und das "Recht auf eine eigene Identität" bewahren. Sie ist eine Initiative der Menschenrechtsgesellschaft und hat christliche, Sinti und Romaorganisation und andere nichtstaatliche Gruppen zusammengebracht. So gibt es im Moment keine antirassistische Bewegung, sondern cher verschiedene Initiativen, Gruppen und Kollektive, die sich mit einigen Problemen im Zusammenhang mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beschäftigen.
Diese Initiativen haben in der Presse weithin Beachtung gefunden und stoßen auf große Sympathie. Auch wenn sie heute nur von einem relativ kleinen Teil der Gesellschaft getragen werden, so wächst doch die Ablehnung des Rassismus und die Beschäftigung mit diesem Phänomen.
Es läßt sich nur schwer vorhersagen, was in nächster Zukunft passieren wird. Die verstreuten antirassistischen Aktivitäten werden weitergehen. Vielleicht wird es Schritte in Richtung einer besser koordinierten und geschlosseneren Bewegung geben. Oder die jetzige Situation hält an. Eine kategorische Antwort läßt sich auf diese Frage nicht geben. Immigrantinnen im spanischen Staat
Es gibt undgefähr 800.000 Ausländer, die im spanischen Staat leben (2% der Gesamtbevölkerung). Diese lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen:
a) Ungefähr die Hälfte sind Bürgerinnen aus EG-Staaten und (wenn auch weniger) den USA und Kanada. Die meisten sind Pensionäre, die an der Mittelmeerküste leben. Sie haben offizielle Papiere und einen hohen Lebensstandart...
b) Immigrantinnen au sder sogenannten "Dritten Welt".
Über die Anzahl derjenigen, die keine Papiere haben, gibt es verschiedene Schätzungen (130.000 sagt die Regierung, Caritas gibt 294.000 an und die Europäische Kommission zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geht von 300.000 aus). Am 10. Dezember wurde damit begonnen, diese Immigrantinnen ohne Papiere mit Dokumenten auszustatten. Daraufhin meldeten sich 130.000 Menschen, um diese zu bekommen.Dies würde fast 182.000 Immigrantinnen ohne Dokumente bedeuten.