Ein Gespenst geht um in Europa: der Rassismus. die ArbeiterInnenklasse verwurzelt. Für Marxistinnen Die Wahlen in Schweden haben einen Erdrutschsieg sollte daraus weder die Verharmlosung des Rassisder Rechten gebracht. In Deutschland werden Flücht- mus - Stichwort "soziale Ängste" - noch der Abschied lingsheime von Faschisten angegriffen. Albanerinnen von der Arbeiterinnenklasse folgen. Es geht vielmehr werden in Italien brutal von der Polizei zusammenge- darum, anhand von Analyse und Erfahrungen eine schlagen. Die organisierte ArbeiterInnenbewegung ist antirassistische Klassenstrategie gegen den Rassisin den meisten Ländern unfähig, sich diesem entge- mus zu entwerfen. Freilich verlangt gerade dieses genzustellen. Dies hat nicht nur mit dem unwillen Thema nach einer genauen Analyse dessen, was es vieler reformistischer Organisationen zur Verteidi- zu bekämpfen gilt. Gerade in einer Situation, wo die gung zu tun. Rassistische Positionen sind bis tief in offizielle Politik den Rassismus verharmlost.
die Internationale
Rassismus ist eine Ideologie im Normalfall undemokratischen Verhältnisse in der "Dritten Welt"; b) die in allen imperialistischen Nationen vorhandenen diskriminie- Aus marxistischer Sicht ist eine Ideologie im Sinne von "falschem renden Ausländergesetze. Letztere entsprechen im Großen und Gan- Bewußtsein" eine von Menschen gedachte oder geäußerte Ansicht, zen den Anforderungen des Bürgertums, stellen aber in der jeweiligen die Unterdrückung rechtfertigt und/oder der Überwindung von Unter- Ausprägung auch "geronnene Ideologie" dar. Sosind z.B. die Ausländrückung im Wege steht. So sind bürgerliche Ansichten, die die dergesetze in Deutschland weitaus "rassischer" als in Frankreich. Der Klassenunterdrückung, das Patriarchat oder den Rassismus rechtfer- Dritte Punkt ist am schwersten zu erfassen: Tradition. Ideologie tigen Ideologien. Der Stalinismus, der die Herrschaft der Bürokratie spiegelt nicht nur die gegewärtige Wirklichkeit. Sie transportiert auch über die ArbeiterInnenklasse (und in kapitalistischen Staaten oft immer Traditionen und historische Erfahrungen. So ist z.B. das Wiegenug die bürgerliche Herrschaft) rechtfertigt, ist ebenfalls eine Ideo- dererstarken des Antisemitismus in Polen stark traditionsbedingt. logie. Für unsere Untersuchung ist aber die Frage von besonderer Umgekehrt ist der Rassismus in Deutschland gegenüber Polen stärker Bedeutung, wie sich Ideologien bilden. ausgeprägt als gegenüber Russen, da es die Erfahrung der Niederlage Von einem materialistischen Standpunkt aus spiegeln Ideologien gegen die russische Armee im zweiten Weltkrieg gibt. Das Bild vom in letzter Instanz die Wirklichkeit wieder. Dies geschicht aber nicht, "Untermenschen" ist hier nur schwerlich herzustellen. indem einfach die Wirklichkeit, so wie sie ist, wahrgenommen wird. Ideologie, und damit auch der Rassismus, spiegelt Wirklichkeit Stattdessen gibt es eine "partielle Wahrnehmung". Menschen nehmen wieder. Dies ist natürlich kein einseitiger Prozeß. Eine Ideologie spienur einen Teil der Wirklichkeit - und auch diesen nur gebrochen - wahr. gelt die Wirklichkeit auf gebrochene Weise und verändert dadurch Dieses ist zu einem großen Teil das Ergebnis der Entfremdung und der auch wieder die Wirklichkeit. Unmöglichkeit für die meisten Menschen (aufgrund von Arbeitszeit, Rassismus ist also eine Ideologie, die die von den Strukturen der traditionellen Bindungen usw.), gesellschaftliche Prozesse umfas- Weltwirtschaft hervorgebrachten Ungleichheiten und die staatliche send zu analysieren. und kulturelle Unterdrückung bestimmter Ethnien in den Köpfen der Die Wirklichkeit, die sich in den Köpfen gebrochen widerspiegelt, vorherrschenden (oder unterdrückenden) Ethnie widerspiegelt und hat verschiedenste Ebenen. In diesem Zusammenhang sind drei von legitimiert. ihnen wichtig. Erstens die wirtschaftlichen Grundlagen, die Weltwirtschaft. Hier bestehen nicht nur handfeste Unterdrückungsstrukturen - Entwicklung des Rassismus der Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital. Für den Rassismus ist auch die wirtschaftliche Minderbemittelung von Bedeutung. Ein weißer Diese Arbeitsdefinition bezieht sich freilich auf den heutigen deutscher Arbeiter unterdrückt zwar nicht die ArbeiterInnen und Rassismus. Ideologien, die die Unterdrückung einer anderen Ethnie Bauern im Trikont, es geht ihm (wie der großen Mehrheit der weißen rechtfertigen, sind natürlich wesentlich älter. Sie müssen allerdings Bevölkerung) aber wirtschaftlich wesentlich besser. Daraus entstchen von Ideologien unterschieden werden, die lediglich eine Abgrenzung Ideologien wie jene, daß Menschen aus dem Trikont faul seien. - wenn auch mit abwertendem Unterton - ausdrückten. Zweitens existieren politische Unterdrückungsstrukturen, die im Staat gebündelt sind. Im Zusammenhang mit Rassismus lassen sich hier Antike grob zwei verschiedene Arten von Unterdrückung ausmachen: a) die So finden sich in der Antike beide Arten von Ideologie. Die Griechen bezeichneten, wie allgemein bekannt, Nichtgriechen als "barbaroi" - jene die "bra, 1tg1 24 IX bra", also unverständlich sprechen. Dies war aber keine durchgängig abwertende Bezeichnung, wenn auch bestimmten "Barbaren" be- Stimmte Eigenschaften zugesprochen wurden. So galten nördliche Stämme (z.B.
Germanen) als stark aber geistig schwach. Nordafrikaner hingegen galten als überdurchschnittlich klug.
Diese Ideologien hatten mehr mit partieller Wahrnehmung zu tun. Sie hatten ASYL aber z.B. keine Grundlage in CREMDENS RECHT einer durchgängigen wirtschaftlichen Besserstellung
HASS der griechischen Bevölkerung. Daher wurde z.B.
Zeichnung: Haitzinger selbst als die Armee Alexan- 18 INPREKORR 241
die Internationale ders des Großen das Perserreich unterworfen hatte (also eine politi- und deshalb unterdrückt und ausgerottet werden darf. Selbiges galt sche Unterdrückung existierte), ein Teil der persischen Kultur ohne auch für die sexistischen Ideologien. Allgemein wurde die Frauenun- Vorurteile übernommen. Dies wäre bei imperialistischen Besatzungs- terdrückung (in der zugespitztesten Form die Hexenverfolgung) mit truppen in einem Land des Trikont undenkbar... Andererseits gab es der Bibel gerechtfertigt. Kleine Sekten jedoch vertraten die Gleichheit auch die Legitimation von Unterdrückung. Besonders dort, wo die aller Menschen. Auf der anderen Seite wurde in dem berüchtigten Herrschaft einer Ethnie über die andere die Form der Klassenherr- "Hexenhammer" (1489) vertreten, daß alle Frauen potentiell mit dem schaft angenommen hatte. Dies war in Sparta der Fall, wo eingewan- Teufel schlafen wollen und somit als Hexen zu betrachten seien. derte Dorier die einheimische Bevölkerung versklavt hatten. Es gilt Doch der Rassismus dieser Periode war noch widersprüchlich und aber nicht allgemein für die Sklaverei, da viele Sklavinnen derselben Ethnie angehörten wie ihre Besitzer und auch Freie z.B. durch die Einnahme ihrer Stadt durch cine fremde Armee zu Sklaven werden konnten. Wesentlich schärfer war die Rechtfertigung für die Klassenherrschaft im allgemeinen. Egal, was mensch vorher gewesen war, in dem Moment wo er/sie versklavt wurde, war er/sie kein Mensch mehr, sondern ein Ding, mit dem rechtlichen Status eines Haustieres.
Dies war so allgemein anerkannt (zumindest unter den Freien), daß es oft nicht einmal mehr gerechtfertigt wur- ASYL de, sondern als göttergege- RECHT ben angesehen wurde. In der CREMDEN- Antike gab es also nur einen Rassismus. partiellen und begrenzten HASS Zeichnung: Haitzinger Renaissance nicht verallgemeinert. So wurde z.B. bei Shakespeare der venezianische Admiral Otello als wichtigster Charakter in seinem gleichnami- Renaissance und Frühbarock sind von anderen gesellschaftlichen gen Stück (ca. 1603) dargestellt. Schwarze wurden in der bildenden Strukturen geprägt. Insgesamt war der Feudalismus vorherrschend. Es Kunst - noch - als eigenständige Peronen abgebildet. Später, im gab aber schon ein expandierendes Handelskapital und bedeutendes Rokkoko, sind sie nur noch Stilmittel und modisches Accessoire. Bankkapital. Deutlichstes Zeichen dieser Expansion ist der Kolonia- Breite Teile der Bevölkerung merkten bereits, daß nichteuropäische lismus. In England und Holland wurden die kolonialen Expeditionen Völker unterworfen und politisch unterdrückt wurden. Doch das Los (oft genug einfache Raubzüge) von Kapitalisten finanziert. In Spanien der Masse der Bevölkerung war noch zu nahe am Los der Unterworhingegen war es cher der feudalistische Staat, der Geld für die fenen, als daß sich durchgängig rassistische Ideologien hätten bilden zahlreichen Kriege brauchte. In den Kolonien führte dies zu wirt- können. schaftlichen Mischformen. Bestimmte Plantagengüter mußten bereits auf einem kapitalistischen Markt konkurrieren, auf den Plantagen selber herrschte blanke Sklaverei. Das Gold aus den Kolonien ermög- Alle sind gleich - einige sind gleicher: die französische Revolution lichte einen enormen Ausbau des Handelskapitalismus, der teilweise sogar in die Produktion eindrang (Bergwerke der Fugger). Gleichzeitig bildeten sich rassistische Ideologien gegenüber den unterworfenen Der allumfassende Anspruch des Christentums hatte schon die Völkern. Diese waren zumeist religiös ummäntelt (Kampf gegen die oben beschriebenen ideologischen Widersprüche hervorgebracht. Heiden). Doch die religiöse Ideologie des Christentums war nicht auf Der unter einem Berg von Herrschaftsideologien verborgene Gleichdiese Auswirkung und Form des Rassismus beschränkt. So gab es auf heitsanspruch, der mit der Wirklichkeit grausam zusammenstieß, war dem "linken Flügel" ChristInnen, die es mit dem universellen An- vielen neu getauften Indianerinnen Ansporn zum Widerstand und spruch des Christentums (Gott hat alle Menschen erlöst) ernst meinten mündet in der neueren Zeit in der Befreiungstheologie. Noch krasser und sich gegen die Brutalitäten der Conquistatoren stellten. Einige wurde im Falle des Rassismus der Zusammenstoß zwischen der wenige kämpfen sogar zusammen mit aufständischen Indianerinnen. Ideologie der Herrschenden mit der Wirklichkeit der Beherrschten Auf dem "rechten Flügel" tauchten Ideologien auf, die bereits nahe am nach der französischen Revolution. Schon im amerikanischen Unabmodernen Rassimus sind. So wurde erklärt, daß Heide Heide bleibt hängigkeitskrieg waren Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ver-
die Internationale kündet worden. Doch die Schwarzen blieben Sklaven, die Frauen ohne und Gesetze. Dies gilt sowohl für den Staat in den Kolonien als auch Wahlrecht. Auch Frankreich besaß zahlreiche Kolonien, in denen die in den Mutterländern. Die bis heute vorherrschende Form des verall- Unterworfenen nicht daran dachten, die Gleichheit auf die Weißen zu gemeinerten und institutionalisierten Rassismus war geboren. beschränken. So kämpfte Haiti unter Toussaint de Louverture und nach seiner Inhaftierung 1791-1804 erfolgreich gegen französische Demokratischer Rassismus
Kolonialtruppen.
Doch die europäische aufgeklärte bürgerliche Ideologie befand Der rechte Flügel der Sozialdemokratie vertrat am Anfang des sich in einem Widerspruch. Wenn alle Menschen gleich waren, Jahrhunderts nicht die in bürgerlichen Kreisen vorherrschende Form warum war die Wirklichkeit der Klassenherrschaft, der Frauenunter- des Rassismus mit ihren "Rassentheorien". Er vertrat die heutzutage drückung und der ethnischen Unterdrückung dann so frappierend vorherrschende Form des Rassismus, die wir als "demokratischen anders? Hier liegt der Ausgangspunkt der "modernen Rassentheo- (oder Kultur-) Rassismus" bezeichnen wollen. Die unterdrückten rien", wie sie z.B. von Wagners Schwiegersohn Chamberlain vertre- Völker wurden nicht als genetisch minderbemittelt hingestellt. Ihnen ten wurden. Der Widerspruch zwischen ideologischem Anspruch und wurde die Fähigkeit zur Demokratie, die Disziplin zum Arbeiten Wirklichkeit wurde "gelös!" indem "bewiesen" wurde, daß es sich bei abgesprochen - aufgrund ihrer "kulturellen Rückständigkeit". Diese den unterdrückten Ethnien entweder nicht um Menschen oder Men- Form des Rassismus ist auch heute vorherrschend. Der deutsche schen zweiter Klasse handelte. Ähnliches wurde auch mit den Frauen Faschismus hat offene Rassentheorien diskreditiert. Doch Rechtfertiund teilweise sogar der weißen ArbeiterInnenklasse gemacht. Es gungen für Unterdrückungen gibt es en masse. So wurden im Golfreicht an diesem Ort, diese Ideologie zu erklären. Sich mit ihnen krieg Muslime als amorphe Masse, die einem Führer zujubeln will, wissenschaftlich auseinanderzusetzen ist müßig. Selbst wenn es hingestellt. "Linke" rechtfertigen die Aufrechterhaltung der rassisti- "Rassen" gäbe, würde daraus noch lange nicht die Notwendigkeit der schen Ausländergesetze und der in ihnen enthaltenen Beschneidung Unterdrückung einer bestimmten fließen. Insofern ist die Fragestel- von Rechten mit dem Sexismus von "türkischen Männern" oder der lung politisch irrelevant. Relevant ist nur, daß die Ideologie der angeblichen Intoleranz der islamischen Religion. bürgerlichen Revolution vor dem Hintergrund der Wirklichkeit und der realen Klassenkämpfe entweder bis zum konsequenten Internatio- Nationalismus, Chauvinismus und Internationalismus: nalismus und damit revolutionären Marxismus zuendegedacht werdie historische Debatte den kann oder aber im primitivsten Rassismus und damit in der Barbarei enden kann. Das 20. Jahrhundert sollte dies bestätigen. Die
Oktoberrevolution und die frühe Komintern verkörperten die erste, der Die marxistische Bewegung in der ersten Hälfte dieses Jahrhundeutsche Faschismus die zweite Möglichkeit. derts begegnete dem Rassismus hauptsächlich in zwei Formen: dem Doch die "modernen Rassentheorien" entwickelten sich nicht Chauvinismus gegenüber unterdrückten Nationalitäten in Vielvölkereinfach als Perversion der bürgerlichen Ideologie. Sie entstanden vor staaten (Osterreich-Ungarn, Rußland, Großbritannien, Deuschland) dem Hintergrund des Imperialismus. Die Welt wurde aufgeteilt, die und dem Chauvinismus gegenüber den Kolonialvölkern. Abgeschen drei Kontinente systematisch ausgebeutet und unterdrückt. Stellver- von der jungen Schwarzenbewegung in den USA war das heutige tretend seien hier die brutale Niederschlagung des "Boxeraufstandes" Problem des Rassismus gegenüber einer großen, territorial von der in China im Jahre 1900, die britischen Kolonialkriege in Afrika und unterdrückenden Ethnie nicht abgegrenzten unterdrückten Ethnie das Massaker an den Hottentotten durch deutsche Kolonialtruppen oder zahlenmäßig starken Arbeitsimmigration fast nicht bekannt. 1907 genannt. Die strukturelle Haltung des Trikont in Abhängigkeit Dennoch wurden von revolutionären MarxistInnen aufgrund der durch Westeuropa, Japan und die USA wurde vollendet. Das letzte damaligen Situation Ansätze entwickelt, die sowohl bei der Klärung von uns genannte Datum, 1907, weist aber auf ein anderes Problem des Begriffes "Rassismus" helfen, als auch Gegenstrategien aufzeihin, welches sich mit dem Imperialismus entwickelte. In diesem Jahr gen können.
mußte die SPD deutliche Verluste an Sitzen bei den Reichstagswahlen hinnehmen. Die Rechte hatte einen ausschließlich rassistischen Selbstbestimmungsrecht der unterdrückten Nationen Wahlkampf vor dem Hintergrund des Kolonialkrieges geführt und Einbrüche in die Arbeiterinnenschaft erzielt. Hier zeigte sich ein Diese heute in linken Kreisen umstrittene Theorie wurde in der Phänomen, welches sich nach dem zweiten Weltkrieg noch enorm revolutionären Sozialdemokratie hauptsächlich von Lenin vertreten. verstärken sollte: die ArbeiterInnenbewegung des 19. Jahrhunderts Den ihr zugrundeliegenden Ansatz. haben wir auch für unsere Analyse war gegenüber dem Rassismus relativ immun gewesen. Die erste In- des Rassismus verwendet. Lenin betrachtete Ideologie nicht als etwas ternationale war zusammen mit einer Unterstützungsdemonstration von den realen (Unterdrückungs-) Verhältnissen losgelöstes. Nationafür das unterdrückte Polen gegründet worden. Die bewußte Arbeite- litäten, die unter einer realen Unterdrückung zu leiden hatten, wurde rinnenbewegung sah sich damals noch überall in einer ähnlichen das Recht auf einen eigenen Staat zugestanden. Der Nationalismus der Lage, wie die unterdrückten Nationalitäten. Doch der Imperialismus unterdrückenden Nationalität wurde als Rechtfertigungsideologie konnte mit seinen Extraprofiten bedeutende Reformen in den imperia- geschen und auch in den Reihen der Arbeiterinnenbewegung gnadenlistischen Staaten finanzieren. Das Lebensniveau der weißen Bevöl- los bekämpft. Der Nationalismus unterdrückter Nationen wurde ebenkerung stieg und gleichzeitig wurde der Trikont immer effektiver falls nicht gutgeheißen, aber als (wenn auch verkehrter) Ausdruck des ausgebeutet. Auch die politische Unterdrückung in den Metropolen Widerstandes eingeschätzt und daher cher durch "Erzichung" bcunterschied sich immer mehr von der in den abhängig gehaltenen kämpft. Konkrete Forderungen dieses Nationalismus (Lostrennung, Ländern. Massenmedien machten diese Erfahrung zu einer allgemei- Recht auf eigene Sprache, Unterricht usw.) wurden unterstützt. Zu nen. Recht polemisierten z.B. Lenin und Trotzki (ersterer in der "russi- Der Imperialismus brachte den unter der weißen (und japanischen) schen Frage, letzterer u.a. in der Frage des chinesisch-japanischen Bevölkerung verallgemeinerten Rassismus hervor. Gleichzeitig wur- Krieges) gegen Pseudointernationalisten, die den Nationalismus der de der Rassismus zum festen Bestandteil der staatlichen Strukturen unterdrückten Nationen mit dem der unterdrückenden gleichsetzten 20 INPREKORR 241
die Internationale und so die Ideologie von der wirtschaftlichen und politischen Basis bürokratisierte Übergangsgesellschaft werden immer wieder Rassisabtrennten. mus hervorbringen. Außerdem können Marxistinnen der Forderung
In seiner Diskussion der ukrainischen Frage führte Trotzki einen nach Akzeptanz aller Kulturen oder gar der "kulturellen Autonomie" weiteren Grund dafür an, zwischen dem Nationalismus der unter- nicht zustimmen. Grundlegend lehnen wir jede real existierende drückten und dem der unterdrückenden Nationen zu unterscheiden. Kultur in der Hinsicht ab, daß sie als Produkt einer Klassengesellschaft Für unterdrückte Nationalitäten bedeutet das "nationale Bewußtsein" immer die in dieser Vorhandenen Unterdrückungen widerspiegelt und oft den ersten Schritt in die politische Aktion. Die Logik dieses fortsetzt. Insofern haben wir auch keinerlei Interesse an der Beibehal- Arguments ist leicht einzusehen. Wenn z.B. ein weißer Deutscher tung dieser Kulturen in ihrer jetzigen Form. In der konkreten Arbeit sagt, "ich bin stolz ein Deutscher zu sein", dann ist er stolz darauf einer muß natürlich auch hier zwischen der unterdrückenden und der unterunterdrückenden Nationalität anzugehören. Sagt aber z. B. ein schwar- drückten Kultur unterschieden werden. Wir würden das berühmte zer Amerikaner "*ich bin stolz, ein Schwarzer zu sein", so empfindet er "Kopftuch" gegen pseudofortschrittliche Angriffe von Deutschen sich nicht länger als Mensch zweiter Klasse. natürlich verteidigen, weil ein solcher Angriff eine rassistische Binschränkung von Seiten der unterdrückenden Ethnie wäre. Darüberhi- Schwarzenorganisation naus bringt solche "fortschrittliche" Unterdrückung nur die reaktionăren Seiten der unterdrückten Kultur zur Geltung und verfestigt in Die SWP (Socialist Workers' Party, damals US-amerikanische diesem Fall den Sexismus. Gleichzeitig werden wir aber GenossInnen Organisation in Sympathie zur Vierten Internationale) beschloß 1939, aus der Arbeitsimmigration dabei unterstützen, gegen die reaktionăsich für den Aufbau einer Schwarzenorganistion einzusetzen. Dies ren Seiten ihrer Kultur anzugehen. war ein bis dahin in der sozialistischen Linken weithin unbekanntes Antirassismus und Eintreten für den Sozialismus sind untrennbar Vorgehen. Abgesehen von den jüdischen Organistionen im Zaren- miteinander verwoben. Die Arbeitsimmigration ist ein bedeutender reich war immer von multinationalen Organisationen und Parteien und oft sehr militanter Teil der Arbeiterinnenklasse in Deutschland. ausgegangen worden. Korrekterweise gingen die amerikanischen Die Aufgrund des Rassismus vorhandene Spaltung innerhalb der TrotzkistInnen jedoch davon aus, daß die Schwarzen einem so extre- Klasse muß beseitigt, oder zumindest neutralisiert werden, um die men Rassismus (auch innerhalb der Arbeiterinnenschaft) ausgesetzt Klasse zu einen und gegen eine der abstoßendsten Formen der Untersind, daß sie eine eigene Organisation - getrennt von den unterdrük- drückung anzugehen. Ziel ist, daß die große Mehrheit der ArbeiterInkenden Nationalitäten - brauchen. Die schwerwiegende Spaltung der nen Klassenbewußtsein erlangt, in dem Sinne, daß sie sich bewußt US-amerikanischen ArbeiterInnenklasse war nach Ansicht der SWP sind, daß sie das alte System stürzen müssen und können, um die nur dadurch zu überwinden, daß sich die besonders Unterdrückten Befreiung aller Unterdrückten zu gewährleisten. Dies wird aufgrund eigenständige Strukturen aufbauen, um zur unabhängigen politischen des starken Rassismus innerhalb der ArbeiterInnenbewegung nur über Aktion zu kommen. Daher war die "Schwarzenorganisation" auch den "Umweg" einer unabhängigen Immigrantinnenbewegung gehen, nicht als "Frontorganisation" der SWP gedacht, sondern als pluralisti- die die Freiräume einer solchen Art von Bewegung nutzt, um ihre sche Massenorganisation. Rechte deutlich einzufordern. Sie könnte genügend Kraft entwickeln, Wenn es auch nicht zur Bildung dieser "Schwarzenorganistion" um das Bild von hilflosen und unterprivilegierten "Ausländer" gründkam, so hat doch die antirassistische Bewegung in den USA gezeigt, lich zu zerstören. Diese "Unabhängigkeit" (im Sinne einer Führung, daß sich quasi spontan auf dem radikalen Flügel rein schwarze die deutlich von ImmigrantInnen und Flüchtlingen gestellt wird und Gruppen bildeten. Diese waren revolutionäre schwarze NationalistIn- Unabhängigkeit von weißen Organisationen) der Bewegung schließt nen (oft mit maoistischem Einschlag, wie die "Black Panthers") oder natürlich die Unterstützung durch Weiße mit ein. Die Hauptaufgabe radikal religiös (Black Muslims). Die SWP sah den revolutionären wäre hier, die Bewegung gemeinsam mit Immigrantinnen in die Kern dieser Strömungen und unterstützte z.B. Malcolm X. Sie tat dies Betriebe und Gewerkschaften zu tragen und durch die Verbindung von nicht kritiklos, unterschied aber schr wohl zwischen dem radikalen sozialem und antirassistischem Kampf nicht nur die Macht zu ent- Nationalismus eines Malcolm X und eines McCarthy... Die SWP sah wickeln, gegen rassistische Gesetze und soziale Benachteiligung die unabhängige Organisierung von Schwarzen und deren eigene anzugehen, sondern langfristig auch eine internationalistische und radikale Politik als eine Vorausbedingung für die Einheit a) der Klasse sozialistische Perspektive aufzubauen, die den Sturz des Instrumentes und b) der Unterdrückten, ohne die eine Revolution nicht erfolgreich möglich macht, welches alle Unterdrückung bündelt und fortschreibt sein kann. Diese ist aber notwendig, um die Grundlagen des Rassis- - des bürgerlichen Staates. Erst sein Sturz wird die grundlegende mus, die kapitalistischen Strukturen der Weltwirtschaft und die sie Umgestaltung der Wirtschaft zu einer demokratischen Planwirtstützenden Staaten, zu beseitigen. schaft ermöglichen und so von dem im gemeinsamen (antirassistischen und sozialen) Kampf gewonnenen Klassenbewußtsein (und den Permanente Revolution in der Metropole bereits erkämpften sozialen und politischen Verbesserungen) ausgehend die vollständige Überwindung der Ungleichheiten angehen.
Die endgültige Befreiung vom Rassismus kann nur durch eine Eine wirkungsvolle und bewußte Bekämpfung des Rassismus erfolgreiche Revolution möglich gemacht werden, aber deshalb darf kann es nur unter der Führung der Unterdrückten, also der vom die Lösung dieses Problems - ebensowenig wie die Frauenfrage, auf Rassismus Betroffenen, geben, wobei es Aufgabe der Arbeiterinnenden linken Sanktnimmerleinstag verschoben werden. Die Linke muß bewegung und Linken wäre, diese dabei zu unterstützen und gemeinschon heute konkrete Schritte in die richtige Richtung entwickeln. Ihre same Kämpfe zu führen, um wieder cine glaubhafte internationalisti- Organisationen und Arbeitszusammenhänge müssen auch in dieser sche und sozialistische Alternative zum herrschenden System zu Frage die "Keimform" der befreiten Gesellschaft ausdrücken.So kann erkämpfen.
auch gemeinsamer ökonomischer Kampf allein (so wichtig er ist)
nicht die Binheit zwischen schwarzen und weißen Arbeiterinnen schaffen. Genausowenig können Konzepte der "multikulturellen Gesellschaft" grundlegendes ändern. Eine kapitalistische oder auch
die